Sendeschluss: Soko - Monster Love

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Das Motto des Videos des (Sonn-)Tages ist wohl "Jedes Töpfchen findet sein Deckelchen" oder so ähnlich. Ein Monster verliebt sich in eine Meerjungfrau, wird zurückgewiesen und findet dann zum Glück ein anderes Monster - Soko. Selbige sah ich ja vor etwa einem Jahr live. Diesen Film erklärt sie mit den Worten "The whole thing was super DIY and felt like making a school project video with all my friends" Ja, so sieht's auch aus, hat aber sicherlich großen Spaß gemacht.

Five Kisses - Teil 1

U.


Irgendwie geht es hier fast nur noch um Musik! Deshalb wird es höchste Zeit, einen mehr oder weniger sinnlosen Produkttest durchzuführen.

Im Frühjahr lachte mich im Tiefkühlregal eine Schachtel mit besonders winzigen Magnums an. Als ich dann noch das Wort "Créme Brûlée" entzifferte, war ich überzeugt, die Mini-Eise kamen in den Einkaufwagen. Erst später realisierte ich, dass es sich bei den Mini-Magnums um den ersten Teil einer Serie von Sondereditionen handelt, wie sie Magnum schon öfter hatte - ohne größeres Interesse bei mir zu wecken. Die aktuelle nennt sich "Five Kisses".


Seit Januar gibt es also bereits "First Kiss - Crème Brûlée" und außerdem "Loving Kiss - Baiser und rote Früchte" zu kaufen. Seit Juni sind zwei weitere Küsse auf dem Markt, nämlich "Passionate Kiss - Tiramisu" und "Flirty Kiss - Schoko Brownie". Noch etwas später im Jahr, im August, kommt dann noch "Stolen Kiss - Apfeltarte" in den Supermarkt.

Eis ist natürlich Geschmackssache, und wie gesagt war es von Anfang an der Crème Brûlée-Faktor, der mich für das Produkt interessiert hatte. Folglich ist es nicht sonderlich überraschend, dass ich das kleine Eis am Stil auch ganz köstlich finde. Diese leicht karamelligen, harten Zuckerstückchen im Vanilleeis harmonieren ganz hervorragend mit der Ummantelung aus Vollmilchschokolade. So ein Eischen wiegt auch nur 68 Gramm und löst folglich auch kein sonderlich schlechtes Gewissen aus.


Wenn man ein derart köstliches Eis kennen lernt, beginnt man natürlich auch, sich für die Verwandtschaft zu interessieren. Also wanderte beim nächsten Einkauf auch der "Loving Kiss" mit Baiser und roten Früchten in den Wagen. Dieses Eis ist anders als das bereits getestete mit dunklerer Milchschokolade umhüllt, also der, die auch das reguläre Magnum auszeichnet. Die roten Früchte sind angeblich gesüßte Cranberries, und die Baiserstückchen umgibt weiße Schokolade.


Abgesehen von der Undefinierbarkeit der Cranberries schmeckt auch der andere "Kuss" sehr lecker. Die Früchte geben dem Ganzen eine sehr dezent säuerliche Note, und die Baiserstückchen sind auch prima. Die Crème Brûlée-Variante schmeckt mir noch ein kleines bisschen besser, aber beide "Küsse" sind echte Highlights im Kühlschrank.

Wie sich im Vergleich die beiden anderen bereits erhältlichen Varianten machen, erzähle ich auch bald.

Sendeschluss: Foals - Bad Habit

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Vor einigen Jahren sah ich Bloc Party live. Mit dabei als Vorband: Foals. Damals war ich geradezu erschüttert darüber, wie sehr der Support dem Hauptact ähnelte, was mir ganz und gar nicht gefiel. Irgendetwas Originelles sollte man als Band schließlich haben.

Mittlerweile klingen auch Bloc Party nicht mehr wie Bloc Party, Foals haben ganz ordentlich Karriere gemacht und ich muss zugeben, dass mit der aktuelle Song samt Video ganz gut gefällt. So können sich die Dinge entwickeln ...

Sendeschluss: The Veils - Pearl

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Diese Woche mal kurz und schmerzlos (und nicht von Suede): Da ich vorgestern beim Konzert von The Veils war, gibt es von denen heute auch ein Video - auch wenn es sich lediglich um einen gefilmten Studioauftritt handelt. Und die Feststellung, dass der Hut des Sängers offenbar angewachsen ist.

Neulich in der 70s Show: The Veils im Frankfurter Bett

U.
The Veils also. Als mein Freund erwähnte, dass er uns dank seines Plattenblogs Gästelistenplätze fürs Konzert im Frankfurter Bett gesichert hatte, ging ich eigentlich davon aus, dass es sich um eine Band handeln würde, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht. Erst kurz vor dem Konzert erkannte ich, dass The Veils bereits mehrere Alben veröffentlicht hatten, und soeben las ich auf Wikipedia, dass die Band (allerdings mit verschiedenen Wechseln im Line-up) bereits seit über zehn Jahren existiert und einst von Suedes Bernard Butler produziert wurde. Das aktuelle Album „Time Stays, We Go“ ist tatsächlich das vierte der Band.


