Sendeschluss: Lana Del Rey - High by The Beach

U.

In letzter Zeit habe ich kaum an Lana Del Rey gedacht. Nach einer Zeit, in der sie quasi allgegenwärtig war, wurde es zumindest für mich ziemlich still um sie. Erst als ihre Musik im Soundtrack von Tim Burtons Film Big Eyes (den ich erst kürzlich sah) vorkam, fiel mir die Sängerin wieder ein.

Richtig viel verändert hat sich nicht an ihrer Musik, aber das ist eigentlich schon das Negativste, was mir dazu einfällt - zumal das hier ein ziemlich cooles Video ist.

Fleischeslust: Der Kampf der Bratwürstchen 2015

U.

Wie oft habe ich hier wohl schon über vegetarische Bratwürstchen geschrieben? Ich weiß es selbst nicht mehr. 2015 ist das Jahr der gruseligen Fleischkonzerne, die plötzlich Vegetarisches verkaufen (was ich durchaus gut finde), und so bietet nun auch Meica eine vegetarische Version von "Bratmaxe" an. Die Dreierpackung kostet 2,89 Euro, ob das mehr oder weniger ist, als man für die fleischige Version berappen muss, weiß ich nicht.


Da es immer einfacher ist, zwei Produkte im Vergleich zu testen, ging außerdem die vegane "Bratvurst" von Vegafit ins Rennen, hier kosten vier Würstchen 4,29 Euro, was Vegafit etwas teurer macht. Während bei Bratmaxe die Hauptzutat "Sojaproteinzubereitung" heißt und das Produkt auch Hühnereiweiß enthält, basiert die Bratvurst auf Weizenstärke und Weizengluten.


Von ihrer Verpackung befreit, sahen zunächst alle Würstchen annähernd gleich aus, beim Anbraten nahm die Bratmaxe aber weniger Farbe an, weshalb die "Vurst" mit einem Mal appetitlicher wirkte.

Dann ging es an den Geschmackstest: Die vegetarische Bratmaxe gefiel mir von der Textur her etwas besser, sie war weniger "dicht" als die sehr kompakte Bratvurst. Das Gegenteil zeigte sich beim Geschmack: Während Bratmaxe ziemlich langweilig war, erwies sich die Bratvurst als fein gewürzt und ziemlich lecker.


Da bei mir Geschmack vor Textur geht und mir Fleisch imitierende Produkte ohne Eiweiß ohnehin sympathischer sind, heißt der Sieger unseres neuesten Geschmackstests also Bratvurst von Vegafit!

Sendeschluss: Enno Bunger - Neonlicht

U.

Hurra, der Sendeschluss ist wieder da! Heute gibt es hier das neue Video von Enno Bunger, "Neonlicht" - Vorbote seines neuen Albums "Flüssiges Glück", das am 18. September erscheint.

Im Text von "Neonlicht" ist unter anderem vom "Gin des Lebens" die Rede - ein echter Bunger. Aber was sollen nur die, wie formuliere ich das nur, äh, ungewöhnlichen Beats und Synthesizer-Klänge? Findet man diese etwa auch auf dem restlichen Album? Es bleibt spannend.

Neulich beim Durchfuttern: Das Essen beim A Summer's Tale

U.

Zum Thema Essen hatte das A Summer’s Tale bei uns eigentlich von Anfang an einen schweren Stand. Immerhin hatten wir erst im Juli das Best Kept Secret Festival in Holland besucht, das hinsichtlich Essensauswahl alles bislang Gesehene in den Schatten gestellt hatte. Da war es nun natürlich schwer, uns zu beeindrucken.

Dass es bei einer Festivalpremiere nicht gleich ein ganzes Catering-Dorf geben würde, war bereits klar. Dennoch waren wir bei unserem Eintreffen am Mittwoch von der Zahl der Stände und Food Trucks ein wenig enttäuscht, zumal sich die Essensankündigungen auf der A Summer’s Tale-Website so attraktiv angehört hatten. Es gab für die Nahrungsaufnahme grundsätzlich zwei Bereiche: Nahe der Waldbühne, quasi direkt beim Festivaleingang, standen die Food Trucks. Von ihnen gab es etwa sieben. Im Bereich der beiden Hauptbühnen befanden sich dann ungefähr zehn Fressstände, wobei diese Zahl alles einschließt, also auch Waffeln, Eis, Kaffee und Schnaps. Nur die vom Festival selbst gestellten Getränkestände zähle ich hier nicht mit. Beim Speiseangebot hatte man Wert darauf gelegt, regionale Anbieter einzuladen, und so kamen die Stände und Trucks mehrheitlich aus Hamburg.


Beim Lesen der Website hatte ich den Eindruck bekommen, dass es eher ein Überangebot an vegetarischen Waren geben würde, dem war dann aber nicht so. Es dominierte „Pulled Pork“ und „Pulled Irgendwas“, es gab einen Wildstand, Bratwürstchen und das erfolgreichste Essensangebot an allen vier Tagen war Lachsdöner. An diesem Stand, der sich als Erfinder dieser Spezialität rühmte, war sogar dann eine Schlange Wartender, wenn er noch gar nicht geöffnet hatte. Die meisten Stände hatten irgendetwas Vegetarisches im Angebot, doch das waren häufig die Waren, die am schnellsten ausverkauft waren – im Falle des Würstchenstandes, der erst am Donnerstag auftauchte, war das besonders extrem: Ab Donnerstagabend war die vegane Wurst alle.


Überhaupt, offenbar hatte man sich bei der Essfreudigkeit der Festivalgäste in der Planung verschätzt: Schon am Mittwoch und Donnerstag gab es an den beliebteren Ständen lange Schlangen, der Burritowagen war bereits am frühen Donnerstagabend geschlossen, weil alles ausverkauft war. Als die Besucherzahl am Freitag den Höchststand erreicht hatte, musste man an allen Ständen etwa 30 Minuten anstehen, um etwas zu bekommen – und häufig war nur noch ein Bruchteil der angepriesenen Waren erhältlich. Als wir am Samstagnachmittag auf die verrückte Idee kamen, am schwedischen Kaffeestand nach einer Zimtschnecke zu fragen, erwiderte man uns, diese seien bereits seit Donnerstag ausverkauft. Offenbar war auch keine Zeit gewesen, neue zu backen oder zumindest das Schild zu ändern.

