Bücherfragebogen (31): Das Buch, das du am häufigsten verschenkt hast

U.

Unglaublich, dass ich ein Jahr dafür gebraucht habe, 31 Bücher vorzustellen! Immerhin, in den November wird sich die Reihe nun nicht mehr ziehen, denn das hier ist ihre letzte Folge. Und das Ende passt aus meiner Sicht auch ganz gut, denn ich kann noch einmal eines meiner Lieblingsbücher vorstellen.

Hanif Kureishis The Buddha of Suburbia (Der Buddha aus der Vorstadt) habe ich zum ersten Mal zu Abiturzeiten gelesen. Der Entwicklungsroman über den jungen Karim mit der englischen Mutter und dem pakistanischen Vater, der von seiner Umwelt als viel exotischer wahrgenommen wird, als er tatsächlich ist, sprach mich sofort an: Die Geschichte an sich, in der Karim die Trennung seiner Eltern überstehen muss, seinen besten Freund deutlich toller findet als dieser ihn und schließlich von der Vorstadt ins "richtige" London geht und dort Karriere als Schauspiel macht, macht genauso viel Spaß wie der Blick aufs London der ganz frühen Achtziger Jahre, mit den ersten Punks, Privatschülern als Kommunisten und dem Aufstieg Margaret Thatchers.

Als ich den Roman in die Hände bekam, war er schon etwa zehn Jahre alt, und ich selbst stand zufällig kurz davor, zeitweise ebenfalls in der Londoner Vorstadt zu leben, ganz in der Nähe der Romanfiguren. Viel später, als es darum ging, ein Thema für meine Magisterarbeit zu finden, entschied ich mich wieder für Kureishi und nahm noch seinen (schlechteren) Nachfolgeroman The Black Album sowie Rushdies The Satanic Verses mit ins Boot.

Und dazwischen und auch anschließend habe ich das Buch etliche Male verschenkt. Weil es gleichermaßen unterhaltsam wie tiefsinnig ist, ebenso lustig wie traurig, und weil ich denke, dass eine Vielzahl von Menschen darin etwas für sich entdecken kann.

Kettensägenmassaker an Halloween

U.

In meiner Kindheit spielten Kürbisse in Deutschland keine große Rolle. Einmal gab es in meiner Grundschule ein Schulgartenprojekt, in dessen Rahmen ein Kind in seine winzige Parzelle Kürbissamen säte. Das bemerkte niemand, bis am ersten Schultag nach den Sommerferien der halbe Schulhof mit Kürbisgrün und orangen Kürbissen zugewuchert war. Sogar die Zeitung kam und berichtete darüber. Die Kürbisse wurden von einer netten Lehrerin zu Marmelade verarbeitet, und an einem Tag bekam in der großen Pause jedes Kind ein Marmeladenbrot. Ich erinnere mich noch gut an meine Enttäuschung darüber, wie scheußlich das schmeckte.

In den Neunzigern wurde dann das Interesse der Deutschen am amerikanischen Halloween immer größer, und damit gewannen Kürbisse an Popularität - auch beim Kochen. Und selbst, wenn ich immer noch der Meinung bin, dass die Zugabe von Kürbis die meisten Gerichte verschlechtert - unvergessen mein Kochversuch eines gefüllten Butternut Squash von Jamie Oliver, der deutlich mehr Mühe als Freude bereitete - muss ich mittlerweile zugeben, dass Kürbissuppe, insbesondere die meiner ehemaligen Nachbarn, ganz schön toll schmecken kann.



Und was ist nun mit Halloween? Gestern habe ich erstmals auch die Spaßseite des Kürbiskaufs ausprobiert. Die Kürbisse, die wegen ihren Kopfformen Ernie und Bert getauft wurden, sollten in gruselige Lampen verwandelt werden, wofür wir zunächst das Internet konsultierten - wo sich allerdings so tolle Kürbislampenbilder befinden, dass die Suchergebnisse eher entmutigten.


