Neulich im Klassikkonzert

U.
Letztes Jahr zu Weihnachten habe ich ganz viele Konzertkarten geschenkt bekommen. Das leider bereits letzte dieser Konzerte fand nun gestern abend statt: The Magnetic Fields traten im Mousonturm auf. Dort hatte ich gerade 24 Stunden vorher bei brüllender Hitze die Shout Out Louds erlebt, aber trotz identischer Anreise schienen wir dieses Mal einen ausgetauschten Veranstaltungsort erreicht zu haben:  Der Saal war komplett bestuhlt für einen pünktlichen Veranstaltungsbeginn um 21 Uhr, im Foyer hing ein Zeitplan, der eine Konzertpause beinhaltete und Getränke durfte zwar gekauft, jedoch nicht mit an den Platz genommen werden. Es war also klar: Heute geht es nicht um Rock’n Roll, heute soll man konzentriert zuhören.



Aber um was ging es dann? Ich würde sagen eine ziemlich klassische Form von Singing-Songwriting einer fünfköpfigen Band um Chef Stephin Merritt, der neben dieser Band noch zahlreiche andere Musikprojekte betreibt. Das bekannteste Album von The Magnetic Fields heißt 69 Love Songs (im Mousonturm trug ein Pärchen selbstgemachte T-Shirts mit je einer 6 und einer 9 auf dem Rücken) und enthält in der Tat ganze 69 Lieder, was veröffentlichungstechnisch wohl ein Rekord sein dürfte. 

Und in der Tat lohnt sich konzentriertes Zuhören, denn alle Lieder erzählen gut verständliche kleine Geschichten über die Liebe, deren Abwesenheit, neue Autos, Schiffbruch, akustische Gitarren …  Angekündigt wurden diese Minierzählungen jeweils durch Herrn Merritt selbst oder, häufiger, Kollegin und Mit-Sängerin Claudia Gonson. Letztere zählte auch sämtliche Lieder ein, denn die Instrumentierung mit Gitarre, Cello, Ukulele, Hackbrett(?) und Keyboards enthielt wenig (Rassel) bis keine Percussion. Dass das Konzert also relativ leise war, führte zu einer subjektiven Intimität im gar nicht mal so kleinen, aber eben ebenfalls sehr ruhigen Konzertsaal.


In der relativen Stille fiel auch ein plötzlich einsetzendes Störgeräusch im Mikrophon von Frau Gonson sofort unangenehm auf und musste gleich zweimal von Cellist Sam Davoll kompetent behoben werden. In solchen Situationen ist es dann praktisch, wenn man auf der Bühne die Ereignisse mit "I don't know what to say" kommentieren und dann auch gleich das so betitelte Lied kurz anspielen kann ...

Wie ich heute gelesen habe, dürfte das ruhige Setup übrigens gar nicht unbedingt dem künstlerischen Wunsch der Band entsprechen, sondern ist vielmehr eine Notwendigkeit, denn Stephin Merritt hat ein Ohrenproblem, das dazu führt, dass er laute Geräusche auf dem linken Ohr verstärkt und verzerrt wahrnimmt – die Band kann also in seinem Interesse nur ziemlich leise und rechts von ihm vor ebenfalls ruhigem Publikum spielen, und bei Applaus hält er sich das linke Ohr zu.


Aber was auch immer die Gründe sind: Nach dem Konzert hatte man in jedem Fall, Zeuge von etwas Besonderen gewesen zu sein. Und heiß war es dieses Mal auch nicht …

(Einen weiteren Bericht - mit Setliste - gibt es übrigens hier.)

In der schwedischen Sauna

U.
Ich mag den Mousonturm als Konzertveranstaltungsort eigentlich recht gerne. Seine Vorteile zeigen sich insbesondere im Vergleich zu anderen Hallen im Rhein-Main-Gebiet:

  • Leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen (vgl. Brotfabrik)
  • Man kann von den meisten Standorten aus die Bühne sehen (vgl. Batschkapp, Schlachthof)
  • Atmosphärisch angenehm (vgl. Hugenottenhalle)
  • Nicht in Offenbach (vgl. Capitol)


Was ich bei diesen vorteilhaften Vergleichen aber immer wieder vergesse, ist die Eigenart des Mousonturms, sich bei vielen Konzerten auf ca. 1 Million Grad aufzuheizen. Man sitzt oder steht da, vermeidet jede überflüssige Bewegung, der Schweiß läuft an einem herab und man versucht verzweifelt, sich auf die winterlichen Temperaturen draußen zu konzentrieren und nicht auf die Frage, in wie vielen der anwesenden Lungen die feuchte und sauerstofflose  Dampfbadluft, die man gerade atmet, wohl bereits gewesen ist.

