Konzerte
Auf Konzerten trifft man mich oft an. Manche Bands möchte ich selbst sehen, zu anderen gehe ich mit.
Kunst
Ich kann nicht behaupten, dass ich mich sonderlich gut mit Kunst auskenne, Ausstellungen mag ich dennoch.
Festivals
Höchstens ein Festival pro Jahr, sage ich immer.
Ohne Erfolg.
Fleischersatz
Seit 2004 esse ich kein Fleisch mehr. Würstchen und Konsorten kommen trotzdem auf den Tisch.

Sendeschluss: alt-J - In Cold Blood

U.

Iggy Pop hat anscheinend eine Zweitkarriere als Moderator von Naturdokumentationen. Diese hier hat es allerdings so in sich, dass ich darauf hoffe, dass die arme Protagonisten-Maus nur ein routinierter Mäuseschauspieler ist. Sonst wäre das arme Tier womöglich von den Dreharbeiten völlig traumatisiert.

Sendeschluss: The Charlatans - Plastic Machinery

U.

Es gab diese kurze Phase in den 90ern, in denen Tim Burgess einen relativ normalen Haarschnitt hatte. Man konnte seine Augen sehen! Es kann ihm nicht gefallen haben, denn seit Ewigkeiten trägt er wieder seinen gewohnten Mop, der außerdem seit geraumer Zeit blondiert ist.

Auch das Lied "Plastic Machinery" erinnert an alte Zeiten, denn es klingt... richtig gut! Die Band bewegt sich im Video in verschiedenen Gegenden Barcelonas und verbreitet gute Laune. Bleibt abzuwarten, ob das neue Album "Different Days" ebenfalls so eingängig klingt.

Gekauft: April 2017

U.

Über Ostern habe ich meinen Kleiderschrank aussortiert, zwei riesige Tüten Kleidung zum Altkleidercontainer geschleppt und zum etwa 20. Mal beschlossen, dass ich ab jetzt viel weniger Bekleidung kaufe, noch sorgfältiger auswähle und dann nur noch Stücke besitze, die ich wirklich mag.

Nichtsdestotrotz habe ich im April auch bei Zalando bestellt. Vor kurzem entdeckte ich, dass der Onlineshop mittlerweile Artikel der von mir sehr geschätzten Marke "All Saints" führt, was dazu führte, dass ich mir einen teuren Rock und einen reduzierten Pullover aussuchte. Vielleicht war es ja durch den ersten Absatz aktiviertes Karma, aber obwohl ich in den letzten Jahren sicherlich fünfmal bei Zalando bestellt und als Lieferadresse stets meine Büroadresse gewählt habe, wurde diese Bestellung nun mit dem Vermerk "Empfänger unbekannt" zurück geschickt.


Zalando riet mir, dieselben Sachen einfach noch einmal zu bestellen und die Empfängeradresse nochmals zu prüfen  - wobei es hier nichts zu prüfen gibt - also habe ich das nun getan und bin gespannt, ob meine Bestellung dieses Mal bei mir ankommt. Und dann werde ich, gemäß meinen Vorsätzen, sehr genau abwägen, ob der Rock und der Pulli Dinge sind, die aktuell in meiner Garderobe fehlen. Versprochen.


Gesehen: April 2017

U.

Schon wieder kann ich über einen aktuellen Film berichten, Guardians of the Galaxy Vol. 2. Seltsam eigentlich, dass der Film keinen weiteren Titel hat, wie das sonst bei Marvel-Filmen üblich ist (also beispielsweise Captain America: Civil War).

Eigentlich war damals mein Hauptgrund, in das "Marvel Cinematic Universe" mit seinen mittlerweile Massen von Filmen einzusteigen, dass ich mich auf den ersten Avengers-Film freute, dessen Regisseur Joss Whedon war. Es schien quasi Voraussetzung für das Verständnis des Whedon-Films zu sein, dass man eben auch alles kannte, was bis dahin ins Kino kam, also die Iron Man-Filme, den zweiten Teil der Hulk-Serie sowie Thor. Mittlerweile ist Joss Whedan nach zwei Avengers-Teilen aus dem Projekt wieder ausgestiegen, dafür nimmt die Zahl der neuen Marvel-Filme immer weiter zu - letztes Beispiel ist der erneute Reboot der Spiderman-Filmreihe, den ich nun wirklich für übertrieben halte.

