Sendeschluss: Moderat - Bad Kingdom

U.

Moderat, das Gemeinschaftsprojekt von Apparat und Modeselektor, veröffentlicht am 2. August sein zweites Album. Das gezeichnete Video zur Single "Bad Kingdom" erzählt eine Apartheids-Korruptionsgeschichte, die es in sich hat. Ich muss gestehen, dass ich nicht einmal das erste Album kenne, aber das sollte ich angesichts von Song und Video wohl einmal nachholen.

Five Kisses - Teil 2

U.

In meiner unermüdlichen Testwut und im Interesse der Öffentlichkeit ließ ich mir nicht nehmen, auch die zwei verbleibenden Sorten der Magnum-Sonderedition "Five Kisses" zu testen (Teil 1 hier).

Große Hoffnungen hatte ich bezüglich der Sorte "Flirty Kiss - Schoko Brownie". Was kann man bei einem Schokoladenfan schon mit einem Schokoladeneis groß falsch machen? Tatsächlich ist auch diese Sorte ganz lecker, aber selbst für mich (die schololadentechnisch recht hart im Nehmen ist) ein Schokoladen-Overkill. Dunkle Schokohülle, Schokoeis, Schoko-Brownie-Stückchen ... das ergibt schon eher "Death by Chocolate" und ist in der winzigen Größe dieses Mini-Magnums zwar noch durchaus schmackhaft, als großes Eis wäre es aber sicher viel zu viel.


Die verbleibenden vier Mini-Eise werde ich natürlich nach und nach aufessen, aber die Sorte landet hinter den beiden bereits getesteten klar nur auf Rang 3.

Wie sieht es nun mit Nummer vier aus? Der "Passionate Kiss" hat die Geschmacksrichtung Tiramisu, auch hiermit kann man mir gegenüber eigentlich wenig falsch machen. Tatsächlich schmeckt das Eis - dieses hat wieder eine hellere Hülle - aber nach nicht sonderlich viel. Der erste Bissen hatte noch eine starke Likörnote, das Eis an sich hat aber wenig Charakter. Die kleinen Keksstückchen, die darin enthalten sind, sehen zwar niedlich aus, bringen geschmackstechnisch aber auch wenig. Überraschend enttäuschend, dieses Eis, und das reicht nur für Platz 4.


Der letzte Kuss, der als einziger eine Hülle aus weißer Schokolade hat und im Inneren nach Apfeltarte schmecken soll, kommt erst im August in die Läden. Angesichts der Tatsache, dass mir nur zwei der bisherigen getesten Eise richtig gut gefallen, weiß ich nicht so recht, ob ich diese Sorte überhaupt kaufen werde. Immerhin mag ich nicht einmal die Apfelkuchen-Sorte der Eismeister Ben & Jerry ("Oh my Apple Pie") so richtig gerne. Hm.

Sendeschluss: Glasvegas - If

U.

Spätestens seit The Big Bang Theory wissen wir zum Thema Enterprise: "(Star Trek) Original Series over Next Generation but Picard over Kirk" Wenn er nicht ständig den Bauch einziehen muss, ist William Shatner aber eigentlich eine ziemlich coole Socke, die sich in Filmen wie Fanboys selbst auf die Schippe nimmt. Hier sagt er den neuen Song von Glasvegas an - und selbiger klingt auch ganz gut. Mal sehen, wie das im September erscheinende neue Album wird.

Neulich beim Haul

U.
Ich würde mich generell als durchaus internet-affin bezeichnen, aber natürlich lässt sich nicht abstreiten, dass ich für viele Netzphänomene schlicht zu alt bin. In den letzten Jahren habe ich zum Beispiel eher kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen, dass junge Frauen heutzutage Kleidung oder Kosmetikartikel in absurden Massen einkaufen und dann stolz auf Youtube präsentieren. Haul-Video heißt so etwas.

Grundsätzlich bin ich gegen den Einkauf als Fischzug. Natürlich habe auch ich mehr Kleidung als ich benötige, aber ich sehe keinen Sinn darin, bei Primark tütenweise Klamotten zu kaufen (oder bei dm ein komplettes Schminksortiment), wenn das Ganze nach dem stolzen Auspacken genau einmal benutzt wird und bereits nächste Woche wieder eingekauft wird. Das ist einfach leerer Konsum und dazu noch Ressourcenverschwendung. Sicher eine Altersfrage, kein Zweifel.