Am selben Abend konnte ich auch gleich eine weitere Bildungslücke schließen, denn im Bett war ich seit dem Wegzug des Lokals aus Sachsenhausen, der schon etliche Jahre her ist, bislang nie gewesen und erreicht bei der Anreise per Straßenbahn Tiefen des Gallusviertels, die ich in dreizehn Jahren Frankfurt nie kennen gelernt hatte – in direkter Nachbarschaft befindet sich ein Geflügelzuchtverein.

Das „neue“ Bett entpuppte sich als recht einfache kleine Halle mit Bar und Bühne, das Publikum war etwas gemischter und älter, als ich es sonst bei Frankfurter Konzerten gewöhnt bin. Entweder The Veils haben ein sehr breites Fanspektrum oder die Nachbarschaft schaut hier auch mal rein.


Einige waren sicher auch wegen der Vorband Wyoming da, einem dreiköpfigen Trio aus Deutschland, bei dem ich mir nicht ganz sicher war, ob es die Schulzeit bereits hinter sich hatte und ob die Oberlippenbärte vielleicht nicht doch angeklebt waren. Wyoming sind die Brüder Manuel und Sascha Lukas sowie ihr Schulfreund – aha, also doch! -  David Stieffenhofer aus Lorch am Rhein. Ihre Indiepoplieder gefielen mir aber eigentlich ganz gut, auch wenn der Auftritt für eine Vorband ungewöhnlich lang ausfiel. Wyoming mögen, da die Band erst im März 2012 gegründet wurde, noch nichts veröffentlicht haben, an Songmaterial mangelt es aber offenbar nicht. Für den gespielten Song „Man/Machine“ gibt es ein Video, das man hier sehen kann.


Gegen diese Jungs wirkte die ebenfalls nicht alte Hauptband zunächst richtiggehend reif.  Neben den eigentlichen Mitgliedern der Gruppe an Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug und Mikrophon traten auch ein Trompeter und ein Saxophonist mit auf die Bühne. Das Bett hatte während Wyomings Set sommerliche Temperaturen von beachtlicher Höhe erreicht, aber The Veils hatten keine Stylingkompromisse gemacht: Sänger Finn Andrews und Keyboarder Uberto Rapisardi behielten ihre Sakkos an, der Rest seine Westen – dabei müssen sie unheimlich geschwitzt haben, was man bei Andrews, der unter seinem ebenfalls fest installierten Hut regelrecht tropfte, auch gut sehen konnte. Lediglich Bassistin Sophia Burn hatte sich für eine durchsichtige Bluse entschieden und hatte es so etwas kühler.


Das Set begann mit „Train With No Name“, die Reihenfolge der gespielten Songs entsprach dabei der bei der aktuellen Tournee üblichen.  Allzu groß scheinen die bespielten Hallen in den letzten zehn Jahren für die Veils nicht geworden zu sein, denn Finn Andrews, der als einziger mit dem Publikum sprach, war regelrecht begeistert über die große Zahl von Zuschauern. Sonst hatte auch er verbal nicht allzu viel beizusteuern und sagte sogar in einer Kurzpause, als jemand aus dem Publikum „Say something!“ forderte etwas wie „I do that sometimes, but it usually doesn’t turn out well.“ Und so erfuhren wir lediglich, dass er ein gewisses Interesse an der deutschen Sprache hat („Birds“ wurde auf Deutsch angekündigt) und, sehr viel später, dass er gerne einen Wodka hätte (den er auch bekam).


Der Großteil des Sets bestand aus neuen Titeln, die Andrews inbrüstig vortrug. Aufgelockert wurden diese durch einzelne Songs aus den drei Vorgängerplatten, wie etwa „Calliope!“, „Vicious Traditions“ oder „Sit Down By The Fire“.

Ich erwähnte ja, dass das Konzertpublikum etwas ungewöhnlich war. In unserer direkten Umgebung hatten sich drei junge Männer aufgestellt, die wirkten, als würden sie in einem Film über die Siebziger Jahre mitspielen (Schlagjeans über Cowboystiefeln, Leder- oder ärmellose Jeansjacke). Hauptsächlich tranken sie Bier, aber gerade bei den rockigeren Songs der Band wurde auch begeistert die Mähne geschüttelt, die Arme gereckt und abgerockt. Ein ziemlich seltsamer Anblick, offenbar auch von der Bühne aus, denn Finn Andrews reagierte irgendwann auf einen unspezifischen Zwischenruf aus der Rockerecke mit „Sorry, I can’t understand you“ und fragte in die Umgebung „Is what they are saying funny?“, worauf mit allgemeinem heftigem Kopfschütteln reagiert wurde...


Da der Hauptteil des Konzertes dem entsprach, was The Veils auch bei den vorherigen Auftritten präsentiert hatten, konnte man auf den Zugabenteil gespannt sein, denn hier variierte die Band zuletzt, vielleicht je nach Stimmung und Laune, zwischen einem und fünf Songs. Vielleicht lag es an den  beschriebenen Kommunikationsproblemen oder der Hitze, wir bekamen nach Ende des Hauptteils jedenfalls nur zwei Songs als Zugabe, nämlich „The Tide That Left And Never Came Back“, den Andrews allein mit der Akustikgitarre vortrug, und das zur Freude unserer Nachbarn wieder sehr rockige „Jesus For The Jugular“.



