Sendeschluss: Jake Bugg - Messed Up Kids

U.


Jake Bugg wurde im letzten Jahr unglaublich gehyped, wobei ich mit seinem eher altmodischen Singer/Songwriter-Stil zunächst nicht sonderlich viel anfangen konnte. Sein neues Video zu "Messed Up Kids" ist aber mit seinen teils bewegten und teils eingefrorenen Szenen stilistisch ziemlich beeindruckend, und eigentlich gefällt mir der Song auch ganz gut.

Neulich beim Wohnzimmerkonzert: Pelle Carlberg in Montabaur

U.

Am frühen Abend holte mein Freund wie verabredet Pelle Carlberg in seinem Hotel ab. Dieser hatte sich bereits im Laufe des Tages per SMS gemeldet, also wussten wir bereits, dass er unsere Kleinstadt gut gefunden hatte. Bei uns daheim lauteten dann die ersten Programmpunkte Soundcheck und Abendessen. Ersterer schien ganz gut zu funktionieren, letzteres ... nun, man sollte, wenn man Arrabiata kocht, und im Supermarkt keine regulären Chilis bekommt, diese nur sehr, sehr vorsichtig durch Habaneros ersetzen. Mein Sauce war unglaublich scharf und mir ziemlich peinlich, immerhin scheinen aber alle Beteiligten ihren Genuss überlebt zu haben. Nach dem Essen waren wir schon relativ spät dran, es musste schnell noch das Buffet für die Gäste aufgebaut werden, dann trafen bereits die ersten Konzertbesucher ein.

Wie bereits in der Vorberichterstattung erwähnt, hatte mein Freund einen Plan: Pelle Carlberg hat ein Lied namens "Pelle Carlsberg", in dem er von einer Asientour erzählt, bei dem sich der Sponsor Tiger Beer verbat, Pelles Nachnamen, der für sie zu sehr nach dem Brauerei-Konkurrenten Carlsberg klang, auf die Plakate zu drucken. Pelle hieß plötzlich nur noch Pelle. Also ging mein Freund vor dem Auftritt mit je einer Flasche beider Sorten Bier zu dem Sänger und fragte ihn, welche von beiden er beim Konzert trinken wollte. Pelle verstand fast sofort, worum es ging, erklärte aber, dass er diesen Song überhaupt noch nie live gespielt habe und auch eigentlich gar nicht mehr wisse, wie er geht. Als netter Künstler war er aber bereit, dem Wunsch nachzukommen, und verschwand erst einmal mit seiner Gitarre in meinem Zimmer, wo er sich den besagten Song in iTunes anhören und üben konnte.


Inzwischen waren erfreulich viele weitere Gäste eingetroffen, die nun auch langsam und vorfreudig ihre Plätze einnahmen. Ein mit meinem Freund befreundetes Pärchen überreichte Pelle sogar ein Schokoladenpräsent und erklärte ihm, dass sie das Baby, das sie gerade erwarten, auch Pelle nennen möchten. Freundlicher kann man von einem Publikum ja eigentlich kaum empfangen werden ...

Das Konzert konnte nun beginnen. Pelle spielte zum Großteil dieselbe Setliste wie am Vorabend, ich hatte sie ihm nämlich persönlich aus Christophs Bericht ausgedruckt. Wie bereits in Köln hatte Pelle zu seinen Liedern viel zu erzählen. Teils, etwa bei "Replaceable", war die Geschichte in etwa dieselbe wie am Vortag. Andere kamen neu hinzu, so erfuhren wir zu "Fly me to the Moon", dass der im Song beschriebene Ryanair-Flug nach einem Auftritt in Barcelona stattfand, der den spanischen Gewohnheiten entsprechend erst gegen 1 Uhr früh begonnen hatte - entsprechend müde und frustriert reagierte die Band, als sie horrende Zusatzgebühren für den Transport eines Tamburins bezahlen sollte.


Auch zu "1983" gab es an diesem Abend eine längere Geschichte darüber, wie der junge Pelle mit seinem besten Freund Nachtspaziergänge in Uppsala unternahm und dabei aus Angst, ausgeraubt zu werden, einem Fremden Geld schenkte. Zu "I love you, you imbecile" gab es zwar keine Geschichte, aber immerhin die deutsche Übersetzung des Titels: "Ich liebe dich, du Schwachkopf". Als letztes Lied vor der Pause kündigte Pelle schließlich den gerade erst geübten Bier-Song an. Dem restlichen Publikum erklärte er, dass Dirk ein "peculiar guy" sei, und wie er ihm die Bierflaschen gezeigt hatte. "Pelle Carlsberg" hatte einst Pelles Plattenfirma nicht gefallen, weshalb der Sänger es seit der Aufnahme 2008 überhaupt nicht mehr gespielt hatte. Statt auf einem Album war der Song nur als Bonus-Download erschienen, angeblich mit einem extra unleserlichen Passwort. Der eben noch geprobte Song klappte dann, nach einer Textpanne ganz am Anfang, sehr gut. Montabaur hatte eine Live-Premiere erlebt.