Nach dieser langen Vorrede muss ich allerdings zugeben, dass ich vorletzte Woche dann doch eine Art Haul veranstaltet habe. Als Fan der Nagellacke von OPI ärgere ich mich öfter darüber, dass man das Sortiment der amerikanischen Firma zwar mittlerweile problemlos in deutschen Geschäften bekommen kann, im allgemeinen aber zum stolzen Preis von 16 Euro pro Fläschchen. das ist mehr als das Doppelte das Normalpreises in den USA! Die Internet-Resterampe brand4friends bot letzten Freitag eine große Auswahl der Lacke für 6,90 Euro pro Stück an, da hieß es dann zuzuschlagen.


Der Einkauf an sich entpuppte sich dann als eher stressig, denn ich hatte den Start um 7 Uhr morgens verpasst, so dass gegen 10 viele Farben bereits ausverkauft waren oder sich aber schon in anderen virtuellen "Einkaufskörben" befanden. Gefühlte 300mal rief ich die Seite neu auf, weil immer einmal wieder eine andere Kundin Ware frei gab und diese dann für wenige Sekunden wieder erhältlich war. Auch ich musste meinen Warenkorb vor dem endgültigen Einkauf dann noch ein wenig aussortieren, aber nicht zuletzt dank des Zeitaufwands und der künstlichen Verknappung konnte ich mich von vielen meiner "Schätze" nicht mehr trennen.

Also bin ich nun stolze Besitzerin von acht neuen Nagellacken* und habe nun endgültig mehr Fingerfarbe, als ich in meiner verbleibenden Lebenszeit aufbrauchen kann. Na ja, zumindest handelt es sich um ein ziemlich haltbares Produkt ...

* Falls es jemand interessiert, ich habe jetzt (v.l.n.r.): No Room For The Blues, Atomic Orange, An Affair In Red Square, Need Sunglasses?, Dutch Ya Love OPI, Blue My Mind, I Don't Give A Rotterdam und OPI Red.


"Heroes" im sozialen Wohnungsbau: Misfits

U.
Eine der Seltsamkeiten, die unsere Zeit kennzeichnen, ist, dass das alltägliche Fernsehprogramm zwar immer schlechter wird, gleichzeitig aber für dieses Medium selten so viele phantastische Serien produziert wurden wie jetzt. Mad Men, Dexter, Downton Abbey, Game of Thrones, Sherlock, selbst Sitcoms wie New Girl oder The Big Bang Theory - alles über Jahre hinweg sehenswert. Und weil das eben so ist und hier noch so manche ungesehene Serienstaffel darauf wartet, endlich mal in den DVD-Player geschoben zu werden, kam ich erst jetzt dazu, eine weitere Serie mit hervorragender Reputation zu begutachten: Misfits.


Sechs jugendliche Straftäter werden zu Sozialstunden verurteilt, landen in einem seltsamen Unwetter, werden vom Blitz getroffen und entwickeln daraufhin ungewöhnliche Fähigkeiten: Kelly kann Gedanken lesen, Curtis die Zeit zurückdrehen, Simon kann sich unsichtbar machen, mit Alisha will jeder, der ihre Haut berührt, sofort Sex haben, Nathans Superkraft bleibt lange unbekannt und der sechste stirbt so bald, dass sein Talent unwichtig ist.

Auch andere haben sich durch das Unwetter auf seltsame Weise verändert, und so müssen die fünf Überlebenden zunächst gemeinsam ihren zum Psychokiller mutierten Sozialarbeiter umbringen und verschwinden lassen - das schweißt natürlich zusammen. Denn eigentlich haben die jungen Menschen nicht sonderlich viel miteinander gemeinsam: Nathan kommt eigentlich aus geordneten Verhältnissen, kommt aber mit dem neuen Partner seiner Mutter nicht zurecht, was ihn obdachlos macht. Kelly dagegen stammt aus der Unterschicht, ist dabei aber ziemlich bodenständig. Curtis ist ein fast berühmter Sportler, der durch einen dummen Fehler seine Karriere ruiniert hat, während Simon oberflächlich betrachtet vielleicht das beste Elternhaus hat, aber von seinem gesamten Umfeld völlig vernachlässigt wird.