Beim Schnitzen ergaben sich dann zwei unerwartete Probleme: Ernie war hart wie Stein, weshalb es völlig aussichtslos war, ihn mit einem Ikea-Messer anzuritzen. Letztlich klappte es nur mit einem Cuttermesser aus dem Werkzeugkasten, eine Säge wurde zumindest bereitgelegt. Dafür ließ er sich relativ bereitwillig aushölen.

Bei Bert ging das Schnitzen viel leichter, dafür enthielt er eine auch wegen seiner Kopfform nur schwer entfernbare Schleimfüllung. Sein Aushölen mit Löffeln, Messern und Verzweiflung dauerte länger als eine halbe Stunde. Wegen der Schwierigkeiten beim Schneiden und Aushölen erwiesen sich Ernie und Bert als nicht kindergeeignet (was egal war, da so oder so keine anwesend waren). Vielleicht lag es ja daran, dass sie Zierkürbisse sind?

Immerhin, irgendwann war der Messerkampf gegen die Kürbisköpfe beendet und das Ergebnis erstaunlich gruselig ...


... besonders natürlich im Dunkeln bei Kerzenschein.



Bücherfragebogen (30): Warum zur Hölle wurde dieses Buch noch nicht verfilmt?

U.

Ich muss ein Geständnis machen: Diese Kategorie habe ich versiebt. Als ich vor knapp einem Jahr damit begann, die Fragenliste des Bücherfragebogens durchzusehen, überlegte ich mir bereits bei den ersten paar Einträgen, welches Lieblingsbuch ich später wo "unterbringen" könnte - man will ja keinen Favoriten übersehen und dann auslassen müssen. Im großen und ganzen habe ich mich an diesen Plan auch gehalten.

Für die Frage nach der noch nicht existierenden Verfilmung hatte ich mir aber Making History (Geschichte Machen) von Stephen Fry ausgesucht. Das Buch über Handlungen, deren Konsequenzen und Paralleluniversen, in denen Hitler nie gelebt hat, wäre in meinen Augen auch nach wie vor ein guter Kandidat für einen Film oder eine Miniserie. Nur habe ich den Roman bereits in der Kategorie "Ein Buch von deinem Lieblingsautor" untergebracht. Dumme Sache, aber ich kenne ja noch andere Bücher.

Und so entschied ich mich frohen Mutes für The Night Watch (Die Frauen von London lautet der ziemlich doofe deutscher Titel) von Sarah Waters.

Waters "Markenzeichen" als Autorin sind lesbische Figuren, und so sind auch in diesem Roman gleich einige der Protagonisten homosexuell. Die Handlung des Romans beginnt in der unmittelbaren Nachkriegszeit und geht dann Schritt für Schritt zurück in die Vergangenheit. Zu Beginn der Geschichte lernt man die vielfach scheinbar unverbundenen Figuren kenne, die allesamt eher unglücklich zu sein scheinen: Die eine macht ziellose Spaziergänge, eine andere führt eine für sie offenbar unbefriedigende Beziehung, ein sensibler junger Mann leistet Zwangsarbeit und eine junge Frau hängt obsessiv an ihrer Geliebten.

Was allen diesen Menschen im Krieg passiert ist, erfährt man durch die Rückschritte der Handlung, ebenso klären sich die Verbindungen zwischen ihnen langsam auf. Und all das ergibt eine spannende Geschichte, ein plausibles Bild vom kriegsverwirrten London und Charaktere, an die man noch lange denken muss.

Eigentlich hatte ich also einen prima Kandidaten für diese Kategorie gefunden. Und dann? Las ich, dass es mittlerweile eine BBC-Verfilmung gibt. Immerhin kenne ich sie nicht, aber einen Trailer habe ich gefunden. Und gebe hiermit die Suche nach verfilmenswerten Büchern auf ...

Bücherfragebogen (29): Warum zur Hölle wurde dieses Buch verfilmt?

U.

