Frankfurt Vegetarisch auf Reisen: Wagamama

U.

Im Rahmen des letzten Beitrags zum Thema "Frankfurt Vegetarisch" hatte ich auf die in Deutschland leider nicht existierende Asia-Kette Wagamama verwiesen. Bei meiner Reise nach Manchester gab es dann aber wieder einmal die Gelegenheit, ein solches Lokal aufzusuchen.

Vieles, was ich kürzlich zu Moschmosch schrieb, trifft ebenso auf das Vorbild Wagamama zu. Hier wie dort gibt es in schick-schlichtem Ambiente eine Form von international-asiatischer Küche, bestehend aus Ramen-Suppen, Nudelgerichten, Salaten und vielem mehr. Wagamamas Speisekarte ist ein bisschen größer als die von Moschmosch, die Sitzbänke sind länger (so dass man eigentlich immer seinen Tisch mit Fremden teilt) und die Preise ein wenig höher. Sonst sind die Unterschiede nicht riesig.


Bei diesem Besuch entdeckte ich erstmalig auf der Speisekarte Pad Thai, ein thailändisches Gericht aus Reisnudeln, Gemüse und mit Erdnüssen, das in seiner vegetarischen Variante zu meinen Lieblingsspeisen zählt. Tatsächlich hatte ich in derselben Woche schon zweimal Pad Thai in verschiedenen Frankfurter Lokalen (einem Thailänder und der Kette Coa) gegessen, und keine der beiden Versionen hatte mich komplett überzeugt. Anders die von Wagamama, in der das Gemüse genau richtig klein geschnitten war, Koriander und Zitronengras ein herrliches Aroma abgaben und die Erdnüsse in gehackter Form vorlagen und nicht etwa ganz oder als muffige Paste. 

Leider komme ich ja maximal einmal pro Jahr zu Wagamama, so dass ich immer gut überlegen muss, was ich aus dem reichhaltigen Angebot bestellen möchte. Pad Thai kann man aber definitiv empfehlen.

Wagamama gibt es in Großbritannien und vielen anderen Ländern, Details hier.

Wenn Internetnutzer weniger doof sind als erhofft

U.
Wer auch nur ein wenig bei Facebook oder Twitter unterwegs ist, kennt die Plage, die sich Community Management nennt: Professionelle Marketingleute im Netz, die dafür sorgen sollen, dass die eigene Marke immer schön im Gespräch bleibt, und das nach Möglichkeit positiv. Manchmal sind solche Geschichten durchaus unterhaltsam, und immerhin ließ ich mich letztes Jahr dank Community Management zum Stricken winziger Mützen verleiten (und bereue nichts), aber im großen und ganzen sind diese Kommunikationsversuche ebenso durchsichtig wie langweilig. Anbiederndes Gesülze wie "Endlich Wochenende! Teil diese Nachricht auf Deinem Profil, wenn auch Du Wochenenden magst!" entspricht viel eher dem Durchschnitt als die witzige Innocent-Kampagne damals.

Manchmal rächt es sich aber, wenn man Internetnutzer unterschätzt. Letztes Jahr musste der Henkel-Konzern mit der Marke Pril diese Erfahrung machen. Auf Facebook sollten gelangweilte Menschen auf "kreative" Art virtuelle Prilflaschen dekorieren, das schönste Modell sollte dann auf den Markt kommen. Großartig waren die Auswahlmöglichkeiten dabei nicht, im Grunde konnte man nur vorgefertigte Bausteine auswählen. Ein Werbetexter fand diese Aktion so dämlich, dass er durch ausschließliche Nutzung des Tools "Stift", das als einziges eine halbwegs freie Gestaltung ermöglichte, eine unglaublich hässliche Flasche designte, die Pril auch noch Hähnchengeschmack unterstellte. Prompt landete das Werk auf Rang 1 der Abstimmung, andere zogen mit und designten mit Hingabe ebenfalls Unpassendes und Unästhetisches.


Die Firma Henkel zeigte angesichts der Situation keine Größe, löschte unter kaum nachvollziehbaren Begründungen Stimmen und schickte schließlich nur zahm gestaltene Flaschen in die Endauswahl. Gut, "Pril mit Hähnchengeschmack" im Handel hätte wohl auch zu erheblichen Zusatzproblemen geführt, auf Facebook wurde Pril aber durch diese Aktion sicher nicht beliebter

Andere Firmen haben aus diesem Debakel wahrscheinlich etwas gelernt, bis zum Weltkonzern Shell hat sich allerdings offenbar nicht herumgesprochen, dass Internetnutzer nicht bei jedem Mist brav mitmachen. Shell bohrt nämlich in der Arktis nach Öl und fordert die Öffentlichkeit dazu auf, nach vorgefertigten Motiven, aber mit freier Textgestaltung, Plakate mit dem Motto "Let's Go!" zu entwerfen. Die beliebtesten Entwürfe sollen wiederum tatsächlich realisiert werden, "an strategischen Orten weltweit". Nach dem, was derzeit ganz vorne liegt, nehme ich an, der "strategische Ort" ist eine kaputte Toilette in einem Keller mit der Aufschrift "Vorsicht, bissiger Tiger!".



