Unterm Aufstrich: Die Brot Top 5

U.


Nachdem ich kürzlich alle möglichen süßen Cremes vorstellte, die man sich bei Süßhunger auf sein Frühstücksbrot schmieren kann, stellt sich nun noch die Frage nach dem Untergrund fürs Streichfett.

Dem Klischee nach beschweren sich die Deutschen ja im Ausland stets über das dortige lasche Brot, und in diesem Fall stimme ich voll zu: Bei zwei längeren England-Aufenthalten hatte ich das Körner-Toastbrot nach einigen Monaten recht gründlich satt, und im Italienurlaub wird der Brotkauf auch selten zum Vergnügen. Leider scheinen meine Landsleute das mit dem Gutes-Brot-essen-wollen aber im Heimatland nicht allzu konsequent zu verfolgen, denn die Zahl der schlechten Bäckereien nimmt stetig zu.

Rang 5: Schoko-Erdnuss-Brot. Roch gut, schmeckte ... nicht.

In Frankfurt verkaufen alle verbreiteten Bäckereiketten eher schlechte (bis katastrophale) Ware, und die besten Brötchen bekomme ich in meiner Umgebung im Supermarkt (wo selbstverständlich nur Fertig-Teiglinge aufgebacken werden). Als eine Art Gegenbewegung haben sich in den letzten Jahren in der Innenstadt einige Edelbäcker formiert. Unter Namen wie "Maison du Pain", "Brot und seine Freunde" oder "Unser täglich Brot" können sich Mittagspausen-Banker hochpreisige, aber zugegebenermaßen gute Stullen kaufen oder auch einen Laib Luxusbrot mit nach Hause nehmen.

Haferbrot mit Walnüssen. Gut. Platz 4.

In meinem ärmlichen Viertel gibt es solche Etablissements aber selbstverständlich nicht, und so habe ich vor etwa sechs Monaten eine ausgesprochen spießige Anschaffung gemacht: Einen Brotbackautomaten. Mit gefiel neben der Möglichkeit, spontan frisches Brot zubereiten zu können auch die Eigenart dieser Automaten, dass man nach dem Einfüllen der Zutaten eigentlich nichts mehr tun muss. Gut, sie sind uncool und nehmen viel Platz weg, aber damit konnte ich leben.

Modelltechnisch entschloss ich mich übrigens für den Unold 6821. Unold scheint in diesem Bereich die Marke der Wahl zu sein, sagt die Stiftung Warentest, und die 6821 produziert runde Brote, was ich um einiges attraktiver finde als die bei Maschinenbroten sonst übliche Kastenform. Mein Maschinchen kann theoretisch übrigens auch Reis, Eintopf, Marmelade und Joghurt zubereiten, all das habe ich aber noch nicht ausprobiert, weil es mich im Grunde nicht interessiert.

Griechisches Brot mit Knoblauch und Kümmel. Ich fand's gut. Rang 3.

Meine selbst gebackenen Brote mag ich ganz gern. Natürlich wäre mit einem Holzbackofen ein tolleres Ergebnis zu erzielen, aber besser als die meisten Frankfurter Bäckereikettenbrote sind meine Laibe allemal. Hinzu kommt die Möglichkeit, selbst mit Zutaten zu experimentieren und immer wieder neue Rezepte auszuprobieren, und all das mit wie gesagt sehr geringem Arbeitsaufwand - bei Interesse sogar über Nacht fürs Frühstück.

Rang 2: Rosinenbrot. Yummy.

Leider ist mein Lieblingsbrot aber bislang keine Eigenkreation, denn es ist mir noch nicht gelungen, die Aldi-Brotbackmischung "Vollkorn" geschmacklich zu übertreffen. Immerhin füge ich Essig (spiegelt etwas Sauerteiggeschmack vor), Joghurt und Kümmel selbst hinzu. Es gab es auch bereits mehrere wohlschmeckende Rezeptumsetzungen, zum Beispiel Kürbiskernbrot, Amarettobrot, Paprikabrot oder ein griechisches Brot mit Knoblauch.

Aldi-Vollkornmischung, leicht gepimpt: Platz 1

Romeo und Julia auf meinem Balkon

U.
In meiner Nachbarschaft wohnt ein geringelter Kater namens Tobi. Dieser Name ist mir bekannt, weil seine Besitzer öfter laut nach ihm rufen, wenn die Katz' mal wieder abgehauen ist und auf dem Dach herum klettert.

