Über vegetarisches Schnitzel hatte ich ja bereits vor längerer Zeit hier geschrieben. Kürzlich bestellte ich aber erstmalig bei alles veget...

Fleischeslust: Aschenputtel-Schnitzel

Über vegetarisches Schnitzel hatte ich ja bereits vor längerer Zeit hier geschrieben. Kürzlich bestellte ich aber erstmalig bei alles vegetarisch, und dort stachen mir die sogenannten "Big Steaks" ins Auge. Es handelt sich hierbei um trockene Sojaplatten zum Einweichen und Weiterverarbeiten, gewissermaßen die von mir geschätzten Sojaschnetzel (aus denen ich unter anderem "Bolognese" koche) in sehr, sehr groß.


Ein wenig gruselig sahen die Sojaplatten, die in einem Karton geliefert wurden, dann doch aus, und das erforderliche Einweichen in Gemüsebrühe machte die Sache nicht appetitlicher. Danach verfuhr ich mit den "Steaks", als wären sie Wiener Schnitzel: Ich zog sie erst durch Mehl und Ei (Veganer nehmen Ei-Ersatz), dann wurde mit Semmelbröseln paniert und gewürzt. Das Ergebnis sah, abgesehen von den zu geraden Kanten, schon etwas mehr nach Schnitzel als nach Knäckebrot aus.


Dann wurde gebraten: Jedes Schnitzel auf jeder Seite vier Minuten, was sich zum Ende hin als zu lang erwies. Und plötzlich entpuppten sich die Schnitzel als echte Aschenputtel: Was erst eine Platte gewesen war, wirkte in goldbraun gebraten plötzlich wie ein echtes Schnitzel!

Dann kam der Geschmackstest, und siehe da: Auch geschmacklich wussten die Sojaschnitzel zu überzeugen. Die Konsistenz war super und erinnerte sehr an echtes Fleisch. Natürlich fehlte der Geschmack nach Schwein oder Kalb, aber alles andere wäre ja auch ein echter Schock gewesen.

Beim zweiten Schnitzel (das, während das erste verzehrt wurde, im Ofen hatte warten müssen) zeigte sich dann, dass der Aschenputtel-Effekt wir im Originalmärchen zeitlich begrenzt ist: Beim Warmhalten wurden die Schnitzel sehr schnell schuhsohlenartig.

Dennoch ein feines Produkt, das schnell vorbereitet ist, sich mit jedem Fertig-Veggie-Schnitzel messen kann und diesem gegenüber durch eine absolut natürliche und überschaubare Zutatenliste glänzen kann: Das Grundprodukt besteht lediglich aus Sojamehl und -eiweiß, und den Rest fügt man nach eigenem Belieben hinzu. Die 500g-Packung (ca. 12 Stück) kostet 7,99 EUR und ist ungekühlt lange haltbar. Ich bin schon gespannt, welche Rezepte sich mit den Big Steaks in Zukunft noch umsetzen lassen.


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In Deutschland denkt man beim Namen Kevin wohl am ehesten an eine einige Jahre zurückliegende Meldung , laut der Kinder mit "bildungsfe...

Diagnose Kevin

In Deutschland denkt man beim Namen Kevin wohl am ehesten an eine einige Jahre zurückliegende Meldung, laut der Kinder mit "bildungsfernen" Namen wie diesem in der Schule von vorne herein benachteiligt werden.

Ich denke bei "Kevin" auch an den Roman We need to talk about Kevin (Wir müssen über Kevin reden), den ich vor einigen Jahren las und dessen Verfilmung demnächst hoffentlich in die deutschen Kinos kommt.

Der Kevin aus Lionel Shrivers Roman sitzt im Jugendgefängnis, weil er etliche seiner Mitschüler mit Pfeil und Bogen hingerichtet hat - ein High School-Massaker in Stil von Columbine. Seine Mutter Eva, aus deren Sichtweise der Roman geschrieben ist, erzählt in Briefen an ihren entfremdeten Ehemann über die Vergangenheit vor und seit Kevins Geburt - immer auf der Suche nach dem entscheidenden Fehler, den sie als die nun von der Allgemeinheit als mitschuldig betrachtete Mutter begangen hat. Oder hat sie gar nichts falsch gemacht, und Kevin war von Anfang an böse?