Mehr Beispiele hier - aber sicher nicht mehr lange ...

Heute in zwei Jahren

U.
Hat seit acht Jahren jederzeit Zugang zu einem Fernseher: Elmo

Möchte jemand am 13. Juli 2014 etwas mit mir unternehmen?

An diesem Tag findet um 16 Uhr das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien statt, und nach den Erfahrungen der letzten vier Jahre gehe ich davon aus, dass mein Freund diesen Tag allein verbringen möchte.

Fußball EM 2008, Endspiel: Wir haben gemeinsam ein paar Tage in London verbracht, der von mir gewählte Rückflug soll uns, zugegebenermaßen knapp, zum Anpfiff zurück nach Frankfurt bringen. Er ist aber natürlich nicht pünktlich. Erst ist das Flugzeug, das uns abholen soll, zu spät, dann muss es von Passagieren und Schmutz befreit werden, irgendwann dürfen wir endlich fliegen. Und die Frankfurter Flughafen-S-Bahn entscheidet sich anschließend ausgerechnet an diesem Tag alle paar Meter für ein Stehpäuschen. Kurz vor Spielende erreichen wir meine Wohnung. Spanien wird Meister.

Fußball WM 2010, Endspiel: Ich habe das Wochenende in Koblenz vebracht, doch als ich nach Hause fahren möchte und muss, ist die gesamte Bahnstrecke stillgelegt. Mein Freund beschließt netterweise, mich nach Hause zu fahren und dann gleich wieder zurück, es ist ja Fußballendspiel. Als wir meine Wohnung betreten, sind überall Schmeißfliegen. Es muss wohl eine hochschwangere Fliege Eier ins Katzenfutter gelegt haben, an heißen Tagen geht das (wie ich später bei Wikipedia lese) sehr schnell. Wir verbringen den Abend beim gemeinsamen Putzen und Schmeißfliegenermorden, nebenbei läuft im Fernsehen das Spiel. Spanien wird Meister.

Fußball EM 2012, Endspiel: Dieses Mal sind keine Probleme zu erwarten: Wir sitzen gemeinsam in Manchester im Hotelzimmer pünktlich vor dem Fernseher, die Spieler laufen ein. Der Fernseher geht kurz vor dem Anpfiff aus und lässt sich nicht mehr anschalten. Ich kontaktiere die Rezeption, diese einen Techniker und schließlich bekommen wir nach etwa einer halben Stunde einen neuen Fernseher. Bis dahin sind allerdings schon etliche Tore gefallen, Italien ist bereits chancenlos. Spanien wird Meister.

Hit the North

U.

Manchester - je nach Alter und Interessengebieten denkt man bei der Nennung dieser Stadt wohl an eine traurige Industriehochburg im englischen Norden, an Fußball oder an aber Musik - viel Musik. The Smiths, Joy Dovision, New Order, Oasis, James, Inspiral Carpets, The Verve, Happy Mondays, The Charlatans, Hurts und ja, auch Take That - alle kamen sie hierher.

In den späten Achtzigern machte die Raveszene Manchester so beliebt, dass die Londoner am Wochenende massenweise in Busse stiegen, um im Haçienda Club zu feiern. Das ist mittlerweile in bisschen her, hinterließ bei mir aber stets ein unbestimmtes Gefühl von "nach Manchester könnte man auch mal fahren".


Letzte Woche kam es dann dazu, und zwar wegen eines passenderweise einigermaßen nostalgischen Ereignisses, das wie kaum ein anderes anderes an Manchesters Zeit als Musikhochburg erinnerte: Die Stone Roses hatten sich nach schlappen sechzehn Jahren Pause wieder zusammen getan und besserten ihre Rente mit drei riesigen Konzerten in ihrer Heimatstadt auf - und wieder einmal reiste das ganze Land in Reisebussen an.

