Fleischeslust: Maultaschen

U.

Irgendwie kann ich mir ein Meeting in der Chefetage der Firma Bürger Maultaschen vorstellen, in dem beklagt wurde, dass die Verkaufszahlen der zahlreichen Maultaschenprodukte im Sommer stets dramatisch sinken - wer möchte bei Hitze schon Suppe essen, oder einen Auflauf? Als Lösungsansatz wurde dann in diesem Frühjahr ein neues Produkt auf den Markt gebracht: Maultaschen zum Grillen!

Im Supermarkt lachte mich die Neuheit mit dem großen Aufdruck "vegetarisch" an, und nachdem man sich nicht auf die Kontinuität des Warenangebots meines Rewe verlassen kann, nahm ich die Dinger kurzentschlossen mit. In Ermangelung eines echten Grills bereitete ich die Dinger in einer Grillpfanne zu, parallel brutzelte ich Bratkartoffeln.


Ich "grillte" die Maultaschen, wie auf der Packung angegeben, nur drei Minuten pro Seite, was sich als etwas wenig erwies. Irgendwie hätte ihnen mehr Hitze gut getan. Und so war ich vom Ergebnis beim ersten Verzehr nicht sonderlich angetan. Die zweite Hälfte der (bereits gegrillten) Maultasche machte ich mir am nächsten Tag mit den übrigen Kartoffeln in der Büro-Mikrowelle warm und fand das Ergebnis deutlich überzeugender.

Insgesamt muss ich aber dennoch sagen, dass ich mich in der Grillsaison auch weiterhin eher für vegetarische Grillpfannen begeistern werde, oder aber für ganz andere Dinge wie Schafskäse oder Auberginen vom Grill. Maultaschen werden ich wohl auch zukünftig eher in ihrer traditionellen Darreichungsform (also deren vegetarischer Variante, in Brühe oder überbacken) verzehren.


Sherlock-ed again

U.

Als Quelle für Fernsehtipps eignet sich mein Blog im heutigen Fall eher so mittel, denn die zweite Staffel  der großartigen BBC-Serie Sherlock lief bereits letzte Woche an: An Christi Himmelfahrt kam die erste Folge in der ARD, gefolgt vom Tatortreiniger. Wenn da nicht einer meiner zahlreichen Leser den Programmplan gestaltet hat!

Wenn ich mich schon gerade im Größenwahnsinn übe, kann ich auch behaupten, dass selbst das Autorenteam meinen Blog gelesen haben muss, denn der Titel meines Beitrags zur ersten Staffel, Sherlock-ed, spielt in der ersten Folge von Staffel zwei eine wichtige Rolle.

Immerhin Folge zwei und drei werden aber erst an diesem Pfingstwochenende gesendet, und ich kann nur jedem empfehlen, sie anzusehen. Wie in der ersten Staffel kann man sich sowohl an der an spannenden Handlung erfreuen als auch über wirklich witzige Dialoge amüsieren:


Wie in Staffel eins ist die Umsetzung mit gewagten Kamerafahrten, Perspektivenwechseln und Texteinblendungen sehr innovativ, und wiederum werden auch gerade Fans der Romane ihren Spaß haben, denn die drei Folgenthemen "A Scandal in Belgravia/Bohemia", "The Hound(s) of (the) Baskerville(s)" und "The Reichenbach Fall(s)" setzen drei der bekanntesten Sherlock Holmes-Geschichten um, aber finden dabei oftmals einen völlig neuen Weg.

Darüber hinaus findet auch die aus anderen Verfilmungen etablierte Sherlock Holmes-Folklore ihren Einsatz, vor allem in Form des etwas albernen Deerstalker-Huts, den Holmes ja stets irgendwann tragen muss. In Sherlock trägt Sherlock ihn als Tarnung vor Paparazzibildern für etwa vier Sekunden, muss dieses Bild von sich dann aber wieder und wieder in der Presse sehen.


Auch der stetige Zweikampf mit Moriarty ist ja eher ein Motiv aus vorangehenden Verfilmungen als den Romanen, wird aber hier noch intensiver aufgegriffen als das in der ersten Staffel der Fall war. Und während ich die Figur beziehungsweise ihren Schauspieler in der ersten Staffel eher als Schwachpunkt wahrnahm, weil für mich alles übertrieben psychopathisch erschien, laufen beide in den neuesten Folgen zu ihrer wahren Größe auf und Schauspieler Andrew Scott kann zeigen, was er darstellerisch kann.

Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass Sherlock Holmes am Ende der Originalvorlage zu "The Reichenbach Falls" im Zweikampf mit Moriarty zu Tode kommt, später aber wieder aufersteht, weil Autor Arthur Conan Doyle (der selbst keine Lust mehr auf die Figur hatte) sich gegenüber der zornigen Leserschaft ergeben musste.


In der BBC-Serie musste für dieses Szenario natürlich ebenfalls eine Lösung gefunden werden, und die Autoren haben es sich und den Zuschauern nicht leicht gemacht. Sicher ist, dass es im kommenden Jahr wieder drei Folgen Sherlock geben wird, aber ich bin wie alle interessierten Zuschauer schon sehr gespannt, wie uns dann das Ende dieser Staffel erklärt werden wird.


