Schwule Pinguine und der Immobilienmarkt

U.
Es gibt so viele Blogeinträge, die ich schreiben wollte, und für keinen habe ich bislang Zeit gefunden - musste ja auch immer durch die Gegend rennen.

Als kleine Wartemusik hier ein Link zu einer herzerweichenden Geschichte: Der Zoo von San Francisco hatte sechs Jahre lang ein glückliches Paar schwuler Pinguine, bis kürzlich Harry seinen Partner Pepper im Regen stehen ließ und sich plötzlich der verwitweten und WEIBLICHEN Linda (die aber immerhin ebenfalls ein Pinguin ist) zuwandte. Verschiedene Medien nutzen diese Meldung nun nach voraussehbaren Mustern aus, aber was mich persönlich besonders schockiert: Harry hat offenbar nicht aus Liebe gehandelt, sondern hat rein rationale Gründe für die angebliche neue Heterosexualität. Denn Linda hat zwei Nester, und, so zitiert der Artikel einen Pfleger, "for penguins, real estate means a lot".

Nachdem mich die Otter schon so enttäuscht haben, ist es wohl nun an der Zeit, beim nächsten Zoobesuch ein ernstes Wort mit den Pinguinen zu reden. Materialistisches Pack.

(Danke an Miss Shapes für die Geschichte.)

Neulich als ich 691. wurde

U.
Ich hatte ja schon vor einer Weile von meinen neuen Laufambitionen berichtet. Um meine erfahrungsgemäß bei neuen Aktivitäten schnell einsetzende Motivationsschwäche vorab zu bekämpfen, brauchte ich unbedingt ein Trainingsziel. Also habe ich nach einem für mich zu bewältigenden Volkslauf gesucht und bin schließlich beim Women's Run gelandet. Der Termin passte gut, und die maximal zu bewältigenden 8 Kilometer stellten bei ausreichender Vorbereitungszeit kein ernsthaftes Problem für mich dar - und das auch ohne, dass ich mich im Vorfeld hätte kaputttrainieren müssen.

Der Eventcharakter des Ganzen - ein Lauf nur für Frauen / Mädchen, bei dem man rosa T-Shirts bekommt und am Rande des Geschehens shoppen oder sich verschönern lassen kann, und bei dem man den "Lauf" auch mit 5 km Walking bewältigen kann - erschien mir nicht sonderlich attraktiv. Andererseits gefiel mir, dass es sich nicht um eine extrem kompetitive Veranstaltung zu handeln schien - schließlich wollte ich mich nicht mit erfahrenen Marathonläuferinnen anlegen, die auf eine neue 8-km-Bestzeit aus waren, und dann hinter diesen womöglich als letzte ins bereits geschlossene Ziel stolpern.

Die Anmeldung war schnell erledigt und der Termin im Kalender vermerkt. Das Training lief auch ganz gut, so dass ich gestern ohne großes Lampenfieber Richtung Commerzbank-Arena aufbrach, wo das Event stattfinden sollte. Im Vorfeld hatte ich ein wenig befürchtet, dass dich bei großer Hitze laufen müssen würde. Das war dann zwar nicht der Fall, dafür kam dann immer mal wieder ein Regenguss auf die Läuferinnen herunter.

Der Regen entpuppte sich aber als das geringste Problem. Den stets hörbaren Lästereien meiner Mitläuferinnen entnehme ich, dass andere, vergleichbare Veranstaltungen besser organisiert sind, und ich gehe davon aus, dass das auch stimmt.


In den Vorab-Unterlagen hatte es geheißen, dass die Teilnehmerinnen den ganzen Tag lang umsonst ins Stadion-Freibad gehen könnten und es dort auch die Möglichkeit gäbe, seine Sachen in einem Spind einzuschließen. Dieser Vorschlag entpuppte sich angesichts eine Angebotes von ca. 300 Spinden für etwa 5000 Frauen als einigermaßen lachhaft. Es blieb die Möglichkeit, seine Utensilien an einem "Garderobenwagen" abzugeben, doch dieser war mit ca. 5 Personen zum Sachen entgegennehmen mehr als ein wenig überlastet, und die empfangenen Taschen wurden gut sichtbar auf Haufen geworfen. Spontan beschloss ich angesichts der Aufbewahrungstechnik, dass zumindest mein Handy und mein Haustürschlüssel mit mir an dem Lauf teilnehmen würden.

