Sendeschluss: Lana del Rey - Shades Of Cool

U.

Seit Mitte Juni gibt es mit "Ultraviolence" ein neues Album von Lana del Rey. Ich mag die Sängerin recht gerne, und mir ist auch ziemlich egal, ob ihr musikalischer und persönlicher Stil selbst erdacht oder doch vielleicht das Ergebnis eines ausgefeilten Konzepts ist.

Das Video zu "Shades of Cool" zeigt, wie ein älterer Mann in L.A. herumfährt und mit Lana schäkert, wobei nicht ganz klar ist, was Realität ist und was Phantasie - oder wer über wen phantasiert. In jedem Fall ein schönes Video, das mich an David Lynch erinnert.

Sendeschluss: OK Go - The Writing's On The Wall

U.

Über OK Go weiß ich so gut wie gar nichts, außer natürlich, dass die Band mit "Here ist goes again" eines der bekanntesten und wohl auch besten Musikvideos aller Zeiten gemacht hat. Aber das ist acht Jahre her. Auch "The Writing's On The Wall" hat aber ein ausgesprochen komplexes, spaßiges Video, dass einen an mehreren Stellen angesichts der optischen Täuschungen stutzen lässt. Schade, dass die Musik dazu eher Durchschnittsware ist.

Neulich nach dem Wohnzimmerkonzert

U.

Am Tag vor dem Wohnzimmerkonzert erhielten wir eine E-Mail von Jonah Matranga: Sein Konzert des folgenden Abends fiele aus, und er suche eine Übernachtungsmöglichkeit, mit oder ohne Konzert. Nachdem ich am folgenden Tag früh aufstehen und arbeiten musste, fragten wir den Kollegen meines Freundes, der sowohl den Künstler vorgeschlagen als auch ursprünglich überlegt hatte, das Konzert bei sich in Koblenz zu veranstalten. Tatsächlich erklärten er und seine Freundin sich sofort bereit, Jonah und seinen Fahrer für eine Nacht bei sich aufzunehmen. Jonah war begeistert.

Am Tag nach unserem Wohnzimmerkonzert bekamen wir abends nochmals eine E-Mail von Jonah, mit seinem Link zu seinem Blog und dem oben gezeigten Selfie mit den zahlreichen R2D2s des Abends sowie einem ausgesprochen netten und dankbaren Text. Wir sind immer noch ganz gerührt.

Neulich beim zweiten Wohnzimmerkonzert: Jonah Matranga in Montabaur

U.

Eigentlich wollte ich das alles nicht.

Obwohl unser erstes Wohnzimmerkonzert mit Pelle Carlberg wider Erwarten optimal verlaufen war, weshalb ich zukünftigen ähnlichen Unternehmungen nicht grundsätzlich negativ gegenüber stand, hätte ich mir eine Pause gewünscht. Ich dachte, wir warten ab, bis Herbst oder nächstes Jahr, damit man sich auch sicher sein kann, dass wieder genügend interessierte Gäste kommen.

Jonah Matranga war aber einer von zwei Wunschkünstlern, die uns von Gästen des ersten Konzerts genannt worden waren (Roxette erschienen uns weniger realistisch). Zufällig sahen wir, dass er auf seiner Homepage eine Europatournee ankündigte, mit der Bitte, ihn zu kontaktieren, wenn man Ideen hätte. Mein Freund brachte mich trotz meiner Bedenken mit einem Trick (das Konzert müsse überhaupt nicht zwingend bei uns Zuhause stattfinden, denn auch der Kollege mit dem Wunsch habe Interesse gezeigt) dazu, den amerikanischen Musiker anzumailen. Ich schrieb also meine E-Mail, wobei ich mir ziemlich doof vorkam - wie ein Kind, das seinen Lieblingsstar zum Geburtstag einlädt. Es kam keine Antwort, wir vergaßen die Sache. Man kann ja niemand vorwerfen, wenn er keine Lust hat, ein Wohnzimmerkonzert bei Fremden in Deutschland zu geben.


Dann kam - nach vier Wochen - doch noch eine Antwort, und zwar eine positive. Das klänge alles ganz prima, Hauskonzerte mache Jonah sowieso am liebsten, und wir sollten uns einen der noch freien Termine der Europtournee aussuchen. Als ich nun gegenüber meinem Freund zur Sprache brachte, dass das Konzert doch eigentlich gar nicht bei uns stattfinden sollte, meinte er, der betreffende Kollege sei verreist, deshalb müssten wir das nun schnell allein organisieren. Also eben doch bei uns.

Tatsächlich wurden meine Sorgen, niemand werde nach der recht kurzen Pause schon wieder zu uns kommen wollen, um erneut einen Mann mit Gitarre singen zu hören, bald entkräftet, denn die Gästeliste füllte sich recht schnell, sogar mit einigen langjährigen Fans des Künstlers, der bereits in einer ganzen Reihe von Band gespielt hat. Zu unser großen Überraschung kündigte sich einige Tage vor dem Termin sogar ein Fan an, der uns überhaupt nicht kannte, sondern auf Jonahs Website über das Konzert gelesen hatte.


Ein bisschen aufregend wurde es dann noch am Abend selbst, denn wir hatten Jonah samt Fahrer für 18 Uhr zum Abendessen eingeplant, ab 19 Uhr rechneten wir mit den Konzertgästen. Da unser Haus aber natürlich keinen Backstagebereich hat, wurde ich ziemlich nervös, als zur Essenszeit vom Musiker noch nichts zu sehen war und es später und später wurde. Letztlich regte ich mich aber, wie fast immer, umsonst auf, und alle Abläufe funktionierten halbwegs, auch, wenn es zeitlich eng wurde. Beim nächsten Mal (denn tatsächlich hat mein "Booker" bereits die nächste Band organisiert) müssen wir den Zeitplan ein wenig strecken.

Jonah Matrangas Eintreffen verpasste ich, weil ich gerade mit Nudeln kochen beschäftigt war, weshalb ich mich später fragte, zu welchen Zeitpunkt er wohl seine Schuhe ausgezogen hatte. Später erfuhr ich, dass er wohl bereits barfuß aus dem Auto gestiegen war.


Sein aktuelles Album heißt "You and me are two", wobei "are two" ein Wortspiel mit R2(D2) ist und der kleine Roboter aus Star Wars sowohl das Albumcover ziert als auch eine musikalische Rolle spielt. Jonah hatte selbst einen kleinen R2D2 dabei, wir hatten aber praktischerweise selbst einen riesigen Pappaufsteller der Figur besorgt und sammelten das Eintrittsgeld in einer R2D2-Tasse ein, so dass es an diesem Abend nicht an Roboterdekorationen mangelte. Auch die Einladung, die wir potenziellen Interessenten gegeben hatten, war passend mit R2D2 dekoriert gewesen.

