Neulich bei den Avengers

U.

Seit Ewigkeiten freute ich mich auf den neuesten Marvel-Film, The Avengers. Gut, ich gehöre zu den wenigen Menschen, denen die beiden Iron Man-Filme nicht sonderlich gefallen haben, und diese bieten gemeinsam mit dem annehmbaren Thor und dem ebenfalls eher durchschnittlichen jüngeren Hulk-Film die Vorgeschichte zum Zusammentreffen all dieser Superhelden. Captain America, den letzten "Vorläufer", hatte ich wegen schlechter Kritiken im Kino gar nicht erst ansehen wollen.

Nichtsdestotrotz, ich mag Superheldenfilme, und das Konzept, viele Einzelfiguren in Filmen vorzustellen, und dabei auch meistens in einer "Post credit scene" auf das folgende Gemeinschaftsprojekt zu verweisen, gefiel mit ausnehmend gut. Und noch ein wichtiger Faktor sprach in meinen Augen für den Avengers-Film: Das Drehbuch und die Regie stammten von Joss Whedon, was mich als alten Buffy-Fan natürlich sehr freute. Buffy-Hassern sei übrigens gesagt, dass Whedon unter anderem auch das Drehbuch zum ersten Toy Story-Film schrieb, der in zahlreichen Rankings als einer der besten Filme überhaupt gilt. Nachdem ich Superhelden- und Actionfilme ausschließlich dann mag, wenn sie es schaffen, mich mit ihrer Handlung zu fesseln (was zum Beispiel drei von vier X-Men-Filmen gelang), rechnete ich mir bei einem Whedon-Film große Chancen auf einen angenehmen Abend aus.


Kurz gesagt: So richtig geklappt hat das nicht. The Avengers brach an seinem Eröffnungswochenende Kassenrekorde und erhielt durchweg positive Kritiken, aber er eignet sich in meinen Augen ausschließlich für wahre Actionfans, die eben gerne mal sehen wollen, wie es ist, wenn Thor gegen Iron Man kämpft. Oder Captain America gegen Loki. Oder alle gegen den Hulk. Während um sie herum New York in Stücke geschossen wird. Natürlich gibt es den einen oder anderen witzigen Dialog, die Figuren sind auch allesamt sympathisch, aber die Geschichte ließ mich völlig kalt und spielte letztlich auch keine große Rolle. Irgendeinen Grund musste es eben für all die Kämpfe und Explosionen geben, fertig.

Neben Iron Man, Hulk, Captain America und Thor gesellen sich auch Black Widow (eine Agentin ohne Superkräfte, die bereits in Iron Man 2 auftauchte) und Hawkeye, ein Bogenschütze (ebenfalls ohne Superkräfte) zum Team. Angeführt werden sie von Nick Fury (Samuel L. Jackson hat laut Wikipedia einen Vertrag, nach dem er diese Figur bis zu neunmal verkörpern soll - bis zu den Avengers geschah das stets in Miniszenen der Vorgängerfilme). Gemeinsam sollen sie verhindern, dass der aus Captain America bekannte "Tesseract", eine mysteriöse Energiequelle, von Loki mit Hilfe von Außerirdischen namens Chitauri dazu genutzt wird, die Welt zu zerstören. Was natürlich nach einer Krise und erheblichen Zerstörungen auch gelingt.

In einem Interview sagte Whedon auf die Frage, wie er sich eine Fortsetzung zu diesem Film vorstellt
...smaller. More personal. More painful. By being the next thing that should happen to these characters, and not just a rehash of what seemed to work the first time. By having a theme that is completely fresh and organic to itself.

Insofern freue ich mich nun einfach auf die Fortsetzung und hoffe, dass diese eher meinem Geschmack entspricht.


Frankfurt Vegetarisch (2): Suppengrün

U.
Manchmal stehe ich begeistert von der Vielfalt des Gemüseregals im Supermarkt, erwäge, mir etwa einen Blumenkohl oder gar etwas Ungewöhnliches wie Mangold zu kaufen.... und lasse es dann sein, weil ich für die konkrete Zubereitung wenig Ideen und auch keine große Lust dazu habe.