Dass dieser Kater manchmal interessiert zu meinen (auf dem Balkon sitzenden) Miezen herüber sieht, war mir bekannt. Nicht aber, dass dieses Interesse durchaus erwidert wird.

Heute sah ich, wie Elmo zehn Minuten lang von der Brüstung auf Tobi herab starrte (wobei sich beide freundlich zublinzelten, also in Katzensprache lächelten). Und als ich wenig später in Sorge, dass meine Katze irgendwann von der Brüstung plumpsen könnte, nochmals nachsah, saß der Verehrer nicht mehr auf dem Boden vor dem Balkon, sondern war bereits auf der Balkonbrüstung eine Etage unter mir geklettert.

Elmo ist natürlich kastriert, und Tobi wahrscheinlich ebenfalls, sonst müsste man sich wohl ein wenig Sorgen über weitere Kletterversuche und dann irgendwann geringelt-weiße Kätzchen machen ...

Julia flirtet

Romeo klettert

Neulich beim Festival der kurzen Wege (Teil 3)

U.
Eigentlich war der Samstag der interessantere der beiden Festivaltage, denn nun spielten mit Slut, Get Well Soon und Hundreds  gleich drei Bands, die wir tatsächlich sehen wollten. Da wir ja in Frankfurt bequem bei Bett, Dusche und Frühstückstisch genächtigt waren, reisten wir auch erst am späten Nachmittag wieder nach Mannheim und sahen dort als erste Band zunächst Mikroboy.


Die deutsche Band nahm letztes Jahr am Bundesvision Song Contest teil und kann deshalb als halbwegs bekannt eingeschätzt werden - auch, wenn ich vorab keines ihrer Lieder kannte. Für Gala-Leser wäre noch zu erwähnen, dass Sänger Michael Ludes der Freund von "unserer Lena" sein soll. Im Publikum befand sie sich dennoch nicht, dafür aber zahlreiche andere junge und vor allem weibliche Fans mit beeindruckender Textsicherheit.

Ich schätze, dass Fans von deutschsprachigen Bands wie Virginia jetzt! oder Fertig! Los! auch an Mikroboy gute Seite würden entdecken können. Ich konnte zumindest live an ihren Songs wenig Gefallen finden, die Interaktion mit dem Publikum wollte nicht so recht klappen, und ich war zusätzlich noch dadurch abgelenkt, dass der Sänger und der Gitarris offenbar extradünne, weiße T-Shirts aus Mehrerpacks bevorzugen. Ja ja, ich bin oberflächlich, war aber auch zusätzlich beeinflusst: Während des Mikroboy-Auftritts traten auch die bei diesem Festival sehr spärlich vorhandenen besoffenen Idioten erstmalig in Erscheinung.

Die nächste Band (Abby) verpasste ich und schlenderte zum Essensstand, wo ich eine katastrophale Entdeckung machte: Das Veggie-Gericht des Metzgereistands (der, wir erinnern uns, der einzige Essensstand war), eine Gemüsepfanne, wurde nicht mehr angeboten. Auch die am Freitag noch vorhandenen Käsebrötchen waren nicht mehr vorrätig. Ich kaufte mir mangels Alternativen also zwei Schalen Pommes, um dann festzustellen, dass auch das Ketchup mittlerweile aufgebraucht war.


Na ja, wir waren ja auch nicht zum Essen gekommen, und im Zelt stand nun der Auftritt der tollen Ingolstädter Band Slut an. Endlich fühlte ich mich kompetent, denn ich hatte die Band bereits vor einigen Jahren live gesehen und kannte auch alle ihre Alben - dachte ich zumindest, bis mich mein Freund darauf aufmerksam machte, dass ich offenbar erst bei der dritten Platte eingestiegen bin.

Verglichen mit dem Frankfurter Auftritt vor etlichen Jahren erschien mir die Band dieses Jahr selbstbewusster. Sänger Christian Neuburger erklärte mehrmals, dass es der Band (obwohl man Festivals sonst nicht sonderlich möge) großen Spaß mache, heute vor uns aufzutreten, und anders als bei Mikroboy nahm das Publikum die Komplimente auch begeistert an.