Es folgte eine Pause für alle Beteiligten, während der Pelle etwas nervös meinen Freund fragte, ob er glaube, dass den Gästen das Konzert gefalle - was dieser bejahte. Anschließend führte er noch ein Gespräch mit Christoph über deutsche und schwedische Bands und Lieder in Originalsprache - was wohl Spuren hinterließ, denn nach der Pause hörten wir als erstes ein schwedischsprachiges Lied, das Pelle Carlberg mit seinen Kindern aufgenommen hat - mit diesen betreibt er nämlich eine Band, die anscheinend anders als er allein bei einem Major Label unter Vertrag ist.


Kurz danach folgte "Metal to metal", zu dem Pelle wieder dieselbe Geschichte von der Autopanne in Berlin erzählte, dieses Mal mit einer besonders liebevollen Beschreibung des Automechanikers und Imitation von dessen deutschem Akzent.

Zu "Riverbank" erzählte uns Pelle, dass es in dem Song darum ginge, sein ganzes Geld einfach in den Fluss zu werfen, also Konsumkritik. Als Beispiel nannte er die zahlreichen Cremes und Tonics sowie einen Porenverkleinerer, die sich alle in seinem Kulturbeutel befänden, was für deutsche Männer sicherlich befremdlich sei - der arme Christoph wurde gefragt, ob er er denn überhaupt wisse, was Tonic ist: "You don't mix it with gin!"

Nach dem weiterhin großartigen "Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls" war zunächst Schluss. Im Vorfeld hatten wir überlegt, wohin Pelle wohl nach dem letzten Lied abgehen würde. Er entschied sich dafür, ein bisschen auf der Treppe im Flur zu sitzen. Mein Freund, der die Ansage von "Pamplona" mit der Erwähnung der Band I'm from Barcelona ja bereits vom Vortag kannte, hatte die Vinylplatte gut sichtbar bereit gelegt, so dass Pelle bei seiner Erklärung darauf Bezug nehmen konnte. Bei "Pamplone" sangen auch viele, zumindest mehr als in Köln, mit.


Bei der einen Zugabe blieb es dann auch, Pelle wollte anschließend gerne die bereitgelegte Platte hören und konnte schnell alle seine mitgebrachten CDs verkaufen und sich noch mit einigen Konzertbesuchern unterhalten. Als anschließend noch, ebenfalls auf Wunsch des Künstlers, die Stone Roses aufgelegt wurden, wurde es langsam Zeit, den sehr schönen Abend zu beenden, denn am nächsten Morgen war ja für die meisten ein normaler Arbeitstag. Vorher überreichte ihm Christoph allerdings noch Fotografien der Lego-Versionen aller seiner Albumcover, was Pelle zu der Frage "Oh, you are the Lego Man?" veranlasste. Eines der Cover war ihm nämlich bereits via Facebook bekannt gewesen, er hatte aber nicht gewusst, dass er den Schöpfer kannte.

Ich war relativ überrascht darüber, wie gut mir unser Wohnzimmerkonzert gefallen hat. Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, den Abend selbst genießen zu können, aber alles lief so entspannt ab, dass es wenig Anlass zur Sorge gab, nicht einmal für mich. Leider fängt mein Freund aber auch bereits an, darüber zu reden, dass er noch ein Konzert machen möchte.

Setliste:

Oh no! It's happening again
Musikbyrån makes me wanna smoke crack
1983 (Pelle & Sebastian)
Loser of the century
Fly me to the moon
I love you, you imbecile
Replaceable?
Pelle Carlsberg

Varannan vecka (Tvillingarna, Truls & Jag)
Because I'm worth it
How I broke my foot and met Jesus
Metal to metal
Salt
Go to hell, Miss Rydell
Riverbank
Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

Pamplona

Neulich vor dem Wohnzimmerkonzert

U.
Wohnzimmerkonzerte scheinen ja mittlerweile irgendwie ein Trend geworden zu sein. Lange Zeit kannte ich nur Oliver vom Konzerttagebuch als regelmäßigen Veranstalter "eigener" Konzerte bei sich daheim, zu denen sowohl Freunde als auch interessierte Fremde kamen, zuhörten und etwas Geld für den Künstler zurückließen. In den letzten Jahren habe ich, vor allem durch die anderen Kollegen beim Konzerttagebuch, von mehreren weiteren solchen Wohnzimmerreihen gehört. Eines ist aber all diesen Veranstaltungen gemeinsam: Sie finden an Orten statt, die über eine angemessene Zahl potenzieller Zuschauer verfügen, also meist in Großstädten. Ich lebe mittlerweile auf dem Land. Der Gedanke, sich selbst als Booker, Veranstalter und Gastgeber in einer Person zu versuchen, lag mir unter anderem deshalb mehr als fern.


