TVLab 2012 (6): Deutsches Fleisch

U.

Huch, schon wieder Metzgereiwaren! Nach den unsäglichen Beef Brothers schickte ZDFneo gestern Deutsches Fleisch ins Rennen, eine Zeichentrickserie, die im Zuschauerranking von Anfang an weit vorne lag - obwohl man sie ja erst ab gestern in voller Länge sehen konnte. Auch jetzt sieht es schwer danach aus, als würde diese Sendung den Gesamtsieg davontragen und in Serie gehen.
Die Cartoon-Serie "Deutsches Fleisch" dreht sich um die aberwitzigen Geschichten und Abenteuer von vier arbeitslosen Freunden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die voll animierte Sendung stellt Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen, verrückten Medienphänomenen, Nostalgischem sowie Kunst und Kultur her. Nichts davon ist zufällig und nichts davon ernst.


Klingt irgendwie nach South Park, oder? In der Tat erinnert die Umsetzung im Zeichenstil zwar an Family Guy, das ganze Drumherum mit den recht kruden Zeichnungen, wenig eigentlicher Animation und nicht sonderlich professionellen Stimmen sowie den teils recht schmerzfreien Witzen vor allem an die Serie von Trey Parker und Matt Stone. Die Tatsache, dass einer der Protagonisten seinen verschrumpelten siamesischen Zwilling mit sich herumträgt, darf wohl auch als Anspielung auf das Vorbild verstanden werden. South Park schätze ich in kleinen Dosen durchaus.


Von Deutsches Fleisch kann ich das nicht behaupten. Ich schätze, es ist sehr aufwendig, von Grund auf eine Probefolge einer Zeichentrickserie zu produzieren, und man sieht dem Ergebnis an, dass an vielem gespart werden musste. Wenn ich so an die Handlungselemente zurück denke, war neben der recht banalen Hauptgeschichte unglaublich viel in die Episode hinein gepackt, beispielsweise taucht kurz ein koksender Peter Lustig (der aus der Kinderserie), eine Hitler-Familie oder ein Ausschnitt der Achtziger-Jahre-Show Herzblatt auf, zusätzlich werden in einer Imbissbude putzige Hasen frittiert. Geradezu postmodern wird es, als der eben noch zur Hirntransplantation festgeschnallte Sido nach einer Pause verlangt, das "Set" verlässt und sich kurz mit den Autoren unterhält. Nur: Lachen musste ich in all diesen Situationen kein einziges Mal.


So richtig kann ich gar nicht erklären, was genau dieses Format für mich geradezu indiskutabel macht, denn freiwillig werde ich mir sicher keine weitere Folge ansehen. Vielleicht fehlt es trotz den vorhandenen Ideenreichtums, wenn es darum geht, eine amerikanische Idee im deutschen Kulturkreis anzuwenden, an echter, darüber hinaus gehender Originalität.



TVLab 2012 (5): Kampfansage

U.

Kürzlich, ich weiß nicht mehr wieso, sah oder las ich ein Interview mit Elton, in dem dieser beteuerte, er sei überhaupt kein neidischer Mensch. Als Beispiel nannte er, dass er Joko und Klaas den Erfolg bei ihren diversen Sendungen gönne, obwohl man sie mit ihren zahlreichen Wettkämpfen gegeneinander auch als Konkurrenz zu seiner Sendung Elton vs. Simon betrachten könne. "Stimmt", dachte ich mir, "dann ist der Markt für schwachsinnige Wettbewerbe ja wohl nun wirklich gesättigt".

Mitnichten, denn auch Kampfansage haut in dieselbe Kerbe:
Bei "Kampfansage" stehen echte Typen im Vordergrund – Menschen mit fantastischen, skurrilen und total verrückten Leidenschaften und Fähigkeiten. Ihnen und ihrer Begeisterung für schräge Duelle bietet Moderator Simon Beeck eine öffentliche Plattform, auf der sie in einem spannenden, echten und unterhaltsamen Wettkampf vor laufender Kamera gegeneinander antreten.