Setlisten-technisch haben wir bei diesem Konzert leider versagt, es wurden aber definitiv gespielt:

Staggered and Torn
Easy To Love
Still No one
If I Had A Heart
Caretaker's Theme
All We Need Is Silence
Global Cut
Die Ballade von Mackie Messer
Reminder

Leider ausgelassen wurde "Why Pourquoi".


Weiter ging es nun mit den Headlinern und, wie sich anhand der Bemerkungen während ihres Auftritts herausstellte, Organisatoren des Festivals, Get Well Soon.

Ich habe die Band in den letzten Jahre dreimal live gesehen, und es macht immer wieder Spaß. Die Arrangements von Konstantin Gropper sind stilistisch fast ebenso vielfältig und streckenweise theatralisch wie der Katzenjammer des Tages zuvor, aber hier führen musikalische Richtung und Grund-Düsterheit zu einem für mich viel angenehmeren Ergebnis.


Leider führte anscheinend weder die Tatsache, dass Get Well Soon der Festival-Headliner waren, noch der Status als Mannheimer "Lokalband" dazu, dass alle Besucher die Band auch tatsächlich sehen wollten. Zwar war das Zelt rappelvoll und der Applaus enorm, aber wann immer eine leisere Liedpassage kam (und die gab es oft), zeigte sich, dass der Gesprächs-Geräuschpegel im Publikum ohrenbetäubend war. Warum Menschen zu einem Konzert gehen, um sich dort gegenseitig ins Ohr zu brüllen, wenn sie dasselbe Gespräch auch in normalerer Lautstärke zehn Meter weiter weg führen könnten, muss man wohl nicht verstehen.


Die Band selbst hätte diesem Problem sicher mit einer etwas lebhafteren beziehungsweise lauteren Setliste bekämpfen können, andererseits hatten wohl auch die Künstler mit einem etwas aufmerksameren Publikum gerechnet.

Schwamm drüber, die Groppers haben mir auch dieses Mal wieder Freude bereitet. Lustig war auch Konstantins Ankündigung von zukünftigen Maifeld-Derbys, die von seinen Kollegen (den Festival-Organisatoren) mit einem panischen Grinsen nach dem Motto "Ach, wir machen das nochmal??" quittiert wurde.

Setliste:
We Are Safe Inside While They Burn Down Our House
Seneca's Silence
People Magazine Front Cover
We Are Free
5 Steps / 7 Swords
A Voice In The Louvre
Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day
Good Friday
Werner Herzog Get Shot
We Are Ghosts
A Burial At Sea
Ticktack! Goes My Automatic Heart
Angry Young Man
I Sold My Hands For Food So Please Feed Me

Red Nose Day
If This Hat Is Missing I've Gone Hunting


Als letzte Band nicht des Festivals, aber unseres Besuchs trat anschließend auf der extra schwarz abgehängten Bühne Hundreds auf, ein Elektronik-Bruder-Schwester-Duo (live mit zwei Extraschlagzeugern unterwegs) aus Hamburg. Als Sängerin Eva Milner, die als einzige beim Kurz-Soundcheck die Bühne nicht betreten hatte, mit einem recht seltsamen Cape-Konstrukt erschien und abgehackte Ausdruckstanzbewegungen machte, befürchtete ich zunächst, dass dieser Auftritt für meinen Geschmack zu zickig-durchinszeniert sein würde. Neben der teils traurig-betörenden, teils auch tanzbaren Musik traten aber solche Überlegungen, wie auch die zum unterm Cape getragenen Sack-overall, sehr bald in den Hintergrund. Hundreds machen outfitunabhängig sehr mitnehmende elektronische Musik, und wer The Notwist mag, wird hier sicher auch Gefallen, aber keine Nachahmung finden.



Schön waren auch die Lichteffekte auf der schwarzen Bühne, die bei uns zu einer großen Auswahl hübscher Silhouettenfotos führte.

Setliste:

Intro
Wait For My Raccoon
Machine
Fighter
Grab The Sunset
I Love My Harbour
Song For A Sailor
Rabbits (schien zumindest so auf der handschriftlichen Liste zu stehen)
Let's Write The Streets


Das war's also mit dem insgesamt durchaus erfolgreichen ersten Maifeld-Derby. Heute stand bei Facebook zu lesen, dass zu wenig Leute zum Abbauen anwesend seien und dass man sich über freiwillige Helfer freuen würde - als Gegenleistung wurden T-Shirts und Verpflegung geboten. Wetten, letztere war wieder 'ne Wurst?