Setliste:

Train With No Name
Calliope!
Turn From The Rain
Birds
Not Yet
Vicious Traditions
The Pearl
Sign Of Your Love
Sit Down By The Fire
Out From The Valley & Into The Stars
Through The Deep, Dark Wood
Nux Vomica

The Tide That Left And Never Came Back
Jesus For The Jugular






Sendeschluss: Suede - Hit Me

U.

Schon wieder Suede! Ehrlich, ich hätte darauf verzichtet, nun schon zum dritten Mal dieselbe Band zu präsentieren, aber ich sah das Video über zwei Kunt-Amokläufer im Museum diese Woche im Fernsehen und musste anerkennen, dass es - selbe Band hin oder her - einfach sehr unterhaltsam ist. Unbedingt bis zum Ende schauen!

Größer ist nicht immer besser: Maifeld Derby 2013, Tag 3

U.

Der abschließende Sonntag war vom Lineup her sicher der schwächste Festivaltag, die beiden „Nebenbühnen“ Parcours d’Amour und Brückenaward-Zelt hatten bereits geschlossen und ich hatte den Eindruck, dass viele Besucher relativ früh abreisten. Dafür zeigte sich aber erstmalig die Sonne, was sofort zum Erscheinen eines Eiswagens führte – und mit oder ohne Eis hat ein Festival bei Sonnenschein natürlich eine ganz andere Atmosphäre.


Als erste Sonntagsband sahen wir Útidur aus Island, die ich im Vorfeld überhaupt nicht kannte und die an diesem Tag die Zeltbühne eröffneten. Bei unserem Eintreffen sah es kurz so aus, als würde die immerhin achtköpfige Band die Zuschauer zahlenmäßig übertrumpfen (was den Schlagzeuger zu der ironischen Durchsage „No, stop it, no more moshpits please!“ veranlasste), dann füllte sich das Zelt aber doch noch ganz gut. Die Truppe auf der Bühne an Geige, Trompete, Gitarren, Akkordeon, Keyboard und Schlagzeug wirkte ein wenig wie ein Schulausflug aus Island, musikalisch musste ich mehrfach an Eurovision Song Contest-Beiträge denken. In Zwischenansagen wurden manche isländische Songtitel, zum Beispiel „Nightmare“ erklärt. Ein neues Lied wurde ganz bescheiden als das beste Lied, das wir jemals hören werden angekündigt. Insgesamt eine sehr sympathische Band, die musikalisch nicht ganz mein Fall war.


Setliste (Quelle: Konzerttagebuch)

1) Ballaðan
2) Vultures
3) Martröð
4) Untitled (working title "3 punkta lagið")
5) Untitled (working title "The Sicilian")
6) Untitled (working title "Ennio")
7) Words are moving slow
8) Fisherman's Friend
9) Þín augu mig dreymir
10) Train to Arhus


Draußen auf der Open Air-Bühne folgte der Auftritt von Yesterday Shop. Die Band spielte viele Lieder von ihrem selbstbetitelten ersten Album, darunter die Single „Paralyzing“, „Fat Man & Little Boy“ und „Winter Act II“ aus der Winter-Trilogie der Band. Dieses Konzert hätte besser an den Vorabend hinter Thees Uhlmann gepasst als Is Tropical, wo es auch ein größeres Publikum erreicht hätte.


Im Zelt fanden wir uns direkt anschließend zu David Lemaitre ein, der im Programm etwas vollmundig als bolivianischer Künstler angekündigt worden war – was natürlich nicht gelogen ist, aber der Mann lebte bis zu seinem Umzug nach Berlin in Mannheim, hatte also keine sonderlich weite Anreise, und hat auch seine musikalische Karriere bislang in Deutschland absolviert, unter anderem als Support Act der Maifeld-affinen Band Get Well Soon.


Der Auftritt schaffte es zurecht, das Zelt bereits um 14 Uhr überraschend voll zu machen, und beeindruckte durch ungewöhnliche Instrumente, allen voran ein Weinflaschen-Synthesizer, der die Flaschen bei Betätigung leuchten ließ oder ein Reisekoffer, der als Schlagzeugersatz diente.


Die Live-Darbietung von Lemaitres erstem Album „Latitude“, aus dem unter anderem „Megalomania“, „Magnolia (girl with camera)“ und „Jacques Costeau“ gespielt wurden, überzeugte noch mehr als die Studiofassungen. Für den letzten Song „The Incredible Airplane Party“ kam seine Supportband der aktuellen Tournee, Children, mit auf die Bühne. Das Lied handelt übrigens von einem Traum, den der Künstler auf einem Flug zu seinen Eltern in Bolivien hatte, und in dem unter anderem der Pilot mit einem Fallschirm, absprang, ein Tiger herumlief und er selbst mit Megan Fox tanzte, die allerdings überhaupt nicht tanzen konnte.


Auf der Open Air-Bühne war es nun Zeit für Intergalactic Lovers aus Belgien, die laut Programmheft in ihrem Heimatland höchst erfolgreich sind. Mir ging ihre Musik aber leider bloß auf die Nerven. Lediglich die Idee, die Bandvorstellung als Beschwerdemanagement zu verkaufen, gefiel mir („If you have any complaints about the drummer, you need to talk to Brendan“ und so weiter).