Wie schlimm muss es wohl erst sein, wenn man als Band in solchen Temperaturen auftreten muss? Glücklicherweise stammen sowohl die Shout Out Louds als auch ihre Vorband Nervous Nellie aus Skandinavien, weshalb sie sicher seit Kindheitstagen an Saunabesuche gewöhnt sind und auch gut vorbereitet Handtücher dabei hatten.


Die Temperaturen erklären dennoch sicher, dass die freundlichen Shout Out Louds dem Publikum am Montagabend außer „It’s so hot!“ zwischen den Songs eher wenig zu sagen hatten. Immerhin wurde angemerkt, dass der letzte Frankfurter Auftritt im Nachtleben stattgefunden habe (in dem es sicher, dank seinem Fassungsvermögen von ca. 50 Gästen, kühler war). Ihre Energie verwendete die Band dann lieber darauf, vor begeistertem Publikum ihr neues Album Work annähernd komplett zu spielen – inklusive einiger Langweilersongs, die bei zukünftigen Tourneen sicher daheim bleiben müssen („Too late too slow“). Aus den ersten beiden Alben wurden dann auch nur die Knaller á la „Tonight I have to leave it“  (mit diesem komischen Hand-Schlaginstrument, dessen Namen ich nicht kenne) oder „The Comeback“  (mit ungewohnten Keyboard-Passagen) serviert, außerdem „Your Parents‘ Living Room“ mit einer Akkordeonanlage von Keyboarderin Bebban. Vermisst wurde nur das zu diesem Abend perfekt passende „100°“.

Nach drei Zugaben wurden die Frankfurter Fans über den mittlerweile kondenswasserfeuchten Boden nach draußen geschickt, wo es dann wieder Sauerstoff zu atmen gab – schön war’s aber trotzdem in der schwedischen Sauna.


Setlist:
1999
Throwing Stones
Please Please Please
Play The Game
Tonight I Have To Leave It
Paper Moon
Fall Hard
Candle Burned Out
Comeback
Your Parents Living Room
South America
Very Loud
Too Late Too Slow
Show Me Something New
Hard Rain

Impossible
You Are Dreaming
Walls

Eisblog (5): Pistazieneis

U.
Mein Lieblingseis seit Kindertagen ist - neben Schokolade - die Geschmacksrichtung Pistazie. Nachdem ich in meinem normalerweise nicht sonderlich gut bestückten Minisupermarkt  überraschenderweise kleine Tütchen mit ungesalzenen Kernen entdeckt hatte, war klar: Die Eismaschine muss auch diese Eissorte produzieren!

Ben und Jerry konnten in diesem Fall mit ihren Rezepten nicht weiter helfen, also wandte ich mich vertrauensvoll an Chefkoch.de und wurde fündig. Bei diesem Rezept werden Sahne und Zucker zunächst gemeinsam erhitzt, so dass man, bevor die Eismaschine zum Einsatz kommen kann, erst einmal Zeit zum Abkühlen lassen einplanen muss. Und mit Sahne, mehr Sahne, einer Vanillestange und Zucker (und natürlich den gemahlenen Pistazien) war die Zutatenliste dieses Mal eher übersichtlich.

Leider ist das Eis in der Maschine nicht sonderlich fest geworden. Dafür war der Geschmack des "Halbgefrorenen" exzellent, und die Farbe ohne künstliche Farbstoffe erstaunlich hübsch. In Geschäften wird Pistazieneis meist mit Mandeln oder Marzipan gestreckt, weil die Kerne eben so teuer sind, folglich lohnt sich hier selbst machen für den echten, unverdünnten Pistaziengeschmack besonders. Darüber hinaus gibt es praktisch keine Haushaltspackungen dieser Sorte. Sollte also wiederholt werden.

Was das iPhone noch alles können müsste

U.
Mittlerweile habe ich mein neues Spielzeug schon seit mehreren Wochen und bin längst daran gewöhnt, immer und überall auf meine E-Mails zuzugreifen, Dinge bei Google nachzusehen, Wegbeschreibungen aufzurufen oder Facebook-Statusupdates zu lesen. Ich kann auch vor Ort im Geschäft Preise mit denen im Netz vergleichen,  jede Menge internationale Radiosender hören oder mit meinem Mini-Laserschwert Konflikte lösen. Alles so weit prima.

