Neulich im Kaffeehaus (3): Café Prückel

U.
Auch für Freunde des 50er-Jahre-Stils hat Wien ein Kaffeehaus zu bieten: Gegenüber vom Museum für Angewandte Kunst kann man sich entspannt und in Ruhe durch die riesigen Zeitungsstapel arbeiten und auf dem Weg zur Toilette auch das Innere der Küche erforschen.


In Wien gibt es erst seit kurzem Gesetze zum Nichtraucherschutz, wie sie in Deutschland nun schon seit mehreren Jahren üblich sind. Im Prückel sieht die gegenwärtige Umsetzung so aus, dass der (in meinen Augen noch schönere) Hauptteil des Cafés der Raucherbereich ist und ein nicht weiter abgetrenntes Nebenzimmer im Jugendstil den Nichtrauchern zur Verfügung steht.





Harte Mädchen bluten öfter

U.
Für einen kurzen Moment dachte ich tatsächlich, die unten abgebildeten Poster seien eine echte Werbung. Zur Illusion trug vor allem bei, dass sie sich in einem U-Bahn-Schaukasten befanden. Tatsächlich handelt es sich aber doch um Kunst und gleichzeitig um Werbung für eine Ausstellung in der nahe liegenden Secession. Puh!




Neulich im Kaffeehaus (2): Café Gloriette

U.
Auch Besucher von Schloss Schönbrunn müssen nicht auf Kaffeehausambiente verzichten: Das Gloriette, das 1775 auf einem gegenüber liegenden Hügel als Aussichtspunkt auf das Schloss erbaut wurde, beherbergt ein Café, das seiner Lage entsprechend hauptsächlich Touristen bewirtet. Dennoch gibt es auch hier den typischen Zeitungsstapel und das Glas Wasser zum Kaffee auf dem Silbertablett - also kann man durchaus auch hier - etwas bemüht - von einem Kaffeehaus sprechen.


Die Aussicht aufs Schloss ist von hier wirklich wunderschön und der Bau, abgesehen von den etwas irritierenden steinernen Kuhschädeln, eine echte Schönheit.

Weniger attraktiv ist allerdings die billig wirkende Bestuhlung und die kaum zu den hohen Preisen passende Dekoration mit Plastikrosen. Auch auf Gemütlichkeit wurde wenig Wert gelegt, hier kommt wohl der "die Gäste sind Touristen"-Aspekt ins Spiel ... Aber der Kuchen war super.




Neues aus CocoRosies Faschingskiste

U.
Gestern abend fand mein zweiter Besuch in der Wiener Arena statt, dieses Mal spielten CocoRosie auf, und ein weiteres Mal wurde mein armer kleiner Schirm, der beinahe zu wackelig ist, um einen Regentropfen abzuhalten, als gemeingefährliche Waffe beschlagnahmt.


CocoRosie sind bekanntlich ein skurriles amerikanisches Geschwisterpaar, das sich abenteuerlich kleidet und seltsame Musik macht. Ein aufgeschlosseneres Publikum als Menschen, die für einen solchen Auftritt bezahlen, kann man sich also kaum vorstellen, dennoch strapazierte der Auftritt von Vorband Crazy Bitch in a Cave auch die Nerven dieser geduldigen Leute: Ein als Frau gekleideter Mann in Schlabberklamotten und mit Papierstücken beklebten Pumps, der zum Laptop operettenhafte Gesänge ausstieß, die wirkten, als seien sie gerade eben spontan ausgedacht worden, dazu ein Pärchen von Backgroundsängern/-tänzern, die Choreographien im Stil von "Fred vom Jupiter" ablieferten. In der offiziellen Single-Variante klingt das Ganze immer noch nicht angenehm, aber um einiges besser als live, und so wurde die Zeit, wie so häufig bei Vorbands, recht lang.



Irgendwann war dann die Zeit doch für die Casady-Schwestern gekommen, und sie betraten die Bühne mit Drummer Bolsa, Pianist Gael und Beatboxer Tez, den ich bereits von der letzten Tournee kannte. Außer meiner Kenntnis des Beatboxers hält sich mein Wissen über CocoRosie aber extrem in Grenzen, und die Setliste des gestrigen Auftritts war eher etwas für Hardcore-Experten: Von den ersten beiden Alben wurde nur der Song "K-Hole" gespielt, Hits wie "Terrible Angels", "By Your Side" oder "Good Friday" fehlten dagegen. Neben den Liedern der aktuellen CD "Grey Oceans" lag das Augenmerk auf ungewöhnlichen Versionen (ein Cover von Kevin Lyttle ("Turn Me On"), ein nur als Single erschienener Song ("God Has A Voice, She Speaks Through Me") und "Happy Eyez" von der EP "Coconuts, Plenty of Junk Food" sowie eine neue Variante von "Rainbowarriors") und unveröffentlichten Titeln ("Fatherhood", "Tranny Power").



