Ene Besuch em Zoo: Neulich im Kölner Zoo

U.

Der Kölner Zoo ist ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Zwischen den Lebensjahren 4 und 16 war ich, wie man das als Kind und Jugendliche eben so macht, mindestens einmal jährlich dort und habe viele, aber bruchstückhafte Erinnerungen an damals. Als nun die in Köln ansässige Schwester meines Freundes ihren Geburtstag mit einem gemeinsamen Zoobesuch feiern wollte, war ich gespannt, ob ich beim Wiedersehen irgendetwas wieder erkennen würde.


Zunächst galt es, überhaupt in den Zoo hinein zu kommen. Am Sonntagmittag stauten sich vor den gefühlt sechs Kassen gewaltige Schlangen, die sich teils sogar miteinander verzweigten. In der Mitte von alldem hatte sich ein cleverer Ballonverkäufer nieder gelassen, so dass die Kinder der genervt anstehenden Eltern in der Wartezeit ausreichend Gelegenheit hatten, einen der in zahlreichen Formen erhältlichen Ballons auszusuchen und anschließend ihre Eltern zu dessen Kauf zu überreden.


Letztlich bewegten sich die Schlangen der Wartenden schneller als erwartet, und wir durften, nachdem wir stolze 17,50 Euro bezahlt hatten (immer noch weniger als in Antwerpen), den Zoo betreten. Im Eingangsbereich hatte es früher runde oder ovale Kleingehege gegeben, in einem davon hatten die Erdmännchen gewohnt. Diese leben nun immer noch nahe am Eingang, haben aber ein viel größeres Gehege bekommen, was sicherlich besser für sie ist.


Das einzige, was ich sonst noch von früher erkannte, war der Kinderspielplatz, auf dem sich, soweit ich mich erinnern kann, schon immer ein Schiff zum Klettern befunden hatte. Mittlerweile ist dort alles etwas elaborierter, mit viel mehr Gerüsten und Kletterstrecken. Bei unserem Besuch war ein Gitterschlauch, durch den Kinder von einem Gerüstturm zu einem anderen klettern konnten, allerdings so überfüllt, dass man meinen konnte, ein dicht besetztes Kindergehege vor sich zu haben.


Die echten Tiere hatten da häufig mehr Platz. Die Giraffen hatten reichlich Auslauf, auch der Innen- und Außenbereich für die Menschenaffen wirkte äußerst ansehnlich. Hinsichtlich der Größe am beeindruckendsten war die Freifläche der Elefanten, die 20.000 Quadratmeter umfasst und auf der wir beobachten konnten, wie die Elefantenhaufen mit einem Bagger eingesammelt wurden.


Relativ neu ist der "Hippodom", in dem neben den Flusspferden auch Krokodile, ein Chamäleon und einige andere exotische Tiere wohnen. Der Badebereich der Flusspferde wurde extra so gestaltet, dass man als Besucher die Tiere durch eine Scheibe auch unter Wasser sehen könnte, wenn das Wasser nicht eine dunkle Brühe wäre, durch die man nur schematische Umrisse erkennen kann. Warum das so ist, demonstrierte netterweise eines der Flusspferde für uns, indem es an Land erst Kot absetzte und diesen dann mit seinem als Propeller eingesetzten Schwanz meterweit durch die Gegend schleuderte. Nach meinem Informationsstand ist die Stadt Köln wegen des enttäuschenden Wassergeheges gegen die Erbauer des Geheges vor Gericht gegangen.


Auch das Regenwaldhaus, in dem man hauptsächlich exotische Vögel bestaunen kann, ist sehr ansprechend gestaltet. Aber nicht jede Tierart hat ein tolles Gehege: Das Nashorn hatte einen recht kleinen Lebensbereich und sieht sicher immer neidisch zu den Giraffen gegenüber herüber. Auch die Pinguine hatten ein klassisches Zoogehege mit Betonfelsen und etwas Wasser - nicht besonders schön und ganz und gar nicht weitläufig. Und auch der Leopard hatte, anders als die in der Nachbarschaft angesiedelten Löwen und Tiger, einen recht kleinen Glaskasten zum Auf- und Ablaufen - was er auch auf die leicht gestörte Zootier-Art ununterbrochen tat.


