StyroTORpfeile

U.
Fußballfan-Aktionen fehlt es – in meinen, nicht sonderlich informierten Augen – häufig an Subtilität. Sei es, dass die Bayern-Fans letztes Jahr „Koan Neuer“ wollten (und dies auf während Spielen hoch gehaltenen Plakaten bekannt gaben) oder sei es, dass man aus mir unbekannten Gründen morgen auf Facebook „SCHEISS DFB“ posten soll: Zum Schmunzeln bringen solche Holzhammeraktionen wohl die wenigsten.


Als deutlich humorvoller erwiesen sich dagegen letztes Wochenende die Fans des 1. FC Magdeburg. Nachdem der Regionalligist mit nur 16 Toren die schlechteste Quote aller Teams in den ersten vier Spielklassen aufwies und seit 477 Minuten keinen Treffer mehr erzielt hatte, wollte man helfen. Offenbar hatte die Mannschaft ja Schwierigkeiten, sich auf dem Platz zu orientieren, und bei diesem Problem unterstützten die Fans sie auf originelle Weise, indem sie auf der Tribüne mit riesigen, neonfarbenen Styroporpfeilen erschienen und während des Spiels stets aus jeder Richtung aufs gegnerische Tor zeigten. Mit unterschiedlichen Choreographien konnte kein Zweifel daran aufkommen, wo der Ball sich hinbewegen sollte.

Die visuelle Unterstützung führte zu einem Teilerfolg, Magdeburg erzielte in diesem Spiel ein Tor – der Gegner Berliner AK allerdings zwei. Es bleibt abzuwarten, was den Fans nun einfällt, um der Mannschaft auch einmal zu einem Sieg zu verhelfen. Immerhin dürfte das Interesse der Allgemeinheit nun größer sein, denn die Pfeile schafften es sogar bis in die britische Presse.

Ein Video der Aktion gibt es ebenfalls:

Mein erstes Interview: Pete Fijalkowski (2)

U.
Frau Shapes, die dieses Interview arrangierte, las bei der Zusammenstellung unserer Fragen zufällig Nick Hornbys Roman Juliet Naked. In dem Buch kommt ein alternder Anhänger eines ehemaligen Musikstars vor, der - online mit Gleichgesinnten verbunden - in der Vergangenheit lebt und sich fast ausschließlich dafür interessiert, jeden Schritt, den der Künstler vor dreißig Jahren gemacht hat, nachzuvollziehen und zu interpretieren. Was dem Sänger selbst, dessen Sichtweise ebenfalls geschildert wird, einigermaßen suspekt ist. Na ja, glücklicherweise haben Miss Shapes und ich - denke ich - zu viele andere Interessen, als dass man sich da ernsthaft Sorgen um uns machen müsste. Hoffe ich zumindest. Hier kommt jedenfalls der zweite und letzte Teil des Interviews, der sich hauptsächlich um Petes literarische, cineastische und musikalische Vorlieben dreht - aber auch um seiner Erfahrungen beim Label Creation Records.

Was sind deine Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Creation Records?

Sie sind sehr gemischt – es war eine aufregende Zeit, aber viele von unseren Erfahrungen mit Creation waren nicht besonders gut. Ich wurde für die „Upside Down“-Dokumentation interviewt, aber ich glaube, vieles, von dem, was ich zu sagen hatte, passte nicht zu der Geschichte, die der Regisseur erzählen wollte, und so wurde es nicht benutzt.
Unser Verhältnis zu Alan McGee war auch zu guten Zeiten bestenfalls angespannt, und zum Rest der Creation-Hierarchie hatten wir eigentlich gar keine Beziehung, so dass, als Alan vom Radar verschwand, um seinen drogenverursachten Zusammenbruch zu haben, wir gar keinen Fürsprecher mehr beim Label hatten, das war natürlich keine schöne Erfahrung. Es war, als hätte man eine Beziehung mit einem Mädchen, bei dem man weiß, dass ihre Eltern einen nicht leiden können (und das Mädchen ist sich bezüglich seiner Meinung zu dir auch nicht ganz sicher!).

Nachdem wir alle den Film “Upside Down” über das Label gesehen hatten, waren wir geschockt wie schlecht und brutal diese Acid-Szene in alles hineinbrach. Wie hast Du das erlebt?

Ich glaube, unsere Plattenfirma nahm mehr Drogen als wir, aber es gab Menschen in meiner Umgebung, die sich redlich bemühten, mitzuhalten!

Viele alte Creation-Platten wie „Bandwagonesque“ von Teenage Fanclub oder „Nowhere“ von Ride werden gerade auf Vinyl wiederveröffentlicht. Gibt es solche Pläne auch für die Adorable-Alben?