Richtig schlimm fand ich anschließend im Zelt die Dänen When Saints Go Machine und hielt nur drei Lieder durch. Selbst der Sound spielte nicht mit und war, wie zuvor bei Sizarr und später bei Leslie Clio, zu Beginn ausgesprochen dumpf.


Nach einer Pommes-Pause ging es dann zu den deutschen Jack Beauregard, deren Frontmann Daniel Schaub gemeinsam mit seinem Bandkollegen Pär Lammers bereits vier Songs für Lena geschrieben hat. Das Duo bot gefällige Popmusik aus Deutschland, manche Keyboardpassagen ließen mich an Thomas Anders' Umhängeinstrument denken. Immerhin passte das Ganze gut zum Sonnenschein.


Zeit für Leslie Clio im Palastzelt, die einen ziemlich verwirrenden Auftritt hinlegte. Die Sängerin, die sicherlich zu den bekannteren Künstlerinnen des Sonntags zählte, machte so gar nicht den Eindruck, dass sie gerne beim Maifeld Derby auftrat. Das Gesicht blieb stets ernst, das Verhalten fahrig. Dass bei den ersten Songs die Pressefotografen vorne ihrer Aufgabe nachgingen, schien ihr nicht zu behagen, auch die Größe der Bühne und der viele Platz darauf sowie die Entfernung zum Publikum gefielen offensichtlich nicht. Was war da nur los? Zwar behauptete die Berlinerin gelegentlich, Spaß zu haben, aber das hörte sich sehr nach Höflichkeitsfloskel an. Entweder, Leslie kann ihre gute Laune sehr gut verbergen, oder aber sie feuert gerade ihren Booker.


Soundtechnisch wirkten die ersten Songs der Soul Pop-Künstlerin arg dumpf, was mit der Zeit besser wurde. Das Debütalbum „Gladys“ wurde nahezu komplett gespielt, dazu die B-Seite „Love is a Killer“ und der Soundtrack-Beitrag zu „Heute bin ich blond“,  „Just Begun“.

Die Singles „Couldn’t Care Less“ und „Told you so“ kamen natürlich beim Publikum besonders gut an.  Bei uns hinterließ der Auftritt aus den genannten Gründen einen zwiespältigen Eindruck.


Setliste:

God no more
Twist the Knife
Gotta Stop Loving You
Melt Back
Island
Let Go
Sister Sun Brother Moon
I couldn’t care less
Just Begun
Dr. Feelgood
Love Is A Killer
Told You So

Danach stand für uns die Rückfahrt an, so dass wir uns die Headliner des Sonntags, Wallis Bird und Sophie Hunger, sparten – beide entsprachen ohnehin nicht meinem Interessespektrum.

Was bleibt vom Maifeld Derby 2013? Ich persönlich finde drei Tage Festival in meinem betagten Alter recht anstrengend und wäre eigentlich froh, wenn im kommenden Jahr der Sonntag wieder frei bliebe, so dass man Schlaf für die kommende Arbeitswoche tanken kann. Aber natürlich gönne ich den Veranstaltern ihren Erfolg, sowohl was die Künstler als auch was das Publikum angeht, und mir ist auch bewusst, dass ich altermäßig deutlich über der Zielgruppe liege. Bezüglich der Organisationsengpässe wurde dieses Jahr hoffentlich dazu gelernt. Insbesondere die Einlasskontrolle hatte definitiv Optimierungsbedarf, und ich denke, es wird nun auch endlich Zeit für mindestens einen zweiten Fressstand, mit einer komplett separaten Schlange.


Was mir beim Maifeld Derby in vergangenen Jahren besonders gut gefallen hatte, waren die kurzen Wartezeiten gewesen: Man verließ das Zelt, die Band auf der Open Air-Bühne begann zu spielen, und umgekehrt. Mit dem immer besser werdenden Lineup und dem etwas weiter entfernten Parcours d’Amour, der ebenfalls immer hochkarätiger besetzt wird, artet das aber zunehmend in Stress aus: Während wir manche Künstler wegen gleichzeitiger Auftritte berhaupt nicht sehen konnten (Enno Bunger / CocoRosie) musste man bei anderen schon vor dem Ende verschwinden, um das nächste Konzert nicht zu verpassen (Daughter / Sea+Air). Hinzu kommen die mittlerweile vorhandenen Menschenmengen, die es nicht mehr so ohne weiteres erlauben, schnell vom einen Ort zum anderen zu eilen, so dass man häufig bei aufeinander folgenden Bands auf unterschiedlichen Bühnen die ersten ein bis zwei Lieder verpasst. Insofern fände ich in den aktuellen Dimensionen eine Mindestpause von einer Viertelstunde zwischen zwei Auftritten durchaus sinnvoll.


Im Moment habe ich nicht das Gefühl, dass ich nächstes Jahr zwingend wieder nach Mannheim muss, aber ich sehe schon wieder kommen, dass Ende des Jahres unsagbar günstige Frühbuchertickets auf den Markt geworfen werden, so dass ich mir dann doch ein weiteres Mal denke „Für den Preis kann man nichts falsch machen“. Wir werden sehen.