CocoRosie sind aber nicht nur für ihre Musik bekannt, und auch die Outfits der beiden Damen sorgten mal wieder für einen erinnerungswürdigen Abend: Zunächst trug Sierra ein wallendes, durchaus schönes Abendkleid, Bianca dagegen kombinierte Bermudashorts mit einer Art Charivari-Gürtel und einer Küchenschürze mit Herzen. Oben herum trug sie ein bauchfreies Tanktop mit einem Nietengeschirr, dazu übereinander eine Langhaarperücke, eine Haube aus etwas, das wie Dämmaterial aussah und eine Schirmmütze mit der Aufschrift NYPD.


Einen umjubelten Kurz-Soloauftritt von Tez in der Mitte des Sets nutzte Sierra für einen Kostümwechsel, aus der vermutlich hinter der Bühne stehenden Faschingskiste zog sie nun einen hellblau-weiß gemusterten Catsuit, zu dem sie eine Art weißes Brustgeschirr und einen aus weißen Kordeln bestehenden Hut (oder doch eher eine Perücke?) trug. Bianca blieb weitestgehend gleich, legte aber Schürze und Mütze ab. Für die Zugaben legte sie dann aber noch einen goldenen Gesichtsvorhang an.



Während des Auftritts erschien Sierra insgesamt gelöster, wirbelte über die Bühne, spielte Harfe und sang, zu "Tranny Power" lieferte sie gar eine Kasatschok-artige Tanzeinlage ab. Bianca machte einen etwas weniger glücklichen Eindruck, wenn sie nicht sang, spielte sie die am rechten Bühnenrand liegenden Kinderinstrumente oder auch eine Klarinette (sowie etwas aus silbernen Kugeln, bei dem ich nicht weiß, wie es heißt). Ihre Interaktionen mit Schwester, Band und Publikum beschränkte sie aber auf ein Minimum.



Wie schon bei Jónsi zeigte sich das Wiener Publikum überaus begeistert, begrüßte diverse Gesangseinsätze mit Szenenapplaus und forderte eine Zugabe mehr ein, als auf der Setliste stand.




Setliste:
  • R.I.P. Burn Face
  • Undertaker
  • Black Rainbow
  • Fatherhood
  • The Moon Asked The Crow
  • Lemonade
  • K-Hole
--- Tez (Solo) ---
  • Hopscotch
  • God Has A Voice, She Speaks Through Me
  • Grey Oceans
  • Happy Eyez
  • Turn Me On
  • Promise
  • Fairy Paradise
Zugaben
  • Werewolf
  • Tranny Power
  • ?

Zwischen U-Bahn und Museum

U.
Am Wiener Karlsplatz steigt man aus der U-Bahn, wenn man die Secession besichtigen möchte oder auch den Naschmarkt. Doch auch der Weg zwischen Zug und Erdoberfläche ist interessant. Hier hat der kanadische Künstler Ken Lum in einem Kunstprojekt mit dem Titel Pi in Spiegeln nicht nur die Unendlichkeit eben dieser Zahl, sondern zusätzlich auch die unterschiedlichsten Statistikzahlen dargestellt, und das anscheinend in Echtzeit.



Während einige der Werte zum Nachdenken anregen sollen - man kann etwa die Zahl der Tage, bis Tschernobyl wieder bewohnbar ist, sehen, oder die der unterernährten Kinder weltweit beim Wachsen beobachten - werden auch amüsante Nichtigkeiten preisgegeben, wie die Zahl der verzehrten Schnitzel in Wien seit Jahresbeginn.

Nur: Wer zählt die eigentlich? Und die Verliebten? Na? Na?






Neulich im Kaffeehaus (1): Café Sperl

U.
Wer nach Wien fährt, besucht dort fast zwangsläufig das eine oder andere Kaffeehaus, denn schließlich ist die Stadt auch dafür bekannt. Und nachdem ich in den letzten Tagen eine ganze Reihe aufgesucht habe, werde ich die schöneren hier vorstellen.