Nachdem alle Gäste eingetroffen waren, konnte auch das Konzert beginnen. Jonah begrüßte uns auf Deutsch und betonte mehrfach den interaktiven Charakter des Abends, man dürfe sich jederzeit Lieder wünschen und auf beliebige Art kommunizieren. Los ging es dann erst einmal mit "I Really Love Yr Company" vom aktuellen Album, es folgte Johnny Cashs "I Still Miss Someone". Für "Bitte ein Kuss" nutze Jonah erstmals einen mp3-Player, um zusätzliche Beats einzuspielen, was dann noch mehrmals passierte. Das Lied handelt von einer Beziehung mit einer Deutschen namens Christiane, die nicht mehr besteht - aber der Song ist geblieben.

Auffällig war, neben der extremen Freundlichkeit, Dankbarkeit und Begeisterung des Künstlers, die uns bereits in seinen E-Mails überrascht hatte, die Inbrunst und Emotionalität der Darbietung, die sich gegen Ende oftmals in eine Art Brüllen (das aber immer noch den Ton traf) verwandelten. Für die Zuhörer war es beeindruckend, meine Katzen bevorzugten es allerdings, sich das Konzert im Schlafzimmer unter der Bettdecke anzuhören.


Zu "Every Mistake" erfuhren wir, dass das Lied von bedingungsloser Liebe handelt, genauer gesagt von der Liebe Jonahs zu seiner Tochter, aber nicht von einem hehren, letztlich bedeutungslosen Konzept aus Popsongs, sondern der Schwierigkeit einer solchen Liebe in der Realität. Insbesondere die Eltern im Publikum waren darüber nach eigenen Angaben tief gerührt. Bei "14-41" gab es einen ziemlich schrägen Versuch, die Zahlen des Songs (der sich um die Bedeutungslosigkeit von Alterskonzepten dreht) auf Deutsch aufzusagen, was nicht allzu gut funktionierte, aber für Lacher sorgte.

Schließlich traute sich auch endlich jemand, einen Wunsch zu äußern, allerdings war das "Deafening" ein ziemlich harter Song mit Schrammelgitarren von Jonahs früherer Band Far, den er sich so gar nicht als akustisches Gitarrenlied vorstellen konnte. Stattdessen gab es zunächst ein ruhigeres Lied vom selben Album ("At Night We Live"). Jonah erkundigte sich anschließend, ob es nun genehm sei, eine Pause zu machen - im Vorfeld hatte er mich bereits gefragt, wie lange er denn spielen solle, was ich nicht so recht beantworten konnte, weshalb ich nur scherzhaft "vier bis fünf Stunden" gesagt hatte. Er hatte ebenso unernst geantwortet "Und am Ende ein Schlagzeugsolo!". Man durfte also gespannt sein.


Nach "Stay" (das quasi als Wunsch ans Publikum gedacht war) gab es dann die Pause, in der der erste Merchandise (auch hier nicht autorisierte Star Wars Devotionalien) verkauft wurde und die ersten die Chance nutzten, mit dem Künstler zu sprechen. Beim Kauf von Platten und anderen Fanartikeln zeigte sich für die Gäste, dass es geradezu schwierig war, hier Geld auszugeben. Sowohl Jonah selbst als auch sein Fahrer betonten immer wieder, man solle einfach geben, was man könne, und wer bereits "Eintritt" bezahlt hatte, konnte seine CD eigentlich auch umsonst bekommen. Viele Gäste bemühten sich redlich, die Preise ein wenig hochzuhandeln. Jonah zog sich anschließend kurz zurück, um zu üben, und präsentierte anschließend eine Weltpremiere, eine akustische Version von "Deafening".

Während im ersten Teil des Sets Lieder von Jonah und seinem Soloprojekt onelinedrawing dominiert hatten, widmete er sich nun den Songs seiner früheren Bands New End Original, Far und Gratitude, weil sich in der Pause einige Fans dieser Bands zu erkennen gegeben hatten. Jonah erklärte, er wisse, dass seine Musik nicht in vielen Plattenregalen vorhanden sei, dass es ihn aber freue, dass sie seinen wenigen Fans häufig viel bedeute. "Better Than This" mit seinem Refrain "I'm better than nothing and nothing is better than this..." war ein Geschenk an Menschen, die emotionalen Verletzungen überstehen mussten. Außerdem stammt es von einem Album namens "Thriller", weshalb es auch ein Zitat aus Michael Jacksons "Wanna Be Startin' Somethin'" enthielt. In "#1 Defender" baute er kurz Neil Youngs "Heart Of Gold" ein.

Dann kam auch der kleine R2D2 zu seinem Einsatz, denn in "Smile" ersetzt sein Gezwitscher (also in Wirklichkeit R2D2-Gezwitscher vom mp3-Player) jaulende Gitarren im Stil von Eddie van Halen (der für die Aufnahmen leider nicht zur Verfügung stand).


Zum Schluss zog er den Stecker aus dem Verstärker und bot "Lukewarm" unplugged dar. Für "Sing" brauchte er noch nicht einmal eine Gitarre, sondern nutzte seinen eigenen Körper, Fußbaden, Wand, Tisch oder Gläser als Rhythmusinstrumente. Nach weit über 2 Stunden Konzertdauer kehrte er für "So Long" noch einmal zurück. Nach weiteren Plattenverkäufen und Gesprächen sowie der Aussage Jonahs, dieses sei das beste Konzert der Tournee gewesen, begann die Gästeschar langsam, sich aufzulösen, wobei Jonah sich bei vielen einzeln bedankte und fast alle zum Abschied geknuddelt wurden. Was für ein toller Abend mit einem gleichermaßen begeisterungsfähigen wie authentischen Künstler!

Setliste:

I Really Love Yr Company
I Still Miss Someone (Johnny Cash Cover)
Bitte ein Kuss
No Hurry
Every Mistake
I Want You To Be My Witness
14-41
Free
At Night We Live (Far)
Stay

Deafening (Far)
Halo (New End Original)
#1 Defender (New End Original) / Heart Of Gold (Neil Young Cover)
You're What Went Right
Hostage (New End Original)
The Greatest Wonder (Gratitude)
Better Than This (New End Original) / Wanna Be Startin' Somethin' (Michael Jackson Cover)
Smile
Lukewarm (New End Original)
Sing

So Long

Sendeschluss: Udo Alexander - Eventuell Vielleicht Bestimmt

U.

