Konzerte
Auf Konzerten trifft man mich oft an. Manche Bands möchte ich selbst sehen, zu anderen gehe ich mit.
Kunst
Ich kann nicht behaupten, dass ich mich sonderlich gut mit Kunst auskenne, Ausstellungen mag ich dennoch.
Festivals
Höchstens ein Festival pro Jahr, sage ich immer.
Ohne Erfolg.
Fleischersatz
Seit 2004 esse ich kein Fleisch mehr. Würstchen und Konsorten kommen trotzdem auf den Tisch.

Neulich unter der Autobahn: Moderat im römischen Ex Dogana

U.

Moderat stellten am späten Freitagabend den zweiten Flügel unseres römischen Konzerte-Triptychons (nach The xx) dar. Dass ein Konzert stattfinden würde, hatte man bereits vor Monaten lesen können, allerdings keine weiteren Details, insbesondere gab es zum Veranstaltungsort "Ex Dogana" quasi keine Informationen im Netz.

Das änderte sich jedoch, als ich das Event bei Facebook fand und dort zusagte (damit macht man sich selbst natürlich sehr "gläsern", aber ich finde es praktisch, wenn die Termine dann automatisch korrekt auch im Google-Kalender landen).  Die Veranstalter posteten nämlich in der Woche vor dem Termin mehrmals täglich, natürlich auf Italienisch, und in mir wuchs der Verdacht, dass der Vorverkauf vielleicht nicht allzu gut lief.


Als wir dann am Freitagabend - der Konzertbeginn war im auf Facebook veröffentlichten Zeitplan für 22 Uhr angesetzt, wobei hinterher bis 6 Uhr morgens noch mehrere DJ-Sets folgen sollten - per U-Bahn anreisten, stellte sich das Veranstaltungsgelände als ehemaliges industrielles Areal heraus, auf dem nun mehrere Flächen für kulturelle Zwecke zur Verfügung stehen. Auf dem Fußweg zum richtigen Eingang begegneten wir massenweise jungen Leuten, so dass wir die Einschätzung von wegen schlechtem Kartenverkauf schnell revidieren mussten.

Hier, bei Ex Dogana, findet auch eine Konzertreihe statt, in deren Rahmen an verschiedenen Abenden Bands auftreten - ähnlich wie bei Rock in Roma. Bei "Viteculture" hätte man unter anderem Primal Scream sehen können - sicherlich auf derselben Freilichtbühne, die wir nun, nach dem Eintreten sahen.1  Zu unserer Überraschung konnte man direkt darüber mehre Schnellstraßen sehen, auch Züge fuhren hier entlang.


Während wir offenbar direkt vor dem großen Ansturm eingetroffen waren und noch zügig Massen von Barrieren passiert hatten, füllte sich der Open Air-Bereich nun rapide. Leider führte das vor der Bühne zu massivem Gedrängel. Wir waren nicht nur sichtlich die ältesten Konzertbesucher - nur wenige schienen die 30 überschritten zu haben - wir waren auch weit und breit die einzigen, die nicht kifften. Leider machte das die anderen auch nicht ausgeglichen-ruhig, sondern nur noch redseliger.

Blöderweise stimmte der bei Facebook gepostete Zeitplan so nicht. Zwar standen ab 20 vor 10 alle gespannt vor der anscheinend fertig vorbereiteten Bühne, von der Band war jedoch nichts zu sehen - diese erschien erst 20 Minuten nach dem angekündigten Beginn.


Moderat sind bekanntlich eine Zusammenarbeit des Musiker- und DJ-Projekts Modeselektor sowie des Solokünstlers Apparat. Erst in der Wartezeit erkannte ich, dass ich, obwohl ich durchaus Musik des Projekts kenne und mag, keine Ahnung hatte, wie viele Musiker eigentlich bei Modeselektor waren, und wer da gleich überhaupt die Bühne betreten würde. Immerhin erkannte ich sofort Sacha Ring alias Apparat, den ich vor Jahren bereits einmal live gesehen hatte.

Links und rechts positionierten sich Gernot Bronsert und Sebastian Szary hinter diversen elektronischen Geräten (Modeselektor sind nämlich ein Duo), während Sascha Ring sich an das in der Mitte stehende Mikrophon begab, bei drei Songs zur Gitarre griff und sich gelegentlich zu anderen elektronischen Instrumenten zurückzog.


Nach einem kurzen Intro zeigten "Ghostmother" und "A New Error", wie textsicher die italienischen Fans waren, und wie sehr sie sich für Moderat begeistern konnten. Vor uns wurde gar mit einer Deutschlandfahne gewedelt. Der vorhandene Platz vor der Bühne wurde auf schier unerträgliche Weise immer kleiner. Meine vorherige Wahrnehmung, dass Italiener ein ausgesprochen respektvolles Konzertpublikum darstellen, musste an diesem Abend revidiert werden.

Dass es bei elektronischen Band nicht selten vorkommt, dass auf Remixe zurückgegriffen wird, zeigte uns das folgende "Running", sowie später noch "Eating Hooks" - hier folgte jeweils direkt auf den Song der zugehörige Remix. Da es keine besonders ausgeprägte Bühnenshow der drei Musiker gab, nur Gernot Bronsert animierte gelegentlich zum Mitklatschen, wurden viele Titel durch Videos untermalt. Wir sahen in Zeitlupe zerberstende Steine, Großaufnahmen von Händen, die ganz passend an Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle erinnerten, ins Blickfeld rasende Buchstaben und vieles mehr.


Kommuniziert wurde nicht besonders viel: Für das italienische "Mille Grazie" erhielt Ring, der diesen Part für alle übernahm, extra viel Applaus, sein zweifaches deutschsprachiges "Dankeschön" wurde aus dem Zuschauerraum mit einem "Ich bin ein Kartoffel!" beantwortet, was zumindest einige Lacher einbrachte.