Der 8-km-Lauf sollte um 18 Uhr stattfinden. Da ich vorher nicht gewusst hatte, wie lange es dauern würde, die Startunterlagen abzuholen, den Zeitmessungschip auszuleihen und meine Sachen abzugeben, und ich mir außerdem das vorab gepriesene "Women's Village" zumindest ansehen wollte, war ich schon zwei Stunden vor dem Start anwesend. Nachdem alles bis auf die Kleiderabgabe sehr schnell ging, blieb mir viel Zeit, die vorhandenen Stände anzusehen - und was war das für eine traurige Veranstaltung!

Man hatte die Möglichkeit, sich in eine sich nicht bewegende Schlange von ca. 200 Frauen einzureihen, um von Reebok-Angestellten auf einem Laufband das eigene Laufverhalten analysieren zu lassen. Dann bestand noch die Gelegenheit, ein neues Skoda-Modell zu betrachten, und sich über eine Betriebskrankenkasse zu informieren (beides, wer hätte es gedacht, ohne Schlange). Ein Stand verkaufte "Buff"-Stirnbänder zu genau den Preisen, für die man sie auch in jedem Laden kaufen kann. Darüber hinaus hätte man sich noch über Siemens-Waschmaschinen, Kneipp Körperpflege-Produkte und Sigma-Pulsuhren informieren können. Das ganze Angebot wirkte durch den Regen sicherlich noch deprimierender, als es ohnehin schon war, aber es gab ungelogen keinen Stand, bei dem ich auch nur stehen bleiben wollte. Eine Fast-Ausnahme bot der Verkauf günstiger Laufbekleidung durch Runners Point, aber da sich an diesem Stand besonders viele Teilnehmerinnen vor dem Regen in Sicherheit gebracht hatten, machte das Shoppen hier auch keinen Spaß.

Die "Wellness"-Angebote waren noch schlimmer: Da der 8-km-Lauf quasi als Ende der Veranstaltung geplant war, ergab es einfach wenig Sinn, sich vorher noch von einem Profiteam schminken oder frisieren zu lassen, und nach einer Farbberatung war mir im Laufdress irgendwie auch nicht.

In den Startunterlagen befanden sich auch Gutscheine für ein Laufshirt (natürlich rosa) und ein Startnummernband (erspart einem das Durchlöchern der teuren Funktionskleidung mit Sicherheitsnadeln) - beides war um 16 Uhr aber schon lange ausgegangen, so dass man seine Gutscheine nur noch gegen - verdächtig gut vorbereitete - Beschwerdeformulare eintauschen konnte.

Irgendwann war es dann endlich kurz vor 6, ich hatte meinen starken "es ist Samstag, und ich könnte daheim im Trockenen sitzen, statt mich hier zu langweilen"-Impulsen widerstanden und war noch anwesend - und nach einem eher peinlichen Massenaufwärmen begann der eigentliche Lauf.


Und hier kam die Überraschung: Der Lauf an sich hat Spaß gemacht. Zu Beginn wurde ich viel überholt, unterwegs war ich dann eher die, die an anderen vorbei zog. Während ich mich im Vorfeld noch gefragt hatte, ob mich die Anwesenheit der anderen Läuferinnen wohl behindern oder aber auch zu allzu schnellem Laufen (und dann Seitenstichen oder Atemlosigkeit) verführen würde, fiel mir die Strecke relativ leicht. Wahrscheinlich hätte ich sie schneller bewältigen können (immerhin eine Art Endspurt habe ich eingelegt, wie man - noch - im Diagramm unten links erkennen kann), und 690 anderen Teilnehmerinnen ist das ja auch problemlos gelungen. Dennoch, als Fazit des eigentlichen Laufes bleibt: War schön, hat Spaß gemacht, kann man wieder machen. Und das dann sicherlich bei einem Event, das besser organisiert und weniger rosa ist.

Tiercover der Woche: Phantasietiere

U.
Die reguläre Reihe ist ja nun vorbei, auch wenn bei Platten vor Gericht zurzeit fast täglich neue Tiercover erscheinen, die ich in meiner Reihe nicht berücksichtigen konnte. Hier nun ein Restepost mit putzigen "scheint wohl doch irgendwie ein Tier zu sein"-Wesen.









Cloudy with a Chance of Meatballs

U.
Als Kind hatte ich ein Bilderbuch über das Schlaraffenland. Viel weiß ich nicht mehr darüber, erinnere mich aber an ein Bild, auf dem Menschen rund um einen Brunnen lagen, der einem, wenn man sich unter einen seiner Wasserhähne legte, das Wunschgetränk direkt in den Mund goss. Aus heutiger Sicht bekomme ich bei dem Gedanken eher Erstickungsängste, als Kind fand ich das, wie auch das ganze Buch, toll.

