Waldorf und Statler

U.
Angeblich besteht die Genialität der Katze darin, dass sie die Menschen davon überzeugt hat, sie zu versorgen - ohne Gegenleistung.

Und wenn ich mir ansehe, wie diese beiden befellten Schwestern den Sonntag zur Abwechslung mal mit dem Programmpunkt "Ausruhen vor der Heizung" bestreiten, könnte etwas Wahres dran sein.

Morgen schicken sie mich dann wieder ins Büro: Luxusfutter und Edelstreu verdienen.



Der Mode-KiK

U.
Vor einigen Jahren erzählte mir eine Freundin, die in England wohnt, von wilden Szenen fanatischer Einkäuferinnen anlässlich der Eröffnung einer Primark-Filiale. "Was ist denn dieses Primark?" fragte ich. Sie erklärte, dass es sich um eine Bekleidungskette mit sehr modischen Waren handele, die ausgesprochen günstig seien. "Komisch," dachte ich mir, "die Erfindung von H&M ist doch schon einige Jahrzehnte her!"

Allerdings hatte ich dabei nicht bedacht, dass H&M zwar nicht teuer, aber eben auch nicht gnadenlos günstig ist. Richtig billige Kleidung bekommt man dagegen bei KiK, NKD und Konsorten. Und genau diesen Ketten will Primark durch günstige Kleidung, die Menschen auch tatsächlich haben wollen, den Rang ablaufen. In anderen Ländern ist das auch längst gelungen.


Ab Ende November gibt es Primark auch in Frankfurt - die Kette zieht ins Nordwestzentrum und eröffnet dort eine riesige Filiale. Bald wird man wissen, ob extrem preiswerte Mainstream-Mode auch in Deutschland zieht. Aber was könnte da schon groß schief gehen?

Die FTD schreibt:

Primark (...) will mit seinen Testmärkten erst einmal herausfinden, was sich wo in Deutschland zu welchem Preis verkaufen lässt. Die Erfahrungen sollen die Grundlage für den großflächigen Markteinstieg bilden, über den voraussichtlich im kommenden Jahr entschieden wird.

Wer so billige Massenware verkaufen möchte, muss sie natürlich selbst sehr günstig einkaufen. Und so verwundert es kaum, dass Primark auf einem 2005 durchgeführten "Ethikindex" schlechter abschnitt als alle anderen britischen Bekleidungsketten. 2008 zeigte das englische Fernsehen einen Bericht über indische Kinder, die Primark-Kleidung nähten. Ein Problem, das gegen einen großen Erfolg in Deutschland spräche, wären also ethisch interessierte Konsumenten. Nicht, dass ich aus dieser Richtung allzuviel erwarten würde ...

Neulich als ich ein Festival organisierte

U.
Zurzeit kann man bei Last.fm sein eigenes Musikfestival zusammenstellen und dabei in Wettbewerb mit anderen Mitgliedern treten. Dabei geht es aber nicht etwa darum, das schönste Line-Up zusammen zu stellen oder ein besonders originelles Thema zu finden. Nein, man muss - mit einem relativ geringen Budget - einfach die Künstler einkaufen, die in den kommenden Wochen am meisten gespielt werden.

"Prima," dachte ich mir, "wie einfach kann man das denn noch machen? Radiohead sind seit Jahren die beliebteste Band der Last.fm-Nutzer, daran wird sich bis Jahresende auch nicht viel ändern!" Tatsächlich zählt für die Wertung aber nicht nur, wie oft eine Band gehört wird, sondern auch, wie oft sie in sozialen Netzwerken wie Twitter erwähnt wird. So erklärt sich, dass ein Evergreen wie die Beatles, die wie Radiohead stets ganz weit vorne in den Last.fm-Charts zu finden sind, mangels spannender Neuigkeiten trotzdem eher wenig "Punkte" bringt.

Diese Punkte werden ab dem 18. November wöchentlich vergeben - und siegen wird, wer relativ günstig Bands einkauft, über die momentan wenig in den Medien geschrieben wird, was sich aber bald ändern wird. Gar nicht so einfach. Übrigens darf man nach Wettbewerbsstart jede Woche drei seiner Bands austauschen - wenn ich also zum Beispiel feststelle, dass die Michael-Jackson-Bestürztheit nun doch mal langsam ihr Ende findet, kann ich ihn rauswerfen und zum Beispiel mit Madonna ersetzen, die sicher vor Weihnachten noch irgendetwas Interessantes tun wird.

Soeben habe ich mein erstes Line-Up festgelegt und bin relativ entsetzt über meine eigenen Entscheidungen. So viel steht fest: Besucherin dieses gruseligen Events möchte ich ganz sicher nicht sein! Aber seht selbst.