Vor einigen Monaten las ich aber bei Facebook, wie besagter Oliver berichtete, Pelle Carlberg werde bei ihm in Paris auftreten und stehe auch für Termine in Deutschland zur Verfügung. Eher scherzhaft teilte ich das meinem Freund, der wie ich Carlbergs Musik sehr schätzt, mit, und der war sofort Feuer und Flamme. Pelle sollte auch zu uns kommen! Ich gab zu bedenken, dass Pelle erstens wahrscheinlich keine Lust haben würde, in den Westerwald zu kommen, und dass es doch zweitens ausgeschlossen sei, dass wir ein angemessen großes Publikum für ihn zusammen bekommen könnten. Christoph vom Konzerttagebuch, der ebenfalls hier in der Peripherie lebt, erklärte, er könne maximal fünf Gäste organisieren, bei denen er selbst, mein Freund und ich aber schon eingerechnet seien. Doch mein Freund gab nicht auf. Gut, auf die Einwohner Montabaurs könne man sich in diesem Kontext wohl nicht verlassen, aber er würde Kollegen, Verwandte und Bekannte einladen, insgesamt ließe sich bestimmt auf 20 Gäste kommen. Bei 10 Euro Eintritt würde der Sänger so 200 Euro einnehmen und könnte zusätzlich CDs verkaufen. Ein Hotelzimmer würde mein Freund für ihn buchen und bezahlen. Montabaur hat nicht viel zu bieten, verfügt aber immerhin über ein recht imposantes Schloss samt Hotel.


Mein Freund nutzte ein kurzes Zögern in meiner grundsätzlich ablehnenden Haltung, fragte beim Booker der Deutschlandtournee an und bekam zu meinem großen Erstaunen keine postwendende Absage, sondern einige Rückfragen sowie Terminvorschläge. Spätestens jetzt begann ich, mir Sorgen zu machen. Folgende Schreckensszenarien malte ich mir aus:


  1. Pelle Carlberg würde am Abend vor dem Konzert in seinem Tourneeplan unseren komischen Ortsnamen lesen und sofort absagen.
  2. Es würde kurz vor dem Termin massenhaft Absagen der Gäste geben. Wir würden dann als die Idioten dastehen, die für drei bis vier Personen ein Konzert organisieren.
  3. Am besagte Abend würde es ein Unwetter geben, weshalb ein Großteil der eingeplanten Gäste ausbleiben würde. Wir würden dann als die Idioten dastehen, die für drei bis vier Personen ein Konzert organisieren.
  4. Nachbarn würden die Polizei rufen, wahlweise wegen der Lärmbelästigung, der vielen Autos… und ist es eigentlich erlaubt, bei einer Privatveranstaltung einen Unkostenbeitrag zu verlangen?
  5. Wir würden an der Konversation mit dem Künstler und dessen Unterhaltung vor dem Auftritt scheitern.
  6. Pelle Carlberg hätte eine extreme Katzenhaarallergie und würde entsprechend direkt nach seinem Eintreffen überall anschwellen und dann schnell im Krankenwagen wieder abreisen
  7. Alles würde klappen, aber die Gäste würden die Sache mit dem Unkostenbeitrag nicht so ernst nehmen, und wir würden dem Musiker am Ende des Abends verlegen lächelnd 20 Euro übergeben.


Unbeirrt von meinen Schreckensszenarien verschickte mein Freund Einladungen, erhielt erste Zusagen und wir kauften Unmengen Getränke. Dass sich der Booker zwischenzeitlich tatsächlich länger nicht meldete, wurde mir verschwiegen, was sicherlich auch besser so war. In Frankfurt verwendete ich eine Mittagspause darauf, in einem Asienladen ein paar Flaschen Tiger Beer zu kaufen, denn über diese Marke (und Carlsberg) hat Herr Carlberg ein Lied zu einer tatsächlichen Begebenheit während einer Asientour geschrieben. Die Dekoration mit den beiden Biersorten erschien uns deshalb als eine originelle Idee und sollte auf subtile Art und Weise dazu führen, dass Pelle diesen Song in unserem Wohnzimmer vortragen würde.


