Selten habe ich eine derart wechselhafte Konzertplanung erlebt wie am letzten Wochenende: Zunächst hatte mein Freund mich beinahe schon ü...

Neulich bei Plan C: a-ha in der Frankfurter Festhalle


Selten habe ich eine derart wechselhafte Konzertplanung erlebt wie am letzten Wochenende: Zunächst hatte mein Freund mich beinahe schon überredet, das Konzert von Radical Face in der Frankfurter Brotfabrik zu besuchen, dann fand er heraus, dass parallel auch Sophia in Köln auftrat. Dieser Konzertbesuch war uns beiden lieber und dann beschlossene Sache, aber leider kauften wir uns nicht sofort mit der Entscheidung Tickets – und als wir das nachholen wollten, war das Konzert bereits ausverkauft.

Mein Freund brachte aber auch noch einen Plan C zustande, und der sah vor, auf eBay nach bezahlbaren Tickets für das a-ha-Konzert in der Frankfurter Festhalle Ausschau zu halten. Tatsächlich hatten sich wohl einige Wiederverkäufer verspekuliert, so dass ein niedriges Preisniveau vorherrschte – und bei einem quasi „zwei Tickets zum Preis von einem“-Angebot war dann auch ich überredet.


Ich habe in meiner Jugend die Musik von a-ha zwar durchaus gemocht, ein leidenschaftlicher Fan war ich aber nie. Erst als der Konzertbesuch bereits feststand und wir zur Vorbereitung Lieder hörten, fiel mir wieder ein, dass ich viel mehr Songs kannte und mochte, als mir im Vorfeld bewusst gewesen war. Völlig vergessen hatte ich beispielsweise, dass ich mir noch im Jahr 2000, also deutlich nach den 80er Jahren, das Comeback-Album „Minor Earth Major Sky“ gekauft und auch für sehr gut befunden hatte. Die Vorfreude stieg.

Wir erreichten die Festhalle recht zeitig und mussten deshalb erst einmal längere Zeit vor der Bühne ausharren, umgeben von einem weitestgehend gleichaltrigen Publikum – hier waren sicherlich die wenigsten - wie ich - bei ihrem ersten a-ha-Konzert. Los ging der musikalische Teil des Abends aber zunächst mit Marcel Brell, einem Berliner Sänger, der nach eigenen Angaben bei seinem letzten Frankfurt-Besuch noch im winzigen Nachtleben aufgetreten war.


Der Musiker trug mit seiner zweiköpfigen Band ausgesprochen harmlose Popmusik vor, die mich beinahe sehnsüchtig an den nervigen Dagobert (den ich kürzlich als Vorband von Get Well Soon sah) denken ließ, der in seiner skurrilen Art zumindest nicht langweilig gewesen war. Bei Herrn Brell verstärkte noch sein recht anbiederndes Gebahren, in dem er mehrfach Frankfurt und natürlich die Hauptband und deren Publikum lobte, den negativen Eindruck. Dass er dann auch noch Wechselgesangsspielchen machen wollte, kostete uns endgültig den letzten Nerv. So etwas ist auch bei einer Hauptband nur gerade so tolerierbar. Zum Glück war das Ganze zumindest recht schnell vorbei und kam auch bei anderen Zuschauern besser an als bei uns.


Zeit für a-ha also, die vier Zusatzmusiker dabei hatten – drei Männer spielten Keyboard, Bass und Schlagzeug, die Sängerin Anneli Drecker sang eigentlich überall mit und hopste fröhlich herum, übernahm aber in einigen Liedern auch ganze Gesangsparts.

Nach den Begleitmusikern erschien auch die Band und war, wenn auch natürlich gealtert, durchaus mühelos als a-ha erkennbar. Alle drei trugen Lederjacken, die sie temperaturbedingt nach kurzer Zeit ablegen mussten, Pål behielt aber zumindest seine Mütze auf. Morten Harket sang die ersten Songs mit Sonnenbrille, nahm diese dann ab und wechselte prompt zu einer normalen, die er sicherlich benötigte, um die via Teleprompter zu seinen Füßen sichtbaren Texte zu entziffern – man wird eben nicht jünger.


Nach den ersten beiden Liedern, dem tollen „I've Been Losing You“ und dem schon immer doofen „Cry Wolf”, beide vom Album „Scoundrel Days“, das mit insgesamt fünf Liedern den größten Anteil an der Setliste stellte, erfolgte dann auch eine Begrüßung - allerdings nicht durch Morten sondern durch Magne, der auch sonst am meisten sprach. Er kann zum einen ein bisschen Deutsch, zum anderen hatte er sich offenbar extra über Frankfurter Gepflogenheiten informiert und begrüßte uns durchaus korrekt mit „Ei Gude, wie?“

Bei „Stay on these roads“ musste ich – und sicherlich auch die Band – daran denken, dass a-ha eben diesen Song bei der Trauerfreier für die Opfer des norwegischen Massenmörders Anders Breivik vorgetragen hatte und es dabei sicherlich viele Tränen gab. In Frankfurt blieben die Augen trocken, aber dennoch handelt es sich natürlich um ein sehr schönes Lied.


Mit dem nun folgenden „The Swing of Things“ konnte ich dann deutlich weniger anfangen, aber danach kam zum Glück gleich wieder ein Hit, nämlich „Crying in the rain“, das eigentlich eine Coverversion ist, aber den meisten sicherlich als a-ha-Song bekannt ist. Hier hatte auch Anneli zum ersten Mal einen richtigen Gesangspart, der Song war ein Duett von ihr und Morten.