Dennoch gab es natürlich keinen Essensnotstand, wir haben immer etwas bekommen und mussten nicht hungern. Im einzelnen erwarben wir folgendes:



Am Mittwochabend zog es uns zum Tacostand des Restaurants Casita Oaxaca. Ein wenig verdächtig war es ja schon, dass direkt neben dem Festivalhit Lachsdöner so gar nichts los war, aber drei nach Wunsch gefüllte Tacos für 6 Euro klangen ziemlich gut. Leider beachtete ich nicht den Beispielteller, der auf der Theke bereit stand (er war ja auch sehr klein...), und auf dem man sehen konnte, dass die betreffenden Tacos etwa 7 cm Durchmesser hatten. Was wir erhielten, war eine Miniportion zum Maxipreis, die man mit dreimal Zubeißen verspeisen und allenfalls als Vorspeise ernst nehmen konnte. Bezeichnenderweise blieb der Taco-Stand auch das gesamte Festival über von großer Nachfrage verschont – die anderen Gäste passten offenbar besser auf als wir. Man beachte beim Bild unbedingt die Größe der Maiskörner, sonst erschient das Essen am Ende zu üppig...



Donnerstag hatte ich  Abends eigentlich auf eine vegane Wurst von Griller Instinct gehofft, aber die war ja ausverkauft. Stattdessen ging ich dann zu einem sehr erzeugermäßig wirkenden Schafskäsestand der Elbler Schafskäserei (zumindest sah man Bilder der Schafe). Eine in Alufolie gewickelte Portion gegrillter Käse mit Zucchini, Knoblauch und Zwiebeln kostete 6,50 Euro, Brot gab es nach Belieben dazu, die Alufolie konnte man zum Recycling wieder abgeben. Lecker war der Schafskäse schon, aber wiederum war das Ganze allein eher ein Snack – wenn auch bei weitem nicht so unverschämt wie die Taco-Portion des Vortags.




Mein Freund kaufte sich am Bratwurststand die reguläre Wurst und Pommes Frites – beides in völlig adäquater Menge – für je 3,50 Euro. Ich war froh, dass ich bei den Pommes mitessen durfte.



Anschließend kauften wir uns zum Nachtisch noch eine Waffel beim Food Truck Kandie, der mit verlockender Vielfalt sowie dem Versprechen, jede Waffel auch vegan zubereiten zu können, warb. Unsere Waffel mit Kirsch- und Vanillesauce war für 3,50 Euro schon fast ein Schnäppchen und schmeckte prima.



Am nächsten Tag, als ich mit auf der Waldbühne „Deine Freunde“ ansah, testete ich gleich ein weiteres Süßwarenangebot und kaufte bei der Quarkerei einen „Frozen Quark“ mit frischen Beeren, Kostenpunkt 3,50 Euro. Der Quark an sich war ziemlich geschmacksneutral, die Beerenmischung aber prima. Leider fanden das auch viele Wespen, was das Essen etwas stressig machte – das war uns am Vorabend mit der Waffel ebenfalls passiert und erklärt auch, warum ich ein dermaßen schlechtes Foto von meiner Quarkportion gemacht habe… dieser Stand, der neben Quarkeis auch normalen Quark mit Früchten und Quarkshakes anbietet, ist übrigens ein Hamburger Franchise-Unternehmen. Ich habe ihn mittlerweile auch im Frankfurter Hauptbahnhof entdeckt.



Am Freitagabend war, wie gesagt, der Run auf die Essensstände auf seinem Höhepunkt angelangt. Da der Burritostand Burristas zur Abwechslung nicht ausverkauft war, stellte ich mich dort für etwa 30 Minuten an, bestellte mir einen vegetarischen Burrito (wie bei der hier kürzlich vorgestellten Kette Chipotle musste man, wenn man die Veggie-Option bestellte, nicht extra für Guacamole bezahlen) und wartete auf diesen nochmals etwa 10 Minuten. 6,90 Euro fand ich als Preis durchaus fair, da die Burritoportion als Mahlzeit ausreichte. Das hätten sich die Kollegen vom Tacostand vielleicht einmal ansehen sollen… Der Burrito an sich war lecker, aber ich hätte ihn nicht in „scharf“ bestellen sollen. „Scharf“ bedeutete in diesem Fall „sehr, sehr scharf“.



Mein Freund nahm es auf sich, gegenüber den Foodtruck von Vincent Vegan zu testen, den wir an den ersten beiden Festivaltagen vergeblich gesucht hatten. Es war offenbar Teil des Essenskonzeptes, dass nicht jeder Stand jeden Tag anwesend war. Mein Freund stand rund fünfzehn Minuten an, die Süßkartoffelpommes waren, es war 17:30 Uhr, bereits ausverkauft, also bestellte er nur einen Burger, auf den er nochmals eine halbe Stunde warten musste. Beim Bestellen hörte er, dass die Standmitarbeiter darüber sprachen, dass die Burgerbratlinge bald aufgebraucht seien, und in der Tat wurden, als er sein Essen abholte, an die neuen Kunden nur noch Currywürste verkauft. Den Burger durfte ich probieren, er schmeckte exzellent. Ich glaube, es war Guacamole darauf, aber das behielt ich gegenüber meinem Avocado-skeptischen Freund für mich.