Vom Konzert habe ich ja bereits berichtet, nun ist die Stadt dran. Zunächst einmal war ich überrascht von deren Kleinheit - mit knapp 400 000 Einwohnern ist sie nur die neuntgrößte des Vereinigten Königreichs, hat aber zugegebenermaßen ein sehr viel größeres Einzugsgebiet. Für uns Touristen war diese Entdeckung eher vorteilhaft, denn wenn man nicht gerade zum Heaton Park möchte, kann man in der Stadt die allermeisten Ziele zu Fuß erreichen.


Da wäre dann zunächst einmal das hippe North Quarter, in dem es hübsche Boutiquen, Krimskramsläden, Plattenläden und kleine Cafés gibt. In unserer Anwesenheit regierten hier die Stone Roses: Die Plattenläden hatten deren Veröffentlichungen ins Schaufenster geräumt und verkauften T-Shirts, eine Fotogalerie veranstaltete eine Fotoausstellung mit frühen Bildern und überall in den Straßen sah man Menschen mit Zitronenscheiben-T-Shirts. Wer schon einmal im Londoner Kensington Market war, kann hier im Affleck's Palace eine Art Zombieversion erleben: Ein riesiges Kaufhaus, gefüllt mit winzigen Läden, von denen mindestens 50 Prozent wirken, als hätten sie die Achtziger Jahre nie verlassen. Schöner und zeitgemäßer ist da schon das Craft & Design Centre.


Aber wo konnte man etwas von den anderen Bands sehen, die Manchester für Musikfans so berühmt gemacht haben? Ein ehemaliges Mitglied der Inspiral Carpets bietet Stadttouren zu ihren Wirkungsstätten an, aber in der Stadt an sich bemerkt man sie ohne Hilfe kaum. Der Haçienda Club ist mittlerweile ein Wohnblock, an dem immerhin ein Schild ans erste James-Konzert erinnert. Und die einzige echte musikalische Pilgerstätte befindet sich außerhalb der Stadt in Salford, wo am pittoresken Salford Lads Club auch heute noch die Smiths-Fans Schlange stehen, um deren Platteninnencover von 1986 nachzustellen.



Nachdem man also eher vergeblich nach Bronzeskulpturen von Morrissey oder einem Joy Division-Museum sucht, kann man sich zumindest den anderen kulturellen Offerten widmen. Für die, die Manchester eher als Industriestadt wahrnehmen, bietet das MOSI einen Einblick in die Geschichte des Maschinenbaus, den Beginn der Eisenbahn (das Museum befindet sich an der Stelle des ersten Personenbahnhofs der Welt), die Geschichte der Elektrizität bis hin zur heutigen Energiegewinnung, den für Manchesters Geschichte wichtigen Baumwollhandel... kurz, Manchester hat sein eigenes Deutsches Museum. Ein Museum gibt es übrigens auch die Fußballfans in Manchester, es war aber bei unserem Besuch noch nicht eröffnet.


Im Stadtteil Castlefield kann man aber neben dem ersten Bahnhof auch vieles anderes entdecken: Hier gibt es eine Reproduktion der römischen Siedlung, aus der die Stadt Manchester hervor ging. Heute kann man an putzigen kleinen Kanälen entlang wandeln und die Aussicht auf das höchste Gebäude der Stadt, den Beetham Tower, genießen - bei dem ich mir stets ein wenig Sorgen machte, er könnte umfallen.


Ein Problem unseres Manchesteraufenthalts lag im klischeehaft englischen Wetter: Täglich regnete es zumindest kurz auf uns herab, gerne auch länger. Folglich standen inhäusige Aktivitäten ganz oben auf der Interessenliste. Glücklicherweise verfügt die Stadt über eine recht interessante Kunstgalerie und über etliche Bibliotheken. Die schönste von ihnen ist die neugotische John Rylands Library, die Mrs. Rylands im Jahr 1900 zum Gedenken an ihren verstorbenen Mann bauen ließ  - würden doch alle reichen Leute ihr Vermögen in derart sinnvolle und gemeinnützige Denkmäler investieren.


Und so bleibt als Fazit: Man muss Manchester nicht unbedingt gesehen haben. Was aber nichts daran ändert, dass es durchaus Spaß macht, einige Tage dort zu verbringen.

Die schon wieder: Garbage in der Manchester Academy

U.
Wir hatten das Thema schon einmal: Eigentlich mag ich Bands nicht gerne mehrmals sehen. Aber momentan scheint es fast so, als würden mein Freund und ich nun anstreben, sämtliche kürzlich beim Hurricane gesehenen Bands noch einmal einzeln zu betrachten.