Maifeld Derby 2012 - die Musik (Tag 2)

U.
Am Samstag erreichten wir das Festivalgelände gegen 15 Uhr bei warmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein. Plötzlich schienen viel mehr Besucher anwesend zu sein als am Vorabend, oder waren sie nur sonnenhungrig aus ihren Zelten gekrochen? Selbst ein Eisverkaufsstand war vorhanden und wurde eifrig genutzt.

Auf der Open Air-Bühne spielten bereits

Orph

denen die Idee für ihre Auftrittskostüme sicher im Winter gekommen war: Der Masterplan „Kurier des Zaren“. mit Pelzmantel und Pelzmütze und schien damals sicher eine gute Idee zu sein, bei mehr als 25° C auf der Open Air Bühne entpuppte er sich aber bestimmt als Qual. Das Programmheft des Maifeld Derbys attestiert der Band einen Theater-Background, was möglicherweise den Verkleidungsdrang erklärt. Wir sahen nur Teile des Sets, aber es klang vielversprechend und man sollte dem Album „Poems for Kui“, das erst am Vortag veröffentlicht wurde, eine Chance geben. Gleiches gilt auch für

I Am Poet

aus Mannheim, die wir als nächstes im Parcours d'Amour aufsuchten. Diese Band hat zwar meines Wissens keinen Masterplan, aber laut Programmheft mit Maximilian Hohenstatt ein Mastermind in ihren Reihen. Ihren Auftritt im Parcour d’Amour konnten wir wegen des Dear Reader-Auftritts nicht zu Ende sehen, die gespielten Lieder (ein Debütalbum ist in Arbeit) konnten aber gefallen.

Me And My Drummer



hatten den Samstag im Palastzelt eröffnet. Auch diese Band ist recht neu und veröffentlichte erst letzte Woche ihr erstes Album "The Hawk, the Beak, the Prey". Dennoch waren zur nachmittäglichen Konzertzeit schon viele Zuschauer im Zelt. Der Bandname ist Programm, auf der Bühne befanden sich nur Sängerin / Keyboarderin Charlotte Brandi und Schlagzeuger Matze Pröllochs. Charlotte übernahm die Kommunikation mit dem Publikum und erzählte zum Beispiel, dass man nur Vinylplatten zum Verkauf dabei habe, weil die CDs unterwegs abhanden gekommen seien. Stellenweise wirkte sie auf der großen Bühne unsicher, aber auch sympathisch. Der Chorgesang bei "The Wings" musste mangels Cjor vom Band kommen, die Setliste wurde wegen des strengen Maifeld-Zeitplans um ein Lied gekürzt und endete mit der Single "The Runner".

An und für sich gefiel mir die Band recht gut, allerdings empfahl uns Charlotte zum Abschied den im Anschluss stattfindenden Auftritt der von ihr geschätzten Band Okta Logue. Die entpuppte sich aber musikalisch und optisch als Mischung aus Pink Floyd-Coverband und 70er-Rock-Ensemble - in diesem Punkt konnten wir ihren Geschmack also nicht teilen.

Me And My Drummers Setliste vom Konzerttagebuch:

Rain kids
Down my couch
Freak (neu)
Don't be so hot
The wings
Call me a friend
Heavy weight
Phobia
You're a runner

Dear Reader


kannte ich bereits vom letztjährigen Konzert in Frankfurt. Die Band von Cherilyn McNeil (die mittlerweile seit zwei Jahren in Berlin lebt und sehr gut Deutsch spricht) ist noch dieselbe wie im September, nur Martin Wenk war nicht mehr mit dabei. Die Setliste kombinierte Lieder des letzten Albums „Idealistic Animals“ mit Songs des besseren ersten Albums, die teilweise ("Dearheart") neu arrangiert waren. Phasenweise klang das rockiger und lauter als gewohnt, aber immer noch interessant..

Setliste vom Konzerttagebuch:

Never goes
Bear (Young's done in)
Dearheart
Mole (Mole)
Man (Idealistic animals)
Whale (BooHoo)
Camel (not black or white but camel)
Bend
Great white bear
Monkey (You can go home)


Kurze Zeit später sahen wir Dear Reader dann unverhofft noch einmal wieder: Nachdem wir vor dem Regen geflohen waren und den Auftritt von We Invented Paris vorzeitig verlassen hatten, trafen wir am überdachten Parcours d'Amour ein und erlebten dort ein weiteres (Überraschungs-)Konzert der Band. Auf der kleinen Bühne ging es nun wesentlich ruhiger und intimer zu, während direkt hinter der Band auf dem Reitplatz ein beachtliches Unwetter tobte, das auch die Instrumente leicht feucht werden ließ und dafür sorgte, dass die Band am Ende die Bühne räumen und ihr Instrumentarium reduzieren musste.  Ein atmosphärisch sehr unterhaltsames Konzert, das allerdings für die Band sicher nicht allzu angenehm war.