Die Macher des neuen Animationsfilms Cloudy with a Chance of Meatballs müssen in ihrer Kindheit wohl ähnliche Bücher gehabt haben: In dem Film schafft es ein ungeschickter Erfinder, die Hungerprobleme der Welt ein für alle Mal zu lösen, aber wenn man sich den Trailer so ansieht, führt die Ausführung zu ähnlichen Problemen wie die Brunnensache: Eigentlich möchte man eben doch nur ganz selten, dass es z.B. Spaghetti regnet ...

Bei uns wird der Film, dessen Handlung übrigens auf einem in den USA recht bekannten Kinderbuch von 1978 beruht, Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen heißen und kommt erst im Januar 2010 in die Kinos.

Ich erwarte von den hier bereits behandelten 9 und Coraline niveau-technisch um einiges mehr, aber auch bei den Fleischbällchen gefallen mir Titel und Idee immerhin so gut, dass ich sie mir sicherlich zumindest auf DVD ansehen werde. Die Kindheit prägt einen eben ...


Pro analog

U.
Nach der Analogkäse-Panik geht es ja gerade ohne Atempause medientechnisch mit der Schinkenimitat-Wut weiter - und gerade Hessen scheint hier betroffen zu sein:
Seit 2006 wurden nach Mitteilung des Ministeriums vom Freitag in Hessen insgesamt 528 Proben bei Gastronomen, Herstellern und Händlern genommen. Dabei fanden die Lebensmittelkontrolleure heraus, dass in fast jedem dritten Fall Schinkenimitat verwendet wurde. Erst vor kurzem hatte es Kritik an Käse-Imitaten gegeben, die statt echtem Käse etwa auf Pizzen landen.

Besonders häufig waren beim Schinken die Beanstandungen in Gaststätten, wo in zwei Dritteln aller Fälle etwa für Pizza oder Schinken-Nudeln nur das billige Imitat verwendet worden war. Es bestehe zum großen Teil «aus schnittfestem Stärke-Gel, in das kleine Fleischstücke eingebettet sind», sagte Weinmeister. Der Fremdwassergehalt sei im Vergleich zu echtem Schinken sehr hoch, der von tierischem Eiweiß hingegen extrem niedrig. «Das ist üble Verbrauchertäuschung.» (Quelle)

So richtig lecker klingt die Beschreibung des Käses auch nicht:

Das Käse-Imitat - auch Analog-Käse genannt - wird aus Wasser, Pflanzenfett, Milcheiweiß, Stärke, Aromen und Farbstoffen hergestellt. Die Kosteneinsparungen im Vergleich zu herkömmlichem Käse werden auf rund 40 Prozent geschätzt.

Zweifellos ist es unschön, wenn Lebensmittelproduzenten und Wirte hemmungslos an der Qualität ihrer Produkte sparen, selbst Formvorderschinken als zu luxeriös für ihre Pizzen betrachten und vor allem ihre Kunden belügen und - über den Preis des in der Herstellung weniger teuren Produktes - auch betrügen. Nur: So richtig schlecht kann ich die Forschungsrichtung "Tierproduktimitat" ehrlich gesagt gar nicht finden.

Es ist doch hinreichend bekannt, dass gerade die deutschen Lebensmittelpreise viel zu niedrig liegen, um eine auch nur annährend tiergerechte Fleischproduktion möglich zu machen. Filme wie Unser täglich Brot und We Feed The World zeigen beeindruckend, wie weit es mit der industrialisierten Nahrungsmittelproduktion mittlerweile gekommen ist, seien es nun leer gefischte Weltmeere oder das mittlerweile perfekt ans Fabrikkonzept angepasste Produkt Huhn. Ebenso klar dürfte sein, dass gerade für das Restaurant-Riesenschnitzel für €4,99 oder die Tiefkühlpizza aus dem Discounter nur die allerbilligsten Bestandteile in Frage kommen, wenn sich das Produkt für den Hersteller/Verkäufer irgendwie rechnen soll - und Biofleisch vom Bauernhof gehört hier sicherlich ebensowenig dazu wie Käse von glücklichen Kühen.