Vor „We're Looking for the Whales” hatte dann auch endlich Herr Harket etwas zu sagen, nämlich, dass a-ha in ihrer Gründungsphase nach London gegangen seien und damals viele Songs geschrieben und herum probiert hätten, um herauszufinden, welche Art Musik sie machen wollten. Damals sei dieser Song entstanden, und er habe erstmalig das Gefühl gehabt, dass die Band ihren Stil gefunden hätte. Auch das Publikum nahm den Song sehr positiv auf, beinahe, als wäre er eine Single gewesen.


Nach dem Lied war Morten erst einmal von der Bühne verschwunden. Es folgte „Velvet“, das wiederum als Duett mit Anneli dargeboten wurde, allerdings dieses Mal von Pål – der den Song auch ursprünglich mit seiner Zweitband Savoy veröffentlicht hat. Magne wechselte derweil an die Akustikgitarre. Anschließend hatte auch Magne einen Einzelauftritt und sang „Lifelines“, wobei er vorab das Publikum aufgefordert hatte, die Handylampen anzumachen, so dass er in ein Lichtermeer sang. Eine Textzeile änderte er dann auch in „Hier in Frankfurt mit unseren Freunden“.

Das nächste Lied “Here I Stand and Face the Rain” begann zunächst wiederum Anneli, so dass man sich bereits fragen konnte, ob Morten vielleicht bereits nach Hause gefahren war. Er erschien dann aber glücklicherweise in einem frischen T-Shirt und sang das Lied gemeinsam mit ihr weiter.


Die Bühne wies, wie das aktuell bei Konzerten dieser Größenordnung ja Standard ist, etliche Videoleinwände auf, die abwechselnd die Band und Videos zeigten, gelegentlich auch das Publikum. Drei Kameramänner sorgten hierbei für die Livebilder. Zu “Here I Stand and Face the Rain” zeigten plötzlich sämtliche Leinwände Kirchenfenster, was die Bühne quasi in eine Kathedrale verwandelte – ein ziemlich cooler Effekt!

Nach ein paar Fülltiteln, unter anderem einem sehr rockigen „Sycamore Leaves“, war dann Zeit für die Highlights, die man sich strategisch korrekt für das Ende aufgehoben hatte: Nach „Foot of the Mountain” und „Hunting High and Low” endete zwar, nach viel Wechselgesang bei letztgenanntem Lied (Hinweis für Marcel Brell: als Hauptband darf man das!), der Hauptteil des Konzertes, aber es gab natürlich auch Zugaben.


Diese begannen mit dem selbstverständlich großartigen „The Sun Always Shines on T.V.“, dann folgte ein an diesem Konzertabend erstaunlich selten vorkommender Song des aktuellen Albums (wir erinnern uns: Die Tournee heißt eigentlich „Cast In Steel Tour“), nämlich ein von Magne als Spezialversion angekündigtes „Under the make-up“, das in einer sehr reduzierten, und so auch hervorragend funktionierenden, Version vorgetragen wurde. Außerdem stellte Magne die zusätzlichen Bandmitglieder sehr liebevoll vor und hatte sich offenbar auch hier jeweils ortstypische Redewendungen beibringen lassen – so war der Schlagzeuger ein Duracell-Häschen und der Bassist trug den Namen „Hammer“.

Als vorerst letztes Lied hörten wir dann a-has Beitrag zum James Bond-Songcanon, „The Living Daylights“ – ein Lied , bei dem mir gar nicht bewusst war, dass es derart beliebt ist, aber die Frankfurter Festhalle war begeistert und sang den Refrain des Liedes, nachdem die Band die Bühne zum zweiten Mal verlassen hatte, weiter.


Natürlich konnten a-ha bei ihrer angeblich wirklich letzten Tournee aber nicht abreisen, ohne „Take on me“ gespielt zu haben, also bekamen wir diesen Song, inklusive Szenen aus dem Video, noch als Rausschmeißer serviert.

Wie schon angedeutet, der Titel „Cast In Steel“ Tour ist eigentlich eine Mogelpackung, denn insgesamt wurden nur drei Songs aus dem aktuellen Album bedacht. Da auch das Debütalbum von 1985 mit vier Liedern vertreten war, wurden die ersten Jahre von a-ha also besonders berücksichtigt. Bis auf das Album „Analogue“ wurden alle weiteren 9 Platten bei der Songauswahl berücksichtigt, gleich sechs Mal in Form der Titelsongs. „Minor Earth Major Sky“ war aber leider nicht dabei.


Vergeblich warteten wir auf Hit-Singles aus der Spätphase der Band, etwa „Summer Moved On“, „Forever Not Yours“ oder „Celice“, stattdessen spielten a-ha einige ungewöhnliche Albumtitel aus früheren Platten: „Here I Stand And Face The Rain“, „The Swing Of Things“ und „Sycamore Leaves“ hätte man vorab sicherlich nicht unbedingt erwartet.

Mein Freund, der a-ha vor 25 Jahren an gleicher Stelle gesehen hatte, kam somit zu dem überraschenden Fazit, dass 11 von 21 Liedern damals auch gespielt worden waren (nur die damals reichlich vorhandenen selbstgemalten Plakate vermisste er dieses Mal). Aber nachdem a-ha ja nun anscheinend endgültig vorhaben, sich zur Ruhe zu setzen, sei ihnen vergönnt, dass sie sich die Freiheit nehmen, das zu spielen, nach dem ihnen ist. Ausreichend Hits waren ja dabei.