Tu Fawning


kannte ich vor dem Festivalbesuch überhaupt nicht. Bandmitglied Joe Haege erzählte, er sei bereits letztes Jahr mit seiner Band 31Knots dabei gewesen und möge das Festival sehr. Ich konnte mit der Musik irgendwie gar nichts anfangen, erlitt einen akuten Schub Festivalmüdigkeit (wer hier mehr zu finden hoffte, sei auf mehrere Berichte vom Konzerttagebuch verwiesen) und machte mich aus dem Staub in die Abendsonne bis zum Auftritt von

We Invented Paris


die die Feierlichkeiten anlässlich ihrer Singleveröffentlichung während ihres Auftritts auf der Open Air-Bühne fortsetzten: Es gab eine Flasche Sekt fürs Publikum, kleine Wasserbälle mit Aufklebern des Singletitels "Bubbletrees" sowie große Luftballons, die mit Seifenblasenfläschchen gefüllt waren, so dass das Publikum den Song mit Seifenblasen untermalen konnte. Die Mitglieder der Schweizer Band beeindruckten durch akzentfreies Hochdeutsch und die Tatsache, dass sich drei von ihnen ziemlich ähnlich sahen ... und ihre Musik machte zwar Spaß, wurde aber leider wegen eines zunächst nur nahenden aber dann doch zunehmend stattfindenden Gewitters immer mehr zur Nebensache. Irgendwann gaben wir auf und flohen ins Trockene, und ich denke, dass das Konzert kurz danach abgebrochen werden musste, die Kurzschlussgefahr war sicher sehr groß und es stürmte auch gewaltig.


Oliver Uschmann

war Teil eines Aspekts des Maifeld Derbys, den wir im vergangenen Jahr gar nicht besucht hatten, neben den Konzerten gibt es nämlich Autorenlesungen und auch Kurzfilme. Uschmann ist ein Musikjournalist, der ein Buch namens Überleben auf Festivals: Expeditionen ins Rockreich geschrieben hat, da liegt natürlich ein Auftritt bei einem Festival nahe - auch wenn Uschmann seine Lesung mit der Bemerkung eröffnete, dass es in seinem Buch eher um die Menschen und Künstlertypen Großveranstaltungen wie "Rock am Ring" geht.

Der Parcours d'Amour war für die Lesung voll besetzt, aber es war schwer zu sagen, ob das an dem nach wie vor draußen wütenden Unwetter oder dem großen Interesse des Publikums lag. Uschmanns Lesung aus dem Buch, in der er echte Erfahrungen bei Festivals (die jeder, der einmal eines besucht hat, nachvollziehen kann) überspitzt darstellt und die Besucher in Typen einteilt, war durchaus unterhaltsam. Teils scheinen die vorgelesenen Beiträge zum Ende hin zu versanden, während die Erzählungen und Interaktionen zwischendurch spontaner wirkten. Insgesamt aber eine angenehme Unterbrechung zwischen den ganzen Konzerten, die es ruhig bei mehr Festivals geben könnte.

Nach Uschmanns Auftritt nutzten wir eine Regenpause und eilten zum Palastzelt, denn dort spielten

We Have Band


Das Londoner Trio hatte live den Drumcomputer durch einen lebendigen Schlagzeuger ersetzt. Das Vertrauen in ihn war aber wohl nicht allzu groß, denn zwei der drei regulären Bandmitglieder verfügten über ein zusätzliches Mini-Drumkit. Auf CD hatte mich die Musik von We Have Band stellenweise an Depeche Mode erinnert, live fiel mir das weniger auf. Während einige Zuschauer im Zelt begannen, zu tanzen, quälte meinen Begleiter (wie sich herausstellte mit recht) die Sorge um das Schicksal des FC Bayern, denn im Zelt mit der Videoleinwand war kein Platz mehr für uns gewesen. Welche Lieder genau von den beiden Alben WHB und Ternion zum Besten gegeben wurden, kann ich leider nicht sagen, aber auf jeden Fall war es sehr nebelig. Und weiter ging unser Rundgang zu

The Miserable Rich


Die sechs Musiker füllten die winzige Bühne im Parcours d'Amour mit ihren nicht gerade kleinen Instrumenten (ein Kontrabass und ein Cello waren dabei) mühelos aus. Der eher traurige Kammerpop der Band hatte uns auf eine eher schüchterne Band schließen lassen, aber weit gefehlt. Ein sehr extrovertiert wirkender James de Malplaquet dankte uns zunächst für das britische Wetter und erklärte durchaus gut gelaunt, dass er an der deutschen Sprache vor allem die vielen Worte für "Pain" bewundere, er nannte als Beispiele Herzschmerz und den ihn besonders begeisternden Weltschmerz (er sagte eher "Merz", spricht aber offensichtlich ziemlich gut Deutsch). Ob das Herz auf seinem Hemd nun vom Herzmerz oder aber der herz-lichen Atmosphäre im Parcours herrührte, werden wir wohl nie erfahren.

Es begann ein atmosphärisch sowohl zur kleinen Bühne als auch zur regnerischen Dunkelheit um uns herum passendes Set, zu dem die Band den Großteil einer Flasche Rotwein leerte und es irgendwie schaffte, gut gelaunt Melancholie zu verbreiten. Wirklich, wirklich schön und in dieser Form sicher nicht wiederholbar.


Das Unwetter hatte allerdings im straffen Maifeld-Zeitplan zu Verzögerungen geführt, so dass die Band wohl wegen der Lärmempfindlichkeit von Anwohnern bereits früher wieder aufhören sollte als geplant. Sowohl Band als auch Publikum fanden diesen Plan eher doof, und so wurde nach Alternativen gesucht. James Vorschlag, man könne ja auf die Straße umziehen und der Kontrabassist (Rhys Lovell), dem diesen Vorschlag angesichts der Sperrigkeit seines Instruments weniger gefiel, könne ja zurück bleiben, wurde von diesem mit einem Stinkefinger und einem Lächeln entgegnet. Also zog man nach einem weiteren Song nur ein bisschen um, ließ die Mikrophone auf der Bühne zurück und spielte aufs Publikum verteilt noch drei weitere Titel auf der Tribüne.