Die Realität ist etwas anders: Wir befanden uns wegen des Stone Roses-Konzerts bereits in Manchester, das Garbage-Konzert fand an einem Abend statt, an dem wir nichts anderes vorhatten und ausverkauft war es, als wir uns schließlich zum Ticketkauf entschlossen, auch nicht. Also gingen wir eben hin.


Leider entpuppte sich der Fußweg, der uns im Nieselregen an sämtlichen Abteilungen der Universität Manchester vorbeiführte, dann doch als länger als erwartet, und als wir die Halle endlich betreten und auch eine Garderobe ausfindig gemacht hatten, setzte die Vorband The Jezebels bereits zu ihrem letzten Lied an. Insgesamt hatte ihr Auftritt auch nur 30 Minuten gedauert.

Während des Wartens auf die Hauptband hatte ich ein wenig Zeit, unsere Umgebung zu studieren, und stellte fest, dass zu etwa 50 Prozent „alte“ Fans gekommen waren – einzelne Herren oder auch Paare im Alter der Band. Dazwischen befanden sich jedoch auch zahlreiche Gäste, die direkt von der benachbarten Uni zu kommen schienen und die maximal Mitte 20 zu sein schienen. Anscheinend haben Garbage also mit ihrem aktuellen Album auch neue Fans akquiriert.


Nach kurzer Pause erklommen, wie schon beim Hurricane, zunächst die männlichen Bandmitglieder die Bühne, angeführt wurden sie von ihrem Vorsitzenden und Schlagzeuger Butch Vig. In gebührendem Abstand folgte Shirley Manson auf superhohen Absätzen, in ähnlichen, ich glaube aber nicht identischen roten Hot Pants, wie sie in Scheeßel getragen hatte. Identisch war in jedem Fall der hohe Dutt, als Oberteil gab es heute eine rote Bluse über einem schwarzen Top, dazu eine bei den Temperaturen der Halle völlig überflüssige schwarze Strickjacke, die nach dem ersten Lied „Supervixen“ sofort abgelegt wurde.

„Paranoid“ war anschließend das erste Lied, bei dem das Publikum zum Mitsingen aufgefordert wurde, später wurde das bei „Push It“, „Cherry Lips“ und natürlich „Only Happy When It Rains“ wiederholt - mit Erfolg, versteht sich.


Verglichen mit dem Set beim Hurricane war nicht nur die Setliste deutlich anders (gut, sie enthielt ja auch acht Titel mehr), auch die Band schien sich bei einem „eigenen“ Konzert wesentlich wohler zu fühlen, denn die Atmosphäre war viel wärmer – wie leider auch die Temperatur. Shirley bedankte sich beim Publikum aus Manchester, das sieben Jahre auf die Rückkehr der Band gewartet habe. Nachdem sie „Shut Your Mouth“ wiederum in der uns bereits bekannten Rap-Version vorgetragen hatte, musste sie vor „Queer“ auch die Bluse ablegen und stellte wenig später fest, dass sie noch nie erlebt habe, dass es bei einem Konzert derart heiß sei.1

Vor „Stupid Girl“ ertönten - wie gehabt - kurz die Klänge von Donna Summers „I Feel Love“, aber nach dem Song gab es auch etwas Neues für uns, denn Shirley hatte nach sechs Liedern offenbar genug Schmerzen ertragen und wechselte schnell auf der Bühne in bequemeres Schuhwerk – wir hatten uns vorher schon darüber gewundert, dass ein Roadie Stiefel vors Schlagzeug gestellt hatte.


Nachdem Shirley Teile von „Why Du You Love Me“ auf dem Boden sitzend und liegend vorgetragen hatte, war es ein weiteres Mal Zeit, Bezug auf den Ort Manchester zu nehmen. Shirley, die ja selbst Schottin ist, erklärte zur Begeisterung des Publikums „It’s better up North!“ und erzählte anschließend, dass sie sich genau an ihren ersten Besuch in der Stadt erinnere. Damals habe sie bei der Band Goodbye Mr. McKenzie gesungen, und ihre lokale Supportband waren die Stone Roses. Jahre später trat sie, nun mit Garbage, bei „Top of the Pops“ auf, die Stone Roses waren ebenfalls anwesend, Ian Brown sprach sie auf die gemeinsame Vergangenheit an und sie behauptete ganz cool, sie könne sich überhaupt nicht an die damalige Vorband erinnern. In Wirklichkeit seien Garbage aber große Stone Roses-Fans und freuten sich bereits darauf, demnächst mit ihnen in Bilbao aufzutreten.

Vor „Control“ erfuhren wir noch, dass es „our favourite guitar-driven Song on the new album“ und außerdem die nächste Single in den USA sei – allerdings nicht in Europa, weil dort keine Rocksongs mehr im Radio gespielt würden.