Viel Platz fürs Tier, inklusive Rückzugsmöglichkeiten, ist natürlich schön, behindert aber natürlich auch die Sicht für den Besucher. So konnten wir den Roten Panda nur als schlafenden, felligen Klumpen in einer Baumkrone erahnen, den Tiger sahen wir ebenso wie den Löwen und den Schneeleopard von sehr weit weg schlafend und die Waschbären schienen ihren freien Tag zu haben. Wegen Eingewöhnung eines neuen Tieres waren darüber hinaus die Orang Utans für Besucher ganz offiziell nicht zu sprechen.


Dafür bietet der Kölner Zoo mittlerweile einiges an "Show", so nahmen wir an einer Flugschau teil, in der unter anderem ein Weißkopf-Seeadler über die Köpfe der Zuschauer flog und seine Runden drehte. Vorab war allen Zuschauern eingeschärft worden, sich zu ducken, wenn ein Vogel sich näherte, was sich als viel mehr als eine Phrase erwies: Wer sich nicht duckte, lief Gefahr, von den spitzen Krallen gestreift zu werden. Als Raubvogel ist man offenbar daran gewöhnt, dass die anderen ausweichen. Später fütterten dieselben Pfleger auch die Seebären, was sich ebenfalls nicht als reine Fütterung entpuppte, denn die Tiere hatten im Rahmen der Nahrungsaufnahme ebenfalls ein paar Tricks gelernt, hinzu kamen einige informative Erklärungen durch die Pfleger.


So brauchten wir für den Besuch, ohne das im Eintrittsgeld enthaltene Aquarium auch nur zu betreten, vier Stunden. Trotz des großen Besucherandrangs ließ sich der Zoo durchaus genießen. Das einzige, das ich etwas schade fand, war die nicht konsistente Beschriftung der Gehege. Während bei den Elefanten und den Bonobos genau vermerkt war, wie die einzelnen Tiere hießen und aussahen, war beispielsweise bei Löwe und Tiger nicht einmal zu erkennen, wie viele Tiere sich überhaupt im Gehege befanden.


Insgesamt habe ich bei meinem Wiederbesuch des Kölner Zoos nur wenig wieder erkannt, dennoch handelt es sich um einen schönen und besuchenswerten Zoo. Vielleicht schaffe ich es eines Tages auch nochmals ins Aquarium.



Zum Ende des Tages muss es zumindest ein trauriges Kind gegeben haben - oder eines, das seinem Luftballonpferd großzügig die Freiheit schenkte.


Kanada meets Seckbach: Metric in der Frankfurter Batschkapp

U.

Knappe zehn Jahre wohnte ich in Frankfurt nur einen Steinwurf von der Traditionshalle Batschkapp entfernt. Nun lebe ich seit zweieinhalb Jahren nicht einmal im selben Bundesland, und als wäre das nicht genug, ist auch noch die Batschkapp umgezogen - von Eschersheim ins Niemandsland bei Seckbach. Das ist nun auch schon fast zwei Jahre her, aber ich hatte seit den Umzügen dort kein Konzert mehr besucht.


Bis zum letzten Donnerstag, als die Kanadier von Metric sich angekündigt hatten. Die Website ticket.de hatte mit einem komplett unbenutzbaren Onlineshop ihr Möglichstes getan, um den Kartenverkauf zu verhindern, aber wir ließen uns nicht entmutigen und nutzten die Abendkasse, an der es (vielleicht ja auch wegen der Website) noch einen ganzen Packen Tickets zu kaufen gab. Dort, an der Abendkasse, hing auch ein Schild, dass darauf hinwies, dass beim heutigen Konzert mit viel Strobolicht zu rechnen und es deshalb für Epileptiker ungeeignet sei. Na toll - ich habe zwar keine Epilepsie, komme aber mit blinkenden Lichtern trotzdem sehr schlecht zurecht.