Vielleicht sind es Menschen wie ich, die den Imbiss-Gemüseladen inspiriert haben, den Suppengrün darstellt: Hier kann man nämlich im Hauptgeschäft nebenan alle erdenklichen Sorten (Bio-)Gemüse kaufen, Hungrige können aber auch gleich vor Ort eine gemüsige Mahlzeit einnehmen. Zur Auswahl stehe meistens mehrere Gemüsesuppen, Quiche, verschiedene Salate und auch Kuchen. Fleisch ist zum Teil als Suppeneinlage erhältlich, aber eher selten anzutreffen: Vegetarier haben also jede Menge Auswahl.


Der Laden ist recht ähnlich gestaltet wie die nahe gelegene Chili Queen: Für Kunden, die vor Ort essen möchten, gibt es nur wenig Platz. Sind alle Stühle besetzt, besteht aber die Möglichkeit, in den ebenfalls mit ein paar Plätzen ausgestatteten Gemüseladen nebenan auszuweichen. Und natürlich kann man auch alles mitnehmen.

Bei meinem Besuch letzte Woche wählte ich ein Gemüsecurry, das sich als ganz lecker, aber nicht sonderlich aufregend entpuppte. Immerhin dürfte es wesentlich fettärmer gewesen sein als ein äquivalentes Gericht beim Thailänder. Beim nächsten Mal werde ich sicher wieder eine Suppe oder einen Salat bestellen, denn diese konnten mich bei früheren Besuchen noch mehr überzeugen.


Ähnlich wie bei der Chili Queen gilt auch hier: So richtig günstig sind die Gerichte allesamt nicht. Die Suppen kosten zwischen 4,20 und 5,20 Euro, ein Stück Quiche 2,50 Euro und ein kleiner Salat je nach Zutaten 3,50 oder 4 Euro. Dafür hat man den Eindruck, dass alles tatsächlich im Laden aus dessen Produkten zubereitet wird. Darüber hinaus ist die Sättigungsbeilage Brot unbegrenzt umsonst zu haben.

Übrigens gibt es auch hier neben Gemüse noch weitere Produkte zum Mitnehmen, nämlich hauptsächlich Glaskuchen, Senf, Saucen und Schokolade. Suppengrün ist auf der Berger Straße 26.


Frankfurt Vegetarisch (1): Chili Queen

U.
Wäre ich ein risikofreudiger Mensch, würde ich eine Geschäftsidee umsetzen, die mich schon eine Weile begleitet. Frankfurt hat nämlich meines Wissens kein vegetarisches Restaurant, und das ist für eine Stadt dieser Größe doch ziemlich erstaunlich. Mein Restaurant wäre keineswegs öko-dinkel-naturholzmäßig, sondern es wäre so edel, dass es unter anderem die vielen Messebesucher und Geschäftsreisenden anziehen würde, die sich in dieser Stadt befinden - vegetarisch ist schließlich auch ein guter Kompromiss, wenn man verschiedene Nationalitäten und Ernährungsbedürfnisse zusammen bringt. Aber natürlich hätte ich keine Spesen-Abzocker-Kaschemme, sondern ein gutes, angenehmes und qualitativ hochwertiges Restaurant, in dem sich auch Einheimische wohlfühlen würden. So wäre das.

Nachdem mir aber leider alle Eigenschaften fehlen, die man dazu benötigen würde, erfolgreich ein Restaurant zu führen - neben Risikofreude benötigt man sicherlich auch Erfahrungen in der Gastronomie, Talent als Führungspersönlichkeit und eine starke Vision - wird es das Restaurant "Neulich" mit dem vegetarischen Essen, das so spannend ist, dass niemand das Fleisch vermisst, aber wohl nie geben. Also beschränke ich mich auf eines meiner vorhandenen Talente, das Essen. Und nachdem Frankfurt zwar kein echtes vegetarisches Restaurant hat, aber über zahlreiche Orte mit gutem Angebot für Vegetarier verfügt, habe ich beschlossen, einige davon hier vorzustellen.