Größer ist nicht immer besser: Maifeld Derby 2013, Teil 2

U.
Retrospektivisch betrachtet erwiesen sich meine negativen Eindrücke bezüglich des Festivals am regenlosen Samstag als etwas übertrieben. Natürlich bedeuten mehr Zuschauer längere Schlangen (mit denen zweifellos nicht immer richtig umgegangen wurde) und mehr Idioten, aber das heißt nicht, dass am diesjährigen Maifeld Derby alles doof war. Allein das Preis-Leistungsverhältnis war wieder einmal unschlagbar – ganze 32 Euro hatten wir für drei Tage Festival bezahlt, und das Lineup war von den Namen her so gut besetzt wie in den beiden vorherigen Jahren zusammen.


Außerdem unterscheidet sich das Maifeld Derby weiterhin dahingehend angenehm von Konkurrenten, dass es wenige Sponsoren gibt, die sich auch recht diskret verhalten – nach wie vor sahen wir keine penetranten T-Mobile-Winkehände oder vergleichbaren Müll. Außerdem hat es weiterhin von den mir bekannten Festivals die entspannteste Toilettensituation – was immerhin auch einen wichtigen Faktor bezüglich wohlfühlen darstellt.

Selbst bezüglich des vegetarischen Angebots musste ich am Samstag ein wenig zurückrudern (oder „die Hufe still halten“), denn am Freitag waren wohl einige Gerichte bereits ausverkauft gewesen. Tatsächlich war das Angebot verglichen zum Vorjahr zumindest etwas erweitert worden.



Wir trafen zu Funeral Suits auf dem Gelände ein. Der im Programmheft gezogene Vergleich der Iren zu Foals erwies sich als berechtigt.

Weiter ging es ins Zelt zu Sizarr, deren Auftritt letztes Jahr auf der Open Air-Bühne buchstäblich ins Wasser gefallen war. Die Band erwähnte diese Vorgeschichte nicht, dafür aber, dass sie die Heimat Landau nun gegen Mannheim eingetauscht hat.


Das Publikum enthielt viele junge Frauen im Alter der Band. Begeisterung war durchaus vorhanden, und Sänger Fabian bat alle Anwesenden, bei jeder möglichen Gelegenheit auszuflippen, sogar beim Wort (hier musste er lange nachdenken) „Eisenbahn“, was auch brav befolgt wurde.


Der Sound, insbesondere am Anfang des Sets, erwies sich leider als nicht sonderlich gut. Zum Ende hin kamen die beiden Singles „Boarding Time“ und „Purple Fried“, bei letzterem wurden wir aufgefordert, mitzusingen. Richtig mitreißen konnte mich der Auftritt von Sizarr aber leider nicht.


Nach Ende des Auftritts setzten draußen gerade Toy zu ihrem eigenen an. Die Band orientiert sich optisch offenbar an den Ramones: Am Bühnenrand standen drei schwarzgekleidete Männer und eine Frau im schwarzweißen Kleid, alle langhaarig, und alle mit den Haaren im Gesicht. Nur der Drummer hatte das Styling-Memo nicht gelesen und war im Ringelpulli erschienen. Immerhin die Frisur stimmte. Musikalisch klangen alle Lieder ähnlich und bewegten sich irgendwo zwischen Psychedelic, Shoegaze und Rock.


Zurück im Zelt kamen wir gerade rechtzeitig zum Soundcheck von Efterklang aus Dänemark. Die hatte ich vor Jahren bereits beim Haldern Festival gesehen und erinnerte mich gut an die Fröhlichkeit der Band und ihre lustigen Outfits.

Outfittechnisch machte das kühle Wetter einen kleinen Strich durch die Rechnung, denn so konnten wir unterm Mantel nur ansatzweise erkennen, was für interessante Kleidung die zusätzlich mitgebrachte Sängerin trug. Ich entdeckte auf jeden Fall Glanzleggings und schwarze Socken mit Wedge-Sandalen darüber. Sänger Casper hatte sich von seinem Schnurrbart verabschiedet und trug Anzug und Fliege, während Bassist Rasmus noch einen sehr schönen Zensurbalken im Gesicht trägt und den ganzen Auftritt hindurch lächelte.


Efterklangs neues Album „Piramida“ passt, finde ich, nicht ganz so gut zu diesem fröhlichen Gebahren, und so konnte ich mich auch nur für ältere Songs wie „I was playing Drums“ und „Modern Drift“ so richtig erwärmen. Das Publikum an sich sah das aber anders, denn der Auftritt kam ausgesprochen gut an.


Die Band hatte am Vortag beim Immergut-Festival gespielt und hatte dort im Publikum Geschenke für die Maifeld-Gäste eingesammelt, unter anderem eine fast leere Flasche Jägermeister-Imitat. Wir sollten nun unsererseits Gaben für Besucher eines Open Airs in Leipzig abgeben, was auch ganz gut klappte: Casper zeigte uns gegen Ende verwundert eine Armbanduhr, die sich allerdings Rasmus sofort schnappte und umband.


Draußen vor dem Zelt spielten nur Immanu El aus Schweden auf, die eher ruhigen Progrock machten und als erste von mir gesehen Band des Festivals hinter der Bühne Filme mit Naturszenen, die möglicherweise vom schwedischen Touristikverband gesponsort waren, abspielten. Ich hatte aber Hunger und nutzte die gerade nur lange, aber nicht allzu hoffnungslose Essensschlange, um ein paar Nudeln zu erwerben.