Je näher der Abend rückte, desto klarer wurde, dass er wohl tatsächlich stattfinden würde. Wir entdeckten eine Terminliste der Tournee, in der Montabaur zwischen richtigen Städten wie Köln und Paris aufgeführt war. Mein Freund schleppten nach und nach einen Haufen Stühle für die Gäste an, sein Bruder lieh uns ein Mikrophon nebst Verstärker und weiterem Equipment (erstaunlich, was so ein einzelner Mann mit Gitarre alles braucht) und erklärte sich bereit, die Sachen anzuschließen. Fast alle Eingeladenen hatten zugesagt. Das Wochenende vor dem Montag, für den das Konzert angesetzt war, verbrachten wir mit putzen und einer ellenlangen To Do-Liste.


Und so nahm ich mir schließlich den Konzerttag frei und begann am Morgen, Blätterteigsnacks für die Gäste zuzubereiten. Pelle Carlberg sollte abends ebenfalls bekocht werden und hatte unseren vorab gemachten Vorschlag "Penne Arrabiata" zumindest nicht zurückgewiesen. Also verbrachte ich ein paar Stunden in der Küche und konnte mir den Rest der Zeit überlegen, was jetzt noch schiefgehen könnte.

So viel Gelegenheit hatte ich aber gar nicht, mir zusätzliche Schreckensszenarien zu überlegen, denn im Laufe des Nachmittags trafen die ersten Helfer ein, und wenig später fuhr mein Freund zum Hotel, um unseren Stargast zum Soundcheck und zum Abendessen abzuholen. Wie es dann weiter ging, erzähle ich im nächsten Beitrag...

Neulich vor dem Tatort: Pelle Carlberg in der Kölner Wohngemeinschaft

U.

Am Montag fand bei mir daheim ein Konzert statt, und zwar mit dem schwedischen Sänger Pelle Carlberg. Eigentlich hätte man dessen Ankunft also bequem auf dem heimischen Sofa abwarten können, stattdessen fuhren wir aber am Sonntag nach Köln, um das Konzert des Vorabends auch mitzunehmen. Schließlich kann man ja nicht wissen, wie viel man von einem selbst veranstalteten Konzert mitbekommt, außerdem konnte sich man auf diese Weise dem Künstler vorstellen, bevor sich dieser am nächsten Tag Richtung Westerwald ins für ihn Ungewisse aufmachen sollte.

Die Wohngemeinschaft ist ein gemütliches Café im Retrostil mit zahlreichen lustigen Ecken, etwa einem Tischtennisraum und einem alten VW-Bus. Außerdem hat sie einen kleinen Konzertsaal, wobei dessen Bühne ebenfalls den Charme eines 60er-Jahre-Wohnzimmers und auch dessen Ausstattung hat. Der bestuhlte Zuschauerraum war nach dem Einlass schnell komplett gefüllt, so dass das Konzert bereits kurz nach halb sieben losgehen konnte.


Pelle Carlberg ist bei seiner aktuellen Tournee allein mit seiner Gitarre unterwegs. Er ist einer dieser Musiker, die zu so gut wie jedem ihrer Songs eine Geschichte erzählen können, entsprechend wurde zwischen den einzelnen Liedern viel gesprochen. Zunächst erfuhren wir, dass Pelles Lieblingsmannschaft aus Uppsala im schwedischen Fußballpokalwettbewerb einen der Favoriten geschlagen habe, weshalb der Sänger beste Laune hatte.

Vor dem neuen "Replaceable?" fragte er kurz in die Runde, wer ihn schon live gesehen habe und erklärte dann: "For those of you that know my music, this is a new song. For the rest of you .. I guess it's just another song." Außerdem habe er das Lied vor seiner Abreise für seine Tochter und deren Freundin gespielt, um die Behauptung der Tochter, dass er "Rockstar" sei, zu belegen. Nach der ersten Strophe habe aber ein iPhone gesummt und beide Mädchen hätten sofort das Interesse an dem Song verloren und ihn entlassen. Wenig später folgte das ebenfalls neue "Loser of the century".


Vor "Metal to metal" hörten wir eine längere Geschichte über eine Fahrt im Minivan nach Berlin, wo das neue Auto plötzlich unerklärlicherweise in Wedding liegen blieb - bis ein schließlich gerufener Mechaniker erklärte, "metal to metal" sei in einem Motor nicht so gut, weshalb es unerlässlich sei, als Fahrer auch ans Öl zu denken. Dieses Missgeschick regte Pelles damalige Frau so auf, dass es letztlich die Trennung vorbereitete, weshalb einem das Lachen bei diesem an und für sich eher humorvollen Song im Halse stecken blieb. Außerdem erklärte Pelle anschließend in Bezug auf den vorangegangenen Song, wegen dieser Geschichte sei er der "Loser of the century".