Metric kannte ich im Vorfeld eher schlecht. Als mein Freund vorgeschlagen hatte, das Konzert zu besuchen, hatte er mir auch einige Lieder vorgespielt, die ich zugegebenermaßen beim Hören erkannte. Sie gefielen mir, außerdem beklage ich mich häufig, dass wir immer nur dieselben Bands sehen... also ging ich mit. Mein Freund hatte mir noch erklärt, dass die Band aktuell immer dieselbe Setliste spiele, also fiel für mich auch das Mitschreiben für diesen Bericht weg... prima.


Nachdem uns die österreichische Vorband Leyya eher wenig beeindruckt hatte, legten Metric gleich zu Beginn einen denkwürdigen Auftritt hin, denn die Band betrat die dunkle Bühne mit Pferdemasken und Taschenlampen. Sängerin Emily Haines sah nach dem Abnehmen der Maske immer noch kurios aus. Sie trug einen sehr kurzen Federrock mit Korsagentop und einer Lederjacke und einer Art Springseil mit Plüschgriffen um den Hals, fürs erste Lied schnallte sie sich zusätzlich eine Art schwarzes Pfauenrad, das mit Lampen besetzt war, auf den Rücken -  sofort war also klar, dass sie verkleidungstechnisch in einer Liga mit CocoRosie oder Róisín Murphy spielte.


Auch die Bühnendeko war bemerkenswert: Es gab insgesamt vier bewegliche Tische für die unterschiedlichen Instrumente, die jeweils mit Silberfolie und Fell beklebt waren. Auf einem befand sich sogar ein Theremin, der später beim Lied "Youth Without Youth" zum Einsatz kommen sollte. Dafür wirkten die restlichen Bandmitglieder relativ unauffällig.


Tatsächlich wechselte Frau Haines relativ häufig mit einfachen Mitteln das Outfit - nachdem das Pfauenrad nur fürs erste Lied "Lie Lie Lie" zum Einsatz gekommen war, trug sie später für "Cascades" ein gelbes Tuch als Umhang, das von Windmaschinen dramatisch angehoben wurde. Da fiel es kaum auf, dass die restlichen Bandmitglieder im Schwarzlicht leuchtende Brillen angezogen hatten. Es folgten später auch weitere, meist weniger spektakuläre Kostümwechsel, bei denen sich Haines neue Jacken oder Umhänge überwarf - was den Vorteil hatte, dass sie nicht, wie Róisín Murphy, minutenlang von der Bühne verschwinden musste.


Metrics Europatournee steht unterm dem Motto "Pagans across the pond", eine Anspielung auf den Titel des aktuellen Albums "Pagans in Vegas". Insofern überraschte es nicht, dass insgesamt acht Titel des Albums gespielt wurden, ebenso viele hörten wir von "Synthetica" und "Fantasies", den beiden vorherigen Platten, zusammen. Es gab nur zwei noch ältere Lieder, "Empty" und "Monster Hospital", zur Trauer meines Freundes spielten sie "Poster Of A Girl" jedoch nicht. Der ungewöhnlichste Song des Abends war "Black Sheep", der sich nur auf dem Soundtrack von Scott Pilgrim vs. the World befindet.


Was die befürchtete Strobo-Lichtshow angeht, fiel diese übrigens nicht heftiger aus als bei anderen Konzerten. Gelegentlich musste ich bei Lichtblitzen den Blick senken, aber so geht es mir etwa bei der Hälfte der Konzerte, die ich so sehe. Alles halb so wild.

James Shaw, neben Haines das andere Gründungsmitglied von Metric, sang bei "Other Side" einen Teil des Songs und posierte während des Auftritts mehrfach mit seiner Gitarre am Bühnenrand - ansonsten überließ er das Rampenlicht weitestgehend seiner Kollegin.


Vor "Synthetica" hielt Emily zusätzlich eine kleine Ansprache auf der Nebel umwobenen Bühne, indem sie alle aufforderte, ihre Ideen und die eigene Individualität auszuleben - so wie sie das mit Metric seit 15 Jahren täte. Das war auch gleich ein Anlass, die Bandmitglieder - neben Shaw auch Joshua Winstead (Schlagzeug) und Joules Scott-Key (Bass, Keyboards) vorzustellen.