Falls es jemand noch nicht bemerkt haben solle: Zurzeit ist wieder Fußball-Weltmeisterschaft. Mich interessiert das eher am Rande, und außerdem halte ich zu England, was stets ein sicherer Garant für eine Enttäuschung ist.

Arnd Zeigler scheint, wie so viele, nicht hundertprozentig von den Erfolgschancen des deutsche Teams überzeugt zu sein, und hat gemeinsam mit Ekki Maas (im Video fragt man sich, wer von beiden die schönere Perücke trägt) einen ambivalent-optimistischen WM-Song aufgenommen.

Das Video orientiert sich an früheren Zeiten, als deutsche Nationalmannschaften sich noch durch gemeinsame Auftritte mit Udo Jürgens oder auch Village People quälen mussten und zeigt entsprechend viele lustig-peinliche Ausschnitte daraus.

Sehr schön auch die hundertprozentig akkurate Schlussprognose von Jogi Löw: "Ich bin mir sicher, dass wir möglicherweise viel Freude haben werden!" In diesem Sinne...

Neulich als Musikalben zu Büchern wurden

U.

Seit rund einem Jahr wohne ich nun mit Freund und Katzen in einem Haus. So viel Platz für zwei Personen ist natürlich ziemlich luxuriös und führt auch dazu, dass man mit einem Mal relativ viele leere Wandflächen hat, obwohl die vorhandenen Bilder bereits alle hängen. Vor kurzem hatte ich ja bereits die Song Map und die Film Map vorgestellt, nun wurden weitere musikinspirierte Werke geliefert.



Unter dem Namen Standard Designs entwirft ein Brite die Songfolgen berühmter Musikalben als Buchreihen, jedes Lied wird dabei als Buchrücken dargestellt. Das Artwork der besagten Alben wird hierbei nicht, wie ich es hier schon von anderen Künstlern gezeigt habe, kopiert, was sicherlich auch zu rechtlichen Schwierigkeiten führen würde. Teilweise bleibt es aber erkennbar, etwa, wenn bei Kraftwerks "Tour de France" die Buchrücken alle farblich der französischen Fahne entsprechen, oder wenn sie bei "Mensch Maschine", genau wie beim Originalcover schwarz und rot sind.


Andere Poster zeigen einfach nur Rücken zerlesener Bücher, die besonders schön und alt wirken, wie eben geliebte Literatur aussieht. Und nachdem auf den Bildern jeweils nicht vermerkt ist, um welches Album es sich handelt (auf den Buchrücken selbst stehen als Autorennamen teilweise die Komponisten statt der Bandnamen), kann man sie auch gut dazu verwenden, Musikwissen und -geschmack seiner Besucher auf die Probe zu stellen.

StandardDesigns hegt definitiv Vorlieben für manche Künstler, so ist etwa der Back-Katalog von Radiohead, Morrissey/The Smiths oder auch Kate Bush nahezu komplett vorhanden. Die Zahl der erhältlichen Cover wächst aber ständig, seit Kurzem ist beispielsweise, anlässlich des 20jährigen Britpop-Jubiläums, "Definitely Maybe" von Oasis erhältlich. Pulp ("Different Class") und Blur ("Parklife") durfte da natürlich nicht fehlen!


Die Drucke kosten einzeln um die 25 US-Dollar, manche Drucke gibt es zusätzlich als Viererbündel (etwa vier Radiohead-Cover) für 77 Dollar. Unsere Bestellung kam geradezu verblüffend schnell in Deutschland an, so dauerte der Versand beinahe weniger lang als die mühsame Entscheidung, welche Drucke es denn nun sein sollten.

Geworden sind es: "Music for the Masses" (Depeche Mode), "The Queen Is Dead" (The Smiths), "OK Computer" (Radiohead), "The Stone Roses" (The Stone Roses) und "Disintegration" (The Cure).

Neulich auf Zeitreise: Die Playmobil-Ausstellung in Speyer

U.

Als hätte man bei einem Festivalbesuch nicht schon genug zu tun, nutzten wir unsere Mannheimreise am letzten Sonntag auch noch für einen Abstecher nach Speyer. Dort kann man sich im historischen Museum bis zum 20. Juli die Ausstellung "40 Jahre Playmobil" ansehen.


Bekanntermaßen gibt es Lego- und Playmobilkinder, ich war letzteres. Deshalb entdeckte ich, wie die meisten erwachsenen Besucher, zahlreiche Figürchen, Sets und Häuser, die ich auch einmal besessen habe. Überall in der Ausstellung sagten Erwachsene zueinander und zu ihren Kindern: "Sieh mal, das hatte ich auch mal!". Die Kinder interessierte das natürlich wenig, sie genossen aber (genau wie die Erwachsenen) die riesigen aufgebauten Dioramen, die teils bestimmte Situationen zeigten, etwa das Hambacher Fest, einen Kampf von Piraten gegen die englische Marine oder eine Straßenzeile zu Beginn des 20. Jahrhunderts.


Andere Vitrinen stellten dar, wie sich Playmobil im Laufe der Jahrzehnte verändert hat, etwa, wenn alle Piratenschiffe, die es jemals gegeben hat, hintereinander auffuhren, oder wenn man sich ein einem Kreis alle Zirkusse in historischer Reihenfolge ansehen konnte, oder auch, wie sich die Pferde im Laufe der Jahre von schematischen Darstellungen zu annähernd realistisch nachgebildeten Tieren entwickelt haben.


Auch diese Aspekte sind für jüngere Besucher natürlich von geringerem Interesse, weshalb es für sie an zahlreichen Stellen der Ausstellung möglich war, selbst mit Playmobil zu spielen und zu bauen. Die Räume waren dabei thematisch unterteilt, so dass sich jedes Kind seinem Interessengebiet, etwa Dinosauriern, Rittern, Piraten oder den Stadthäusern, widmen konnte.


Beeindruckend war insbesondere auch eine Nachbildung der Varusschlacht, die ursprünglich für die "Sendung mit der Maus" geschaffen wurde. Diesen Film wurde in der Ausstellung gezeigt, und man konnte einige der Original-Playmobilbataillone ansehen.


Die zum Teil unglaublich detailreichen Vitrinen waren von Playmobil-Fans gestaltet worden, wobei die Figuren und Zubehörteile, die beispielsweise Märchenszenen darstellten, oftmals zweckentfremdet worden waren - so wurden etwa in der ursprünglich nicht existierenden Themenwelt "Märchen" aus Piratenschiffteilen Windmühlenflügel.


