Lexikon der ... fehlenden Worte

U.
Von Douglas Adams gibt es in Zusammenarbeit mit John Lloyd das sehr schöne Buch The Meaning of Liff, das durch Umschreibungen fiktiver Wörter (in Wirklichkeit handelt es sich um Ortsnamen) Lücken im englischen - und auch deutschen - Wortschatz schließt. Da wäre zum Beispiel die Art, wie Leute dastehen, die sich die Bücher auf dem Regal von jemand anderem ansehen (Ahenny). Oder ein generischer Ausdruck für alles, das unkontrolliert herausschießt, egal, wie viel Mühe man sich gibt, es vorsichtig anzugehen: Ketchup, ein wenig Mehl, das in eine Sauce gerührt werden soll oder auch der Hund in den Hof (Toronto). Oder das Muster, das man nach dem Sonnenbaden in einem Korbstuhl auf den Beinen hat (Kettering).

Die deutsche "Übersetzung" des Buches Der tiefere Sinn des Labenz war vielmehr eine Neufassung von Sven Böttcher, denn die Wort-Umschreibungs-Zusammenhänge sind nur dann wirklich witzig, wenn Begriff und Bedeutung auch ein wenig zusammen passen. Und so ist die deutsche Bedeutung von "Aachen" "seinem Namen ändern, um früher dran zu kommen".

Bei "Frankfurt" handelt es sich um unter der Trennscheibe eines Postschalters eingebaute Mulde oder Schublade, durch die man u.a. Briefe schiebt oder Briefmarken zugeschoben kriegt. Und was mag wohl eine "Oberursel" sein? Natürlich, das Mädchen, das immer freiwillig die Getränke holt.

Dass Phänomen, dass es Umstände gibt, für die uns die Worte fehlen, hat auch Christoph zu seinem neuen Blog inspiriert. Und ich habe bislang ein Wort beigetragen. Juhu!

Recycling: Touching from a distance

U.
Heute wäre Ian Curtis 55 geworden. Im Grunde kein hohes Alter, denke ich nun, immerhin bin ich ja selbst fast 40. Curtis starb aber bereits 1980 und wurde nicht einmal 24 Jahre alt, folglich erscheint einem sein Leben ziemlich historisch. Als vor einigen Jahren Anton Corbijns Film Control herauskam, las ich parallel das Buch, auf dem dieser beruht. Und schrieb bereits damals einen Blogeintrag darüber.

Über Joy Division habe ich nie sonderlich viel gewusst. Klar, Ikonenband der Achziger, weitestgehende Personalübereinstimmung mit den von mir hochgeschätzten New Order, Love Will Tear Us Apart, sehr junger Selbstmord des Sängers. Das dürfte wohl mein Gesamtwissen bis vor einigen Wochen erschöpfend umreißen. Als ich in den letzten Jahren begann, Musik von Interpol und den Editors zu hören, war mir dabei auch durchaus bewusst, dass ich vom „Original" dieser doch recht stark beeinflussten Nachahmer herzlich wenig Ahnung hatte.

Schon sehr lange dagegen mag ich Anton Corbijn – an seiner Arbeit kam man als Depeche Mode-Fan der 80er Jahre ja auch nicht vorbei, und wie schön diese Videos waren! Häufig zeichneten sie sich durch schwarz-weiße Grobkörnigkeit aus, typische Achziger-Ästhetik eben, und zumindest schwarzweiß kommt auch Corbijns erster Spielfilm Control daher – und schon allein deshalb war klar, dass ich den Film gerne sehen wollte. Dabei noch etwas über Joy Division zu erfahren, konnte nicht schaden, immerhin genießt Curtis bei seinen Fans denselben seltsamen Ruf, den jeder erwirbt, der berühmt ist und sehr jung stirbt.