Am Samstag blieben wir zwischen dem Auftritt von Sophie Hunger und dem Warten auf Tori Amos der Einfachheit halber bei den Fresständen direkt an den Hauptbühnen. Hier kauften wir uns Pizza bei den Pizza Nomaden, und da wir in den letzten Tagen bereits gesehen hatten, dass auch die Pizzaportionen nicht gerade riesig waren, erwarben wir einfach zu zweit drei Viertelpizzen: einmal Salami, einmal Margherita und einmal Gemüse. Preislich bewegten sich die Portionen je nach Sorte zwischen 4 und 5 Euro, geschmacklich waren sie solide, aber auch nichts Besonderes.

Man kann nicht über das Essen beim A Summer's Tale sprechen, ohne zumindest zu erwähnen, dass täglich auch die Option bestanden hätte, in einem Zelt ein festgelegte Drei-Gänge-Menü (mit Veggie-Option) zu essen, für 39 Euro inklusive Wein und Wasser, mit Tischdecke, Porzellan und allem Pipapo. Das Angebot kam sehr gut an, aber da wir es nicht genutzt haben, kann ich natürlich nichts dazu schreiben. Jedenfalls war es in meinen Augen eine nette Idee.

Was das restliche Essensangebot angeht, war das Feedback auf Facebook recht eindeutig: Wenn Besucher überhaupt etwas am Festival auszusetzen hatten, dann Zahl und Auswahl der Essensstände. Ich würde also davon ausgehen, dass für nächstes Jahr auf jeden Fall nachgebessert wird.

Neulich in der Lüneburger Heide: A Summer's Tale, Tag 4

U.

Wie bereits erwähnt, hatte das A Summer’s Tale Festival bei weitem mehr zu bieten als Musik, insbesondere wurden auch Filme gezeigt, es gab Vorträge und Autorenlesungen. Leider waren diese Programmpunkte meist recht früh am Tag angesetzt – die Filme meist schon gegen 10 – was für uns, die wir nicht auf dem Festivalgelände übernachteten, den Besuch erschwerte. Immerhin blieben wir im Allgemeinen bis zum letzten Musik-Act, das heißt bis Mitternacht, da wollte man nicht unbedingt um 10 Uhr morgens wieder im Zelt stehen (und dann weitere 14 Stunden herumstehen und -laufen).

Dass die Sache so organisiert war, ist aber verständlich: Schließlich wollten die Organisatoren über den ganzen Tag verteilt Events anbieten, und parallel zu Konzerten wäre das Zeigen von Filmen und auch das Vorlesen sicherlich schwierig gewesen.


Eine Lesung haben wir dann aber doch besucht: Der Festivalsamstag begann für uns mit Jochen Distelmeyer, Sänger der Band Blumfeld. Distelmeier hat einen Roman namens Otis geschrieben, aus dem er einer großen Schar von Interessenten auf der sehr schönen Bühne „Grüner Salon“ vorlas. Über den „offiziellen“ Zuschauerbereich waren viele mit Picknick- und Krabbeldecken gekommen und hörten von der umliegenden Wiese aus zu.


Distelmeyer trug zunächst die ersten Seiten des Romans offenbar auswendig vor, was uns einigermaßen merkwürdig erschien. Er erklärte dann, er habe eigentlich ein Album zum Leitmotiv der Odyssee schreiben wollen und habe den Roman zunächst als Songtext begonnen, den er im Kopf quasi mit sich herum trug. Erst als der Text bereits 100 Seiten lang war, kam er zu der Erkenntnis, dass er nicht an einem musikalischen Werk arbeitete. Er sah seinen Roman aber in der Tradition mündlich weiter gegebener nicht transkribierter Lieder-Epen wie eben der Odyssee oder auch der Musik von John Lee Hooker.


Der Roman um einen frisch getrennten Protagonisten namens Funke ist einigermaßen komplex aufgebaut, denn Funke arbeitet selbst an einem Roman zum Thema Odyssee, auch ein Theaterstück (das der Protagonist sich ansieht) hat Distelmeyer extra für den Roman geschrieben. Distelmeyer las und erklärte viel über Grundlagen und Hintergründe der Geschichte, musste ein paarmal über seine eigenen Witze lachen und entschuldigte sich jedes Mal dafür. So verging die Zeit schnell, und er war recht überrascht, als ihn jemand darauf hinwies, dass er nur noch zehn Minuten Zeit habe. Darauf zückte er die Gitarre und spielte noch schnell zwei Coverversionen, die anscheinend fester Bestandteil seiner Lesungen sind, nämlich „I Read A Lot“ von Nick Lowe und „Toxic“ von Britney Spears.

Die Lesung machte dank der interessanten Erklärungen sowie dem Lesetalent von Distelmeyer großen Spaß.


Hinterher gingen wir quasi zu alten Bekannten, Hundreds sollten den Samstag auf der Festivalbühne eröffnen. Als statt Philip ein junger Mann den Soundcheck am Piano absolvierte, hielt ich diesen noch für den Bühnentechniker, doch zu unserer Überraschung waren Hundreds haute mit anderer Besetzung da: Der junge Mann wurde als Sascha vorgestellt, der heute Philips Piano-Parts übernehmen würde, da dieser keine Zeit habe.

Das Set war als „Tame the Noise“ angekündigt gewesen, was bedeutet, dass Hundreds wie kürzlich in Frankfurt reduzierte Versionen ihrer Lieder spielen wollten. Das schien aber nicht der Fall zu sein, es wurden eher die Albumversionen gespeilt, lediglich die Lichtshow (die ebenfalls ein Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Sets ist) fehlte wie bei „Tame the Noise“ üblich.


Abgesehen von Philips Abwesenheit war alles wie gehabt, Florian trommelte und Eva sang und tanzte. Riesig war die anwesende Zuschauermenge leider nicht, vielleicht war das Zeitfenster für ein elektronisches Set doch etwas früh gewählt gewesen. Hundreds funktionieren ohne Tageslicht einfach besser.