Romanverfilmungen sind eine schwierige Sache, vor allem bei Lieblingsbüchern: Wie leicht kann man Fans von Büchern völlig verschrecken, indem eine Rolle falsch besetzt oder ein Handlungselement umgestaltet wird. Und doch sind die Verfilmungen von Romanreihen wie Harry Potter, Lord of the Rings oder auch (seufz) Twilight für die Studios sichere Kassenfüller - wer die Bücher schon verschlungen hat, tut sich die Illustrationen dazu häufig auch noch an. Im Übrigen beruhen auch erfolgreiche Fernsehserien wie Dexter und True Blood auf Romanreihen, und in diesen beiden Fällen kann ich versichern, dass die Vorlagen durch die Umsetzung ausschließlich gewonnen haben.

Nicht selten geht diese Verfilmungssache aber auch gehörig daneben. Kenneth Branagh als Hamlet ging mir fürchterlich auf die Nerven, und gerüchteweise soll die Buchvorlage von Eat Pray Love zumindest nicht ganz so nichts-sagend, inhaltsarm, langweilig und einfach schlimm sein wie der Film.

Besonders enttäuscht war ich auch von der Verfilmung von Captain Corelli's Mandolin (Corellis Mandoline), die 2001 in die Kinos kam. Das Buch des durchaus respektablen Louis de Bernières dreht sich um die Liebesgeschichte zwischen einem italienischen Soldaten und einer Griechin im zweiten Weltkrieg: Die Italiener haben die griechische Insel besetzt, und der als Soldat fehlbesetzte Corelli muss sich das Vertrauen der Griechen erst langsam erarbeiten. Die Charaktere werden liebevoll vorgestellt, und als Leser vergisst man  auch in keiner Sekunde, dass gerade ein schrecklicher Krieg stattfindet, dessen Grausamkeiten auch die Protagonisten unvermeidlich einholen. Der Roman ist folglich um einiges weniger kitschig, als man das beim Wort "Liebesgeschichte" erwarten würde.

Ganz anders der Film mit Nicholas Cage und Penelope Cruz in den Hauptrollen. Man dachte sich wohl, dass das Publikum sowieso nur sehen möchte, wie sich das Liebespaar "kriegt", also ließ man die unschöneren Kriegsdetails einfach weg - die historische Situation wird zur Kennenlern-Kulisse. Was den Film für mich aber endgültig unerträglich machte, war, dass in der englischen Originalversion die Figuren allesamt mit Akzent sprachen. Was sollte das bitte? Hätten sie einfache normales Englisch gesprochen, hätte ich das leicht ignorieren und mir vorstellen können, dass die Handlung "eigentlich" in einer anderen Sprache stattfindet. Aber das blöde Akzentgetue hatte für mich keinerlei Sinn: Ausländer sprechen alle Englisch, nur eben schlechter??

Selten bin ich so wütend aus dem Kino gekommen.





Die Mützchenparade

U.

Ich hatte es ja bereits angedroht: Heute zeige ich meine bisherigen Mützchenwerke für die Weihnachtsspendenaktion von Innocent. Mittlerweile habe ich 21 Mützchen fertig und heute morgen Richtung Kerpen zur "Sammelstelle" geschickt. Links habe ich kurzfristig das "Mützometer" eingefügt, laut dem bislang 9 531 Mützen in Kerpen eingetroffen sind. Ich hoffe mal, dass viele wie ich erst diese Woche ihre wollenen Werke losschicken, denn wirft man einen Blick auf das österreichische Mützometer, kann einem angst und bange werden: In Salzburg kamen nämlich bereits 32 668 Mützen an!





Endlich haben wir also eine sportliche Disziplin gefunden, in der Österreich Deutschland mit Leichtigkeit schlägt ... allerdings findet "The Big Knit" dort bereits zum wiederholten Mal statt, also ist ein Vergleich möglicherweise nicht ganz fair.


Renovierungsarbeiten

U.
Unglaublich, schon wieder ist ein Jahr vorbei. Und deshalb steht hier ein weiterer Tapetenwechsel an. Im Rahmen der zweijährigen Tradition zeige ich deshalb hier nochmals die bisherigen Templates. An das neue muss ich mich erst noch gewöhnen, aber das war bis jetzt immer so.

Fleur: 2008 bis 2009
Stitch: 2009 bis 2010
Silva: 2010 bis 2011

The Second Coming

U.