Und das funktioniert in meinen Augen überraschend gut. Die Wettbewerbe werden an unterschiedlichen Orten, wie Hamburg, Frankfurt oder Aachen, zwischen (meist) Nicht-Prominenten ausgetragen, und ich empfand sowohl die Kämpfer als auch den Moderator als angenehm ungekünstelt. Natürlich ist es hochgradig albern, zu testen, welcher Wettbewerber schneller im asiatischen Supermarkt einkaufen kann (im Einkaufswagen sitzend und ohne den Boden zu berühren), welcher Modeblogger mehr Leser dazu bringen kann, nach Frankfurt zum Flashmob anzureisen oder welche Freundin sich schneller vom Arbeitsdress ins Ausgeh-Outfit schmeißen kann. Aber wenn sich alle Teilnehmer über die Schwachsinnigkeit des Unterfangens einig sind, dennoch mit vollem Einsatz mitmachen und sich dabei augenscheinlich nicht einmal übertrieben cool und ironisch vorkommen, dann führt das bei mir durchaus zu dem einen oder anderen Lacher.


Der "Hauptwettbewerb" der Pilotfolge, der sich quasi durch die ganze Sendung zog, war der Versuch, mit dem Fahrrad über einen sehr schmalen Plankenparkour in einem See zu fahren. Das entpuppte sich für mich tatsächlich als interessant und spannend, denn die Aufgabe erschien im Grunde unlösbar. Darüber konnte ich dann auch schnell den einzigen "Promiwettbewerb" mit dem nervigen Comedian Martin Schneider vergessen, in dem es (natürlich) darum ging, dass dieser sich viele Dinge in seinen großen Mund stopfte. Herrje.


Ich weiß nicht, ob das Konzept bei einer regelmäßigen Wiederholung seinen Charme bewahren könnte. Vielleicht würde Kampfansage auf längere Sicht auch besser funktionieren, wenn einzelne Duelle im Rahmen einer anderen Sendung stattfänden. Im Moment bin ich nur überrascht, wie wenig mir diese Sendung auf die Nerven gegangen ist.


TVLab 2012 (4): Beef Brothers

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Nur selten beweise ich im Rahmen dieses Blogs meine journalistische Integrität - ist ja auch kaum nötig, da ich mich in meiner schreibend verbrachten Freizeit natürlich vorrangig mit Dingen beschäftige, die mich interessieren. Bei dieser Folge des ZDFneo TVLabs kann ich aber behaupten: Ohne die selbst auferlegte Verpflichtung, hier jeden Teil vorzustellen, hätte ich mir diese Sendung ganz sicher nicht komplett angetan.
Die drei Profi-Köche Chakall, Shane und Frank brechen gemeinsam auf, um für zwei Tage ein echtes Männerabenteuer zu erleben. Die "Beef Brothers" erleben eine nicht alltägliche Geschichte auf 2000 Metern Höhe, in einem einsamen Bergchalet. Sie zeigen auf abenteuerliche und experimentelle Art und Weise, wie man ein feines Gericht zubereitet und der Spaßfaktor ganz weit oben steht.

Es geht also mit dieser komischen, in meinen Augen stets gekünstelten "Männer, das ist was für Euch! Packt Eure Urzeittriebe aus! Ihr seid so!"-Attitüde um Fleisch, viel Fleisch, und dessen natürlich hart-maskulin-naturburschikose Zubereitung nebst Verzehr.


Dafür, dass dieses Thema komplett an mir vorbei geht, kann ZDFneo natürlich nichts, deshalb erspare ich mir zur Abwechslung einmal langweilige Kommentare zum Thema Fleischkonsum und setze nur einfach schnell diesen aktuellen Link.

Kommen wir also zum Inhalt: Drei Köche wandern zu einer landschaftlich sehr schön gelegenen Almhütte, wo sie bereits von einem toten Reh (und dem dafür verantwortlichen Jäger) erwartet werden. Das Reh wird zunächst ausgeweidet und die Innereien verzehrt, das übrige Tier gehäutet und mit einer langwierigen Methode von einem der drei zubereitet. Damit die anderen beiden auch etwas zu tun bekommen, wird der eine zum Fischen geschickt, der andere bäckt ein Rinderfilet in Salzkruste.