Nach „#1 Crush“, das ich in der gespielten Version irgendwie überhaupt nicht erkennen konnte, folgte eine weitere Erzählrunde, dieses Mal von der ganzen Band. Shirley bat zunächst Duke Erikson um ein Tänzchen und bat ihn, irgendetwas zu erzählen. Er nutze die Chance, Freunde von sich aus Wiscounsin zu grüßen, die extra für den Abend angereist seien. Als nächster trat Steve Marker ans Mikrofon und sagte, er freue sich, in Manchester zu sein, der Stadt, aus der jede tolle Band der Welt stamme. Dann war auch der nicht fest zur Band gehörende Bassist Eric Avery an der Reihe, der nur kurz sagte, Manchester sei die Heimat seines Lieblingsbassisten. Unter großen Vorabapplaus ergriff zuletzt Butch Vig das Wort und nahm Bezug auf Averys Worte, indem er erzählte, beim letzten Auftritt von Garbage in Manchester habe ein Bekannter der Band hinter die Bühne kommen wollen. Garbage hatten aber keine große Lust, ihn zu sehen, und fanden deshalb Ausflüchte, die das verhinderten. Hinterher erfuhren sie aber, dass der ungeliebte Bekannte in Begleitung von Peter Hook gewesen war, und dass sie so unwissentlich ein Treffen mit ihrem Idol verhindert hatten.

Wie gesagt, nicht nur wegen der vielen Redepausen hatte man den Eindruck, dass die Band viel Spaß an dem Auftritt hatte, und vor einem der letzten Songs sagte Shirley sogar, dass sie, obwohl sie seit ihrem 15. Lebensjahr auf verschiedensten Bühnen stehe, nicht wolle, dass dieser Abend ende. Nach „Vow“ war dennoch zunächst Schluss, aber es gab natürlich Zugaben: Auf das neue „Automatic Systematic Habit“, das beim Hurricane den Auftritt eröffnet hatte, folgte „The Trick Is To Keep Breathing“, zu dem Shirley erklärte, der Song habe sich im Laufe der Jahre zum Garbage-Song entwickelt, der den Fans am meisten bedeutete und der am meisten mit der Band in Verbindung gebracht werde. Sie habe Textzeilen schon in Briefen an sich gelesen und selbst als Tattoos gesehen. Nach diesem einzigen ruhigen Song – wie beim Hurricane fehlten leider „The World Is Not Enough“ oder auch „Milk“ – hörten wir am Ende noch, dieses Mal mit auffällig langsamem Anfang, „Only Happy When It Rains“, dann war der Auftritt, natürlich nicht, ohne dass sich die Band noch vor uns verbeugt hätte, vorbei.


1 Garbage sind also offenbar noch nie im Frankfurter Mousonturm oder im Gibson aufgetreten ...



Setliste:

Supervixen
I Think I’m Paranoid
Shut Your Mouth
Metal Heart
Queer
Stupid Girl
Why Do You Love Me
Not Your Kind Of People
Control
Cherry Lips (Go Baby Go!)
Blood For Poppies
Special
#1 Crush
Battle In Me
Big Bright World
Bad Boyfriend
Push It
Vow

Automatic Systematic Habit
The Trick Is To Keep Breathing
Only Happy When It Rains

Ich Kindle-Killer

U.
Letzte Woche war ich auf Reisen und hatte natürlich meinen Kindle dabei - seit ich ihn vor mehr als einem Jahr anschaffte, begleitet er mich eigentlich überall hin. Begleitete, muss das wohl heißen, denn: Als ich mich auf einem angenehm großen Hotelbett zurücklehnte, knackte es plötzlich unter meinem Ellenbogen: Oh Nein, der Kindle! Das Gerät zeigte wie gehabt seinen Screensaver an, es schien also nichts passiert zu sein - dache ich, bis ich es benutzen wollte.

Beim Wecken aus dem Standby blieb das Wallpaper rechts oben unverändert, links erschien etwas, das möglicherweise das Inhaltsverzeichnis war und unten rechts zeigte das Display einen Krater, in dem ich die Einschlagstelle meines Ellenbogens vermutete. Ohne große Hoffnung versuchte ich einen Neustart, doch dieser ließ sich gar nicht erst durchführen. Meine Ellenbogenquetsche hatte sich trotz Polsterung von der Bettseite als Finishing Move erwiesen, ich hatte meinen Kindle getötet!


