Meine Seelenverwandtschaft zu Toni Polster

U.
Während der letzten Fußballweltmeisterschaft hatte ich eine prima Idee: Als Nicht-Fußball-aber-England-Fan war ich erschüttert darüber, dass als quasi allererstes im Turnier der britische Nationaltorwart komplett versagte und gegen einen anderen ausgetauscht wurde, dessen wenig vielversprechender Spitzname Calamity James war - und bei dem es ja sicherlich auch Gründe gegeben hatte, die dazu führten, dass er selbst nach dem katastrophalen Robert Green nur die zweite Wahl fürs Tor gewesen war. Die Lektüre des Wikipedia-Eintrags von David James ließ mich dann bestätigt denken: Und das ist der beste Mann fürs Tor? Von allen Engländern? Jetzt echt?

Und plötzlich kam mir eine brilliante Idee: Die Menschen, und insbesondere die Briten, lieben Casting-Shows. Und der englische Fußball hat offenbar die eigene Nachwuchspflege so sträflich vernachlässigt, dass es kaum junge Talente für die Nationalmannschaft gibt. Nachdem es aber sicher den einen oder anderen Briten gibt, der einen Ball fangen kann, wäre hier doch der ideale Stoff für eine Fernsehsendung gefunden: Man castet sportliche Engländer für eine bessere Nationalmannschaft.

Im Rahmen dieser Show, in der es natürlich eine Jury aus internationalen Ex-Fußballstars geben würde, könnten die Kandidaten alle möglichen Trainingseinheiten absolvieren und - klar - nach und nach ausscheiden. Und es ginge dabei nicht, wie in Oliver Pochers kurzlebiger Fußballsendung, um ein einziges bedeutungsloses Spiel, sondern um echte Verträge bei echten Vereinen - wenn die Kandidaten gut genug sind.

Als Zuschauer würde man sich gegenüber bisherigen Formaten die rührseligen Gesangsauftritte ersparen, und die Zielgruppe Männer würde sich sicherlich auch lieber ansehen, wie Fußballer lächerlich gemacht werden, als wenn das Sängern oder Topmodels geschieht.

So weit meine Idee. Und heute musste ich das hier lesen: Toni Polster wird meine Idee im österreichischen Fernsehen umsetzen. Natürlich nicht mit Engländern, aber ansonsten wurde alles aufgegriffen, gewissermaßen direkt aus meinem Kopf geklaut. Gemeinheit.

Mir bleibt nur die Hoffnung, dass Polster in "seiner" Sendung auch das Thema "Mode im Fußball" einbezieht und dabei diese lustige Modeschau aus dem ZDF-Sportstudio von 1974 als Inspiration nutzt. Das würde mich mit dem Ideenklau etwas versöhnen ...

Fortsetzung folgt: Wo bleibt eigentlich Titanic 2?

U.
Kürzlich gab es auf der Süddeutsche-Website einen interessanten Artikel zu der Frage, was genau eigentlich den Erfolg von Filmen bestimmt. Klare Aussage des Experten: Im wesentlichen hängen die Zuschauerzahlen von der Beliebtheit der Hauptdarsteller ab, die gewissermaßen als „Marke“ ins Kino locken – da sind Filmthema, Handlung und Regisseur völlig nebensächlich. Und auch in einem anderen Punkt ist eine Markenbildung zu beobachten: Besonders beliebt sind Fortsetzungen erfolgreicher Filme.

Ein Blick auf die nach aktuellem Stand erfolgreichsten Filme aller Zeiten bestätigt diese Theorie in den meisten Fällen: Nach den untypischen Rängen 1 und 2 (Avatar und Titanic, die beide wohl nicht wegen ihrer Hauptdarsteller zu Kassenschlagern wurden und bislang auch keine Mehrteiler sind) geht es weiter mit Teilen von Filmreihen: Harry Potter, Der Herr der Ringe, die neueren Batman-Filme, die Shrek-Reihe, Star Wars, Spiderman – fast vergeblich sucht man nach erfolgreichen Filmen ohne mindestens einen zweiten Teil.

Und sieht man sich an, was momentan im Kino kommt oder demnächst anläuft, geht es gerade so weiter: Dieses Jahr liefen bereits Sex and the City 2, Twilight 3 (wie auch immer der Film hieß), Iron Man 2, Toy Story 3 und Shrek 4. Demnächst kommen dann neue Teile vom Fluch der Karibik, ein neuer Bourne-Film, Sin City 2, der nächste Harry Potter und vielleicht sogar eine weitere Jurassic Park-Fortsetzung. Will Smith, dessen Name auf Filmplakaten sowieso ein Garant für Erfolg wäre,  scheint sogar ein Abo gebucht zu haben und erfreut uns demnächst mit Independence Day 2 und 3, I am Legend 2, Hancock 2 und I, Robot 2, vielleicht wird sogar noch Men in Black 3 gemacht.

 Mehr Teile hat wohl kaum eine Filmreihe: Die Herren Bond

Noch nicht abwegig genug? Angeblich können wir uns auch endlich auf einen neuen Teil der Ghostbusters freuen, auf eine Fortsetzung von Avatar (war der jemand nicht lang genug??) und wer hätte nach zwanzig Jahren Unterbrechung mit einer Fortsetzung von Wall Street gerechnet?