Nach einer kurzen Pause, die der recht verschwitzte Pelle nutzte, um sich umzuziehen (wobei er sich hinsichtlich des Bühnenoutfitwechsels scherzhaft mit Madonna verglich), ging es weiter mit den Liedern und Geschichten: "Because I'm Worth It" bezieht sich auf eine These von Pelles Vater, dass die Generation der in den 70er Jahren Geborenen die erste sei, die unbedingt alles haben wolle. "Crying all the way to the pawnshop" ist das von Pelle erdachte Gegenteil zur Redensart "Laughing all the way to the bank", "How I broke my foot and met Jesus" handelt von einer schmerzhaften Sportverletzung mit anschließender Morphiumverabreichung. "Salt" ist ein neuer, ernster und trauriger Song über Liebeskummer und -schmerzen und "Go to hell, Miss Rydell" ein älteres Lied über einen wütenden Anruf bei einer Musikjournalistin, die Pelles Band Edson verrissen hatte.


Manchmal nahmen die Erzählungen mehr Zeit in Anspruch als die eigentlichen Songs, und wir wurden auch an einer Stelle besorgt gefragt, ob das störe. Aber natürlich verneinten alle, denn die lustigen Geschichten machen ja gerade den Charme eines Pelle Carlberg-Konzertes aus.

Letztes Lied des Hauptteils bildete das lang-betitelte (Pelle zählte uns die 13 Worte vor) "Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls", was auch einst der erste Song war, den ich von dem Künstler kannte - es ist auch bis heute mein Lieblingslied.


Natürlich folgten noch Zugaben, zunächst das von der ebenfalls schwedischen Band I'm from Barcelona inspirierte "Pamplona", vor dem Pelle ins Publikum fragte, ob wir gerne mitsingen würden, was ein einziges, weibliches, durchaus begeistertes "Yay!" erntete - und anschließend natürlich großes Gelächter. Außerdem wurden wir besorgt gefragt, ob wir denn noch Zeit hätten, gleich käme doch diese Krimiserie, "German CSI".

Dadurch, dass wir als Publikum bestätigten, es nicht sonderlich eilig zu haben, verdienten wir uns noch zwei Zugaben, nämlich eine recht gruselige Coverversion des ohnehin eher unschönen "I believe in a thing called love" von The Darkness, zuletzt folgte "Tired Of Being PC", bei dem es einige charmante Textprobleme gab.

Anschließend und nach begeistertem Applaus hatten wir noch die wichtige Aufgabe, dem Künstler mitzuteilen, dass wir seine Gastgeber des folgenden Abends sein würden und dass es diesen komischen Ort "Montabaur" tatsächlich gibt. Ob Pelle Zweifel daran hatte, ist nicht bekannt, aber er schien sichtlich erfreut zu sein, dass wir bereits zum Kölner Auftritt erschienen waren. Anschließend begaben wir uns prompt zurück in den Westerwald und freuten uns gespannt auf den nächsten Abend.



Setliste:

Oh no! It's happening again
Musikbyrån makes me wanna smoke crack
1983 (Pelle & Sebastian)
Replaceable?
Fly me to the moon
I love you, you imbecile
"Loser of the century"
Metal to metal

Sunday, lovely sunday (Edson)
Because I'm worth it
Crying all the way to the pawnshop
How I broke my foot and met Jesus
Salt
Go to hell, Miss Rydell
Riverbank
Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

Pamplona

I believe in a thing called love
Tired of being PC

Hundreds im Kölner ARTheater

U.

Ach, was kam ich mir am Donnerstag schlau vor! Von Frankfurt wollte ich nach der Arbeit direkt nach Köln-Ehrenfeld fahren, um dort die Hamburger Band Hundreds zu sehen, aber meine Kamera lag noch daheim in Montabaur. Kein Problem, ich schrieb schnell meinem Freund eine SMS, er möge die Kamera bitte einpacken, und dachte, die Sache sei erledigt.

Das war aber ein Trugschluss, denn als ich kurz, nachdem wir Plätze in der ersten Reihe des winzigen Konzertsaals im ARTheater ergattert hatten, ein Bild von der herumliegenden Setliste machen wollte, ließ sich die Kamera nicht anschalten - der Akku war nämlich zwar frisch geladen, aber ich hatte ihn daheim offenbar nicht zurück in die Kamera geschoben. Folglich gab es dann doch nur Handyfotos.


Um kurz nach 8 Uhr erklommen dann zunächst nicht Hundreds, sondern die dreiköpfige schwedische Band DNKL die Bühne. Die sehr jung aussehenden Musiker haben für Hundreds einen Remix gemacht, so lernte man sich kennen, und nun sind sie deren Vorband - wobei der Kölner Auftritt nach eigenen Angaben ihr dritter überhaupt war. Das Trio machte melodischen Synthie-Pop mit leisem Gesang, für mich als alten Depeche Mode-Fan durchaus angenehm. Die Single "Hunt" wurde als einzige mit Titel angesagt, beim späteren Recherchieren stellte ich dann feste, dass es der Song immerhin bereits geschafft hat, vom britischen "Guardian" vorgestellt zu werden. Die Band verwies am Ende des Sets darauf, dass man am Merchandise-Stand ihre CD kaufen könne, die jedoch nur zwei Titel enthielt. 