Als dann 2014 in der Post Credit Scene von Thor 2 - The Dark World auf den neuen Handlungs-Seitenast Guardians of the Galaxy verwiesen wurde, war meine erste Reaktion, dass jetzt meine Grenze erreicht war. Noch mehr Zeit wollte ich in diesen Marvel-Kram nicht investieren, von den Charakteren hatte ich noch nie gehört, das Ganze sah trashig aus und irgendwo ist auch einmal Schluss. Tatsächlich sah ich Teil 1 dann nicht im Kino.

Später auf Sky zeigte sich allerdings, dass Guardians of the Galaxy um einiges sehenswerter war als so mancher Iron Man-Film. Die Geschichte ist nur lose an den Rest des "Universums" angehängt, alle Figuren waren mir neu und vor allem: Die Handlung war gleichermaßen unterhaltsam, spannend und lustig.

Auf Teil 2, der seit letzter Woche im Kino läuft, hatte ich mich also tatsächlich gefreut, und ich wurde wiederum sehr gut unterhalten. Zur Handlung möchte ich gar nicht viel sagen, weil jede Nacherzählung ohnehin nur Sinn ergibt, wenn man zumindest Teil 1 kennt. Aber ich musste tatsächlich mehrmals laut lachen, und das passiert mir bei Filmen gar nicht einmal so oft.

Gelesen: April 2017

U.

Im April las ich die Romanversion von Miss Peregrine's Home for Peculiar Children - nachdem ich letztes Jahr bereits den gleichnamigen Film von Tim Burton gesehen hatte. Der Roman erzählt weitestgehend dieselbe Geschichte: Jacob führt ein ziemlich leeres Leben, hat quasi keine Freunde und ein distanziertes Verhältnis zu seinen Eltern. Als Kind fühlte er sich seinem Großvater nahe. Dieser zeigte ihm diverse Fotos seltsamer Kinder, die scheinbar fliegen konnte, unsichtbar waren oder unendlich stark, und behauptete, er sei mit ihnen aufgewachsen. Der ältere Jacob hält die Fotos für Fälschungen, ist aber dennoch tief getroffen, als der Großvater ermordet wird und er glaubt, am Tatort ein Monster gesehen zu haben.


Jacob überredet seinen Vater dazu, mit ihm nach Wales zu reisen, wo der Großvater während des zweiten Weltkriegs in einem Kinderheim war. Zunächst entdeckt er nur ein verfallenes Haus, doch dann findet er eine versteckte Zeitschleife - und erkennt, dass die Kindheitsfreunde seines Großvaters, die er von den Fotos kannte, tatsächlich existieren und außerhalb der voranschreitenden Zeit immer noch leben - und sich so vor den Monstern verstecken, von denen Jacob eines gesehen hat.

Bis zu dieser Stelle sind Buch und Film nahezu gleich. Vermutlich ist der Film aber, anders, als das aktuell üblich ist, nicht auf Fortsetzungen ausgelegt, während der Roman nur der erste Teil einer Buchreihe ist. Wohl deshalb schreitet die Geschichte im Film deutlich weiter voran als das im Buch der Fall ist. Es gibt auch weitere Änderungen - beispielsweise verliebt sich Jacob im Film in Emma, ein Mädchen, das so leicht ist, dass es ohne seine besonders schweren Schuhe wegfliegen würde. Im Buch verliebt er sich ebenfalls in Emma, dieses Mädchen kann aber mit seinen Händen Feuer machen. Das federleichte Mädchen kommt im Buch ebenfalls vor, heißt aber Olive und spielt keine größere Rolle.


Zu erwähnen wäre noch die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte des Romans: Ransom Riggs, der Autor, hatte nämlich zunächst nur eine Sammlung seltsamer, auf Flohmärkten zusammengetragener Bilder und plante ursprünglich, diese als Fotobuch zu veröffentlichen. Sein Verleger machte dann der Vorschlag, sich doch lieber eine Geschichte um die Bilder herum zu überlegen - was Riggs dann in die Tat umsetzte.

Weiß man über die Entstehungsgeschichte des Romans Bescheid, erklärt das auch, dass manche Bilder im Buch doch etwas an den Haaren herbeigezogen scheinen - zumindest ist es aus der Leserperspektive schwer vorstellbar, dass es zu jeder noch so nebensächlichen Handlung ein begleitendes Foto zu geben scheint. Nichtsdestotrotz ist die Idee, einmal von den Illustrationen ausgehend eine Geschichte zu schreiben, natürlich faszinierend.