Am Dienstag, meinem Geburtstag, gab es eine überraschende Meldung: Die Stone Roses, in den Neunzigern gleichermaßen gefeiert wie Enttäuschungen auslösend (Wie lange mussten wir nochmal auf das zweite, gar nicht mal so gute Album warten???), gaben ihre Wiedervereinigung bekannt und kündigten gleichzeitig eine Welttournee an. Eine ziemliche Überraschung, denn die Band galt als völlig zerstritten und John Squire und Ian Brown hatten seit mehr als zehn Jahren keinen Kontakt gehabt.

Gestern begann dann der Vorverkauf für die beiden Reunion-Konzerte in Manchester. Es war klar, dass es einen riesigen Ansturm auf die Vorverkaufswebsites geben würde, und damit dachte ich, die Sache sei eigentlich erledigt: Seien es Sonderaktionen der Deutschen Bahn, Designerverkäufe bei H&M oder ein Benefizkonzert von Noel Gallagher in der Royal Albert Hall: Bei solchen Aktionen sitze ich stets fluchend vor einer nicht funktionierenden Website, und wenn sie sich endlich laden lässt, sind die Karten ausverkauft.

Und ähnlich lief es auch gestern: Der Vorverkauf begann um 10:30, die Websites brachen zusammen und innerhalb von 14 Minuten waren beide Manchester-Termine ausverkauft - was 150 000 Tickets entspricht. Das eilig hinzugefügte dritte Konzert war nach einer Stunde ebenfalls ausgebucht.

Was aber gestern anders war: Ich bekam meine Karten. Einfach so. Zwei Stück für den Samstagstermin. Keine Ahnung, was ich gestern richtig gemacht habe und sonst immer falsch.

2012 wird es also einen Sommerurlaub in Manchester geben, mit Fotos von mir vor der Hacienda, dem Salford Lads Club und Zuhause bei den Gallaghers. Hoffentlich ist Manchester in echt weniger deprimierend als im Film Control.

Spannend ist natürlich auch die Frage, wer als Vorband(s) verpflichtet wird. Mein Freund phantasiert bereits über eine Wiedervereinigungswelle der anderen Madchester-Bands (Happy Mondays, Inspiral Carpets, New Order) oder aber die frisch versöhnten Oasis.

i wanna be adored~stone roses from Perry Waring on Vimeo.

Lustige Automaten (2)

U.
Momentan ließe sich so einiges aus Frankfurt berichten: Am Wochenende war Buchmesse, der Eichborn-Verlag ist pleite und vor der Europäischen Zentralbank campieren nach wie vor Demonstranten. Was aber lockte mich stattdessen hinter dem Büro- und Wohnungofen hervor und auf die Straße? Ein weiterer Automat.

Skurrile Automaten unter sich
Letzte Woche bekam der bereits vorgestellte Kunstautomat am Hauptbahnhof nämlich Gesellschaft von einem Miao-O-Mat. Wer sich überwand und in den Automaten miaute, bekam von diesem eine Packung Katzenfutter, und gleichzeitig sollte auch die Tiertafel (die analog zu den "richtigen" Tafeln bedürftige Menschen bei der Ernährung bereits im Haushalt vorhandener Tier unter die Arme greift) dieselbe Menge erhalten.

Der Automat in Benutzung
Albern? Aber Hallo! Und als ob man es nicht so schon peinlich genug fände, in einen Automaten zu miauen, wollte die für die Aufstellung verantwortliche Firma Purina (im Rahmen einer Kampagne namens "Einfach clever!" für das Feuchtfutter Felix) auch noch den Eindruck erwecken, dass der Automat hauptsächlich von Katzen frequentiert würde, die sich eben "clever" ihr eigenes Futter besorgten. Zu diesem Zweck waren auf dem Boden vor dem Automat aufgeklebte Pfotenabdrücke, und das Miau-Mikrophon war extra tief angebracht: Für Menschen war es so nur in der Hocke zu erreichen, Katzen dagegen mussten sich bestimmt ganz schön strecken.

