Neulich als ich Mac-Nutzerin wurde

U.
Ich hatte es ja schon erwähnt: Seit Ende Februar bin ich Eigentümerin eines nicht ganz topaktuellen Macbooks Pro. Und nachdem wir nun schon etwas gemeinsame Zeit verbracht haben, wird es Zeit für ein erstes Urteil. 



Zunächst: Hübsch ist es ja. Nun, das weiß man ja über Apple-Produkte, aber das gesamte Ausmaß der Ästhetik hat mich dann doch etwas überrascht. Und tatsächlich muss ich meinen alten Laptop noch gelegentlich benutzen, tue das aber nun mit einem gewissen Schaudern, weil alles so hässlich ist. Sowohl die Programme als auch das Gehäuse. Und dieses Stromkabel, hatten die bei Acer denn keinen Designer?? Ja, man wird etwas albern als Macbesitzer.



Was die Benutzung angeht, bin ich aber noch nicht als Vollmitglied in die Apple-Sekte eingetreten. Gut, vieles geht sehr einfach, und Dinge wie das Einrichten meiner Mailkonten und das Integrieren meines Google-Kalenders waren in Minuten erledigt. Dennoch gibt es noch ganze Bereiche, zum Beispiel iPhoto, die ich noch überhaupt nicht begreife: Wo werden die Fotos abgespeichert? Und wieso nach Ereignissen? Und warum kann ich vor dem Bearbeiten keine Kopie meines Bildes machen?



Ansonsten gibt es noch zahlreiche Programme, die ich noch gar nicht verwendet habe, und ja, ich traue mich kaum, es zu sagen, in einigen Bereichen bin ich auch enttäuscht: Wieso ist auf einer Windows-Laptoptastatur Platz für eine "Delete"-Taste, aber Apple hat keinen? Und warum sind Browser und Mailprogramm von der Darstellung her standardmäßig auf "winzig" eingestellt? Im Einzelfall kann ich natürlich jede Ansicht vergrößern, aber offenbar nicht dauerhaft. Steve Jobs sieht anscheinend besser als ich.


Mit meiner neuen "Magic Mouse" bin ich auch noch nicht so richtig warm geworden. Sie bietet Apple-untypisch zwar den Luxus einer rechten "Taste" und sieht - natürlich - ganz toll aus, aber schnelles Scrollen gelingt noch nicht so recht. Man kann sie aber recht frei programmieren, das muss ich also wahrscheinlich einfach nur richtig lernen. Doof ist allerdings, dass man die batteriebetriebene Maus bei Nichtbenutzung ausschalten sollte - was ich nicht gewöhnt bin und regelmäßig vergesse.


Zum schönen neuen Rechner musste dann auch eine schöne neue Tasche her, was angesichts des bereits angehäuften Kostenberges finanziell auch schon egal war. Dieses attraktive Sofakissen stammt von einer Frankfurter Firma namens Affentor, die durch die Fertigung ihrer Produkte Arbeitslosen die Chance gibt, sich weiter zu bilden und eine berufliche Qualifikation zu erreichen - insofern war es dann auch ein schönes Gefühl, nicht nur einem Milliardär Tausende von Euro zu überweisen, sondern zumindest zusätzlich mit etwas Geld einen guten Zweck zu unterstützen.

Geburtstagsnostalgie

U.
Heute werden Elmo und Kami sieben Jahre alt - in Menschenjahren sind sie nun Mitte 40 und haben mich somit überholt. Und auch, wenn ich nicht zu der Sorte Tierbesitzer gehöre, die ihrem Tier Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke kauft, denke ich an diesem Tag daran zurück, wie ich die beiden damals kennen gelernt habe. Als ich die kleinen Flauschebällchen in einer bayerischen Scheune zu sehen bekam, waren sie zwar schon um die neun Wochen alt, aus der Zeit davor kenne ich aber immerhin Bilder, die mir ihre Vorbesitzerin netterweise geschenkt hat.

Und damit andere auch "oh, wie süß" sagen können, zeige ich aus gegebenem Anlass ein paar der Fotos. Es sind abfotografierte Abzüge, deshalb ist die Qualität nicht super.