Ein weiterer Podcast - und meine imaginären Freunde

U.

Ich weiß nicht, wie anormal das eigentlich ist, also frei heraus damit: Ich habe imaginäre Freunde. Damit meine ich nun nicht die unsichtbare Variante, die viele Kinder in jungen Lebensjahren kultivieren (ich selbst meines Wissens nicht), sondern lebende Menschen, die atmen, denken und Wein trinken... allerdings ohne dabei zu wissen, dass sie mit mir befreundet sind, oder auch nur, dass ich existiere.

Letztlich würde ich hier vermutlich weniger deutlich seltsam dastehen, wenn ich mich einfach als ganz normaler Fan darstellen würde, und die Unterschiede sind zugegebenermaßen klein. Nehmen wir beispielsweise Stefan Niggemeier: Woher ich den Medienjournalisten kenne, weiß ich gar nicht mehr, jedenfalls las ich seine Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und später auf seinem Blog meist mit häufigem Kopfnicken und dem Gefühl "Ja, der hat Recht, mit dem würdest Du Dich gut verstehen!" Hauptsächlich wegen Niggemeier wurde ich vor einigen Jahren zahlende Unterstützerin des Journalistenprojekts "Krautreporter" und stieg nach einem Jahr wieder aus, als er das tat. Dass ich bislang keine Kundin seines neuen und sicherlich lesenswerten Projekts "Übermedien" bin, verraten wir ihm bitte nicht, ok?


Als Privatfernsehzuschauerin der ersten Stunde (meine Eltern hatten bereits in den späten 80er Jahren Kabelfernsehen) wuchs ich mit MTV und VIVA quasi auf, wobei mir natürlich Sarah Kuttner ein Begriff wurde, die ab 2001 bei VIVA moderierte und später sogar eine eigene Abendshow bekam. Ich kann mich nicht erinnern, die Show sonderlich oft gesehen haben, weil ich in den fortschreitenden 2000ern dem Musikfernsehen langsam entwuchs. Zumindest habe ich Kuttner aber als vergleichsweise un-nervig in Erinnerung (Ja, aus meiner Sicht ist das schon ein Kompliment), was sich in späteren Formaten wie "Kuttners Kleinanzeigen" oder "Bambule" bestätigte. Meine imaginäre Freundin ist sie aber erst, seit ich ihr auf Twitter folge - dort zeigt sie zum einen viel Humor auf eigene Kosten und zum anderen eine Persönlichkeit, die sich erfreulich menschenfeindlich gibt, wenn diese Wortkombination denn einen Sinn ergibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir gemeinsam ähnliche Menschen und Dinge ablehnen könnten. Außerdem waren wir beide nach dem Abitur als Au Pair-Mädchen in London, was allein schon für ein abendfüllendes Gespräch reichen sollte.

Mit der Zeit und via Twitter (wo ich übrigens nur lese und niemals schreibe) bekam ich dann mit, dass Stefan Niggemeier und Sarah Kuttner im echten Leben miteinander befreundet sind. Toll! Juhu! Schön für die beiden! Beide haben Hunde, über die sie viel berichten - als Katzenbesitzerin kann ich mir zwar noch spannendere Tier-Gesprächsthemen vorstellen, aber generell mag ich alle Tiere, das geht also in Ordnung.


Meine dritte imaginäre Freundin ist die Journalistin Anja Rützel, die auf Spiegel Online über Fernsehformate wie das Dschungelcamp berichtet - und das einerseits akkurat und witzig, andererseits aber auch mit durchaus intellektuellem Anspruch. Meist macht das Ansehen eines Trash-Formats wie etwa des "Promikegeln"s auf RTL2 (Ja, das gab es wirklich) signifikant weniger Spaß, als den dazu entstandenen Artikel zu lesen. In den letzten Jahren wartete ich zur Dschungelcamp-Saison im Januar jeden Morgen ungeduldig auf die neueste Rützel-Kritik - meist lohnte sich deren Lektüre weit mehr als die aufs Maximale ausgedehnten Folgen.

Frau Rützel folge ich ebenfalls auf Twitter, weshalb ich auch ihren Hund zumindest optisch schon recht gut kenne, außerdem machen ihre Tweets zu Sendungen wie dem "Bachelor" oder "Germany's Next Topmodel" selbige gleich deutlich erträglicher - tatsächlich sehe ich manchmal, wenn ich bei einem solchen Trashformat hängenbleibe, nach, ob es vielleicht unterhaltsame Rützel-Live-Tweets zum Thema gibt.