Das Set konzentrierte sich hauptsächlich auf das erste und dritte Album von Moderat, "II" wurde passenderweise nur mit zwei Songs berücksichtigt, dazu gesellte sich mit "Abandon Window" noch eine Jon Hopkins-Coverversion. Nach dem Song "No. 22" verließen Sebastian und Sascha die Bühne, und Gernot tat so, als blicke er sich unwissend und suchend um, begann dann aber allein, das Set mit "Milk" fortzusetzen. Im Verlauf des zehnminütigen Songs kehrten auch die beiden anderen wieder an ihre Arbeitsplätze zurück.


Einen gesonderten Zugabenblock gab es nicht, Moderat beendeten ihr Set mit dem viel umjubelten "Bad Kingdom", welches visuell von den für die Band typischen Grafiken untermalt wurde, und "Intruder", bei dem auch Gernot Bronsert Gesang beisteuerte.

Mir wurde das Gedrängel vor der Bühne irgendwann zu unangenehm, so dass ich versuchte, weiter nach hinten zu kommen - wo ich dann überrascht feststellte, dass das gesamte Gelände mittlerweile rappelvoll war - so richtig allein konnte man nirgendwo stehen.


Nach Ende des Sets beschlossen wir, nicht bis 6 Uhr morgens weiter zu feiern, sondern begaben uns wie viele andere Richtung Ausgang. Dabei passierte man im inneren Bereich einen offiziellen Merchandise-Stand mit Band-T-Shirts, der quasi verwaist war, während direkt vor dem Veranstaltungsgelände inoffizielle Shirts für 15 Euro an einem sehr professionell wirkenden Stand reißenden Absatz fanden.

Fazit: Selten habe ich mich bei einem Konzert so alt gefühlt. Musikalisch gefiel mir der Auftritt gut, litt aber durch das Gedrängel und die damit verbundene Hitze. Gut, dass unser letztes römisches Konzert mit U2 und Noel Gallagher (Hauptteil des Konzert-Triptychons) für unsere Altersgruppe zugeschneidert sein wird.

Setliste:

(Intro)
Ghostmother
A New Error
Running
Running (Remix)
Abandon Window (Moderat remix) (Jon Hopkins cover)
Eating Hooks
Eating Hooks (Siriusmo Remix)
Rusty Nails
Reminder
Animal Trails
Les Grandes Marches
Nr. 22
Milk
Bad Kingdom
Intruder

1 Mit "Villa Ada Roma Incontra il Mondo - Villaggi Possibili" hat Rom parallel sogar noch ein drittes Festival dieser Art.

Vollmond am Flughafen: The xx im römischen Ippodromo delle Capannelle

U.

Anders als mein Freund bin ich selten dafür zu haben, Bands in kurzen Abständen mehrmals hintereinander zu sehen. Unsere Rom-Reise war aber bereits geplant und gebucht, als er mit der Idee um die Ecke kam, zusätzlich zu U2 und Moderat auch The xx aufzusuchen, die im Rahmen der "Rock in Roma"-Konzertreihe auftraten, und die wir aber bereits im Februar live in Düsseldorf gesehen hatten - und ich war einverstanden. Rock in Roma hatten wir im Jahr 2013 auch schon zweimal besucht, einmal, um Sigur Rós zu sehen und ein zweites Mal für Blur. Dieses Jahr hat das Lineup außer The xx wenig Attraktives zu bieten, für The Offspring würde ich sicher nicht extra nach Rom fahren, und Kasabian kann man anderswo auch leicht sehen.

Deshalb erinnerten wir uns noch gut an den Veranstaltungsort, ein Reitstadion am Stadtrand von Rom, das sich auf dem Hinweg noch ganz gut per Vorortszug (letzte Haltestelle vor dem Flughafen Ciampino) erreichen lässt. Für die Rückreise nach Mitternacht ist man dann auf Shuttlebusse angewiesen, seit neuestem scheint es auch einen Sonderzug zurück zu geben.


Wir erinnerten uns aber besonders gut an die überaus langwierige Wartezeit auf beide Bands. Bei Rock in Roma denkt man sich offenbar, dass es doch schade wäre, all die Fress- und Getränkestände aufzubauen, die dann eigentlich nicht genug genutzt würden, weil pro Abend ja nur eine Band spielt. Also beginnt der Einlass geradezu unsinnig früh (18:30 für einen Konzertbeginn um 21:30), was natürlich bedeutet, dass man entsprechend früh erscheinen muss, um einen Platz mit guter Sicht zu ergattern. Und bei der zweieinhalbstündigen Wartezeit in glühender Hitze kann man dann schön mehrmals die Freunde zum Bier holen schicken.


An die lange Wartezeit in glühender Hitze bei akuter Langeweile und sich in kurzem Abstand wiederholenden Werbespots auf den LED-Wänden hatten wir noch so negative Erinnerungen, dass wir für dieses Mal beschlossen, später einzutreffen. The xx hatten wir dieses Jahr bereits in Düsseldorf gesehen und dort recht gute Plätze gehabt. Da sparten wir uns lieber die frühe Anreise und nahmen in Kauf, gegebenenfalls recht weit hinten zu stehen.

Unsere geplante späte Ankunft verzögerte sich sogar noch mehr, weil wir im Bahnhof den ersten Zug verpassen - er fuhr nämlich von einem Bahnsteig, der erst lange hinter der Bahnhofshalle begann. Als wir dann endlich den Veranstaltungsort erreichten, war es schon halb neun. Erstaunt stellten wir, nachdem wir diverse Einlasskontrollen passiert hatten, fest, dass die Bühne mittlerweile woanders steht. Das eigentliche Reitstadion wird nun nicht mehr genutzt, stattdessen werden Zuschauer zu einer Wiese umgeleitet.  Dorthin begaben wir uns nun und wurden nochmals überrascht, denn der Raum vor der Bühne war keineswegs voll. Mühelos konnten wir uns sogar bessere Stehplätze sichern, als wir in Düsseldorf gehabt hatten.