Allerdings  hat sich doch gezeigt, dass es, man glaubt es kaum, einige Apps noch nicht gibt. Meinem Mittester und mir fielen ein:
  • Eine App, die aus dem Display ein Mini-Ceranfeld macht, auf dem man seinen Tee aufwärmen kann.
  • Eine Personenwaage (möglicherweise nur für Hamster)
  • Eine Schweizer-Taschenmesser-App (müsste wohl auch ein Laserschwert sein)
  • Ein Elektroschocker zur Selbstverteidigung
  • Ein Schminkspiegel
  • Ein Universalschlüssel fürs Auto
(Den Punkt "Fernbedienung" musste ich aus dieser Liste übrigens streichen, weil das wohl wirklich funktioniert.)

Ach ja, und was auch ganz toll wäre:
  • Besseres Wetter anzeigen.

Gute Nachrichten für Kaninchen

U.
Report Mainz hat nach dem erschreckenden Hühnerqualbeitrag vom Januar diese Woche über die Kaninchenzucht berichtet. Sah nicht wirklich besser aus. Besonders schlimm sind in diesem Kontext laut dem Bericht mehrere Dinge:
  • Die Zustände in den Kaninchenmastbetrieben sind seit einem früheren Fernsehbericht vor acht Jahren öffentlich bekannt, geändert hat sich seitdem aber rein gar nichts.
  • Vor allem gibt es heute genauso wenig wie damals Richtlinien oder gar Gesetze, die den Züchtern Auflagen machen und zum Beispiel die enge Käfighaltung verbieten, diese handeln also - anders als die Geflügelzüchter - völlig legal.
  • Besonders bitter ist, dass auch das zur Verbraucherberuhigung eingeführte GGE-Gütesiegel, das artgerechte Haltung des zu verspeisenden Kaninchens garantieren soll, rein gar nichts gewährleistet - diesen Tieren geht es auch nicht besser.

Als Reaktion auf den Bericht sind aber immerhin Konsequenzen sichtbar: Rewe, immerhin Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler, nimmt als Reaktion Kaninchenfleisch aus dem Sortiment, Tegut ebenso. Ich bezweifele ganz stark, dass der Verzicht auf den Kaninchenfleischverkauf für die Supermarktketten einen großen Umsatzverzicht darstellt. Dennoch: Ein guter Tag für Kaninchen.

Recycling (2): Bohr dir doch ein Loch ins Knie!

U.
Vielen Retro-Begeisterungen kann ich nichts abgewinnen. Wer um alles in der Welt eine Realverfilmung von Wicki sehen möchte, ist mir zum Beispiel völlig schleierhaft. Oh Graus. Aber eine Serie, die ich als Kind wirklich mochte, aber zwischenzeitlich fast vergessen hatte, waren die Fraggles. Und, richtig geraten, auch die Fraggles gibt es demnächst als Film. Seit ich das heute mittag gelesen habe, schwelge ich in Erinnerungen an den entscheidungsschwachen Wembley, die "rackern muss man doch, feiern kann man morgen noch!"-Doozer, deren Bauwerke von den Fraggles herzlos aufgegessen wurden, und natürlich an die allwissende Müllhalde. Dass ich die Realeinlagen der Serie mit dem dummen Mann und seinem verzweifelten Hund (gewissermaßen Wallace & Gromit in doof) komplett vergessen hatte, zeigt wohl, wie wenig mich das damals beeindruckt hat.

Naja, ob die Welt so einen Film braucht, sei dahin gestellt, und ich bin auch sicher nicht ganz in der richtigen Altersgruppe dafür. Aber immerhin ein willkommener Anlass, sich ans gute alte Kinderfernsehen zu erinnern...

So weit zu meinem Beitrag im Mai 2008. Update 2010: Tja, viel gehört hat man nicht mehr über dieses Projekt, immerhin scheint es nicht aufgegeben worden zu sein. Allerdings habe ich zu Weihnachten die erste Staffel der Fraggles auf DVD geschenkt bekommen. Irgendwie hatte ich vergessen, dass in den Folgen so dermaßen viel gesungen wird! Und erstaunlicherweise sind die Szenen mit Gobos die Außenwelt erforschenden Onkel, die fürs deutsche Fernsehen extra separat produziert wurden (in der US-Version sind es andere Szenen, und in der französischen wieder andere), in der deutschen Fassung lustiger als im Original.


Leider lässt sich der Vorspann nur in dieser minderwertigen Qualität einbinden, auf Youtube gibt es aber viel schönere.

Get Old Soon

U.
Vor einigen Monaten traten die Pixies in der Frankfurter Jahrhunderthalle auf. Eine gute Freundin besuchte das Konzert, das wohl grundsätzlich sehr gut und unterhaltsam war. Aber worüber sie heute noch spricht, ist etwas anderes: "Im Publikum war alles voller Halbglatzen!" sagt sie bis heute kopfschüttelnd. "Aber wir sind ja auch nicht jünger! Man macht sich das nie so bewusst."