Der Leser erfährt bei der Lektüre der Briefe zwar nach und nach Kevins gesamte Geschichte, soweit seine Mutter darüber Bescheid weiß, aber es wird auch immer deutlicher, dass Eva nicht unbedingt eine glaubwürdige Erzählerin ist. In Ermangelung einer anderen Perspektive bleibt man als Leser also einigermaßen ratlos zurück und muss sich eine eigene Meinung zur alten "nature versus nurture"-Debatte bilden.

Nicht zuletzt wegen der Offenheit der Geschichte ist mir der Roman stark in Erinnerung geblieben, obwohl ich ihn keineswegs vor Kurzem gelesen habe. Ich bin schon gespannt, wie die Filmversion das "Problem" der Voreingenommenheit der Erzählerin umsetzt.

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Ich finde, dass Ian McEwan - neben einigen Flops – großartige Bücher geschrieben hat. Und das allerbeste davon ist in meinen Augen Atonemen...

Bücherfragebogen (28): Zum Glück wurde dieses Buch verfilmt!


Ich finde, dass Ian McEwan - neben einigen Flops – großartige Bücher geschrieben hat. Und das allerbeste davon ist in meinen Augen Atonement (Abbitte). Angesichts dessen war es für mich relativ überraschend, dass die 2007er Verfilmung von Joe Wright bei mir keine absoluten Hassgefühle auslöste. Die Liebesgeschichte wurde genauso umgesetzt, wie ich sie mir sowieso vorgestellt hatte, und auch die beinahe apokalyptischen Szenen am Strand von Dünkirchen wirken im Film annähernd genauso erschreckend wie im Buch. Natürlich fehlt es in manchen Szenen an Ausführlichkeit, aber das lässt sich wohl bei jeder Verfilmung sagen.

Als einzigen Kritikpunkt könnte man vielleicht erwähnen, dass die Besetzung der Cecilia mit Keira Knightley für den unvorbereiteten Kinozuschauer dazu führt, dass sie als die Hauptfigur empfunden wird, während im Buch sehr deutlich wird, dass es sich eigentlich um die Perspektive (und Geschichte) ihrer Schwester Briony handelt. Aber als Briony hätte Knightly sicher nicht gepasst (auch wenn diese Option wohl angedacht war), insofern geht selbst das in Ordnung.

Mit einer Inhaltsbeschreibung von Buch und Film tue ich mich einigermaßen schwer - hauptsächlich, weil der umfangreiche erste Teil des Romans an einem einzigen Sommertag spielt, im Rahmen dessen sich einige folgenschwere Missverständnisse ereignen, es ist also einiges nicht so, wie es scheint. Von der Zuverlässigkeit der restlichen Handlung mag ich gar nicht erst anfangen. Ich fände es sehr schwer, darüber zu schreiben, ohne bei jedem Satz "scheinbar" einzufügen, was wiederum einem neuen Leser die Überraschungen verderben würde. Also: Einfach selber lesen.

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Wie bereits berichtet , kaufe ich gerne die großen Tetrapack-Smoothies von Innocent. Kürzlich öffnete ich mal wieder einen zum Frühstück un...

Ich komme, um mich zu beschweren


Wie bereits berichtet, kaufe ich gerne die großen Tetrapack-Smoothies von Innocent. Kürzlich öffnete ich mal wieder einen zum Frühstück und war entsetzt: Unter dem Plastikdeckel war grünlicher Glibber. Die erst am Vortag gekaufte und laut Beschriftung noch lange haltbare Packung war definitiv verdorben.

Wie immer hatte ich den Kassenzettel nicht aufgehoben und konnte somit nicht im Supermarkt reklamieren. Dank moderner Technik war es aber zumindest kein Problem, schnell ein Foto der Problemlage zu machen und an Innocent zu mailen.

Die Antwort kam prompt: Da die Smoothies ohne Konservierungsstoffe seien, würden sie bei Unterbrechen der Kühlkette sehr schnell ungenießbar, und dies sei in meinem Fall sicher geschehen. Man bat mich um mehr Informationen zu Kaufort und -zeit, um der Sache nachzugehen, und versprach mir ein Smoothie-Trostpaket.

Und tatsächlich: Ein paar Tage später traf in meinem Büro ein Karton mit zehn (kleinen) Smoothies ein, gut verpackt in Styropor und mit einem Kühlakku. Das war doch mal eine nette Aktion.

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Dear Reader ist eine dieser Bands, die ich bislang eigentlich völlig verpasst hatte. Das erste Album lag mir kaum gehört vor, das zweite kan...