Überraschung Nummer 3 ereignete sich um Punkt 9 auf der Bühne, denn The xx hatten durchaus eine Vorband, wie der Bühnenaufbau - Jamies erhöhtes Pult war noch verhüllt, während vorne am Bühnenrand nur ein Mikrophon stand - bereits hatte erahnen lassen. Nun betrat eine hübsche junge Frau mit Gitarre die Bühne und legte sich dort sofort auf den Boden, so dass man sie quasi nicht mehr sehen konnte (größtenteils wurde sie von den Monitorboxen verdeckt). In dieser Position spielte GIUNGLA nun ihr erstes, instrumentales Lied.

Anschließend stand sie wieder auf und absolvierte den Rest ihres kurzen Sets stehend, wobei sie zu Beats vom Band Gitarre spielte und sang. Ihre Songs klangen zunächst sehr rockig im Stil von etwa Blood Red Shoes, später nahm ihr Gitarrenspiel dann eher Anleihen bei Daughter oder The xx. Das Publikum nahm die Musik ausgesprochen positiv auf und klatschte am Ende eifrig mit - bei meinen nun insgesamt fünf italienischen Konzertbesuchen hatte ich sowieso stets den Eindruck, dass das Publikum hier ausgesprochen respektvoll und wertschätzend agiert.


Ursprünglich war angekündigt gewesen, dass The xx um 21:30 auf der Bühne stehen würden. Nachdem GIUNGLA erst kurz vor dieser Zeit selbige verlassen hatte, war klar, dass sich der Beginn ein wenig verschieben würde - auf der Rock in Roma-Website war inzwischen auch von 22 Uhr die Rede. Doch auch wenn auf der Bühne enthüllt und gearbeitet wurde, tat sich lange hinsichtlich Konzertbeginn gar nichts - stattdessen musste ein Bühnenarbeiter mit Seelenruhe und einem winzigen Lappen sämtliche Spiegelflächen der Tourdeko von The xx reinigen.

Erst um 22:20 Uhr und nach zwei ungeduldigen Applauswellen betrat die Band endlich die Bühne. Eine Erklärung für den späten Beginn bekamen wir nicht, ich als Misanthropin vermute den Grund wiederum in unzureichenden Getränkeverkäufen der Veranstalter.


Während es bei unserer Ankunft noch ausgesehen hatte, als würde die Band vor einem halbleeren Zuschauerraum spielen, war es mittlerweile doch recht voll geworden, und alle im Publikum rissen nun die Handys hoch und filmten. Außer mir schienen außerdem sämtliche Konzertbesucher alle Lieder auswendig zu können.

Wie bereits in Düsseldorf glänzten The xx auch in Rom mit Charme: Romy erklärte recht früh im Set, es sähe wunderbar aus, wie wir im Abendlicht vor dem vollen Mond stünden, während Oliver sich dafür entschuldigte, dass die Band anscheinend zuletzt vor sieben Jahren in Rom aufgetreten war. Die Setliste war gegenüber der in Düsseldorf mittlerweile leicht umgestellt worden (tatsächlich legten neue Setlisten, die kurz vor Konzertbeginn verteilt worden waren, den Schluss nahe, dass man noch spontan umgeplant hatte). Dennoch wurden im Großen und Ganzen dieselben Songs gespielt, nur eben in neuer Reihenfolge. Lediglich "Chained" hatte es neu ins Live-Set geschafft, dafür waren "Basic Space" und "Sunset" nun nicht mehr dabei.


Am grundsätzlichen Ablauf - Romy und Oliver mit Gitarre und Bass singend vorne, gerne einander gegenüber stehend, dahinter Jamie erhöht und sehr beschäftigt an diversen Knöpfen und Schlaginstrumenten - änderte sich selbstverständlich nichts. An zwei Stellen gingen Lieder ineinander über: Zum einen wurde "Dangerous" zu "I Dare You", zum anderen gingen später in einem sehr dance-lastigen Teil erst "Fiction" und "Shelter" ineinander über, dann folgte ebenfalls ohne Pause Jamies Solo-Song "Loud Places. An dessen Ende hörte man im Mix bereits das Hall & Oates Sample aus "On Hold", und in der Tat kehrten Romy und Oliver nun zurück und spielten dieses Lied.


Völlig identisch zu Düsseldorf und vermutlich der ganzen Tour war, dass Romy nach einem kurzen Statement hinsichtlich Aufgeregtheit allein "Performance" vortrug, und zwar nur bis zum ersten Refrain, und dass sie anschließend von Oliver kurz umarmt wurde.

Gesprochen wurde auch noch ein wenig: Nach "VCR" erzählte Oliver dieses Mal, sein eigenes erstes Konzert seien The White Stripes gewesen, und er habe damals gedacht, dass ihn die Band an seinem Standort unmöglich sehen könne. Er könne aber mittlerweile sagen, dass man das Publikum sehr wohl von der Bühne aus sehr wohl erkennen könne (er hatte auch extra darum gebeten, uns anzuleuchten). Mehrmals sagte er, in Anspielung auf den Titel des aktuellen Albums, "I see you!" Später, vor "Angels", kam er nochmals aufs Thema Konzerte zurück und erklärte, dass diese für ihn als Besucher eine tolle Möglichkeit seien, den eigenen Alltag zu vergessen, und dass das hoffentlich für und ebenso sei.


Auch Romy hatte noch etwas zum Thema Konzerte zu sagen, denn sie erwähnte, bereits am Vorabend in Rom gewesen zu sein und bei Rock in Roma Lauryn Hill gesehen zu haben - und dass es nun eine große Ehre sei, auf der Bühne zu stehen, auf der gestern noch die andere Sängerin gewesen war. Außerdem lobte sie das "warm welcome", dass The xx in Rom erhalten hatten, und sprach von einem "perfect evening".