Hundreds, also das Geschwisterpaar Eva und Philip Milner, hatte ich bereits zweimal live gesehen, einmal beim Maifeld Derby und später nochmals in der Frankfurter Brotfabrik. Damals gab es von den beiden nur ihr Debütalbum, mit dem sie sehr ausgiebig auf Tour waren, nun erschien vor wenigen Tagen das Nachfolgealbum "Aftermath". Diese zeichnet sich anders als der Vorgänger "Hundreds" durch eine "natürlicher" klingende Instrumentierung aus - neben Synthesizern und Evas Stimme hört man nun auch häufig Bläser, Streicher oder auch Backgroundgesang. 

Wir warteten also gespannt, ob Hundreds die winzige Bühne vielleicht mit einer stark erweiterten Band erklimmen würden, tatsächlich hatte das Duo aber nur einen Zusatzmusiker dabei, der sich hauptsächlich um die Percussion kümmerte. Der Rest der Instrumente kommt also live nach wie vor aus dem Synthesizer, aber wer weiß: Hundreds touren nun ja sicherlich wieder länger, und vielleicht ändert sich das Live-Lineup ja im Lauf der Zeit noch, denn möglicherweise stehen im Laufe des Jahres ja auch noch größere Hallen auf dem Plan.


Bei den beiden früheren Konzerten hatte Eva stets einen asymmetrischen Overall und ein Cape getragen, außerdem war sie immer barfuß gewesen. Auch an diesem Abend blieb sie barfüßig*, trug aber nun ein schwarzes Kleid mit weißen Umsäumungen. Das bekamen wir aber erst nach dem instrumentalen Intro zu sehen, das Philip und der unbekannte Zusatzmusiker allein spielten, erst dann betrat Eva die Bühne - ich erinnerte mich, dass das bei früheren Konzerten auch schon so abgelaufen war.

Die Bühne des ARTheaters war mit aufrecht stehenden Neonröhren dekoriert, die jeweils mit einem schwarzen Stoff überzogen worden waren. Zu einigen Songs gab es zusätzlich Projektionen, etwa Kisten bei "Happy Virus", in dessen Refrain ja von "happy little boxes" die Rede ist. Dazu kamen Evas Tanzeinlagen, die sich gegenüber den vorangegangenen Auftritten stilistisch nicht sehr verändert haben, wobei ich glaube, dass jeder Song seine eigene Choreographie hat.


Die Setliste dieses Abends, den Eva als "Record Release Party" bezeichnete, wurde selbstverständlich, vor allem in der ersten Hälfte, von "Aftermath" bestimmt. Altbekanntes wurde auch gespielt, aber häufig neu interpretiert dargeboten, so klang etwa "Fighter" deutlich anders als auf dem ersten Album. Später sang Philip bei "Grab the Sunset" mit - ich konnte mich nicht erinnern, das bereits in der Vergangenheit erlebt zu haben. Die neuen Songs "Rabbits on the Roof" und "Please Rewind" hatten wir, obwohl sie erst auf "Aftermath" veröffentlicht wurde, auch bei früheren Konzertbesuchen bereits live gehört.

Die Kommunikation mit dem Publikum fiel wie gewohnt freundlich, aber eher spärlich aus. Lediglich, als sich vor "Happy Virus" zeigte, dass irgendetwas nicht richtig angeschlossen war, erklärte Philip kurz "Ich muss da was nachsehen" und unterbrach so den Ablauf. Eva fragte ins Publikum "Hm, hat vielleicht jemand eine Frage?", worauf prompt "Seit wann kann Philip sprechen?" zurück kam. Eva entgegnete: "Weiß ich nicht so genau, mit mir spricht er auch nicht so viel!" und Philip ergänzte: "Ich rede nur, wenn es ein Problem gibt." Diese ließ sich aber zum Glück durch ein weiteres Abtauchen hinter den Synthesizerschrank beheben.


Als letzte Songs kündigte Eva noch zwei ruhigere Songs an, nämlich "Foam Born", eine Komposition von Touchy Mob - den ich nur deshalb kenne, weil er in der Brotfabrik im Vorprogramm von Hundreds aufgetreten war - und "Stones". 

Nach dem regulären Set gab es noch zwei Zugaben, insgesamt drei Songs vom ersten Album. Zunächst wurden "Song For A Sailor" und "Let's Write The Streets" dargeboten, dann kehrten Eva und Philip noch für "Little Heart" zurück.

