Sendeschluss: Tom Odell - Another Love

U.

Der dieswöchige Interpret der Kategorie Sendeschluss, Tom Odell, war zu dem Zeitpunkt, als ich Abitur machte, zwei Jahre alt. Sein trauriger Song über die Liebe und den Verlust selbiger wurde aber bereits von der englischen BBC als Hintergrundmusik genutzt für deren Vorstellung der Programmpläne 2013 genutzt, und auch sonst scheint sich der junge Mann ganz klar Richtung Massenerfolg zu bewegen: Bei den BRIT Awards bekam der den Critics' Choice Award, den vor ihm bereits Künstler wie Adele und Florence and the Machine erhielten. Und wo sind die jetzt? Eben.

Judge A Book By Its Cover

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Als Kindle-Leserin tut es mir manchmal leid, dass ich die grafische Gestaltung von Büchern häufig nicht richtig mitbekomme. Dabei entscheidet ein interessantes Titelbild ja nicht gerade selten darüber, ob ein Buch in die Einkaufstasche wandert (nicht, dass ich momentan irgendwelche Bücher kaufen sollte!).

Bei Musik ist mir das weniger wichtig, aber was wäre, wenn bekannte und beliebte Musikveröffentlichungen als Bücher erschienen wären? Diese Frage stellte sich Christophe Gowans und stellte als Antworten gleich eine ganze Reihe Cover zur Verfügung. Da wird etwa "Everything Must Go" der Manic Street Preachers zum Ausverkaufskatalog eines Baumarkts namens MSP, Nine Inch Nails "The Downward Spiral" ist die schockierende Autobiographie eines Pornostars namens Tyrone ‘Nine-Inch’ Nails und "Let England Shake" der normalerweise nicht sonderlich fröhlichen PJ Harvey ist ein Tanzratgeber aus den Sechziger Jahren. Bei The Cures "The Head on the Door" handelt es sich in diesem Paralleluniversum übrigens um einen unter Pseudonym veröffentlichten Splatter-Krimi.

Besonders gut gefällt mir natürlich auch das hier:

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Die Seite mit allen Büchern
Die Buchtitel als Postkarten kaufen

Neulich als ich einen Blick erhaschte: Lana del Rey in der Frankfurter Jahrhunderthalle

U.

Was war das für ein Krimi gestern! Lana del Reys Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle war bereits lange vor seinem Stattfinden ausverkauft gewesen. Für Kurzentschlossene blieb nur noch eBay, doch dort erreichten selbst am Tag des Konzerts die Tickets geradezu astronomische Preise. Letztlich ergatterten wir dann spontan noch zwei Karten zu dem Preis, den sie auch im Vorverkauf gekostet hätten (was immerhin auch teure 45 Euro pro Ticket waren), holten diese – es war bereits Abend  – in einem Frankfurter Vorort ab und machten uns damit schnellstens auf den Weg zur Jahrhunderthalle. So hatten wir uns das zumindest vorgestellt, tatsächlich fuhren wir schon lange vor der Autobahnausfahrt „Jahrhunderthalle“ in einen so gewaltigen Stau, dass ich mich fragte, wie viele Gäste diese Jahrhunderthalle eigentlich fasst.

So näherte sich und verstrich der auf den Tickets angegebene Beginn des Konzerts (20 Uhr), ohne, dass wir auch nur in der Nähe der Halle waren. Nicht zum ersten Mal ärgerte ich mich dabei über die deutsche Gewohnheit, einfach eine Uhrzeit auf die Eintrittskarten zu schreiben, ohne dabei zu erläutern, ob es sich um die Einlass- oder Anfangszeit handelt. Die Briten schreiben sehr gerne Dinge wie „Doors: 8PM“, da weiß man zumindest gleich Bescheid.