Es war schon faszinierend, zu sehen, wie sich aus den recht nüchternen Plastikfigürchen, die 1974 auf den deutschen Markt kamen, und die genau drei Themenwelten abdeckten (Indianer, Ritter und Bauarbeiter) in vierzig Jahren eine solche Fülle von Themen und Figuren entwickelt hat. Eine Vitrine zeigte, welche Vielfalt von Gesichtern, Frisuren und Bärten die heutigen Playmobilmännchen haben - es gibt mittlerweile Millionen von möglichen Kombinationen.

Für Nerds und Nostalgiker gab es zusätzlich auch historische Originalverpackungen zu sehen. Unter Sammlern sind sicherlich auch die gezeigten "Sonderfiguren", die Playmobil etwa für Firmen als Werbegeschenke oder aus historischen Anlässen produzierte, heiß begehrt.


Interessant waren auch gezeigte Interaktionen mit jungen und alten Fans. So hallte es im Vorfeld der Ausstellung die Aufforderung gegeben, Playmobilmännchen an seinem Urlaubsort zu fotografieren, was vielfach zu faszinierenden Bildern führte. Rührend dagegen war eine Auswahl von Kinderbriefen, die die Firma massenweise erhält, in denen die jungen Kunden genau erklären und zeichnen, welches Spielzeug im Sortiment noch fehlt und unbedingt produziert werden sollte.


Leider hatten wir nicht so viel Zeit mitgebracht, wie der Besuch der Ausstellung eigentlich benötigt hätte(2 Stunden sollte man schon einkalkulieren), weshalb wir uns mit den Details zur Produktion der Figürchen - es gab sogar einen Film dazu - nicht mehr detailliert beschäftigen konnten. Dennoch eine sehr gut gemachte Ausstellung für Nostalgiker, Playmobilfans und Kinder in jedem Alter. Ein Eintrag ins Gästebuch der Ausstellung fasst es perfekt zusammen: "Ich würde das Museum am liebsten mit nach Hause nehmen!"

Sendeschluss: Pixies - Silver Snail

U.

Na, hat irgendjemand letzten Sonntag den Sendeschluss vermisst? Ich befand mich übers Wochenende beim Maifeld Derby und im Musik-Overload. Parallel hätte man auch in Barcelona, unerwarteterweise bei schlechterem Wetter, das Primavera Festival besuchen können, wobei Künstler wie The National oder Warpaint bei beiden Veranstaltungen auftraten. Nicht so die Pixies, für sie hätte man nach Spanien fahren müssen.

Oder man begnnügt sich mit dem an diesem heißen Sonntag angenehm kühlen Schnee-Video der neuen Single "Silver Snail". Warum der Mann in dem Video vor den maskierten Verfolgern flieht bleibt mysteriös, aber die Aufnahmen sind schön.

Alles neu macht der Mai: Maifeld Derby 2014, Tag 3

U.

Am letzten Tag des Maifeld Derbys war ich noch ziemlich geschafft vorm Band-Marathon des Vortags und auch schon ein bisschen Festival-müde. Gut, dass am Sonntag nicht mehr allzu viele Bands in mein persönliches Pflichtprogramm fielen. Stattdessen verbrachte ich ein wenig Zeit beim Steckenpferdwettbewerb, der an sich durchaus unterhaltsam war, mich aber doch nicht genug fesselte, um auch noch die Siegerehrung anzusehen.


Der Festival-Tag begann deshalb erst am frühen Nachmittag mit Girls in Hawaii - einer, man würde es angesichts des Namens nicht unbedingt vermuten, männlichen Band aus Belgien. Das Sextett besteht bereits seit 2001 und musste vor vier Jahren den Unfalltod seines Schlagzeugers (der gleichzeitig der Bruder von Sänger Antoine Wielemans war) verarbeiten.


Die Belgier, bei denen sich Lionel Vancauwenberghe und Antoine Wielemans den Gesang teilen, wobei Letzterer gelegentlich in einen alten Telefonhörer singt, eröffneten ihr Set mit "Sun Of The Suns" und "Not Dead" und ließen nichts unversucht, um das Publikum bereits am frühen Nachmittag zu begeistern: Der Keyboarder François Gustin stieg auf Boxentürme und animierte zum Mitklatschen und wurde bei seinen Kletterpartien nur noch von Antoine Wielemans' Ausflügen übertrumpft. Emotionaler Höhepunkt war aufgrund der Bandgeschichte der ruhigste Titel des zu kurzen Sets, "Misses".

Anschließend verfolgte ich, in Hörweite der Hauptbühne im strahlenden Sonnenschein sitzend, mit einem Auge und Ohr die The Elwins. Die kanadische Band überraschte mit ihrer Entscheidung, ein Beyoncé-Lied namens "Countdown" zu covern und hierfür mit dem Publikum einen (deutschsprachigen) Countdown einzuüben. Außerdem hatte ihr Bassist möglicherweise den auffälligsten Schnurrbart des Festivals (trotz starker Konkurrenz in Form eines Rah Rah-Mitglieds). Amüsant und zum guten Wetter passend war das Set allemal, aber ich muss zugeben, den Kanadiern sonst nicht die Aufmerksamkeit entgegen gebracht habe, die sie vielleicht verdient gehabt hätten.


Direkt nach dem Auftritt der Elwins und der Ehrung für den außergewöhnlichsten Bart konnte auch der Festivalpreis für die spektakulärste Frisur - trotz des noch folgenden Auftritts von St. Vincent - vergeben werden. Im Palastzelt traten Temples auf, und auch wenn in der Band noch drei weitere Preisanwärter gesichtet werden konnten, ging dieser doch klar an deren Sänger James Edward Bagshaw.


Optisch und musikalisch nahm uns das Quartett aus dem englischen Kettering mit auf einen unterhaltsamen und kurzweiligen Trip in die sechziger/siebziger Jahre und die Hochphase des Psychedelic / Glam Rock. Aus ihrem Debütalbum "Sun Structures" präsentierten sie 8 der 12 Songs, die noch um die ungewöhnliche, weil Keyboard-lastige B-Seite "Ankh" ergänzt wurde. Beim ausufernden und rockigen "Sand Dance" konnte man in etwa nachvollziehen, wie es früher wohl auf einem Konzert von Led Zeppelin gewesen ist. Für den Schluss hoben sich die Briten ihre beiden besten Songs auf: "Mesmerise", das durch das Anfügen eines langen instrumentalen Ausklangs bestimmt auf doppelte Spiellänge gezogen wurde, und "Shelter Song".