Dieser endete allerdings ohne Zugabe, nach "Angels" ging sofort die Abbaumusik los. Dennoch gefielen mit The xx auch beim zweiten Konzert im selben Jahr sehr gut. Die Musik schafft live wie auf Platte den Spagat zwischen Massentauglichkeit und Originalität, und man merkt einfach, dass die Bandmitglieder alle extrem mit ihrem Projekt und miteinander verbunden sind. Das konnte man sich auch gut ein zweites Mal im selben Jahr ansehen.


Setliste:

Intro
Crystalised
Say Something Loving
Islands
Lips
Chained
Dangerous
I Dare You
Performance
Infinity
A Violent Noise
Brave for You
VCR
Fiction
Shelter
Loud Places
On Hold
Angels

Neulich als Kanada Luxemburg besuchte: Arcade Fire in der Esch-sur-Alzetter Rockhal

U.

Anders als mein Freund bin ich selten dafür zu haben, Bands in kurzen Abständen mehrmals hintereinander zu sehen. Deshalb war ich auch nicht gewillt, ihn bei einem Luxemburg-Ausflug zu einem weiteren Konzert von Arcade Fire zu begleiten, die wir erst im Juni beim Best Kept Secret Festival in den Niederlanden sahen. Er fuhr dann ohne mich, und hier ist sein Bericht in Interviewform.

Du hast Arcade Fire doch gerade erst live gesehen. (Warum) war da ein weiterer Konzertbesuch notwendig?

Wir haben Arcade Fire zwar erst neulich beim Best Kept Secret Festival gesehen, standen aber doch ziemlich weit vom Geschehen weg, auch wenn sich 20.000 Leute hinter uns sicherlich unsere Plätze gewünscht hätten.


Lohnt sich dafür die Reise nach Luxemburg?

Auf jeden Fall, denn im Gegensatz zu dir konnte ich einen neuen Ground machen und ich wusste beim frühzeitigen Ticketkauf auch noch nicht, dass wir am nächsten Morgen nach Rom reisen würden. Die Rockhal in Esch-sur-Alzette fasst ungefähr 6.000 Zuschauer - selbst in der letzten Reihe hätte ich Arcade Fire vermutlich besser gesehen als neulich in den Niederlanden.


War das Publikum luxemburgisch oder gab es viele Konzertreisende?

Man hörte wieder ein munteres Sprachengemisch, was nicht verwundert, da Arcade Fire aktuell neben ihren Festivalauftritten nur ganz wenig eigene Konzerte spielen. Es waren sicherlich auch ein paar Luxemburger vor Ort, aber viel zu wenige, denn das Konzert war bei Weitem nicht ausverkauft. Wir waren rechtzeitig angereist, so dass wir in der zweiten Reihe stehen konnte, aber eine Dreiviertelstunde vor Konzertbeginn war dies immer noch die vorletzte Reihe. Erst danach füllte sich die Rockhal noch ausreichend. Aber von Gedränge und Gedrängel keine Spur, du hättest noch locker zwischen Christoph und mir Platz gefunden.


Gab es eine Vorband?

Nein, vermutlich wussten die Konzertplaner um unsere lange Anfahrt und meine frühes Aufstehen am nächsten Morgen. Da die kleine quadratische Bühne mitten im Konzertsaal stand und bereits komplett mit den Instrumenten von Arcade Fire bestückt war, wäre ein Support Act auch schwer umzusetzen gewesen.


Wie wurde die 360 Grad Bühne genutzt, mit der für das Konzert geworben wurde?

Ich hatte zuvor Fotos von einem Auftritt von Arcade Fire auf einer solchen Bühne in England gesehen und das sah ganz großartig aus. Näher können Zuschauer kaum einer Band solchen Bekanntheitsgrades kommen. Wir hatten zuvor schon überlegt, wo wir uns hinstellen sollten, und uns letztendlich für die Seite mit Win Butlers Stammplatz entschieden, den wir anhand zweier kleiner Metallpodeste, auf die er so gern steigt, gut identifizieren konnten. Da wir uns an einer Ecke der Bühne positionierten, hatten wir zwei Seiten im Blick. Letztendlich war dies die richtige Entscheidung, da sich der Sänger hauptsächlich entweder auf unserer Seite oder auf einer Erhöhung in der Mitte der Bühne zwischen den beiden Schlagzeugen aufhielt. Rund um die Bühne waren zahlreiche Mikrofone aufgestellt, die das muntere Durchwechseln der Bandmitglieder ermöglichten. Fast so wie beim Stationenlernen in der Schule. Regine konnte auf ihrem Laufzettel am meisten Stationen abhaken.  

    
Bei unserer jüngsten Begegnung mit der Band vor wenigen Wochen gab es ja regelrechte Fangesänge, zu denen Arcade Fires Mitglieder auch animierten. War das in Luxemburg auch so?

Ganz so wie im Fußballstadion oder bei einem Auftritt der Hermes Hose Band war es diesmal nicht, auch wenn die Band ihr Set erneut mit den Mitsing-Songs "Wake Up", "Everything Now", "Haïti" und "Here Comes The Night Time" eröffnete.
Die tollste Zuschauer-Animation gab es, als bei "Creature Comfort" das Publikum rund um die Bühne im Takt die Arme schwenkte. Das war schon sehr sehenswert und hatte etwas von Bühne/Schiff im wogenden Arme-/Wellenmeer. 