Pfotenabdrücke weisen den Weg
Nur aus journalistischem Ehrgeiz (kombiniert mit Sympathie mit der Tiertafel) habe ich es auf mich genommen und tatsächlich in den Automaten miaut. Elmo und Kami dankten mir für die Einsatzbereitschaft, indem sie das Futter (das ich normalerweise nicht kaufe) mit großer Begeisterung verputzten. Wenn ich so einen Automaten daheim hätte, würden sie vielleicht auch hinein miauen ...

Weitere Stationen des Automaten sind übrigens Berlin, Düsseldorf und Hamburg.

Lustige Automaten (1)

U.

Schon vor Jahren berichtete ich einmal über einen Kunstautomaten in Frankfurt: Der Laden Designe, Kleine! bietet auch heute noch vor seinem Eingang Kleinigkeiten auf diese Weise an, eine Überraschungsschachtel kostet glaube ich 5 Euro.

Am Frankfurter Hauptbahnhof kann man seit Kurzem nun auch größere, teurere "Kunst" aus dem Automaten erwerben: Für um die 30 Euro kann man etwa Taschen oder Mäppchen aus extrem limitierten Kollektionen ziehen. Sicher ganz praktisch, wenn man mal schnell ein Geschenk braucht, aber so richtig angesprochen hat mich aus dem aktuellen Sortiment nichts.


Immerhin eine schöne, originelle Idee, allerdings momentan nur der zweitverrückteste Automat in seiner direkten Umgebung. Fortsetzung folgt!

Seifenblasen im Vorabendprogramm: Jens Lekman in Düsseldorf

U.
Den schwedischen Singer-Songwriter Jens Lekman habe ich schon vor einigen Jahren im Frankfurter Mousonturm live gesehen. Damals trat er mit einem kompletten Orchester auf, und besonders ist mir im Gedächtnis geblieben, dass alle Musiker goldene Schlüssel um den Hals trugen, was sie ein bisschen wie Sektenmitglieder wirken ließ.


Zwischendurch hat Herr Lekman einige Jahre pausiert und als Bingo-Croupier gearbeitet. Dann hat es ihn wohl doch wieder zur Musik gezogen, und so trat er in Düsseldorf im Rahmen des "New Fall"-Festivals auf. Selbiges hat sich zur Aufgabe gesetzt, Bands an der Grenze zwischen U- und E-Musik für erwachsenes Publikum in schönem Ambiente zu präsentieren. Auserkoren war der Robert-Schumann-Saal des Museum Kunstpalast, um "traditionellen Rockshow-Ritualen - matschigen Sounds, Hauptband erst kurz vor Mitternacht, muffigen Hallen" (Zitat Programmheft) zu entwachsen.  Neben Jens Lekman hätte man im Zeitraum zwischen dem 11. und 16. Oktober auch Gentleman, Nouvelle Vague, Jochen Distelmeyer und einige andere jeweils im Doppelpack sehen können - wenn man denn gewollt hätte.


Offenbar setzt man dabei auch auf ein eher betuchtes Publikum, denn den Kartenpreis von fast 30 Euro fand ich ziemlich happig. Hinzu kam, dass am selben Abend nach Jens Lekman, aber nicht im Rahmen desselben Konzertes, noch eine weitere Band auftrat. Um nach Herrn Lekman aber noch die ebenfalls schwedische Band Junip sehen zu können, hätte man aber noch einmal ebenso viel bezahlen müssen!

Wir erreichten Düsseldorf pünktlich kurz vor 19 Uhr, was auch gut war, denn in solchen altehrwürdigen Konzertsälen beginnen Veranstaltungen ja meist pünktlich. Und so betrat Herr Lekman auch recht bald die Bühne. Seit 2008 hatte er sowohl einiges an Haupthaar als auch einen Großteil seiner Begleitmusiker verloren: Ihn begleitete lediglich ein einzelner bärtiger Herr aus Indiana am Schlagzeug.  Die beiden spielten zuerst das uns unbekannte Lied "Every little hair knows your name". Danach folgten einige ganz neue Songs sowie zwei von seiner aktuellen, mir ebenfalls noch unbekannten, EP "An argument with myself". Lekmans Methode des Songwritings hat sich dabei seit 2008 nicht großartig verändert: Nach wie vor schreibt er ganze Lieder über höchstwahrscheinlich wahre Ereignisse aus seinem Leben, sei es, wie er einmal beinahe Kirsten Dunst kennen lernte oder auch, wie er zum Friseur geht.


