Still adorable: Pete Fij & Terry Bickers im Regensburger W1

U.
Vor ein paar Tagen gab es hier ja bereits ein Interview mit einem Held meiner Jugend, Pete Fijalkowski von Adorable. Vorgestern fand nun das damit promotete Konzert seines neuen Projekts Pete Fij & Terry Bickers (auch auf Facebook zu finden) in Regensburg statt.


Dabei steht sowohl die Band Adorable als auch Regensburg bei mir für Jugenderinnerungen: Die Band hörte ich erstmals vor etwas weniger als zwanzig Jahren im Radio, als ich mich gerade als Au Pair-Mädchen am äußersten südöstlichen Rand von London aufhielt. Die Radiolieder (Pete war bei einem Lokalsender zu Gast und spielte unter anderem "Homeboy" akustisch) waren so schön und emotional, dass ich nicht nur gleich am nächsten Tag die Debüt-CD "Against Perfection" erwarb, sondern zusätzlich auch das wenige Tage später stattfindende Konzert der Band im Underworld in Camden besuchte. Beide Entscheidungen waren gut, sowohl die CD als auch das Konzert entpuppten sich als phantastisch, aber wie bereits im Interview-Artikel erwähnt: Zur damals von mir erwarteten großen Karriere kam es für Adorable leider nicht.

Regensburg dagegen war von 1989 bis 1999 mit einigen Unterbrechungen (wie zum Beispiel dem London-Jahr) meine Heimatstadt - und als sich beim Konzertabend im W1 einige Gesichter einfanden, die ich schon viele Jahre nicht mehr gesehen hatte, und die nun irgendwie knitteriger und grau-umrahmter wirkten, drängte sich der Gedanke auf, dass auch ich nun schon eine ganze Weile erwachsen bin und man mir das möglicherweise ebenfalls ansieht.


Der Abend dieser zweifachen Erinnerung ans Älterwerden begann zunächst mit der Vorband Come Back Harriet - die Gruppe stammt aus München und hatte Pete und Terry bereits am Vorabend in ihrer Heimatstadt unterstützt. Ihre von der Band selbst als "Shoepunk" bezeichnete Musik reihte sich beinahe nahtlos in die vorab gespielten Lieder der Veranstalter Sublime (The Jesus & Marry Chain, Mazzy Star, The Stone Roses) ein, Punkaspekte konnten wir aber nicht entdecken. Dass die Ansagen zwischen den Liedern auf Englisch waren, verwunderte bei einer deutschen Band, wurde aber dadurch erklärt, dass der Sänger Brite und der Schlagzeuger Ire war. Beim letzten der insgesamt sieben Songs wurde angesagt, dass es sich um eine unbewusste Kopie eines anderen Songs handeln würde. Ich erkannte nichts, bekam hinterher aber von vertrauenswürdiger Quelle mitgeteilt, es sei "Come as you are" von Nirvana gewesen. Auf der Setliste entdeckten wir als klein gedruckte, eingeklammerte (und nicht gespielte) Zugabe noch "Sunshine Smile" - war hier ein Adorable-Cover geplant gewesen, aber nicht gespielt worden?

Setliste Come Back Harriet:

Cut the lights
Slow June
Funny Bones
Side
Daybreaks
Die by your Side
Marina


Die Hauptband befand sich dabei die ganze Zeit bereits unter uns: Bereits vor Konzertbeginn hatte Pete Kontaktpflege mit extra aus Dresden angereisten Fans (die mit uns um den "Pokal" für die weiteste Anreise aus Frankfurt beziehungsweise Koblenz konkurrierten) betrieben, und während Come Back Harriets Auftritt erwiesen Pete und Terry der Vorband Respekt, indem sie ganz vorne im Publikum standen.

In der Umbaupause, in der auf der Bühne an Barhockern gewerkelt wurde, lief nun wieder Sublime-Musik, unter anderem auch Adorables "A To Fade In", was vom schraubenden Pete mit einem Lachen und einer nicht hörbaren Bemerkung an Terry kommentiert wurde.