Sonst kann ich noch erzählen, dass Régine zu "Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)" mal wieder ihre Bänder auspackte, die sie wohl noch von einem Kurs in der Rhythmischen Sportgymnastik übrig hat und dass William Butler, der bei "Rebellion (Lies)" auf dem Best Kept Secret Festival mit einer großen Trommel das Bühnengerüst empor geklettert war, plötzlich mit dem Kopf in dieser Trommel da stand. Wie das passiert war, konnte ich nicht sehen, aber "Nichts sehen" war für den ständig umtriebigen Butler auch kein Hindernis weiter über die Bühne zu torkeln und später Schlagzeug zu spielen.


Hatten The Arcade Fire wieder ihre Merchandise-Outfits an? Waren es die gleichen, oder hat da jedes Bandmitglied eine Auswahl?

Alle Männer waren wieder in ihre Everything Now-Phantasieuniformen gekleidet, auch wenn sich diese nicht nur untereinander sondern auch zum Auftritt beim Best Kept Secret Festival unterschieden. Die Damen machten dabei nicht mit: Während Sarah Neufeld (Geige, Keyboards) im kurzen schwarzen Kleid kam, schien Régine Chassagne in ihrem blauen Kunstleder-Einteiler direkt aus den 80er Jahren zu kommen. Ihre neonfarbenen Handschuhe hat sie offensichtlich auch in mehreren Farben.


Wurden andere Lieder vom neuen Album vorgestellt als wir bereits in Holland gehört hatten?

Tatsächlich hat einige Tage vor dem Auftritt in Luxemburg mit "Chemistry" ein weiterer neuer Song seine Live-Premiere gefeiert. Leider ist dieses sehr monotone Lied das schwächste der vier und bildete zusammen mit den danach gespielten "Signs Of Life" auch den schwächsten (= einzigen nicht überragenden) Teil des Konzertes. "Creature Comfort" gefällt mir mittlerweile sogar besser als "Everything Now".


Wie lange hat der Spaß denn gedauert? Und gab es Zugaben?

Vielleicht das einzige Manko des Konzertes: es war zu kurz. Beim Festivalauftritt boten Arcade Fire gleich 20 Lieder in ihrem Set, bei ihrem eigenen Auftritt in Köln waren es zwei Tage zuvor nur 17 gewesen. In Luxemburg waren es im Hauptteil 15 gewesen, denen sich aber nur ein Song als Zugabe anschloss. Während es beim beim Best Kept Secret Festival mit "Windowsill", "Neon Bible" und "The Suburbs" einen im Tempo sehr gemäßigten Teil gab, bei dem alle Beteiligten etwas verschnaufen konnten, jagte in Luxemburg ein temporeiches Lied das nächste.
Zu "Neon Bible" kamen Arcade Fire zurück auf die Bühne und Win gab wieder ein Statement zur politischen Lage in den USA ab, was annähernd die einzige Kommunikation mit dem Publikum war. Es scheint auch Usus zu sein, dass das Publikum bei diesem Song seine Mobilgeräte einschalten und leuchten soll. Als Arcade Fire danach die Bühne wieder verließen, stimmte der Sänger noch einmal den Mitsingpart von "Wake Up" an, was vom Publikum natürlich aufgegriffen und wiederholt und wiederholt wurde. Auch wenn danach die Saallichter angingen und die Band nicht mehr zurückkehrte, endete so ein wirklich tolles Konzerterlebnis. Wann wird man Arcade Fire noch einmal so hautnah erleben dürfen?  


Hast du mir etwas mitgebracht?

Christoph konnte mich gerade noch zurückhalten, sonst hätte ich dir diese Jeansjacke mitgebracht, aber 100 € waren mir dann doch zu viel. Da bestelle ich dir doch lieber noch den Strickpullunder von The Divine Comedy.


Hast du außer den schönen Fotos auch an die Setliste gedacht?

Klar:

Wake Up
Everything Now
Haïti
Here Comes the Night Time
Chemistry
Signs Of Life
No Cars Go
Ready to Start
Neighborhood #1 (Tunnels)
Reflektor
Afterlife
Creature Comfort
Neighborhood #3 (Power Out)
Rebellion (Lies)
Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)

Neon Bible

Sendeschluss: The National - Guilty Party

U.


The National sind wieder da. Im Oktober tritt die Band in der Hamburger Elbphilharmonie auf. Anders als bei anderen Konzertankündigungen gab es keinen Run auf eine Booking-Website, die dann zusammenbrach. Die Elbphilharmonie regelt solche Angelegenheiten deutlich entspannter: Jede(r) mit Interesse durfte erst einmal mitteilen, wie viele (von maximal vier) Tickets er oder sie gerne hätte. Anschließend wurde gelost, und eigentlich müsste ich nächste Woche erfahren, ob es nun mit den Karten geklappt hat oder nicht. Es bleibt spannend...

Gekauft: Juni 2017

U.
Schottland muss noch auf mich warten...

Als Kind reiste ich in zahlreichen Sommerferien mit meinen Eltern in den Wanderurlaub nach Südtirol, und ich fand das stets ziemlich doof. Wandern als Beschäftigung erschien mir komplett sinnlos - warum auf einen Berg steigen, kurz in die Landschaft blicken und dann wieder herunter gehen? Mit Landschaft als etwas, das man genießen könnte, konnte ich als Kind, wie vermutlich jedes Kind, auch nichts anfangen. Ein einziges Mal machten wir Strandurlaub an der Adria, das gefiel mir besser. Ich war davon überzeugt, dass ich als Erwachsene jeden Urlaub am Meer verbringen würde.

Ironischerweise hörten meine Eltern mit den Wanderurlauben auf, als ich erwachsen war - ohne nörgelnde Jugendliche im Schlepptau schien ihnen das auch keinen Spaß mehr zu machen. Ich dagegen bin nun selbst mittelalt und werde immer mehr zum Natur- und Wanderfan. Selbst eine Reise nach Südtirol würde ich nicht grundsätzlich ausschließen - mehr haben es mir aber die britischen Inseln angetan.