Wer bis hierher gelesen hat, kann sicherlich meine unbändige Freude darüber nachvollziehen, als ich erfuhr, dass Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier nun gemeinsam einen Podcast machen. Seit mittlerweile sechs Folgen präsentieren sie "Das kleine Fernsehballet" auf der Streamingplattform Deezer und sprechen darin miteinander teils über aktuelle US-Fernsehserien wie Big Little Lies oder 13 Reasons Why - zwingen einander aber auch, deutsche Fernsehperlen Das große Promibacken oder Kerners Köche durchzustehen und darüber zu berichten.

Nun, besser hätte man ein Podcastthema wohl kaum auf mich zuschneiden können. Zu allem Überfluss war dann in Folge 4 auch noch Dirk von Lowtzow von Tocotronic zu Gast - kein Phantasiefreund von mir, ich mag nicht einmal Tocotronics Musik sonderlich, aber ich wusste bereits seit einem Video vor einigen Jahren, dass er wie ich Buffy-Fan ist. Und prompt versuchte er im Podcast, Niggemeier und Kuttner den Charme dieser Serie näher zu bringen (was, wären wir tatsächlich befreundet, natürlich meine Aufgabe wäre. Aber immerhin schön, dass sie jemand erledigt).

Als ich bereits dachte, besser könne es mit mir und meinen imaginären Freunden , die sich nun ja quasi einmal pro Woche bei mir melden, kaum werden, wurde für Folge 6 auch noch als Gast wer angekündigt? Genau, Frau Rützel. Die besagte Folge gefiel mir dann auch ausgesprochen gut. Anders als vorherige Gäste durfte Anja Rützel bei allen zu besprechenden Fernsehformaten mitdiskutieren, weil sie ohnehin alles bereits angesehen hatte. Die Gespräche zu Fleabag, The Story Of My Life und Curb Your Enthusiasm enthielten genau die richtig Mischung aus Informationen, Enthusiasmus und beißender Kritik, mit der ich mich identifizieren konnte.

Es ist vermutlich schon angekommen: Ich bin, so weit mir das mit meiner eher nüchternen Persönlichkeit möglich ist, begeistert. Und die Beteiligten können sich darüber freuen, dass ich nicht wie sie in Berlin wohne und folglich die Chance gering ist, dass ich demnächst vor ihren Häusern herumhänge oder sie im Supermarkt verfolge.

Sendeschluss: Bedroom Eyes - After I was a kid but before I grew up

U.

Vor einer Weile wurde bekannt gegeben, dass die Kult-Fernsehserie Twin Peaks nach nur etwa 25 Jahren Unterbrechung fortgesetzt wird - am 25. Mai geht es los. In meinem Haushalt wurde das zum Anlass genommen, den lange gehegten Plan, die ursprüngliche Serie nochmals anzusehen, umzusetzen. Für mich kam das mit der Erkenntnis, dass ich größere Teile der Handlung entweder vergessen oder gar nie gesehen habe. Beispielsweise war mir nicht klar, dass der Mord an Laura Palmer mit dem Ende der ersten Staffel überhaupt nicht aufgeklärt ist - mittlerweile sind wir schon mitten in der zweiten und wissen immer noch nicht offiziell, wer es war!

Der schwedische Musiker Bedroom Eyes hat Twin Peaks offenbar deutlich besser im Gedächtnis als ich und wichtige Handlungselemente "geschwedet" - und dabei der Einfachheit halber selbst sämtliche Rollen übernommen. Selbst das bekannte Foto von Laura Palmer sieht irgendwie anders aus...


Podcasts erzählen Geschichten (2): Untold - the Daniel Morgan Murder und Der talentierte Mr. Vossen

U.

Im Kielwasser des Erfolgs von "Serial" sind mittlerweile noch viele andere Podcasts produziert worden, die ähnlich wie ihr Vorbild das flexible Format dafür nutzen, eine etwas längere wahre Geschichte zu erzählen. Häufig drehen sich die Formate um Verbrechen, gerne auch um ungeklärte. So ist das auch bei "Untold - the Daniel Morgan Murder".

Daniel Morgan war ein Privatdetektiv aus dem südlichen London, der bereits 1987 unter mysteriösen Umständen auf dem Parkplatz eines Pubs mit einer Axt erschlagen wurde. Die Umstände des Verbrechens an sich waren seltsam, so war beispielsweise die Uhr des Opfers gestohlen worden, nicht aber seine Geldbörse. Dafür fehlten Notizen, die Morgan hätte bei sich haben müssen.