Hier sieht man auch Teenagermama Emily. Elmo ist ganz hinten (damals schon schüchtern)

Flausch

Immerhin Kami erkennt man immer leicht ...

... selbst, wenn sonst kaum klar ist, welches Bein wozu gehört ...

War die klein!

Eisblog (8): Schokolade und Cherry Garcia

U.
Eigentlich müssten Ben und Jerry - oder ihr Verleger - sich einmal erkenntlich zeigen. Denn in meinen bisherigen Eis-Beiträgen waren mit nur einer Ausnahme alle Rezepte aus ihrem Eis-Rezeptbuch. Das sollte ihnen als Werbung doch etwas wert sein?

Mir aber auch, denn das Buch war sehr billig, und die Rezepte sind toll. Meistens. Was wir aber als Cherry Garcia, eine Sorte, die man auch als Fertigpackung im Supermarkt kaufen kann, produziert haben, gefiel uns nicht sonderlich. Zum Sahne-Milch-Eier-Gemisch, auf dem ja fast alle Sorten basieren, kamen dieses Mal Schokostückchen und Kirschen aus dem Glas - das Rezept empfiehlt frische, erlaubt die konservierte Variante aber ausdrücklich, wenn man sie ordentlich abtropfen lässt.

Das Ergebnis konnte dennoch nicht überzeugen: Das Eis an sich war lecker, aber recht geschmacksneutral, und die Kirschen stellten eher Fremdkörper da, als dass sie die Sache interessanter gemacht hätten. Das einzige Highlight waren somit die Schokosplitter, und das Eis als Ganzes nicht der Rede wert.



Gut, dass wir von Anfang an geplant hatten, zwei Sorten zuzubereiten. Schon vom Rezept her war unser erstes Schokoladeneis ein wenig anders als vorherige Sorten, hier muss man sich nämlich zuerst zwischen Bens und Jerrys Lieblingsrezept entscheiden und dann in jedem Fall ein wenig kochen. 

Für Jerrys Variante musste ich zunächst eine kleine Menge Bitterschokolade im Wasserbad schmelzen und dann erstaunlich viel Kakao unterrühren - angesichts der Mengenverhältnisse könnte man eher von Kneten sprechen. Den entstandenen Klumpen sollte ich dann, immer noch im Wasserbad, nach und nach in Milch auflösen, was sich als etwas schwierig erwies - ganz glatt wurde das Ergebnis nicht.

Diese Mischung musste dann abkühlen, wurde dann mit Eiern, Sahne und Zucker vermischt und kam dann in den Kühlschrank. Erst nach einigen Stunden konnte die Eismaschine angeworfen werden, produzierte aber zur Belohnung ein für ihre Verhältnisse ziemlich festes Eis. Geschmacklich ließ das Ergebnis nichts zu wünschen übrig, es war unglaublich schokoladig. Beim nächsten Mal würde ich vielleicht noch kleine Schokostückchen hinzufügen, ansonsten gab es rein gar nichts zu meckern.

Auch bezüglich Haltbarkeit hat das Schokoladeneis die Nase vorn: Nach einer Woche Lagerung schmeckt es immer noch gut und ist verhältnismäßig weich, während Cherry Garcia zu einem soliden Block gefroren ist.


Bücherfragebogen (20): Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

U.
Eigentlich habe ich an Arthur Millers Death of a Salesman (Tod eines Handlungsreisenden) jede Menge negative Erinnerungen: Erst einmal war der Grundkurs Englisch, in dem das Drama gelesen wurde, eine echte Katastrophe. Ich war die einzige im Kurs, die in dem Fach Abitur machen wollte, und somit auch als einzige ein wenig motiviert. Der Lehrer war hinsichtlich seiner Englischkenntnisse und seines pädagogischen Enthusiasmus ein schlechter Witz, und ein Grund für seine Lektüreauswahl war sicher, dass Millers Drama bereits 1949 erschienen war - wahrscheinlich war es bereits in seinem eigenen Englischunterricht vorgekommen und er musste für den doofen Kurs nicht extra etwas Neues lesen. Der Unterricht war entsprechend unaufregend: Szene für Szene mussten wir schriftlich "zusammenfassen", gerne auch länger als den ursprünglichen Text, und gelegentlich wurde ein Häppchen aus der Verfilmung mit Dustin Hoffman gezeigt.