Drecks-Bahn!

U.
Zugegeben, man hätte es wissen können, und ich dachte es mir ja auch: Wenn die Bahn ihre Fahrkarten zu lächerlich günstigen Preisen abgibt, dann baut sie darauf, dass es zu unschönen Szenen kommt. Was wäre es auch für eine Nachrichtenmeldung, wenn am Tag nach einem tollen Superangebot (alle Fahrten für 20 EUR für einen Zeitraum von acht Stunden) in der Zeitung stünde "Beim Mauerfall-Sonderangebot der Bahn am gestrigen Abend gab es keinerlei Probleme. Die Server der Bahn konnten alle Online-Anfragen ohne Engpässe abarbeiten, und auch in der Reisecentern ging es ruhig und gesittet zu. Sämtliche Interessenten konnten das Angebot nutzen." Nein, solche Meldungen müssen immer von Massenaufläufen und zusammengebrochenen Websites handeln, sonst interessiert es ja keinen.

All das war mir im Vorfeld bekannt, und dennoch habe ich gestern abend versucht, eine 20-Euro-Fahrkarte zu ergattern. Immerhin plane ich momentan eine Bahnreise, für die sämtliche reguläre Sparpreise ausverkauft sind, also wäre das Angebot zeitlich extrem passend gekommen, und mir war die Aktion einen wenig hoffnungsvollen Versuch wert. Los ging es zum Verkaufsstart gegen 19 Uhr.

Bei meinen Bemühungen, die gewünschte Fahrt zu buchen, durchlief ich, wenn auch unter erheblichen Verzögerungen, die üblichen zahlreichen Stationen der Online-Fahrkartenbuchung: Verbindung eingeben, Zug aussuchen, vorhandene Preisangebote prüfen, Preisangebot auswählen, Reservierung auswählen, Versandoption anklicken, einloggen … an diesem Punkt war jedes Mal Schluss, statt der letzten Seite mit einem Überblick über die nun unmittelbar bevorstehende Buchung kam immer ein Hinweis, dass meine Anfrage leider, leider abgebrochen werden musste.

Nun entpuppte sich aber die Tatsache, dass man mit viel Warten, Seite neu laden und Fluchen bis zu diesem scheinbar späten Punkt im Buchungsprozess gelangen konnte, als extrem süchtig machend. Denn natürlich dachte ich mir bei jedem Abbruch, bei dem ich die günstige Fahrkarte quasi schon vor mir gesehen hatte: "Ich habe es ja beinahe geschafft, und es gibt ja offensichtlich noch Tickets. Einmal versuche ich es noch!" Wahrscheinlich hätte ich so die ganze Nacht vor dem Computer verbracht und diesen dann am frühen Morgen, nach dem 750. erfolglosen Buchungsversuch, entnervt aus dem Fenster geworfen, aber glücklicherweise war ich gestern abend verabredet und musste meinen Seitenladungsmarathon folglich für einige Stunden unterbrechen.

Dennoch stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt. Ich kam vom Konzert nach Hause und dachte: "Jetzt ist es nach Mitternacht, viele werden ihr Ticket mittlerweile haben, andere haben aufgegeben, also habe ich nun sicher eine realistische Chance!" Weit gefehlt, in den Stunden meiner Abwesenheit hatte die Bahn lediglich den "Ätsch, hier geht's nicht weiter, also fang doch einfach von vorne an!"-Bildschirm professionalisiert. Ich machte noch einige Versuche, landete aber jedes Mal wieder auf einer Seite, die mich darüber informierte, dass es wegen der großen Beliebtheit des Angebots gerade zu Engpässen käme. Und so gab ich irgendwann auf und ging ins Bett.

Das Ergebnis dieser Aktion ist für mich, dass ich die Bahn jetzt noch mehr hasse als je zuvor. Gut, Zug fahren an sich mag ich meistens ganz gerne, aber diese bescheuerten Angebote, die sich immer wieder als komplette Zeitverschwendung entpuppen, sind genauso ein Ärgernis, wie angeblich existierende Sparpreise, die bereits zum ersten möglichen Zeitpunkt ihrer theoretischen Verfügbarkeit ausverkauft sind. Und von den ständigen unbegründeten und unverschämten Preiserhöhungen im Nah- und Fernverkehr muss man wohl gar nicht erst anfangen.