Setliste:

I've Been Losing You
Cry Wolf
Move to Memphis
Stay on These Roads
The Swing of Things
Cast in Steel
Crying in the Rain
Mother Nature Goes to Heaven
We're Looking for the Whales
Velvet
Lifelines
Here I Stand and Face the Rain
Scoundrel Days
Sycamore Leaves
She's Humming a Tune
Foot of the Mountain
Hunting High and Low

The Sun Always Shines on T.V.
Under the Makeup
The Living Daylights

Take on Me

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Während ich mich auf dem Weg zum Konzert einer Band, die 1984 ihre erste Single veröffentlicht hat, befinde, kommt im Sendeschluss ein K...

Sendeschluss: Dirk Darmstaedter - Pop Guitars



Während ich mich auf dem Weg zum Konzert einer Band, die 1984 ihre erste Single veröffentlicht hat, befinde, kommt im Sendeschluss ein Künstler daher, dessen erste Platte 1988 in den Läden stand.

Tatsächlich führte mich der zweite Konzertbesuch meines Lebens in den Kölner Wartesaal zu den Jeremy Days, das dürfte 1989 gewesen sein. Herr Darmstädter hat seitdem ein Plattenlabel gegründet und auch eine Familie (im Video tritt sein Sohn auf), aber Musik macht er immer noch, unter anderem am 14. Mai in meinem Wohnzimmer!




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Bob Mould kenne ich hauptsächlich als Sänger von Sugar, deren Karriere natürlich schon ein Weilchen her ist. Nachdem sein aktuelles Album...

Sendeschluss: Bob Mould - Hold On


Bob Mould kenne ich hauptsächlich als Sänger von Sugar, deren Karriere natürlich schon ein Weilchen her ist. Nachdem sein aktuelles Album "Patch The Sky" aber sein sechzehntes ist, habe ich da wohl noch einiges nachzuarbeiten.

Als ich das Video zu "Hold On" betrachtete, in dem der Künstler erst missmutig herumläuft, um dann schließlich in einer Schwulenbar Gleichgesinnte zu treffen und sein Lied zu Ende zu singen, fiel mir die sogenannte "Bear Community" ein, der Mould laut Wikipedia auch angehört. Die "Bären" geben sich gerne ausgeprägt männlich, mit Bärten, Körperbehaarung und Bäuchen. Was ich aber noch nicht wusste: Es gibt auch Frauen, die sich der Bear-Gruppe zugehörig fühlen, und die nenne sich anscheinend "Ursulas". Sachen gibt's...




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Nein, keine Sorge. Letztes Jahr gab es hier ja gleich vier Noel Gallagher--Konzertberichte aus Mailand , Düsseldorf , Brüssel und vom B...

Die Noel-Saison 2016: Noel Gallagher im Kölner Palladium


Nein, keine Sorge. Letztes Jahr gab es hier ja gleich vier Noel Gallagher--Konzertberichte aus Mailand, Düsseldorf, Brüssel und vom Best Kept Secret Festival, was mich kurz erwägen ließ, den Blog in "Neulich als ich Noel sah" umzubenennen. Der gute Noel ist zwischenzeitlich immer noch auf derselben Tournee, die seit dem letzten März läuft und bis zum September andauert - bis dahin hat er dann 120 Auftritte gehabt, und mein Freund hat immerhin 5 Prozent davon gesehen. Dieses Jahr werden wir ihn jedoch nur noch einmal live besuchen, und zwar als einen der Headliner des A Summer's Tale Festivals. Das aktuelle Tour"bein" umfasst übrigens nur zwei Auftritte in Deutschland, nämlich neben dem gestrigen in Köln zuvor noch einen in München. Vielleicht deshalb war das Palladium gestern auch ausverkauft.


Vorband waren dieses Mal die Augustines aus New York, die ich passenderweise letzten Sommer bei der ersten Auflage des "A Summer's Tale" gesehen hatte. Bei 34 Grad hatten wir uns auf eine seitlich zur Bühne stehende, überdachte Tribüne geflüchtet, was, so dachte ich damals zumindest, den Sound etwas verzerrte. Gestern zeigte sich allerdings: Auch wenn ich direkt vor ihnen stehe, verstehe ich die Texte der Band quasi nicht. Lediglich bei "Are we alive", das mit genau diesen Worten angekündigt wurde, kann ich mit Sicherheit sagen, dass es gespielt wurde... und ein Lied über New York City.

Der Sänger des Trios, Billy McCarthy, trug einen für die Temperatur des Palladiums unnötigen Mantel und einen Hut, den er bei jedem einzelnen Song verlor und dann vor dem nächsten wieder aufsetzte - ein bisschen war das, als sähe man beim Rodeo zu. Bei dem Lied über New York hielt der Hut sich am längsten "im Sattel" und fiel erst kurz vor Schluss vom Kopf. Wenn McCarthy seine Locken schüttelte, sah man im übrigen auch reichlich Schweißtropfen fliegen, auch der Hut war also keine wirklich praktische Entscheidung.


Die Musik der drei Amerikaner ist mir persönlich viel zu rockig, sie wurde aber sehr inbrünstig und mit viel Gefühl vorgetragen und kam beim Publikum auch durchaus gut an. McCarthy vergaß auch nicht, mindestens viermal zu erwähnen, wie nett es von Noel Gallagher sei, sie als Vorband gewählt zu haben und sagte unter anderem "We are opening for a legend" - das sorgte sicher beim Chef und auch seinem Publikum für zusätzliche Sympathien. Noel scheint aber den Auftritts seines Supports genauso streng terminiert zu haben wie seinen eigenen, er dauerte nämlich exakt von 20 Uhr bis 20 Uhr 30, was eine halbe Stunde Umbaupause und einen pünktlichen Noel Gallagher-Auftritt gewährte.