Die gespielten Versionen klangen allesamt rockiger als auf den Alben und gingen schon beinahe in Richtung Glam Rock, "Celebrate" war live eher ein Disco-Song und wurde von Haines windumspielt am Bühnenrand dargeboten - als wäre man bei einem Kylie Minogue Konzert. Nach "Synthetica" sang Emily ohne Begleitung einen für uns schwer verständlichen, deutschen Text vom Blatt, der allgemein umjubelt wurde. Erst ein späterer Besuch bei setlist.fm brachte uns die Erkenntnis, dass es sich offenbar um eine deutschsprachige Version von "Cascades" handelte.


Nach "The Shade" ging die Band zunächst ab, kehrte aber für einen mit vier Liedern recht üppigen Zugabenteil zurück. Emily hatte sich selbstverständlich wieder umgezogen und trug nun Jeans-Hot Pants und ein T-Shirt mit einem Hemd darüber - beinahe Freizeitlook also. "Gimme Sympathy" wurde zu zweit von Haines und Shaw nur zur Gitarre dargeboten.


Beim letzten Lied "Breathing Underwater" wurden wir zum Mitsingen aufgefordert, so dass das Konzert mit den wieder und wieder gesungenen  Songzeilen "Is this my life? Ahhh Am I breathing underwater?" ausklang. Zurück blieben im Publikum viele glückliche Gesichter, und selbst die beiden Publikumsnachbarinnen, die miteinander mehrere Lieder verquatscht hatten, waren sich einig, dass dies ein toller Auftritt gewesen sei.


Setliste:

Lie Lie Lie 
Fortunes 
Youth Without Youth 
Help I'm Alive 
Too Bad, So Sad 
Cascades
Black Sheep 
Satellite Mind 
Collect Call 
Other Side  
Monster Hospital
Synthetica 
Gold Guns Girls 
The Shade 

Nothing But Time 
Celebrate 
Gimme Sympathy 
Breathing Underwater 

Sendeschluss: Gisbert zu Knyphausen - Immer muss ich alles sollen (Kinder-Special 1)

U.

Kinder Special (1)

Gisbert zu Knyphausen sah ich dieses Jahr beim Maifeld Derby - wo ich ehrlich gesagt nicht sonderlich von dem Sänger beeindruckt war. Nun hat er ein Lied aus Kinderperspektive aufgenommen, das auf einem Sampler namens "Unter meinem Bett" erschienen ist. Das Lied, in dem es um leidige Pflichterfüllung geht, spricht sicherlich auch Erwachsene an, mich allemal... außerdem macht das in Berlin gedrehte Video ebenfalls Spaß.


Neulich beim Uhrenumstellen und Blogtapezieren

U.

Letzte Nacht wurden die Uhren umgestellt, witzigerweise ist es hier unbemerkt zur Tradition geworden, dass die gewonnene Extrastunde ins Blog-Layout-Update gesteckt wird - das war letztes Jahr so und wurde dieses Jahr wiederholt.

Und nun folgt der mittlerweile schon traditionelle Rückblick auf die bisherigen Templates. Es waren wirklich ein paar schöne dabei!

Fleur: 2008 bis 2009

Stitch: 2009 bis 2010

Silva: 2010 bis 2011



CS5 Texturizer: 2011 bis 2012



Insomnia: 2012 bis 2013



Folify: 2013 bis 2014



Scratch: 2014 bis 2015

Sendeschluss: Foals - Give It All

U.

Dieses Wochenende sah ich den Film Dritte Person, der mir um einiges besser gefiel als der Kritik. Die drei Episoden der Geschichte drehen sich allesamt um Liebesbeziehungen, meist gescheiterte. Dazu passt auch das neue Video der Foals, in dem ebenfalls ein unglücklicher Wieder-Single über seine verflossene Beziehung nachdenkt.