Aufgrund meiner fehlenden Vorkenntnisse habe ich den Film also relativ unvoreingenommen gesehen. Er zeigt, wie der junge, hochintelligente und extrem kreative Ian seine Frau Debbie kennenlernt und sie mit 19 heiratet. Kurz darauf wird er Mitglied von Joy Divisions Vorgängerband und erreicht mit dem bald einsetzenden Ruhm eigentlich die Realisierung aller seiner Träume. Gleichzeitig wird er nicht glücklich: Er erkrankt an Epilepsie, die Ehe zu Debbie scheitert, loslassen will er sie aber auch nicht. Er verliebt sich in Annik, doch die neue Beziehung zerreißt ihn noch mehr. Die Kombination der beiden Beziehungen, seine ihn immer mehr beanspruchende und auslaugende Bühnenkarriere und das Leiden an seiner Krankheit und den Medikamenten, die er nehmen muss, führen den von Anfang an nicht sonderlich ausgeglichenen Ian in eine Depression. Er begeht am Vorabend von Joy Divisions erster USA-Tournee Selbstmord.

Der Film basiert zu großen Teilen auf der Biographie Touching from a Distance, die Debbie Curtis über ihren Mann verfasst hat. Am Film war sie ebenfalls beteiligt. Das verwundert etwas, denn mit dem Beginn des Erfolgs für Joy Division begann auch die Entfremdung zwischen Ian und Debbie, und Debbie war bei Konzerten nicht mehr willkommen. Von der Affaire wusste sie natürlich zunächst auch nichts. Viele Szenen des Films zeigen also Situationen, die sie nie gesehen haben kann.


In der Tat zeigt sich beim Lesen des Buches, dass der Film mehrere Quellen haben muss: Debbie bleibt hier weitestgehend bei ihrer Perspektive und kann viele Ereignisse, wie zum Beispiel Ians ersten epileptischen Anfall auf der Rückfahrt von einem enttäuschenden Konzert in London in einem ungeheizten Auto, nur vom Hörensagen erzählen. Und über ihre Rivalin hat sie natürlich weder detaillierte Informationen noch eine gute Meinung – hier unterscheidet sich der Film gravierend von ihrer Vorlage. Während Debbies Frustration gegenüber ihrem distanzierten, untreuen und unehrlichen Ehemann sehr gut verständlich ist, macht sie das Lesen des Buches stellenweise unbequem: Es fühlt sich einfach falsch an, so viel über Ians schlechtes Benehmen zu erfahren, ohne, dass er eine Gelegenheit hätte, seine eigene Perspektive zu zeigen. Zumal diese bei einem derart sensiblen und gebildeten Menschen auch sicherlich interessant wäre.

Dennoch, gerade Debbies Ehrlichkeit, die auch sie selbst nicht immer im besten Licht erscheinen lässt (so schildert sie die leicht lächerliche Episode, in der sie Annik an deren Arbeitsplatz anruft und informiert, dass sie sich von Ian scheiden lassen und Annik als Grund angeben werde – in der sicherlich falschen Meinung, dass dieser Umstand für Annik eine riesige Peinlichkeit wäre), lässt das Buch authentisch wirken. Die Schilderung der letzten Tage in Ians Leben, an denen er mit vielen Menschen die unterschiedlichsten Gespräche führte und doch niemand ahnen ließ, dass sein Entschluss zu sterben längst fest stand, ist besonders ergreifend.

Deborah Curtis lässt kaum einen Zweifel an ihrer Überzeugung, dass Ian sterben wollte und dies bereits viel früher – noch vor der Gründung von Joy Division – beschlossen hatte. Als verstärkende Umstände sieht sie seine Epilepsie und die starken Medikamente, die er dagegen nehmen muss – beide Faktoren dürften die Depressionen verstärkt haben, und der National Health Service war hier keine große Hilfe.

War das wirklich alles? Viele Fragen bleiben offen, aber das ist wohl bei allen Selbstmorden so. Übrig bleibt die Erkenntnis, dass die düsteren Joy Division-Texte keine Posen oder Gedankenspiele darstellten, sondern völlig ernst gemeint waren.

The Pains Of Being Very Late - The Pains Of Being Pure At Heart in Köln

U.
Verspätung I:

Zwischen 1976 und 1989 wuchs ich in Köln auf. Leider fiel diese Zeit bei mir noch nicht ins Ausgeh-Alter. Gelegentlich kam ich aber an Lokalen wie dem "Luxor" oder auch dem "Blue Shell" vorbei und stellte mir vor, wie toll es sicherlich wäre, abends dorthin zu gehen. Meine Zukunftsausgehvorstellungen waren dabei übrigens stark vom Film Susan... verzweifelt gesucht beeinflusst (wobei ich aber nicht unbedingt Zauberassistentin werden wollte).