Dass das Verbrechen nach wie vor ungelöst ist, erweist sich bei diesem Podcast als weniger entscheidend als die Tatsache, dass die Metropolitan Police sich offenbar nicht im geringsten bemühte, etwas zur Aufklärung zu unternehmen und im Gegenteil offenbar großes Interesse daran hatte, den Mord zu verschleiern. Im Laufe von zwanzig Jahren gab es fünf offizielle Untersuchungen des Verbrechens, die allesamt scheiterten. Ohne das große Engagement der Familie des Ermordeten - sein Bruder kommt im Podcast häufig zu Wort - wäre der Mord mittlerweile sicherlich längst vergessen.


Im Grunde ist klar, dass Morgan entweder von seinem Partner oder dessen guten Freund (der praktischerweise bei der Polizei war und im Rahmen der Ermittlungen genug Gelegenheit hatte, Indizien zu manipulieren) ermordet wurde, zumal der Freund später bei der Polizei ausstieg und stattdessen neuer Teilhaber der Detektei wurde. Beweisen wird man das aber wohl nie können.

Was die Geschichte noch brisanter macht, ist, dass sie ein frühes Licht auf die Verflechtungen zwischen korrupten Polizisten und einer ebensolchen Presse wirft. Als Großbritannien 2011 vom "Phone Hacking Scandal" geschüttelt wurde, bei dem herauskam, dass insbesondere die Zeitung "News of the World" im großen Stil die Telefone Prominenter illegal abgehört hatte, kam unter anderem heraus, dass Jonathan Rees, besagter Geschäftspartner von Daniel Morgan, von der Zeitung 150.000 Pfund pro Jahr erhalten hatte, weil er ihr illegal über korrupte Polizisten Informationen beschaffte.

Tatsächlich wird einem beim Anhören des Podcasts des öfteren übel angesichts der Erkenntnis, in welchem Ausmaß Korruption und Vetternwirtschaft in einem "zivilisierten" Land wie Großbritannien offenbar vorherrschen. Nicht umsonst ist einer der Spender, mit deren Unterstützung der Podcast umgesetzt werden konnte, der Schauspieler Hugh Grant - der selbst bereits Artikel zum Phone Hacking Skandal veröffentlicht hat und ein öffentlicher Fürsprecher ist, wenn es darum geht, die Verantwortlichen strenger zu bestrafen.


Aber wie sieht es eigentlich in Deutschland aus? Auch hier gibt es doch sicherlich Menschen, die in der Lage wären, einen spannenden Podcast im Stil von "Serial" zu machen?

Das dachte sich offenbar auch der NDR und schickte letztes Jahr "Der talentierte Mr. Vossen" ins Rennen. Auch die Geschichte von Felix Vossen ist zweifellos eine gute Podcast-Vorlage: Der Nachfahre der deutschen Handtuch-Hersteller ließ sich als Aktienhändler in London nieder und schaffte es mit großer Geschwindigkeit und ohne nennenswerte Beweise seiner Handelserfolge, Freundschaften zu betuchten Briten zu schließen - die ihm dann schnell ihr Vertrauen schenkten und ihm kurz darauf große Teile ihrer Vermögen zur Anlage anvertrauten. Tatsächlich wurde aber kein Geld investiert: Vossen lebte in großem Stil von den Ersparnissen seiner Freunde, führte ein Doppelleben in der Drogenszene und setzte sich schließlich, nachdem er in 15 Jahren 60 Millionen Euro erhalten hatte und viele Anleger ihr Geld zurück wollten, über Nacht ab. Mittlerweile sitzt er im Gefängnis.

Die Geschichte an sich wirft auch viele Fragen auf: Wollte Vossen von Anfang an seine Freunde betrügen, oder ergab sich das nach und nach? War seine vielfach wahrgenommene nette und bescheidene Persönlichkeit komplett gespielt? Gab es Menschen in seinem Umfeld, die seine Geheimnisse kannten?