An der Universität erging es mir nicht viel besser: Im zweiten Semester belegte ich ein Proseminar über die Dramen von Arthur Miller und Tennessee Williams. Ich hielt ein Referat über Millers The Crucible (Hexenjagd) und schrieb dazu auch meine allererste Seminararbeit - für die ich glaube ich eine 3 minus erhielt, was ich als sehr ungerecht empfand.

Immerhin spricht es für die Qualität des Dramas, dass ich es trotz dieser negativen Erfahrungen immer noch sehr gerne mag. Die Sturheit des Willy Loman, der sich lieber das Leben nimmt, als ein einziges Mal die Realität als so zu akzeptieren, wie sie ist, und mit der er die Leben seiner Frau und Söhne gleich mit ruiniert, ist gleichermaßen herzerweichendund erschütternd, und sie erscheint mir auch nicht allzu realitätsfremd: Schließlich hat jeder seine Lebenslügen oder auch nur Probleme, über die er nicht so gerne nachdenkt.

Bücherfragebogen (19): Ein Buch, das du schon immer lesen wolltest

U.
Gegen Ende meines Studiums habe ich mich recht intensiv mit dem postkolonialen Indien beschäftigt und dann auch meine Magisterarbeit über Salman Rushdie und Hanif Kureishi geschrieben - die das beide übrigens offenbar zum Anlass nahmen, künftig keine guten Romane mehr zu produzieren. Dennoch haben mich im Lauf der Jahre immer wieder Bücher wie z.B. Arundhati Roys The God of Small Things (Der Gott der kleinen Dinge) oder Monica Alis Brick Lane fasziniert, die sich mit Menschen aus Indien und Pakistan beschäftigten. Einen weiteren Bestseller, A Suitable Boy (Eine gute Partie) von Vikram Seth aus dem Jahr 1995, besitze ich seit geraumer Zeit, habe ihn aber noch nicht gelesen.

Der Grund ist einfach: Das Buch hat schlappe 1474 Seiten! Laut Wikipedia gibt es kaum einen längeren englischsprachigen Roman, der je in einem Band veröffentlicht worden ist. Und Herrn Seth sind mit dieser Geschichte keineswegs die Ideen ausgegangen, 2013 soll eine Fortsetzung namens A Suitable Girl erscheinen.

Kürzlich habe ich zumindest den Anfang der Endlosgeschichte gelesen und kann berichten, dass es um die Erlebnisse eines Mädchens namens Lata geht, die bei der arrangierten Hochzeit ihrer älteren Schwester mit einem quasi Fremden darauf aufmerksam gemacht wird, dass nun auch für sie der passende Mann gesucht werden wird. Im Rahmen der Feierlichkeiten werden ihre Familie, die ihres Bruders und die des Bräutigams ausführlich vorgestellt - und all die eingeführten Personen werden auf den folgenden Seiten sicherlich noch eine Rolle spielen.

Dass ein Roman dieser Dicke zum Bestseller werden konnte, kann ja nur für seine Qualität sprechen, einige Preise hat er ebenfalls gewonnen. Und eines Tages, wenn ich ganz viel Zeit habe, werde ich ihn auch weiter lesen.

Zweiter Aufguss: Beady Eye in Köln

U.

Einige leidenschaftliche Oasis-Fans erinnern mich daran, wie ich mir manche Fußballfans vorstelle: Statt des Fanschals trägt man ein Seidentuch, statt der Mannschaftsfahne einen Union Jack und statt Fangesängen grölt man „Wonderwall“ oder „Don’t look back in anger“ - selbstverständlich, nachdem man ausführlich vorgeglüht hat. Anders ist allein die England-Leidenschaft dieser Musik-Ultras (es gibt ja tatsächlich Oasis-Ultras): Sie tragen Fred Perry mit Parka oder irgendetwas Mod-mäßiges. Im Endeffekt sind sie aber meist nur dumme Deutsche, die lieber dumme Engländer wären.