2013 ist der zwanzigste Jahrestag der Veröffentlichung von “Against Perfection”, also wäre es toll, wenn wir so etwas zu diesem Anlass machen könnten.

1994 gab es in der Royal Albert Hall ein Festival, das Creations zehnten Geburtstag feierte, und fast alle Creation-Bands traten dort auf, Adorable aber nicht. Wurdet ihr gebeten, dabei mitzumachen? Oder wart ihr da schon im Begriff, euch zu trennen?

Ich habe schon immer davon geträumt, in der Royal Albert Hall zu spielen, aber wir wurden nicht eingeladen – was unsere Beziehung zum Label ganz gut zusammenfasst.

Mit unseren “Sublime”-Events haben wir den Grundstein für ein Shoegaze / Noisepop / Was-auch-immer-Revival gelegt. Gibt es diesen Trend auch in England?

Ja, in Großbritannien gibt es eine Art Nu-Gaze-Revival. Das ist lustig, weil Adorable sich eigentlich immer von Shoegaze distanziert haben – uns waren Songs und Texte wichtig, wir wollten keine Klanglandschaften, und damals wurden wir ziemlich wütend, wenn uns jemand „Shoegaze“ nannte. Heutzutage kann ich mich aber nicht mehr darüber aufregen, wenn uns jemand als Teil der Shoegaze-Bewegung bezeichnet. Vielleicht werde ich einfach alt – ich trage keine Wut mehr in mir. Vielleicht sollten Adorable sich deshalb nicht mehr wiedervereinigen.

Welche Künstler / Bands haben deine Musik am meisten beeinflusst?

Bei Adorable waren das Bands wie Echo & The Bunnymen, New Order, The Jesus & Mary Chain, The Smiths, The House of Love.
Bei Polak waren es eher Bands wie dEUS, Sparklehorse und Beck, aber für das neue Album sind es Leute wie:

Chet Baker
Vincent Delerm

Johnny Cash

Erzähl uns ein bisschen darüber, was dich im Moment so interessiert (Bands, Bücher, Filme usw.).

Ich liebe Filme – ich studierte Film an der Universität, als ich Adorable gründete. Mittlerweile lebe ich in einer kleinen Stadt namens Worthing, die einige Kilometer von Brighton entfernt liegt. Es gibt ein Kino dort, aber das zeigt keine Arthaus- oder fremdsprachige Filme, also habe ich mit einigen Freunden organisiert, dass dort einmal im Monat ein von uns ausgesuchter Film gezeigt wird.
In London leitete ich letztes Jahr das „On Location“ Filmfestival, in dessen Rahmen wir Filme in Gebäuden zeigen, die etwas mit dem Inhalt zu tun haben. In den letzten drei Jahren zeigten wir „Nachts im Museum“ nachts in einem Museum, wobei sich einige als Wachleute verkleideten und andere als Römer verkleidet zwischen den Ausstellungsstücken umherliefen. „The Big Lebowski“ zeigten wir in einem Bowlingcenter, und „Dawn of the Dead“ in einem Einkaufszentrum, und alle kamen als Zombies verkleidet.


Musik: Vor kurzem habe ich mir mit Terry Cashier#9 in einer kleinen Kneipe in Brighton angesehen, die waren toll.

Ich mag die Raveonettes
The Kills

Und die neue Jagwar Ma Single

Bücher: Meine Lieblingsautoren sind Haruki Murikami und Paul Auster. Auster veröffentlichte vor einigen Jahren eine Anthologie mit wahren Geschichten, und ich hatte früher einen Club namens „Speakeasy“, wo die Leute hinkamen und wahre Geschichten erzählten, das war toll. Die einzigen Regeln waren, dass keine Geschichte länger als sieben Minuten sein durfte, und sie musste wahr sein, ansonsten durften die Leute erzählen, was sie wollten. Es wurden einige wirklich phantastische Geschichten erzählt. Einmal verirrte sich zufällig Emiliana Torrini in den Pub (sie wusste nichts über den Clubabend und suchte eigentlich nach einem Freund), und sie hat eine großartige Geschichte über einen Freund erzählt, der in einem Wal feststeckte. Die Leute, die an dem Abend dabei waren, sprechen immer noch darüber, dabei ist das Jahre her.

Wie ist es so, in Brighton zu leben? Manche sagen ja, es sei momentan das bessere London.

Es ist ein aufregender Ort, an dem viel passiert, und man kommt überall zu Fuß hin, weil es nicht sehr groß ist. Ich lebe mittlerweile etwa 15 km weit weg an der Küste, wo es völlig anders ist – sehr ruhig, mit wenig Unternehmungsmöglichkeiten – und das gefällt mir fast genauso gut!