Das vorletzte Lied „Grab The Sunset“ kündigte Eva als „etwas zum Tanzen“ an, danach verbeugten sich alle und Florian verließ die Bühne. Sascha wollte schon mit, aber Eva rief ihn mit den Worten „Wir beide spielen noch eins!“ zurück. Es folgte noch die Björk-Coverversion „Who Is It“, wie in Frankfurt von Evas Geschichte begleitet, dass sie sich einst als Björks Au Pair-Mädchen beworben hat – Evas Fan-Bewerbungsbrief blieb damals unbeantwortet, allerdings verbindet die beiden laut Evas Aussage seitdem eine tiefe Freundschaft, von der Björk allerdings nichts weiß.


Setliste:

(Intro)
Beehive
Fighter
Rabbits on the Roof
Stones
Ten Headed Beast
Let's write the Streets
Please Rewind
Happy Virus
Grab the Sunset
Who is it


Nach Hundreds schauten wir eher im Vorbeigehen bei Waxahatchee  im Zeltraum vorbei. Die Musikerin aus Brooklyn hatte mich beim Maifeld Derby wenig beeindruckt, weshalb ich an einer weiteren Begegnung nicht interessiert war. Immerhin erwischten wir bei unserer Stippvisite ausgerechnet das laut meinem Freund beste Lied „Under A Rock“, und ich muss zugeben, dass ich dieses Mal weniger genervt war. Nicht einmal an ihrer Kleidung hatte ich dieses Mal etwas auszusetzen. Das kann aber an der kurzen Aufenthaltsdauer gelegen haben.


Weiter ging es mit der Schweizerin Sophie Hunger auf der Festivalbühne. Frau Hunger löst bei so vielen Menschen so viel Begeisterung aus, dass es mir beinahe banausenhaft erscheint, zuzugeben, dass mich ihre Musik ziemlich kalt lässt. Aber wenn man schon einmal da war, konnte man ja testen, ob das Live-Erlebnis etwas ändern würde.

Frau Hunger singt sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch, die Mitglieder ihrer Band, die sie irgendwann allesamt als „der wundervolle Mister...“ vorstellte, scheinen mehrheitlich frankophon zu sein. Die Sängerin wirkte auf mich durchaus sympathisch, etwa wenn sie die Bandvorstellung mit den Worten „die machen, dass es klingt, als ob ich krass gut wäre“ einleitete. Mit ihren Liedern kann ich aber dennoch nicht sonderlich viel anfangen – mit den deutschsprachigen im Vergleich noch etwas mehr.


Ganz schlimm ist „Superman Woman“, ein Pop-Jazz-Lied, das wahrlich die Ohren quält. Herrje. Aber ihr schwarzes Kleid gefiel mir sehr gut. Hunger war eine der wenigen Musikerinnen, die eine Zugabe gab. Diese umfasste zwei Lieder, „Walzer für Niemand“ und „1983“, und war offensichtlich in der Gesamtzeitplanung des Sets enthalten gewesen.

Setliste:

Supermoon
Fathr
Love Is Not the Answer
?
Spaghetti mit Spinat
Das Neue
Die ganze Welt
Queen Drifter
Superman Woman
?

Walzer für Niemand
1983


Anschließend standen wir schon früh wieder vor der Festivalbühne herum, um einen möglichst guten Stehplatz mit Sicht auf Tori Amos zu erhaschen. Ihrer war einer der Auftritte, auf die ich mich im Vorfeld des Festivals am meisten gefreut hatte. Zwar mag ich nur das erste Album der Sängerin (das bereits 23 Jahre alt ist) so richtig, aber das wirklich sehr – und ich hatte auch gehört, ihre Live-Shows seien recht spektakulär.

Anders als bei Damien Rice zwei Abende zuvor rechneten wir bei Tori nicht mit einer Begleitband – der Trend geht eindeutig zum Ein-Personen-Headliner! Auf der Bühne stand bereits ein gewaltiger Bösendorfer-Flügel, bei dem wir uns fragten, wann er wohl gestimmt worden war (auf der Bühne ja sicherlich nicht), gegenüber war ein weniger auffälliges Keyboard und dazwischen eine Sitzbank, von der aus Tori beide Instrumente bedienen konnte, je nachdem, in welche Richtung sie sich setzte.


Ein wenig zu spät betrat dann auch Frau Amos die Bühne, sie war kleiner als erwartet, trug eine Brille, gewaltig hohe Absätze und ein flatteriges, rotes Oberteil, das im Sitzen ein wenig wirkte wie ein Superheldencape - es harmonierte auch - sicherlich beabsichtigt - mit den Flatterstoffbahnen, die im Bühnenhintergrund aufgehängt worden waren.

Los ging es mit einer Show, bei der ich wie erwartet viele Songs nicht kannte, wobei Toris Gesamtwerk zum einen sehr umfangreich ist und sie zum anderen zahlreiche Coverversionen spielte (von Liedern, die ich häufig ebenfalls nicht kannte). So ging das Konzert gleich mit einem Joe Jackson-Song los, „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana erkannte selbst ich, aber die Ansage, dass wir Lied Nummer 5 sicherlich kennen würden und gerne mitsingen dürften, stürzte nicht nur meinen Begleiter und mich in tiefe Verwirrung. Später erfuhren wir, dass es sich bei „Tiny Dancer“ um einen Elton John Song handelte.


Tori Amos nutzte ihre beiden Instrumente auf kuriose Weise. Sie hatte je ein Bein auf jeder Seite des Schemels und wechselte häufig zwischen Flügel und Keyboard hinterher, teils spielte sie auch mit je einer Hand beide Instrumente gleichzeitig. Mehrmals wechselte sie während einer langen Gesangsnote, die sie an einem Instrument begann, schnell wechselte und am anderen zu Ende sang.  Dazwischen gab es immer mal wieder einen freundlichen Blick Richtung Publikum.