Schließlich passierten wir die neben der Jahrhunderthalle liegende Fraport-Arena, in der offenbar ein Basketballspiel stattfand, zu dem in etwa die Hälfte der Staumitglieder abbogen. Parken, Einlass und Garderobenabgebe waren dann anschließend vergleichsweise flott zu erledigen, so dass wir um etwa viertel nach Acht in die Halle eilen konnten – wo sich zwar zeigte, dass 20 Uhr in der Tat die Konzertbeginnzeit gewesen war, zum Glück aber die der Vorband Kassidy.

Kassidy boten extrem amerikanisch klingenden Gefühlsrock (die Band stammt aber in Wirklichkeit aus Schottland), der mich so gar nicht packen konnte, aber offenbar viele im Saal begeisterte – es handelte sich eben um ein Mainstream-Konzert. Nachdem die Vorband überstanden war, hatten wir Zeit, uns ein wenig umzusehen und stellten fest, dass sicherlich zwei Drittel des Publikums weiblich waren – leider waren die wenigen Männer allerdings sehr groß und standen vor mir.

Dieses Problem ließ sich trotz einer über 40 Minuten langen, von kakophonischer Musik begleiteten, Umbaupause und einigen Versuchen, weiter nach vorne zu gelangen, nicht lösen, so dass ich, als Lana del Rey zu ohrenbetäubendem Beifall und auch viel Gekreische die Bühne betrat, zunächst gar nicht sah und auch im Verlauf des Konzerts nur immer wieder einmal einen Blick auf die Sängerin erhaschen konnte. Viele Aspekte der nachfolgenden Beschreibungen musste ich deshalb den Eindrücken meines Begleiters – und seinen Fotos – entnehmen.


Die Bühne war – als Indie-Konzert-Besucher ist man ja an nichts gewöhnt – recht aufwändig dekoriert. Zwei große Löwenskulpturen markierten die beiden Bühnenränder, dazu gab es riesige Kerzenleuchter (sicher elektrisch), Palmen, mehrere auf den Dekoelementen trohnende, Schmuck tragende Raben, eine US-Flagge und eine Hängelampe. All das befand sich vor eine goldenen „Häuserwand“, die scheinbar von Pflanzen bewachsen und Spinnweben überzogen war, tatsächlich aber als Projektionsfläche für Videos und Filme diente.

Lana selbst trug ein relativ schlichtes schwarzes, kurzes Kleid mit langen Spitzenärmeln, dazu aber einen Blumen-Kopfputz, der dem Single-Cover von „Video Games“ ähnelte, und von dem auch noch bunte Bänder herabhingen.

Das Konzert begann mit „Cola“ und hielt sich über weite Strecken an die 15 bis 17 Titel umfassende Setliste, die die Künstlerin zurzeit bei allen ihren Auftritten nutzt. Sie verließ mehrmals, auch schon während „Cola“, die Bühne, um zu den jungen, größtenteils weiblichen Fans in den ersten Reihen zu gehen (ob die wohl alle wussten, was sie in dem Song eigentlich singt?).

Zu den Singles wurden auf der „Wand“ jeweils die zugehörigen Videoclips eingespielt, bei anderen Songs gab es thematisch passende Bilder: Zu „Million Dollar Man“ zeigte man Spielkasino-Schriftzüge aus Las Vegas, Bilder von Elvis, Marilyn und Jesus bei „Body Electric“ („Elvis is my daddy, Marilyn’s my mother, Jesus is my bestest friend“), Raketenstarts und weitere typisch amerikanische Ikonen bei „American“.


Von den drei Coverversionen, die Lana bei ihrer aktuellen Tour häufig spielt, wurde „Heart Shaped Box“ von Nirvana weggelassen. Der H&M-Werbesong „Blue Velvet“ ließ die Bühne in wiederum dazu passendem blauen Licht erstrahlen, „Knocking On Heaven’s Door“ (was bringt Künstler eigentlich dazu, dieses ausgelutschte Lied covern zu wollen?) wurde zu meiner Erleichterung nur kurz angespielt.