Beginnen wir mit der Chili Queen. Das winzige Lokal befindet sich im hippen Stadtteil Nordend, genauer gesagt auf dessen Flaniermeile, der Berger Straße. Hier sind die Mieten hoch und das Publikum zahlungswillig, und das merkt man dem Laden auch an: Nicht nur wird die geringe Quadratmeterzahl effizient ausgenutzt, die Preise sind für einen Imbiss auch eher am oberen Ende. Das ist aber auch das einzige Kritische, was mir zu dem Etablissement einfällt.

Die Essensauswahl lässt sich aus dem Namen erschließen: Es gibt hauptsächlich Chili, in groß oder klein, mit oder ohne Salat oder Reis. Beim Chili selbst hat man stets die Wahl zwischen drei fleischhaltigen und zwei vegetarischen Varianten, wobei die konkreten Sorten wechseln. So hatte ich bei meinem heutigen Besuch eigentlich vor, endlich einmal das Hanf-Chili zu probieren, es war aber durch ein Quinoa-Chili ersetzt worden. Also nahm ich stattdessen das "normale" Gemüse-Chili - in groß, denn das entspricht einer normalen Mittagsportion. Zu seinem Chili bekommt man, wenn man möchte, einen Löffel Schmand und Brot, und außerdem noch einen bis zwei Chili-Streuer (inklusive genauen Erklärungen zu den enthaltenen Sorten), mit denen man sein Essen individuell nachschärfen kann.


Nicht nur hier zeigt sich, dass die Betreiber eine echte Leidenschaft für Chili hegen. Man kann nämlich auch Dutzende Sorten von Chilisaucen und -pulver kaufen, dazu auch noch Jalapenos im Glas, Chili-Mandeln und Habanero Chips. All die Flaschen, Tütchen und Gläser sind so hübsch gestaltet, dass sie die Atmosphäre des Ladens positiv beeinflussen - alles sieht so schön bunt und durcheinander aus.

Bei der Getränkeauswahl fällt wiederum auf, dass man sich im modischen Nordend befindet, denn hier gibt es jede erdenkliche Art von Hipsterbrause: Afri Cola, Fritz Cola und Limo, Club Mate, Chari Tea, Lemon Aid. Es ist quasi unmöglich, ein langweiliges Getränk zu bestellen.

Auch wenn man an den langen Tischen an der Wand nicht sonderlich bequem sitzt (bei Sonnenschein kann man auch ebenfalls eher unkomfortabel draußen sitzen), laden Zeitungen und Asterixbände zum längeren Verweilen ein, und man kann sich dazu auch verschiedene Kaffeespezialitäten und Cookies kaufen.


Ich war hier nun schon mindestens viermal, wurde jedes Mal ausgesprochen freundlich bedient, habe gut gegessen und den hübschen Laden genossen. Die Chilipreise beginnen bei 3,90 Euro (kleines Gemüsechili) und enden bei 6,80 Euro (Fleisch-Chili mit Reis und Salat). Die Chili Queen befindet sich auf der Berger Straße 77.

Still adorable: Pete Fij & Terry Bickers im Regensburger W1

U.
Vor ein paar Tagen gab es hier ja bereits ein Interview mit einem Held meiner Jugend, Pete Fijalkowski von Adorable. Vorgestern fand nun das damit promotete Konzert seines neuen Projekts Pete Fij & Terry Bickers (auch auf Facebook zu finden) in Regensburg statt.