Auch mit ihrem neuen Album wussten Hundreds live zu überzeugen, was auch das restliche Publikum so zu sehen schien, denn es gab viel Applaus und "Circus" wurde mit dem Zwischenruf "Wunderbar!" bedacht. Trotz der weiten Entfernung von Köln zu Hamburg schienen auch viele Bekannte der Musiker anwesend zu sein, denn diese wurden vor und nach dem Auftritt von einigen, vor allem auch älteren Gästen umarmt.

Ich werde Hundreds in etwa zwei Monaten beim Maifeld Derby wiedersehen und bin schon gespannt, was es dann zu sehen und hören gibt.

Intro
Aftermath
Fighter
Beehive
Circus
Ten Headed Beast
Our Past
Please Rewind
Rabbits On The Roof
Happy Virus
Grab The Sunset
Foam Born
Stones

Song For A Sailor
Let's Write The Streets

Little Heart

* Im TV Noir-Interview erklärte Eva, dass sie immer barfuß auftritt, weil sie sonst das Gefühl hat, umzukippen, wenn sie die Augen schließt.

Sendeschluss: Johnny Cash - She Used To Love Me A Lot

U.

An Johnny Cash sollten sich Bands wie die Stone Roses, die stets neue Alben vollmundig ankündigen, um dann sehr viel später sehr wenig zu liefern, ein Beispiel nehmen: Cash starb bereits vor elf Jahren, aber immer noch gibt es bislang unveröffentlichte Aufnahmen, die nach und nach das Licht der Welt erblicken. Diesen Monat kommt das Album "Out Among The Stars" auf den Markt, das Cash bereits in den 80er Jahren aufnahm - wegen einer damaligen Erfolgsflaute des Sängers hatte es die Plattenfirma nie veröffentlicht.

Die Single "She Used To Love Me A Lot" klingt ähnlich melancholisch, wie man es von den Spätalben "American Recordings" gewohnt ist, für den Rest das neuen alten Albums trifft das aber wohl eher nicht zu.

Frankfurt Vegetarisch (14): Chimichurri

U.
Seit geraumer Zeit, nun ja, sagen wir seit über einem Jahr, verfügt Frankfurt über zwei vegane Restaurants. Es hat mich schon länger gewurmt, dass ich hier über des Thema "Vegetarische Ernährung in Frankfurt" blogge, ohne irgendetwas Kompetentes über diese beiden Restaurants sagen zu können. Aber die Tatsache, dass beide Lokale - übrigens nur im Abstand von etwa 250 Metern - im tiefsten Bornheim liegen und ich Frankfurt mittlerweile hauptsächlich tagsüber erlebe, führte zu erheblichen Verzögerungen meiner Besuche.


Ganz zu Anfang des Jahres ergab sich zunächst die Möglichkeit, bei Chimichurri zu speisen - wir erwischten den ersten Abend 2014, an dem überhaupt geöffnet war. Meine Begleiterin und ich fanden uns direkt gegen 18 Uhr ein, was sich als gute Idee erwies, denn viele Tische waren bereits reserviert, und es wurde an diesem Abend richtig voll - riesig ist das kleine Ecklokal auch nicht.

Das Chmichurri hat keine dauerhafte Speisekarte, bei der Tagesauswahl entschied ich mich für Kokosspinat mit Linsen , Curry und Süßkartoffeln. Meine Freundin bestellte in Waldpilzragout mit angebratenen Serviettenknödelscheiben. Beide Gerichte kosteten um die zehn Euro, dazu bestellten wir Weißwein und Wasser.

Das Essen wurde schnell geliefert und schmeckte mir ausgesprochen gut - die Würzung des Spinats traf genau meinen Geschmack. Das Waldpilzragout durfte ich ebenfalls probieren und befand es ebenfalls für gut. Leider vertiefte ich mich aber so in den Essensgenuss, dass ich völlig vergaß, zu fotografieren. Deshalb ist das einzige Foto in diesem Teil des Beitrags auch von der Chimichurri-Facebookseite gestohlen ...

Der Service war ausgesprochen freundlich, eine kleine Peinlichkeit, als meine Freundin sich beim zweiten Glas für eine andere Sorte Wein entschied, und etwas völlig Ungenießbares bekam, wurde schnell und ohne Diskussionen beseitigt. Das Lokal an sich erschien mir etwas allzu schlicht, aber ich war gerne dort und würde meinen Besuch auch gerne wiederholen.

Das Chimichurri befindet sich Im Prüfling 63.

Sendeschluss: Dillon - A Matter of Time

U.