Gerade bei Simon liegt die Vermutung nahe, dass die erworbene "Superkraft" etwas mit der ursprünglichen Persönlichkeit und Lebenssituation zu tun hat, und in gewisser Hinsicht scheint das beim Rest der Gruppe ebenfalls so zu sein: Curtis kann die Zeit nur zurückdrehen, wenn ihm etwas extrem leid tut, und das kennzeichnet ja auch sein sonstiges Leben. Alisha wollte ohnehin, dass jeder sie attraktiv und begehrenswert findet, was sich mit ihrer "Kraft" erfüllt. Bei Kelly und Nathan ist weniger offensichtlich, warum sie ausgerechnet ihre Kräfte erhalten haben.

Anders als in vergleichbaren Filmen und Serien, etwa Heroes, können die Helden von Misfits mit ihren Kräften bemerkenswert wenig anfangen. Keiner von ihnen ist zunächst in der Lage, sein Talent willentlich zu steuern, und so kann Simon sich nicht auf Kommando unsichtbar machen, Curtis ist nicht in der Lage, seinen Fehler auszumerzen und Kelly bekommt offenbar auch nicht jeden Gedanken mit. Am schlimmsten hat es Alisha erwischt, denn ihre "Superkraft" macht sie mehr als einmal zum Beinahe-Vergewaltigungsopfer, während echter, nicht von ihrer Kraft gesteuerter Sex mit ihrem Freund unmöglich wird.

Bislang (ich kenne erst die erste Staffel) hatten die "Superhelden" auch so viel mit ihren eigenen Problemen zu tun, dasss nicht einmal daran zu denken war, die neuen Fähigkeiten für einen guten Zweck oder gar die Rettung der Menschheit einzusetzen. Die Misfits haben genug mit ihrem eigenen Kram zu tun und halten sich somit so gar nicht an die Gepflogenheiten des Superheldengenres. 


Hinzu kommt die Originalität von Handlung und Dialogen - manches lässt sich vorausahnen, aber vieles eben auch überhaupt nicht. War am Anfang keine der Figuren sonderlich sympathisch, beginnt man als Zuschauer bald, irgendwie an ihnen zu hängen - aber ohne, dass die Charaktere deshalb unrealistisch verklärt würden. Und bezüglich der Dialoge herrscht eine ziemliche Bissigkeit vor, die häufig seltsam unterhaltsam ist:

Nathan: (to the guys) Oh, get the bodies! (throws a brick on Sally's windshield)
Sally: What the hell are you doing?!
Nathan: It's just pure, mindless vandalism!
Sally: What is the matter with you? Are you mentally deficient?!
Nathan: If I was mentally deficient, I would have missed. Check that out. Bull's-eye!

Bislang kenne ich wie gesagt nur die erste Staffel und weiß, dass nach der zweiten Robert Sheehan (Nathan) ausgestiegen ist - mittlerweile spielt glaube ich keiner der ursprünglichen Hauptdarsteller noch mit, und nach der nächsten, fünften Staffel soll endgültig Schluss mit den Misfits sein.

Sendeschluss: Me and Oceans - Polonaise Blankenese

U.

Polonaise Blankenese? Ist schon allen übel? Dem Interpreten dieses wunderbar deprimierenden Videos aus der Rubrik "die skurrilsten Coverversionen" ganz sicher, so viel steht fest. Man sollte einmal versuchen, diese Version statt der "richtigen" bei einer Vereinsfeier aufzulegen.

Hinter Me and Oceans steckt Fabian Schütze, der am 2. August sein erstes Album "The Bay" veröffentlicht.

Fleischeslust: Currywurst (die zweite)

U.
Erinnert sich jemand an die kurzlebige Reality Soap mit Stefan und Claudia Effenberg? Selbst habe ich es nicht gesehen, aber nach der ersten Folge konzentrierte sich ein Großteil der journalistischen Häme darauf, dass die Effenbergs wohl bei ihrer Luxus-Haussuche in München zunächst erklärt hatten, wie wichtig ihnen eine gut ausgestattete Küche sei - und dann kurz darauf in der Mikrowelle eine dieser Fertig-Currywürste im Plastikbehälter aus dem Kühlregal zubereiten und erklären, dass sie diese am allerliebsten essen.