Besondern sympathisch erschienen mir die Protagonisten allesamt nicht, sollten sie tatsächlich auch privat miteinander befreundet sein, konnten sie das gut verbergen. Die Dialoge und Gesichtsausdrücke fielen häufig so langweilig, schlecht gespielt und nichtssagend aus, dass die Redaktion beschloss, zusätzlich "lustige" Einblendungen hinzuzufügen - was auch nicht viel verbesserte.


Auch, wer gerne Fleisch kocht, findet in der Sendung vermutlich wenig Inspiration - das Reh wird aus Originalitätsgründen in einer Sauna gegart, was sich fürs Nachmachen eher weniger eignet. Die Rinderfilet-Salzkrustensache kennen Hobbyköche sicher bereits aus anderen Medien, die Fische werden zum Räuchern aufgehängt und verschwinden im Laufe der Sendung, so dass man nie ein fertiges Gericht zu sehen bekommt, und dann bereitet der Argentinier mit dem unmotivierten Handtuch um den Kopf noch eine gefüllte Paprika zu (natürlich mit Fleisch), die allerdings im Dunkeln vor der Kamera nicht wirklich zu sehen ist.


Als Sieger der Folge muss wohl der Hund des Jägers gelten, er überstand nämlich als einziges Tier die Sendung, ohne ausgeweidet und gegessen worden zu sein. Kurz und bündig: Ich fand die Probesendung noch dämlicher als erwartet und würde sie nicht einmal begeisterten Fleischköchen empfehlen. Das einzig Gute ist der Vorspann, der komplett von der Serie Dexter geklaut wurde.

TVLab 2012 (3): Der Protagonist

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Bei allen Formaten, die bisher im Rahmen des ZDFneo TVLabs gezeigt wurden, hatte ich den Eindruck, dass sie sich vor allem an junge Zuschauer richten. Bei Der Protagonist lässt sich das nicht behaupten - vielleicht dadurch, dass der Moderator Jörg Thadeusz zumindest schon über 40 und sein Interviewpartner der Premierensendung, Hans-Jürgen Kuhl, sogar schon über 70 ist, scheint die Zielgruppe hier ziemlich offen zu sein.
Ein prominenter Journalist und ein Protagonist mit einer besonders bewegenden Lebensgeschichte treffen aufeinander und führen ein Interview mit direktem Blick in die Kamera. Durch die direkte Ansprache ist man hautnah am Protagonisten und seiner Geschichte. In der Pilotfolge interviewt Journalist und Fernsehmoderator Jörg Thadeusz den Künstler und Geldfälscher Hans-Jürgen Kuhl.


An und für sich ist Der Protagonist eine ziemlich normale Interviewsendung mit einem intelligenten Moderator und, zumindest in der Debütsendung, einem Gast, der viel zu erzählen hat. Die als innovativ beworbene Gesprächssituation macht in meinen Augen keinen gigantischen Unterschied. Sicher ist es für die Gesprächsteilnehmer ungewöhnlich, nicht einander, sondern eine Kamera anzusehen, für den Zuschauer bedeutet das aber letztlich "nur", dass der Interviewte ihn direkt anzusehen scheint, statt, wie üblich, mit dem Moderator irgendwo zu sitzen oder zu stehen, so dass sich der Zuschauer eher als unbeteiligter Beobachter fühlt.

Aus meiner Sicht macht das für das Interview an sich keinen Unterschied, zumindest keinen positiven. Ohne selbst je interviewt worden zu sein, könnte ich mit aber vorstellen, dass mir ein direkt im Raum anwesender, sympathischer Moderator, der mich die Fernsehsituation für einen Moment vergessen lässt, interessantere Geschichten entlocken könnte als jemand, der mir nur auf einem kleinen Monitor erscheint.


Die Lebensgeschichte von Hans-Jürgen Kuhl, der als Künstler und Modedesigner durchaus erfolgreich war, sich aber letztlich dafür entschied, Geldfälscher zu werden und deshalb erwischt wurde, weil er seine nicht ganz perfekten Blüten, gemeinsam mit der Privatpost geschreddert, brav ins Altpapier entsorgte, füllt leicht die halbe Stunde Sendezeit. Wohl um die ewig gleiche Kameraperspektive für die Zuschauer aufzulockern, gab es auch einige "Spielszenen", die manche der erzählten Erlebnisse visualisieren sollten.