So weit, so egal. Sollen sie doch ihren Spaß haben. Aber als wir uns anlässlich des Geburtstags meines Freundes (Oasis-Fan, Fußballfan, grölt trotzdem nur ganz selten) gestern Abend dem Kölner E-Werk näherten, wo ein Auftritt von Liam Gallaghers neuer Band Beady Eye stattfinden sollte, und wo bereits reichlich Fans nach dem Strickmuster des ersten Absatzes vorhanden waren, lag auch die Frage nahe: Sind diese Fans überhaupt am richtigen Ort? Wer weiß, vielleicht zieht der gute Liam ja gleich wieder ab, wenn er hört, wie hier die Songs seines verhassten Bruders gebrüllt werden?



Und wie ist das aus Fan-Sicht: Kann und darf man die aufgelöste Lieblingsband einfach so durch das Nachfolgeprojekt ersetzen? Obwohl das zunächst einzige Konzert der Band in Deutschland praktisch sofort ausverkauft war und Karten auf Ebay für bis zu 80 Euro die Besitzer wechselten, hatte es in den Tagen vor dem Auftritt einen rapiden Preisverfall gegeben, und wir hatten unsere Tickets eher zum „zwei für eins“-Tarif ergattert. Wollten die Deutschen nun Beady Eye unbedingt sehen oder nicht?

Los ging der Konzertabend aber mit jemand anderem, der mit einer anderen Band bekannt wurde: Die Vorband war Steve Cradock, Mitglied von Ocean Colour Scene und der Liveband von Paul Weller, außerdem Kumpel von Liam Gallagher (mit dem zusammen er „Carnation“ auf The Jam-Tribute Sampler aufgenommen hat).  Er spielte Songs aus seinem demnächst erscheinenden zweiten Soloalbum sowie seiner ersten Platte „The Kundalini Target“ und zeigte, warum er als einer der besten Gitarristen Englands gilt, aber in einer solchen Liste über Sänger absolut fehl am Platze wäre. Gesanglich eher noch schwächer zeigte sich seine Frau an den Keyboards.



Dann war Herr Cradock auch schon wieder weg, und wir konnten durchaus angenehme „Wartemusik“ von den Beatles, The Who, The La’s und so weiter genießen. Sicher nicht zufällig kamen Beady Eye dann nach den letzten Tönen von „I am the Resurrection“ von den Stone Roses auf die Bühne, und das Konzert begann – wie früher auch bei Oasis üblich – mit einem Instrumentalstück.

Neben Liam Gallagher besteht Beady Eye aus den Oasis-Veteranen Gem Archer (Gitarre) und Andy Bell (Bass, Gitarre). Ergänzt wurden sie durch Chris Sharrock am Schlagzeug, live werden sie von Jeff Wootton und Matt Jones an Bass und Keyboards unterstützt.



Wie alle relativ neuen Bands haben Beady Eye bei ihrem Liveset nicht die Qual der Titelauswahl: Bis auf „Wigwam“ spielen sie einfach alle 13 Titel ihres Albums, dazu die beiden iTunes-Bonus Tracks („Man of Misery“und “Sons of the Stage“). Hinter der Band werden teils Bilder und Textauasschnitte aus dem schön gestalteten CD-Booklet, teils Lavalampenmuster an die Wand projiziert. Das Konzert dauert alles in allem etwa eine Stunde, und als Zugabe gibt es die Coverversion „Sons of the Stage“ von World of Twist - wer auch immer das sein mag.



Die Lieder klingen allesamt wie nicht wirklich schlechte, aber auch nicht sonderlich tolle Oasis- beziehungsweise auch gleich Beatles-Songs, und die Aufmerksamkeit des Publikums konzentriert sich auch wie früher – neue Band hin oder her – komplett auf Liam. Dieser verhält sich etwas freundlicher, aber grundsätzlich nicht wesentlich anders als zu Oasis-Zeiten: Die Helmfrisur sitzt, ebenso der Parka, den man aus Coolnessgründen natürlich nicht ablegen kann, auch wenn sich bereits außen die Schweißflecken absetzen - im Gegenteil setzt man in so einer Situation auch noch die Kapuze auf. Die Posen, nämlich das Singen in gebückter Haltung mit auf dem Rücken verschränkten Händen, das Ablaufen der Bühne und das regungslose am-Bühnenrand-stehen: Im Grunde könnten wir auch bei Oasis sein, nur wäre dann ein weiterer Gallagher auf der Bühne und die Songs besser.