All das ist lange her, netterweise gibt es das Luxor, das zwischenzeitlich Prime Club hieß, aber immer noch, und mit lediglich 22 Jahren Verspätung war ich dann gestern abend zum ersten Mal dort.



Verspätung II:

Das Konzert der New Yorker Band The Pains Of Being Pure At Heart war laut Eintrittskarten bereits für 19:30 angesetzt. Diesen ungewohnt frühen Termin hatten wir bei unserer Abreise aus Koblenz nur halbherzig berücksichtigt. Dass die Wahl des Losfahrzeitpunkts allzu optimistisch gewesen war, fiel uns dann ausgerechnet auf, als wir in einer Vollsperrung der A3 standen und unser geschätzter Ankunftszeitpunkt in immer ungewissere Zukunft rückte. Der auf der Höhe von Siegburg im Stau geführte Dialog "Jetzt ist es halb 8, jetzt ist Einlass." - "Nein, Einlass war vor einer Stunde!" brachte die Stimmung auf einen zusätzlichen Tiefpunkt.

Immerhin konnten wir von Christoph erfahren, dass die Vorband auch gegen 20 Uhr noch nicht begonnen hatte, und überraschenderweise kamen wir, nachdem wir die A3 nach einer Stunde Stau endlich verlassen konnten, auch wieder relativ zügig voran, fanden einen tollen Parkplatz und erreichten den Veranstaltungsort kurz vor 9 - und damit vor Erscheinen der Hauptband.



Vielleicht lag es daran, dass The Pains Of Being Pure At Heart bereits so häufig in Köln gespielt hatten, der kleine Club war gestern Abend jedenfalls nicht sonderlich voll, so dass wir auch noch ohne Mühe nahe an die Bühne vordringen konnten. Und auf dieser stand schon bald die junge New Yorker Band und schrammelte sich, beginnend mit "Belong", mit beeindruckender Geschwindigkeit durch sämtliche Hits und große Teile ihrer beiden Alben.

Besonders viel wurde zwischen den Liedern nicht gesagt, Kip erwähnte aber, dass dies bereits der vierte Auftritt der Band in Köln sei (Peggy hatte bereits früher den Konzert-Standardsatz, dass es schön sei, so bald nach dem letzten Auftritt wieder hier zu sein, mit viel Glaubwürdigket rübergebracht und bezeichnete Köln als ihre "home town") und widmete denen, die alle Konzerte gesehen hatten, "My terrible friend". Zitat: "If you come and see us four times, you get a dedicated song. After five times, you get a restraining order!"


Dass die Band sich wohl tatsächlich mit dem Kölner Publikum verbunden fühlt, zeigte sich auch in den Zugaben. Kip kehrte zunächst allein zurück und spielte "Contender", dann alle gemeinsam zwei weitere Zugaben.  Danach hätte laut Setliste endgültig Schluss sein sollen, aber das Publikum jubelte weiter - und erfolgreich. Kip erklärte, die Somgs, die sie gut spielen könnten, seien nun aufgebraucht. Das dann folgende Lied kannte ich nicht, aber laut Christoph hieß es "Hey Paul".

Ein gerade nach der Zitterpartie unserer Anreise schön-entpanntes Konzert mit einer gut gelaunten Band, die nach ihrem Auftritt auch für Autogramme, Gespräche und den gemeinsamen Konsum von Getränken zur Verfügung gestanden hätte.