Ob die Pop-Art-mäßige Verfremdung hier gewählt wurde, weil dies Kuhls künstlerische Heimat ist oder ob es sich um ein Dauerfeature handelt, muss sich wohl erst zeigen. Ich fand die Spielszenen ohnehin eher überflüssig, genau wie das Kameragetue. Von mir aus kann sich Herr Tahdeusz gerne mit seinen Gesprächspartnern in ein normales Studio setzen, und wenn sie etwas Interessantes zu berichten haben, schalte ich dann auch ein.

TVLab 2012 (2): Heiß & Fettig

U.

Weiter geht's mit meinem Test des ZDFneo TVLabs, gestern kam als zweite Sendung Heiß & Fettig:
Der gediegene, nächtliche Sex-Talk "Heiß & Fettig" serviert, was zusammengehört: Sex und Humor. Und wo ließe sich entspannter über Sex sprechen als in einer Berliner Burgerbraterei? Mitten in Kreuzberg und tief in der Nacht empfangen die beiden Moderatoren Ulrike "Uli" Schreiber und Jan Köppen illustre Gäste, die freimütig über ihr Liebesleben berichten.


Wenn man so alt ist wie ich, erinnert einen diese Beschreibung an die frühen Jahre des Privatfernsehens, als es mit Liebe Sünde, Wa(h)re Liebe und dem unsäglichen Peep! etliche solche Sendungen gab, teils eher mit Magazin-, dann wieder mehr mit Talk-Charakter. Irgendwann war dann über letzten Swinger-SM-Bauernhof berichtet und wieder Ruhe im Karton.

Mit einem Kurzauftritt von Lilo Wanders (Moderator von Wa(h)re Liebe) zeigt Heiß & Fettig, dass man sich der Tradition in diesem Bereich durchaus bewusst ist. Aber was macht die neue Sendung nun anders? Laut dem Zitat oben bringt sie Humor in die Geschichte, und in der Tat wurde in der Probesendung unheimlich viel gekichert.


Als Talkgast war ein mir unbekannter Kandidat der Castingshow The Voice eingeladen, der zum Thema Sexualität zwar viel Erlebtes berichten konnte, mich damit aber durchaus verstörte. Jan Köppen drehte die Fragen außerdem geschickt immer so, dass seine Comoderatorin ebenfalls viel selbst Erfahrenes zum besten gab, er selbst jedoch nicht.

Zwischen den Gesprächseinlagen kamen einige Magazinbeiträge, in der Premierensendung zu den Themen "MILF", "Dumm **** gut" sowie männliche Masturbationshilfen mit anschließender Bastelstunde.


Wie gesagt, gelacht wurde von allen Beteiligten viel, ich musste auch nicht wie bei Sieh's mal wie ein Promi jede Minute fassungslos feststellen, dass die Zeit überhaupt nicht voran zu schreiten schien. Würde ich das Ganze regelmäßig sehen wollen? Ich glaube kaum, weil es einfach schon zu viele Sendungen dieser Art gab.

TVLab 2012 (1): Sieh's mal wie ein Promi

U.

Gestern ging es also los mit den diesjährigen Beiträgen des TVLabs.
"Sieh’s mal wie ein Promi" zeigt dem Zuschauer einen Tag im Leben eines Prominenten aus dessen Sicht – ohne zunächst zu wissen, um welchen Prominenten es sich handelt. Präsentiert werden die besten und lustigsten Szenen dieses Tages in der halbstündigen Show vom Comedian David Werker, bevor dieser den enttarnten Prominenten zum Talk bittet.


Man sollte ja meinen, dass 30 Minuten Probesendung, in denen der prominente Gast zunächst anonymisiert vorgestellt und anschließend im Studio zum Gespräch gebeten wird, relativ schnell vergehen. Tatsächlich war die heutige halbe Stunde Streaming eine der längsten seit langem. Schon die Struktur der Sendung ergibt wenig Sinn: Während die Stimme des Gastes im ersten kurzen Einspielfilm noch verfremdet wurde, hörte das seltsamerweise schon im zweiten Clip, nach vier Minuten Sendezeit, wieder auf - und ich erkannte den Premierengast Annette Frier auch tatsächlich sofort an der Stimme.