Auf beiden Instrumenten befanden sich mehrere Zettel, die offenbar Texte enthielten, und die gelegentlich vom Wind durcheinander gewirbelt wurden. Als sie einen von ihnen mit einer Klammer fixierte, erklärte Tori: „I'm a bit menopausal so I forget everything. That's ok, menopausal is sexy too. Just you wait until you get to 52.“ Vor einem weiteren Cover, „Do It Again“ von Steely Dan, sagte sie: „I haven't played this in a long time - it could be a disaster but we're in this together“


Wie wir es bereits bei Damien Rice erlebt hatten, war auch heute das Publikum mucksmäuschenstill und auf die Musik konzentriert. Ob das Tori Amos auffiel, weiß ich nicht, sie war jedenfalls äußerst freundlich: Zu Begrüßung hörten wir, sie liebe Deutschland und „this magical forest“, außerdem handele es sich um ihr letztes Konzert für eine ganze Weile, weshalb dieser Abend etwas Besonderes für sie sei – und dass sie uns vermissen würde. Später behauptete sie gar, sie würde uns alle gerne mit nach Hause nehmen, wir könnten in ihrem Hof leben und gemeinsam Marshmallows grillen.

Insgesamt war ich sehr glücklich mit meinem ersten Tori Amos-Konzert, selbst, wenn ich viele Songs nicht kannte und „Silent All These Years“ leider nicht gespielt wurde. Tori Amos ist eine Künstlerin, deren Bühnenpräsenz es spielend schafft, ein großes Publikum in ihren Bann zu ziehen. Nach Damien Rice mein Lieblingsauftritt beim A Summer’s Tale.


Setliste:

Real Men (Joe Jackson cover)
Beauty of Speed
Smells Like Teen Spirit (Nirvana cover)
Crucify
Tiny Dancer (Elton John cover)
Mountain (intro "Star Whisperer")
Girl
The Boys of Summer (Don Henley cover)
A Sorta Fairytale
Cruel/Sweet Sangria/Unrepentant Geraldines
Amber Waves
Spark
Do It Again (Steely Dan cover)
Mr Zebra
Tear in your Hand
Cornflake Girl


Nach Tori Amos war unser Festivalbesuch noch nicht einmal annähernd beendet. Als nächstes eilten wir in den Zeltraum, wo nun Yann Tiersen vor einem ausgesprochen dicht gefüllten Zuschauerraum auftrat. Der französische Musiker ist vor allem für Soundtracks bekannt, und einige Zuschauer riefen gelegentlich hoffnungsvoll nach „Amélie“, seinem wohl bekanntesten Soundtrack-Werk. Aber diese Zeiten sind anscheinend vorbei. Was wir an diesem Abend präsentiert bekamen, war recht rockig und erinnerte in manchen Momenten an Mogwai.

Neben Tiersen befanden sich auf der stark umnebelten Bühne drei Mitmusiker und je ein Sänger und eine Sängerin. Einige Lieder mit Gesang konnte ich nicht einmal einer Sprache zuordnen, geschweige denn verstehen - um so erfreuter war ich, dass wie nach dem Konzert einen Setlistenausdruck fanden. Ein Mitschreiben der Songs war mehr oder weniger unmöglich.


Tiersen selbst spielte je nach Song verschiedene Instrumente: Keyboard, Gitarre, Geige, Melodika, Retro Synthesizer und auch Glöckchen. Ein Lied, „Lights“ trug er zunächst allein an der Gitarre vor (und sang selbst), einmal spielte er ein ganzes Stück, „On The Wire“, allein auf seiner Geige.

Am Ende sagte er, das Konzert sei das letzte der aktuellen Tournee und danke verschiedenen Helfern. Als Zugabe hörten wir noch „Ashes“, das alle Musiker gemeinsam a capella am Bühnenrand sangen.


Auch Yann Tiersen Auftritt war ein schönes Erlebnis, zumal ich mir im Vorfeld eher etwas Langweiliges vorgestellt hatte. Aber Feierabend hatten wir noch immer nicht...

Setliste: 

Meteorites
Ar maen bihan
A Midsummer Evening
Palestine
Dark Stuff
La Crise
Steinn
In Our Minds
Chapter 19
Grønjørð
The Gutter
The Crossing
Vanishing Point
Lights
On the Wire
Le Quartier

Ashes


Denn als letzte Band des Tages und auch letzter Headliner des Festivals standen für die Festivalbühne nun Calexico auf dem Programm. Das Publikum hatte sich verglichen mit früher bereits etwas gelichtet, offenbar waren manche Festivalgäste bereits auf der Heimreise – was nun aber auch nicht bedeuten soll, dass Calexico vor einem leeren Zuschauerraum spielten.

Die amerikanisch-mexikanische Band hatte im Bühnenhintergrund das Cover ihres aktuellen Albums „Edge of the Sun“ aufgehängt. Auf der Bühne befanden sich sieben Musiker, und neben dem „Hauptsänger“ Joey Burns, der für die englischsprachigen Lieder zuständig war, trat auch Jacob Valenzuela ans Mikrophon, wenn spanischsprachige Lieder am Start waren. Für „Fortune Teller“ stieß dann noch eine Geigerin namens Anna zur Band, die dem Publikum enthusiastisch als alte Bekannte vorgestellt wurde.


Eine Überraschung gab es dann bei „Not even Stevie Nicks / Love will tear us apart“, als ein zusätzlicher Sänger die Bühne betrat und den Joy Division-Song sang. Es handelte sich um den deutschen Schauspieler Tom Schilling, der am Vormittag seinen Film „Oh Boy“ vorgestellt hatte. Das beste Lied des Auftritts war für uns die Coverversion „Alone Again Or“ von Love.

Dem verbleibenden Publikum gefiel Calexico sehr gut, viele tanzten und wiegten sich zu den meist trompetenlastigen Liedern. Wir konnten mit dem Musikstil weniger anfangen, sahen uns das Set aber zufrieden an, bevor wir das Festivalgelände ein letztes Mal Richtung Hotel verließen.