Kannst du uns Bands aus Brighton empfehlen?

Es ist eine talentierte Gegend.
Fujiya & Miyagi sind eine tolle Band - vor vielen Jahren war ich etwa drei Sekunden lang ihr Manager.


Ihr Bassist Matt, für den in Fujiya & Miyagi das „&“ steht, hat gerade seine Debütsingle herausgebracht – Jarvis Cocker von Pulp hat sie in seiner BBC-Radiosendung gespielt.


Hollow Moon sind ebenfalls eine großartige Entdeckung:


Jane Bartholmew ist eine großartige Sängerin und Songschreiberin, mit der ich gerne einmal zusammenarbeiten würde.


Mein erstes Interview: Pete Fijalkowski

U.
In den Neunziger Jahren verfolgte ich den recht schnellen Auf- und Abstieg der britischen Band Adorable. Beide Alben begeisterten mich, ich war bei zwei Konzerten in London, doch leider war es mit der Band recht schnell wieder vorbei. Sänger Piotr Fijalkowski kehrte später mit einer neuen, ebenfalls guten Gruppe namens Polak zurück, aber auch für diese Band fand der große Durchbruch nicht statt.


Obwohl Adorable im Vergleich zu Britpop-Abräumern wie Suede relativ unbekannt sind, sind mir im Lauf der Jahre immer wieder Menschen begegnet, die diese Band genauso schätzten wie ich, und stets war es eine ausgesprochen schöne Erfahrung, im Rahmen irgendeines Gesprächs zu entdecken, dass es Adorable doch in mehr Herzen geschafft hatte, als man meinen würde.

Meine Freunde von Sublime lernten Pete Fij - so kürzt er sich heutzutage ab - vorletztes Jahr in München kennen, man blieb in Kontakt und am Karsamstag wird Pete mit einem weiteren Mitglied einer recht bekannten Neunziger-Band, Terry Bickers von House of Love, in Regensburg auftreten - als Sublime-Event.

Für das Vorab-E-Mail-Interview zum Konzert habe ich auch einige Fragen beigesteuert und in verschiedene Richtungen übersetzt. Hier kommt Teil 1, in dem die Bickers-Fijalkowski-Kooperation erläutert wird, wir Petes Meinung zu Band-Wiedervereinigungen erfahren und das Ende der Band Polak erklärt wird.



Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Terry?

Ich kannte Terry ein wenig über einen gemeinsamen Freund und bat ihn 2009, mich bei einigen Auftritten zu unterstützen, bei denen ich Songs von mir in einem sehr reduzierten Stil spielte. Ich hatte Terrys Arbeit bei The House of Love immer sehr bewundert, und so hat es mich sehr gefreut, als einer meiner Jugendhelden Ja sagte. Die Konzerte liefen gut, und wir bekamen positive Reaktionen, also beschlossen wir, ein Album aufzunehmen.

Wann erscheint euer gemeinsames Album? Wie funktioniert das Schreiben der Lieder? Arbeitet ihr gemeinsam oder getrennt?

Wir haben noch keinen feststehenden Termin, aber wir sprechen mit zwei bis drei interessierten Firmen. Ich hoffe, wir schaffen es im Sommer oder Herbst 2012. Das Album enthält hauptsächlich Titel, die ich bereits geschrieben und aufgenommen hatte, aber aus Gründen, die ich selbst nicht so genau weiß, hatte ich sie noch nie jemand vorgespielt. Wir haben sie gemeinsam arrangiert, und so haben die Lieder sich weiter entwickelt – einige sind ihren ursprünglichen Versionen noch sehr ähnlich, andere bekamen zusätzliche Passagen. Einer der Titel, „Breaking Up“, basiert auf einer Gitarrenmelodie, die Terry vor vielen Jahren komponiert und jahrelang vergessen hatte, ich ging dann hin und nahm sie als Grundlage für einen Song.

Kannst Du schon etwas zur Setliste beim Regensburger (Sublime)-Konzert verraten?

Die genaue Setliste weiß ich noch nicht, aber wir werden die meisten Songs vom Album spielen, und zusätzlich wahrscheinlich ein oder zwei Cover. Als ich jünger war, hatte ich eine strikte „keine Coverversionen“-Politik, aber anscheinend bin ich mit den Jahren flexibler geworden – vielleicht, weil ich generell nicht mehr so empfindlich bin.

Die Texte sind bei deiner Musik immer sehr wichtig gewesen. Wie schreibst du sie? Hast du literarische Vorbilder?