Da mein Freund Wandermuffel ist und bleibt, unternehme ich Wanderreisen immer mit Reiseveranstaltern. Grundsätzlich bin ich kein großer Fan von Gruppenreisen, aber ganz allein durch die Gegend zu wandern wäre mir einerseits dann doch zu einsam, außerdem wäre es mit aufwendiger Planung verbunden. Dann eben mit Reisegruppe.

... als erstes kommt im August Cornwall an die Reihe

Bislang wanderte ich so in der Schweiz, auf der griechischen Insel Thassos, auf Mallorca und zuletzt vorletztes Jahr im Lake District. Nachdem ich wie gesagt die englischen, schottischen und irischen Landschaften sehr mag, stand eigentlich als nächstes Schottland auf dem Wunschreiseprogramm. Ich schwankte lange zwischen einer Reise in den Westen mit Besuchen der Inseln Skye und Mull und einer mit Inselhopping auf den Hebriden. Letztlich entschied mich mich für ersteres - nur, um eine Woche nach meiner Buchung eine Reiseabsage zu erhalten: Es hatten sich zu wenig Interessenten angemeldet.

Für die Hebridenreise gab es zu diesem Zeitpunkt keine Einzelzimmer mehr, weshalb sie als Alternative ausschied - nur, weil ich mich auf eine Gruppenreise einlasse, teile ich noch lange nicht mein Hotelzimmer! Unter den anderen Alternativen entschied ich mich letztlich für quasi das Gegenteil von Schottland, nämlich Cornwall. Mitte August geht es für eine Woche an das südwestliche Ende Englands, wo ich mich auf hoffentlich mildes Wetter, dramatische Küstenlandschaft und hoffentlich nur wenig Rosamunde Pilcher-Fans in meiner Reisegruppe freue.

Gesehen: Juni 2017

U.

Im mittlerweile beendeten "Fernsehballett"-Podcast (eine weitere Staffel ist bereits angekündigt) stellte der Fernsehautor Ralf Husmann als Gast die Serie Rectify vor, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Parallel forschte mein Freund auf der Website Metacritic, die Rezensionen von Fernsehserien zusammenfasst und darauf basierend Rankings erstellt, nach den am besten bewerteten Serien - Rectify war ganz vorne mit dabei.

So versuchten wir es also einfach mit der Serie, die man im Rahmen der Sky Box Sets ansehen kann, zumindest die ersten drei Staffeln. Die Handlung: Daniel aus dem ländlichen Virginia wurde mit 19 Jahren verurteilt, seine damalige Freundin vergewaltigt und ermordet zu haben, und saß 20 Jahre in der Todeszelle. Neu analysierte DNA-Beweise stellen zumindest die Vergewaltigung - und somit den gesamten Tathergang - in Frage, so dass Daniel, der mittlerweile 39 ist, frei kommt und wieder bei seiner Mutter einziehen kann. Während Daniel selbst sich im Gefängnis kaum weiter entwickeln konnte und nun ein extrem belesener, gealterter 19jähriger ist, hat sich seine Familie und die Welt an sich verändert: Daniels Vater ist gestorben, seine Mutter seit geraumer Zeit wieder verheiratet. Daniel hat zwei jüngere Geschwister, die er kaum kennt, sowie einen neuen Stiefbruder, dem er noch nie begegnet ist. Die gesamte Familie ist davon zermürbt, 20 Jahre lang gegen Daniels Hinrichtung gekämpft zu haben. Insbesondere seine jüngere Schwester, die einen Hauptteil der Arbeit geleistet hat, hat nun einerseits ihr Ziel erreicht, aber andererseits nun einen komplett fremden Bruder, zu dem sie eine neue Beziehung aufbauen muss - und kein echtes Lebensziel mehr.

Parallel reagiert auch der Ort auf die Freilassung: Während Daniels Familie schon alleine mit Anfeindungen kämpfen musste, brechen diverse Dämme, als der vermeintliche Mörder wieder im Ort umherspaziert. Insbesondere der frühere Staatsanwalt und jetzige Senator Roland Foulkes hat seine Karriere der Tatsache zu verdanken, das er Daniel damals ins Gefängnis brachte - und kein Interesse daran, dass Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung aufkommen könnten.

Die Serie impliziert zwar, dass Daniel wahrscheinlich unschuldig im Gefängnis saß, die Geschehnisse von vor 20 Jahren werden aber nur nach und nach aufgedeckt, und auf ihnen liegt auch nicht das Hauptaugenmerk der Handlung. Stattdessen leuchtet sie aus, was mit einer Familie passiert, wenn sie einer derartigen Katastrophe ausgesetzt ist, und wie ihre Mitglieder hartnäckig versuchen, so etwas Ähnliches wie ein normales Leben zu führen - und dabei meistens scheitern.

Zwei Staffeln haben wir mittlerweile geschafft. Obwohl diese kurz sind (sieben und zehn Folgen) nehmen sich die einzelnen Episoden viel Zeit, sowohl Daniels Erlebnisse als auch die seines Umfeldes zu schildern, zusätzlich gibt es Rückblenden auf seine Zeit im Gefängnis. Auf ihre eigene, langsame, detaillierte Art ist die exzellent ausgedachte und gespielte Serie unglaublich spannend und verdient ihre hohe Wertung bei den Kritikern. Nur bessere Laune macht sie nicht.

Gelesen: Juni 2017

U.

Mein Buch des Monats Juni war wieder einmal ein Hörbuch - The Swimming Pool von Louise Candlish gelesen von Gabrielle Baker. Laut Inhaltsbeschreibung handelt es sich um einen Thriller, und vielleicht war es diese Erwartung, die mich an dem Buch zunächst verzweifeln ließ - denn irgendwie erschien die Handlung über lange Passagen so ganz und gar nicht Thriller-würdig.