Das Publikum wurde an einer Stelle gefragt, ob man lieber ein eigenes oder ein gecovertes Lied hören wolle, dass der Applaus für eine Eigenkomposition lauter ausfiel, führte möglicherweise dazu, dass "Over and Over" von Hot Chip, das auf der sichtbaren Setliste gestanden hatte, nicht gespielt wurde.

Setliste:

Imperial Lines
Laid Up In Lavender
On A Certain Night
Let Us Fade
The Time That’s Mine
Ringing The Changes

Pisshead
Boat Song
Under Glass

Etwas verspätet und nach stehenden Ovationen für The Miserable Rich suchten wir ein letztes Mal das Palastzelt auf, wo der Auftritt der Headliner

Blood Red Shoes


bereits im Gange war. Ich muss hierzu gestehen, dass diese Band bei mir in derselben Schublade wie die White Stripes unter "uninteressant" abgelegt ist. Das, was ich von ihrem Set sah, gefiel mir dann eigentlich ganz gut, aber dank exzessiven Strobolicht konnte ich kaum meine Augen öffnen (ja ja, ich bin schon eine echte Rockerin). Auch andere Publikumsmitglieder zeigten wohl weniger Begeisterung, als es sich Steven Ansell gewünscht hätte, denn er forderte vor dem vorletzten Stück recht genervt dazu auf, mal ein bisschen mitzurocken. Entweder, das klappte auch auf Aufforderung nicht so gut, oder aber die Laune war bereits verdorben: Auf jeden Fall gab es keine Zugabe.


Setliste vom Konzerttagebuch:

It' s getting boring by the sea
Don't ask
Cold
Say something
Heartsink
In time to voices
This is not for you
Light it up
Keeping it close
You bring me down
Lost kid
It is happening again
Colours fade
I wish I was someone better
Je me perds

Anschließend hätten wir noch zu Frittenbude abrocken können, aber an diesem Tag hatte ich ohnehin bereits zweimal Pommes gegessen. Noch nach Frittenbude, gegen 2 Uhr, war noch der vorher ins Wasser gefallene Auftritt von Long Distance Calling angesetzt, während der von Sizarr ganz ausfallen musste. Dennoch, neun (Teil-)konzerte an einem Tag reichten durchaus und so ging es zurück nach Frankfurt, nicht ohne die wiederholte Erkenntnis, dass das Maifeld Derby in vielerlei Hinsicht eine feine Sache ist: Feine Bands, wenig Anstehen, wenig soziale Auffälligkeiten, humane Preise beim Eintritt und auf dem Gelände, unpenetrante Sponsorenwerbung und putzige Dekorationen. Nächstes Jahr dann bitte vielleicht ohne Gewitter und Fußballniederlage.


Maifeld Derby 2012 - die Musik (Tag 1)

U.
Nach dem gestrigen Bericht zur Infrastruktur wird es nun Zeit, von den Bands zu erzählen, immerhin waren wir ja bei einem Festival.

Bei unserem Eintreffen am Samstag besuchten wir wie bereits erwähnt zunächst den Auftritt des Sängers von

We Invented Paris


Die Performance im mit genähten Stoffherzen und Blumen dekorierten "Parcours d'Amour" war bei unserer Ankunft schon relativ weit fortgeschritten. Flavian Graber spielte zunächst sitzend an einem liegenden Akkordeon und sprach über seine Freude über die just am Freitag erfolgte Veröffentlichung der neuen Single "Bubbletrees", die er uns dann, nachdem er wieder zur Gitarre gegriffen hatte, zusammen mit weiteren Songs präsentierte. Auf die Bekanntgabe der sehr auf ihren Zeitplan bedachten Veranstalter, dass er nur noch 3 Minuten habe, beendete er auf Anregung eines Fans das Set mit „Silence“ und empfahl die im Parcours vorhandene beste (und einzige) Weinbar des Festivals.

Wir wanderten anschließend zum dieses Jahr übrigens deutlich weniger nach Pferd riechenden Festzelt, wo

Susanne Sundfør


bereits mit ihrem Auftritt begonnen hatte. Die von a-ha und Herbert Grönemeyer geschätzte norwegische Solokünstlerin absolvierte einen sehr beatlastigen und elektronischen Auftritt, präsentierte einige Songs aus ihren Alben „The Brothel“ und „The Silicone Veil“, verschanzte sich weitgehend hinter Synthesizern und zeigte sich dann für einen etwas aufgesetzt wirkenden Tanz. Der Funke zum Publikum sprang nicht so recht über, dafür sah immerhin die Bühne interessant aus, die war nämlich mit einer Netzkonstruktion überspannt, die an Sundførs Albumcover und Homepage erinnert. Nach der Single „White Foxes“ verließen wir einige Minuten vor dem Ende des Konzerts das Zelt, um ...

Erland & The Carnival


auf der Open Air-Bühne  zu sehen. Der erste bestätigte Musikact des Festivals war für uns ein Hauptvorfreudegrund gewesen. Die Indie-Folk-Band um Simon Tong (der auch schon bei The Verve und den Gorillaz spielte) und den an traditionellem Folk interessierten Erland Cooper begann mit einem Soundcheck und spielte dafür nicht ohne Ironie angesichts des Festivalnamens ihr Lied "The Derby Ram" mit dem Refrain "If you've ever been to Derby / You'd know the reason why / If you've ever been to Derby / You'd see the same as I".