Zunächst gab es außer Lekmans Gitarre und dem Schlagzeug keine weitere Begleitung, später ließ er aus einem kleinen Zauberkasten andere Instrumente wie Bläser und Streicher erklingen. Nachdem das ebenfalls neue Lied "Golden Key" endlich einmal die alte Schlüssel-Sache erklärte, wurde beim alten Favorit "The Opposite of Hallelujah" ein komplettes Orchester aus der Kiste geholt, aus der Decke regnete es Seifenblasen, man wurde aufgefordert, zu tanzen, Lekman spielte in der Luft Glockenspiel, der Funke sprang endlich aufs Publikum über ... und anschließend verließen die beiden Musiker die Bühne. Konnte das wahr sein? Es war doch noch vor 8 Uhr abends, und das Konzert hatte doch eben erst richtig begonnen!

Nach energischem Applaus kamen sie sofort zurück, und man konnte kurz darauf hoffen, dass das Konzert vielleicht zwei Hälften habe. Aber tatsächlich befanden wir uns bereits im Zugabenteil, nach zwei weiteren, temporeichen Songs mussten wir Lekman wieder hinter der Bühne hervor klatschen. Dieses Mal kehrte  er allein zurück, sang uns auf der Gitarre die ebenfalls alten und beliebten Songs "And I remember every kiss" und "Shirin" - wobei er bei letzterem ohne Mikrophon zur Gitarre singend durch den Saal wanderte - und dann war endgültig Schluss.


Durch weiteren frenetischen Applaus ließ sich Herr Lekman dann doch noch einmal hervor klatschen, aber nur, um mitzuteilen, dass er nicht mit einer weiteren Zugabe der Stimmung vom Ende von "Shirin" zerstören wolle. Er werde aber gleich im Foyer sein und sei dann bereit, auf Anfrage persönlich weitere Songs vorzusingen. Ob diesem Angebot jemand nachkam, weiß ich nicht, aber tatsächlich war der Künstler noch lange neben dem Merchandise-Stand, und es bildete sich vor ihm eine lange Autogramm-, Foto- und Konversationsschlange.

Wir schafften es dank der kurzen Abendgestaltung, bereits um 11 wieder in Koblenz zu sein. Das hatte auch seine Vorteile, dennoch wäre uns ein längeres Konzert mit mehr alten "Hits" deutlich lieber gewesen. Dann wäre man auch nicht so in Versuchung gekommen, den bezahlten Preis pro Lied auszurechnen. Oder die Anfahrtzeit mit der Konzertdauer zu vergleichen.


01: Every little Hair knows your Name
02: I saw her in the Anti-War Demonstration
03: A sweet Summer Night on Hammer Hill
04: An Argument with myself
05: Waiting for Kirsten
06: The End of the World is bigger than Love
07: Cowboy Boots
08: Black Cab
09: Golden Key
10: The Opposite of Hallelujah

11: That's the Way Love is (Ten City Cover)
12: Sipping on the sweet Nectar

13: And I remember every Kiss (Jens Lekman solo)
14: Shirin (Jens Lekman solo)

(Setliste bei Christoph geklaut)

Die Masche mit der Mütze

U.

Kürzlich sah ich im Supermarkt eine Broschüre, auf der ein Smoothie mit Mütze abgebildet war. Meine Aufmerksamkeit war gewonnen, das Heftchen kam mit in die Einkaufstasche und wurde daheim kopfschüttelnd studiert: Die Firma Innocent (die ich hier bereits zweimal erwähnte und die mich dennoch nicht sponsort) bittet jeden, kleine Smoothie-Mützchen zu stricken. Diese kommen dann ab 21. November in den Handel, genauer gesagt zu REWE, und für jeden verkauften Mützen-Smoothie bekommt das Rote Kreuz 30 Cent. Das Geld soll alten Menschen helfen, warm durch den Winter zu kommen.