Südafrikanische Charmeoffensive: Dear Reader in der Brotfabrik

Dear Reader ist eine dieser Bands, die ich bislang eigentlich völlig verpasst hatte. Das erste Album lag mir kaum gehört vor, das zweite kannte ich gar nicht - weniger, weil mir die Musik nicht gefallen hätte, als weil ich irgendwie nie das rechte Interesse daran entwickelt hatte.


Im Vorfeld zum Konzert gestern Abend in der Frankfurter Brotfabrik machte ich deshalb noch schnell einen Crashkurs zur Band. Oder halt, ist es überhaupt eine? Die südafrikanische Formation, die als Dear Reader schon einige Male in Deutschland auf Tournee war, besteht nämlich nicht mehr. Übrig blieb nur Sängerin Cherilyn McNeil, die mittlerweile in Berlin lebt, ein neues Album aufgenommen hat und aktuell mit zwei Schweden (Schlagzeug und Gitarre), einem Deutschen (Martin Wenk von Calexico, so ziemlich jedes Instrument) und einer Südafrikanerin (Bratsche und Keyboard, war wohl schon mit der ersten Bandinkarnation auf Tour) auftritt. Abgesehen vom Namen hat sich also fast alles verändert.

Los ging der Abend aber mit dem in meinen Augen vorherrschenden Konzerttrend 2011: der zum Hauptact identischen Vorband. In diesem Fall waren es die beiden Schweden Jacob Lind und Erik Sunbring, die unter dem Namen Marching Band den Abend eröffneten. Zu ihnen stießen dann nach und nach die Bratschistin Jean-Louise und schließlich auch Cherilyn selbst, so dass man beim Erscheinen der Hauptband eigentlich jeden schon gesehen hatte und nur noch Instrumente getauscht und andere Lieder gespielt werden mussten. Musikalisch konnten mich Marching Band nicht sonderlich begeistern, für mich klangen sie nach Simon & Garfunkel, und deren Musik kennt man ja nun bereits.


Bei Konzerten von mir unbekannten und mich wenig beeindruckenden Bands muss ich manchmal an eine Szene aus dem Film Walk The Line denken, in der Johnny Cash erstmalig im Plattenstudio ist und zuerst gefällige Schlagersongs einspielen möchte. Der Studiobesitzer sagt dann sinngemäß zu ihm, dass er doch einfach die Musik machen soll, die ihm am Herzen liegt und fordert ihn auf, das aufzunehmen, was er singen würde, wenn er nur ein einziges Lied aufnehmen könnte. Cash spielt darauf "Folsom Prison Blues" ein, bekommt seinen ersten Plattenvertrag und der Rest ist Geschichte.

Zurück zum Konzert: Marching Band gehört zu den vielen Bands, bei denen mich wundert, dass das, was sie machen, offenbar die Art Musik ist, für die sie brennen. Aber letztlich ist das natürlich reine Geschmackssache. An diesem Abend fand ich den Kontrast aber besonders auffällig, denn später zeigte sich: Cherilyn McNeil macht definitiv genau die Musik, die ihr am meisten am Herzen liegt, das merkt man ihr bei jedem Lied an.


Sie und ihre neue (Live-)Band bestritten in der Brotfabrik ihren gerade einmal vierten gemeinsamen Auftritt, man verstand sich aber untereinander offenbar bereits blendend. Cherilyn hat schon ganz gut Deutsch gelernt und machte die ersten Ansagen in dieser Sprache, während die Band (ausgenommen natürlich Martin Wenk) sichtlich nichts verstand - vielleicht deshalb ging sie später wieder ins Englische über. Beinahe jedes Bandmitglied wechselte während des Auftritts gelegentlich das Instrument, was ein recht unterhaltsames Bühnengeschehen ergab, meine beiden Begleiter vermissten aber dennoch die alten Dear Reader-Tage. In diesen gab es nämlich weniger Musiker auf der Bühne, weshalb vor den einzelnen Liedern Passagen eingespielt oder -gesungen werden mussten, um sie dann während der eigentlichen Darbietung zu loopen.

Die Musik war einfach schön, wie bereits erwähnt auf eine angenehme Art "inbrünstig" und wurde von ein gut gelaunten, unterhaltsamen und überaus freundlichen Sängerin dargeboten (oder aber, wir waren wirklich so ein tolles Publikum, wie sie mehrmals versicherte ...). Das Lied "Great White Bear" wurde, erfuhren wir zwischendurch, von der Erkenntnis inspiriert, dass Eisbären für Infrarotgeräte wegen ihrer dicken Fettschicht unsichtbar seien, und vor "Traditional white" bekamen wir erzählt, dass Cherilyn nach Meinung ihrer Mutter langsam mal ans Heiraten denken sollte.