Anfangen durften sie jedoch nicht, da das Konzert im Zelt noch nicht beendet war. Erland verließ mit einem „Good night and thank you“ auf den Lippen die Bühne, um dann passend mit dem Song „My name is Carnival“ zurückzukehren, wobei ich gestehen muss, dass ich trotz bravem Vorab-Albenhören viele ihrer Songs nicht erkannte.


Leider wurde das Publikum während dieses Konzerts ziemlich nass, was der wirklich großartigen Stimmung aber keinerlei Abbruch tat - selten stand ich bei einem Konzert neben begeisterten Tänzern und hatte nicht das Gefühl, dass ich jeden Moment niedergeschlagen werde. Bei Erlands Fans klappte das.



Setliste vom Konzerttagebuch:

The Derby Ram (nur beim Soundcheck)
My name is Carnival
So tired in the morning
Emmeline
Trouble in mind
Nightingale
Was you ever see
Everything came too easy
You don't have to be lonely
Gentle Gwen
Love is a killing thing

Zum Trocknen gingen wir zurück ins Zelt zu

Olli Schulz


der bei unserem Eintreffen bereits auf der Bühne stand - die diesjährigen Maifeld-Auftritts-Übergänge waren in unserem fortgeschrittenen Alter trotz der kurzen Wege kaum zu bewältigen! Olli war allein mit seiner Gitarre da und erzählte wie üblich zwischen seinen Liedern viel, zum Beispiel darüber, dass einen Kommentare zu Youtube-Videos an der Welt verzweifeln lassen, dass das Lied "Halt die Fresse krieg ein Kind" angeblich ein Ausbruch von ihm gegenüber einer Journalistin war, die seine Teilnahme am Bundesvision Songcontest kritisiert hatte und dass ein Mitglied eines sehr schweigsamen Livepublikums in Erlangen von ihm einen Song namens "Der Rumäne" forderte, den er sich dann gezwungen fühlte, spontan zu komponieren. Er spielte Neues und Altes und baute in eine Version von "Song ohne Grund" deutschsprachige Hits aus den letzten zwanzig Jahren ein ("Hungriges Herz", "Hier kommt die Sonne", "Landungsbrücken raus", "Allein allein", "Geile Zeit", "Sinfonie", "Du hast", "Mensch", "1000 und 1 Nacht", "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" und einige mehr), weil alle diese Künstler angeblich bei ihm geklaut haben.


Zusätzlich gab es noch eine etwa überflüssige "Wonderwall"-Coverversion einer aus dem Publikum gefischten Dame  - die damit Ollis aktuelles Album "S.O.S. - Save Olli Schulz gewann - sowie den Einbau einiger internationaler Hits ("With or without you", "Hey Hey My My") mitten in Olli-Songs, oder er unterbrach diese, wie „Nimm mein Mixtape, Babe“, um über Eagle Eye Cherrys "Save Tonight" zu erzählen und dessen eingdeutsche Version einzubinden.

Insgesamt ein Olli Schulz-Konzert, wie man es erwartet: Amüsant, überdreht und ein bisschen aggressiv.

Setliste vom Konzerttagebuch:

Schrecklich schöne Welt
Spielerfrau
Halt die Fresse, krieg ein Kind
Song ohne Grund
Bettmensch
So lange einsam
Wonderwall (Oasis Cover mit Patricia)
Die Ankunft der Marsianer
Bloß Freunde
Dann schlägt dein Herz
Der Rumäne
Nimm mein Mixtape, Babe
Der Moment


Nach einer Essenspause, in der wir Balthazar verpassten, ging es für uns weiter mit den Headlinern des ersten Abends,

Friska Viljor


Würde man meinen Freund nach dem idealen Friska Viljor-Konzert fragen, würde er sagen: "Sie spielen ihr erstes Album "Bravo!" komplett und dann noch ein paar Hits aus den übrigen Veröffentlichungen." Freitag war sein Glückstag, denn genauso kam es. Daniel Johansson und Joakim Sveningsson eröffneten das Set zu zweit mit "Shotgun Sister", der Rest der Bands folgte, hauptsächlich in weiß gekleidet, nach dem ersten Lied. Nach einigen weiteren älteren Liedern meinte eine Konzertbesucherin zu ihrer Begleiterin: „Wie eine Zeitreise!“ oder auch „Das ich das noch erleben darf!“. Erst einige Titel später klärte Joakim auf, dass die Band dieses Jahr nur bei wenigen Konzerten auftreten und am heutigen Abend extra ihr erstes Album „Bravo!“ komplett vom ersten bis zum letzten Song spielen werde.

Mit vielen Falsettchören und "Lalala"-Refrains, Crowdsurfing und Sprüngen vom Schlagzeugpodest zeigte die Band nicht nur ihre eigene gute Laune sondern sorgte auch für exzellente Stimmung im Publikum. Vielleicht lag das große Engagement auch daran, dass es sich um das Abschiedskonzert von Schlagzeuger Markus Bergqvist handelte.



Setliste vom Konzerttagebuch:

Shotgun sister
Gold
Four points
Oh Oh
I gave my life
Friskashuffle
Puppet cabaret
We are happy now (la la la)
Goldfish
Monday
Tell me

On and on
What you gonna do?
If I die now
Wohlwill
Arpeggio
Old man



Hooded Fang

konnten uns im Anschluss nicht mehr in ihren Bann ziehen, nach drei Liedern fuhren wir nach Frankfurt ins Bett. Nicht in den Club, in das zum Schlafen.