Was nun? Dass ich wieder ein nutzbares Gerät haben wollte, stand außer Frage, nur die weitere Vorgehensweise musste geklärt werden. Grundsätzlich hatte ich kein großes Interesse an einem Upgrade, sondern wollte einfach wieder das gleiche Gerät, wie ich bereits hatte - schon, weil nur zu diesem meine handgemachte Hülle passt. Diesen meinen Kindle mit Tastatur und WLAN verkauft amazon aber gar nicht mehr, und die ihm ähnlichste Form mit UMTS kostet 159 Euro. Ich sah mich halbherzig bei eBay um, schließlich bekommen doch sicher viele Menschen einen Kindle geschenkt und benutzen ihn dann doch nicht? Das dachten sich aber wohl auch andere, denn gebrauchte Kindles erreichten in ihren Versteigerungen annähernd den Neupreis.

Schließlich tat ich, was sowieso notwendig war, und kontaktierte amazon - ich wollte herausfinden, ob eine Reparatur meines Gerätes möglich und sinnvoll sei. Meine Schilderung des Gerätezustands entlockte dem Mitarbeiter ein Lachen - so weit zur Reparierbarkeit. Er hatte aber auch einen konstruktiven Vorschlag: Gegen Einsenden des kaputten Kindles würde amazon mir ein identisches, neues Gerät für 50 Euro verkaufen. Das klang doch sehr kulant.

Einige Tage musste ich nun dennoch "ohne" überstehen und konnte mein angefangenes Buch nur via die Kindle-App auf dem iPhone weiterlesen. Das macht wenig Spaß. Heute sollte das Ersatzgerät eigentlich eintreffen, und alle paar Minuten überprüfe ich die DHL-Website, auf der hartnäckig "Die Sendung wird dem Empfänger voraussichtlich heute zugestellt" steht. Daran glaube ich jetzt, am Freitagabend gegen halb sieben, zwar nur noch bedingt, aber immerhin: Ab Morgen bin ich hoffentlich endlich wieder in Besitz eines funktionierenden Kindles!

The Resurrection: The Stone Roses im Heaton Park (Manchester)

U.
Wir hatten das Thema schon einmal: Eigentlich mag ich Bands nicht gerne mehrmals sehen. Klar, bei grundsätzlich tollen Interpreten ist zumindest bei neuen, guten Albumveröffentlichungen, jedes Mal wieder ein Konzertbesuch fällig. Aber ich bin nicht der Typ, der sich Karten für die halbwegs erreichbaren Stationen einer kompletten Morrisseytournee kauft, so gerne ich ihn auch mag.



Folglich war ich auch nicht begeistert, als ich erfuhr, dass die Stone Roses, für deren großes Reunionkonzert in Manchester ich zu meiner eigenen Überraschung Karten ergattert hatte, anschließend etliche Konzerte in Europa bekanntgaben, die VOR der großen offiziellen Wiedervereinigung stattfinden sollten – und als einer dieser Auftritte beim Hurricane Festival sein sollte, für das ich ebenfalls Karten hatte. Über dieses Konzert berichtete ich ja bereits, aber das Event in Manchester hatte natürlich andere Dimensionen.

Am Wochenende war sie nun, die offizielle Stone Roses Reunion. Eines von drei Konzerten im Heaton Park im Band-Heimatort Manchester, an drei aufeinander folgenden Tagen, vor jeweils 75.000 Zuschauern. Beim Hurricane Festival hätte die Band, wenn jeder einzelne Gast gekommen wäre, immer noch „nur“ 70.000 erreichen können. In Wirklichkeit kam aber nur jeder Siebzigste bis Hundertste ...


225.000 Menschen hatten also dafür bezahlt, eine Band, die seit 1994 nichts mehr veröffentlicht hat, zu sehen, eine für mich unvorstellbare Zahl. Bei unserer Ankunft in Manchester am Samstagmorgen, dem zweiten der drei Konzerttage, sahen wir sie aber schon überall: Menschen in unserem Alter, meistens in Gruppen, in Gummistiefeln und mit Stone Roses T-Shirts. Manchesters Plattenläden haben ihre Auslagen mit Alben der Roses und Bands aus ihrem Umfeld dekoriert, in den Pubs waren alle eifrig mit Vorglühen beschäftigt.

Der Heaton Park, in dem das Massenevent stattfand, liegt relativ weit außerhalb. Aus der Innenstadt konnte man mit Shuttlebussen oder der Straßenbahn anreisen. Als wir uns gegen 15 Uhr der Bahn näherten, warteten hier bereits Massen anderer Konzertbesucher, und bereits nach einigen Haltestellen wurde die Anreise zu einer feucht-fröhlich-gequetschten Saunafahrt.