Bevor bereits nach acht Minuten die Auflösung erfolgte, durfte das Studiopublikum noch ein wenig raten, dann arbeitete sich Frau Frier durch eine Papierwand. Es folgte das Gespräch des Moderators mit ihr, in dem noch einige vermeintlich besonders witzige Szenen des Tages vorgestellt wurden. Diese entpuppten sich als zumindest unterhaltsamer als der Moderator: Frau Frier ging joggen, verhandelte mit lärmenden Bauarbeitern, spielte Fußball, ärgerte sich über ein Knöllchen und fuhr Auto. Diesen Alltagsszenen, aufgenommen mit einer in einer Brille versteckten Kamera, begegnete sie zumindest mit einem gewissen Sinn dafür, was Zuschauer amüsant finden könnten, was man von dem Interview überhaupt nicht sagen kann: Der Humor des Moderators erschöpfte sich im Servieren eines (Achtung! Festhalten!) viel zu riesigen Kölschglases. Ein echter Schenkelklopfer.


Als letzte Station in ihrem dokumentierten Tag musste Annette Frier noch eine Mutprobe an einer Kletterwand absolvieren, das dürfte zumindest weniger anstrengend gewesen sein, als diese dreißig Minuten durchzustehen. Die Gefahr, dass Sieh’s mal wie ein Promi fortgesetzt wird, ist sicherlich nicht groß, die Qualität der Sendung lässt mich aber hoffen, dass die TVLab-Sendungen aufsteigend nach prognostizertem Erfolg gezeigt werden. Oder kommt etwa noch mehr aus dieser Liga? Bald wissen wir mehr.

Wunschfilm, die zweite

U.

Erinnert sich noch jemand ans letzte Jahr? Als ich mühsam und liebevoll jede einzelne Sendung des "Wir machen eine einzige Folge und die Zuschauer bestimmen dann, was in Serie geht"-Formats "TVLab" von ZDF Neo vorstellte, zu allem eine Meinung abgab und am Ende die alberne Comedyserie Teddy's Show das Zuschauervoting gewann? Immerhin gingen anschließend auch noch die dahinter platzierten Moviacs und Bambule in Serie, und letzteres entpuppte sich dabei als besser, als ich bei der Probefolge vermutet hatte. Selbst German Angst wurde fortgesetzt. Also im großen und ganzen kein Flop, diese Idee.

Vielleicht deshalb geht das TVLab ab Samstag in die zweite Runde: Dieses Mal scheinen sieben Testsendungen ins Rennen zu gehen (letztes Jahr waren es zehn), los geht es morgen um 22:30 mit Sieh's mal wie ein Promi, einer Show, in der der Alltag eines Prominenten aus dessen Sicht dargestellt wird. Das Publikum muss dann erraten, wer es ist. Diese Idee klingt für mich zunächst nicht sonderlich spannend, aber wer weiß, vielleicht wurde sie ja toll umgesetzt. Auch dieses Jahr ist das Gesamtspektrum der Sendungen breit, es gibt eine Art Mischung aus Spielserie und Kochsendung, eine Sex-Talkshow (ja, die Neunziger sind anscheinend zurück!), eine Zeichentricksendung, ein Interviewformat, ein Quiz ... und alles kann man sich sowohl auf ZDF Neo als auch, nach der Erstausstrahlung, im Netz ansehen und anschließend abstimmen.

Besser als im letzten Jahr scheint die "Siegerehrung" geregelt zu sein. 2011 wurde nämlich einfach nur lapidar per Twitter verkündet, wer gewonnen hatte, dann geschah monatelang nichts. Dieses Mal wird es zum Ende der Abstimmung auf ZDFneo eine Art Finale geben, was hoffentlich für einen etwas runderen Abschluss sorgt.

Wie im letzten Jahr wird es mit dem Etikett "TVLab international" auch Probefolgen von Produktionen aus anderen Ländern geben, wobei mir auch dieses Mal nicht klar ist, ob überhaupt irgendeine Chance besteht, diese Serien auch ganz zu sehen. Eine Abstimmung scheint zu diesem Thema jedenfalls nicht stattzufinden.