Dabei steht sowohl die Band Adorable als auch Regensburg bei mir für Jugenderinnerungen: Die Band hörte ich erstmals vor etwas weniger als zwanzig Jahren im Radio, als ich mich gerade als Au Pair-Mädchen am äußersten südöstlichen Rand von London aufhielt. Die Radiolieder (Pete war bei einem Lokalsender zu Gast und spielte unter anderem "Homeboy" akustisch) waren so schön und emotional, dass ich nicht nur gleich am nächsten Tag die Debüt-CD "Against Perfection" erwarb, sondern zusätzlich auch das wenige Tage später stattfindende Konzert der Band im Underworld in Camden besuchte. Beide Entscheidungen waren gut, sowohl die CD als auch das Konzert entpuppten sich als phantastisch, aber wie bereits im Interview-Artikel erwähnt: Zur damals von mir erwarteten großen Karriere kam es für Adorable leider nicht.

Regensburg dagegen war von 1989 bis 1999 mit einigen Unterbrechungen (wie zum Beispiel dem London-Jahr) meine Heimatstadt - und als sich beim Konzertabend im W1 einige Gesichter einfanden, die ich schon viele Jahre nicht mehr gesehen hatte, und die nun irgendwie knitteriger und grau-umrahmter wirkten, drängte sich der Gedanke auf, dass auch ich nun schon eine ganze Weile erwachsen bin und man mir das möglicherweise ebenfalls ansieht.


Der Abend dieser zweifachen Erinnerung ans Älterwerden begann zunächst mit der Vorband Come Back Harriet - die Gruppe stammt aus München und hatte Pete und Terry bereits am Vorabend in ihrer Heimatstadt unterstützt. Ihre von der Band selbst als "Shoepunk" bezeichnete Musik reihte sich beinahe nahtlos in die vorab gespielten Lieder der Veranstalter Sublime (The Jesus & Marry Chain, Mazzy Star, The Stone Roses) ein, Punkaspekte konnten wir aber nicht entdecken. Dass die Ansagen zwischen den Liedern auf Englisch waren, verwunderte bei einer deutschen Band, wurde aber dadurch erklärt, dass der Sänger Brite und der Schlagzeuger Ire war. Beim letzten der insgesamt sieben Songs wurde angesagt, dass es sich um eine unbewusste Kopie eines anderen Songs handeln würde. Ich erkannte nichts, bekam hinterher aber von vertrauenswürdiger Quelle mitgeteilt, es sei "Come as you are" von Nirvana gewesen. Auf der Setliste entdeckten wir als klein gedruckte, eingeklammerte (und nicht gespielte) Zugabe noch "Sunshine Smile" - war hier ein Adorable-Cover geplant gewesen, aber nicht gespielt worden?

Setliste Come Back Harriet:

Cut the lights
Slow June
Funny Bones
Side
Daybreaks
Die by your Side
Marina


Die Hauptband befand sich dabei die ganze Zeit bereits unter uns: Bereits vor Konzertbeginn hatte Pete Kontaktpflege mit extra aus Dresden angereisten Fans (die mit uns um den "Pokal" für die weiteste Anreise aus Frankfurt beziehungsweise Koblenz konkurrierten) betrieben, und während Come Back Harriets Auftritt erwiesen Pete und Terry der Vorband Respekt, indem sie ganz vorne im Publikum standen.

In der Umbaupause, in der auf der Bühne an Barhockern gewerkelt wurde, lief nun wieder Sublime-Musik, unter anderem auch Adorables "A To Fade In", was vom schraubenden Pete mit einem Lachen und einer nicht hörbaren Bemerkung an Terry kommentiert wurde.


Und los ging's. Die beiden Herren nahmen mit ihren Gitarren (Pete akustisch, Terry elektrisch) auf ihren Hockern platz und begrüßten uns. Pete übernahm den Großteil der Kommunikation mit dem Publikum und des Gesangs, versicherte aber zunächst "Ich habe k(l)eine Deutsch" und verwies - sicherlich scherzhaft - auf Terry als den Deutschexperten im Team. Terry, der aufgrund seiner früheren Bandprojekte House of Love und Levitation in Shoegazekreisen ebenfalls eine Berühmtheit ist, ließ das unkommentiert.