In der halben Stunde blieb uns Zeit, festzustellen, dass die um uns herum stehenden jungen Männer allesamt sicherlich schon zehn Bier intus hatten und zu Verhaltensauffälligkeiten neigten. Immerhin war es recht unterhaltsam, als einer von ihnen meinen Freund - übrigens ihn siezend - ansprach und fragte, ob er die Namen irgendwelcher Oasis-Mitglieder kenne, die nicht Gallagher hießen. Mein Freund kennt als alter Fan selbstverständlich sämtliche Namen sämtlicher Besetzungsphasen. Gut, dass ich nicht gefragt wurde...


Punkt 21 Uhr war dann also Noel-Zeit. Natürlich begann das Set mit dem Intro "Shoot a Hole Into the Sun", das mit wildem Autohupen anfängt. Auch eine Videoleinwand hatte man wieder dabei. Allerdings ist der Anteil von im Hintergrund zu Liedern gezeigten Filmen im Laufe der Tournee zurück gegangen, außer Sonnenaufgang und Erde bei "Everybody's on the Run", den Neonschildern bei "Riverman", dem Karussell bei "The Death of You and Me" und konfettiartigen Lichtern bei "The Masterplan" zeigt die Leinwand mittlerweile hauptsächlich Noel und die Band, manchmal auch mit Sepiatönung.


Gallagher trug an diesem Abend ein schwarzes Hemd (muss erwähnt werden, schließlich waren seine wechselnden Outfits ein Kernstück der letztjährigen Berichterstattung) und begrüßte uns erst nach dem dritten Lied. Er behauptete, gerne wieder in Köln zu sein - nachdem ihm Höflichkeitsfloskeln ja eher fremd sind, dürfte das auch gestimmt haben. Ansonsten bot die Gallagher-Kommunikation genau das, was man von dem Künstler erwartet. Man fragt sich ein wenig, ob ihm selbst seine Ruppigkeit und zur Schau getragene Arroganz nicht irgendwann auf die Nerven geht. Wenn ja, ist es aktuell wohl noch nicht so weit. So wies er ein Publikumsmitglied nach einem für uns nicht hörbaren Einwand mit den Worten "I can't hear you because your mouth is full of shit" zurecht, dann stritt er mit derselben oder auch einer anderen Person weiter und bestätigte "Yes, I'm the best. Just say it. Not one of the best. The. Best. Don't be modest."


Vor der alten Oasis B-Seite "Half the world away", das ich mittlerweile seit dessen Verwendung in der John Lewis-Weihnachtswerbung vom vergangenen Jahr als Aurora-Cover wahrnehme, erklärte Noel, er habe diesen Song mit 22 geschrieben. Auch nun reagierte irgendjemand im Publikum, er fragte die Person, wie alt sie sei und antwortete "20? Then you still have time." Um ein ähnliches Meisterwerk zu vollbringen, nimmt man an.

Auch der Abschied fiel bittersüß aus: Noel erklärte, der Abend in Köln habe ihm Spaß gemacht und bedanke sich beim Publikum, erklärte aber gleich anschließend: "And if you see me tomorrow, don't ask me to be in your stupid photos". Nachdem heute in Köln Record Store Day ist, verbringt Noel seinen freien Tag also vielleicht dort und beschimpft Leute, die ihn gut finden. So richtig böse kann man ihm deshalb nicht sein, irgendwie ist das eben sein Image, dem er gerecht wird.


Ich habe noch fast nichts zur Musik geschrieben, und nach zig Berichten ist es natürlich auch schwierig, hier noch neue Worte zu finden.  Die Setliste hat sich seit dem letzten Jahr deutlich verändert. Statt damals fünf sind nun sage und schreibe zehn Oasis-Lieder im Liveprogramm, genauso viele wie Noel Gallagher-Solo-Songs - und bei diesen stammen vier vom ersten und sechs vom zweiten Album. Bezüglich der Oasis-Lieder kann man Noel aber schwerlich den Vorwurf machen, er ruhe sich auf den alten Hits aus, denn es sind nur zweieinhalb Singles ("Champagne Supernova" zähle ich wegen dessen Single-Veröffentlichung in Australien als halbe), der Rest ist eher in die Kategorie "obskur" einzuordnen, etwa das nur auf der Vinylversion von "Definitely Maybe" veröffentlichte "Sad Song", oder eine Vielzahl an Single-B-Seiten (etwa "D'Yer Wanna Be a Spaceman?", "Listen Up" oder "Talk Tonight"). Akustische oder beinahe akustische Darbietungen von Songs (wofür sich "Sad Song" oder auch "Talk Tonight" beispielsweise angeboten hätte) gab es gestern Abend, im Gegensatz zu früheren Auftritten, aber nicht.


Was es an diesem Abend auch nicht gab, war eine Bandvorstellung der High Flying Birds. Deren Gitarrist durfte aber immerhin sämtliche Soli spielen und war sichtlich gut gelaunt. Dies trifft sicherlich auch auf das Publikum zu, und würde man versuchen, die Highlights des Abends zu benennen, so wären dies vermutlich drei Dreierpacks: der rockige Opener mit "Everybody's on the Run", "Lock All the Doors" und "In the Heat of the Moment", sowie der Abschluss des Hauptsets mit den lautstark mitgesungenen"If I Had a Gun..." und "The Masterplan", sowie, für mich immer noch unverständlich, "Digsy's Dinner". Letzter Höhepunkt ist selbstverständlich der Zugabenblock, in dem Noel neben "AKA... What a Life!" die Oasis-Klassiker "Wonderwall" und "Don't Look Back in Anger" spielte - wobei insbesondere letzteres wieder begeistert mitgesungen wurde.