Bei der Band war, wie schon bei der Bühnendekoration, nicht gespart worden: Vier männliche Musiker bedienten Gitarre, Flügel, Bass und Schlagzeug, vier schwarz gekleidete Musikerinnen spielten, mit Blume in Haar, Geigen und Cellos. Die Musiker agierten im Hintergrund, wurden auch nicht vorgestellt, verneigen sich aber am Ende gemeinschaftlich am Bühnenrand.

Was gibt es sonst noch zu berichten? „Ride“ wurde von einem so langen Intro eingeleitet, dass mein Begleiter schon vermutete, die gerade abwesende Lana sei gerade beim Kostümwechsel, das entpuppte sich jedoch als falsche Hypothese. Bei „Summertime Sadness“ ging zu Beginn irgendetwas Technisches schief, so dass zum zweiten Mal angesetzt werden musste. Und der letzte Song, „National Anthem“ wurde durch einen unfassbar langen Instrumentalteil auf sicherlich mehr als zehn Minuten gedehnt. Lana nutze ihn dafür, Geschenke entgegen zu nehmen, Autogramme zu geben, Fans zu umarmen und Küsschen zu verteilen, was man auf der Videoleinwand beobachten konnte.


Wie gefiel mir all das nun? Ehrlich gesagt war es dauerhaft ziemlich störend, dass ich so gut wie nichts sehen konnte. Ein Versinken in das Konzerterlebnis war auf diese Art schlicht unmöglich. Dafür konnte ich mich besser auf Lana del Reys Singstimme konzentrieren, deren Livequalitäten ja bereits massiv kritisiert wurden. In Frankfurt sang sie größtenteils wunderbar. Auch die Songs – im Grunde gibt es ja erst ein, mit jedem Re-Release länger werdendes, Album – gefielen mir live ausgesprochen gut, und ich dachte mir bei vielen am Anfang „Ach stimmt ja, das ist ja auch ein tolles Lied“.

Kritisieren würde ich die arg generischen Zwischenansagen. Schön, dass sich Lana freute, anwesend zu sein, sie äußerte auch mehrmals ihre Dankbarkeit für die Begeisterung des Publikums, aber irgendwie beschränkten sich ihre Äußerungen auf Sätze, die man so schon hundertmal bei anderen Konzerten gehört hatte. Dem widersprach allerdings ihre bereits erwähnte intensive Fanbetreuung während der Gesangspausen.

Insofern war das für eine Künstlerin, die im Grunde noch am Anfang ihrer zugegebenermaßen steilen Karriere steht, ein durchaus schöner Auftritt. Ich bin gespannt, wie es weiter geht und packe beim nächsten Konzert Stelzen ein.


Setliste:

Cola
Body Electric
Gods and Monsters
Blue Jeans
Born to Die
Carmen
Million Dollar Man
Blue Velvet (Tony Bennett Cover)
American
Without You
Knockin' on Heaven's Door (Bob Dylan Cover)
Ride
Summertime Sadness
Burning Desire
Video Games
National Anthem



Sendeschluss: Lana del Rey & Barrie-James O'Neill - Summer Wine

U.

Gestern Abend sah ich Lana del Rey live. Auf ihrer Setliste hatte sie auch zwei Coverversionen ("Blue Velvet" und "Knocking On Heaven's Door"), bei anderen Auftritten hat sie auch bereits Nirvanas "Heart Shaped Box" zum Besten gegeben. Die gute Lana hat aber noch mehr Cover auf Lager, zum Beispiel "Summer Wine", das sie gemeinsam mit ihrem Freund aufgenommen hat. Klingt gut.

Neulich über den Dächern

U.
Ich wohne nun schon seit dreizehn Jahren in Frankfurt, aber abgesehen vom für Touristen zugänglichen Maintower hatte ich bislang praktisch keines der berühmten Hochhäuser von innen gesehen.