Meine Wahrnehmung krankte erwartungsgemäß an dem Umstand, dass ich die Lieder von den CDs nicht gut genug kannte, und es scheint wohl auch so, als wäre Album Nummer zwei, "Idealistic Animals" weniger eingängig als sein Vorgänger. Insgesamt aber ein durchaus schönes Konzert.




Setliste (geklaut bei Christoph):

01. Kite (Soon we'll light up)
02. Bear (Young's done in)
03. Dearheart
04. Earthworm (All hail our ailing mother)
05. Elephant (Hearter)
06. Whale (Boohoo)
07. Heavy
08. Release me
09. Great white bear
10. She's hers, he's his, I'm mine
11. Fox (Take your chances)
12. Man (Idealistic animals)
13. Mole (Mole)
14. Camel (Mot black or white but camel)
15. Monkey (Go home now)

16. Bend
17. Traditional white

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Bei der Arbeit An einem der letzten Sonntage beschloss ich, selbst etwas zum kürzlich besuchten Bücherhäuschen in meiner Nachbarschaft b...

Schon wieder am Bücherhäuschen

Bei der Arbeit
An einem der letzten Sonntage beschloss ich, selbst etwas zum kürzlich besuchten Bücherhäuschen in meiner Nachbarschaft beizutragen. Also sammelte ich einiges zusammen, das ich entweder doppelt besitze, doof finde oder auch nur einfach nicht noch einmal lesen werde, und los ging es.

Vor Ort stellte sich heraus, dass seit dem letzten Besuch einiges hinzu gekommen war. Meine Bücher passten kaum noch aufs Regal, so dass ich sie nur noch am Rand aufstapeln konnte. Nähere Sichtung der bereits vorhandenen Materialien zeigte: Hier muss mal jemand aussortieren. Natürlich gibt man hier bestimmungsgemäß nur Werke ab, die man selbst nicht mehr will, aber es sollte doch zumindest eine realistische Chance bestehen, dass jemand anderes an ihnen Gefallen findet. Und für mich sah es bei mindestens der Hälfte der Vorräte so aus, als wäre das nicht der Fall. Na ja, vielleicht erwarte ich auch zu viel.

Resterampe

Die obersten sieben habe ich ausgesetzt ...

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Voran, voran! Das mit den Idealen ist fast so schwierig wie die bereits abgehandelte Frage nach der Figur, die mich gut beschreibt. Nur fas...

Bücherfragebogen (27): Ein Buch, dessen Hauptperson dein „Ideal“ ist


Voran, voran! Das mit den Idealen ist fast so schwierig wie die bereits abgehandelte Frage nach der Figur, die mich gut beschreibt. Nur fast, weil man sich für das Ideal selbst weniger anmaßen muss.

Ich wähle für diese Kategorie V for Vendetta von Alan Moore. Ich werde nicht einmal versuchen, zu behaupten, dass ich die Geschichte vor der Filmversion (die zudem noch wesentlich einfacher zu verstehen ist) kannte. Die für mich packendste Szene ist aber in Comic und Film annähernd gleich: Die Hauptfigur Evey sitzt im Gefängnis, wo sie vor der Polizei eines totalitären Englands aussagen soll, und findet scheinbar zufällig in ihrer Zelle den Brief einer ehemaligen Insassin, Valerie, der in ihrem Leben alles außer ihre Integrität genommen wurde. Die Szene ist viel rührender, als ich das hier beschreiben kann, deshalb hier ein Youtube-Link mit der Filmversion.


Evey wird durch den Brief fähig, ihre eigene Folter zu überstehen und erkennt erstmalig, dass auch sie etwas in sich trägt, das ihr niemand nehmen kann. (Später stellt sich heraus, dass ihre ganze Gefangennahme fingiert war, nur, damit sie eben diesen Brief liest und versteht.)

Und was ist daran nun ein Ideal? Integrität, ganz klar. Ich finde, je älter man wird, desto kompromisslastiger wird das Leben, und wahrscheinlich ist das auch normal und nicht einmal schlimm. Dennoch sollte, nein, muss man wissen, wo die eigenen inneren Grenzen liegen, was man noch mitmachen kann und was eben nicht mehr.


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