Setliste

Colours To Life
Sun Structures
A Question Isn't Answered
Ankh
Move With The Season
Keep In The Dark
Sand Dance
Mesmerise
Shelter Song
St. Vincent

Bekanntlich braucht ja jedes Festival seinen Regenschauer. Der des diesjährigen Maifeld Derbys fand direkt nach dem Temples-Auftritt statt und führte dazu, dass wir lieber eine Pause am überdachten Fressstand einlegten, als das Set von Hozier zu besuchen.


Bei St. Vincent hatte ich im Vorfeld den Verdacht gehabt, dass ihr Auftritt mir auf die Nerven gehen würde - möglicherweise hatte ich das Album einmal gehört und mir außer meinem Urteil sonst nichts davon gemerkt. Dennoch, wir wollten bei The National eine gute Sicht haben, und der wahrscheinlichste Weg dorthin war es, bereits bei St. Vincent vorne zu sein (und den Auftritt von Wye Oak auszulassen). Die Solokünstlerin war übrigens nicht nur beim Maifeld Derby der "Support" für The National, sondern ist auch sonst aktuell mit diesen auf Tour.


Annie Clark hatte im Hintergrund einen Keyboarder und einen Schlagzeuger dabei, vorne auf der Bühne leistete ihr eine weitere Keyboarderin / Gitarristin Gesellschaft. Der Auftritt der Musikerin war sehr künstlerisch durchgeplant. Sie selbst trug ein avantgardistisches Kostüm und machte beinahe ausschließlich roboterartige Bewegungen. Die Mitmusikerin gesellte sich zeitweise zu ihr und nahm an der Choreographie teil - so wurde symmetrisch auf der Bühne umher getrippelt oder auch einmal nach Art von ZZ Top synchron Gitarre gespielt. Das Set hatte auch eine Art "Handlung", so erklomm Annie zu "Cheerleader" ein sehr hohes Podest im Hintergrund der Bühne, sang von dieser erhobenen Position aus und kauerte schließlich, bevor sie am Ende von "Prince Johnny" scheinbar sterbend zusammenbrach und anschließend theatralisch Stufe um Stufe herunter rutschte.


Der Auftritt war auf seine Art also durchaus unterhaltsam und allemal interessanter als der von Warpaint, allerdings finde ich St. Vincents Elektromusik mit häufigem Gitarrengeschrammel in höheren Dosen schnell kopfschmerzauslösend.


Setliste:

Rattlesnake
Birth in Reverse
Regret
Cruel
Digital Witness
Every Tear Disappears
Surgeon
Cheerleader
Prince Johnny
Year of the Tiger
Marrow
Huey Newton
Bring Me Your Loves


Hinterher stellte sich heraus, dass für gute Plätze im The National-Publikum ein Besuch bei der Vorband nicht zwingend notwendig gewesen wäre - bis auf die ersten drei Reihen leerte sich das Zelt in der Pause vor dem Festival-Headliner fast komplett. Aber natürlich füllte es sich genauso schnell auch wieder, so dass man nicht bereuen musste, früh dort gewesen zu sein. Schließlich war dieser Bandname für ein Festival dieser Größe ein ungewöhnlich bekannter. Im Programmheft wurde erklärt, dass die Buchung von The National nur durch eine glückliche Terminlage möglich gewesen war (sprich: die Band war in Deutschland und hatte keinen anderen Termin). Man darf gespannt sein, wie die Festivalmacher diesen Headliner nächstes Jahr toppen wollen. Finanziell dürfte sich der Glücksfall in jedem Fall gelohnt haben: Die Tagestickets für den Sonntag waren zumindest ausverkauft.


The National hatte ich erst im letzten November live gesehen und ihr Konzert für durchaus gut befunden. Würde dieser Auftritt ohne neueres Material einfach dasselbe bieten, nur eben im Zelt? Wiederum war man zu siebt erschienen, zusätzlich zu den regulären Bandmitgliedern hatte man wieder zwei Trompeter dabei.

Nach dem ersten Lied "Don't Swallow the Cap" gab es eine kurze Pause, in der Matt Berninger erklärte, Bryan Devendorf könne nichts mehr hören, was entweder  an einem Aneurysma  liegen könne, oder es seien einfach die Batterien leer. Bryce Dessner entgegnete sofort, dass Matts Witze immer schlechter würden und dass Aneurysmen nicht witzig seien. Uns im Publikum war neu, dass Matt überhaupt Witze macht, es folgten sogar noch weitere - die Bryce allerdings auch nicht lustiger fand.


Weiter ging es mit einem Mix aus neuen und alten Songs, der dem in Düsseldorf ähnelte, auch optisch, denn erneut wurden auf der LED-Wand im Hintergrund passende Bilder zu einigen Songs gezeigt, etwa Regen bei "England" oder blutkörperartige Gebilde bei "Bloodbuzz Ohio". Es gab jedoch auch Unterschiede, denn wir bekamen an diesem Abend unter anderem auch "Hard To Find", "Ada" und "Abel" zu hören.

Matt Berninger war in Hochform, trank großzügig Weißwein, zunächst aus dem Becher, später direkt aus der Flasche, die er im Zugabenteil dramatisch auf einer Monitorbox zerschmetterte, und konnte der auf Facebook zirkulierten Materialzerstörungsliste der Band schon kurz nach Konzertbeginn einen Mikrophonständer hinzufügen, worauf er gleich einen neuen bekam und zunächst grinsend verhinderte, dass der überflüssige von einem Roadie wieder weggenommen wurde. Einer in Reserve ist eben immer gut...


Das Set von The National machte dem Publikum großen Spaß, bei beinahe jedem Song, der angespielt wurde, erklangen laute Jubelrufe. Mir war in der Vergangenheit nicht aufgefallen, dass die Band bei praktisch allen Textpassagen mitsingt - vielleicht hat sie es auch früher nicht getan. Selbst die Bläser sangen manchmal mit. Bei "Pink Rabbits" trat der Posaunist nach vorne an den Bühnenrand und damit ins Rampenlicht. Bryce Dessner hantierte bei "I Need My Girl" mit zwei Gitarren gleichzeitig, während er bei "Slow Show" die Gitarrensaiten mit einem Geigenbogen bearbeitete.