Wie im Interview bereits angekündigt drehen sich Petes und Terrys Lieder hauptsächlich um verlorene Liebe, folglich war die Grundstimmung eher getragen-traurig, zu zwei Titeln gab es zusätzlich elektronische Beats. Die Atmosphäre des schönen und stimmungsvoll beleuchteten kleinen Konzertraums mit seinem sehr stillen und aufmerksamen Publikum eignete sich perfekt für die ruhigen Songs, und diese waren wesentlich weniger country/blues-lastig als befürchtet, sondern einfach gut. Erinnerungen an die langsameren Songs von Petes Band Polak wurden wach. Zweimal erzählte Pete zwischendurch längere Geschichten - vor "Parallel Girl" von einem Mädchen, an dessen Tür er zu Unizeiten unerklärlicherweise nicht klopfen konnte - was sicherlich den Beginn einer Beziehung bedeutet hätte - wobei er nur kurze Zeit später ein anderes Mädchen traf und letztendlich auch heiratete, weshalb sich dieses Lied um all die Entscheidungen dreht, die unseren Lebensweg beeinflussen, und deren Alternativen, die niemals Realität wurden.


Vor "Lost Property" lernten wir die Bärenhandpuppe Electricity Board kennen, die Pete als Kind vor einem Laden mit demselben Namen fand und der er schließlich, nachdem er sie zunächst zurückgelassen hatte, ein Zuhause anbot. Der Bär verbrachte den Rest des Konzerts schön angeleuchtet auf einem Mikrophonständer.


Nach "Out of Time" war dann erst einmal Schluss, das Duo kehrte aber für zwei Cover-Zugaben zurück und spielte sowohl mit Petes Ankündigung, dass er diesen Song vor 21 Jahren geschrieben habe, das bereits vorab gehörte "A To Fade In" von Adorable nun live als auch Naccy Sinatras "These Boots are mage for walkin'". Die Wahl von "A To Fade In" erfreute mich als alten Adorable-Fan einerseits sowieso sehr, andererseits passte sie für mich perfekt zu meinen Grübeleien hinsichtlich vergehender Zeit und Älterwerden, so heißt es im Text unter anderem: "I don't want to be a faded memory / All I want is to be me."

Leider nicht gespielt wurde das auf der Setliste eingeklammerte "Please, Please, Please, Let Me Get What I Want" der Smiths, aber man kann wohl nicht alles haben. Die Band fühlte sich sichtlich wohl und bedankte sich sowohl bei den Veranstaltern Sublime als auch dem Publikum ausgesprochen herzlich, im Rahmen einer für den Herbst geplanten Tour (bis zu der dann sicher auch das Album erhältlich sein wird) würde man auch gerne wieder kommen.



Setliste Pete Fij & Terry Bickers:

Loved & Lost
Queen of Stuff
Sound of Love
Downsizing
Betty Ford
I don't give a Shit
Parallel Girl
So hot
Breaking up
Lost Property
Out of Time

A to fade in
These boots are made for walkin'

Tim Burton 2012 (2): Dark Shadows

U.
Auch Tim Burtons anderes bevorstehendes Regiewerk behandelt keinen taufrischen Stoff: Dark Shadows ist eine Soap Opera aus dem US-Fernsehen der Sechziger / Siebziger Jahre, von der sowohl Tim Burton als auch sein Mal-wieder-Hauptdarsteller Johnny Depp besessen waren.


Die damalige Serie lief tagsüber und war keine besonders aufwändige Angelegenheit: In den insgesamt 1225 Folgen gab es zahlreiche Schauspielerwechsel, etliche Darsteller mussten auch mehrere Rollen verkörpern, am Set wackelte es öfters und Mikrophone ragten ins Bild: Es überrascht nicht, dass der Ed Wood-Fan Burton begeistert war.