Zusätzlich zum regulären Video gibt es auch einen Director's Cut, in dem die Sache noch ein bisschen finsterer endet.

Sendeschluss: CocoRosie - Lost Girls

U.

CocoRosie haben ein neues Album namens "Heartache City". Im Video zu "Lost Girls" geht es um Ausreißerinnen, wobei am besten natürlich die Katze ist, die man am Anfang kurz zu sehen bekommt. Am zweitbesten ist die Suche nach den Casady Schwestern in diesem in Buenos Aires gedrehten Video, denn sie tauchen nur am Rande auf - dafür aber immer wieder.

Neulich als Jonah zurückkam: Jonah Matranga in Montabaur

U.

Man kann nun nicht gerade behaupten, dass wir schon Massen von Wohnzimmerkonzerten veranstaltet hätten. Letztes Jahr gab es vier, dieses Jahr nur zwei - und wir haben bereits Oktober. Um so ungewöhnlicher wirkt vielleicht die Entscheidung, einen Künstler aus dieser überschaubaren Gruppe zum zweiten Mal einzuladen. Aber der Abend mit Jonah im letzten Jahr lag allen Beteiligten in bester Erinnerung, der Künstler selbst wollte gerne kommen...  es ließen sich also wenig Gegenargumente finden.

Nachdem wir Jonah bereits am Sonntag in Koblenz wieder gesehen hatten, erreichte er die Szenemetropole Montabaur bereits am Nachmittag des Auftrittstages. Blöderweise musste ich ein wichtiges, langes, berufliches Telefonat führen, so dass ich den armen Sänger zunächst mit einem Glas Wasser und dem WLAN-Passwort abspeiste, womit er sich recht zufrieden auf der Couch niederließ. Nachdem wir Jonah bereits zweimal ausschließlich ohne Schuhe gesehen hatten, er bei der aktuellen Tournee aber selbst mit einem Mietwagen herumfuhr, war ich im Vorfeld gespannt auf sein Schuhwerk gewesen. Aber auch zum Autofahren trug er nur Flipflops, die auch direkt hinter der Wohnungstür abgelegt wurden.


Als mein Endlostelefonat beendet war, war es schon höchste Zeit, ein Abendessen zuzubereiten, denn die ersten Gäste sollten bereits um 18 Uhr eintreffen. Trotz der Tatsache, dass viele unserer Stammgäste Jonah bereits im Vorjahr gesehen hatten und einige auch ein paar Tage zuvor in Koblenz, rechneten wir mit 20 Konzertbesuchern, was sich später auch als realistisch herausstellte. Zeitlich hatten wir zwar alles nicht so gut geplant, aber da alle Gäste von sich aus später erschienen waren, als eingeladen, funktionierte der zeitliche Ablauf dennoch sehr gut.

Jonah hatte uns vorab um eine kaputte, aber saubere Socke gebeten, um sein frisches Tattoo, das wir bereits seit seines Koblenzer Auftritts kannten, abzudecken, und auch eine meiner zahlreichen nach dem Waschen plötzlich einzelnen Socken bekommen. Er trug sie nun zurecht geschnitten als Armbinde, die gut zu seinem schwarzen T-Shirt mit den Vornamen der Fugazi-Bandmitglieder passte. Anders als in Koblenz wollte er auch gerne für seinen Auftritt einen Stuhl haben - vielleicht, weil unser großer Vorrat an Schul-Aula-Stühlen recht offensichtlich war.


Anders als beim ersten Montabaurer Konzert hatten wir Jonah unsere geliehene Verstärker-Mikro-Mischpult-Anlage gar nicht erst angeboten, da er in Koblenz eindrucksvoll demonstriert hatte, dass er auch ohne technische Hilfsmittel ziemlich laut sein kann.