Sicherlich liegt auch im Ackerbau einiges im Argen - man denke nur an geschmacklose Tomaten, Hybridsaatgut und kilometerlange Treibhäuser, die in Andalusien die Landschaft verschandeln. Dennoch halte ich industrialisierte Obst- und Gemüseproduktion im Vergleich für das kleinere Übel: Nicht nur wegen der Vermeidung von Tierleid, sondern auch wegen der größeren "Wertigkeit" der Produkte (gemeint ist hier, dass z.B. eine Kuh viel mehr Kalorien in Form von pflanzlicher Nahrung konsumieren muss als sie selbst nach ihrer Schlachtung zur Verfügung stellen kann).

Und da ich selbst durchaus eine Freundin des gekennzeichneten Fleischersatzproduktes bin, hielte ich es für durchaus wünschenswert, wenn sich solche Produkte in der Allgemeinheit stärker durchsetzen könnten und damit zumindest zum Teil das echte Fleisch ersetzen könnten. Und des weiteren wäre es schön, wenn die Industrieunternehmen mehr Zeit und Energie darauf verwenden könnten, neue, gut schmeckende fleischähnliche Waren zu konzipieren und zu vermarkten. Das könnte durchaus auch auf den Käse ausgedehnt werden.

Die immer wieder kehrenden Fleischskandale der letzten Jahre haben durch ihr schnelles Verpuffen doch eindrucksvoll gezeigt, dass den meisten Konsumenten völlig egal ist, was nun genau in ihrem Döner steckt, so lange er gut schmeckt, preiswert ist und sie nicht vergiftet. Wieso kann der Döner dann nicht gleich aus Seitan sein?

Tiercover der Woche: Flatter!

U.
Die Schmetterlings-Episode dieser großartigen Reihe, die nun definitiv beendet ist (auch wenn wohl noch ein paar Reste-Posts kommen werden) habe ich lange vor mir hergeschoben. Der Grund: Ich habe zwar jede Menge Schmetterlingcover, aber eine Band dominiert sehr stark. Naja, gewissermaßen als Talk Talk-Special mit einigen Gästen hier nun die Schmetterlinge:














Neulich als ich Mädchensachen machte

U.
Manchmal glaube ich, dass es Dinge gibt, mit denen sich alle weiblichen Wesen, mit Ausnahme meiner Person, auskennen. So habe ich nicht die geringste Ahnung, ob und aus welchem Grund ich eine Kosmetikerin aufsuchen sollte. Noch frappierender ist aber meine Ignoranz im Bereich der Finger- und Fußnägelpflege.

Alle Frauen scheinen irgendwie zu wissen, wie man seine eigenen Hände und Füße auf Farbbehandlung vorbereitet und diese durchführt. Gab es da in der Grundschule mal ein Seminar - in einer Woche, in der ich krank war? Männer mögen jetzt denken "Was kann da schon dabei sein: Nagellack kaufen, drauf machen, fertig." Dass dem nicht so ist, weiß ich immerhin: Man muss seine Nagelhaut entfernen (oder doch zurück schieben?), Unter- und Überlack verwenden (glaube ich), und von Gel- und Acrylnägeln will ich gar nicht anfangen, zumal meine Behauptungen sicher falsch wären. Darüber hinaus gibt es noch etliche Mittel für den Fuß an sich, am erschreckendsten unter ihnen eine Art Käsereibe, mit der man wohl Hornhaut (oder doch die gesamte Haut??) entfernen soll.

Was ich aber sicher weiß: Jedes Mal, wenn ich die "einfach mal Nagellack kaufen, so schwer kann das ja wohl nicht sein"-Strategie versuchte, war das Ergebnis katastrophal und musste unverzüglich entfernt werden. In verschiedenen fremden Ländern, nämlich Thailand und den USA, habe ich auch schon einmal Profis an meine Hänge und Füße gelassen. Die Ergebnisse waren optisch zufriedenstellend, im Fall der Fingernägel hielt die Schönheit aber jeweils nur einen halben Tag an, dann war schon der erste auffällige Schaden im Lack. Ob das normal ist? Ich vermute ja, bin mir aber nicht sicher.

Heute habe ich mich nun erstmalig inländisch in ein Nagelstudio gewagt. Immerhin haben wir Sandalenzeit, und ich will nicht die einzige Frau im Rhein-Main-Gebiet sein, deren Füße in Flipflops schlicht und ergreifend hautfarben sind (und dabei auch sicher viel zu viel Hornhaut haben - nicht, dass ich das wirklich beurteilen könnte, nicht einmal darüber weiß ich Bescheid).

Der Prozess war relativ langwierig und teilweise schmerzhaft, und teuer ist es mich auch gekommen. Aber hier das Ergebnis für den Sommer 2009. Hoffentlich bricht nicht gleich morgen ein Teil ab ...

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