Dennoch ist der Podcast für mich eine Enttäuschung. Obwohl er als "Spurensuche" gestaltet ist und der recherchierende Journalist unter anderem nach London, Hamburg und Zürich reist, hatte ich nicht den Eindruck, dass im Rahmen dieser Reisen irgendwelche neuen Erkenntnisse gewonnen wurden. Letztlich weiß man nach dem Anhören der sieben Podcast-Folgen genauso viel, als hätte man einen längeren Artikel zu dem Thema gelesen. Während man als Zuhörer bei "Serial" und auch "Untold" gelegentlich den Eindruck erhält, quasi live dabei zu sein, wenn eine neue Information enthüllt wird - teils werden auch Informationen zu früheren Folgen nachgereicht, die mittlerweile eingegangen sind - erscheint der NDR-Podcast von Anfang an durchgeplant, ohne Raum für spannende Entdeckungen - die es dann auch nicht gibt. Die Geschichte an sich ist faszinierend, aber der Podcast dringt nicht unter ihre Oberfläche.


Podcasts erzählen Geschichten (1): Von Serial zu S-Town

U.

Schon vor einigen Jahren nutzte ich einen meiner Monatsrückblicke, um begeistert über den Podcast "Serial" zu berichten: Darin erzählt die Jounalistin Sarah Koenig über zwölf Folgen hinweg die wahre Geschichte eines Mordes in Baltimore. Die Ereignisse selbst sind höchst spannend und der exzellente Bericht darüber löste eine Welle ähnlicher Podcasts aus, die wie "Serial" das Medium nutzen, um einen durchaus spannenden Sachverhalt darzustellen, der sonst vermutlich keine öffentliche Plattform erhalten würde. Die Hörer können von Folge zu Folge mitfiebern, und nicht selten steht bei der Veröffentlichung der ersten Folgen noch gar nicht fest, worauf genau die "Handlung", es handelt sich ja immerhin um die Realität, hinausläuft.

Während die erste Staffel von "Serial" relativ ratlos endete - die Journalistin fasst die Erkenntnisse der früheren Folgen zum Ablauf des Mordes zusammen und kam zu der Erkenntnis, dass die Geschichte überaus rätselhaft, aber nach wie vor ziemlich unklar sei - gab es im Februar 2016 noch drei Zusatzfolgen, in denen berichtet wurde, wie der mutmaßliche und verurteilte Mörder Adnan Syed erneut vor Gericht befragt wurde - basierend auf den Erkenntissen des Podcasts. Mittlerweile wurde ein neue Prozess aufgesetzt, Syed ist aktuell auf Kaution frei.


"Serial" selbst befasste sich in einer zweiten Staffel letztes Jahr mit einem völlig anderen Thema, nämlich der Geschichte des in Afghanistan desertierten US-Soldaten Bowe Bergdahl, der fünf Jahre von den Taliban gefangen gehalten und schließlich von der US-Regierung über einen Gefangenenaustausch frei gekauft wurde - um dann zuhause als Deserteur angeklagt zu werden. Zugegebenermaßen hätte ich diesen Podcast vermutlich niemals angehört, wenn er nicht die zweite Staffel von "Serial" gewesen wäre, denn die Thematik interessierte mich ursprünglich weniger. Tatsächlich konnte ich mich dann aber doch für das Thema "US-Militär in Afghanistan" erwärmen - vielleicht gerade, weil ich praktisch nichts darüber wusste.

Für Bergdahl schaffte es der Podcasts allerdings nicht, seine Situation maßgeblich zu verbessern. In den USA gab es eine erbitterte öffentliche Debatte zu der Frage, ob es richtig gewesen war, den Deserteur, der an seiner Entführung ja quasi selbst schuld gewesen war, frei zu kaufen - und einer, der zu diesem Thema besonders viel Kritik auf Lager hatte, war Donald Trump, der Bergdahl im Rahmen seines Wahlkampfes Dutzende Male als "dirty rotten traitor" diffamierte. Tatsächlich argumentieren Bergdahls Anwälte mittlerweile, dass ein fairer Prozess unter Präsident Trump für ihren Mandanten unmöglich sei - bislang aber vergebens.


Vor einigen Wochen wurde nun der dritte Streich des "Serial"-Teams veröffentlicht, allerdings nicht als offizielle dritte Staffel. Es handelt sich um "S Town", die Geschichte der Bekanntschaft des Redakteurs Brian Reed mit einem hochintelligenten, depressiven Uhrenfanatiker aus Alabama namens John. Anders als bei "Serial" entfaltet sich die eigentliche Geschichte erst nach und nach. Reed reist zunächst nach Alabama, um der Behauptung Johns nachzugehen, in seiner Heimatstadt sei ein Mord geschehen, an dem die Polizei kein Interesse habe. Die Behauptung erweist sich als falsch, dafür ist Reed vom skurrilen, widersprüchlichen John und dessen Umfeld fasziniert - insbesondere, als dieser sich das Leben nimmt und einen Berg Rätsel hinterlässt.