Ich bin kein Mathe-Genie, dennoch überschlug ich kurz im Kopf: Wenn ich zehn Mützchen stricke, erwirtschafte ich damit ganze drei Euro für die Aktion, was mich jedoch auch mindestens zehn Stunden Zeit kostet, hinzu kommen noch Material- und Portokosten. Es wäre also um einiges sinnvoller, einfach drei Euro zu spenden!

Dann aber sah ich die vielen niedlichen Bilder der - zum Teil völlig durchgeknallten - Mützchen. Und dachte daran, dass ich noch irgendwo Stricknadeln habe. Und dass es doch auch Spaß macht, wenn man beim Handarbeiten so ein schnelles Erfolgserlebnis hat. Das (vorläufige) Ende vom Lied: Ich habe bei Ebay Wollreste gekauft und mittlerweile neun Mützen fabriziert. Und es ist noch kein Ende in Sicht, wegschicken muss ich sie nämlich erst Ende des Monats.


Übrigens findet diese Aktion in Großbritannien schon seit acht Jahren statt und soll in diesem Jahr mit 650 000 Mützchen eine Million Pfund einbringen! Und auch die Deutschen, Österreicher und Schweizer stricken schon fleißig: 3332 Mützen wurden bereits eingeschickt.

Falls noch jemand mitmachen möchte, was ich spaßtechnisch sehr empfehlen kann: Hier gibt es alle nötigen Informationen.


Meine eigenen Mützen sind nicht annähernd so schön wie die hier gezeigten, werden aber bei Gelegenheit ebenfalls präsentiert werden.

Neulich nach der Pornodiskussion

U.
Dank einer Verlosung von Markus Gardian hatten wir gestern Abend Gästelistenplätze für ein Konzert des Australiers Scott Matthew. Ein Blick in den Veranstaltungskalender des Mousonturms zeigte, dass der Auftritt im Rahmen eines dreitägigen Festivals namens „Bodies of Babel“ stattfinden sollte, das sich mit der Darstellung von Köperlichkeit und Sexualität im Wandel der Zeit beschäftigte – mit Gästen wie zum Beispiel Peaches oder der ehemaligen Pornodarstellerin Sasha Grey.


Für den gestrigen Abschlussabend war vor dem Konzert der Film Flaming Creatures inklusive Vorstellung und Diskussion angesetzt gewesen. Nachdem der Film, der 1963 wegen mehr oder weniger expliziter Sexszenen wohl für gewaltige Skandale sorgte, heute wohl eher von filmhistorischem Interesse ist, aber sicherlich in sich selbst keine Unterhaltung bietet, kamen wir, so dachten wir, erst pünktlich zum Konzertteil des Abends. Stattdessen hatte sich der Zeitplan aber verschoben, und so landeten wir mitten in der Diskussionsrunde zu dem Film, den wir nicht gesehen hatten, und wurden Zeugen, begeistert-intellektueller und auch abgestoßener Statements. Man fühlte sich im wahrsten Sinne des Wortes wie im falschen Film.

Als wir schon zu zweifeln begannen, ob Scott Matthew überhaupt noch auftreten würde, wurde doch noch ein Schlusspunkt gesetzt. Die noch völlig leere Bühne wurde überraschend schnell mit Flügel, Saiteninstrumenten und Hockern bestückt, und etwa um viertel nach 10 begann der Konzertabend. Der Saal hatte sich gegenüber der sehr dünn besetzten Filmdiskussionsrunde nun auch leicht gefüllt, dennoch gab es reichlich leere Stühle. Mehr als hundert Zuschauer waren sicherlich nicht da.

Herr Matthew (vom Conferencier fälschlich als Matthews angekündigt) betrat gut gelaunt mit seinen Mitmusikern Sam Taylor (Gitarre und Cello) und Eugene Lemcio (Bass und Flügel) die Bühne und griff selbst zu Ukulele, Gitarre und Rotweinglas. Und sang natürlich.