Und los ging's. Die beiden Herren nahmen mit ihren Gitarren (Pete akustisch, Terry elektrisch) auf ihren Hockern platz und begrüßten uns. Pete übernahm den Großteil der Kommunikation mit dem Publikum und des Gesangs, versicherte aber zunächst "Ich habe k(l)eine Deutsch" und verwies - sicherlich scherzhaft - auf Terry als den Deutschexperten im Team. Terry, der aufgrund seiner früheren Bandprojekte House of Love und Levitation in Shoegazekreisen ebenfalls eine Berühmtheit ist, ließ das unkommentiert.

Wie im Interview bereits angekündigt drehen sich Petes und Terrys Lieder hauptsächlich um verlorene Liebe, folglich war die Grundstimmung eher getragen-traurig, zu zwei Titeln gab es zusätzlich elektronische Beats. Die Atmosphäre des schönen und stimmungsvoll beleuchteten kleinen Konzertraums mit seinem sehr stillen und aufmerksamen Publikum eignete sich perfekt für die ruhigen Songs, und diese waren wesentlich weniger country/blues-lastig als befürchtet, sondern einfach gut. Erinnerungen an die langsameren Songs von Petes Band Polak wurden wach. Zweimal erzählte Pete zwischendurch längere Geschichten - vor "Parallel Girl" von einem Mädchen, an dessen Tür er zu Unizeiten unerklärlicherweise nicht klopfen konnte - was sicherlich den Beginn einer Beziehung bedeutet hätte - wobei er nur kurze Zeit später ein anderes Mädchen traf und letztendlich auch heiratete, weshalb sich dieses Lied um all die Entscheidungen dreht, die unseren Lebensweg beeinflussen, und deren Alternativen, die niemals Realität wurden.


Vor "Lost Property" lernten wir die Bärenhandpuppe Electricity Board kennen, die Pete als Kind vor einem Laden mit demselben Namen fand und der er schließlich, nachdem er sie zunächst zurückgelassen hatte, ein Zuhause anbot. Der Bär verbrachte den Rest des Konzerts schön angeleuchtet auf einem Mikrophonständer.


Nach "Out of Time" war dann erst einmal Schluss, das Duo kehrte aber für zwei Cover-Zugaben zurück und spielte sowohl mit Petes Ankündigung, dass er diesen Song vor 21 Jahren geschrieben habe, das bereits vorab gehörte "A To Fade In" von Adorable nun live als auch Naccy Sinatras "These Boots are mage for walkin'". Die Wahl von "A To Fade In" erfreute mich als alten Adorable-Fan einerseits sowieso sehr, andererseits passte sie für mich perfekt zu meinen Grübeleien hinsichtlich vergehender Zeit und Älterwerden, so heißt es im Text unter anderem: "I don't want to be a faded memory / All I want is to be me."

Leider nicht gespielt wurde das auf der Setliste eingeklammerte "Please, Please, Please, Let Me Get What I Want" der Smiths, aber man kann wohl nicht alles haben. Die Band fühlte sich sichtlich wohl und bedankte sich sowohl bei den Veranstaltern Sublime als auch dem Publikum ausgesprochen herzlich, im Rahmen einer für den Herbst geplanten Tour (bis zu der dann sicher auch das Album erhältlich sein wird) würde man auch gerne wieder kommen.



Setliste Pete Fij & Terry Bickers:

Loved & Lost
Queen of Stuff
Sound of Love
Downsizing
Betty Ford
I don't give a Shit
Parallel Girl
So hot
Breaking up
Lost Property
Out of Time

A to fade in
These boots are made for walkin'

2 Kommentare:

  1. many thanks! Great photos.

    if you could put a link to www.petefijterrybickers.com and www.facebook.com/petefijterrybickers that would be great.

    Hope to be back in the Autumn.
    All the best

    Pete

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