Auch Vegetarier müssen ab sofort nicht mehr ohne Effes Lieblings-Convenience-Food vor sich hindarben: Von Vegetaria gibt es nun eine Version ohne Fleisch. Vor einer Weile hatte ich bereits eine reguläre Veggie-Wurst als Currywurst getestet (Link), aber das neue Produkt erspart mir den zeitraubenden Arbeitsschritt, in dem ich ganz allein Ketchup mit Curry mischen muss ... vom mühsamen Zerschneiden der Wurst einmal ganz abgesehen!


Genug gespottet. Mangels Mikrowelle musste das Produkt im Wasserbad erhitzt werden. Leider unterschätzten wir hierbei die Zeit, die so ein Wasserbad benötigt, um ein bisschen Currywurst durchzuerhitzen. So fiel das fertige Gericht ziemlich lauwarm aus.

Mehr gab es aber eigentlich nicht zu meckern - die Wurst schmeckte gut und ihre pikante Currysoße ebenfalls. Nun können wir endlich auch mal Stefan und Claudia zum Essen einladen!


Sendeschluss: Travis - Moving

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Momentan kann man ja zur Abwechslung ein bisschen Sommer spielen, Sandalen tragen und über Hitze jammern. Travis' neues Video dagegen spielt im Winter, mit sichtbarem Atem und darauf projizierten Bildern, die ein Eigenleben entwickeln. Eine schöne virtuelle Abkühlung. Das neue Album "Where you Stand" erscheint dann am 19. August.


Reach out and touch Dave: Depeche Mode in der Düsseldorfer Esprit Arena

U.

1987: Mit 15 Jahren besuche ich mein allererstes Konzert: meine absolute Lieblingsband Depeche Mode in der Kölner Sporthalle. Mit dabei meine beste Freundin und ein Bekannter, dessen Vater die leidige Pflicht hat, auf uns aufzupassen. Die Vorband heißt Front 242, das aktuelle Album ist "Music for the Masses", Dave trägt weiß und ich kann nach dem Konzert die Setliste komplett aus dem Kopf niederschreiben. Hinterher bin ich etwas enttäuscht, was aber höchstwahrscheinlich an übersteigerten Erwartungen liegt.

2001: Mit ein paar mehr Jahren auf dem Buckel sehe ich die Band meiner Jugend in der Frankfurter Festhalle. Leider muss ich dieses Mal allein hingehen, die Vorband ist Fad Gadget, das aktuelle Album heißt "Exciter". Engagiertere Fans als ich verteilen Handzettel mit Strichmännchengrafiken, die man hochhalten soll, wenn das Lied mit der entsprechenden Grafik kommt. Ich kann nicht wirklich viel von der Bühne sehen, schaffe es nicht weiter nach vorne und bin insgesamt frustriert.


2006: Schon wieder sind die Band und ich älter geworden, ich habe einige Konzerttermine ausgelassen, nun sind Depeche Mode Headliner bei "Rock im Park". Ich bin mit Freunden da, die Vorband ist Placebo (irgendwie), das aktuelle Album heißt "Playing The Angel". Dieses Mal läuft vieles besser, da wir zwar großen Abstand zur Bühne haben, aber zumindest gut sehen können. Außerdem spielt die Band meinen alten Favoriten "Photographic".

2012: Depeche Mode und ich sind mittlerweile so alt geworden, dass es schon nicht mehr schön ist. Dave ist bereits mehrfach verstorben, glücklicherweise nie dauerhaft. Mein Freund überrascht mich zu Weihnachten mit Tickets für das Zusatzkonzert in Düsseldorf im Juli 2013. Wir fahren also zusammen hin, die Vorband ist Matthew Dear, das aktuelle Album heißt "Delta Machine". Und hier kommt der Bericht.


Als Exkölnerin hält man ja bekanntermaßen nicht viel von Düsseldorf, wobei ich das aus Verjährungsgründen schon fast vergessen habe. Aber diese Esprit Arena! Eine Fußballmannschaft, die ihren Gästen (beziehungsweise ihren Fans) ein derartiges Park-Chaos zumutet, hat ihren Abstieg so was von verdient! Nicht nur hatten wir dank Staus für eine Strecke, die regulär etwa 1,5 Stunden benötigt, das Doppelte gebraucht, nun standen wir am Ende unserer Nerven im Parkstau. Das Parkplatzkonzept scheint auf maximalem Personalaufwand zu basieren (was auch die unverschämten 7 Euro Gebühren erklärt). Reihe für Reihe müssen die Autos "eingewunken" werden, der Rest drängelt und kreist in der Zwischenzeit, was auch den Rückstau bis weit vor der Ausfahrt erklärt. Wirklich toll gelöst, Esprit Arena!