Maifeld Derby 2012: Rückkehr zum Festival der kurzen Wege

U.

Gestern ging es also los mit der zweiten Auflage des Festivals Maifeld Derby - ich erzählte schon darüber. Dank mangelnden Navigationskünsten der Beifahrerin sowie ihres iPhones kamen wir erst gegen 19 Uhr vor Ort an und marschierten auf dem uns ja bereits vertrauten Gelände erst einmal schnurstracks zum "Parcour d'Amour", der in seinem Alltagsleben die überdachte Zuschauertribüne einer Reithalle ist. Dort besuchten wir die letzten Klänge des ersten von mehreren Überraschungskonzerten auf dem Zeitplan, bei dem es sich um einen Zusatzauftritt des Sängers von We Invented Paris handelte. Zwischen diesem und weiteren Konzerten des Abends - wir sahen Susanne Sundfør, Erland & The Carnival, Olli Schulz, Friska Viljor und ein wenig vom Hooded Fang-Auftritt - hatten wir auch Gelegenheit, die diesjährige Infrastruktur des Festivals zu betrachten.

Auf dem Feld, das letztes Jahr mit leuchtenden Würfeln dekoriert war, funkeln nun angestrahlte Discokugeln in allen Größen. Der Parcour d'Amour, in dem ebenfalls als Teil des Festivals auch Lesungen stattfinden, ist mit offenbar handgenähten Herzen dekoriert.


Die Zahl der Fresstände hat sich gegenüber dem letzten Jahr in der Tat verdoppelt - es sind jetzt zwei! Offenbar haben letztes Jahr viele Vegetarier über das recht wurstlastige Speisenangebot gemeckert, das kann hoffentlich nicht alles ich allein gewesen sein. Der Stand der Metzgerei Kumpf bietet nun neben der bekannten Gemüsepfanne auch Pakoras und Reibekuchen an, und nebenan verkauft ein kleiner asiatischer Stand verschiedene fleischhaltige und fleischlose Gerichte. Sonst gibt es noch einen Stand mit Bier, einen mit alkoholfreien Getränken und einen für Merchandise - alles wie bei anderen Festivals, nur eben je nur einmal vorhanden. Dieses Jahr möchte das Maifeld Derby außerdem "grüner" werden, wohl als Teil dieser Maßnahme sahen wir auch ein DJ-Pult mit angeschlossenen Fitness-Fahrrädern, das aber nicht in Betrieb war. Ebenfalls bemerkten wir den "Sessions Play Room", ein Zelt, in dem man auf einer offenen Bühne selbst auftreten kann.


Neben den Überraschungskonzerten (heute kommt noch eines) gibt es noch zahlreiche andere ungewöhnliche Ideen. So findet heute für Interessierte ein gemeinsames Mittagessen von Festivalhelfern, Besuchern und Musikern statt, zu dem ebenfalls eine Band (The Miserable Rich) spielt. Für Fahrradfahrer wurde für heute außerdem eine Tour von der Mannheimer Innenstadt zum Festivalgelände angeboten, nach Ankunft gab es - natürlich - ebenfalls ein exklusives Zusatzkonzert.


Essen und Fahrradkonzert werden wir bereits verpasst haben, wenn wir uns gleich wieder auf den Weg nach Mannheim machen. Dafür stehen heute noch unter anderem The Blood Red Shoes, Dear Reader und We Have Band auf dem Musikprogramm, und Interessierte können auf einer Videoleinwand das Champions League Finale verfolgen.

Insgesamt schienen uns etwas weniger Zuschauer anwesend zu sein als im letzten Jahr, ausverkauft ist das Festival definitiv nicht. Hoffentlich rentiert sich der Aufwand für die Organisatoren, die ja, wie sich an den Zusatzideen zeigt, mit viel Liebe am Werk sind.

Über die gestrigen und heutigen Konzerte berichte ich dann morgen und übermorgen.


Frankfurt Vegetarisch (4): Edelkiosk

U.

Eigentlich könnte ich für diesen Beitrag die neue Kategorie "Frankfurt vegan" einführen, aber die würde wohl recht winzig werden. Der Edelkiosk ist nämlich Frankfurts erstes veganes Café, und es gibt ihn auch erst seit kurzem.

Als ich in der Presse von der Neueröffnung las, war für mich klar, dass ich das Etablissement einmal aufsuchen muss, obwohl es in einer Ecke von Frankfurt liegt, in der ich mich sonst selten bewege. Und so machte ich mich samt mutigem Begleiter am Samstag nach dem Besuch beim Gratis-Comic-Tag noch auf den Weg ins Ostend.



Tatsächlich liegt der "Kiosk" in einer hübschen Wohngegend, die zwar recht nahe am Loha-Zentrum Nordend liegt, aber selbst nicht sonderlich belebt wirkt - zufällige Laufkundschaft findet sich hier sicher eher selten ein. In unserer Anwesenheit war das kleine Café aber durchaus gut besucht, vielleicht hat man also wirklich eine Marktlücke gefunden und das vegan interessierte Publikum reist von weiter weg an.