Setliste:

Frontera / Trigger
Falling from the Sky
Cumbia de donde
Maybe on Monday
Roka (Danza De La Muerte)
Bullets & Rocks
Fortune Teller
Minas de Cobre
Inspiración
Miles from the Sea
Not even Stevie Nicks / Love will tear us apart
Splitter
Alone again or
Corona
Güero canelo

Zeit, für ein kleines Festival-Fazit: Ich fand das A Summer’s Tale extrem gelungen. Es ist zwar wenig Rock ’n’ Roll-mäßig, wenn man überall Kleinkinder sieht, alle ihren Müll in die Mülleimer werfen, so gut wie jeder Rücksicht auf die anderen nimmt und immer alle gespannt den Bands lauschen, statt sich beispielsweise am Crowdsurfing zu versuchen. Aber seien wir ehrlich: Das ist alles, speziell wenn man jenseits der 30 ist, unglaublich entspannend. Wir waren ja nicht auf dem Campingplatz, aber ich stelle mir vor, dass es auch dort um einiges ruhiger und rücksichtsvoller zuging, als man das bei anderen Festivals gewöhnt ist.

Das A Summer’s Tale fühlte sich, gerade auch mit seinen Zusatzangeboten wie Yoga und Kanufahren, und aufgrund der großzügigen Gestaltung mit vielen Möglichkeiten, sich niederzulassen, mehr wie Urlaub an als jedes andere Festival, das ich je besucht habe. Ich habe einige großartige Auftritte gesehen und bin fast traurig, dass ich viele der Lesungen und Vorträge verpasst habe. Es gibt einige Kleinigkeiten, die man besser organisieren könnte (mehr dazu in meinem noch folgenden Bericht zum Thema Essen), aber wenn man bedenkt, dass dies eine Festivalpremiere war, gibt es doch erstaunlich wenig zu meckern.

Neulich in der Lüneburger Heide: A Summer's Tale, Tag 3

U.

Am Freitag, dem dritten und damit vorletzten Tag des A Summer’s Tale, war das Festivalgelände bei unserem Eintreffen plötzlich viel voller.  Im Vorverkauf hatte man auch Zwei-Tages-Tickets für Mittwoch und Donnerstag beziehungsweise Freitag und Samstag bestellen können, und die letztgenannten hatten sich offenbar besser verkauft. Für diejenigen, die in den vorangegangenen Tagen die relative Ruhe und Entspanntheit genossen hatten, schien das Areal nun beinahe überfüllt zu sein, aber das lag sicherlich nur am Vergleich, es gab immer noch genug Platz für alle.

Allein die Fressstände und Food Trucks stießen wirklich an ihre Grenzen. Ohne lange Wartezeit konnte man nun praktisch nirgendwo etwas zu Essen kaufen, und wenn man dann endlich an der Reihe war, entpuppten sich die attraktiveren Speisen häufig als längst ausverkauft. Bei den Workshops wurde noch ein wenig mit neuen Terminen nachgelegt, damit auch die Neuankömmlinge zumindest eine Chance auf Teilnahme hatten. Für die Kanutouren teilte die Festival-App aber bereits am Freitagmorgen mit, sie seien nun für den Rest des Festivals ausgebucht.

Musikalisch begann der Tag für meinen Freund mit Die höchste Eisenbahn, einem Zusammenschluss des Singer/Songwriters Moritz Krämer mit Francesco Wilking, ehemals Tele, ergänzt von Felix Weigt und Max Schröder (Der Hund Marie).


Die Band eröffnete mit „Jan ist unzufrieden“ und ließ „Vergangenheit“ folgen, in einer sicherlich zehnminütigen Version, an deren Ende textlich improvisiert und phantasiert wurde: übers Festival, eine riesige, nahe der Bühne stehende Bienen-Installation, sie selbst („vier Schluffis auf der Hauptbühne“) und die später anstehenden Auftritte von Patti Smith und Zaz. Sehr amüsant.

Bis auf den Schlagzeuger wechselten alle von Lied zu Lied munter ihre Instrumente durch, bei den ersten sieben Songs musste immer der singen, der am E-Piano saß. Eine feste Setliste gab es offenbar nicht, denn zwischen den Liedern fanden immer wieder Absprachen zwischen den Bandmitgliedern statt.


Das Festival blieb auch in den Songansagen Thema, vor „Isi“ wurde etwa über die Yogakurse gewitzelt, was Francesco zur Aussage verleitete "Ich habe doch gar kein Yoga genommen". Das 9. Lied, „Mira“, wurde zu einem Mash-Up mit Kelis‘ „Milkshake“. Für „Was machst du dann“ kamen schließlich noch zwei Kinder mit auf die Bühne, Max und Martha, die dem Publikum die Zeilen demonstrierten, die mitgesungen werden sollten. Offensichtlich hatte man viel Spaß auf der Bühne, und das übertrug sich natürlich auf das Publikum.

Setliste:

Jan ist unzufrieden
Vergangenheit
Pullover
Raus aufs Land
Egal wohin
Allen gefallen
Isi
Aliens
Mira
Was machst du dann
Schau in den Lauf Hase


Ich dagegen hatte an diesem Nachmittag beschlossen, nun selbst einmal das Kinderprogramm zu erkunden, und sah mit einen Teil des Auftritts von Deine Freunde auf der Waldbühne an. Das Trio bestand – was deutlich durch die Beschriftung seiner T-Shirts erkennbar war – aus DJ, Sänger und Rapper. Die drei machten Hip Hop zu kindernahen Themen, etwa Schummelstrategien gegenüber den Eltern, was zu tun ist, wenn man etwas Ekliges essen soll, wie das ist, wenn man zum Reden keine Lust hat, aber ausgefragt wird und so weiter.