Herr Berninger hat in der Vergangenheit bereits zu Bühnenklettereien geneigt und enttäuschte auch an diesem Abend nicht: Erst sprang er in den Bereich zwischen Bühne und Publikum, später, als wir bereits im Zugabenteil waren, umrundete er in zwei Etappen quasi das Publikum - da wir vorne standen, konnte man nur an der Richtung, in die die Mikrophonschnur zeigte und an den besorgten Blicken der Security erkennen, wo er gerade singend unterwegs war - bis er, unglaubliche Freude und Bewegung im Publikum hervorrufend, direkt bei uns wieder auftauchte.


Matt Berningers emotionale Ausbrüche, beispielsweise bei "Squalor Victoria", waren wieder einmal prächtig, sein Spruch, als bei der Wiederkehr der Band für den Zugabenteil zunächst die Devendorf-Brüder fehlten, "We have lost the Devendorf brothers. Bryan and Scott, call your mother!" gefiel Bryce wiederum nicht. "You don't hear people laughing because you're wearing your earplugs!" war Matts Entgegnung.

Nach drei tollen Zugaben ("Ada", "Mr. November" und "Terrible Love") gab die Band als letztes Lied noch eine akustische Version von "Vanderlyle Crybaby Geeks" zum besten, wofür alle nach vorne an den Bühnenrand kamen und das Publikum in den Gesang mit einstimmte - wieder ein schöner und irgendwie persönlich wirkender Moment, der das Festival perfekt abschloss.


Setliste:

Don't Swallow the Cap
I Should Live in Salt
Mistaken for Strangers
Sorrow
Bloodbuzz Ohio
Sea of Love
Hard to Find
Afraid of Everyone
Conversation 16
Squalor Victoria
I Need My Girl
This Is the Last Time
Abel
Slow Show
Pink Rabbits
England
Graceless
About Today
Fake Empire

Ada
Mr. November
Terrible Love
Vanderlyle Crybaby Geeks 


Letztes Jahr hatte ich ein bisschen gezweifelt, ob das Maifeld Derby ein dauerhafter Eintrag in meinem Kalender bleibt, ließ mich dann letztlich doch wieder hinreißen, die spottbilligen Frühbucher-Scheuklappentickets zu kaufen und wurde nicht enttäuscht. Dieses Jahr gab es geradezu irritierend wenig zu meckern. Selbst die Leergutrückgabe nach dem The National-Set sowie der Rücktausch unserer letzten Getränkemarke waren rasend schnell erledigt.

Einzige Verbesserungsvorschläge, die mir für kommendes Jahr einfallen: Den Parcours d'Amour auch am Festivalsonntag öffnen. Er ist atmosphärisch einfach am schönsten und beinahe die einzige Möglichkeit, auf dem Festivalgelände ohne Wiese halbwegs bequem zu sitzen. Und natürlich der Streichelzoo.

Alles neu macht der Mai: Maifeld Derby 2014, Tag 2

U.

Was für ein Tag! Irgendwie hatten es die Maifeld Derby-Organisatoren versäumt, sich nach meinen persönlichen Präferenzen zu richten, als sie den konkreten Zeitplan des Drei-Tages-Festivals zusammenstellten. Schon bald wurde klar, dass der Samstag ein langer und harter Tag werden würde. Und dabei musste ich nicht einmal mit den jungen Leuten zelten, sondern mich nach der überstandenen Dauerbeschallung nur in das am Rande des Maimarkts gelegene Billighotel schleppen. Was schwierig genug war, aber genug gejammert. Die Veranstalter haben mich ja nicht gezwungen, neun Bands anzusehen! Aber da war ja noch mein Freund...


Los ging der Festivalsamstag für mich am Nachmittag mit Moscow Metro. Die junge irische Band trat im Palastzelt auf, was auch besser zu den schwarz gekleideten Musikern passte als der an diesem Tag gleißende Sonnenschein draußen. Einige der relativ zahlreichen Zuschauer waren sicher erschienen, weil die Musik der Band einen der Derby-Trailer musikalisch untermalt hatte. Die Band hat erst eine EP veröffentlicht, und so kannten wir die meisten der gespielten Songs noch nicht. Bezüglich des Gesangs wechselten sich der Gitarrist und der Bassist ab. Der Auftritt litt ein wenig darunter, dass die Gitarre irgendwann nicht mehr funktionierte und sich nur nach längeren Bemühungen wieder in Gang bringen ließ. „Where It All Ends“ wurde deshalb auch nur angespielt und dann schlussendlich zum nächsten Song übergegangen.


Die Band war sichtlich frustriert über die eigenen technischen Probleme, die das ohnehin kurze Set weiter zusammenschrumpfen ließen. Für einen ersten Eindruck vom Joy Division-Sound der Iren hat es bei mir dennoch gereicht.

Setliste:

Headlights
Future Fades
Cosmos
Where It All Ends (entfallen)
King Of The Knives
Spirit Of A City
Stranger In My Blood
Resurrect Yourself
Revelation Nightdrive


Nach diesen düsteren Klängen traten wir blinzelnd ins Sonnenlicht und wanderten herüber zum Parcours d’Amour, wo als nächstes die Band Solander - bei der es sich streng genommen um ein Soloprojekt mit Zusatzmusikern handelt - aufspielen sollte. Die Schweden spielten ein stimmungsvolles Set, das beim Publikum hervorragend ankam, nur nicht bei den Schwätzern vor uns… An und für sich herrschte im Parcours um mich herum stets gespannte Aufmerksamkeit, nur bei diesem Konzert hatte ich Pech mit der Nachbarschaft. Sänger Fredrik Karlsson bedauerte, dass die Band direkt nach ihrem Auftritt zu einem anderen Festival nach Esslingen weiter reisen musste, weil man gerne geblieben wäre, um sich Warpaint und The National anzusehen. So konnte er nur anbieten, uns quasi im Wegfahren noch CDs zu verkaufen.


Den Countrysong „Black Rug“ spielte er exklusiv für einen Freund, der diese Art Musik besonders mag. Ein toller Auftritt, der viele Zuschauer begeisterte, insbesondere der Harmoniegesang beim älteren Song „Flight“ wusste zu gefallen.

Setliste:

The Woods Are Gone  
Monday Afternoon
Flight
Black Rug
All Opportunities
Huckleberry Finn
Social Scene
Monochromatic Memories
Lighthouse


Nach Solander blieben wir einfach sitzen für das Berliner Duo Charity Children, bei dem es sich eigentlich um Straßenmusiker aus Neuseeland handelt. Für den Auftritt hatten die beiden Verstärkung von vier weiteren Musikern, das Paar stand vorne an einem Doppelmikro und sang sich gegenseitig an, wobei sie selbst auch verschiedene Instrumente, beispielsweise ein Miniakkordeon, ein Banjo und eine Mundharmonika bedienten.