Im neuen Kinofilm darf Johnny Depp nun Barnabas Collins - sein Kindheitsidol  - verkörpern.  Die Figur wurde von einer von ihm zurückgewiesenen Hexe im 18. Jahrhundert in einen Vampir verwandelt. Im Jahr 1972 entkommt Barnabas endlich aus seinem Sarg und begegnet seinen Nachfahren, die in seinem mittlerweile verfallenen Landsitz hausen.

Das Ganze klingt nach einem derart idealen Burton-Projekt, dass ich überrascht bin, dass es erst jetzt realisiert wird. Könnte gut werden.

Tim Burton 2012 (1): Frankenweenie

U.
Was macht eigentlich Tim Burton so? Seit seiner knallbunten Alice-Verfilmung hatte ich nichts mehr gehört, tatsächlich hat das aktuelle Jahr aber so einiges für die Fans zu bieten.


Da wäre zum ersten Frankenweenie. Als ich den Trailer zum Animationsfilm über einen Frankenstein-artig wiederbelebten Familienhund sah, packten mich die Deja vues: Die Optik des neuen Films erinnerte an Coraline oder Nightmare before Christmas. Und was den Titel betraf: Das gab es doch schon einmal? In der Tat ist Frankenweenie ursprünglich ein Film von 1984, der sich in voller Länge auf meiner DVD von Nightmare Before Christmas befindet. Burton wurde nach Erstellung des Films von Disney gefeuert, weil er nach Meinung des Konzerns Ressourcen auf einen Film verschwendet hatte, der für junge Zuschauer zu gruselig war.

Mittlerweile haben die Zeiten sich offenbar geändert, denn auch das jetzige Remake - mit Stop-Motion-Technik und natürlich in 3D - ist ebenfalls von Disney. Der Schwarzweißfilm (Ob es wohl schon einmal einen schwarzweißen 3 D-Film gegeben hat?) kommt im Oktober in die US-Kinos, dann dürfte es für die Deutschen sicher auch nicht viel länger dauern. Ich nahm die Neuverfilmung zum Anlass, das Original von 1984 endlich einmal anzusehen und muss sagen, dass ich durchaus verstehen kann, dass Disney den Film als nicht kindergeeignet betrachtete. Schön ist er trotzdem, aber ich frage mich, wie die in dreißig Minuten durchaus fertig erzählte Geschichte auf Spielfilmlänge gestreckt wurde. Man darf gespannt sein ...

Den Originalfilm kann man auf Youtube - und jetzt hier - komplett ansehen (30 Minuten).

Wednesday on Monday: SoKo im Wiesbadener Schlachthof

U.
Bis gestern Abend hielt ich die französische Sängerin SoKo für nicht sonderlich bekannt. Sicher, sie hatte vor einigen Jahren einen Mini-Hit mit "I'll Kill Her", aber das ist ja auch schon eine Weile her, in der es sehr still um die Sängerin und Schauspielerin war ... ich rechnete für ihren Auftritt im Wiesbadener Schlachthof also nicht mit riesigem Andrang. Weit gefehlt, offenbar ist Sokos neues (und erstes) Album "I Thought I Was An Alien" unter hessischen Jugendlichen (die einander übrigens sehr gerne mit Blitz fotografieren) ein ganz schöner Renner. Der kleinere Raum das Schlachthofs füllte und füllte sich, während die Temperatur stieg und stieg.


Zunächst lernten wir die Vorband in Form des Solokünstlers Luke Rathborne kennen - wie viele der Publikumsmitglieder schien auch er unter 18 zu sein. Er versuchte, die Sympathie des Publikums zu gewinnen, indem er erst über andere bereits besuchte deutsche Städte und dann über Frankreich lästerte - insbesondere letzteres stieß aber nur auf Befremden. Dafür durfte er auf Anfrage einmal an einem Joint (vielleicht war's auch nur eine Zigarette, das war mit Rücksicht auf sein Alter wohl auch aufregend genug) aus dem Publikum ziehen. Seine Musik bestand aus endlosen Liedern, die teils an der Gitarre oder (nervig, da zu hoch) am Klavier vorgetragen wurden. Nach einigen Songs erfolgte ein abrupter und wortloser Abgang hinter die Bühne - offenbar hatte das Publikum etwas falsch gemacht. Was er wohl heute Abend über uns auf der Bühne in Köln erzählt?