Neulich beim Festival der kurzen Wege (Teil 2)

U.
Kommen wir heute endlich zur Musik beim Maifeld-Derby, und zwar zunächst zu der von Tag 1.

Für uns war die Karlsruher Band Diego einer der Gründe, zum Maifeld Derby zu fahren, sie erreichte leider aber im Lineup nur einen Platz unter „ferner liefen“ und eröffnete die Zeltbühne am Freitag um 18:20 Uhr. Der nur 30 Minuten lange Auftritt fand vor kleinem, aber engagierten Publikum statt (das immerhin auf den parallel stattfindenden Extra-Überraschungsauftritt des Tages-Headliners  Katzenjammer verzichtete).


Im Vergleich zum Nachtleben-Auftritt vor einigen Monaten wurde hier ein reduziertes „Best of“-Set inklusive unserer Lieblingstitel „September March“, „Lucy“ und „Grizzly Bear“ gespielt. Diego ist eine tolle Band mit schönen Songs, der man viele, viele Fans wünscht. Die ähnlich klingenden Editors und Interpol haben die ja auch in Massen.

Wegen des straffen Zeitplans musste das Publikum am Ende zwischen zwei möglichen Schluss-Songs wählen: Zur Auswahl wurden entweder ein schnelles, rockiges Lied mit orientalischem Zwischenspiel („Metz“) oder ein etwas Langsam-Pathetisches gestellt. Hätten wir gewusst, das Letzteres sich auf der Setliste als „She is“ entpuppen würde, hätten wir anders votiert.



Setliste:

The Distance Between Us
Echoes
Lucy
Connected
September March
Grizzly Bear
Galama
Metz
She Is (wurde weggelassen)

Kurz sahen wir nach dem Verlassen des Zeltes den Auftritt von Slaraffenland, die uns aber trotz Kritikervergleichen mit Efterklang nicht in ihren Bann ziehen konnten, dafür fielen uns angesichts des Bandnamens lustige Bonmots zum doch sehr überschaubaren Fresstand-Angebot (siehe gestriger Beitrag) ein.

Zurück im nun deutlich volleren Zelt spielte nun mit Ra Ra Riot eine Band aus New York, die laut Programmheft in den USA bereits überaus erfolgreich ist. Die Jungs sahen alle wie nerdige, hippe Studenten aus, die beiden weibliche Bandmitglieder warteten mit Glitzergeige und einem Bass-Skellett auf. Geboten wurde ansonsten Indiepop, der angenehm klang, aber auch nicht sonderlich gut im Gedächtnis haften blieb. Den muss man vielleicht noch einmal auf Platte nachhören.


Setliste:

Too Too Too Fast
Shadowcasting
Oh, LA
Do You Remember
Run My Mouth
You And I Know
St. Peter’s Day Festival
Can You Tell
Boy
Too Dramatic
Dying Is Fine



Unsere erste Band auf der „Open Air Bühne“  vor dem Zelt waren Flashguns. Angesichts der Festivalgröße fühlte man sich hier eher wie bei einem Stadtfest, was eigentlich ganz schön war: Man fand ohne große Probleme einen guten Stehplatz. Das Gewitter des Freitagabends war dankenswerterweise gerade vorbei, allerdings war dabei wohl irgendetwas Technisches feucht geworden: Als Flashguns die Bühne betraten und zum ersten Song „Come and see the lights“ ansetzen, fiel nämlich nach wenigen Sekunden erst einmal der Strom aus und alles stand im Dunkeln (und Leisen). Angesichts des Songtitels eine eher lustige Situation, die der Sänger mit der Verabschiedung „We’ve been Flashguns!“ kommentierte. Bevor die Band aber auch nur Anstalten machen konnte, die Bühne zu verlassen, hatte schon jemand den Sicherungskasten gefunden und alles lief wieder ohne Probleme.



Das junge Trio aus London machte laute Indierock-Musik und beherrschte aus meiner Sicht schon etwas zu viele Bühnenposen. Da hat wohl jemand eifrig bei „Guitar Hero“ geübt oder schon oft Matt Bellamy von Muse gesehen.