Das Angebot umfasst ein täglich wechselndes (und auf Facebook einsehbares) Sortiment von Torten, Kuchen und Cupcakes, dazu gibt es Kaffeegetränke (natürlich nur mit Sojamilch) und die eine oder andere Limonade. Zusätzlich kann man sich vegane Schokoriegel kaufen und ein großes Sortiment ausliegender Bücher zum Thema Tierschutz, Tierrechten und veganem Kochen durchforsten. Im Hinterzimmer sah ich auch T-Shirts, habe sie aber nicht näher betrachtet.


Bei unserem Besuch wählten wir zunächst ein Stück Apfelkuchen mit Marzipan und ein Stück Mohnrolle, hinterher war noch Platz für einen geteilten Schoko-Cupcake mit Bananencreme. Alle drei Gebäcksorten schmeckten gut und nicht weiter ungewöhnlich - offenbar hat die Betreiberin und Bäckerin gute Methoden gefunden, Eier und Butter adäquat zu ersetzen. Atmosphärisch ist der mit ausrangierten Sofas eingerichtete Laden angenehm entspannt, man kann sich gut vorstellen, hier auch längere Zeit zu verbringen und ein mitgebrachtes oder vorhandenes Buch zu lesen, und man muss auch keine Angst haben, als Nichtveganer ausgegrenzt zu werden.

Schade, dass der Edelkiosk so gar nicht auf meinen Alltagsrouten liegt, sonst käme ich, trotz der etwas höheren Preise (Kuchen kostet 3,50 Euro) sicher gerne öfter hierher. Wiederkommen werde ich aber sicher einmal.

Der Edelkiosk ist auf der Rhönstraße 119.


Game of Thrones als Comic

U.
Im Rahmen des Gratis Comic Tags bekam ich ein Exemplar des Comics zur Buch- und Fernsehserie Game of Thrones in die Finger. Und nachdem sowohl die Buchreihe als auch die HBO-Fernsehserie Topränge meiner persönlichen Charts für 2011 belegten, interessiert mich natürlich auch die Umsetzung der Geschichte in einem weiteren Medium.

Der Gratiscomic umspannt die allerersten Szenen der Geschichte: Erzählt wird das unheimliche und tödliche Zusammentreffen von Mitgliedern der "Night's Watch" mit einer Art Geistern, die Hinrichtung des einzigen Überlebenden der Begegnung durch den Fürsten und Familienvater Ned Stark, der Fund eines Wurfs von Schattenwolfbabies, die fortan die Kinder der Familie Stark begleiten werden (aber gleichzeitig ein böses Omen darstellen) sowie die Nachricht, dass der Stellvertreter des Königs gestorben ist und der König selbst zur Familie Stark in den Norden reisen wird, um Ned zum Nachfolger zu ernennen.

Ein "Other" in der Serie: Schatten mit schlecht sichtbaren blauen Augen im Hintergrund ...

... und im Comic: Das ist definitiv kein Mensch.
Wenn man die Geschichte bereits aus Buch und Fernsehserie kennt, achtet man natürlich besonders auf die Unterschiede. Zunächst fällt auf, dass die Comicserie nicht unter den Budgetrestriktionen der Fernsehproduktion leidet und folglich die unheimlichen Wesen, die in der ersten Szene den Spähtrupp niedermetzeln, viel deutlicher zeigen als das in der Verfilmung der Fall ist.

Darüber hinaus ist es im Comic auch besser möglich, die Familienähnlichkeit der Starks-Kinder, die laut Buch fast allesamt ihrer Mutter ähneln, heraus zu arbeiten. Für meinen Geschmack sehen sie sich im Comic aber etwas zu ähnlich, und ihre Mutter Catelyn scheint trotz ihrer zum Teil beinahe erwachsenen Kinder selbst maximal zwanzig Jahre alt zu sein.

Bran mit seinem Miniwolf ...

... und als rothaaariger Sohn seiner rothaarigen Mutter ...
... die in der Fernsehserie altersmäßig zu Sean Bean als Ned Stark passt ...
... im Comic aber ebenso wie dieser deutlich jünger und hübscher ist.
Im großen und ganzen gefällt mir die Fernsehumsetzung besser, weil die Figuren insgesamt einfach glaubwürdiger wirken, mit ihrer comicmäßigen Idealisierung kann ich mich - vielleicht, weil mir das Medium eben doch eher fremd ist - nicht so sehr anfreunden. Spannend wäre vielleicht noch die Umsetzung weiterer Szenen, die in der Fernsehserie mangels Budget relativ einfach umgesetzt wurden, also alles Übersinnliche wie Drachen oder auch Schlachtszenen. Aber all das interessiert mich denke ich nicht genug, um die Fortsetzungen des Comics käuflich zu erwerben.

Wer das anders sieht, kann im August einen Sammelband der Hefte bei amazon bestellen, wahlweise broschiert für 19,95 Euro oder gebunden für 39,95. Die Einzelhefte habe ich zumindest im Onlineshop von Panini nicht gefunden, möglicherweise sind sie also bereits nicht mehr im Handel.

Gratis-Comic-Tag

U.

Jahr für Jahr gibt es den "Record Store Day, an dem die wenigen noch existierenden traditionellen Plattenläden ihr Dasein feiern. Künstler nehmen zu diesem Anlass Singles auf, die man an diesem Tag - dieses Jahr war er am 21. April - kaufen kann. Und ich habe noch nie daran teilgenommen.