Setliste:

Belong
This Love is fucking right!
Heart in your Heartbeat
The Body
Heaven's gonna happen now
Stay Alive
My terrible Friend
Come Saturday
Young Adult Friction
Too Tough
Everything with You
The Pains of being pure at Heart

Contender
Say No to Love
Strange

Hey Paul

Markus Kavka vs. Steve Blame: Vom VJ zum Autor

U.
Wie viele Menschen meines Alters habe ich in meiner Jugend häufig Musikfernsehen gesehen. Ich konnte MTV Europe seit seiner Einspeisung ins deutsche Kabelnetz 1989 empfangen und nutze die Gelegenheit ausgiebig. Als VIVA 1993 dazu kam, war ich weniger begeistert, schaute den Sender aber ebenfalls. Lediglich VIVA 2 habe ich irgendwie verpasst, wohl, weil ich 1995 für ein Jahr ins Ausland ging und anschließend eine Wohnung ohne Kabelempfang bezog. Irgendwie ist es ein ganz schöner Gedanke, dass ich meine Jugend dann doch nicht ausschließlich vor dem Fernseher verbracht zu haben scheine ...

Jedenfalls kannte ich mich früher mit MTV und seinen VJs bestens aus, wusste alles über die Sendungen und lernte viele Bands über ihre Videos neu kennen. Besonders schätze ich dabei die für Indie-Musik zuständigen Sendungen wie 120 Minutes und später Alternative Nation, sah mir aber auch vieles, vieles andere an... die Alternative wäre ja im allgemeinen gewesen, etwas fürs Studium zu tun.

Dieses Jahr habe ich nun gleich zwei Bücher meiner früheren Fernsehhelden gelesen: Markus Kavkas Roman Rottenegg und Steve Blames Autobiographie Getting Lost Is Part of the Journey: MTV, Deutschland und ich. Um es kurz zu machen: Die Werke sind recht unterschiedlich, enttäuscht haben sie mich aber leider beide.



Kavkas Roman ist, das hat er immer wieder betont, nicht über ihn selbst. Die Hauptfigur Gregor ähnelt ihm allerdings biographisch stark: Wie Kavka arbeitet er als im Vergleich dienstältester und beliebter Moderator bei einem Musiksender und stammt ursprünglich aus der bayerischen Provinz (Rottenegg ist der Nachbarort von Kavkas Heimat Manching). Die fiktive Romanhandlung beginnt mit der Ende der Musikfernsehkarriere:  Gregor wird dort überraschend vor die Tür gesetzt. Nachdem er dann noch seine Schauspielerfreundin mit einem Freund im Bett erwischt, ist seine Lebenskrise komplett. Er versinkt im Party- und Drogensumpf, unternimmt einen halbherzigen Selbstmordversuch und zieht schließlich vorübergehend zurück zu seinen Eltern ins bayerische Kaff Rottenegg. Dort erscheint zunächst alles schöner und einfacher, ist es aber letztlich nicht. Und als Gregor auch den neuen Problemen entflieht, indem er nach Berlin zurückkehrt, kommt es dort nach einem kurzen Hoch zur endgültigen Katastrophe.

Ich habe mit dem Roman verschiedene Probleme. Zunächst ist es für einen Leser, der irgendetwas über Kavka weiß, extrem schwer, ihn nicht als die Hauptfigur zu sehen. Natürlich dürften viele Figuren und Situationen - und insbesondere das Ende - ausgedacht sein, aber die oberflächlichen biographischen Parallelen von Autor und Protagonist sind so zahlreich, dass die Trennung auf Leserseite schwer fällt. Wenn Gregor zum Beispiel berichtet, dass er schon früher begeistert Fußball gespielt habe, fürs Tor aber immer zu klein gewesen sei, komme ich nicht umhin zu denken, dass hier Markus Kavka über sich selbst erzählt. Und natürlich ist es für jeden aspirierenden Romanautor empfehlenswert, über etwas zu schreiben, das er selbst gut kennt, aber in diesem Fall scheint es, als habe man es sich beim erzählerischen Unterbau etwas zu einfach gemacht.

Und dann ist da noch die Geschichte selbst, die bei mir die Frage aufwarf, was das alles nun eigentlich soll. Mir wurde nicht richtig klar, woran der Protagonist nun eigentlich wieder und wieder scheitert. Die Tatsache, dass er es tut, scheint eine Lehre zu beinhalten, aber sie erschließt sich mir nicht. Und da sich Gregor in vielen Situationen nicht gerade schlau verhält, hält sich auch mein Mitleid in Grenzen. Vielleicht ist die Hauptfigur ein Beispiel für jemand, der es im Leben stets ein wenig zu einfach hatte und deshalb mit Fehlschlägen nicht umgehen kann? Mag sein, aber dann bleibt das Identifikationspotenzial für den Leser natürlich auf der Strecke: Die wenigsten von uns haben eine derart behütete Existenz.