Die Band gab viele Titel ihres noch nicht erschienenen Debütalbums zum Besten und entschied sich dabei stets für lautere und gitarrigere Versionen.


Und im nun endgültig dicht, aber keineswegs unangenehm gefüllten Zelt wartete schon wieder die nächste Band, nämlich der Hauptact dieses Abends: Katzenjammer. Die vier Norwegerinnen spielten Balalaika, Banjo, Ukulele, Schlagzeug, Akkordeon, Mundharmonika, Hackbrett, Keyboard und Xylophon, und nach jedem Lied wurde die Instrumenteverteilung und Bühnenpositionierung neu durchgewechselt, wobei einer der Damen einmal drei Instrumente gleichzeitig bediente.



Dazu waren sie allesamt noch sehr speziell angezogen: Wir sahen eine gigantische Afroperücke, blonde Zöpfe mit Silberstern auf der Stirn, ein an das „Lady Marmelade“-Video erinnerndes Kurtisanenkostüm und überall schwingende Röcke und Schnürstiefel.



Obwohl Katzenjammer in Deutschland noch nicht in großen Hallen auftreten, merkt man ihnen zum einen an, dass sie bereits einiges an Bühnenerfahrung und –routine haben, andererseits scheint das Publikum auch zahlreiche textsichere Fans aufzuweisen. Dem begeisterten Auftritt mit engagiert vorgetragenen Folk-, Polka, Rock- und Countrysongs, dramatischen Bühnenkostümen, verrückten Frisuren und immer neuen Instrumenten kann man sich auch schwer entziehen. Dennoch: Meinen Musikgeschmack traf die durchaus sympathische Band nicht so recht, immerhin konnte ich mich aber an der riesigen Katzen-Balalaika erfreuen.


Neulich beim Festival der kurzen Wege (Teil 1)

U.

Nach zwei Jahren Planung findet gerade zum ersten Mal das Maifeld Derby Festival im Reitstadion auf dem Maifeld-Gelände in Mannheim statt. Mehr als 20 Bands spielen auf drei Bühnen, dazu gibt es ein von Philipp Käßbohrer kuratiertes Kurzfilmprogramm und Autoren-Lesungen (Lena Gorelik, Sabine Scholl u.a.).

Obwohl ich nicht allzu viele der auftretenden Bands kannte, war allein die Aussicht, Diego, Get Well Soon und Slut zu sehen, bereits den „Frühbuchertarif“ (hier „Early Horse“ genannt) von 25 Euro mehr als wert. Und von Frankfurt aus kann man auch nach Mannheim pendeln, ohne auf den Zeltplatz angewiesen zu sein.


Im Vorfeld zeigte sich dann an der einen oder anderen Stelle, dass hier ambitionierte, aber möglicherweise nicht unbedingt routinierte Festivalplaner am Werk waren: Immer wieder wurde ohne Folgen ein Zeitplan der spielenden Bands angekündigt, und auch die Campingsituation blieb so lange ungeklärt (und funktionierte letztendlich nur bei Voranmeldung der Interessenten), dass bei mir ein paar Zweifel daran aufkamen, ob der sonstige Ablauf einigermaßen klappen würde.

Gestern, am ersten Tag des Festivals, wurden allerdings die meisten Sorgen ausgeräumt. Sicher, das Parken kostet 5 EUR extra, und das Gelände ist sogar im Vergleich mit dem ebenfalls kleinen Haldern-Festival geradezu mikroskopisch, aber Letzteres hat eigentlich nur Vorteile: Vom Parkplatz zur Bändchenausgabe läuft man drei Minuten und wartet dort weitere zwei, die Security besteht aus zwei Personen und ist freundlich (und verabschiedete uns später höflich in die Nacht), und dann wäre da noch der Ablaufplan: Die Bands treten auf einer Hauptbühne im Zelt auf, direkt davor befindet sich die zweite, „Open Air“-Bühne. Die Künstler spielen auf beiden Bühnen abwechselnd, und das direkt hintereinander. Man läuft also nach Beendigung eines Konzerts draußen einfach ohne Schlange stehen nach drinnen, und dort beginnt innerhalb von fünf Minuten der nächste Auftritt. Gegenüber der mit der Zeit doch etwas zermürbenden Warterei bei größeren Festivals ist das einfach genial.