Ich denke, auf dieser Platte sind die Texte tatsächlich sehr wichtig – vielleicht wichtiger als auf allen meinen bisherigen Alben – teils, weil sie wegen der sehr reduzierten Art der Musik so stark im Vordergrund stehen. Das Album hat ein zentrales Thema, das sich hindurchzieht: Das von verlorener Liebe. Ich habe keine bewussten Vorbilder, aber ich mag die extrakurzen Kurzgeschichten von Richard Braughtigan, weil er mit nur ein paar Sätzen eine Geschichte erzählen kann. Mir gefällt die Sparsamkeit seines Schreibstils. Ich glaube, mein eigener Stil ist mit zunehmendem Alter weniger verblümt und direkter geworden – heutzutage verstecke ich mich nicht mehr so oft hinter Metaphern.

Mit Terry wandelst du ja eher auf akustischen Pfaden. Hast du auch Lust, mal wieder mit einer ganzen Band zu spielen?

Ich würde gerne irgendwann wieder mit einer Band spielen, aber dieses Projekt mit Terry ist sehr darauf zugeschnitten, dass es nur uns beide gibt. Die Begleiterscheinungen davon, eine Band zu haben, machen es problematischer – damit meine ich das Organisatorische. Es wäre viel schwieriger für uns, für Auftritte nach Europa zu fahren, wenn wir mehr Personen wären, und auch die Schwierigkeiten dabei, vier oder fünf Menschen gleichzeitig in denselben Proberaum oder ein Aufnahmestudio zu bekommen, waren einer der Gründe, warum ich beschloss, erst einmal keine Band mehr zu haben. Ich stellte irgendwann fest, dass ich mehr Zeit damit verbrachte, für die anderen Leute zu organisieren, als damit, Musik zu schreiben und zu spielen. Ich habe noch ein anderes Projekt mit einem besser für eine richtige Band geeigneten Sound, an dem ich gerne irgendwann arbeiten würde, aber vielleicht läuft es auch darauf hinaus, dass ich alle Instrumente selbst spiele!

2012 ist das Jahr der Wiedervereinigungen: The Stone Roses, Happy Mondays, Mazzy Star. Bestehen Chancen für eine Adorable-Reunion? Hast du zu den anderen Bandmitgliedern noch Kontakt?

Ich spreche gelegentlich noch mit den anderen, aber sie haben mittlerweile alle respektable Erwachsenenberufe an Schulen und Universitäten, also glaube ich, dass eine Wiedervereinigung schwierig wäre. Man soll niemals nie sagen, aber es ist recht unwahrscheinlich – wobei die Antwort auf die nächste Frage vielleicht zeigt, wie ich zu solchen Dingen stehe.

Gibt es eine Band, deren Wiedervereinigung du selbst gerne sehen würdest?

Ich bin kein großer Fan davon, wenn sich Bands wieder zusammen tun. Im allgemeinen freut man sich darauf und ist dann etwas enttäuscht, wenn einem klar wird, dass die Band älter, grauer und dicker geworden ist – wie man selbst!

Das Ende von Adorable ist gut dokumentiert, aber wann und warum haben sich Polak getrennt?

Polak haben sich getrennt, weil die anderen Mitglieder arbeiten mussten, und obwohl One Little Indian anbot, mit uns ein drittes Album aufzunehmen, hätten wir daran nicht genug verdient, um uns ausschließlich auf die Band konzentrieren zu können (bei den ersten beiden Platten war das auch nicht anders). Die Tatsache, dass die anderen Bandmitglieder nicht die Möglichkeit hatten, sich von ihren Berufen frei zu nehmen, hätte bedeutet, dass wir keine Tour hätten machen können, um das Album zu promoten. Und ich hatte keine Lust, so viel Zeit und Mühe in ein Projekt zu stecken, das wir dann nicht ordentlich durchführen konnten. Ich habe das Glück, dass ich als Buchhändler selbständig bin, so kann ich mir so viel frei nehmen, wie ich möchte, aber dieses Glück hat nicht jeder.

Was denkst du als jemand, der beruflich mit Büchern zu tun hat, über E-Books?

Sie werden mich wahrscheinlich ruinieren, aber ich glaube, dass ich noch einige Jahre Bücher verkaufen kann. Meine Millionen werde ich dann mit der Musik verdienen müssen!

Aufgalopp zum Maifeld Derby: We Invented Paris

U.
Auch die Schweizer Band We Invented Paris schaffte es letztes Jahr unter die Jahresbesten bei Platten vor Gericht, und zwar auf Rang 10. Die Musiker sind bekannt für originelle Konzertideen, seien es eine Wohnzimmertournee oder ultrakurze Speedgigs. Man darf gespannt sein, ob sie sich für den Festival-Kontext auch etwas Ungewöhnliches überlegt haben.