Ich fand das Ganze zweifellos inbrünstig, aber so richtig mein Fall war es nicht. Im Publikum vor uns wurde immer wieder begeistert aufgesprungen und mitgetanzt, aber mir ging das gegenseitige Angesinge innerhalb kurzer Zeit auf die Nerven. Interessant war allerdings, dass die mit einer Art Samtzelt bekleidete Sängerin aussah, als sei sie Natalie Portmans Schwester.


Am Ende von Charity Childrens Set zeigte sich ein Trend des Festival-Samstags, denn hatte man am Vortag noch recht streng auf Einhaltung des Zeitplans bestanden, durfte nun so gut wie jede Band ein Extralied spielen – im Falle von Charity Children den neuen Song „Anthem For All The Dead Dogs“.

Setliste:

You Want Me
Butterflies
To See You Smile
Empty Vicious Nights
Till The Day I Die
Holy War
Killing Time
Elizabeth
Everything You Wanna Give
Whispering Still

Anthem For All The Dead Dogs


Wiederum blieben wir einfach sitzen, und als nächstes kam mit Spaceman Spiff ein einzelner junger Mann mit Gitarre auf die Bühne, der als erstes einen Tischtennisschläger an den Mikrophonständer klebte. Nach einigen seiner textlastigen, melancholischen Songs bekamen wir auch erklärt, was es mit der Dekoration auf sich hatte: Am Vorabend hatte Spaceman Spiff in Bremen gespielt, es war irgendein Missgeschick passiert und er hatte sich beklagt, dass er kein Tischtennisspieler sei, denn diese würden, wenn etwas schief ginge, immer irritiert ihren Schläger ansehen. Innerhalb von Sekunden sei daraufhin der Tischtennisschläger auf die Bühne geflogen, und er habe beschlossen, diesen zukünftig als Talisman einzusetzen.


Leider war ihm aber bereits zu Beginn der Geschichte beim Gestikulieren die Gitarre herunter gefallen, so dass sich der Tischtennisschläger bereits bei seinem ersten Einsatz als komplett nutzlos in seiner Rolle als Unglücksvermeider erwiesen hatte und in die Ecke gepfeffert wurde.

Spaceman Spiffs Musik erinnerte mich frappierend an Enno Bunger, was jetzt gar nicht negativ gemeint ist. Wo Enno kalauert und mit seinem Liebeskummer kokettiert, wirkt Spaceman Spiff aber authentisch-sympathisch ungeschickt. So erzählte er etwa, dass er normalerweise mit Band auf Tour sei, diese heute aber anderweitig beschäftigt sei, beziehungsweise in einem Fall auch gerade im Publikum sitze: „Es ist heutzutage so schwierig, gutes Personal zu finden!“ Außerdem konnte er seine Setliste nicht mehr lesen, nachdem er darauf getreten war, und überließ die weitere Songauswahl dann vertrauensvoll einem Publikumsmitglied.


Er wirkte auch ehrlich überrascht und gerührt über die große Aufmerksamkeit , die ihm und seiner Musik entgegen gebracht wurde – sogar seitens der Stage Crew, die nach einer Zugabe ("Straßen") noch auf einen weiteren, akustisch im Publikum dargebotenen Song ("Gedankenstriche") drängte. Dazu wurde Hannes nahezu von der Crew auf die Tribüne geschoben.

Setliste:

Milchglas
Hier und der Wahnsinn
Zeit zu bleiben
Oh Bartleby      
Der Tag, an dem ich nicht verrückt wurde
100.000 Kilometer
Han Solo
Egal
Mit Scherenhänden
Hamburg
Teesatz

Straßen

Gedankenstriche (akustisch)


Weiter ging es nun, nach kurzer Essenspause und einer noch kürzeren Stippvisite bei dem Musiker Sohn, für uns im Palastzelt, wo Get Well Soon ihren ersten Derby-Auftritt seit der Premiere des Festivals vor der Jahren absolvieren sollten, dieses Mal mit klassischem Orchester, bestehend aus 4 Streichern und 4 Bläsern.

Nachdem wir uns relativ früh eingefunden hatten, um Plätze vor der Bühne zu ergattern, konnten wir vorab noch den recht aufwändigen Soundcheck sämtlicher Instrumente beobachten. Konstantin Gropper, den man tagsüber bereits als Festivalgast hatte beobachten können, hatte sich in einem schwarzen Anzug geworfen, seine Schwester Verena trug ein kleines Schwarzes, die restliche Band erschien ebenfalls in schwarz und grau.


Als das Konzert dann begann, machten wir gleich mehrere positive Entdeckungen: Zum einen konnte man hier, anders als etwa bei Woodkid in Düsseldorf, den Effekt der Streicher und Bläser auf die Musik tatsächlich hören. Zum anderen hatte die Band sich – anders als bei der Derby-Premiere vor drei Jahren, für eine Festival-passende Auswahl ihrer schnelleren Songs entschieden. Und drittens war das Publikum um uns herum, wiederum anders als vor drei Jahren, aufmerksam und begeistert – damals hatten meine Begleiter und ich uns sehr über Schwätzer geärgert.

Nachdem jede Menge Streicher anwesend waren, verzichtete Verena bei diesem Auftritt auf ihre Geige, sie konnte sich auf ihren Gesang konzentrieren, sowie auf das gelegentliche Trommeln und Becken schlagen.


Gesprochen wurde bei diesem Auftritt nicht allzu viel. Einmal erwähnte Konstantin, er freue sich, dass es uns gefalle, wir hätten aber nicht wirklich eine Wahl, da durch den in der Nähe stattfindenden Marathon niemand das Gelände erreichen oder verlassen könne, wir säßen also alle in einem Boot. Ein andermal erklärte er, er freue sich, dass Bandmitglied Timo Kumpf das Festival ins Leben gerufen habe, und das auch noch in seiner Heimatstadt Mannheim und gab dem Publikum die Möglichkeit, dem Organisator zu applaudieren – die natürlich ausgiebig genutzt wurde.

Die Opulenz, die Get Well Soons Musik ohnehin auszeichnet, gewann durch die Anwesenheit der Zusatzmusiker nochmals dazu, insbesondere „Burial at sea“ klang in dieser Version ausgesprochen beeindruckend. Die regulären Get Well Soon-Musiker legten sich ebenfalls mächtig ins Zeug und die meisten Songs endeten in einem Instrumentefeuerwerk mit geradezu schreiendem Gesang.
Auch Get Well Soon durften nach diesem wirklich sehr beeindruckenden Set natürlich eine Zugabe spielen, bevor wir uns nach „We are Ghosts“ wieder zum Parcours d’Amour begaben.