Weiter ging's sehr schnell mit SoKo selbst, die uns in einem langen Blümchenkleid, das sie mit einer gewagten Sandalen-Socken-Kombination trug, begrüßte. Mit ihrem etwas kindlichen Äußeren und den langen, wirren, schwarzen Haaren hätte sie sich auch jederzeit als Wednesday Addams verkleiden können. Die Begrüßung war freundlich, aber erschreckenderweise auch weitgehend stimmlos-krächzend. Das erste Lied, "Treat Your Woman Right" wurde dann auch eher zum Sprechgesang, dessen wenige, offenbar gequälte Gesangseinlagen zwar gut zur Atmosphäre des Lieds passten, mich aber auch erwarten ließen, dass das Konzert bald abgebrochen werden würde.


Auch hier hatte ich Unrecht. SoKo kommentierte, dass ihre Stimme "fucked up" sei und bat dringend darum, nicht mehr zu rauchen, da das ihre Schmerzen vergrößern würde. Aber sie sang weiter, und es gelang ihr auch relativ gut. Dafür ergab sich ein neues Problem: Die Sängerin hatte zu Beginn des Konzerts um Ruhe gebeten, und darauf war auch die vorher recht laute Klimaanlage abgeschaltet worden. Was zunächst nach einer guten Idee klang, führte in kurzer Zeit dazu, dass der kleine Raum unglaublich heiß wurde und auch kaum noch Sauerstoff zu enthalten schien. Hoffentlich hat die Schwitzkur zumindest SoKos Stimme gut getan, aus Publikumssicht war es nämlich schwer auszuhalten.

Gemeinsam mit zwei Begleitmusikern an Geige und Gitarre, sowie dem für einige Lieder lustlos zurückkehrenden Luke Rathborne, spielte SoKo viele Lieder vom aktuellen Album, wenige ältere und einige neue - anscheinend hat sie nämlich schon etliches für zukünftige Veröffentlichungen aufgenommen. Sie war begeistert von einer Gruppe lesbischer Mädchen, die vor der Bühne tanzte, und sagte stolz ihren angeblich einzigen deutschen Satz: "Ich mag Muschis!" Das darauf folgende Lied "Why Don't You Eat Me Now You Can?" hat allerdings, wie wir nun wissen, nichts mit Sex zu tun, sondern dreht sich ausschließlich ums Veganerleben.


"Destruction Of The Disguisting Ugly Hate" kündigte SoKo mit den angesichts des Titels eher lustigen Worten "This is not a happy song!" an, und fuhr fort: "If you are here to hear happy songs, you've come to the wrong place!" Dennoch empfand ich die Liverdarbietung der natürlich allesamt deprimierenden Lieder des Debütalbums als leichter erträglich als auf CD, denn hier konnte man SoKo zumindest zwischen den Liedern lachen sehen und sich vergewissern, dass sie nicht kurz vor dem Selbstmord steht.

Verschiedene Mal wurde beispielsweise das Publikum zum Mitmachen animiert, so wurden wir bei "Little Mermaid Man" aufgefordert, einen Meerjungfrauenchor zu bilden - was ganz gut gelang - später sollten zwei Damen auf der Bühne mitsingen und ein Herr "wie ein Alien tanzen", was weniger erfolgreich verlief.

Auch SoKos Auftritt endete etwas abrupt, aber nicht unfreundlich: Sie teilte mit, dass leider immer noch geraucht würde und deshalb das Singen nun beenden werde. Zugaben seien nicht ihre Art, man könne sich aber am Merchandise-Stand eine Umarmung abholen. So bekam Wiesbaden letztlich weniger Lieder geboten als andere Tourneeorte, aber angesichts der Raumluftsituation konnten wir das besser verschmerzen, als das sonst der Fall gewesen wäre.