Nun denn, ich bin gespannt auf die neuen Sendungen und werde bald berichten.

Frankfurt Vegetarisch (6): Çiğköftem

U.
Vegetarischer Döner, der im allgemeinen aus den "gemüsigen" Einlagen der normalen Variante plus Schafskäse besteht, ist ja nun wirklich keine Innovation mehr. Die echte türkische Küche hat für Vegetarier aber natürlich mehr zu bieten, und eine dieser Speisen wird nun im Frankfurter Bahnhofsviertel angeboten: Der Laden Çiğköftem verkauft genau das, was drauf steht, nämlich Çiğ köfte. Das bedeutet auf Deutsch "rohe Frikadelle", was zunächst wenig vegetarisch klingt, tatsächlich sieht die Speise aber zwar aus wie Hackfleisch, besteht jedoch aus Weizengrieß, Tomaten und verschiedenen Gewürzen.


Bei der Masse selbst kann man zwischen "scharf" und "nicht scharf" wählen, dann muss man sich noch für ein Gericht entscheiden: Es gibt die "Dürüm"-Variante, bei der einige der "Hackbällchen" mit Zitronensaft, Sauce, Salat, Tomatenscheiben, Petersilien- und Minzblättern sowie einer Frühlingszwiebel in einen Fladen gewickelt werden. Etwas Ähnliches mit anderer Ummantelung stellt der "Hamburger" dar, oder man bestellt sich einfach eine "Portion", die eine Art Bausatz der genannten Zutaten darstellt: Man rollt seine Fladen also selbst.

Bei meinem ersten Besuch hatte ich mich für eine "Portion" entschieden und war mit der servierten Menge ziemlich überfordert gewesen. Gestern entschied ich mich für die "Dürüm"-Variante, und siehe da: Obwohl die Teigrolle nach nicht sonderlich viel aussah und auch nur drei Euro kostete, hielt sie mich bis abends satt. Çiğ köfte ist also möglicherweise gehaltvoller, als es aussieht.

Die beiden Türken hinter der Theke (einer verkauft, einer knetet und rollt) erklären bereitwillig ihr Produkt und bieten auch als Hilfe bei der Entscheidungsfindung die scharfe und nichtscharfe Version zum Probieren an. Der kleine, im Gewirr des Bahnhofsviertels leicht zu übersehende Imbiss ist bei Deutschen wie Türken recht beliebt, nur sonderlich gemütlich wirkt er nicht - die weltweit verbreitete Kette orientiert sich vom Ambiente her offenbar an Schnellrestaurants á la McDonald's.


Mein Dürüm schmeckte sehr gut und war ordentlich scharf, der von mir als Getränk dazu gewählte Ayran war zum Löschen durchaus nützlich. Leider war ich zu schüchtern, um zu fragen, ob ich bei der Zubereitung ein Foto des noch ungerollten Produktes machen darf, aber in diesem Artikel über die New Yorker Filiale kann man ein solches sehen.

Çiğköftem befindet sich in der Münchener Straße 20.

Neulich bei den Makkabäern: The Maccabees im Frankfurter Zoom

U.
Ich kenne Markus Gardian, der in Frankfurt einen Großteil der Konzerte mit der Zielgruppe „Indie“ bucht, nicht persönlich. Dennoch halte ich ihn für einen netten Menschen, denn im Rahmen seines Konzertnewsletters verlost er regelmäßig Eintrittskarten für die von ihm organisierten Auftritte. Wenn ich zurückdenke, habe ich dank der Verlosung sicherlich schon zehn Bands umsonst gesehen – häufig gibt es für Teilnehmer, die nicht ihr Wunschkonzert gewonnen haben, nämlich sogar Trostpreise in Form von anderen Konzerttickets.

So war es auch dieses Mal: Unseren eigentlichen Wunsch, Hot Chip, teilten wir offenbar mit den meisten Verlosungsteilnehmern, stattdessen gab es immerhin Karten für die Maccabees – die ich persönlich im Vorfeld nicht kannte, weshalb ich schnell vorab bei Simfy noch ihr Gesamtwerk anhörte. Als ich hinterher gegenüber meinem Freund (der die Band kennt und mag) erwähnte, dass die Sängerin die Band ja wohl nach dem ersten Album verlassen habe, war dessen Erheiterung groß. Sängerin? Bei den Maccabees? Eine Googlesuche brachte die Lösung: Das „erste Maccabees Album“ von Simfy stammt in Wirklichkeit von einer anderen Band mit demselben Namen.