"Hamma wieder was gelernt," so endeten früher Kavkas MTV-Nachrichten, kann ich hier aber leider nicht behaupten.



Getting Lost Is Part of the Journey: MTV, Deutschland und ich ist kein Roman, sondern ... ja was eigentlich? Der gerade in Deutschland ehemals sehr bekannte Nachrichtenmoderator Steve Blame erzählt hier über die Anfänge und den Erfolg von MTV Europe, aber ebenso über seine heutigen Versuche als Drehbuchautor, seine Kindheit und verschiedene seiner Beziehungen und besten Freunde. An und für sich also eine klassische Autobiographie mit durchaus interessanten Themen, wenn nicht alles so ein furchtbares Durcheinander wäre!

Es ist, als säße man mit Blame in einer Kneipe und er erzählte beim soundsovielten Bier über sein Leben, wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Dass für den Leser einige Bereiche (zum Beispiel seine Interviewerfahrungen mit Superstars oder die Anfangspannen bei MTV Europe, als man noch quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit sendete) erheblich interessanter sind als andere, ebenso ausführlich erzählte (etwa seine Kurzbeziehung zu einem Psychopathen, seine Freundschaft zu einem Zahnarzt und vor allem seine vielen, vielen Bemühungen, sich mit seinem Drehbuch-Coautor auf ein Skript zu einigen), scheint keine Rolle zu spielen - für Blame ist das alles wichtig, und deshalb muss der Leser da eben auch durch.

Witzigerweise kann man ihm aber nicht vorwerfen, sich dieser Problematik nicht bewusst zu sein. So zitiert er einen seiner Ratgeber:

Herr G. hat mir eine E-Mail geschickt. (...) Er möchte, dass ich die Story "verschlanke, hier und da etwas weglasse". (...) "Weißt du, die Geschichte mit dir und Stevie Wonder (...) ist brilliant, so feinfühlig, so rührend und unglaublich, dass sie eine herausragendere Stellung verdient hätte. (...) Und das verwurstest du, quasi als Wegwerfparagraph, in einem Kapitel, das beschreibt, wie du durch die Straßen von Amsterdam kriechst (...)".

Man erfährt vieles durch Treffen Blames mit seinen Weggefährten aus verschiedenen Lebensabschnitten, anhand derer er sich an bestimmte Situationen erinnert, und zu ergründen versucht, was für ein Mensch er früher war und heute ist. So fühle ich mich als Leserin letztendlich etwas missbraucht: Zusätzlich zu den durchaus interessanten Geschichten über MTV und VIVA 2 muss ich mich durch vieles beißen, dass ausschließlich der Beantwortung von Blames Frage nach der eigenen Identität zu dienen scheint. Und das ist nun einmal ein Thema, das für ihn um eine Vielfaches interessanter ist als für seine Leser. Das ist um so überraschender, als in dem Buch etliche Treffen mit verschiedenen Therapeuten, Beratern und Wahrsagerinnen erwähnt werden. Braucht man, wenn man so viele bezahlte Ratgeber hat, auch noch das Schreiben als Therapie, und muss man dessen Ergebnisse dann auch noch verkaufen?

"I see you soon, and have a good one" war der Endspruch für die Steve Blame-Nachrichten. Nee, lass mal, Steve.

Verkaufszahlen kann ich nicht finden, denke aber, beide Bücher werden ihr Publikum finden, wie es auch bereits die Werke von Sarah Kuttner (Mängelexemplar) und natürlich Charlotte Roches Bestseller (Feuchtgebiete) getan haben. Und hat nicht selbst Heike Makatsch irgendetwas zum Film Keine Lieder über Liebe auf den Markt geworfen?* Meine eigene Vorsicht gegenüber Moderatorenveröffentlichungen nimmt indes jedenfalls zu.