Setliste:

?
Seneca's Silence
The Last Days Of Rome
5 Steps / 7 Swords
A Voice In The Louvre
Roland, I Feel You
Werner Herzog Gets Shot
Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day
A Burial At Sea
Angry Young Man
You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)

We Are Ghosts


Dort saß bereits der skurrile Musiker Lambert am Klavier uns spielte mit einer Antilopenmaske seine selbst komponierten Klavierstücke, die irgendwo zwischen Klassik und Soundtrack lagen. Wie bereits Spaceman Spiff war auch dieser Musiker von der ihm im Parcours entgegen gebrachten Aufmerksamkeit beeindruckt und erzählte, er sei am Vorabend die Vorband für Bonaparte gewesen, deren Publikum auf Radau aus gewesen sei. Das Sprechen mit der Maske sowie das Lesen der Setliste fielen dem Künstler schwer, wobei diese Umständlichkeiten auch komödiantische Aspekte hatten.

Wenn Lambert mit seinem Antilopenkopf nickte, klackerten die Enden der Hörner teils rhythmisch zusammen, was das Publikum bei einem seiner Lieder als Aufforderung zum Mitklatschen annahm – laut dem Musiker eine Weltpremiere. Und auch er durfte selbstverständlich noch eine Zugabe geben. Bezüglich der Setliste kann ich nur berichten, dass einer seiner Songs „Slow slow“ hieß und von seinem alljährlichen Versuch, zu joggen, handelte.


Weiter ging es zurück ins Palastzelt zum Headliner Warpaint. Ich hatte das Damenquartett aus Los Angeles bereits vor einigen Jahren live gesehen und doof gefunden, nahm mir aber vor, den neuen Auftritt neutral anzugehen. Leider fand ich aber ein weiteres Mal keinerlei Zugang zu den Songs, konnte ihnen nicht folgen und verfiel schon bald in Langeweile. Übrigens schien auch das restliche Publikum nicht sonderlich begeistert zu sein.


Im starken Nebel, der die Bühne umwaberte, konnte ich die Musikerinnen kaum sehen und nur erkennen, dass Emily Kokals blaue Haare einen gewaltigen Ansatz aufwiesen und Jenny Lee Lindbergs Frisur pink war. Die schlechte Sicht verdarb mir dieses Mal sogar die Chance, über die Kleidung der Musikerinnen zu lästern. Schemenhaft konnte man im Hintergrund der Bühne das Cover des aktuellen Albums „Warpaint“ erkennen. Kurz nachdem Emily darum gebeten hatte, die an der Decke des Zelts befestigte Discokugel anzuschalten, sich über den Effekt gefreut und darum gebeten hatte, sie für den Rest des Sets anzulassen, beschlossen wir, das Konzert zu verlassen und brachen zum neuen Brückenaward-Zelt auf.

Setliste:

Intro
Keep It Healthy
Bees
Hi
Undertow
Feeling Alright
Biggy
Love Is to Die
No Way Out
Disco//Very
Drive
Ashes To Ashes (David Bowie cover)
Elephants

Diese Bühne hatte gegenüber früheren Jahren, in denen sie sich in einem schlichten Bierzelt befunden hatte, ein gewaltiges Upgrade erfahren und sah nun aus wie eine Miniaturversion des Palastzeltes. Für eine professionelle Lichtausstattung hatte das Budget dann aber doch nicht mehr gereicht, und so bot sich ein etwas kurioses Bild: Mehrere Overheadprojektoren warfen Bilder auf die Zeltdecke, auf die Bühne waren zwei Diaprojektoren gerichtet, vor denen der beschäftigte Lichtmann während des ganzen Konzertes (oder gar des gesamten Festivals?) mit der Hand bunt bemalte Drehscheiben bewegte.

Eigentlich waren wir aber nicht gekommen, um die Lichtausstattung zu bewundern, sondern um Motorama zu sehen. Die russische Band wird von allen Seiten hoch für ihre Liveauftritte gelobt, weshalb ich ziemlich gespannt war. Leider zog sich der Beginn des Auftritts aber ziemlich hin (wäre mir an dem Warpaint-Auftritt mehr gelegen, hätte es mich sicher geärgert, diesen umsonst früher verlassen zu haben), so dass ich letztlich nur ein paar Songs der Band hören konnte, bevor wieder der Aufbruch zum nächsten Konzert angesagt war, und auch keine Hinweise auf das anscheinend als exzentrisch bekannte Konzertverhalten des Sängers mitbekam.


Es war nämlich nun Zeit für das letzte Konzert des Abends, zur Abwechslung wieder im Palastzelt. Hundreds hatte ich beim ersten Maifeld Derby das erste Mal gesehen, und es ist eine der wenigen Bands, die mich ohne Vorkenntnisse ihrer Musik auf Anhieb mit einem Konzertauftritt schwer beeindruckt haben.


Meine letzte Begegnung mit der Band war erst einige Monate her, und das Setup der Bühne entsprach genau dem, was ich bereits in Köln gesehen hatte: Links ein Synthesizer“schrank“ für Philip, rechts Percussioninstrumente für den namentlich nicht bekannten Zusatzmusiker, als Dekoration aufrecht stehende Leuchtstoffröhren. Zuerst trat der Percussionist auf, dann kam Philip dazu, und erst nach einem Intro betrat auch Eva die Bühne. In Köln hatte sie ein schwarzes Kleid getragen, das beim Maifeld Derby war weiß, dazu hatte sie in der Garderobe offenbar den Glitzerlidschatten der Band Fenster vom Vortag vorgefunden.


Das Hundreds-Set dieses Abends enthielt im Gegensatz zum Kölner Konzert viele ältere Lieder, die tanzbarer als gewohnt umgesetzt waren. Obwohl der Abend mittlerweile weit fortgeschritten war, hatte sich das Zelt nochmals recht gut gefüllt, was Eva, ansonsten sehr wortkarg, erfreut anmerkte. Auch dieser Auftritt von Hundreds, mein insgesamt vierter, war wieder ein Vergnügen. Anschließend ging es nach schlappen acht Stunden Festival zurück ins Hotel.


Setliste:

Intro
Beehive
Rabbits On The Roof
Fighter
Aftermath
Happy Virus
Circus
Our Past
Let's Write The Streets
Grab The Sunset

Song For A Sailor

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