Das änderte sich nun, denn gestern hatte ich die Gelegenheit, eine Party im obersten Stockwerk des Messeturms zu besuchen - auf immerhin 250 Metern Höhe (die man beim Fahrstuhlfahren übrigens durchaus spürt). Aus dieser Perspektive bekommt die Welt eine gewisse Miniatur-Wunderland-Qualität - und wenn man wie ich keinen guten Orientierungssinn hat, wird man auch imer wieder durch das überrascht, was man in der Ferne entdeckt ("Ach, der Flughafen ist da?").





Verglichen damit bringt einen die Aussicht aus einem niedrigeren Stockwerk dann schon fast auf Bodenhöhe:


Sendeschluss: The National - Demons

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Soeben enden für mich mehr als zwei Wochen Urlaub, in denen ich viel Schönes erlebt habe. Schön finde ich auch die Tatsache, dass im Mai ein neues Album von The National erscheint, deren letztes Werk "High Violet" zu meinen Lieblingsplatten der letzten Jahre zählt. Das Video zur Vorab-Single "Demons" zeigt in Stop-Motion-Technik, wie der Künstler Azar Kazimir mit Kreide ein Wandgemälde des Covers der bevorstehenden Veröffentlichung "Trouble Will Find Me" anfertigt.

Fassen wir zusammen: Der Frühling schein nun doch noch stattzufinden, ich bin erholt und gute Bands veröffentlichen neues Material. Könnte ja noch etwas werden mit diesem 2013.

Sendeschluss: Depeche Mode - Soothe My Soul

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Vorletzten Samstag sah ich doch tatsächlich eine Viertelstunde "Wetten, dass ...!", um den angekündigten Auftritt von Depeche Mode zu erwischen. War das schrecklich! Erst wurde ich Zeugin einer Wette, in der es um die Geräusche von Klodeckeln beim Zuklappen ging, dann zog Herr Lanz irgendwas unter Flaschen heraus, und dazwischen fuhren Heiner Lauterbach und (s)eine Frau auf Klo-artigen Gefährten herum, ein echter Schenkelklopfer!

Danach konnte ich immerhin meine einmal mehr leicht gealterte Lieblingsband sehen, wie sie zu Vollplayback mit "Heaven" auftraten, einer Nummer, die laut Lauterbach (oder war es Lanz?) "so nach hinten rausdreht". Ah ja.

Die Herren haben sich mittlerweile offenbar von ihrer jüngsten Erfahrung im deutschen Fernsehen erholt und bringen nun als zweite Single des neuen Albums "Delta Machine" den Song "Soothe My Soul" heraus. Einer der stärkeren Songs des Albums.


Fleischeslust: Veggie Hähnchenbällchen in Sesamöl

U.
Mein Besuch in Frankfurts erstem veganen Supermarkt Veganz ist ja nun schon ein Weilchen her, ich schulde eventuellen Interessenten aber noch einen Bericht über meinen Einkauf dort. Nach langem Überlegen hatte ich mich unter den vielen, vielen Fleischersatzprodukten für etwas namens "Veggie Hähnchenbällchen in Sesamöl" von Vantastic Foods entschieden.

Bei der Zubereitung entschied ich mich für ein indisches Rezept, das eigentlich natürlich für echtes Hähnchen gedacht ist. Ich erkläre mal kurz, was ich gemacht habe:


"Chicken" Korma mit Bier


Zutaten:

2 EL Pflanzenöl
1 Zwiebel, geschält und gehackt
2 Zehen Knoblauch, geschält und in Scheiben geschnitten
1 grüne Chili, gehackt (ich bekam keine und nahm deshalb eine rote)
1/2 TL Kurkuma
1/2 TL Koriander
1 TL gemahlener Kreuzkümmel
1/2 TL Kardamom
1/4 TL Salz
1 Packung Hähnchenersatz
150 ml Bier
2 EL Tomatenmark
2 EL Sahne
1 TL Ingwer, durch die Knoblauchpresse gedrückt
1/4 TL Garam Masala