Und das Publikum wäre enthusiastischer, denn irgendwie lässt die Begeisterung um uns herum im Laufe des Abends stark nach. Es gibt zwar Grölgesänge mit „Beady Fucking Eye“, aber der allgemeine Applaus wird von Lied zu Lied leiser, und das Zugabengebrüll ist schließlich so zaghaft, dass wir uns über die Rückkehr der Band regelrecht wundern. Letztlich bleibt als Nachgeschmack, dass eine Band mit nur einem Gallagher eben auch nur halb so gut ist. Maximal.




Setliste:

Four Letter Word
Beatles and Stones
Millionaire
For Anyone
The Roller
Wind Up Dream
Bring the Light
Standing on the Edge of the Noise
Kill for a Dream
Three Ring Circus
Man of Misery
The Beat Goes On
The Morning Son

Sons of the Stage (World of Twist Cover)

Gälisch mit Untertiteln: Gruff Rhys in der Frankfurter Brotfabrik

U.
Der Abend in der Brotfabrik beginnt deprimierend – nur maximal dreißig Zuschauer haben sich eingefunden; wohl um diese kleine Schar etwas fülliger wirken zu lassen, hat man vor der Bühne Tische und Stühle aufgestellt. Wenn man bedenkt, dass wir und sicher auch einige andere Zuschauer Freikarten gewonnen haben, bekommt man richtig Mitleid mit den Künstlern – viel Geld verdienen sie an diesem Auftritt sicher nicht.


Gruff Rhys hat dennoch eine vierköpfige Vorband, die ebenfalls aus Wales stammenden Y Niwl. Die Band hat nach eigener (beinahe einziger) Aussage nichts zu sagen und zu singen, man spielt deshalb instrumentalen 60s Surfrock, der besser zum bereits hinter ihnen hängenden Plakat von Gryff Rhys zu dessen neuer Platte Hotel Shampoo passt – es zeigt einen Sonnenuntergang am Palmenstrand - als zu ihren Pudelmützen. Auch die Setliste ist wenig eloquent: Die Liedtitel sind nämlich Nummern, und so folgt „6“ auf „7“ und dann irgendwann „2“. Die Erklärung dafür verstehe ich nicht so ganz, anscheinend ist das Gälische nicht nur schwer zu verstehen, sondern auch schwer zu schreiben?


Als Gruff Rhys anschließend die Bühne betritt, stellt sich heraus, dass die Vorband auch seine Band ist, es gibt auf dieser Tournee kein weiteres Personal. Das nun folgende Konzert ist eines der skurrilsten, die ich je gesehen habe.  Angeblich darüber besorgt, dass ihn dank Dialekt keiner verstehen könnte, hat der Sänger verschiedene große Schilder dabei, auf denen ein Albumtitel sowie diverses anders (Danke, Applause – er zückt sie zum Beispiel nach dem Flötensolo eines Bandkollegen) geschrieben steht. Während einigen Liedern läuft als Hintergrund eine Schallplatte mit Vogelstimmen, die laut hörbar auf Finnisch erklärt werden. Erklärt werden uns auch einige Lieder in geradezu epischer Detailfülle: „Pwdin Wy 1“ handelt von einem Mädchen, das sich im ersten Teil des Lieder glücklich verliebt, im zweiten („Pwdin Wy 2“) aber bereits getrennt ist, zum Trost eine Weltreise unternimmt und dann in einem Internetcafé im südamerikanischen Dschungel erfährt, dass ihr Exfreund verstorben ist – und sie möglicherweise ebenfalls krank ist.