Das Publikum bestand natürlich zu etwa hundert Prozent aus Eltern und Kindern, die viel Spaß an dem Auftritt hatten. Aber auch ich, die ja nun nicht gerade die Zielgruppe repräsentierte, musste dem zustimmen, was im Festivalprogramm zu Deine Freunde gestanden hatte: „… eine Musikmischung (…), bei der sich auch musikaffine Eltern nicht schämen müssen, wenn sie im Auto bei runtergekurbelter Fensterscheibe läuft“.


Noch vor Ende des Auftritts wanderte ich zum Zeltraum ab, wo nun Niels Freverts Auftritt begann. Im Rahmen einer ähnlich kuriosen Entscheidung wie der, die Auftritte von Belle & Sebastian und Ride teils parallel stattfinden zu lassen, hatte die Festivalleitung auch beschlossen, dass sich die Konzerte der einzigen deutschsprachigen Künstler, Die höchste Eisenbahn und Niels Frevert, überschneiden sollten.

Frevert, der ehemalige Sänger der Band Nationalgalerie, merkte diesen Missstand auch gleich nach dem ersten Lied an – und entschuldigte sich dann ein Lied später, er sei immer zu negativ, und natürlich sei es toll, dass sowohl die Eisenbahn als auch er selbst hier überhaupt spielen könnten. Außerdem sei es nett von uns Zuschauern, dass wir trotz der warmen Temperaturen ins Zelt gekommen seien.


Frevert war mit Band erschienen und präsentierte ein Set, dass sich hauptsächlich aus Songs der letzten drei Alben zusammensetzte. Nur das abschließenden "Wann kommst du vorbei" war bereits wesentlich ältere. Beim Lied „Niendorfer Gehege“ erklärte Frevert, er werde dort sicherlich eines Tages ein Denkmal bekommen  - aber das sähe dann sicher Scheiße aus, wie das von Willy Brandt.

Es waren keine Massen von Fans erschienen, die Anwesenden spendeten aber viel Applaus, und der eine oder andere wird sicher bei den angekündigten Konzertterminen in Hamburg und Hannover vorbei schauen.

Setliste:

Nadel im Heuhaufen
Speisewagen
Zürich
Du kannst mich an der Ecke rauslassen
Blinken am Horizont
1qm Regenwald
Das mit dem Glücklichsein ist relativ
Morgen ist egal
Niendorfer Gehege
Der Typ, der nie übt (Worum es eigentlich geht)
Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn’s nicht meine ist
Wann kommst du vorbei



Nun standen auf der Festivalbühne die Mighty Oaks in den Startlöchern, ein Trio, das aus einem US-Amerikaner, einem Briten und einem Italiener besteht, die wohl allesamt in Berlin leben.

Der amerikanische Sänger Ian Hooper sprach beeindruckend gut Deutsch und übernahm folglich die Kommunikation mit dem Publikum. Lediglich in seinem regionalen Verständnis macht er den Eindruck eines Klischee-Amerikaners, denn die beiden anwesenden Zusatzmusiker (einer von ihnen spielte Geige) stellte er als aus dem Allgäu und „irgendwie auch aus dem Allgäu“ vor – was ein wenig den Eindruck erweckte, dass er Deutschland in „Berlin“ und „Allgäu“ einteilt.

Die folkige, an Mumford & Sons erinnernde Musik, kam vor allem beim jüngeren Publikum (ich meine jetzt Festivalgäste um die 20, nicht die vielen Kleinkinder!) super an. Beim Lied „Brother“ wurden alle aufgefordert, jemand anderen auf die Schultern zu nehmen, worauf wir aber verzichteten. Ich selbst konnte mich weniger begeistern, zumal ich ja nicht einmal Mumford & Sons sonderlich mag…


Lustig war der Abschiedsgruß, ebenfalls von Harris, der angesichts des gigantischen Mighty Oaks-Banners im Bühnenhintergrund sagte: „Falls jemand nicht lesen kann, wir heißen Mighty Oaks!“


Setliste:

Horsehead Bay
Seven Days
The Sun
You Saved My Soul
The Sun
The Great Northwest
?
Brother
Just One Day
?
?
Driftwood Seat


Nach einer Pause war es, wieder auf der Festivalbühne, Zeit für die 60er Jahre Ikone Patti Smith. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, mir freiwillig ein Konzert der Dame anzusehen, aber da wir schon einmal da waren, sprach auch nichts dagegen.

Gemeinsam mit zwei Original-Mitgliedern der Patti Smith Group - und zwei weiteren Musikern - trug die 68jährige zunächst ihr komplettes Album „Horses“ von 1975 vor. Da ich die Platte nicht einmal kannte, war das emotionale Erlebnis für mich eher nicht vorhanden, wohl aber der Respekt für die ältere Dame, die dort ganz selbstverständlich auf der Bühne performte und dabei offenbar unter keinerlei Zipperlein litt – und auch nicht mit ihrem Alter kokettierte.


Um uns herum standen ebenfalls etliche Mitglieder der älteren Generation – also noch älter als ich, denn ich war beim Erscheinen von „Horses“ zwei Jahre alt – und feierten jeden Song ab, tanzten und freuten sich aber der ersten Zeile von „Gloria“, die spontanen Applaus erntete.

Für das textlatige "Birdland" bekam Smith ein Textblatt gereicht, das vom zuständigen Bühnentechniker auch wieder abgeholt wurde. Lustig und charmant war auch, dass Smith nach „Free Money“ das nun notwendige Umdrehen der Platte imitierte und kommentierte. Als sie das letzte Lied „Elegie“ ankündigte und das mit allgemeinen Enttäuschungsrufen bedacht wurde, ergänze sie schnell: „Von „Horses“ ist das das letzte Lied! Wir spielen noch mehr!“


"Elegie" wurde vor 40 Jahren für Jimi Hendrix geschrieben, ist aber mittlerweile ein Gedenklied für alle Verstorbenen, bekamen wir erklärt. Unter den Namen, die Smith aufzählte, erkannten wir sämtliche Ramones, Lou Reed, Amy Winehouse und ihren eigenen Ehemann Fred „Sonic“ Smith. Während Smith die vorausgegangenen Titel durchaus dynamisch präsentiert hatte, stand sie bei "Elegie" völlig still.