Mein Interesse an der deutsch-brasilianischen Sängerin Dillon hielt sich bislang in Grenzen. 2014 erscheint aber ihr zweites Album "The Unknown", und zumindest die Vorab-Single "A Matter of Time" macht durchaus Lust auf mehr. Man beachte auch den leisen, herzschlagartigen Beat.

Fleischeslust: Griechische Rondo

U.

Der heutige Beitrag ist ein perfektes Beispiel für den Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Theoretisch finde ich nämlich den Gedanken an ein vegetarisches, "hacksteakartiges" Produkt nach griechischer Art mit einer Füllung, die Feta und Oliven enthält, ganz wunderbar.


Die "griechischen Rondo" von Garden Gourmet werden im Zweierpack zu 180 Gramm verkauft, eine Packung kostet etwa 3 Euro. Die "Schnitzel", oder wie auch immer man sie nennen mag, werden ganz einfach im Ofen erwärmt, ich hätte sie also einfach neben meine Pommes-Frites-Beilage legen und später einmal wenden können. Stattdessen erhitzte ich sie in der Pfanne, was auch sehr einfach war.


Die fertigen "Rondos" waren in ihrer Konsistenz recht weich und im Geschmack ... ausgesprochen enttäuschend. Da in Wirklichkeit gar kein Feta enthalten war (Garden Gourmet behauptet das auch nicht, das muss ich mir eingebildet haben), konnte man ihn auch nicht schmecken. Es gab auch keine hacksteakartige Konsistenz, auch hier hatte ich einen völlig falschen Eindruck gehabt. Der "Salzlakekäse" war absolut geschmacklos, die Oliven schmeckten eher penetrant durch. Auch weiteres Gemüse war in der Füllungspampe enthalten, konnte den Geschmack dieses panierten Etwas aber nicht retten. Und so stillte ich am ersten Rondo widerwillig meinen Hunger, das zweite wanderte ungegessen in den Müll.


Sendeschluss: Garish - Ganz Paris

U.

Der Sendeschluss von heute, "Ganz Paris" von Garish, zeigt den Tagesablauf eines streunenden Hundes in eben dieser Stadt und ist dabei unglaublich niedlich - selbst für mich als Katzenfan. In den Hauptrollen sieht man die Hunde Cheeky, Flam und Gaston, Regisseur war Christoph Kuschnig, der mit seinen Kurzfilmen bereits für einen Oscar nominiert war.

Die österreichische Band Garish kannte ich bislang noch gar nicht, dabei hat sie im Februar bereits ihr sechstes Album veröffentlicht. Sollte ich mir vielleicht einmal anhören.

Fleischeslust: Toscana-Bällchen

U.

Hackbällchen ohne Fleisch gibt es ja mittlerweile von verschiedenen Marken, in meinem Haushalt werden am häufigsten die von Garden Gourmet gekauft, die ich auch bereits hier vorgestellt habe. Das äquivalente Produkt von Vegetaria neigt in letzter Zeit dazu, bei der Zubereitung zu zerfallen, weshalb ich es mittlerweile weniger schätze.

Nachdem ich die Bällchen in 99,9 % der Fälle mit Tomatensauce auf Nudeln esse, liegt es natürlich nahe, die Dinger gleich mit der Sauce zu kaufen. Aldi (Süd) bietet so ein Produkt an, die Bällchen sind rein pflanzlich und kosten 1,79 Euro. Das klingt zunächst sehr preiswert, zumal die Klößchen auch noch "bio" sind, allerdings muss man bedenken, dass die 200-Gramm-Packung mit ihren vier Fleischbällchen eher eine Einzelportion darstellt. In die Plastikschale hätten dabei auch sicher noch zwei Bällchen mehr gepasst!


Wie eigentlich immer bei Fertigprodukten, wirkt die geöffnete Packung erst einmal wie Tiernahrung, aber erhitzen hilft hier enorm. Statt der ewigen Nudeln gab es zu diesem Bällchen der Abwechslung halber Reis und Parmesankäse. Ein leckeres und empfehlenswertes Fertiggericht für Tage, an denen es schnell gehen soll.


Sendeschluss: Hundreds - Circus

U.

Heute gab es einen neuen Schwung Bestätigungen fürs Maifeld Derby. Der letzte, noch ausstehende Headliner ist leider eine Band mit der ich so gar nichts anfangen kann, nämlich Warpaint. Es gab aber auch gute Nachrichten für mich, es werden nämlich auch alte Bekannte auftreten: Das deutsche Duo Hundreds sah ich nämlich schon beim ersten Maifeld Derby und war damals sehr angetan.

Passenderweise haben Hundreds nun einen neuen Song veröffentlicht. "Circus" klingt sehr schön, aber deutlich "natürlicher" als die vorhergegangenen Titel, ich bin gespannt, ob die Geschwister beim Festival dieses Mal mit einer kompletten Band antreten.



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