Für häufige Noel Gallagher-Besucher wie meinen Freund waren die Höhepunkte eher "Talk Tonight" und "Sad Song" (letzteres in einer ungewöhnlich schnellen Version gespielt), da man diese nur selten live zu hören bekommt. Dass man mehrere Konzerte seines Lieblingssängers besucht und dafür sogar ins Ausland reist, ist natürlich nicht für jeden selbstverständlich. Als wir nach dem Konzert das Palladium verließen, hörte ich anlässlich der vielen anwesenden Briten eine Frau zu ihrem Begleiter sagen: "Vielleicht tritt Noel Gallagher ja in England gar nicht auf, dann müssen die ja hierher reisen." Wenn die wüsste...



Setliste:

Intro: Shoot a Hole Into the Sun

Everybody's on the Run
Lock All the Doors
In the Heat of the Moment
Riverman
Talk Tonight
The Death of You and Me
You Know We Can't Go Back
Champagne Supernova
Ballad of the Mighty I
Sad Song
D'Yer Wanna Be a Spaceman?
The Mexican
Half the World Away
Listen Up
If I Had a Gun...
Digsy's Dinner
The Masterplan

Wonderwall
AKA... What a Life!
Don't Look Back in Anger

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Am Sonntag habe ich einen neuen Ground gemacht. Was, das geht nur bei Fußballspielen? Glaube ich nicht, wäre zumindest schade. Die betr...

Neulich in den Schulferien: The Lake Poets im Wiesbadener Walhalla


Am Sonntag habe ich einen neuen Ground gemacht. Was, das geht nur bei Fußballspielen? Glaube ich nicht, wäre zumindest schade.

Die betreffende neue Konzert-Location heißt „Walhalla“, es handelt sich aber nicht etwa um einen mit Büsten vollgestellten Tempel bei Regensburg und schon gar nicht den Himmel der Germanen, sondern ein 1897 im Neobarockstil erbautes Haus in Wiesbaden. Das Gebäude hat im Laufe der Jahre als Veranstaltungsort verschiedene Aufgaben erfüllt, so befindet sich im Keller ein Kino und im ersten Stock ein – nicht benutzbarer – Ballsaal.


„Nicht benutzbar“ ist in diesem Kontext leider auch eine generell naheliegende Formulierung, denn das durchaus beeindruckende Gebäude mit Stuck und Spiegeln ist in einem erbärmlichen Zustand. Teils sieht man Feuchtigkeit am palast-ähnlich wirkenden Dekor, die Fenster sind abgehängt, damit kein Tageslicht mehr eindringen kann, und an manchen Stellen haben die Wände schon richtige Löcher. Für eine Sanierung wären mindestens 12 Millionen Euro erforderlich, und anscheinend findet sich niemand, der diese ausgeben möchte.


Geschlossen ist das Gebäude trotz der Schäden nicht, es bietet ein recht bunt gemischtes Kulturprogramm, das aus Weltmusik, Swing, Theater und Konzerten besteht und im relativ kleinen „Spiegelsaal“ stattfindet. Dieser enthält neben den namengebenden Spiegeln auch einen gewaltigen Kronleuchter, unter dem ich wegen des Gebäudezustandes lieber nicht sitzen wollte. Wer weiß schon, wie lange die Decke, an der er befestigt ist, noch hält? Der Saal ist bestuhlt, am Sonntag gab es auch kleine Tische für die Getränke.


Wir waren angereist, um ein Konzert des englischen Sängers The Lake Poets zu besuchen, aber zunächst bestieg dessen ebenfalls aus einer Person bestehende Vorband We Were Strangers die Bühne. Dabei handelt es sich um den Bandnamen von Stefan Melbourne aus Manchester, der laut eigenen Angeben etwas neben sich stand, weil die Band erst 15 Minuten vor Auftrittsbeginn aus Husum angereist war. Er war quasi direkt aus dem Auto auf die Bühne geklettert, fing sich aber recht schnell und war dann recht angetan von Location und Publikum (weil letzteres ruhig und aufmerksam war).


Melbourne spielte acht Songs, zu denen er sich selbst auf der Gitarre begleitete. Einer hieß vermutlich „Castaway“ und handelte von der Liebe und Schiffbruch (weil er Liebe und Schiffe mag), ein weiterer hieß „The ballad of Jojo Burn“ und war davon inspiriert, dass ihm ein Fremder in Manchester an der Bushaltestelle seine Lebensgeschichte erzählt hatte. Außerdem gab es noch ein Lied, das als „Daylight“ angekündigt wurde und eines über Melbournes Bruder, der laut ihm ein Idiot ist. Für letzteres stöpselte er seine Gitarre aus und spielte „unplugged“. Mit einem Song wagte er sich stilistisch in die Blues-Kategorie, die anderen blieben im von uns präferierten Singer-Songwriter-Genre.


Der Auftritt des müden, aber gut gelaunten und charmanten Sängers (der im Rahmen der Tour Deutsch gelernt hat, nämlich „Prost“ und „Dankeschön“) ging schnell vorbei, er verabschiedte sich mit einer Ankündigung von The Lake Poets ("It'll blow your mind. But in a good way!"), dann warteten wir gespannt auf den Hauptact.

Dieser hatte quasi dasselbe Setup, war also ebenfalls allein mit der Gitarre auf der Bühne, allerdings hatte er noch eine zweite Gitarre und wechselte manchmal.

Auch Martin Longstaff war zwischen seinen Liedern recht gesprächig, und so wissen wir jetzt, dass er die Tour quasi als Urlaub macht und in seinem echten Leben Lehrer ist. Außerdem ist er seit kurzem verlobt und war schon früher einmal in Deutschland unterwegs, beispielsweise in Mainz, wobei sein Deutsch-Wortschatz dem seiner Vorband entspricht.