Andere Dinge sind dann nicht ganz so super, so ist das Gelände sehr sandig und ohne Wiesen. Es ist von den angekündigten LED-Luftballons im Zirkuszelt nichts zu sehen, stattdessen gibt es später dann leuchtende Farbwürfel auf einer Pferdekoppel. Das ebenfalls angekündigte „Cateringdorf mit Leckereien aus der Region“ entpuppte sich als EIN Essensstand, der von einer Landmetzgerei namens Kumpf (Get Well Soons Bassist heißt übrigens Timo Kumpf) geführt wird. Für Nicht-Fleischfreunde gibt es immerhin Käsebrötchen, Pommes Frites und eine Gemüsepfanne, was für zwei Tage mehr als ausreichend sein sollte. Dennoch wäre ein zweiter Stand sicher kein Luxus. Und die bis vor Kurzem auf dem Gelände vorhandenen Pferde kann man zwar nicht mehr sehen, aber sehr gut riechen.

Und was ist nun mit dem Musikprogramm? Nachdem wir gleich schon wieder los nach Mannheim müssen, folgt der Bericht von Tag 1 morgen.

Sherlock-ed

U.
Letztes Jahr habe ich ja bereits recht angetan über den Sherlock Holmes-Kinofilm von Guy Ritchie berichtet. Teil 2 ist mittlerweile abgedreht und kommt dieses Jahr in die Kinos. So weit, so (wirklich) gut.

In der Zwischenzeit ist mein Interesse an der Romanfigur Sherlock Holmes, das ursprünglich nicht erwähnenswert war, allerdings beträchtlich gewachsen. Ich habe etliche Kurzgeschichten und eineinhalb der Romane gelesen, und das liegt - neben der Tatsache, dass man all das legal und völlig umsonst aufs iPhone laden kann - nicht etwa an dem guten Film, sondern an einer in meinen Augen noch besseren Fernsehserie.


Die BBC hat nämlich letztes Jahr den Fernseh-Dreiteiler Sherlock produziert, ich bekam ihn netterweise auf DVD geschenkt - und war mehr als angetan. Anders als der Guy Ritchie-Film spielt Sherlock im London der Gegenwart, ich würde aber davon abgesehen behaupten, dass diese Verfilmung in Vielem originalgetreuer ist als der Spielfilm. Gut - Sherlock Holmes verbreitet seine Thesen zur "Science of Deduction" heutzutage natürlich auf seiner Website und nicht in einem Zeitungsartikel. Ebenso hält Watson (ein in der Serie wie übrigens auch im ersten Doyle-Roman frisch aus Afghanistan zurückgekehrter Militärarzt) die gemeinsamen Abenteuer in einem Blog fest, nicht in Pamphleten. Und selbstverständlich nehmen Computer und GPS-Handys bei den Ermittlungen einen wichtigen Platz ein - alles andere wäre ja auch nicht zeitgemäß.

Nehmen wir ein Beispiel: Es gibt eine bekannte Szene aus dem zweiten Sherlock Holmes-Roman The Sign of Four, in der Holmes Watson eindrucksvoll zeigt, wie viele verblüffende Schlüsse er aus dessen vom Bruder geerbten alten Taschenuhr ziehen kann: Er errät korrekt Alkoholsucht, Finanzprobleme und generelle Unachtsamkeit. Im Sherlock Holmes-Film kommen diese Schlussfolgerungen ebenfalls vor (beziehen sich hier aber auf den toten Rothaarigen aus Lord Blackwoods Sarg).

In Sherlock wird diese Szene nun einfach auf Watsons Handy übertragen: Holmes kann seinem neuen Bekannten anhand des Telefons auf den Kopf zusagen, dass sein Bruder das Handy von seiner Frau hatte, diese aber kürzlich verlassen und das Handy Watson geschenkt hat, dass er ein Alkoholproblem hat und dass die beiden sich nicht sonderlich nahe stehen.

Die meisten dieser "Aktualisierungen" funktionieren geradezu verblüffend gut, was nicht zuletzt daran liegt, dass die beiden Autoren Steven Moffat (er verpasste bereits Dr. Jekyll und Mr. Hyde einen aktuellen Anstrich) und Mark Gatiss große Arthur Conan Doyle-Fans sind und an ihrem Projekt sichtlich viel Spaß hatten.