Und da muss man sich doch fragen, welchen Sinn derartige Marketingaktionen haben: Einige wenige Interessenten (na gut, angeblich 150 000) werden unter erheblichem Zeitaufwand Tickets ergattert haben, der Rest hat wie ich seine Zeit ohne Belohnung verschwendet. Und viele andere werden in der Zeitung darüber lesen, den Kopf schütteln und sich nicht sonderlich dafür interessieren. Netto gibt es heute im Vergleich zu gestern also sicher mehr Bahnhasser als vorher. Wem nützt das Ganze also etwas?

Neulich als ich am offenen Hirn operierte

U.
Heute vor eine Woche hatte ich wie berichtet ein besonderes Halloween: Mein Betriebssystem, das offenbar eifersüchtig die neue Windows 7-DVD auf meinem Schreibtisch entdeckt hatte, verabschiedete sich mit einem Knall und nahm meine Daten gleich mit - das heißt, vorhanden waren sie schon noch, nur leider hatte ich keinen Zugriff mehr.

Eine liebe Freundin half mir dann dabei, wieder Zugriffsrechte zu den meisten Dateien zu bekommen, und so ging ich diese Woche daran, aus den Nutzerdaten eines zerschossenen Vista-Profils meinen Computer neu aufzusetzen. Mein Sorgenkind dabei war iTunes, denn während meine mp3s als so ziemlich einziges in einer perfekten Sicherung auf externer Festplatte vorlagen, musste ich erkennen, dass die Statistiken, Wiedergabelisten und Podcast-Abonnements woanders aufbewahrt werden. Darüber hinaus scrobbele ich ja meine Musik nach Last.fm, und, noch wichtiger, schicke meine Laufdaten an mein Nikeplus-Profil - alles auch auf diesem Blog zu bewundern.


Nun wäre ich der erste Mensch, der bereitwillig zugibt, dass im Universum schon wichtigere Dateien verloren gegangen sind, dennoch war ich fest entschlossen, alles zu versuchen, um meine Daten zu retten.

Und siehe da: Die Lorbeeren, die überall über Windows 7 ausgeschüttelt werden, sind wohl berechtigt. Die Installation verlief völlig unproblematisch. Dann installierte ich alle Programme neu und kopierte im Fall von iTunes und Last.fm einfach alle Daten aus meinen alten Nutzerdateien an Stelle der neuen und versuchte dabei, alle Pfadnamen gleich zu halten. Ich hatte nicht ernsthaft erwartet, dass das in unterschiedlichen Betriebssystemen und Programmversionen so einfach funktioniert, aber in der Tat: Beide Programme waren beim ersten Benutzen der Meinung, sie seien seit Jahren in Betrieb. Und auch meine Laufdaten, die sich noch auf dem iPod befanden, wurden übertragen, ohne dass eine Neuanmeldung erforderlich gewesen wäre.

Jetzt bin ich nur noch gespannt, ob ich zukünftig auch tatsächlich keine Bluescreens mehr sehe und mir spontane Neustarts erspart bleiben. Dann könnte man glatt Microsoft-Kundin bleiben ...

Der fantastische Mr. Fox

U.
Als Kind habe ich verschiedene Geschichten von Roald Dahl gelesen, und auch als Erwachsene hat mir z.B. die Verfilmung von Charlie and the Chocolate Factory großen Spaß gemacht. Über Dahl, der in England um einiges bekannter ist als bei uns, liest man immer wieder, dass er im echten Leben Kinder nicht besonders mochte. Sicher, die Schicksale von Charlies "Konkurrenzkindern" in der Schokoladenfabrik sind alles andere als attraktiv, und das an und für sich sympathische Kind, das in The Witches in eine Maus verwandelt wird, muss sich am Ende gut gelaunt damit abfinden, dass eine Rückverwandlung ausgeschlossen ist. Kindlichen Lesern scheint das aber nicht viel auszumachen.

Die Geschichte vom fantastischen Mr. Fox, der sich mit den anderen Waldtieren zusammen tut, um dem Mordkomplott von drei bösen Farmern an allen "räuberischen" Tieren zu entgehen, gehört zu denen, die ich in meiner Kindheit besondern gerne mochte, und auch dieses Buch ist nun verfilmt worden. Nachdem es in der Geschichte um sprechende und wie Menschen agierende Tiere geht, hat man sich naheliegenderweise für keine Realverfilmung entschieden. Das Ergebnis der Stop-Motion-Umsetzung sieht für mich allerdings ziemlich merkwürdig aus: Dahls Tiere konnten zwar sprechen, aber sie hatten meiner Erinnerung nach keine Häuser und trugen auch keine Kleidung.

So richtig kann mich der Trailer nicht überzeugen, obwohl Jarvis Cocker nicht nur zum Soundtrack beigetragen hat, sondern sogar mitspielt.


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