The Lake Poets hat letztes Jahr sein erstes Album veröffentlicht, das er in Nashville aufgenommen hat und in der erst kürzlich erschienenen Vinylversion dabei hatte. Angeblich bereute er, sich für eine schwere Vinylvariante entschieden zu haben, bei der auch noch als Extraplatte ein Live-Album dabei ist, weil sein Reisegepäck nun so schwer sei. Aber ich denke, dass kann man auch als Verkaufstrick verstehen…

Alle gespielten Lieder bis auf vier stammten dann auch von besagtem Album, und zu den meisten weiß ich jetzt genau, wovon sie handeln. In „Friends“ geht es beispielsweise um einen Bekannten von der Universität, der Longstaff offenbar nicht leiden konnte, die offene Konfrontation aber stets vermied. „Edinburgh“, das in einer gerechten Welt ein großer Hit wäre, handelt vom Streit eines Paars in einer Bar der gleichnamigen Stadt – die er sehr mag, in der es laut ihm aber auch nicht sonderlich schwierig ist, in einen Kneipenstreit zu geraten.

Zu Beginn des Konzertes hatte Longstaff gesagt, es werde nur traurige Songs zu hören geben, und vielfach traf das zu. In „1996“ geht es um einen verstorbenen Freund, anschließend folgte ein Cover des Liedes „Short term Long term“ der sicherlich mit ihm befreundeten Band This aint Vegas. In „To the lighthouse” thematisiert Longstaff seine angebliche Neigung, bei Parties betrunken Frauen anzuquatschen und diese mit seinen nicht vorhandenen Literaturkenntnissen beeindrucken zu wollen. Er versicherte aber, den gleichnamigen Roman von Virginia Woolf tatsächlich zu kennen.


Danach folgten zwei weitere traurige Lieder: In „Black and blue“ thematisiert er ein Erlebnis als Lehrer, bei dem er entdeckte, dass eine seiner Schülerinnen daheim geschlagen wird, ohne, dass jemand etwas dagegen unternommen hätte. „North View“ dreht sich um seine kürzlich verstorbene Großmutter, die ihr Leben lang fröhlich und von Menschen umgeben war, aber zuletzt an Alzheimer litt und sich sehr einsam und ängstlich fühlte. Mit „Your Face“ kehrten wir dann wieder in glücklichere Gefilde zurück, es entstand während seiner Plattenaufnahmen in Nashville. „See you tonight“ ist ein Trostlied an seine Verlobte, die eine Weile lang an ihrem Arbeitsplatz gemobbt wurde. Eigentlich wollte er den betreffenden Kollegen verprügeln, musste sich dann aber damit begnügen, seine Gefühle in dem Song zu verarbeiten.

Bei „Dead Horses“ und „Shipyards“ weiß ich leider nicht, worum es im Text genau geht, aber bei erstgenanntem wurde das Publikum aufgefordert, mitzusingen – was auch viele taten, allerdings nur wenige in der an und für sich vorgegebenen Falsetthöhe.

Eine Zugabe bekamen wir nach dem offiziellen Konzertende und viel Applaus dann auch noch zu hören, dann konnten Interessierte noch die erwähnten schweren Vinylplatten erwerben, was mein Freund sich natürlich nicht zweimal sagen ließ - oder auch die leichtere CD von We Were Strangers. Uns hat der Auftritt von The Lake Poets sehr gut gefallen, und auf dem Heimweg musste ich mir vorwerfen lassen, einen Wohnzimmerauftritt des Künstlers bei uns Zuhause (den man mit Blick auf den Tourplan eventuell hätte arrangieren können) aus Zeitgründen abgelehnt zu haben. Aber vielleicht klappt es ja dennoch irgendwann.

Zum Walhalla bleibt zu sagen, dass dem Gebäude wirklich zu wünschen wäre, dass sich ein Investor findet. Die Konzertatmosphäre war auch im unrenovierten Zustand sehr angenehm und besonders. Ich würde hier gerne wieder einmal ein Konzert besuchen - nur unter dem Kronleuchter möchte ich auch dann nicht sitzen.



Setliste:

Windowsill
Rain
Friends
Edinburgh
1996
Short term long term
To the lighthouse
Black and blue
North View
Your face
See you tonight
Dead horses
Shipyards

How do you love me

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Die Grazer Band Farewell Dear Ghost hat aktuell einen Lauf: Zum einen wird man Nada Surf auf deren gesamter Europa-Tournee als Support be...

Sendeschluss: Farewell Dear Ghost - All Of Me


Die Grazer Band Farewell Dear Ghost hat aktuell einen Lauf: Zum einen wird man Nada Surf auf deren gesamter Europa-Tournee als Support begleiten, zum anderen wird ihr Lied "Fade Out" in einem Werbespot von T-Mobile verwendet.

Das aktuelle Video zu "All of Me" zeigt zudem mit (relativ) einfachen Mitteln originelle Bilder, und das Lied ist auch eingängig. Alles richtig gemacht.

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Weiterhin gebe ich mein Geld hauptsächlich für Katzendiätfutter, Katzenstreu und Müllsäcke aus, ohne dass ein baldiges Ende zu erwarten wär...

Gekauft: März 2016

Weiterhin gebe ich mein Geld hauptsächlich für Katzendiätfutter, Katzenstreu und Müllsäcke aus, ohne dass ein baldiges Ende zu erwarten wäre. Da sehnt man sich natürlich nach einen Ausgleich, und tatsächlich habe ich im März relativ viel geshoppt.