Nicht allzu adäquat vorbereitet fand ich mich also wenig später samt Begleitung bei über 30 Grad im ehemaligen Sinkkasten ein. Dieses Lokal hatte ich erst- und letztmalig vor zehn Jahren besucht und für schrecklich befunden, seit seiner Umbenennung in „Zoom“ verströmt es aber zumindest nicht mehr den Nichtcharme der Achtziger Jahre und verfügt, anders als viele andere Frankfurter Clubs, sogar über eine die Temperaturen erträglich machende Lüftung.

Die ansonsten wenig erwähnenswerte Vorband List löste bei mir neue Gedanken zum Thema Älterwerden aus: Nicht nur hatte ich diesen Club zwischenzeitlich ein Jahrzehnt nicht besucht, die Mitglieder dieser Gruppe schienen wieder einmal Brüder zu sein, denn sie sahen sich ziemlich ähnlich. Oder bin ich jetzt schon in dem Alter, in dem alle jungen Leute einander irgendwie ähnlich sehen? Hilfe!

Um 22:10 betraten Orlando Weeks, Hugo White, Felix White, Rupert Jarvis und Sam Doyle mit ihrer Tourneeverstärkung Will Whyte (Synthesizer) die Bühne, die den restlichen Abend größtenteils dunkel gehalten wurde, was das Fotografieren nicht gerade erleichterte, aber mit dem düsteren und getragenen Sound des neuen Albums harmonierte.  Passend wurde das Konzert mit „Child“ und „Feel to Follow“ vom Album „Given to the Wild“ eröffnet.


Das darauf folgende „Wall of Arms“ und insbesondere „No kind words“ zeigten aber, dass das Publikum im durchaus gut gefüllten Club besonders die älteren, schnelleren Lieder schätzte. Im Verhältnis dominierten dennoch die neuen Songs: Vom aktuellen Album wurden sieben, von den ersten beiden nur drei beziehungsweise fünf Lieder gespielt.

Die Band schien Spaß an ihren einzigen Clubauftritt diesen Sommer (in dem man sonst auf vielen Festivals spielt) zu haben, litt aber auch sichtlich unter der Hitze. So erbat man sich nach dem Hauptteil, der mit den zwei Singles: „Love you better“ und „Pelican“ beschlossen wurde, eine Pause.

Die darauf folgende Unterbrechung dauert dann aber doch nicht länger, als man das vor Zugaben gewöhnt ist, nach maximal drei Minuten waren schon alle wieder da, sahen nicht wesentlich trockener aus und spielten noch drei Songs, von denen „Precious Time“ vom Debütalbum die größte Publikumsfreude auslöste. Zusätzlich versuchten sie, für zwei extra aus Russland angereiste Fans unter den anwesenden Konzertbesuchern eine Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren. Wie Herr Gardian sind also auch die Maccabees offensichtlich nette Menschen.



Setliste:

Child
Feel To Follow
Wall Of Arms
No Kind Words
Go
William Powres
First Love
X-Ray
Can You Give It?
Heave
Love You Better
Pelican

Forever I’ve Known
Precious Time
Grew Up At Midnight

Die Lego-Olympiade

U.
Ein Großteil meiner britischen Arbeitskollegen hat seit letzter Woche Urlaub, mein Freund verbringt seine Tage vor dem Fernseher... nur bei mir springt der olympische Funke mal wieder nicht so richtig über. Immerhin kann ich aber sicher sein, dass ich kein spannendes Event verpasse, denn der Guardian stellt die wichtigsten olympischen Szenen freundlicherweise mit Legomännchen nach. Sei es das 100-Meter-Finale der Männer oder das Säbelfecht-Drama zwischen Deutschland und Südkorea ... geht alles auch mit Plastiksteinchen. Nur würde mich interessieren, ob die beiden Damen im echten Kampf auch Stormtrooper-Masken getragen haben ...






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