(* Ja, hat sie: Keine Lieder über Liebe – Ellens Tagebuch)

Eisblog (9): Banana & Peanut Butter und Zimt

U.
Es ist Juli und damit offiziell Eiszeit! Heute gab es die in der Überschrift genannte Sorte, deren Zubereitung denkbar einfach war: Man macht die Sahne-Milch-Eier-Zucker-Grundmischung und gibt, nachdem diese in der Eismaschine bereits fest geworden ist, eine zermatschte Banane, den Saft einer halben Zitrone und ein paar Löffel Erdnussbutter ohne Stückchen dazu.

Das Ergebnis war ein sehr leckeres Eis, das komischerweise eher abwechselnd nach seinen beiden geschmackgebenden Komponenten schmeckt. Yummy!


Das Zimteis ließ sich dann noch eine Spur leichter herstellen: Der Basismasse Zimt hinzufügen, fertig! Diskussionen gab es nur hinsichtlich der notwendigen Zimtmenge. Die Meinungen schwankten zwischen einem Teelöffel und einer Handvoll (beim hier schon vielfach erwähnten kürzlichen Amsterdambesuch hatten wir einen unglaublich zimtigen Apfelkuchen genossen, der bei einem Teil von uns zu der Meinung führte, dass man Zimt nicht überdosieren kann). 

Eigentlich seltsam, dass Zimteis in Eisdielen nicht alltäglich ist, denn zutatentechnisch bietet es sich auch als Verlegenheitslösung an, wenn alles andere gerade aufgebraucht ist.

Unser Zimteis schmeckte ... nach Zimt. Und sehr gut.


Bücherfragebogen (25): Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt

U.

Und wieder so eine komische Kategorie! Es gibt sicherlich Protagonistinnen, in denen ich mich eher wieder finde als in anderen, aber sicherlich habe ich noch bei keinem Roman gedacht, er sei über mich!

Ich habe mich an dieser Stelle einfach mal für The Edible Woman (Die essbare Frau) von Margaret Atwood entschieden. Den Debütroman von 1969 habe ich das erste Mal zu Abiturzeiten gelesen. Die Handlung dreht sich um die junge Frau Marian, die eine wenig interessante Stelle als Marktforscherin hat und den ebenso wenig interessanten Peter heiraten möchte, weil ihr das vernünftig erscheint. Ganz wohl ist ihr bei dieser Zukunftsperspektive dennoch nicht, und so verweigert ihr Körper nach und nach verschiedene Lebensmittel, bis sie schließlich überhaupt nichts mehr essen kann. Zeitgleich mit der Verlobung wechselt die Erzählperspektive von der Ich-Erzählung zur dritten Person und demonstriert auch so, dass Marian dabei ist, ihre Identität zu verlieren.

Marian lernt den unkonventionellen Duncan kennen, der in vielen Aspekten das Gegenteil von Peter ist und mit dem sie letztendlich eine ebenfalls nicht sonderlich erfolgreiche Affäre hat. Nachdem die Verlobung zu Peter bereits bei der Verlobungsfeier (die Marian überstürzt mit Duncan verlässt) scheitert, bäckt Marian schließlich sich selbst in Kuchenform und bietet diesen sowohl Peter als auch Duncan an - keine sonderlich subtile Metapher zum Thema Frauen als Objekte, aber der Kuchen ist dann immerhin etwas, das Marian selbst wieder essen kann.

Dass der Roman ein Vorwerk des Feminismus ist, ist überdeutlich klar - weniger verständlich ist nun sicherlich, was das Ganze mit mir zu tun hat. Ich bin nicht feministischer als andere, war noch nie verlobt, hatte noch nie das Gefühl, dass mir jemand meine Identität stiehlt... immerhin war ich kurz in der Marktforschung, aber darum geht es nicht.

Was für mich bei Marian Identifikationspotenzial bietet ist ihre Langsamkeit, mit der sie die eigenen Gefühle erkennt.  Und ihre letztendliche Fähigkeit, zumindest festzulegen, was sie nicht möchte (nämlich eine Ehe mit Peter). Die positiven Entscheidungen können dann ja noch kommen.

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