Los geht es mit dem Café Sperl. Es befindet sich in der Gumpendorfer Straße und eignet sich wegen seiner Lage gut für eine Pause vor oder nach einem Besuch des Naschmarkts (nicht, dass man dort nicht auch essen könnte). Das Café stammt von 1880 und weist vieles auf, was man in Wiener Kaffeehäusern erwartet: Eher unbequeme Tischchen in einem überaus altehrwürdigen Ambiente, klassisch gekleidetes Servierpersonal, zahlreicher Zeitungen und eine lange Liste von zum Teil schwer zu verstehenden Kaffeespezialitäten: Was ein Kleiner Brauner oder eine Mélange ist, weiß man als Tourist wohl, aber wie ist das bei einem "Meister Kaffee" oder gar einem "Obermayer"?


Zum Charme der Kaffeehäuser gehört natürlich auch, dass man dort unbehelligt so lange sitzen kann, wie man möchte - auch abends und auch, wenn man dabei eher wenig konsumiert. Leider hat man es aber als Städtereisender meist eher eilig, schließlich wartet ja der nächste abzuarbeitende Besichtigungspunkt bereits, so dass sich dieser Vorteil kaum ausnutzen lässt. Immerhin haben wir die Kaffehäuser für den langfristigen Genuss fotografisch festgehalten ...


 

Jónsi, der Großstadtindianer

U.

Gestern Abend lernten wir Bereiche von Wien kennen, die Touristen sonst eher selten erforschen: Zwischen Lagerverkaufshallen, fleischverarbeitenden Betrieben und Autobahnauffahrten suchten wir zunächst verzweifelt, doch schließlich erfolgreich die Arena, den Auftrittsort von Sigur Rós-Sänger Jónsi.



Unter einer "Arena" hatten wir uns einen größeren Veranstaltungsort vorgestellt, als tatsächlich vorhanden war. Die Halle machte einen  Eindruck, den man wohlwollend als alternativ, weniger positiv nur als heruntergekommen bezeichnen kann. Das Personal war durchwegs tätowiert, beschlagnahmte meinen Miniknirps aber als potenzielle Schlagwaffe, und das Publikum war ebenfalls seltsam: Mehrere unserer Mitgäste hatten Federschmuck im Haar, wie man ihn von Kinderfesten kannte. War so etwas etwa gerade Mode in Wien??



Es blieb noch etwas Zeit zum Nachdenken, denn zunächst trat als Vorband die junge Salzburgerin Mel auf. Die sehr emotionalen, ruhigen Lieder hinterließen leider keinen bleibenden Eindruck, irgendwie klang alles gleich. Und so kam ich nach dem Konzert, als ich versuchte, meinen gemeingefährlichen Schirm zurück zu bekommen, in die peinliche Lage, dass mit ein netter Mensch vom Merchandise-Stand eine beschädigte Mel-CD schenken wollte und ich dankend ablehnen musste ...



Aber kommen wir endlich zum Hauptact. Jónsi ist zurzeit mit seiner ersten Soloplatte unterwegs, und statt den Sigur Rós-Kollegen hat er eine andere Band dabei, die unter anderem seinen Lebensgefährten Alex Somers beinhaltet. Zunächst betrat er die Bühne jedoch nur mit dem Schlagzeuger Thorvaldur Thór Thorvaldsson, der ihm beim ersten Lied "Stars in still water" allein mit dem Geigenbogen am Xylophon zur Akustikgitarre begleitete. Und spätestens, als beim zweiten Lied "Hengilás" die anderen Bandmitglieder die Bühne betraten, wurde die Bedeutung der seltsamen Federmode einiger Publikumsmitglieder klar: Die Band trug nämlich eine Art Phantasieuniformen, deren Hauptmerkmale Fransen und eben Federn waren. Insidern war das offensichtlich bereits bekannt gewesen.



Die geschmückten Bandmitglieder tauschten bei praktisch jedem Lied die reichlich vorhandenen Instrumente - lustig wurde das, als alle bereits ihre neuen Plätze für das Lied "New piano song" eingenommen hatten und offenbar plötzlich einem von ihnen auffiel, dass man "Animal Arithmetic" vergessen hatte: Es kam zu einem hektischen Kurzmeeting am Keyboard und dann zu einem weiteren Platz- und Instrumentetausch.


Die Livedarbietung des Soloalbums war durchweg großartig. Band und Publikum waren gleichermaßen begeistert, und Jónsi schaffte es mit einem Sologesamtwerk, das auf CD nur 40 Minuten umfasst, eine Spieldauer von 90 Minuten zu erreichen. Am (aller)besten kamen dabei die schnellen Lieder wie "Go do",  "Boy lilikoi" und "Animal Arithmetic" an. Hinter der Band liefen auf einer Videoleinwand dazu passende Projektionen von zum Beispiel fliegenden Schmetterlingen oder einem dunklen Wald mit Glühwürmchen.