Auch "S Town" habe ich mittlerweile komplett angehört und verstehe mittlerweile, dass es nicht als dritte Staffel von "Serial" veröffentlicht wurde: Das Tempo der Geschichte ist doch ein sehr anderes. "S Town" ist eine Art Sittengemälde mit philosophischen Anwandlungen. Johns Geschichte weist zwar ebenfalls Rätsel auf, und ebenso wie in der ersten Staffel von "Serial" kann man als Zuhörer auch nicht anders, als mit zu spekulieren, was nun beispielsweise mit Johns angeblichem Goldschatz passiert sein könnte... aber letztlich gibt es hier eine völlig andere, viel langsamere Art von Spannung.

Ich muss sagen, dass mich "S Town" weniger packen konnte als die beiden anderen Podcasts, weil es sich letztlich um eine sehr viel privatere Geschichte handelt - und weil ich so gar keinen Bezug zum amerikanischen Süden habe, was sicherlich hilfreich gewesen wäre, auch beim Verstehen mancher O-Töne. Dennoch erhält auch dieser Podcast begeisterte Kritiken, er ist also möglicherweise nur einfach nicht das, was ich erwartet hatte. Ich freue mich jedenfalls auf eine neue "Serial"-Staffel.

Perfect Evening: Jens Lekman im Kölner ARTheater

U.

Jens Lekman hat ein neues Album, das er aktuell auch live vorstellt - was ihn nach neunjähriger Pause am letzten Mittwoch auch nach Köln brachte. Ich hatte bei meiner Anreise aus Frankfurt mit einer Vollsperrung der S-Bahn-Strecke bei Ehrenfeld zu kämpfen, weshalb ich mich verspätete. Dennoch war das ARTheater bei meiner Ankunft noch deutlich lockerer gefüllt als bei Spaceman Spiff im Januar, es war überhaupt kein Problem, einfach nach vorne durchzugehen. Dennoch füllte der Raum sich vor Konzertbeginn durchaus - wenn das Konzert auch sicherlich nicht ausverkauft war, erwies sich die Besucherzahl aus Zuschauersicht als durchaus angenehm.


Lekmans Vorband war ein deutscher Sänger, Joe Scholes, der sich als "all the way from Köln Nippes" vorstellte. Wie Jens Lekman erzählt Scholes in seinen Liedern, die er allein zu seiner Gitarre vortrug, kleine Geschichten - etwa über einen Traum, in dem er seine Exfreundin in einem Eric Prydz-Aerobic-Musikvideo entdeckte. Zwei seiner Songs waren Smokey Robinson-Cover, gelegentlich spielte er zur Erweiterung des Instrumentespektrums auch Mundtrompete. Durch seinen so und auch durch seine Zwischenansagen bewiesenen Humor kam der Sänger beim Publikum gut an.


Auch Jens Lekman betrat die Bühne zunächst allein mit Gitarre und sang als erstes "To Know Your Mission" von seinem neuen Album "Life Will see You Now". Dessen Zeilen "But in a world of mouths / I want to be an ear / If there's a purpose to all this / Then that's why God put me here" kann man wohl als eine Art Lekman-Motto verstehen - wenn auch ein im Konzert-Kontext seltsames, angesichts der Tatsache, dass er ja aktuell vortrug und nicht zuhörte.

Ich hatte Jens Lekman bereits dreimal live gesehen, jedes Mal hatte er dabei andere Musiker dabei. Dieses Mal begleiteten ihn drei Frauen an Schlagzeug, Keyboard und Bass. Wie häufig bei Lekman gab es einen Dresscode: alle auf der Bühne trugen weiße Adidas Stan Smith-Sneaker.


Ein Großteil der live gespielten Lieder kam vom neuen Album, so auch das nun folgende "Evening Prayer", bei dem sich zeigte, dass die drei Damen auf der Bühne zwar mit Mikrophonen zum Mitsingen ausgestattet waren, das aber vielfach nicht taten - das weibliche Gesangssample für diesen Song kam vom Band und nur die Schlagzeugerin sang ein bisschen mit. Anschließend kam "Hotwire The Ferris Wheel", hier sangen dann alle drei Frauen mit. Der Song dreht sich wie viele andere um eine Episode aus Lekmans Leben: Er lief vor dreizehn Jahren mit einer Freundin durch Malmö, die trautig war, weil ihr Freund sie betrogen hatte. Zur Aufmunterung schlug Lekman ihr im Scherz vor, das Riesenrad, an dem sie gerade vorbei kamen, kurzzuschließen. Und die Freundin meinte, sie wisse, dass er eines Tages ein Lied über diesen Moment schreiben werde, und bat ihn, dass es nicht traurig sein solle.