Auch der Inhalt von „Skylon“, einem Lied über ein Flugzeugattentat, dessen Scheitern und die beteiligten Personen, wird uns zwischendurch ganz genau erklärt, was den Song noch weit über seine sonst 14minütige Spieldauer ausweitet. Andere Lieder wie „Ni Yw Y Byd“ und „Gyrru Gyrru“ dagegen haben nur eine Textzeile, die gleichzeitig der Titel ist, da erübrigt sich dann das Erklären. Nichtsdestotrotz erfahren wir, dass „Gyrru Gyrru“ „Fahren Fahren“ bedeutet und der langen Anreise von Wien nach Frankfurt gewidmet ist.

Vor Beginn von „Rubble Rubble“ spielt uns Gruff Rhys schon einmal die erste Zeile vor, damit wir beim „echten“ Liedanfang die typischen „Oh, mein Lieblingslied“-Publikumsgeräusche machen können, was wir dann auch folgsam tun.


Abgesehen von den Schildern und den Vogelstimmen gibt es noch zahlreiche andere lustige Requisiten: Rhys’ Gitarre hat ein „Body Kit“ aus Pappe, weil er angeblich darunter leidet, das Gitarrespielen falsch herum erlernt zu haben und davon genervt ist, dass bei seinen Gitarren die dekorierte Oberseite immer unten ist. Das erste Lied, „Gwn Mi Wn“, dirigiert und begleitet er mit einer Art Elektro-Plastik-Schlagzeug, und auf die Vogelstimmen antwortet er mit einer Vogelpfeife. Für den Flugzeugentführungssong stehen eine Schwimmweste und ein Plastikgewehr zur Verfügung. CocoRosie hätten angesichts dieser Produktvielfalt sicher ihre Freude und könnten Herrn Rhys, der einen relativ normalen Cordanzug trägt, allenfalls noch Kostümtipps geben.

Obwohl wir so wenige Zuschauer sind und folglich nicht allzu viel Lärm machen können, bekommen wir sogar noch eine ziemlich lange Zugabe, in der Rhys zunächst zwei Titel solo darbietet, um dann mit einer Art Fernsehshow fortzufahren die (natürlich gibt es dazu ein passendes Schild und eine weiteren Schallplatte für ein Jingle) beginnt, in deren Rahmen ein Mitglied von Y Niwl einen Solosong („Gwestai?“) darbietet.

Und so ist es schon halb 12, als dieses Konzert wirklich zu Ende ist, und wir stellen fest, dass die wenigen Gäste für ihr Eintrittsgeld extrem viel Konzert bekommen haben. Nur "Christopher Columbus" wurde im Rahmen des langen Programms leider nicht gespielt, obwohl am Bühnenrand lange ein vielversprechendes Schild mit zweimal C teilweise hervor schaute - es handelte sich bei der Aufschrift dann aber leider um "Conservation Conversation", die Zugaben-Talkshow.


Setliste:



Gwn Mi Wn
Candylion
The Court of the King Arthur
House with no Mirrors
Pwdin Wy 1
Pwdin Wy 2
Sophie Softly
If we were Words
Sensations in the Dark
Conservation Conversation
Honey all over
Lonsome Words
Ni Yw Y Byd
Gyrru Gyrru
Cycle of Violence
Shark Ridden Waters

Rubble Rubble
Colonise The Moon
Gwestai?
Skylon

Bücherfragebogen (18): Das Buch, mit dem schönsten Cover, das du besitzt

U.
Ach herrje, schon wieder ein Buch, das ich gar nicht gelesen habe! Bereits vor Jahren bekam ich House of Leaves von Mark Z. Danielewski geschenkt, und seitdem steht es ungelesen im Regal. Nicht etwa, weil des Buch uneinladend wäre, es ist nur einfach sehr dick. Und schlecht für Handtaschen geeignet. Und offensichtlich mit einer recht komplizierten Handlung ausgestattet.

Eines ist es aber ohne jeden Zweifel: Sehr schön und liebevoll gestaltet. Und deshalb wird das hier auch eher ein Bild- als ein ein Textbeitrag.