Dann ging es weiter mit einem Headliner, Thees Uhlmann. Diesen hatte ich vorher bereits einmal mit Tomte und letztes Jahr beim Hurricane allein gesehen. Auf mich wirkte der wie immer gut gelaunte und freundliche Thees bei diesem Auftritt etwas fahrig. Die Rockerposen saßen, wie schon beim Hurricane wurde quasi jedes Lied irgendjemand gewidmet: in diesem Fall den Helfern des Festivals, Leuten vom Land, Indie-Fans, Bono Vox und Bruce Springsteen... Darüber hinaus gab es einige Anekdoten, wobei ich an der Geschichte, in der eine Freundin von Thees einen Fremden nach einem Bono-Vox-Autogramm fragte, ohne zu erkennen, dass es sich bei dem scheinbar unbekannten Begleiter um Bruce Springsteen handelte, nicht so recht glauben konnte. Schön war sie aber trotzdem.


Als Thees „Und Jay Z singt uns ein Lied“ anstimmte, dachte ich daran, dass wir beim Hurricane beinahe mit einem Gastauftritt von Casper (der in der aufgenommenen Version den Rapteil darbietet) gerechnet hatten, weil er ebenfalls bei dem Festival auftrat. Wir wurden damals aber enttäuscht und Thees rappte selbst. Als sich dieses Mal der Rap-Teil näherte, konnte man am Bühnenrand wahrnehmen, dass ein Mikrophon bereit gehalten wurde, irgendjemand war also dieses Mal eingeplant. Und tatsächlich kam mit einem Mal und zur großen Begeisterung der Menge Casper auf die Bühne.


Natürlich bot es sich an, dass das Duo anschließend gleich noch seine andere Kollaboration „XOXO“ darbot, wobei aus Publikumssicht schwer zu entscheiden war, wer von beiden Künstlern die größere Rampensau war.

Nachdem das Uhlmannsche Soloalbum mittlerweile ein Jahr alt ist, sang Thees mit „Zugvögel“ und „Die Bomben meiner Stadt machen Boom Boom Boom“ auch zwei neue Songs, die mich allerdings beim ersten Hören nicht sonderlich überzeugen konnten. Gerade das zweite neue Stück entpuppte sich im Anschluss an den Casper-Auftritt eher als Anti-Höhepunkt.


Im Anschluss an die Zugaben kam Thees gleich wieder heraus, sprach mit Fans und gab Autogramme. Mich hatte die zweifellos gute Show nicht ganz überzeugen können, vielleicht wegen der bereits erwähnten Fahrigkeit, vielleicht auch, weil der Unterschied zum Hurricane dann doch nicht riesig war. Ich weiß es nicht, vielleicht war ich am Samstag auch einfach etwas miesepetrig (Wer hat da „Bist Du doch immer!“ gesagt???).


Im Anschluss sahen wir uns noch Is Tropical an, eine etwas kuriose Band aus England, die sich mit Hot Chip und Digitalism ein Plattenlabel teilt. Optisch musste man bei ihrem Anblick aber weniger an diese Künstler als an Toy denken, mit denen die Band offenbar den Friseur teilt. Die Musik lag irgendwo zwischen Joy Division und Elektro Dance, was nicht so recht mit dem Rocker-Aussehen der beiden Herren harmonieren wollte.


Die beiden standen übrigens vor identischen, symbolgeschmückten Kisten, die ihnen Zugriff auf ihr Instrumentespektrum boten – so etwas hatte ich zumindest noch nie gesehen.  Die Single „Dancing Anymore“ wurde von einer nur für dieses Lied mitgebrachten Sängerin in einem sehr kurzen Kleid unterstützt, die wieder und wieder den Refrain „No I won't, no I won't, no I won't I won't let you move that way / Cause I don't, no I don't I don't let you move that way” sang. Dieses Lied gefiel mir noch am besten. Hm.

Der Samstag bot für mich zusammengefasst also in etwa das Gegenteil des Freitags: Wieder freundlichere Gedanken über das Festival an sich, dafür aber, trotz umjubelter Auftritte, keine persönlichen Musik-Highlights. Aber das mag an mir gelegen haben.

Größer ist nicht immer besser: Maifeld Derby 2013, Tag 1

U.
Irgendwie war es zu befürchten: Zwei Jahre war ich beim Mannheimer Festival Maifeld Derby, somit von Anfang an dabei, und stets hatte ich, neben ein paar Jammereien über vegetarisches Essen, nur Positives zu vermerken. Dieses Jahr wurde das Festival von zwei auf drei Tage gestreckt, und was soll ich sagen: Die Flitterwochen sind vorbei.


Für das Wetter, das man sich Anfang Juni doch etwas anders vorgestellt hätte, können die Veranstalter selbstverständlich nichts. Dass wir am Freitag beim Einlass eine gute Stunde im Regen warten mussten und möglicherweise immer noch dort stünden, hätten wir nicht irgendwann beschlossen, wie alle anderen auch zu drängeln, spricht allerdings für schlechte Organisation. Sowohl die Camping-Gäste als auch die Inhaber eines Print@Home Tickets mussten einzeln mühsam in Listen nachgeschlagen werden, eine Schlange für diejenigen, bei denen all das nicht nötig war, existierte aber nicht, und so lief alles schleppend langsam. Hinzu kam, dass die stolzen Bändcheninhaber sich durch die immer noch Wartenden Richtung Einlass drängeln mussten. Dort erfuhr man dann, dass es, anders, als im Internet offiziell mitgeteilt, doch nicht erlaubt war, Plastikflaschen mit aufs Gelände zu nehmen. Durch die tonnenweise gesammelten Einwegflaschen dürften zusätzlich Hunderte Euro Pfandgeld eingenommen worden sein - aber ich will hier keine Verschwörungstheorien spinnen.