Aufgalopp zum Maifeld Derby: Me And My Drummer

U.
Auch deutsche Bands treten beim Maifeld Derby auf. Neben The Audience (und seit neuestem auch Frittenbude) sind das auch Me And My Drummer, ein Duo aus Berlin, zu dem es bislang relativ wenig zu sagen gibt: Außer "Down My Couch" und "You're A Runner" existieren noch keine Songveröffentlichungen. Bis zum Maifeld wird aber ein Album erscheinen, und die Vorablieder klingen  stimmlich wie klanglich interessant.

Aufgalopp zum Maifeld Derby: Erland & The Carnival

U.
Heute war es endlich so weit und der letzte ausstehende Headliner des Festivals wurde bekannt gegeben. Es handelt sich um die Blood Red Shoes, die mich leider nicht so wahnsinnig interessieren. Mehr Begeisterung konnte ich dagegen für die allererste Bandbestätigung des Festivals aufbringen, die noch vor Weihnachten erfolgte: Erland & The Carnival.

Die Londoner haben bislang zwei Alben veröffentlicht. Das letzte, "Nightingale" landete im Jahresranking von Platten vor Gericht auf Platz neun. Ihr Retropop gehört auch bislang zu der Musik, die ich beim Festival am besten kennen werde. Das wird sicher ein schöner Auftritt.

Aufgalopp zum Maifeld Derby: The Miserable Rich

U.
Angeblich ist es morgen so weit, und der zweite Headliner des Maifeld Derbys 2012 wird endlich bekannt gegeben. The Miserable Rich sind auf dem Flyer des Festivals nur mittelgroß gedruckt, die Briten haben aber bereits drei Alben veröffentlicht. Das letzte, Miss you in the Days, ist eine Sammlung von Gruselgeschichten. Wie das an einem hoffentlich warmen Frühlingsabend unter fröhlichen Menschen wirkt, bleibt abzuwarten, aber ich hoffe einmal, die ruhigen Songs funktionieren auch in einem solchen Umfeld ganz gut. Darüber hinaus entdeckte ich soeben auf Simfy eine EP mit Coverversionen, was meine Vorfreude nochmals verstärkt. Ich mag Coverversionen.

Aufgalopp zum Maifeld Derby: Dear Reader

U.
Wie angekündigt, stelle ich nun einige Bands vor, die dieses Jahr beim Maifeld Derby auftreten werden. Noch wird wohl einer der beiden Headliner gesucht (wobei es traurigerweise definitiv nicht The Notwist sein werden), aber der Rest des Lineups steht weitgehend. Ich beginne mal mit Dear Reader, die ich letztes Jahr bereits in der Brotfabrik sehen konnte. Damals war die Band in einem Übergangszustand, denn beinahe alle bisherigen Mitglieder waren ausgestiegen und andere neu dazu gekommen.

Es wird interessant sein, zu sehen, ob Cherilyn McNeil immer so sympathisch und freundlich ist, wie sie es in der Brotfabrik war. Und ob die damalige Dear Reader-Besetzung sich weiter etabliert hat. Und, ob die Südafrikanerin mittlerweile noch mehr Ansagen auf Deutsch machen kann. Vielleicht gibt es ja auch schon neues Songmaterial zu hören?

Aufgalopp zur Festivalsaison

U.
Letztes Jahr besuchte ich die Premiere des Maifeld Derbys - das auf einem Reitplatz bei Mannheim stattfindet und deshalb nicht mit Pferdemetaphern geizt -  und berichtete hier zweiteilig darüber. Dass es eine Fortsetzung geben würde, wussten wir seit einer Ankündigung während des Get Well Soon-Auftritts - die Band hatte das Festival nämlich organisiert.

Nachdem die Kleinheit des Events und die Nähe zu Frankfurt durchaus einen guten Eindruck hinterlassen hatten, schenkte ich meinem Freund zu Weihnachten zwei "Scheuklappen-Tickets" für das Maifeld 2012. Scheuklappe stand hier für Blindkauf, denn Bandbestätigungen gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Mittlerweile hat sich das geändert, aber noch hoffen wir auf die Ankündigung eines Knallers wie es im letzten Jahr Slut, Get Well Soon oder auch - zumindest für uns - Hundreds und Diego waren. Immerhin hat das Maifeld 2012 aber bereits Erland & The Carnival, Friska Viljor, We Invented Paris und Dear Reader zu bieten.


Gespannt bin ich auch besonders auf die Verpflegungssituation in diesem Jahr. 2011 meckerte ich über den einzigen Essensstand, der außer einer beinahe sofort ausverkauften Gemüsepfanne für Vegetarier nur Pommes Frites (ohne Ketchup, denn das war am zweiten Tag ebenfalls alle) oder Kuchen zu bieten hatte. Für 2012 heißt es auf der Website, man wolle ein grünes Festival werden und plane deshalb unter anderem, viel vegetarisches Essen anzubieten. Das klingt doch prima.