Was nun die Person des Sherlock Holmes selbst betrifft, erinnert er heutzutage etwas an Dr. House: Während in Doyles Romanen zwar durchaus gelegentlich angedeutet wird, dass Holmes nicht der angenehmste Mitbewohner der Welt ist und beispielsweise Watsons Veröffentlichungen zu seinen Fällen eher herablassend-spöttisch gegenüber steht, ist Holmes 2010 nach eigenen Angaben ein "highly-functioning sociopath", und so entspinnt sich kurz nach seiner ersten Begegnung mit Watson dieser Dialog:
Watson: That was amazing.
Holmes: You really think so?
Watson: Yes, of course, it was truly extraordinary.
Holmes: That's not what people normally say.
Watson: What do people normally say?
Holmes: Piss off.
Sherlock bereitet also auf mehreren Ebenen Freude: Man kann sich, wenn man die zugrunde liegenden Geschichten kennt, darauf freuen, zu erfahren, was wie in die Gegenwart übertragen wurde. Darüber hinaus ist die Serie gerade beim Spannungsverhältnis Holmes/Watson aber auch häufig sehr witzig und nicht zuletzt überaus spannend.

Und noch ein Zusatzvergnügen bereitet die Serie: Die Macher erklären in den DVD-Kommentaren, dass ihnen daran lag, das moderne London als interessant und aufregend darzustellen, und das ist in meinen Augen ebenfalls sehr gut gelungen: Ob man nun die Baker Street sieht, die National Gallery, moderne Bankgebäude oder vollgesprayte Tunnel am Ufer der Themse: Alles löst bei  mir "Nach London müsste man auch mal wieder!"-Gedanken aus.

Es gibt leider nur drei mickrige Folgen, von denen die erste, "A Study in Pink" eine Umsetzung des ersten Sherlock Holmes-Romans A Study in Scarlet darstellt. Teil zwei "The blind banker" beruht anscheinend auf den Kurzgeschichten "The Valley of Fear" and "The Dancing Men" und Folge drei, "The Great Game" dürfte dem Tempo nach auf Dutzenden von Quellen basieren.

Die ARD wird Sherlock irgendwann dieses Jahr in Deutschland zeigen. Hoffentlich kenne ich bis dahin aber schon die zweite Staffel, die die BBC gerade dreht und dann hoffentlich bald auch ausstrahlt ...

Die große Vorher-Nachher-Show

U.
Wie gesagt, vorgestern war Balkonpflanzen kaufen angesagt. In den acht Jahren, die ich nun bereits in einer Wohnung mit Balkon wohne, passiert nämlich stets dasselbe: Im Frühjahr sieht der Balkon schrecklich aus, alles ist voll mit toten Pflanzenresten und seltsamen Überbleibseln. Ich kaufe daraufhin schöne neue Pflanzen, falle an der Kasse des Gartencenters beinahe in Ohnmacht (das klappt wirklich jedes Jahr) und gestalte daraufhin meinen Balkon schön und ansprechend. Die toten Gebilde und kaputte Pflanzbehälter wandern in den Müll, für die Katzen wird ein winziger Rasen gepflanzt und überall gekehrt.


Im Ergebnis ist der Balkon dann recht attraktiv, wobei er dennoch nicht sonderlich zum Draußensitzen einlädt: Er hat nämlich nur am frühen Morgen einige Stunden lang Sonne, sonst ist es hier selbst an heißen Tagen ziemlich kühl, und die Aussicht ist auch nichts Besonderes.



Dennoch werde ich ab sofort wieder täglich gießen und vielleicht sogar düngen, meinen eigenen Basilikum ernten (für mehr Essbares reicht es mit meinen braunen Daumen leider nicht) und mir generell ein bisschen Mühe geben, bis dann der Herbst beginnt, die Pflanzen nach und nach sterben und irgendwann alles wieder zu der braunen Mondlandschaft wird, bei der ich mich im kommenden Jahr dann wieder frage, wie ich es jemals so weit kommen lassen konnte. Und was die Tüte voller Schuhe da draußen macht.



Für den Moment ist aber erst einmal alles recht schön. Gut, dass es dieses Mal dokumentiert wurde.