Im riesigen, abgesperrten Areals des Parks verliefen sich bei unserem frühen Eintreffen die Konzertbesucher nach dem Einlass zunächst einmal. Die Massen an Fress-, Bier- und Merchandiseständen konnten sich mit jedem Festival messen, und auch das Wetter entschied sich, festivalmäßig zu sein und gelegentlich heftige Schauer auf uns niederregnen zu lassen. Die englischen Besucher lösten das Problem der langen Schlangen an den Bierständen, indem immer so viele Becher gekauft wurden, wie man zu tragen in der Lage war.


Am Vortag hatte ich auf Twitter gesehen, dass man für den Raum vor der Bühne ein spezielles Armbändchen benötigte, und wir waren begeistert, als wir ein solches noch bekommen konnten – fühlten uns dann aber weit weniger auserlesen,  als wir sahen, wie groß der Vorbühnenbereich war. Die Bändchen wurden auch zwei Stunden später noch ausgegeben.

Das Line-up des Nachmittags sollte folgendermaßen aussehen: Zunächst spielten die mir unbekannten Bands Hollie Cook und Professor Green, dann wie bei allen drei Konzerttagen Ian Browns angebliche Lieblingsband The Wailers, dann Beady Eye und zuletzt natürlich die Gastgeber. Band 1 und 2 ignorierten wir so gekonnt, dass wir nicht einmal Professor Greens Gaststar Lily Allen bemerkten. Für The Wailers begaben wir uns dann notgedrungen vor die Bühne – schließlich wollte man ja bei Beady Eye etwas sehen – und stellten eher überrascht fest, dass die anderen Konzertbesucher mit Reggae deutlich mehr anfangen konnten als wir. Alte Bob Marley Hits wie „I shot the Sherriff“, „Everything’s gona be all right“, „No Woman No Cry“ und „One Love“ wurden durchaus begeistert abgefeiert.


Dann war es Zeit für Beady Eye. Auch Liam Gallaghers Oasis-Nachfolgeband hatte ich bereits live gesehen und verspürte keine gigantische Neigung, das ohne neues Album zu wiederholen, aber immerhin mein Freund war glücklich. Vor 15 Monaten in Köln hatte Liam beim Hallenkonzert einen Parka getragen, den er komplett durchgeschwitzt hatte, beim regnerischen Open Air Festival erschien er in schwarzem T-Shirt mit schwarzer Lederjacke. Auch hier waren nach kürzester Zeit Transpirationsspuren sichtbar, obwohl sich der jüngere Gallagher doch gewohnt wenig auf der Bühne bewegte.


Spannend bei diesem Auftritt war immerhin, dass Beady Eye angekündigt hatten, auch Oasis-Titel zu spielen, was die Band in ihrer bisherigen Karriere verweigert hatte. Kurz zuvor hatten Beady Eye ein Warm-Up-Gig gespielt, da sie dieses Jahr zuvor noch keinen Auftritt bestritten hatten, und so war durchgesickert, dass es tatsächlich zwei Oasis-Songs in die Setliste geschafft hatten. Und in der Tat erklang nach „Four Letter Word“, „Beatles and Stones“, „Bring the Light“ und dem neuen Song „World not set in Stone“ als erster Oasis-Hit „Rock ’n’ Roll Star“ – mit einer Widmung an „the one and only Ian Brown“. Der Unterschied war frappierend: Während das betrunken-gutgelaunte Publikum um uns herum die Beady Eye-Songs wohlwollend aufgenommen hatte, wurde „Rock’n Roll Star“ mit Enthusiasmus und beeindruckender Textsicherheit der Masse abgefeiert. An Stelle der Band wäre ich über diesen Resonanzunterschied, der sich später bei „Morning Glory“ genauso wiederholte, alles andere als erfreut gewesen. Zu deutlich wurde, dass Beady Eye als Oasis-Ersatz akzeptiert wird, aber mehr auch nicht. Und angesichts des Qualitätsunterschieds der eigenen Songs gegenüber den alten Hits ist das auch mehr als verständlich, denn höchstens „The Roller“ konnte sich, auch im Hinblick auf die Reaktion des Publikums, mit den beiden Noel-Kompositionen messen.


Vor „Morning Glory“ hatte uns Liam Gallagher noch versichert, dass es ihm eine „fucking honour“ sei, vor „the best fucking band in the world“ zu spielen. Worte, die man ihm abnehmen darf, denn schließlich war er Gast der Stone Roses bei den ersten Konzerten in Warrington und Barcelona. Den Abschluss des rund 45minütigen Auftritts bildete eine sehr lange Version von „Sons Of The Stage“, zu der Liam sich ungewohnt volksnah präsentierte und unterhalb der Bühne reichlich Hände schüttelte.