Kurz zum Inhalt: Die Lehrerin Natalie lebt mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter im Süden von London. Während sie die langen Sommerferien vor sich hat, möchte ihr Mann, eigentlich ebenfalls Lehrer mit Sommerferien, sich als Tutor selbständig machen und verbringt den Sommer deshalb mit der Vorbereitung. Die dreizehnjährige Tochter hatte als Baby ein traumatisches Erlebnis und hat seitdem eine Phobie vor Gewässer aller Art.

Als in der Nachbarschaft ein altes Freibad wiedereröffnet wird, freut sich Natalie über die Ablenkung und lernt dort eine reiche Dame aus der Nachbarschaft kennen, mit der sie eigentlich wenig gemeinsam zu haben scheint: Lara war früher Schauspielerin und Synchronschwimmerin, ist immer noch sehr schön, lebt mit ihrem viel Geld verdienenden Mann in einem großartigen Haus, hat wenig zu tun und viele Freunde. Dennoch legt Lara geradezu verdächtig viel Wert darauf, sich mit Natalie anzufreunden. Schon bald ist Natalies Familie ständig bei Lara eingeladen, Laras Tochter nimmt Nachhilfeunterricht bei Natalies Mann und freundet sich mit ihrer eigenen Tochter an. Natalie ist dabei so fasziniert von Lara und so glücklich darüber, Zutritt zur Welt der Reichen und Schönen zu erhalten, das sie alte Freundschaften und auch ihren Mann vernachlässigt und damit sogar ihre Ehe in Gefahr bringt.

Klingt das nach einem Thriller? Nicht wirklich, oder? Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt, und so weiß man als Leser von Anfang an, dass bei einer Party im Freibad, die natürlich von Lara organisiert wurde, ein Unfall geschehen wird und mindestens eines der Kinder in Lebensgefahr schwebt. Außerdem wird immer wieder angedeutet und letztlich auch erzählt, dass Natalie, als sie selbst 13 war, einen unbeaufsichtigten Sommer an einem Badesee verbrachte und dort die anderen Kinder massiv mobbte.

Für etwa drei Viertel des Romans war ich hauptsächlich genervt darüber, wie langsam die Geschichte voran schritt. Zugegebenermaßen ist das Buch gut geschrieben, die Charaktere sind stimmig ausgedacht und Gabrielle Baker haucht ihnen auch sehr gut Leben ein, indem zwar jede Figur eine eigene Stimme hat, die Darstellung aber auch nicht zu übertrieben ausfällt. Dennoch fand ich die Geschichte, wenn Natalie wieder einmal bei Lara Sekt trank und ihr Mann Ed ein weiteres Mal sauer war, einfach langatmig.

Das änderte sich dann im letzten Viertel, als endlich die Katastrophen der Party detailliert aufgedeckt wurden und sich doch noch so einiges entwickelte, das ich so überhaupt nicht vorausgeahnt hatte. Plötzlich ergab alles Sinn und ich hörte doch noch fasziniert und ungeduldig zu.

Folglich fällt mein Urteil nun um einiges milder aus, als wenn man mich vor einer Woche gefragt hätte. So ganz kann ich der Autorin die langatmigen und repetitiven Passagen dann aber auch nicht verzeihen.

Sendeschluss: The xx - I Dare You

U.

The xx sind nicht ganz un-hip, und in ihrem neuen Video vereinen sie geradezu Diverses Trendiges - Parallellen zum Werbespot sind durchaus vorhanden, steht doch in der Videobeschreibung "Made in collaboration with Raf Simons for Calvin Klein". Kleins Unterwäsche ist dann auch sehr gut im Clip zu sehen.

Neben modischen Klamotten gibt es neben der Band auch diverse Promis zu sehen: Millie Bobby Brown kennt man aus Stranger Things, Ashton Sanders aus Moonlight, Paris Jackson ist Michael Jacksons Tochter. Die verbleibenden beiden Darsteller sind Models - für Calvin Klein.

Dennoch ist das Video schön geworden und macht Vorfreude auf nächste Woche - da sehe ich die Band zum zweiten Mal.

Neulich beim Durchfuttern: Das Essen beim Best Kept Secret 2017

U.

Musik und Allgemeines zum Best Kept Secret wurden hier ja bereits betrachtet, kommen wir nun also zum Wichtigsten, dem Essen.

Beim ersten Besuch vor zwei Jahren war ich geradezu überwältigt gewesen vom "Food-Lineup", das so gar nichts mit meinen früheren Essenserfahrungen bei Festivals zu tun hatte. Mittlerweile tut sich ja überall etwas im Angebot, aber noch vor zehn Jahren waren das Standardangebot Pommes Frites, Bratwurst und fettige Asia-Bratnudeln. Auch beim Hurricane 2012 (seitdem war ich nicht mehr dort) sah es noch nicht viel besser aus. Beim Best Kept Secret dagegen fühlte man sich wie im Schlaraffenland mit einer riesigen Auswahl von originellen und hochwertigen Essensangeboten. Sushi? Veggie Burger? Käsefondue? Waffeln? Maccaroni & Cheese? Cuscous? Fisch? Apfeltörtchen mit echter Schlagsahne? Ramen-Nudeln? Austern? Alles kein Problem.



Beim mittlerweile dritten Besuch kannte man natürlich den einen oder anderen Stand bereits, auch vom in der Nähe stattfindenden Down the Rabbit Hole Festival, das wir im letzten Jahr zusätzlich besucht hatten und zu dem viele der Standbetreiber ebenfalls reisen. Dennoch, wären nicht die hohen Preise gewesen, man hätte leicht das gesamte Festival mit Mahlzeiten von Ständen bestreiten können, die wir noch nicht kannten. 2017 hatte man auch etwas Organisatorisches verändert: Während bislang ein Großteil der Fressstände eine Art Einkaufsstraße gebildet hatte, die zu Stoßzeiten ganz schön voll werden konnte, hatte man dieses Jahr mehrere Zentren geschaffen: Die Straße gab es nach wie vor, sie war aber nun eine Sackgasse.