Um wenigstens ein Minimum an Inhaltsbeschreibung zu liefern, stehle ich mal kurz die Angaben von amazon.com:
Had The Blair Witch Project been a book instead of a film, and had it been written by, say, Nabokov at his most playful, revised by Stephen King at his most cerebral, and typeset by the futurist editors of Blast at their most avant-garde, the result might have been something like House of Leaves. Mark Z. Danielewski's first novel has a lot going on: notably the discovery of a pseudoacademic monograph called The Navidson Record, written by a blind man named Zampanò, about a nonexistent documentary film--which itself is about a photojournalist who finds a house that has supernatural, surreal qualities. (The inner dimensions, for example, are measurably larger than the outer ones.) In addition to this Russian-doll layering of narrators, Danielewski packs in poems, scientific lists, collages, Polaroids, appendices of fake correspondence and "various quotes," single lines of prose placed any which way on the page, crossed-out passages, and so on.













Recycling: God Hates Fags (Supposedly)

U.
Schon seit einigen Jahren irrt der Link zur ultimativen Liste schwul (beziehungsweise heterosexuell) machender Bands nun durchs Netz. Die Seite existiert immer noch und sorgt auch weiterhin für Erheiterung. Damals schrieb ich:



Heute bekam ich diesen Link geschickt – eine Liste von Bands, deren Anhören den Angaben des Autors zufolge schwul machen kann. Oha!

Auf der Liste sind auch Depeche Mode enthalten, die ich mir nun bereits seit meinem 15. Lebensjahr regelmäßig und völlig ahnungslos hinsichtlich ihrer Wirkung anhöre. Weshalb ich nun zweifellos und unrettbar schwul bin. Die Frage ist eigentlich nur noch, ob ich ein schwules Mädchen à la Fettes Brot bin – oder aber einfach ein schwuler Mann, der im Körper einer Frau gefangen ist? Schwierige Frage, die ich aber wohl alleine beantworten muss.

Die Bands, die es auf die Liste geschafft haben, sind eine einigermaßen skurrile Auswahl. Cole Porter war schwul, klar. Elton John ist gar als (really gay) hervorgehoben. Bedeutet George Michael (texan) etwa, dass es einen noch schwuleren, texanischen George gibt? Wie kommt aber der anerkannt homophobe Eminem, pardon, Eminmen auf diese Liste, und was sagt er wohl dazu? Was verbirgt sich hinter dem Begriff „dark gay", außer offenbar Marilyn Manson? Was hat bloß Frank Sinatra hier verloren?! Und kann man bereits gehörte schwule Musik eventuell durch verstärktes Hören von Bands der Positivliste wie der komplett unschwulen Cindy Lauper aufheben? Fragen über Fragen.

Eigentlich klingt das Ganze ja schon so skurril, dass man es für Süd-USA-Realität halten könnte – wenn man die Leugnung der Evolution als haltbare Alternativlehre duldet oder Kleinkinder wegen sexueller Belästigung anzeigt, kann man sicherlich auch darauf kommen, dass Musikhören Homosexualität auslöst (und dass diese dann zu bekämpfen ist).

Wenn man die Seite aber ein wenig ansieht, macht sie weder den Eindruck, dass eine große Gruppe dahinter steht, noch, dass sie besonders erfolgreich ist. Der Seitenautor, Donnie Davies, beschwert sich nämlich, dass sein Song „God hates Fags" bei Youtube entfernt und sein Myspace-Profil gelöscht wurde. Die Schar der Fans scheint also dieses Mal nicht allzu riesig zu sein.

Donnie ist nach eigenen Angaben ein bekehrter Schwuler, der zu Gott (und der „Normalität") gefunden hat, und der nun anderen helfen möchte, denselben Weg zu gehen. Unterstützt fühlt er sich dabei ausgerechnet durch ein Oscar Wilde-Zitat, wodurch der arme Oscar nun sicher im Grab rotiert. Und das Schwulsein sollte man aufgeben, weil es (abgesehen davon, dass Gott dagegen ist) ein schwieriger Weg ist und man dann „Faggot" genannt wird.

Interessanter Ansatz. Dann kann man ja auch Sexismus bekämpfen, indem man Frauen abschafft. Ich muss gleich mal die Emma anrufen.

Armer Donnie. Hoffentlich kann er, falls es ihn gibt und er das ernst meint, irgendwann zu sich stehen und glücklich werden.