So konzentriert betrachtet ist die Einfallslosigkeit und Risikoscheu der Kinomacher schon sehr beeindruckend, und man muss sich direkt wundern, dass es überhaupt noch Überraschungserfolge wie The Hangover, einen Filmhit des letzten Jahres ohne große Produktionskosten und ohne Schauspielerstars, geben kann. Aber keine Sorge, The Hangover 2 startet 2011.

Grundsätzlich habe ich gar nichts gegen Fortsetzungen. Wenn einem ein Film gut gefallen hat, möchte man oft wissen, wie die Geschichte weiter gehen könnte, und häufig sind Charaktere oder Handlungen auch so gut ausgedacht, dass eine Weitererzählung Sinn zu ergeben scheint. Manchmal klappt das gut, etwa in den Fortsetzungen von Der Pate, Terminator 2 oder den früheren Star Wars-Filmen. Manchmal dagegen ist die Fortsetzung so schlecht, dass sie einem den Originalfilm verdirbt – besten Beispiel hier ist für mich The Matrix, oder eine Filmserie wird mit jedem Teil schlechter: Alien lief sich mit Teil 4 tot, und nach Spiderman 3 wollten Regisseur und Hauptdarsteller auch nicht mehr wie gehabt weiter machen - mit Recht.

Nicht beschweren darf man sich, wenn einfach eine ganze Buchreihe verfilmt wurde: Bei Harry Potter, Twilight oder der Herr der Ringe folgt eben ein Teil auf den anderen, bis es nichts mehr zu verfilmen gibt. Und dann gibt es noch Themen, die sich schlicht und ergreifend für Fortsetzungen eignen: Bei den James Bond Filmen, Star Trek oder Superhelden wie Batman gehört es zum Reiz der Filme, dass sie immer wieder das Bekannte neu verpacken und man sich gespannt fragen kann, wer dieses Mal den (oder die) M spielt, was die Enterprise für technische Neuerungen aufweist oder ob Batmans Temperament in dieser Version eher in Richtung Comedy oder Psychopath geht.

Wenn ich allerdings so mein Gehirn durchwühle, ist die Liste mit unnötigen und ärgerlichen Fortsetzungen um einiges länger als die der guten, und das ist einfach schade:  Wollen die Kinozuschauer denn wirklich immer nur dasselbe sehen oder werden sie schlichtweg unterfordert?

Wirft man nochmals einen Blick auf die immerwährenden Kinocharts ist auch klar, wo definitiv noch Fortsetzungspläne gemacht werden müssten: Freuen wir uns also auf Findet Nemos Sohn, E.T. – ein Außerirdischer kehrt zurück und 2013 – Jetzt geht die Welt aber wirklich unter. Letzteres war eigentlich als Witz gedacht, aber soeben stelle ich fest, dass laut imdb ein Roland Emmerich-Film namens 2016 in Planung ist. Offenbar ist beim Thema Filmfortsetzungen keine Idee absurd genug, dass sie sich für einen Scherz eignen würde.

Everybody Hurts (sometimes)

U.
Begeisterte Empfehlungen sind, zumindest für mich, immer eine zweischneidige Sache. Einerseits bin ich natürlich daran interessiert, das, was mir jemand, der mich und meinen Geschmack immerhin sehr gut kennt, empfiehlt, kennen zu lernen und auch gut zu finden. Das gebietet außerdem auch die Höflichkeit. Andererseits regt sich aber auch eine kleine, leise Stimme des Widerstandes, und diese erklingt umso lauter, je stärker und überzeugter die Empfehlung war. Die Gründe dafür sind mir unklar, und vielleicht stehe ich mit diesem Empfinden auch allein da, aber irgendetwas in mir will das Empfohlene ablehnen, um zu beweisen, dass ich meine Geschmacksentscheidungen immer noch selbst fälle.


Vor etwa drei Monaten erreichte mich eine E-Mail mit dem Betreff „Your New Favourite Band“, in der mir mein Freund die neue britische Band Hurts ans Herz legte. Der Grund war klar, ich mag gerne Depeche Mode und bin ein Kind der der synthie-lastigen 80er Jahre. Angesichts der komplizierten psychologischen Situation (siehe erster Absatz) - denn enthusiastischer könnte eine Empfehlung ja kaum ausgesprochen werden - fiel es mir aber einigermaßen schwer, mir irgendeine Meinung zu dieser Band zu bilden. Die Musik ist 80er-Jahre-inspirierter Pop, durchaus eingängig und angenehm, aber mit einer Tendenz zum Seichten. Sage ich Letzteres nur, um meine Eigenständigkeit zu unterstreichen? Oder wäre mir dieses Popgedudel ohne ausdrückliche Empfehlung nie überhaupt aufgefallen?

Mein extrem langsamer Meinungsfindungsprozess ist mittlerweile von weiteren Entwicklungen überholt worden: Seit eineinhalb Wochen gibt es ein Album von Hurts, die Single „Wonderful Life“ erschallt in der Werbung für die neue Bravo Hits-CD und hat Rang 2 der deutschen Singlecharts erreicht. Und mit fällt die Antwort auf die Frage „Und wie gefällt mir die Musik nun?“ schwerer denn je. Mal sehen, was ich in ein paar Monaten denke …

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