So kann ich zu Matthew Dear genau überhaupt nichts sagen, denn als wir die Halle mit hängenden Zungen erreichten, standen Depeche Mode bereits auf der Bühne. Es erweist sich als großer Vorteil, dass wir unheimlich teure "front of stage" Tickets besitzen, die es ermöglichen, auch jetzt noch den Zuschauerbereich direkt vor der Bühne zu betreten, sonst stünden wir wahrscheinlich einen Kilometer von der Band entfernt. "Direkt vor der Bühne" entspricht in diesen Dimensionen zwar auch eher "Jahrhunderthalle, ganz hinten", aber immerhin: Mit etwas Mühe kann ich die drei Bandmitglieder mit ihrem Extrapersonal an Schlagzeug und Keyboard tatsächlich sehen, für den Rest müssen es die LED Wände (eine große hinter der Bühne für Projektionen, zwei daneben zeigen die Band) tun. Das Dach der Esprit Arena bleibt an diesem Abend übrigens geschlossen.

Dank akribischer Vorbereitung ist uns die Setliste des Abends bereits weitestgehend bekannt, was zu der beruhigenden Erkenntnis führt, dass wir nur ein Lied verpasst haben, den Opener "Welcome to my World". Bei "Angel" (ebenfalls von "Delta Machine") akklimatisieren wir uns noch. Ich stelle fest, dass ich das Publikum um uns herum optisch so gar nicht zuordnen kann. Wüsste ich nicht, dass wir bei Depeche Mode sind, könnte das hier auch ein Rolling Stones-Konzert sein. Oder einfach ein Zufallstreffen von Tausenden Mittvierzigern.


Auf der Bühne trägt Dave Anzughose und Weste, sieht wie immer überraschend jung, schlank und fit aus und führt zusätzlich zum Gesang seine altbekannten Anheizertänze auf - mit Hinternwackeln, häufigem Griff in den Schritt und suggestiven Gesten mit dem Mikrofonständer. Ein Laufsteg ermöglicht ihm, manchmal weit ins Publikum hinein zu tänzeln. Martin Gore ist ebenfalls nur in Hose und Weste, nur glitzert sein Outfit - dafür bedeckt es auch mehr. Von hinten sieht es aus, als hätte er einen Rock an, dazu trägt er wie fast immer Lidschatten und Nagellack. Und Fletch steht weit weniger glamourös in Jeans und Polohemd bei seinen Synthesizern.

Meine Überlegungen muss ich kurz unterbrechen, denn mit "Walking in my Shoes" kommt nun das erste Highlight - es zeigt sich, dass die Zuschauer wohl allesamt die früheren Albenveröffentlichungen der Band bevorzugen  und wer könnte es ihnen verdenken. Auf jeden Fall verbessert sich die Publikumsstimmung unvermittelt um hundert Prozent, was auch beim (relativ neuen) darauf folgenden "Precious" erhalten bleibt.


An und für sich gibt es auf der Bühne relativ wenig Technik und zum Beispiel keine ausufernde Lichtshow, dafür wird annähernd jeder Song von einem eigenen Hintergrundbild oder -video begleitet. Bei "Precious" sieht man zum Beispiel riesige Hundebilder, die (zumindest für mich) die traurige Grundstimmung des Lieder gut widerspiegeln. Je nachdem, was sonst noch so los ist, achte ich mal mehr und mal weniger auf die Animationen, die wohl einmal mehr von Anton Corbijn realisiert wurden, zu sehen gibt es aber beinahe immer etwas.

Nach "Behind the Wheel" und "World in my Eyes" flacht die Stimmung zu "Should be Higher" und "John the Revelator" wieder merklich ab, vielleicht kennen einige der Anwesenden die letzten beiden Alben auch gar nicht? Dann verlässt Dave mit Fletch sowie Christian Eigner (Schlagzeug) zum ersten Mal die Bühne, was einen Solosong für Martin mit Peter Gordeno (Keyboard) bedeutet. Zu meiner Überraschung hat er sich "Only when I lose myself" ausgesucht, ein Lied, das normalerweise von Dave gesungen wird. Die Martin-Version ist aber selbstverständlich hervorragend und wie noch einige Male an diesem Abend wird mir auch wieder einmal klar, was für tolle Texte diese Band zu bieten hat.