Das Maifeld Derby 2012 findet genau heute in zwei Monaten statt, was ich zum Anlass nehme, in den nächsten Tagen einige der dort auftretenden Band vorzustellen.

Neulich als ich snackte

U.
Kürzlich stolperte ich irgendwo im Netz über das neue Produkt Bitebox. Das Hamburger Startup hat sich zum Ziel gesetzt, ungesunden und kalorienreichen Büro-Snackattacken mit etwas natürlicheren Zwischenmahlzeiten Einhalt zu bieten. Man abonniert Pappschachteln, die einmal pro Woche an den Arbeitsplatz (oder wohin man möchte) geliefert werden. Jede Box enthält vier "Mixe", also kleine Plastikschalen, die häufig mit Nuss-Trockenfrucht-Mischungen, manchmal auch mit anderem wie Schokomandeln, Asiacrackern oder Oliven gefüllt sein können. Bezüglich der Mixe kann man auf der Website Vorlieben und Abneigungen angeben, wird aber mit der konkreten Zusammenstellung des Pakets jede Woche neu überrascht.

So sieht die Bitebox auf den Pressefotos aus ...
Ich finde, dass speziell der Überraschungseffekt eine nette Idee ist, gehöre aber grundsätzlich eher nicht in die Bitebox-Zielgruppe: Eigentlich snacke ich nämlich nicht. Bevor ich ins Büro fahre, frühstücke ich, und mittags esse ich in den allermeisten Fällen eine richtige Mahlzeit. Dazwischen habe ich keinen Hunger, und auch wenn ich herumstehende Nüsschen natürlich mag, werde ich von solchen Leckereien lieber nicht in Versuchung geführt. Ausprobieren wollte ich den Spaß dann aber trotzdem, denn wenn man einen Einladungscode hat, ist die erste Box umsonst.

Und so wurde mir gestern die erste Schachtel - die praktischerweise übrigens so flach gestaltet war, dass sie in den Briefkasten passte - ins Büro geliefert. Enthalten war "Bamm", ein Mix aus kandiertem Ingwer und Paranüssen, "Korribar", Cashewkerne und Rosinen mit Currygewürz, "Süßer Vogel", eine Mischung aus Sonnenblumenkernen und Schokolade und "Goji-Zilla", eine Zusammenstellung von Gojibeeren, Sonnenblumenkernen und Johannisbeeren. Probiert habe ich bislang die ersten beiden Schächtelchen, und ihr Inhalt schmeckt sehr lecker.

... und so in echt (obere Pakete leicht angeknabbert).

Jedes Paket kostet - wenn man es nicht gerade geschenkt bekommt - 4,99 Euro, was relativ teuer erscheint. Ich schätze aber, die individuelle Zusammenstellung, die Verpackung und der Versand lohnen sich für einen niedrigeren Preis einfach nicht. Für mich und meinen Arbeitsalltag ist das System wie gesagt nur bedingt geeignet, aber ich denke, die nächsten paar Schachteln werde ich mir noch liefern lassen - abbestellen kann man nämlich jederzeit.

Etwas neidisch wurde ich allerdings, als mich eine englischstämmige Kollegin darauf hinwies, dass die Bitebox im Grunde nur eine Kopie der britischen Marke "Graze" ist. Tatsächlich ähneln die Konzepte einander unglaublich, aber mit dem Unterschied, dass Graze so einige zusätzliche Leckereien im Angebot hat, die es bei der Bitebox (noch?) nicht gibt. Insbesondere die kleinen Kuchen erregten meine Gier- und Neidgefühle.

Und hier das britische Vorbild - mit Flapjacks!
Falls jetzt noch jemand Lust bekommen hat, die Bitebox auszuprobieren: Mit dem Code DI0IJ bekommen Neuabonnenten ebenfalls die erste Box umsonst.

Neulich bei Marni

U.
Die Designerkooperationen von H&M wuchsen in den letzten Jahren recht inflationär. Neben der "klassischen"Aktion, die seit 2004 (Lagerfeld) jeden November stattfindet, gibt es zwischendurch mehr und mehr weitere, sowohl von echten Designern (Matthew Williamson, Sonia Rykiel) als auch von unechten (Madonna, Kylie Minogue). Und stets schaffte es H&M, dass sich bei Verkaufsbeginn vor den teilnehmenden Geschäften schon über Nacht lange Schlangen bildeten, damit sich hysterische Frauen bei Ladenöffnung brutal gegenseitig Kleidung aus der Hand reißen konnten. Viele der Kreationen wurden sofort von professionellen Ebayverkäufern zusammengerafft und gleich zum höheren Preis auf der Onlineplattform angeboten.