Spezialevents wie ein gemeinsames Mittagessen mit Überraschungsband, die dem Festival einen besonders familiären Charakter verliehen, schien es in diesem Jahr nicht zu geben. Neu eingeführt wurde dagegen der "Derby Taler", mit dem man Getränke bezahlen muss, für Essen gilt er aber nicht. Stichwort Essen: Eigentlich wollte ich nicht schon wieder über den Mangel an vegetarischen Optionen jammern, aber wenn es im Rahmen der stark beworbenen Nachhaltigkeit des Festivals ausdrücklich heißt, es gebe einen "hohen Anteil vegetarischer Speisen im Festival- und Backstage-Catering" man vor Ort aber etwa dieselben wenigen Angebote wie in den Vorjahren findet und nach wie vor neun Zehntel der Essensoptionen fleischhaltig sind, finde ich das doch ziemlich armselig.

Armselig fiel in diesem Jahr auch die aus Vorjahren bekannte Lichtinstallation aus. Statt leuchtenden Bällen wurden nur ein paar Bäume mit Ikea-Lichterketten versehen. Und warum nur hatte man noch am Vortag im Internet bekannt gegeben, das Mitbringen von Gummistiefeln sei überflüssig, da das Gelände eine Drainage habe? Spätestens mit dem Durchlaufen hunderter Festivalgäste bildeten sich schnell tiefe Pfützen, die ich nur sehr ungern in Turnschuhen durchquert hätte.


Irgendwann waren wir also tatsächlich Bändcheninhaber, wenn auch durchnässt und ohne Getränke. Nichts wie schnell ins Zelt, wo der Auftritt von Daughter bereits begonnen hatte. Das Londoner Trio, live um einen Keyboarder erweitert, war von den Veranstaltern mit besonderer Begeisterung angekündigt worden.  Auf ihrem Debütalbum hatten sie mich mit Liedern beeindruckt, die mich so traurig stimmten, dass ich das Anhören eher vermeiden musste. Live war das besser, zumal die Band an sich einen ausgesprochen freundlichen Eindruck machte - gar nicht so depressiv, wie mir das Album vermittelt hatte. Gitarrist Igor nutzte zeitweise, zum Beispiel bei "Still", einen Geigenbogen auf seinem Instrument.


Viel mehr kann ich zu diesem Auftritt auch gar nicht sagen, denn wir hatten nicht nur den Anfang verpasst, was es erschwerte, sich einzustimmen, sondern "mussten" auch noch vor dem Ende weiter.

Setliste (Quelle: Konzerttagebuch):

Winter
Candles
Love
Amsterdam
Still
Landfill
Human
Tomorrow
Youth
Home


Im Parcour d'Amour, der in seinem Alltagsleben eine überdachte Tribüne zum Verfolgen von Reitveranstaltungen ist, und der von den Derby-Organisatoren wir bereits in vergangenen Jahren mit aufgehängten Stoffherzen als entschleunigte Nebenbühne für intimere Konzerte vorbereitet worden war, sollten Sea + Air auftreten. Das Duo aus Stuttgart, dessen Name und Debütalbum "My Heart's Sick Chord" eine gewisse Vorliebe für Wortspiele aufzeigt, war bei unserem Eintreffen noch mit dem Soundcheck beschäftigt, trat dann noch einmal ab, um den Auftritt dann sehr theatralisch mit dem synchronen Abbrennen von Streichhölzern zu eröffnen.


Eleni saß und sang meistens am Cembalo, während Daniel Gitarre und Schlagzeug bediente, beim Peter Gabriel-Cover "Mercy Street" wurden die Plätze und Instrumente getauscht. Die Single "Do Animals Cry", die auch in der veröffentlichten Version eine "rockige" Stelle hat, wurde in der Livevariante geradezu zur Headbanging-Vorlage. Auch "Yeah I Know" wurde von Daniel als Stadionrock angekündigt, allerdings hielt das Publikum das geforderte Einklatschen und Mitsingen nicht allzu lange durch.


Mit "Heart of the Rainbow", zu dem Daniel langsam ein "Herz", das in Wirklichkeit ein pinker Dusch-Schwamm war, enthüllte (Hätte er da nichts besseres finden können? In diesem Parcours hingen überall Dekoherzen!) endete das Set, das wegen Soundcheck am Anfang und strenger Organisation am Ende deutlich kürzer als die angesetzten 50 Minuten ausfiel - es dürften wohl um die 30 gewesen sein. Schade, denn eigentlich spielte und agierte das Duo sehr unterhaltsam.