Im Anschluss folgt mit "Home" ein klassischer Martin-Titel, der in der Liveversion zu meiner Überraschung "Fangesänge" nach sich zog: Martin Gore dirigierte, während das Publikum die Gitarrenpassage nachsang. Nachdem ich ja einige Stationen der Depeche Mode-Tourneegeschichte ausgelassen hatte, konnte ich nicht einordnen, ob es sich hier um eine Tradition handelte. Martin wirkte in jedem Fall aufrichtig erfreut über die Publikumsteilnahme.


Nun durfte Dave wieder auf die Bühne zurück, lobte Martins Soloauftritte (was mir etwas albern erschien, aber möglicherweise ist man nur um einen netten Umgang miteinander bemüht) und sang mit frischer Weste die vorletzte Single "Heaven", die sich in meinem Gehirn leider untrennbar mit "Wetten, dass...?" (wo Depeche Mode mit ihr aufgetreten sind) verknüpft hat. Na ja, so gut ist der Song wohl einfach nicht, sonst könnte er meine Schreckenserinnerungen an diese Sendung wohl überstrahlen. Mit "Soothe My Soul" folgte darauf auch gleich die aktuelle Singleveröffentlichung, die mir etwas besser gefällt.

"A Pain that I'm Used To", das danach kam, ist dagegen eines der wenigen Lieder von "Playing the Angel", die sich mir eingeprägt haben, einigen anderen im Publikum schien es ebenfalls zu gefallen. Auf das anschließende "Soft Touch / Raw Nerve" hätte ich wieder ganz gut verzichten können (zumal auf einer "Alternativ-Setliste" wohl an diesem Platz schon "A Question of Time" gespielt wurde!), anschließend wurde ich mit "In Your Room" (in einer langsameren Remix-Version dargeboten), "Enjoy the Silence" und "Personal Jesus" wieder versöhnt. "Goodbye" hieß dann genau das, wobei es schon sehr überraschend gewesen wäre, wenn keine Zugaben mehr gekommen wären.


Diesen Block eröffnete dann Martin allein und bereitete uns mit "Somebody" eine echte und freudige Überraschung - diesen Uralt-Song hatte die Band bei der aktuellen Tournee überhaupt noch nicht gespielt! "Halo", das danach von Dave (der die Bühne wiederum mit einem Lob für Martin betrat) in der auf einem der Remix-Alben veröffentlichten Goldfrapp-Version (aber natürlich ohne Alison Goldfrapp im Refrain) dargeboten wurde, gehört dagegen zum Standardset der Tournee, was ja auch nicht schlimm ist. Doof, wenn auch nicht unerwartet, fand ich dagegen das darauf folgende "Just Can't Get Enough", weil ich mit diesem Song noch nie viel anfangen konnte, er überhaupt nicht in seine musikalische "Umgebung" passte und mir spontan fünf alte Songs eingefallen wären, die ich lieber gehört hätte.


Den anderen im Publikum gefiel das antike Feierlied aber - so sehr, dass nach seinem Ende noch weiter gesungen wurde, bis der nächste Song anfing - und nach "I Feel You" und dem traditionell fast immer am Schluss kommenden "Never Let Me Down Again" ging der Konzertabend mit einem mittlerweile halbnackten Dave und einem aus Tausenden im Publikum schwingenden Armen gebildeten Meer - nun endgültig - zu Ende. Zuletzt verbeugte sich die Band und Dave umarmte jedes Mitglied einzeln.


Bei der im Vergleich zur Anreise erfreulich zügigen Autosuche und Rückfahrt war es dann Zeit für ein Fazit, das sich als gar nicht so einfach erwies. Die Band hatte ihr aktuelles Tourneeprogramm perfekt, und sogar zumindest mit einer Überraschung, abgeliefert. Soundtechnisch gab es nichts zu meckern, die Stimmen waren gut, die Publikumsstimmung, zumindest in meiner direkten Umgebung, allerdings etwas behäbig. Im Interesse der Fans, die beide Düsseldorfer Konzerte besucht hatten, musste man auch positiv zur Kenntnis nehmen, dass die Setliste zwischen beiden Auftritten variiert worden war.