Setliste:

Four Letter Word
Beatles And Stones
Bring The Light
World Not Set In Stone
Rock ’n’ Roll Star
The Roller
Standing On The Edge Of Noise
Wigwam
Morning Glory
Sons Of The Stage


Mit dem Abspielen des Supremes-Hits „Stoned Love“ (den um uns herum ebenfalls viele mitsingen konnten) war es dann so weit für den Stone Roses-Auftritt – mit wesentlich mehr Dramatik und Jubel als in Scheeßel betraten Ian Brown, John Squire, Reni und Mani die Bühne. In deren Hintergrund wurden, zu den bereits bei den Vorbands im Einsatz gewesenen riesigen LCD-Leinwänden seitlich der Bühne, zehn weitere, bewegliche enthüllt, so dass ein riesiger Raum um die Bühne herum wahlweise die Band, die von drei Kameras aufgenommen wurde, oder andere Bilder, wie Plattencover oder die obligatorischen Zitronen, zeigen konnte.


Das Publikum war größer, die Stimmung besser, die Bühne beeindruckender, aber die Setliste wich nur in einigen Details von der bereits gehörten ab. Wie gehabt begann alles mit „I Wanna Be Adored“, doch von Ian Browns Gesang war kaum ein Ton zu hören -  nicht weil er so schlecht sang, sondern weil er vom Publikum komplett übertönt wurde. Nach den folgenden „Mersey Paradise“, „(Song For My) Sugar Spun Sister“ und „Sally Cinnamon“ flachte die Stimmung bei den nächsten, mit einigen B-Seiten versehenen Songs etwas ab. An einem Abend, an dem die Stone Roses ihr Debütalbum komplett spielen, darf man sich eigentlich nicht über die Songauswahl beschweren, anmerken darf man aber dennoch, dass mit „Elephant Stone“, „What The World Is Waiting For“, „One Love“ und „Begging You“ gleich vier Singles keine Berücksichtigung fanden.


Spätestens mit „Fools Gold“, das an diesem Abend noch mal ein paar Minuten länger gespielt wurde, war dann alles wieder in Ordnung. Fast schon gruselig fand ich, dass Ian Brown auch dieses Mal „Don’t Stop“, das nahtlos aus „Waterfall“ hervorgegangen war,  gesanglich wieder völlig versemmelte, im Anschluss bot er zu „Love Spreads“ eine deutlich besser funktionierende Rapeinlage. Bei den häufig extrem langen Gitarrensoli konnte John Squire seine Klasse zeigen, und Mani durfte am Ende von „Standing Here“ mit einem Basssolo glänzen, für das er von Ian Brown geknuddelt wurde.

Die folgenden „Made Of Stone“, „This Is The One“ und „She Bangs The Drums“ führten beim Publikum zu enthusiastischer Begeisterung, die sich auch im Abbrennen von Bengalischen Feuern äußerte.


Eine angenehme Überraschung war, dass die Band auch ihr im Stil extrem untypisches und superkurzes „Elizabeth My Dear“ spielte, begleitet von Kritik an der Königin durch Ian Brown, die ich im Detail nicht verstanden habe.
Zuletzt konnten wir dann auch wieder das bewährte und allseits mitgesungene „I Am The Resurrection“ genießen, dann umarmten sich die vier Bandmitglieder zunächst ausgiebig, um sich gemeinsam am Bühnenrand stehend mit dem Ausruf „We are fucking back!“ zu verabschieden.


Alles vorbei? Nur beinahe, denn nun erklang aus Lautsprechern Bob Marleys „Redemption Song“ während hinter uns am Rande des Konzertareals ein riesiges Feuerwerk abgebrannt wurde.
Als wir uns im anschließenden beachtlichen Gedränge Richtung Bahn treiben ließen, erläuterte hinter mir ein Engländer seinem Kumpel, dass er nach diesem Ende keine Zugabe gewollte habe, es sei so einfach gut und komplett gewesen. Da kann man ihm nur zustimmen - auch, wenn ich im Mittelteil die Setliste geändert hätte.


Setliste:

I Wanna Be Adored
Mersey Paradise
(Song For My) Sugar Spun Sister
Sally Cinnamon
Where Angels Play
Shoot You Down
Bye Bye Badman
Ten Storey Love Song
Standing Here
Fools Gold
Something's Burning
Waterfall
Don't Stop
Love Spreads
Made Of Stone
This Is The One
She Bangs The Drums
Elizabeth My Dear
I Am The Resurrection



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