Die Tatsache, dass es das Label Marc by Marc Jacobs nicht mehr gibt, ich dessen Taschen aber immer sehr schön fand, ließ mich zunächst im Sale quasi auf den letzten Drücker eine Tasche bestellen - die mir beim Auspacken dann aber doch nicht gefiel und zurückgeschickt wurde. Nachdem die Taschensehnsucht dann aber schon geweckt war, kaufte ich wenige Tage nach der Enttäuschung einfach eine andere - wobei ich nicht glaube, dass Calvin Klein in näherer Zukunft seine Arbeit niederlegt.

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Diese Woche sah ich das jüngste Staffelfinale von The Walking Dead, aber da war esvbereits April. Im März sah ich etwas ähnlich Nervenau...

Gesehen: März 2016


Diese Woche sah ich das jüngste Staffelfinale von The Walking Dead, aber da war esvbereits April. Im März sah ich etwas ähnlich Nervenaufreibendes und Magenaufwühlendes, nämlich die zweite Staffel der Jahrhundertwende-Krankenhausserie The Knick.

Ich kann diese Serie kaum genug loben. Ähnlich wie bei Mad Men gelingt es den Machern (in diesem Fall Steven Soderbergh, der bei allen Folgen Regie führte), dass man als Zuschauer die meisten Figuren nicht wirklich mag, aber dennoch an ihrem Schicksal interessiert ist - weil sie Opfer ihrer Zeit und ihrer Umstände sind. Eine Ausnahme bildet hier nur der Krankenhauschef Mr. Barrow, dem man nur alles Schlechte wünschen kann - und eine weitere Figur entpuppt sich im Rahmen der 2. Staffel als abgrundtief böse, aber das wäre zu viel verraten. Im übrigens bleiben auch die gebotenen Einblicke in die (reale) Geschichte der Medizin gleichermaßen faszinierend wie erschütternd.


Eine dritte Staffel wird es wahrscheinlich nicht geben, denn sowohl Steven Soderbergh als auch Hauptdarsteller Clive Owens haben das Projekt verlassen, hinzu kommt, dass der Bezahlsender Cinemax, der die Serie produziert, anscheinend nicht gerade weit verbreitet ist. Aber egal: Das Ende der zweiten Staffel reicht auch als Serienende, und man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist.

Der Serie wären wirklich mehr Zuschauer zu wünschen, denn The Knick bietet in seinem Finale einen der spektakulärsten Serientode aller Zeiten, der sicherlich mindestens genauso diskussionswürdig ist wie der neustes Walking Dead-Cliffhanger.

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Mein fertig gelesenes Buch des Monats März war Magisterium # 2 - Der kupferne Handschuh von Holly Black und Cassandra Clare. Im Dezember...

Gelesen: März 2016


Mein fertig gelesenes Buch des Monats März war Magisterium # 2 - Der kupferne Handschuh von Holly Black und Cassandra Clare. Im Dezember hatte ich bereits über den ersten Band der Reihe geschrieben, und im Grunde kann man über die Fortsetzung annähernd dasselbe sagen: Wiederum lässt es sich beim Lesen nicht vermeiden, dass einem immer wieder Harry Potter einfällt, allerdings ist die Handlung dann doch so eigenständig, dass sich das Buch dennoch spannend liest.

Kurz zum Inhalt: Callum Hunt, der "Harry" dieser Reihe, ist mittlerweile ein glücklicher und überzeugter Schüler des Magisteriums, während sein Vater, zu dem er in den Schulferien zurückkehrt, nach wie vor darauf drängt, dass er der Magie entsagt und die Schule verlässt - was letztlich zu einem eskalierenden Streit führt.

Nach Callums Rückkehr an die Schule wird er weiterhin von einer Enthüllung aus seinem ersten Schuljahr verfolgt und bricht schließlich trotz Streit und gegen die Schulregeln auf, um seinen Vater zu retten.

Vielmehr habe ich zu dem Buch nicht zu sagen, und es ist zweifellos ein Jugendroman - dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass ich die weiteren Teile (wie viele mögen wohl noch kommen?) ebenfalls lese.

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Aktuell besteht in meinem Umfeld die Tendenz, dass sich Freunde und Bekannte, die eigentlich nicht professionell im musikalischen Umfeld ...

Neulich beim musikalischen Quartett: 10 Jahre Sublime im Regensburger Leeren Beutel


Aktuell besteht in meinem Umfeld die Tendenz, dass sich Freunde und Bekannte, die eigentlich nicht professionell im musikalischen Umfeld tätig sind, zu Veranstaltern erklären – nicht, um damit Geld zu verdienen, sondern einfach, um Events zu organisieren, an denen man selbst gerne teilnehmen möchte, und die es in dieser Form noch nicht gibt. Ich selbst mache auch kleine Schritte in diese Richtung, immerhin haben bei mir Zuhause schon sieben Konzerte stattgefunden.

Die Kollegen von Sublime können angesichts dieser Zahl sicherlich nur müde lächeln. Vor zehn Jahren beschloss eine Gruppe von Freunden aus Regensburg, Parties mit Shoegaze, Noisepop, Dreampop und New Wave Musik zu veranstalten, die sie selbst gerne beim Ausgehen hören wollten. Schon früh kamen auch Bandauftritte dazu, bald wurde ein Verein gegründet und im Jahr 2011 wurde der Kulturförderpreis der Stadt Regensburg abgestaubt – all das in der Freizeit neben dem Berufsleben.