Irgendwie ist das alles natürlich höchst albern und hat dank Massenproduktion mit echter Designerbekleidung, die meist nur in geringen Stückzahlen von besonders hoher Qualität in den Handel kommt, wenig gemeinsam. Man kann sich auch berechtigt fragen, wie viele der Leute, die bei H&M blitzschnell die Regale leer kauften, im Vorfeld überhaupt Designer wie Viktor & Rolf oder Comme des Garçons gekannt und sich für ihre Kreationen interessiert hatten.


Dennoch neige ich bei jeder neuen Bekanntgabe einer "Designerkollektion" zu einer gewissen Spannung. Stets informiere ich mich sowohl über die konkreten Produkte (die man sich ja immer im Vorfeld bereits im Internet ansehen kann) und wäge ab, ob ich etwas davon haben möchte. Denn Massenproduktion hin oder her: Es gab in den vergangenen Jahren hin und wieder durchaus tolle Sachen zu kaufen. Im Rahmen der Vikton & Rolf-Aktion vor etlichen Jahren erwarb ich zum Beispiel einen Mantel, ein Kleid, Schuhe und sogar Unterwäsche. Habe und mag ich alles noch, die Qualität ist in Ordnung und die oft gelesene These, dass man diese Sachen dann dutzendfach auf der Straße wieder sieht, kann ich nicht bestätigen. Das passiert mit regulärer H&M-Ware um einiges häufiger.


Seit der Viktor & Rolf-Aktion vor schlappen sechs Jahren war allerdings auch nichts mehr für mich dabei: Weder die Jimmy Choo-Schuhe noch die Roberto Cavalli- beziehungsweise Lanvin-Fetzen konnten mich überzeugen. Um so erfreuter war ich über die Ankündigung der Marni-Aktion für dieses Frühjahr. Das italienische Modehaus kannte ich zwar nur, weil es mir in verschiedenen Online-Designershops über den Weg gelaufen war, aber die Kleidung und Schuhe hatten mir stets gut gefallen. Und auch die von H&M schließlich vorgestellte Kollektion enthielt vieles, das ich gerne näher betrachten wollte.


Die Kollektion, für die ich mich nachts irgendwo anstelle, muss allerdings erst noch erfunden werden, und so versuchte ich am Donnerstag, dem Tag des Verkaufsstarts, zunächst via Onlineshop mein Glück. Die Seite war aber natürlich überlastet, so dass ich dann meine Mittagspause dazu nutzte, das Ladengeschäft aufzusuchen. Und siehe da: Es gab noch eine Schlange, allerdings eine recht unhysterische, die sich auch sehr schnell vorwärts bewegte. Im designierten Einkaufsbereich konnte ich dann aber viele der Stücke, für die ich mich im Vorfeld interessiert hatte, bereits nicht mehr finden. Lediglich eine bunte Tasche von meiner "Einkaufsliste" war noch vorhanden und begleitete mich gemeinsam mit einem äußerst schlichten, aber hübschen Sandalenpaar zu Kasse, wo man mir eine äußerst beeindruckende Marni-Tüte überreichte. Schuhe und Tasche verfügen übrigens jeweils über einen Staubbeutel, was man bei H&M ja auch nicht alle Tage sieht.


Nach meiner Rückkehr an den Computer stellte ich dann fest, dass der Onlineshop mittlerweile wieder zugänglich und dort zudem noch etliches vorhanden war, das ich im Geschäft nicht gefunden hatte. Und so bestellte ich mir noch einen Rock, ein identisch gemustertes (und hier nicht gezeigtes) Oberteil und einen äußerst bunten Blazer. Ob ich das alles schön finde, wenn es ankommt, weiß ich natürlich noch nicht, aber grundsätzlich bin ich sowohl mit den Kleidungsstücken als auch mit dem Kaufprozess durchaus zufrieden und werde mich auch für zukünftige "Designerkollektionen" interessieren. Man muss dabei ja nicht kreischen und zuschlagen.

Game of Springfield

U.
Einige werden es bereits bemerkt haben, ich mag die Fernsehserie Game of Thrones sehr gerne und freue mich schon auf die zweite Staffel, die am 1. April in den USA anläuft. Staffel 1 war in Deutschland bislang nur im Pay TV zu sehen, ab dem 23. März zeigt sie aber auch RTL 2 (womit der sang- und klanglose Untergang der Serie in Deutschland eigentlich vorprogrammiert sein dürfte, siehe auch Dexter und True Blood).