Zubereitung:

Das Öl in einer Pfanne erhitzen, darin die Zwiebel, den Knoblauch und die Chili 6 Minuten lang anbraten. Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel, Kardamom und Salz hinzugeben. Den Hähnchenersatz hinzufügen und mit anbraten. Langsam das Bier dazu gießen und für 5 Minuten sanft köcheln lassen. Das Tomatenmark, die Sahne und den Ingwer dazu geben und die Pfanne vom Herd nehmen. Das Garam Masala darüber streuen und mit Naan Brot (ich nahm Reis) und einem grünen Salat servieren.


Sonderlich hohe Erwartungen hatte ich an den Geschmack des Produktes nicht, deshalb hatte ich von Anfang an ein Rezept gewählt, das den Eigengeschmack des Fleischersatzproduktes eher überdeckt als betont. Und tatsächlich schmeckte das selbstgekochte indische Essen zwar ausgesprochen gut, aber ein wenig kam dann doch noch der typische, süßliche, lebkuchenartige Fleischersatzgeschmack durch. Immerhin störte er nicht sonderlich. Die Konsistenz der Bällchen erwies sich dagegen als richtig angenehm.

Das Essen gefiel mir so gut, dass ich es wenige Tage später nochmals kochte, dieses Mal mit Tofu. Zu meiner eigenen Überraschung schmeckte mir diese Variante weniger gut, also muss wohl doch etwas an diesen Hähnchenbällchen dran sein ...


Wenn der Akku immer leer ist: Revolution

U.

Man stelle sich Folgendes vor: Eines Tages, von einem Moment zum nächsten, gibt es keinen Strom mehr. Mit sofortiger Wirkung gibt es kein Internet mehr, kein Telefon, keine Medien, keine Flugzeuge und Züge und, zumindest in dieser Realität, auch keine Autos. Dauerhaft. Reparaturversuche scheitern, selbst Batterien verweigern den Dienst und die Menschheit muss sich widerwillig daran gewöhnen, wieder so zu existieren, wie im 19. Jahrhundert - allerdings in den Ruinen der heutigen Großstädte und mit der Erinnerung, wie eine Welt mit Elektrizität funktioniert hat.


Das ist die Ausgangssituation von Revolution, einer US-Serie, die mit einer solchen Katastrophe beginnt und dann fünfzehn Jahre später spielt, aber in Rückblenden immer wieder Ereignisse kurz vor und nach dem großen Stromausfall zeigt. Das nordöstliche Amerika wurde nach dem Zerfall der USA und der Machtübernahme von Milizen die "Monroe Republic", eine Militärdiktatur. Die meisten Menschen sind aus den Städten aufs Land geflohen, wo sie, so gut sie können, Landwirtschaft betreiben und Waren an die Milizen abgeben.

Die Protagonisten der Serie gehören zur Familie Matheson, deren ältere Mitglieder, wie sich nach und nach herausstellt, offensichtlich etwas mit dem großen Stromausfall zu tun hatten, außerdem besitzt Vater Matheson einen USB-Stick, mit dem man die Elektrizität kurzfristig in seinem direkten Umfeld wieder herstellen kann. Sein Bruder Miles war ursprünglich Mitbegründer der totalitären Monroe-Republic, ist aber zwischenzeitlich bei Präsident Monroe in Ungnade gefallen und hilft nun seiner Nichte Charlie, ihren von Monroe entführten Bruder zu befreien - Monroe hat nämlich mittlerweile herausbekommen, dass die Mathesons irgendetwas mit dem Stromausfall zu tun haben, und will den Bruder dazu benutzen, die von ihm gefangen gehaltene Mutter zu erpressen.