„How did the porn discussion go?“ wurden wir gefragt und bekamen erklärt, dass die Band erst nachmittags aus Barcelona eingeflogen und ziemlich müde sei. Es sei aber schön, in Deutschland zu sein, weil Scott „ein bisschen Deutsch“ spreche, auf Spanisch jedoch nur „Gracias“ heraus bekäme. Weitere Proben der Sprachkenntnisse erfolgten jedoch nicht.

Zunächst wurden gleich sieben Titel des aktuellen Albums „Gallantry’s Favorite Son“ gespielt (insgesamt blieb nur ein Lied von diesem Album ungespielt).

Im Mittelteil überwogen dann sehr die traurigen Liebeslieder – laut Matthew waren es drei, irgendwie schienen es aus Zuhörersicht aber mehr zu sein. Dabei wirkte er gar nicht wie jemand, der allein traurig Liebeslieder schreibt, sondern eher wie ein Typ von Musiker, der normalerweise fröhlich flirtend mit dem Rotweinglas in der Hand von Party zu Party zieht. Vielleicht lebt er seine innere Traurigkeit ja nur musikalisch aus.

Der Song „Duet“ war tatsächlich eines (Sam Taylor sang und Matthew begleitete ihn), und bei „Upside Down“ bekamen wir endlich erklärt, was Scott Matthew eigentlich mit Nacktheit oder gar Pornographie zu tun hat, das seine Rolle als Festival-Abschluss-Act erklären würde: Nicht so viel, aber er hat einiges zum Soundtrack des recht sexlastigen Films Shortbus beigetragen, und dieses Lied gehört dazu.


Bei „Friends and Foe“ erklärte Matthew, es handele sich um das letzte Lied aus seinem zweiten Album, und das er es sehr gerne spiele. Mein Freund war der Meinung, dass er von dieser Platte ruhig mehr hätte spielen dürfen.

Vor dem letzten Lied „No Place like hell“ bekamen wir noch erklärt, dass es sich anders als beim Rest, der nur Gejammer über ihn selbst und die Liebe sei, um ein politisches Lied handele. Und schon waren wir im Zugabenteil (das immer wieder selbst nachgefüllte Rotweinglas wurde dabei übrigens mit hinter die Bühne und zurück genommen), in dessen Rahmen wir eine höchst überraschende Coverversion von Rihannas „Only Girl“ hören durften. Diese ist im Rahmen eines New Yorker Musikprojekts namens „Hit Parade“ entstanden, in dem Künstler aktuelle Top 10-Hits covern „müssen“. Und meine Güte, hat Rihanna schlechte Texte – wie Scott Matthew zunächst singend heraus arbeitete und auch zusätzlich feststellte.

Ich weiß nicht, ob mein zum Ende hin schwieriger werdender Kampf gegen den Schlaf von der Bühne aus bemerkt wurde. Möglich wäre es, denn Matthew kommentierte auch einige andere Vorgänge von der Bühne aus und erkannte anscheinend auch einige Gäste von früheren Auftritten wieder. Jedenfalls verkündete er irgendwann, dass es natürlich bereits spät sei, er werde aber so lange singen, wie Rotwein übrig sei. So ganz hat er sich an diese Aussage nicht gehalten, denn nach Rihanna war Schluss, obwohl auf der Setliste noch ein Song namens „No Surprises“ (vielleicht von Radiohead?) stand.

Durch die wenigen Musiker, die Abwesenheit von Percussion und die eher wenigen Zuschauer wirkte dieser Konzertabend sehr intim, und wenn die Künstler über die eher geringe Zuschauerzahl enttäuscht gewesen sein sollten, hat man es ihnen nicht angemerkt. Schließlich unterhielt sich Matthew, wieder mehr der fröhliche Entertainer als trauriger Troubadour, nach dem Konzert im Foyer des Mousonturms mit seinen Fans, das nachgefüllte Rotweinglas fest in der Hand.



Setliste:
The Wonder Of Falling
True Sting
Black Bird
Felicity
Duet
Sinking
Buried Alive
Upside Down
Seedling
Sweet Kiss In The Afterlife
Friends And Foes
In The End
No Place Called Hell

Abandoned
Only Girl (Rihanna Cover)

(No Surprises – nicht mehr gespielt)

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