Weitere größere Fressstand-Ansammlungen konnte man aber auch im "Secret Garden" finden, außerdem war der neue "Tokio"-Bereich umgeben von asiatischen Ständen. Wie in den vergangenen Jahren gab es noch weitere Stände an der "Hauptstraße" sowie in direkter Seenähe - an letzterem Ort hatte sich eine Art "Fleischtheke" gebildet, wo man vor allem Gegrilltes kaufen konnte. Am Auffälligsten war hier ein Stand, an dem ein tätowierter Muskelmann zu lauter Metalmusik auf einem brennenden Auto grillte. Nebenan hatte man einen Stand mit von einem Haken hängenden Fleischwaren als Schlachthaus dekoriert. Wer's mag...

In jedem Fall positiv anzumerken ist, dass man quasi nie länger warten musste. Natürlich bildeten sich zu Stoßzeiten vor den beliebteren Ständen Schlangen, und häufig gab es das System, dass man nach dem Bestellen zunächst eine Nummer erhielt, die dann aufgerufen wurde. Aber stets war ausreichend Personal vorhanden, um auch eine größere Auftragszahl zügig abzuarbeiten.



Ich versagte gleich am Freitagabend im Bestreben, möglichst originell und berichtenswert zu essen. Wir waren in Holland, mir war nach salzig und fettig... also gab es Pommes Frites mit Mayonnaise - wenig originell, aber sehr gut. Billig waren sie nicht, ich glaube, der Preis lag bei 4,50 Euro. Bereits vorher hatte ich uns die ersten Getränke gekauft und dabei zum ersten Mal die "Contactless"-Funktion meiner Kreditkarte benutzt - erfolgreich. Alle weiteren Käufe wurden also damit bezahlt, dass ich meine Kreditkarte kurz auf das Kartenlesegerät hielt, das war schon alles.




Am Samstag erinnerten wir uns dann an unsere journalistische "Pflicht", neue Fressstände zu testen. Dieses Mal kaufte ich uns unterschiedliche Gerichte vom sehr putzigen Bus von "Bollyfoods". Mein Freund bekam Chicken Tikka mit Bombay Potato für 7,85 Euro, ich entschied mich für Samosas für 5 Euro. Die Chicken Tikka-Portion war, wie bei Festivals üblich, sehr klein und wurde überraschenderweise mit Cuscous serviert. Die Kartoffeln erinnerten verdächtig an Gnocchi. Die Samosas schmeckten prima, nur hatte ich eigentlich zumindest mit einer kleinen Beilage gerechnet. Mein Freund war irritiert über die Cuscous-Beilage und auch generell nicht überzeugt von der Authentizität seiner Mahlzeit.



Später gingen wir dann noch einmal Essen holen. Dieses Mal kaufte ich endlich einmal etwas beim recht auffälligen Stand "Vleesch noch Fisch", den ich in vergangenen Jahren bereits gesehen hatte. Der riesige Stand bietet nur ein Produkt an, nämlich Veggie-Gyros, das in einer riesigen Schwebpfanne angebraten wird. Er ist umgeben von Schlange stehenden Hungrigen, die in diversen Sprachen zueinander "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das kein Fleisch sein soll" sagen, denn das Sojafleisch wirkt schon sehr echt. Wenn man endlich an der Reihe ist, bekommt man seine Portion für 8,25 Euro in ein frisches Pita gerollt, dazu gibt es veganes Zaziki. Der Testesser, mein Freund, war recht angetan, dabei mag er eigentlich kein Zaziki.



Ich dagegen aß... schon wieder Pommes! Keine Angst, dieses Mal kam ich meinem Testauftrag etwas besser nach und bestellte mir "Loaded Fries". An diesem Stand bekam man auf seine Pommes wahlweise Chili, Kimchi-Hähnchen, vietnamesisches Gemüse oder Nutella (!), ich entschied mich natürlich für das Gemüse. Pommes frites mit Topping sind übrigens jetzt modern, auch in Frankfurt wird es demnächst einen auf dieser Idee basierenden Imbiss geben. Meine Pommes kosteten 6,50 Euro und schmecken sehr gut.



A Sonntag gab es dann wieder nur eine Mahlzeit auf dem Festivalgelände - nicht, weil wir so wenig Hunger gehabt hätten, aber wir verbrachten ja etliche Stunden mit dem Warten auf Radiohead und waren dabei quasi bewegungsunfähig. Gegenüber der Hauptbühne gab es eine Reihe von Burgerständen, einer davon war vegetarisch. Meinem Freund bestellten wir dort "Kidney Houston" (8,50 Euro), einen Burger, dessen Bulette aus Bohnen, Kartoffel, Paprika, Mais und Schokolade bestand. Im Brötchen befanden sich neben typischeren Burgerzutaten auch Nachochips. Das Ganze schmeckte ein weiteres Mal exzellent. Ich entschied mich für - Nein, dieses Mal nicht für Pommes. Ich suchte den Stand "Soep & Salade" auf, bei dem ich vor zwei Jahren bereits Cuscous mit Rote Beete erworben hatte, und entschied mich dort für einen Bulgursalat mit Zucchini, Erbsen und Fenchel sowie Kräutern und Zaziki - vegan und 6 Euro teuer. Ich bin eigentlich gar kein Bulgur-Fan, aber dieser Salat schmeckte ganz phantastisch, wow!



Fazit: Auch wenn die Überwältigung angesichts der riesigen Auswahl langsam nachlässt, lässt sich das Best Kept Secret auch weiterhin als "Food Truck Festival" erleben.

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