Ähnliche Gedanken beschlichen mich beim Konzert von Get Well Soon letzten Dienstag im Mousonturm. Die Band ist um einiges jünger als die Pixies, macht völlig andere Musik und hat gerade mal zwei Alben veröffentlicht. Das Publikum, das sie mit ihrer Musik anzieht, entspricht aber offenbar nicht den gängigen, studentisch wirkenden  Mousonturm-Gängern, wie man sie etwa bei Art Brut, I'm From Barcelona oder Fischerspooner sehen konnte. Nein, der Get Well Soon-Fan entnimmt seine Konzerttipps augenscheinlich dem Feuilleton der FAZ und nicht Last.fm, und seine Haarfarbe geht ins Gräuliche.

Und was sagte mein Begleiter, als ich ihn auf die relative Uncoolheit unserer Konzert-Mitbesucher aufmerksam machte? "Wir sehen doch auch nicht anders aus!" Und da soll man dann nicht depressiv werden.



Was das eigentliche Konzert angeht, hat Christoph bereits am Mittwoch viel besser und ausführlicher darüber berichtet, als ich das heute noch könnte, also verweise ich einfach zustimmend auf seine Besprechung. In der Tat war die Kombination von Film und Musik ein Genuss, die Band auch bei meinem dritten Konzert sympathisch und das Publikum für Frankfurter Verhältnisse aufmerksam und begeisterungsfähig. Bei den ruhigen Liedern nutzte man die Stille auch nicht etwa, um sich besser unterhalten zu können (alles schon vorgekommen), sondern schwieg andächtig, während die einzige Schwätzerin irgendwann mit einem lauten, genervten "Schnauze!" bedacht wurde.
  

Vielleicht lag das am fortgeschrittenen Alter, wir sind eben noch leichter zu begeistern als diese dauerreizüberflutete Internet-Jugend... nur ärgern sollte man uns nicht, da werfen wir ganz schnell mit unseren Krückstöcken ...

Boxenluder

U.
Behauptete ich, ich hätte Lautsprecher gekauft? Fehler, es handelt sich um Katzenpodeste.

Der superspannende Pizzatest

U.
Vorgestern war es so weit: Ich ging im Rahmen meines trnd-Projektes vier Pizzen Tradizionale kaufen und händigte zwei davon meinen Nachbarn aus, die übrigen zwei traten gestern Abend in meinem Wohnzimmer zum Testessen an.

Dass die Pizzen verglichen mit dem, was man sonst so im Tiefkühlregal vorfindet, erstaunlich klein sind, entpuppte sich insofern als Vorteil, als man zumindest beide gemeinsam auf eine Ebene des Backofens quetschen konnte, und mit Umluft wurden sie auch schön gleichmäßig gebacken.



Meine Testpizza war eine Spinaci. Sie war wie erwähnt recht klein und dafür relativ dick, was ich bei einer Pizza im Steinofen-Stil eigentlich so nicht erwartet hatte. Im Geschmack war sie durchaus angenehm, sah lecker aus und satt bin ich auch geworden. Dennoch mag ich dünnere Produkte, wie die Steinofen-Serie von Wagner, oder auch Dr. Oetkers Ristorante, lieber. Kaufen werde ich die Tradizionale also im Zukunft, wenn überhaupt, wohl eher als Abwechslung.



Was mich übrigens auch etwas gestört hat: Das Zutatenverzeichnis auf dem Karton war unheimlich lang und enthielt Komponenten, die sehr nach Chemielabor klangen - was daran denken lässt, das der echte Doktor Oetker Apotheker war. Ganz lässt sich das bei Convenience-Essen sicherlich nicht vermeiden, aber es gibt definitiv auch Fertigpizzen mit "natürlicheren" Zutaten. Und wie wäre es mit Biosalami und -schinken für die Fleischpizzen?

Mein Mitesser und -tester hatte eine Pizza Diavola gewählt, weil er Salamipizzen mag, aber die "normale" Salamivariante bereits kannte. Ihn hat die Kleinheit seiner Pizza mehr gestört als mich, dafür mag er dickere Pizzen lieber und meinte, dass er die Salami und die Diavola wohl auch in Zukunft gelegentlich kaufen wird. Lediglich ein bisschen trocken fand er sie.


Zu zweit haben wir hinterher brav unsere Marktforschungskarten ausgefüllt und hochgeladen. Jetzt bin ich gespannt, wie die Nachbarn ihre Pizzen fanden ...

Coprights @ 2016, Blogger Templates Designed By Templateism | Templatelib