"Postcard #17" stammt aus einer Phase, in der Lekman wöchentlich neue Lieder schrieb und veröffentlichte, die allesamt "Postcard" hießen - nur diese hier hat es aufs neue Album geschafft. Für "Wedding In Finistère" verwies er auf das im Stil des Albumcovers gemalte Bild einer Frau mit Sonnenbrille auf der Bassdrum - anscheinend ist das Lied über sie. Mit dem danach folgenden "I Know What Love Isn’t" kam zum einen das erste Lied, das nicht auf der aktuellen Platte zu finden ist - zum anderen begann der "Discoteil" des Abends. Die zwei winzigen Discokugeln des ARTheaters drehten sich begeistert, während das Lied ohne Pause in "How We Met, The Long Version" überging. Es folgte ein weiterer "Doppelpack" aus der Single "What’s That Perfume That You Wear?" (Lekman hat aus den im Song genannten Zutaten übrigens ein echtes Parfum kreieren lassen, das sich Fans am Merchandisestand kaufen können) und "Sipping On The Sweet Nectar". Am Ende vom letztgenannten Song wurde ein Tamburin in die erste Reihe gereicht, wo ihn ein Zuschauer folgsam schüttelte.


Dann war es wieder Zeit für etwas ruhigere Töne. Als Einleitung zu "Black Cab" erklärte Lekman, der nun folgende Song sei sicherlich vielen bekannt und man dürfe auch gerne mitsingen, aber bitte "gently, like in a church". Das funktionierte gut, es wurde gleichermaßen enthusiastisch wie leise mitgesungen. Nun folgte schon das letzte Lied des Hauptteils, wiederum vom neuen Album: "Dandelion Seed". Das Lied endete mit einer einstudierten Pose: Die Musikerinnen verließen nach und nach ihre Instrumente und hockten beziehungsweise knieten regungslos und auf Jens ausgerichtet, dieser verharrte zum Schluss mit geschlossenen Augen, erhobenem Kopf und an die Brust gedrückter Kappe.


Nach viel und lautem Applaus bekamen wir auch eine Zugabe, nämich erst eine etwas zu ruhige Version von "The Opposite Of Hallelujah", die auch das gewohnte "Luftglockenspiel" vermissen ließ, dann "A Postcard to Nina" (die darin enthaltene, bislang bei jedem Jens Lekman gesehene Geste, bei der er passend zur Textzeile seinen Namen in die Luft schrieb, blieb immerhin bestehen).

Nun verließ die Band ein weiteres Mal die Bühne, aber Lekman blieb, sichtlich vom Applaus erfreut und noch in Spiellaune, einfach da. Nun allein spielte er uns noch "A Man Walks Into A Bar", das er nach eigenen Angaben lange nicht vorgetragen hatte, vor, griff dann den aus dem Publikum gerufenen Wunsch nach "Shirin" auf und spielte zum Schluss noch das großartige "Pocketful Of Money", bei dem es einen schönen Wechselgesang mit dem Publikum zu "I'll come running with a heart on fire" gab. Herr Lekman sprach beim endgültigen Abschied von einem "perfect evening".


Ein weiteres Mal zeigte sich, dass die von vielen Musikern geäußerte Vorliebe für Konzerte in Köln durchaus ihre Gründe hat: Hier findet man fast immer ein ausgesprochen dankbares Publikum, das im Gegenzug das Beste aus den Musikern herausholt (oder -klatscht). In diesem Fall führte das dazu, dass Köln ein bis zwei Lieder mehr zu hören bekam als andere aktuelle Tour-Orte.

Setliste:

To Know Your Mission (solo)
Evening Prayer
Hotwire The Ferris Wheel
Postcard #17
Wedding In Finistère
I Know What Love Isn’t
How We Met, The Long Version
What’s That Perfume That You Wear?
Sipping On The Sweet Nectar
Black Cab
Dandelion Seed

The Opposite Of Hallelujah
A Postcard To Nina

A Man Walks Into A Bar (solo)
Shirin (solo)
Pocketful Of Money (solo)


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