Auch an diesem Abend war Jonah in Erzähllaune, unterbrach gerne einmal ein Lied, um eine längere Geschichte zu platzieren und war sehr offen für Publikumswünsche, nachdem er das Set aufgrund unseres nachmittäglichen Gesprächs mit zwei neuen Songs ("Enough", "For Someone Who's Gone") eröffnet hatte. Bei letztgenanntem ermunterte er uns zum Mitsingen, indem er erklärte, dass es, wenn alle, die einen kleinen Wunsch zum Mitsingen verspürten, dies einfach täten, es für den einzelnen viel weniger peinlich sei. Die Wünsche kamen hauptsächlich von ein und demselben Gast und führten die Setliste mehrfach in düsterere und traurige Gefilde (etwa "Hostage") - was aber gar nicht heißt, dass das schlecht war. Die stilistischen Kontraste zwischen den unterschiedlichen Bandphasen des Künstlers wurden nur noch deutlicher als zuvor.


In der Vorbereitung des Konzerts hatte mein Freund mit Hilfe der Website Rasterbator ein gigantisches Bild des Star Wars-Helden R2D2 ausgedruckt, das er mühevoll aus 49 DIN A4 Seiten zusammengeklebt hatte. Das Projekt diente als Ersatz für den R2D2-Pappaufsteller, den wir im Vorjahr als Deko-Objekt verwendet hatten, und den wir nicht schon wieder einsetzen wollten. Jonah hatte das Bild gleich bei seinem Eintreffen entdeckt und auch ein Selfie damit aufgenommen. Während des Konzertes erklärte er allerdings zu "Smile", dass seine Verbindung zu R2D2, die sich durch Albencover und Merchandise zieht, eher zufällig sei, weil er einst einen R2D2 Kassettenspieler vom Flohmarkt besessen habe, auf dem er das Roboter-Gedudel für den Instrumentalteil dieses Songs abgespielt sei - das Gerät sei aber mittlerweile kaputt, er bekäme nun jedoch immer wieder neue R2D2-Artikel geschenkt.

Jonah erzählte auch, dass er bei seinem ersten Konzert in Montabaur erstmals während eines Auftritts eine Pause gemacht habe, das damals etwas seltsam gefunden habe, aber mittlerweile richtig gut finde. Davor spielte er noch Radioheads "Fake Plastic Trees", weil er meinte, unser Wohnzimmer erfordere diesen Song. Ich hoffe, das hatte irgendwelche musikalische Gründe, denn der Text des Liedes ist eigentlich nichts, mit dem man in Verbindung gebracht werden möchte.


In der Pause erzählte er meinem Freund dann, dass unser Wohnzimmer eine interessante Klangresonanz habe, wenn er lautere Stellen sänge. Wir haben dann sicherheitshalber vor dem zweiten Teil die vorher gekippten Fenster geschlossen - aus Furcht, die gute Resonanz könnte die Nachbarn verärgern, wenn die Schwingungen auch die andere Hälfte unseres Doppelhauses erreichten.

Die zweite Hälfte des Konzertes eröffnete er, wie schon beim letzten Mal, mit "Deafening" - dieses Mal hatte Jonah nicht extra in der Pause proben müssen, um diesen sonst offenbar selten live gespielten Song vortragen zu können. Kurz danach folgte eine Art Song-Polonaise, in der er ohne Pause "Aeroplanes", "Every Mistake" und "Sweet Life" spielte.  Dann unterbrach er kurz und erklärte, die beiden letzten Songs beruhten auf denselben Akkorden, nur seien sie im einen schnell und im anderen langsam. Anschließend stimmte er "Kiss" von Prince an, das ebenfalls auf denselben Akkorden beruht und bei dem es sich auch anfühle, als habe er es geschrieben (und dass es das beste Lied überhaupt sei).

Nach "Livin' Small", in dem es textlich darum geht, dass Jonah damit zufrieden ist, kein reicher Rockstar zu sein, erzählte er uns, dass ihn, kurz, nachdem er diesen Song geschrieben habe, Coca Cola kontaktiert habe und für die Nutzung des Songs "Lukewarm" in einer Sommerwerbekampagne erst 75.000 und schließlich 150.000 Dollar geboten habe. Letztlich habe er sich aber nicht entschließen können, das Angebot anzunehmen. Danach durften wir uns natürlich auch noch "Lukewarm" anhören.