Setliste (geklaut bei Christoph):

01: Treat Your Woman Right
02: I Just Want To Make It New With You
03: People Always Look Better In The Sun, Pt. 1
04: Trapped In Freedom (Neu)
05: Why Don't You Eat Me Now You Can
06: Little Mermaid Man (Neu?)
07: I've Been Alone Too Long
08: We Might Be Dead By Tomorrow
09: Don't You Touch Me
10: Destruction Of The Disguisting Ugly Hate
11: I Never Meant To Hurt You (?)
12: Margot (Neu) (?)
13: First Love Never Dies
14: I Thought I Was An Alien
15: Happy Hippie Birthday
16: You Have A Power On Me

The Killer in me is the Killer in you

U.

Leser dieses Blogs wissen, dass ich zwei Katzen besitze. Wohnungskatzen, die sich von Fertigfutter ernähren. Die beiden sind nicht sonderlich mutig, und insbesondere die flauschige Elmo nimmt so harmlose Ereignisse wie das Geräusch der Türklingel oder das Hervorholen des Staubsaugers zum Anlass, sich manchmal stundenlang unter meiner Bettdecke zu verschanzen.

Als ich letzten Donnerstag morgens beinahe abmarschbereit fürs Büro war, hörte ich plötzlich einen Aufprall. Mein erster Gedanke war, dass Elmo, die es liebt, auf dem Balkon zu sitzen, abgestürzt sein könnte. Schnell lief ich ins Wohnzimmer, und dort kam mir die vermeintlich Gefallene entgegen - stolz und mit einer Kohlmeise im Maul. Der arme Vogel musste unüberlegt auf meinen Balkon gelandet sein, und Elmo hatte ihn mit einem Satz (den ich gehörte hatte) geschnappt.

Nun lag der leblose Vogel auf meinem Teppich, und die Katze saß augenscheinlich ratlos davor und stupste ihn gelegentlich an.

Ich war entsetzt. Natürlich war mir bekannt gewesen, dass Katzen Raubtiere sind und Vögel fangen. Dass das der so Stofftier-ähnlichen Elmo nach schlappen acht Jahren in meinem Haushalt gelingen würde, hatte ich aber im Leben nicht erwartet.


Ich musste ins Büro und der Vogel aus der Wohnung - ich konnte den Katzen ja schlecht erlauben, ihn auf meinem Teppich zu zerlegen, und im Moment wirkten die beiden (Kami war mittlerweile ebenfalls interessiert dazu gestoßen) auch eher von der Situation überfordert. Oder übertrug ich da nur meine eigenen Gefühle?

Nach vielen "Ohgottogotts" und dem verzweifelten und ergebnislosen Überlegen, wem sonst ich diese Aufgabe aufs Auge drücken könnte, holte ich eine Mülltüte und bugsierte den kleinen Vogel hinein. Dabei zeigte sich allerdings, dass das arme Tier nicht, wie ich wegen seiner Regungslosigkeit gedacht hatte, tot war. Aus Geschichten von anderen Katzenbesitzern wusste ich, dass die moralische Handlung in einem solchen Fall wäre, das Leiden des Tierchens zu verkürzen und es umzubringen. Aber wie bloß? Hals umdrehen erschien mir unmöglich. Schließlich knotete ich die Tüte zu und hoffte, dass der kleine Vogel möglichst bald ersticken würde.

Später las ich dann im Internet, dass Vögel, die von einer Katze erwischt werden, häufig in einen Schockzustand verfallen und das keineswegs bedeutet, dass sie sich nach etwas Ruhe nicht wieder beruhigen und erholen können. Insofern hatte ich auch noch falsch gehandelt. Zu meinem Trost stand im selben Artikel allerdings, dass selbst ein kleiner Biss einer Katze für die meisten Vögel - auch wenn sie sich zunächst wieder erholen - tödlich ist. Hoffentlich bin ich - auch noch als einzige Vegetarierin - also nicht die eigentliche Killerin in meinem Haushalt.


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