Setliste:

Take me for a Ride
Dirty Love
Do animals cry
Mercy Street
Yeah I Know
Dig
The heart of the rainbow


Für uns bedeutete das Ende: Im Stechschritt durch die Pfützen zurück ins Palastzelt, denn hier sollte mit CocoRosie der erste Headliner des Abends auftreten. Vorab gab es eine Durchsage, laut der die Schwestern Casady ihren Auftritt abbrechen würden, wenn im Zelt weiterhin geraucht würde. Nachdem das natürlich nicht eingehalten wurde (manche Raucher verstehe ich einfach nicht), wartete ich die ganze Zeit ängstlich ab, ob die Drohung umgesetzt würde, was zum Glück nicht passierte. Überhaupt, dieses Publikum! Meine direkte Nachbarin beschwerte sich lauthals, dass so viele Leute weit vorne seien, die gar nicht tanzen wollten (um mich dann bei ihrem eigenen Ausdruckstanz ständig zu rempeln), unterhielt sich aber die meiste Zeit extrem laut mit ihren Begleitern. Überhaupt war der Geräuschpegel um mich herum die meiste Zeit unerträglich, was wieder einmal die Frage aufwarf, warum sich diejenigen, die sowieso bloß reden wollen, das nicht einfach draußen erledigen.


Bei CocoRosie sind die Outfits ja immer besonders erwähnenswert. Sierra hatte beschlossen, über ihrem silbernen Rock und gelben Shirt schwarze Spitzenunterwäsche zu tragen. Und sie dürfte wohl die einzige Person der Welt sein, die mit einer Unterhose überm Rock nicht sonderlich auffällt, weil ihre Schwester Bianca gleichzeitig eine lange Männerunterhose mit Eingriff, ein Glitzertop mit BH obendrüber, ein Holzfällerhemd, einen Mantel, eine fast bodenlange Dreadlockperücke, ein Kopftuch und eine Art Geweih trug. Das Ganze wurde mit einem Grusel-Make-up abgerundet, das an den Joker aus Batman erinnerte. Bei manchen Liedern verschleierte sie sich zusätzlich mit einem weißen Tuch.

Wie beinahe immer, hatten CocoRosie den Beatboxer Tez dabei, der sie bei vielen Liedern unterstützte, und auch ein stark bejubeltes Solo bekam. Zusätzlich hatten CocoRosie neben zwei weiteren Musikern als "special guest" eine Avantgarde-Tänzerin aus Brooklyn mitgebracht, deren wilder Auftritt sicherlich volle drei Minuten dauerte.


Musikalisch konzentrierte sich die Setliste aufs aktuelle Album "Tales of a GrassWidow", die gerade bei einem Festival erwarteten Hits von vorherigen Veröffentlichungen blieben aus. Sierra konzentrierte sich neben ihrem opernartigen Gesang auf Harfe und Keyboard. Beim Singen streckte sie meist ihre Arme dramatisch von sich oder lief hyperaktiv auf der Bühne herum und stieg auf die Monitorboxen am Bühnenrand. Bianca spielte Querflöte und eine Pungi.

Mein mittlerweile drittes CocoRosie-Konzert war wieder einmal eine völlig andere Erfahrung als die voraus gegangenen Auftritte - und trotz des Hintergrundlärms musikalisch sehr gut.


In einer kurzen Verschnaufpause hatten wir Gelegenheit, auf der Open Air-Bühne kurz ins Set von Dry The River hereinzuhören. Die Musik konnte mich nicht sonderlich packen, war aber zumindest für einige Witze nach dem Motto "Warum trocknen die nicht mal die Flüsse, die hier quer übers Gelände laufen?" gut.


Zurück im Zelt konnten wir uns zur Abwechslung frühzeitig für The Notwist einfinden. Bei Konzerten bekommt man ja immer nur seine direkte Umgebung mit, aber meinem subjektiven Eindruck nach war das Publikum nun deutlich erträglicher als bei CocoRosie, so dass einer vollen Konzentration aufs Bühnengeschehen nichts im Wege stand.

Markus Acher und Martin Kretschmann (der seine Elektronik wieder einmal mit Wii-Controllern bediente) standen vorne auf der Bühne, Acher sagte für das ganze Konzert nur zwei Dinge: Zu Beginn  „Hallo, wir sind Notwist und freuen uns, hier zu sein“ und am Ende „Tausend Dank“ .


Die Setliste konzentrierte sich auf die beiden Alben "Neon Golden" und "The Devil, You + Me". Im Gegensatz zum Konzert, das ich letztes Jahr in Düsseldorf gesehen hatte, war die Ausstattung auf der Festivalbühne natürlich spartanischer und wies weder Bläser noch ein Vibraphon auf. Die präsentierten Song-Versionen waren sehr lärmig-gitarrig, aber auch tanzbarer als im Oktober. Highlights waren "Gloomy Planets" und natürlich "Pilot", das in "Different cars and trains" über- und wieder zurückging. Sogar eine Zugabe bekamen wir: Die Band kehrte für "Consequence" und erneut "Tausend Dank" noch einmal zurück.


Setliste (Quelle: Konzerttagebuch):

Hands
Boneless
One with the freaks
Pick up the phone
Where in this world
This room
Casino
? (neu?)
On planet off
Gloomy planets
Neon golden
Different cars and trains
Pilot
Gravity

Consequence


Musikalisch hatte der Freitag trotz verschiedener Ärgernisse - auch die langen Schlangen bei Essens- und Getränkeausgabe waren aus früheren Jahren ungewohnt und keine Verbesserung - viel zu bieten und ließ mich dem restlichen Wochenende dann doch eher positiv entgegen blicken.

Fortsetzung folgt!

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