Neulich im Gartencenter

U.
Genau einmal im Jahr gehe ich Pflanzen kaufen und suche dabei fast jedes Mal dasselbe Geschäft auf, einen in einem Gewerbegebiet liegenden, aber überraschenderweise unabhängigen, völlig kettenlosen Laden namens Sunflower.

Schon in vergangenen Jahren hatte dieses Geschäft weit mehr zu bieten als bloß Pflanzen. Nach der Parkplatzsuche, die man auf dem winzigen, völlig überfüllten und mit aggressiv aus allen Richtungen anstehenden Pflanzenkäufern bestückten Parkplatz schon allein als Abenteuerurlaub einstufen konnte, bot sich ein gewaltiger Laden mit breitem Angebot: Im Eingangsbereich gab es einen Obst- und Gemüsemarkt, der Gewohntes, aber auch recht Exotisches wie etwa ein ganzes Chilisortiment anbot, zwischen den Warenständen gab es zusätzlich Fressstände und auch Warentische mit Marmeladen, Saucen und so weiter.
Alle Bilder stammen von der Sunflower-Website.
Im Markt selbst konnte man dann sofort in ein nicht gerade kleines Restaurant oder auch die Vinothek abbiegen oder aber die angebotene Pflanzenwelt erforschen. Diese hatte es natürlich auch in sich: Natürlich gab es Balkon- und Gartenpflanzen aller Art, zusätzlich aber auch einen ganzen Kräutergarten und auch recht große Bäume. Mehr gibt es auf der Bundesgartenschau sicher auch nicht zu sehen.

Als ich letzte Woche dann Ambers sehr lustigen Blogeintrag über ihren eigenen Besuch in einem offenbar sehr ähnlichen Gartencenter las (ihres verkauft allerdings sogar lebende Hühner!), musste ich sofort auch an das so unwahrscheinlich große Warenangebot von Sunflower denken. Glücklicherweise stand mein nächster Besuch im Laden der Wunder auch unmittelbar bevor.


Beim gestrigen Einkauf zeigte sich dann, dass auch bei Sunflower die Zeit nicht stehen bleibt: Der Erlebnisparcours Parkplatz ist nun durch ein neues Einbahnstraßensystem geradezu erträglich, und innen kann man nun auch noch mehr Bedürfnisse befriedigen, von denen man noch gar nicht wusste, dass sie überhaupt bestanden: Nach den Essensständen folgt nun im Eingangsbereich noch eine Art Boutique, wo man zum Beispiel Handtaschen erwerben kann. Zusätzlich ist es möglich, vom Eigentümer selbst gestaltete Gemälde zu kaufen. Außerdem kann man auch für seinen Urlaub Gartenreisen buchen und sogar – und ich mache keine Witze – auch gleich vor Ort seine Hochzeit feiern.

Sollte ich jemals heiraten, freue ich mich schon, auf die Einladungskärtchen „am xx.xx. um 12:30 im Gartencenter“ drucken zu lassen. Bei so viel Pracht können diese blöden Adels-Hochzeitspaare sofort einpacken.


Gestern Abend, nach der Rückkehr aus dem Wunderland Gartencenter, bekam ich übrigens den schlimmsten Migräneanfall seit Jahren, der sich mit den sonst absolut zuverlässigen Tabletten meines Vertrauens dieses Mal gar nicht bekämpfen ließ. Auslösender Grund war sicher die Reizüberflutung des Disney Lands unter den Gartencentern...

Der große Brotaufstrich-Test: Karamell Zauber

U.
Heute findet die aufregende Brotaufstrich-Reihe schon wieder ihr Ende, dabei habe ich kürzlich bei Rewe noch eine neue Mandel-Variante entdeckt. Bis ich die bereits vorhandenen Aufstrichvorräte meines Hauhalts aufgegessen habe, dürften aber noch einige Jahre ins Land gehen.


Der Karamellaufstrich bietet, was auf der Packung steht, wenn auch nichts darüber hinaus: Er schmeckt nach Karamell, steht aber seinen "Kollegen" gegenüber etwas langweilig da. Kann man essen, vergisst man aber leicht.

Als Fazit erreicht diese Variante also nur Platz drei hinter den viel spannenderen Sorten Pistazie und Spekulatius, lediglich die Weiße Schokolade enttäuschte mehr.

Und wer testet jetzt für mich die verbleibenden drei Sorten??

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