Immerhin schaffte ich es dieses Jahr aber zum Gratis-Comic-Tag. Der Tag, der wohl als Marketingaktion für Comicläden gedacht ist, entspricht genau seinem Namen: Man kann verschiedene, im Vorfeld der Aktion bekannt gegebene, Läden aufsuchen und bekommt dort ebenfalls vorab festgelegte Comichefte geschenkt - aus einem Set von dreißig Heften darf man sich bis zu fünf aussuchen. Dazu gehören Klassiker wie Donald Duck und Spider Man, Kindercomics wie Die Schlümpfe, Mädchencomics aber auch Mangas und Erwachsenengeschichten wie "The Walking Dead".


Ich kenne Frankfurts Comicläden bereits, und sonderlich viel ist dort eigentlich nie los. Folglich hatte ich nicht erwartet, dass die Gratisaktion daran viel ändern würde, aber damit lag ich falsch. Als wir um 14 Uhr bei Laden Nummer eins, Terminal Entertainment, eintrafen, befand sich dort nicht nur eine große Menge Menschen zwischen 8 und 60 Jahren, viele der Gratiscomics waren auch bereits vergriffen. Immerhin konnten wir noch Ausgaben von "Game of Thrones" und "Star Wars" ergattern, erlauschten aber von anderen Kunden, dass die anderen beiden Frankfurter Teilnehmer gar keine Verschenkhefte mehr vorrätig hätten. Also beeilten wir uns nun erst recht nicht mehr und erfreuen uns noch in Ruhe an den sonstigen Waren von Terminal Entertainment, zum Beispiel Thors Hammer aus Plastik, einem Game of Thrones-Brettspiel oder dem Schild von Captain America als Frisbee.


Dennoch machten wir uns schließlich noch auf den Weg zu Laden Nummer zwei, X-TRA-BOOX, und dort gab es neben ebenfalls vielen Besuchern einen "alles für 1 Euro"-Ausverkauf, so dass sich der Weg auch ohne Umsonstware gelohnt hatte. So wanderten dann noch drei Billigheftchen in die Comictüte und ich weiß nun, dass Frankfurt weit mehr Comicfans beherbergt, als ich vermutet hatte. Nächstes Jahr wird vielleicht früher aufgestanden.



Frankfurt Vegetarisch (3): Aroma

U.
Vor ein paar Wochen verirrte ich mich in meiner Mittagspause in den Holzgraben, eine leblose Seitenstraße der Haupteinkaufsstraße Zeil. Dort entdeckte ich ein putziges, kleines libanesisches Restaurant, aß einen hervorragenden vegetarischen Teller und bewunderte an der Wand ein Foto des Personals mit Franz Beckenbauer. Die Idee zu dieser Serie war geboren. Letzte Woche kehrte ich zu dem Laden zurück, um wieder dort zu essen und Fotos zu machen. Aber er hatte in der Zwischenzeit zugemacht! Also kann ich hier traurigerweise nicht den leckeren Libanesen Safir vorstellen, der eigentlich der Anlass für die Serie war.


Aber dafür bin ich einem anderen Libanesen-Mythos auf den Grund gegangen: Schon öfter hatte ich nämlich von einem besonders guten Imbiss auf dem Oeder Weg gehört und gelesen. Ein unscheinbarer Laden namens Aroma, der aber die besten Falafel von Frankfurt zu bieten habe. Montag machte ich mich auf den Weg und konnte die Aussage "unscheinbar" schon einmal sofort bestätigen: Zunächst ging ich nämlich an dem Laden, der in einem ehemaligen Kiosk untergebracht ist, vorbei, ohne ihn zu bemerken: In Frankfurt beachtet man eben Trinkhallen wegen ihrer großen Verbreitung nicht allzu sehr. Hat man die Bude erst einmal bemerkt, fällt aber sofort auf, dass sie sich großer Beliebtheit erfreut. Zum einen wartete nämlich draußen ein kleines Häufchen hungriger Menschen auf ihre Bestellungen, zum anderen werkelte drinnen eine angesichts der Kleinheit des Raums erstaunliche Anzahl von Angestellten an der Vorbereitung der georderten Mahlzeiten.


Die Speisekarte hat die üblichen Dinge zu bieten, die man beim Libanesen erwartet: Falafel-Sandwiches mit und ohne Hummous, Schafskäse oder Halloumikäse, dazu noch Kombinationen mit Auberginencreme und auch einige Sorten Schawarma (der libanesische Döner). Den vegetarischen Teller, den ich bei Safir aß, gibt es hier ebenfalls, aber die meisten Gerichte sind Sandwiches. Sein Essen kann man entweder mitnehmen oder an einem der Stehtische im Freien (die sich unter einem großen Sonnenschirm befinden, so dass man sich hier auch bei Regen aufhalten kann) verzehren.

Spontan entschied ich mich gegen Falafel und für ein Sandwich mit Auberginencreme und Halloumikäse für 3,50 Euro. Nach der Bestellung und Bezahlung erhielt ich eine Nummer und gesellte mich zu den anderen Wartenden, aber mein Essen war sehr schnell fertig. Es schmeckte mir durchaus gut (und beeindruckend scharf), aber im Nachhinein fand ich es eher doof von mir, nicht die Spezialität des Hauses bestellt zu haben, wegen der alle anderen hier zu sein schienen. Also muss ich wohl bald noch einmal zu Aroma, und dann gibt es Falafel!

Aroma ist am Oeder Weg 80a.

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