Die Macher der Simpsons scheinen meinen Geschmack aber zu teilen, denn gestern stolperte ich auf Facebook über diesen Vorspann:


Und man erkennt auch sofort die Parallele zwischen den beiden Serien: Neben der generellen Großartigkeit teilen sie auch das Vorkommen dreiäugiger Tiere.

Neulich als ich eine Wohnung suchte

U.
Seit längerer Zeit strebe ich halbherzig einen Wohnungswechsel an. Das wird durch verschiedene Faktoren erschwert: Meine gegenwärtige Wohnung ist für Frankfurter Verhältnisse geradezu billig, es scheint auf dem Markt sehr wenige attraktive Mietwohnungen zu geben, und dann ist da noch die Nigeria Connection.

Beeindruckende Küche einer betrügerischen Immoscout-Anzeige
Dieselben Leute, die einen früher per E-Mail in seltsamem Englisch über Erbschaften in Millionenhöhe informierten oder einen baten, gegen extrem gute Belohnung Geld aus einem Krisengebiet zu schleusen, tummeln sich nämlich nun auch auf dem deutschen Immobilienmarkt. Das führt dazu, dass ich mit meinem E-Mail-Abonnement von Immoscout, das mich über verfügbare Mietwohnungen in meiner Preisklasse auf dem Laufenden halten soll, momentan mehrheitlich Spam erhalte.

Das sieht dann so aus, dass mir in derselben Mail eine, zwei oder gar drei Wohnungen angeboten werden, die einfach zu gut sind, um wahr zu sein: riesig, spottbillig, luxuriös möbliert, häufig inklusive aller Nebenkosten einschließlich Strom und WLAN. Der Trick ist dabei folgender: Auf solche Anzeigen soll man sich stets ausschließlich per E-Mail melden. Tut man das, erhält man eine lange, freundliche, englischsprachige Antwort, in der der angebliche Wohnungseigentümer alles mögliche über sein Leben im Ausland und seine Familie (inklusive Hund) erzählt. Bezüglich der Wohnung hatte man ursprünglich geplant, länger in Frankfurt zu leben, und sie deshalb gekauft und ausgestattet. Nun benötigt man sie aber nicht mehr und sucht einen zuverlässigen Mieter wie den aktuellen Bewerber, Geld ist dabei nicht so wichtig. Man habe aber keine Zeit, für die Wohnungsbesichtigung und -übergabe extra nach Frankfurt zu reisen. Deshalb solle der Interessent die erste Miete und Kaution über einen Treuhandservice einzahlen. Sobald das Geld eingegangen ist, erhält er die Wohnungsschlüssel und kann sich ein eigenes Bild von der Immobilie machen. Wenn alles gefällt, kann er sofort einziehen, bei Nichtgefallen schickt man den Schlüssel einfach zurück und bekommt sein Geld selbstverständlich wieder.

Der Fernseher bleibt natürlich drin, und einen Kamin gibt es auch.
Natürlich bekommt man aber nach Geldeinzahlung keinen Schlüssel, und der Treuhandservice ist keiner, sondern Western Union.

Zum Glück sind diese Angebote sehr einfach zu erkennen, weil eben zum ersten der Mietpreis einfach lächerlich niedrig angegeben wird und zum zweiten die Details auch unlogisch beziehungsweise nicht ortsüblich sind: Davon abgesehen, dass wohl kaum ein deutscher Vermieter Stromkosten und WLAN pauschal übernimmt, werden auch Ausstattungsmerkmale wie eine Klimaanlage angegeben, die man in deutschen Wohnungen normalerweise nicht vorfindet.

Leider nimmt die Zahl dieser Angebote mittlerweile so zu, dass mich innerhalb einer Woche im Februar, als ich mir die Mühe machte, nachzuzählen, neun dieser Betrugsinserate erreichten - und nur zwei echte Wohnungen. Es ist natürlich ziemlich ärgerlich, diese Betrugswohnungen wieder und wieder angeboten zu bekommen, und offenbar fällt es Immoscout schwer, etwas dagegen zu unternehmen. Oft sind die Angebote schon Stunden, nachdem sie eingestellt wurden, bereits wieder gelöscht, aber die Mails mit den Links zu ihnen erhalte ich trotzdem.

Wer bei diesem Preisvergleich keinen Betrug riecht, ist ziemlich leichtgläubig.
Übrigens werden für die Frankfurter Objekte immer wieder dieselben Adressen angegeben, und mit der Zeit hat man diese einfach im Kopf, was ihre Identifikation nochmals vereinfacht. Sollte allerdings tatsächlich einmal ein seriöser Vermieter eine tolle und günstige Wohnung an der Wiesenau 44, der Niedenau 59 oder der Rossittener Straße 13a zu vergeben haben, werde ich dieses Inserat mit Sicherheit löschen und verpassen.

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