Weniger als Zugabe denn als "Lullaby" bekamen wir abschließend noch "Tides" zu hören, wobei der Hinweis, wir bräuchten nach diesem Lied nicht klatschen, es würde reichen, wenn es schön ausklingt, nicht ernst genommen wurde. Aber mit Applaus war das Ende auch schön, und wie beim letzten Mal verbrachte Jonah noch einige Zeit damit, mit Besuchern zu sprechen, CDs (und seine letzte Picture Disc) zu verkaufen und einige Gäste zu umarmen. Er stellte überrascht, aber auch begeistert fest, dass er den Auftritt als völlig anders als den in Koblenz empfunden hatte, was vermutlich alle, die beide erlebt hatten, so sahen.

Am nächsten Morgen musste ich bereits früh nach Frankfurt fahren. Mein Freund dagegen hatte frei und somit Zeit, mit Jonah, der bei uns übernachtet hatte, zu frühstücken. Dabei sah Jonah auch meine Konzertberichte zu den vorherigen Konzerten an und freute sich darüber, dass die Setlisten, die er sich nicht im Detail gemerkt hatte, so wenig Überschneidungen aufwiesen - sowohl miteinander als auch mit dem Vorabend.


Außerdem spielte der Sänger meinem Freund eine Demoversion des neuen Liedes "Enough" vor und erzählte unter anderem, dass er an einem Buch arbeite. Wenn er sich nun erst einmal um seine literarische Karriere kümmert, entspricht die Textzeile des am Vorabend zuletzt gespielten Liedes "Tides", "This time next year I won't be here", vielleicht der Realität. Aber zur Not kann er bei uns ja auch eine Lesung veranstalten.


Setliste:

Enough
For someone who's gone
Smile
Your will
Hostage
Girl
Full of wonder
At Night we live
Bitte ein Kuss
Fake plastic trees (Radiohead Cover)

Deafening
Waiting For Sunday
Aeroplanes
Every mistake
Sweet life
Kiss (Prince Cover)
Livin' small
Lukewarm

Tides

Neulich in einem anderen Wohnzimmer: Jonah Matranga in Koblenz

U.

Moment mal, Jonah Matranga? War der nicht erst letztes Jahr in unserem Wohnzimmer? Fangen wir nach den paar Konzerten etwa schon wieder von vorne an?

Nun, ja, tun wir. Donnerstag ist Jonah zum zweiten Mal in Montabaur zu Gast (und kann diesen Ortsnamen auch schon flüssig aussprechen). Gestern Abend jedoch war er zunächst in Koblenz zu Gast, und wir wollten uns die Chance nicht entgehen lassen, den Sänger vor dem Wiedertreffen bei uns Zuhause ohne Stress auf unserer Seite spielen zu hören.

Letztes Jahr war Jonahs Auftritt nach der Station bei uns geplatzt, weshalb ihn ein Freund meines Freundes netterweise für eine Nacht bei sich aufnahm. In der Wohnung besagten Freundes hatte Jonah nun wieder vorbei geschaut.


Also ging es für uns in eine schöne Altbauwohnung in der Koblenzer Innenstadt, die mit Jonah ihre Wohnzimmerkonzertpremiere erlebte, weshalb unsere Freunde beruhigend aufgeregt waren - da fühlte ich mich mit meiner Daueraufgeregtheit an Konzerttagen gleich viel normaler. Während sich die Wohnung beneidenswert gut füllte und ich das leckere Buffet testete, war vom Sänger zunächst nichts zu sehen. Gegen 19 Uhr klatschten wir ihn dann mit einem beachtlichen Applaus aus der Reserve (wo er anscheinend noch damit beschäftigt gewesen war, seine Wäsche zu waschen).

Jonah erklärte, er sei seines Wissens noch nie von solch einem gewaltigen Applaus begrüßt worden und sagte danach, dass er die aktuelle Tournee hauptsächlich in Wohnzimmern, Bibliotheken und den Kellern von Clubs bestreite, und dass die anwesende Menschenmenge durchaus zu den größten zähle, die er in letzter Zeit gesehen habe.