Ein viel größeres Problem war für mich dagegen die Größe des Events an sich, denn ich finde es schon recht seltsam, ein Konzert zu sehen, die so oder zumindest sehr ähnlich ein paar hundert Mal aufgeführt wird. Es fällt mir einfach schwer, zu glauben, dass man als Künstler bei so etwas dann beim hundertsten Mal noch mit dem Herzen dabei sein kann. Aber dass es sich um diese Art Show handeln würde, wusste ich natürlich bereits vorher, und es wäre albern, sich im Nachhinein darüber zu beklagen.


Setliste:

Welcome to My World
Angel
Walking in My Shoes
Precious
Behind the Wheel
World in My Eyes
Should Be Higher
John the Revelator
Only When I Lose Myself
Home
Heaven
Soothe My Soul
A Pain That I'm Used To
Soft Touch/Raw Nerve
In Your Room
Enjoy the Silence
Personal Jesus
Goodbye

Somebody
Halo
Just Can't Get Enough
I Feel You
Never Let Me Down Again



Frankfurt Vegetarisch (10): McDonald's

U.
Ganz früher gab es bei McDonald's einen Gemüse Mäc, also einen vegetarischen Big Mäc. Das war vor meinen vegetarischen Zeiten, so dass ich diesen Burger glaube ich nie probiert habe. Seit etwa zwei Jahren gibt es nun den Veggieburger, mit dem ich persönliche Erfahrungen sammeln konnte, und zwar schlechte. Nachdem es nicht gerade schwierig ist, einen wohlschmeckenden vegetarischen Burger zu kreieren ist mir ein Rätsel, wie es dieses Produkt auf den Markt schaffen konnte und dort nun auch schon seit geraumer Zeit verweilt. Ganz, ganz schlimm.


Um so erfreuter war ich, als McDonald's vor kurzem wieder einmal eine Reihe von (angeblich) kundenkreierten Burgern vorstellte und zu meiner Überraschung erstmalig ein vegetarischer dabei war.  Nachdem Mc Donald's sicherlich keine Massen von vegetarischen Kunden hat, fand ich diesen Schritt gleichermaßen positiv wie mutig, denn ich vermute, dass allein die Beschreibung "vegetarisch" auf nicht wenige typische Kunden schon abschreckend wirkt.

Auf mich natürlich nicht, und so ging ich am Freitag in der Mittagspause gespannt zu McDonald's und bestellte den McBörgerding. Seltsamer Name? Allerdings. Herr Börgerding heißt anscheinend wirklich so und ist ein semibekannter Kölner Musiker, der "seinen" Burger einfach nach sich selbst benannt hat.


Gut, der Name ist komisch, aber da ich erstmalig eines dieser Selbstbedienungsterminals nutzte, in die man seine Bestellung selbst eingibt und mit Karte bezahlt, um dann recht zeitnahe ein Tablett mit dem Bestellten gereicht zu bekommen, musste ich das komische Wort nicht einmal sagen. Was aber konnte der Burger an sich?

Leider nicht viel. Ich hatte bereits im Vorfeld erfahren, dass das "Fleisch" im Falle des McBörgerding aus Falafel besteht. Das hatte mich um so gespannter gemacht, denn Falafel finde ich super. Um so größer die Enttäuschung über das Gebotene: Das Brötchen sieht aus wie ein Bagel, schmeckt aber genau wie jede andere Burgerummantelung bei McDonald's - also nicht gut. Zwischen Unterteil und Falafel scheint sich gar nichts zu befinden, darüber dann noch Salat mit Rucola, Tomate, eine minzige Soße und eine Käsescheibe.


Das Produkt erschien mir unheimlich trocken, und ich entnehme anderen Internetverrissen, dass mein Burger nicht irgendwie missraten war, sondern das einfach so ist. Das Brötchen schmeckte nicht, der Falafel nach nicht viel. Die Soße fand ich ganz in Ordnung, aber es gab zu wenig davon. Den Käse konnte ich geschmacklich überhaupt nicht wahrnehmen. Und der Salatkram - nun, er störte nicht.

Machen wir es kurz: Mein erster McBörgerding war mit Sicherheit auch mein letzter, und Mc Donald's hat nach dem Veggieburger ein weiteres vegetarisches Produkt auf den Markt gebracht, das ich woanders schon tausendmal besser gegessen habe. Schade, dass dieser mutige Schritt so unbefriedigend umgesetzt wurde.

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