Es gab noch eine (von Jónsi mit voller Federkrone dargebotenen) Zugabe, wobei das letzte Lied "Grow till tall" in einem finale furioso endete, so, wie das, ließ ich mir erklären, Sigur Rós auch immer machen. Dann war aber doch Schluss, die Band kehrte aber noch einmal zurück, um sich gemeinsam vor dem jubelndem Publikum zu verneigen und zu verabschieden - ebenfalls eine Sigur Rós-Tradition. Und das sollten sich andere Bands ruhig auch angewöhnen.



Setliste:
  • Stars in still Water
  • Hengilás
  • Icicle Sleeves
  • Kolnidur
  • Tornado
  • Sinking friendships
  • Saint Naive
  • Go Do
  • Boy lilikoi 
  • Animal arithmetic
  • New Piano Song
  • Around Us
Zugaben
  • Sticks and Stones
  • Grow till tall
 (Man beachte die gelungenen österreichischen Übersetzungen ...)

Fleischeslust: Schnitzelzeit

U.
Demnächst steht eine Wienreise an, und zu den bei Touristen beliebten Aktivitäten vor Ort gehört auch der Besuch eines Schnitzellokals. Für mich wird diese Aktivität mangels Fleischkonsum dieses Mal wohl ausfallen müssen, dabei gäbe es auch für paniertes Fleisch mittlerweile längst vegetarischen Ersatz. Im Vorfeld des Wienurlaubs stelle ich nun also fleischlose Schnitzel vor.



Beim getesteten Produkt handelte es sich um die Schnitzel von Vegetaria (Eyckeler & Malt, eine Firma, die übrigens auch echte Fleischwaren produziert), die im Viererpack in normalen Supermärkten verkauft werden. (4 Schnitzel á 100g für 3,29 EUR). Zwei Schnitzel pro Person sind leicht zu schaffen, denn sonderlich groß sind sie nicht.

Die Zubereitung ist denkbar einfach: Packung auf, Schnitzel zwei bis drei Minuten braten, essen. Bei der gewählten Beilage "Fertigpommes" konnte man nur die Zubereitung des Beilagensalats mit der Tätigkeit "kochen" bezeichnen, der Rest war Convenience und selbst dafür schnell erledigt.

Im Geschmack waren die Schnitzel nicht sonderlich stark. Sie haben nichts Unangenehmes an sich und werden in der Zukunft sicher wieder einmal gekauft werden, aber der Unterschied zu echtem Schnitzel ist sehr offensichtlich und das Esserlebnis etwas langweilig. Die Zugabe von Zitrone und Ketchup hilft ...

Im Zukunft möchte ich auch gerne einmal die heftig beworbenen Schnitzel von Valess ausprobieren, vielleicht haben die ja mehr Ähnlichkeit zum Originalprodukt. Und in Wien konzentriere ich mich eben auf von Natur aus fleischlose Leckereien wie Palatschinken, Buchteln, Sachertorte und Kaiserschmarren.

Investition nach Frauenzeitschrift-Art

U.
Ich bin keine sonderlich begeisterte Leserin von Modezeitschriften, aber gelegentlich findet doch mal eine Glamour oder InStyle den Weg in meinen Haushalt, oder sie liegt irgendwo aus. In solchen Zeitschriften wird immer wieder ein bestimmter Ratschlag gegeben: Man solle in ein paar klassische Pumps einer Luxusmarke, etwa von Christian Louboutin oder Bally, "investieren". Diese könne man dann jahrelang mit allem möglichen tragen, was jedes Mal gut aussehe, relativ bequem sei und die hohen Anschaffungskosten folglich relativiere.

Tatsächlich habe ich schon mehrmals erwägt, im Bereich "klassische schwarze Pumps" mal etwas besseres zu kaufen, und nachdem Freitag in der Bally-Filiale in London Heathrow Ausverkauf war, ist es nun so weit. In der Rubrik "Blogbeiträge, die die Welt nicht braucht" präsentiere ich nun mein erstes, einziges und möglicherweise letztes Paar Luxusschuhe. Mögen sie so haltbar und vielseitig sein, wie diese Zeitschriften immer versprechen ...

Die Tüte ...

Meine ersten Schuhe mit Staubbeutel

Schön, oder?

Aber wirklich anders als etwas billigeres "Labelloses"?

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