Nach diesem emotionalen Moment überließ Smith - mit der Erklärung, „Horses“ feiere dieses Jahr seinen 40. Geburtstag, The Velvet Underground, eine der wichtigsten amerikanischen Band, aber den 50. - die Bühne zunächst ihrer Band, die nun ein Medley von drei Velvet Underground-Covern spielte. Jeder außer dem Schlagzeuger fungierte dabei einmal als Sänger. Smith hielt sich in der Zwischenzeit in dem Bereich zwischen Publikum und Bühne auf, sah zur Bühne und klatschte mit.


Anschließend wurde es noch einmal emotional, denn Smith erklärte vor „Because the Night“, sie habe den Song 1977 für ihren Freund geschrieben – und er sei immer noch ihr Freund. Dass er bereits seit 1994 nicht mehr lebt, ließ sich auch für uns Laien durch seine Nennung in „Elegie“ erahnen. Nach „Preople have the Power“ und dem The Who-Cover „My Generation“ war das Konzert dann vorbei, wobei wir bereits während des vorletzten Songs zu Get Well Soon in den Zeltraum abwanderten. Dennoch, Patti Smiths Auftritt hatte Spaß gemacht, zumal die Sängerin selbst ausgesprochen erfreut gewirkt hatte.

Setliste:

„Horses“:
Gloria
Redondo Beach
Birdland
Free Money
Kimberly
Break It Up
Land / Gloria
Elegie

Rock and Roll / I’m Waiting for my Man / White Light White Heat
Because The Night
People Have The Power
My Generation


Get Well Soon habe ich gefühlt schon eine Million Mal gesehen, dennoch stellten sich vor diesem Konzert einige Fragen bezüglich Inhalt und Ablauf: Unser vorletztes Konzert war eine Darbietung der drei EPs gewesen, die Konstantin Gropper Anfang des Jahres veröffentlicht hatte, mit ein paar Extra-Gimmicks, etwa einer von einem Fan gesungenen Coverversion. Beim Maifeld Derby wiederum war es um die EP „Henry - The Infinite Desire of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer“ gegangen, die auf einem Roman basiert, dessen Autor Arnold Stadler parallel aus seinem Buch las. Würde es heute vielleicht wieder irgendein „Sonder-“Konzert geben?

Davon abgesehen ist Konstantin Gropper Schwester Verena, die bei Get Well Soon Konzerten viel mitsingt und zusätzlich geigt, trommelt und auch ansonsten musikalisch Entscheidendes beiträgt, aktuell in der Babypause. Würde es eine Vertreterin geben?


Als die Band – ohne weibliche Begleitung – die Bühne betrat, wurde die erste brennende Frage quasi sofort beantwortet: Man begann, „I Sold My Hands for Food So Please Feed Me“ zu spielen, wir rechneten also mit einem normalen Konzert – und wurden nicht enttäuscht. Erst vor Lied Nummer 2 betrat eine uns unbekannte junge Frau die Bühne und übernahm die weiblichen Gesangsparts. Sie wurde uns als Alex Meier vorgestellt. Außerdem sagte Gropper: „Nach Patti Smith fühlt sich alles, was man macht, sehr hemdsärmelig an, aber wir geben alles“.

Geredet wurde anschließend nicht mehr viel, aber wir erlebten ein sehr schönes Best-Of Set mit Schwerpunkt auf den rockigen Liedern, wie "Angry Young Men", "If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting" oder "You Cannot Cast out the Demons (You Might as Well Dance)". Das Lineup wurde ein weiteres Mal erweitert, als noch der Geiger hinzu stieß, den wir bereits mit den Mighty Oaks auf der Bühne gesehen hatten. Frau Gropper kann offensichtlich nicht durch eine Einzelperson ersetzt werden.


Einmal meldete sich Gropper doch noch zu Wort und berichtete, dass er soeben eine neue Platte aufgenommen habe (von der wir nichts zu hören bekamen) und dafür eine weibliche Gesangsstimme benötigt habe. Er habe dann geträumt, dass ihn Mariah Carey auf dem Handy angerufen und auf Deutsch „Ich mach’s“ gesagt habe – und er habe sich gefragt, warum sein Management so einfach seine Handynummer hergebe.

Es war sehr schön, wieder einmal ein „normales“ Get Well Soon-Set zu sehen, und ich bin gespannt aufs neue Album.



Setliste:

I Sold My Hands for Food So Please Feed Me
The Last Days of Rome
Roland, I Feel You
A Voice in the Louvre
Gallows
Angry Young Men
Mail From Heidegger
5 Steps / 7 Swords
Staying Home
Careless Whisper
If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting
A Burial At Sea
You Cannot Cast out the Demons (You Might as Well Dance)


Abschließend ließen wir uns noch ein wenig von Zaz auf der Festivalbühne überraschen. Mit hatte der Name der französischen Chanson-Sängerin im Vorfeld überhaupt nichts gesagt und ich war überrascht, dass sie in Deutschland recht bekannt zu sein scheint. Da hatte ich wohl etwas nicht mitbekommen.

Die junge Frau, die von einer riesigen Band inklusive Bläsern und Streichern in grauen Anzügen begleitet wurde, machte ihre Ansagen konsequent auf Französisch. Dass ihr neues Album der Stadt Paris gewidmet ist, verstanden wir aber auch so, denn sie zählte jede Menge Wahrzeichen auf (Champs Elysees, Tour Eiffel, Arc de Triomphe). Vor einem Lied sagte sie auch, nach dem längeren französischen Text, auf Deutsch „mitsingän“.

Die Mischung aus Chanson und Jazz mit viel Herumwirbeln im kurzen Kleid war sehr weit weg von dem, was mich musikalisch interessiert, und so verließen wir Zaz und das Festivalgeländer echt zügig, um schlafen zu gehen.



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