JJ Abrams, der mit Lost bekannt wurde, ist der Produzent der Serie, was man nicht nur am Einsatz einiger Schauspieler, sondern auch am verschwenderischen Einsatz des Stilmittels Rückblende erkennen kann. Ich selbst habe mich mit Lost nie auseinandergesetzt, konnte mich aber für Abrams Star Trek-Film und ein wenig auch für Cloverfield und Super 8 erwärmen und war insofern daran interessiert, wie die Serie ihre interessante Prämisse umsetzt.

Mittlerweile kenne ich zehn Folgen und kann sagen: Nicht besonders gut. Zwar ist die Sache mit der Welt ohne Strom weiterhin interessant, aber meiner Meinung nach werden viele Probleme ignoriert. So sind zum Beispiel sind sämtliche Menschen in fünfzehn Jahren genauso gekleidet wie jetzt. Natürlich müsste neben allem anderen auch die industrielle Fertigung von Kleidung bei einem Stromausfall zum Erliegen kommen, es wäre also zu erwarten, dass die Menschen das tragen, was sie eben bekommen. Es dürfte ihnen nicht alles perfekt passen, oder Kleidungsstücke müssten selbstgemacht aussehen. Ist aber in Revolution nicht so, Kleidung und Frisuren sitzen perfekt und entsprechen dem aktuellen Geschmack. 


Das ist natürlich kein besonders wichtiger Aspekt, aber ein Beispiel dafür, dass sich die Macher der Serie für ihre eigenen Ideen nicht sonderlich zu interessieren scheinen. Die Geschichte rund um den großen Stromausfall und die Gründe, die ihn herbeiführten, bleibt zwar geheimnisvoll und spannend, aber ich habe bereits jetzt Angst, dass die Auflösung eine Enttäuschung sein könnte - zu seltsam sind die bisherigen Entwicklungen, als dass man mit einer allzu logischen Erklärung rechnen könnte.

Die Figur des Miles Matheson ist recht interessant angelegt - ein nicht allzu sympathischer Mann mit vielen Geheimnissen, der sich nun zu seiner eigenen Überraschung auf der Seite der "Guten" wiederfindet. Leider gibt es aber kaum andere Charaktere, die auch nur annähernd so facettenreich sind. Gerade die Protagonistin Charlie wirkt kein bisschen sympathisch und scheint hauptsächlich dazu da zu sein, sich selbst und andere in Gefahr zu bringen. Dasselbe gilt für ihren Bruder. Die Mutter wird bereits seit einem Jahrzehnt von Monroe gefangen gehalten, ohne, dass sie irgendwelche Geheimnisse verraten hätte (oder aber gefoltert worden wäre). Und der Milizgeneral Neville ist so unglaublich böse, dass es lächerlich wirkt.


Hinzu kommt die recht repetitive Struktur der Episoden - stets stellen sich die Helden (Miles, Charlie und ein paar andere) einem neuen Problem, geraten kurz in Gefahr und können sich dann doch wieder retten, dazu gibt es ein paar Rückblenden. Dabei ist auch nicht alles schlecht: Wenn Charlies Stiefmutter Maggie sich verzweifelt an ihr nutzloses iPhone klammert, weil es die einzigen Bilder enthält, die sie von ihren Kindern hat (die unerreichbar weit weg in England sind) oder der ehemalige Google-Manager Aaron immer wieder erkennen muss, dass ihm seine Kenntnisse und Fähigkeiten im der aktuellen Realität rein gar nichts nützen, blitzt kurz auf, was die Serie alles hätte erzählen können - wenn sie gewollt hätte.

Nach langer Pause seit dem "mid-season finale" zeigt der Sender NBC nun die verbleibenden 10 Folgen, und ich bin immerhin noch interessiert genug, um weiter zu schauen. Ich habe keine Informationen bezüglich einer bevorstehenden Ausstrahlung in Deutschland finden können, rechne aber damit, dass es dazu kommt.

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