Als ich die Seite heute wieder aufrief, entpuppte sie sich als erstaunlich gut gepflegt: Mittlerweile kann man Donnies Video wieder ansehen, und auch Lady Gaga und Justin Bieber haben sich im Popbereich, Vampire Weekend, die Fleet Foxes und Interpol im Indiebereich zu den gefährlichen Bands gesellt. Auch School of Seven Bells wird als "gay twins" erwähnt, und man muss Donnies Eifer loben: Immerhin kennt diese Band ja kaum jemand. Am bizarrsten bleiben die in Klammern gesetzten Zusatzkommentare, etwa bei Kate Bush (kissed a girl) oder Sigur Rós (nudists).

Bücherfragebogen (17): Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen

U.
Ich habe geschummelt! Aber es ist wie bereits gesagt recht schwierig, alle meine Favoriten in diesem Fragebogen unterzubringen, und deshalb kann ich keineswegs wirklich einfach ein beliebiges Buch aus dem Regal nehmen und somit Gefahr laufen, hier Granaten wie Charlaine Harris vorzustellen, während als Konsequenz wirkliche Lieblinge völlig unerwähnt bleiben. Und in letztere Kategorie fällt definitiv Max Barry. Jeder, der in einem Büro arbeitet, sollte einmal Company (deutsch: Chefsache) gelesen haben, und jeder mit Marketingerfahrungen Syrup (deutsch: Fukk, aber nicht mehr im Handel): Beide Bücher schildern erschreckend plausibel, wie es wäre, wenn die eigenen, alltäglichen Arbeitserfahrungen in ihrer Absurdität noch ein klitzekleines bisschen gesteigert würden - das Ergebnis ist gleichermaßen irrsinnig, lustig und - hier liegt die Kunst - nachvollziehbar.



Und jeder, der sich schon einmal Gedanken über das logische Endergebnis von zunehmender Privatisierung und somit Machtzunahme der großen Konzerne gegenüber staatlichen Einrichtungen gemacht hat, sollte es einmal mit Jennifer Government (deutsch: Logoland) versuchen. Auch hier gilt: Barrys Phantasiegeschichte ist erschreckend realistisch. In naher Zukunft liegt die Weltmacht bei Konzernen wie Nike, Mc Donald's oder Shell. Es gibt zwar noch Staaten und auch öffentliche Einrichtungen wie die Polizei, diese haben aber minimale Handlungsmöglichkeiten, da auch sie profitorientiert arbeiten müssen.

Im Roman beschließt Nike, einen neuen Turnschuh damit zu vermarkten, dass im Trubel um dessen Neuvorstellung Menschen wahllos (und angeblich von anderen Kunden) erschossen werden - damit soll die Begehrtheit des künstlich verknappten und extrem teuren Schuhs ins Unermessliche gesteigert werden. Der mit dieser Aktion berauftragte Nike-Angestellte, wagt nicht, die auch in dieser Realität moralisch zweifelhafte Tat auszuführen, und geht zur Polizei. Diese schreitet nicht etwa ein, sondern bietet ihrerseits an, die Morde auszuführen und gibt den Auftrag gleich an die NRA weiter. Und die titelgebende Jennifer Government (alle Menschen tragen nämlich statt eines Nachnamens den ihres Arbeitgebers) versucht, in diesem Outsourcinggewirr einer Amok gelaufenen freien Marktwirtschaft etwas zu finden, mit dem sie Nike eine Straftat nachweisen kann.

Wie gesagt, der wahre Gruseleffekt besteht darin, dass man sich beim Lesen immer wieder fragen muss, wie wahrscheinlich ein solches Szenario ist, und zwangsläufig kommen einem bereits existierende Tendenzen in den Kopf, wie etwa von US-Firmen gesponsorte Schulbücher oder auch der BP-Skandal.

Eine Vision, die einen nach dem Lesen lange nicht mehr loslässt, und die sich sicherlich auch filmisch gut umsetzen ließe - nur das Finden von Sponsoren wäre in diesem Fall sicher recht schwierig ...

DFB-Pokal mit Elmo und Kami

U.
Die eine sieht dem Bällchen zu, die andere - sichtlich verständnislos - ihrer Schwester. Ob sie nun Duisburg oder Cottbus anfeuert, ist nicht bekannt ...

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