Dann legte er los. Einen Verstärker gab es nicht, aber er schaffte es auch allein mit der Gitarre, ziemlich laut zu sein. Vielfach unterbrach er die Songs, um etwas zu erzählen, und auch zwischen den Liedern wurde viel erklärt. Wichtige Themen waren für Jonah zum einen, dass er mit seiner musikalischen Kariere so, wie sie verlaufen ist, zufrieden ist. Zum anderen ist ihm wichtig, dass Menschen sich selbst so akzeptieren, wie sie eben sind, statt ständig zu denken, sie seien nicht gut genug, oder zu komisch - denn jeder sei schließlich irgendwie komisch.

Nach "Simple life" zeigte er uns ein brandneues Tattoo, dass er sich erst am Vorabend hatte stechen lassen, und das ein Herz mit Fragezeichen zeigte - ein Symbol, dass er bereits zeichnet, seit er denken kann, und das analog auch seinen anderen Arm ziert. Die neue Version soll unausgemalt bleiben, so dass Jonah ihre Farbe eigenständig mit Textmarker verändern kann. Die neue Tätowierung störte etwas beim Gitarre spiele, weshalb er versuchte, sie mit einer Bandana zu schützen.


Weiter ging es mit "Bitte ein Kuss" und der Erklärung, dass er nur sehr schlecht Deutsch spreche. Nach einem zaghaften Singalong zu "Lukewarm" konnten wir uns von der Wahrheit dieser Aussage überzeugen, denn Jonahs spontanter Übersetzungsversuch der Zahlenpaare in "14 to 41" ins Deutsche klappte nicht wirklich und wurde bald lachend aufgegeben. Nach "Mother Mary", einem Lied, das mit Erfahrungen mit der katholischen Kirche zu tun hat, "Smile" und "Yr Letter", einem Trennungslied, in das er auch Beyoncés "Irreplacable" einbaute (das übrigens laut Jonah ihre Trennung von Jay Z zugunsten Jonahs untermalen wird), war es Zeit für eine Pause.

Nachdem sich alle mit neuen Getränken (und weiteren leckeren Snacks) versorgt hatten, teilte uns Jonah mit, dass er nun einige Wünsche spielen werde, die ihm via die Gastgeberin zugetragen worden seien. Er nannte sie kurz "Shydeas" - Ideen schüchterner Menschen. Auf den Wunsch "Free" folgte als weiterer Wunschsong "Halo", das Jonah für seine Tochter geschrieben hat, und von dem er erzählte, dass er Zeilen daraus schon in Geburtsanzeigen gelesen habe.


Und so ging es immer weiter, Jonah spielte, erzählte, spielte, erzählte, wechselte gelegentlich vom Stehen singend auf die Knie... bis er irgendwann meinte, dass seine Stimme langsam nicht mehr könne - wobei er nach seiner ersten Bemerkung zu diesem Thema sicher noch fünf Lieder gespielt hat. Dank des immer noch ausgesprochen begeisterten Applauses ließ er sich dann zusätzlich noch zu "Sing" als á capella-Zugabe überreden, dann war Schluss, wobei er nicht vergaß, sich bei den Gastgebern zu bedanken, und zu erwähnen, dass man ja auch sein Konzert in Montabaur in einigen Tagen besuchen könne.

Laut Jonahs Plan wird die Montabaurer Setliste völlig anders ausfallen als diese, da er 8 Millionen Lieder zur Auswahl habe, man kann also gespannt sein. Allerdings würden wir viele der Koblenzer Songs auch gerne noch einmal hören.



Setliste:

Weirdos Like Me
Livin' Small
Simple Life
Bitte ein Kuss
Lukewarm
14 to 41
Mother Mary
Smile
Yr letter / Irreplaceable (What Beyoncé Said To Jay​-​Z When She Left Him For Me)

Free
Halo
Hostage
It's the Skin
Got My List
Better Than Nothing
Every Mistake
This is who I'm gonna be when I grow up
This is the Part
Tides

Sing

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