Nach  mittlerweile 70 Parties, 44 Bands und sechs Feuerwehreinsätzen (der Rauchmelder der Haupt-Party-Location mag keinen Nebelmaschinennebel) war am letzten Wochenende Zeit für das zehnjährige Jubiläum. Für den Freitag wollte man den zahlreichen bereits veranstalteten Konzerten noch eins draufsetzen und buchte gleich vier Bands – eine Art Mini-Festival. Mit von der Partie waren die Österreicher Crystal Soda Cream, die Italiener Schonwald, die Belgier The Spectors und die Briten Spotlight Kid. Sie alle traten am Freitag auf, am Samstag folgte eine Party und am Sonntag für alle, die noch konnten, ein Shoegaze-Filmnachmittag. Wer den Vorverkauf nutzte, erhielt zudem noch ein selbst gestaltetes Quartett, das die beliebtesten Musiker der Partyreihe zeigt und hinsichtlich Gründungsjahr, Fanzahl, Noise-Faktor und Sublime-Tauglichkeit einordnet.

Zugegebenermaßen hatte ich schon längere Zeit keine Sublime-Party mehr besucht, was nicht unwesentlich damit zu tun hat, dass ich mehr als 400 Kilometer vom Veranstaltungsort entfernt wohne. Fürs Jubiläum nahmen mein Freund und ich aber die lange Anfahrt auf uns und fuhren am Freitagmittag prompt von einem Stau in den nächsten, so dass sich die ursprünglich auf vier Stunden geschätzte Reisezeit auf knapp sechs hinzog. Immerhin ließ das ausreichend Zeit, um sich gespielt doofe Festival-Fragen an die Veranstalter auszudenken („Welche Farbe hat denn das Festivalbändchen?“ „Wo ist denn der Zeltplatz?“ usw.), die wir aber dann in Erwartung, dass diese auch ohne unsere Witze gestresst genug sein dürften, nicht stellten.


Als wir nach einem Besuch bei meinen Eltern den Leeren Beutel, wo das gesamte Jubiläum stattfand, erreichten, war noch nicht sonderlich viel los, und es dauerte auch noch eine gute Stunde, bis die erste Band die Bühne erklomm. Vorab erlangten wir wichtige Insiderkenntnisse, etwa, dass auch die Bands im Stau gestanden hatten, dass der Leere Beutel unsere Freunde damit  überrascht hatte, dass der Konzertsaal frisch gestrichen worden und das Mobiliar komplett umgestellt worden war und dass man zur Überraschung aller für den kommenden Nachmittag noch einen Ärztekongress für denselben Raum gebucht hatte, so dass meine Freunde zwischen dem Konzert und der Party des kommenden Abends den Saal komplett räumen mussten.

Den Reigen eröffneten Crystal Soda Cream, die aus drei jungen Österreichern, Theresa, Sebastian und Philipp, bestehen. Ihre Musik erinnerte stark an The Cure, wies aber auch Einflüsse von Joy Division und Birthday Party auf. Im Unterschied zu diesen Vorbildern greift die Band aber zum Teil auf deutsche Texte zurück, was uns mitten im Set dann doch überraschte.


Wir konnten trotz dunkler Bühne und reichlich Nebel zwar einen Blick auf die Setliste erhaschen, aber die meisten der auf der Liste abgekürzten Titel ließen sich für uns dennoch nicht zuordnen. Vermutlich stammten viele vom demnächst erscheinenden zweiten Album „Work & Velocity“.

Nach Ende des Sets wurde kurz hinter der Bühne beratschlagt und das Einverständnis der Veranstalter eingeholt, dann gab es noch ein uns unbekanntes Zugabe-Lied.

Setliste: 

Ex. Corps
Com. Contr.
Work & Velocity
Past Aggression
September
Boring Rain
Schlag zu
Rationale Arbeitsschritte
Escape from Vienna
Saurer H.

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Als nächstes kam das italienische Duo Schonwald auf die Bühne, bei dem Alessandra Gismondi Keyboard spielt und singt und ihr Kollege Luca Bandini sie auf der Gitarre begleitet. Das auf der Bühne noch vorhandene Schlagzeug wurde für den Auftritt extra abgehangen, hier kamen die Beats aus dem Rechner.

Den Sublime-Machern fiel das Duo wohl ursprünglich durch dessen Coverversion von The Cures „A Forest“ auf – diese wurde am Freitag aber leider nicht gespielt. Was sonst gespielt wurde, konnten wir jedoch nicht in Erfahrungen bringen. Ansagen blieben aus, ein Lied schloss sich fast nahtlos ans vorherige an und klang auch so ähnlich. Bei der musikalischen Mischung aus Postpunk, Dark Wave und EBM kamen zumindest die im Publikum anwesenden Gothics, wie auch bei Crystal Soda Cream, voll auf ihre Kosten. Auch Schonwald gaben noch eine Zugabe zum Besten.


Weiter ging es nun mit einem deutlichen Stilwechsel und der Band The Spectors aus Belgien. Alle fünf Mitglieder wirkten extrem jung, vor allem die beiden männlichen, bei denen ich mich ernsthaft fragte, ob sie schon legal Bier trinken durften. Tatsächlich handelte es sich bei dem Sublime-Auftritt um den ersten der Band in Deutschland überhaupt, und sieben der gespielten Songs feierten an diesem Abend ihre Live-Premiere.

Dass die Band die Welt wohl noch nicht allzu ausführlich bereist hat, zeigte sich auch in Sängerin Marieke Hutsebrauts Verwunderung darüber, dass deutsche Mineralwasserflaschen nicht demselben Farbkonzept bezüglich „mit oder ohne Kohlensäure“ folgen, wie das belgische tun.

Eine brandneue Band sind The Spectors dennoch nicht, sie veröffentlichen bereits seit 2014 Songs. Das Set begann mit einem Twin Peaks-Intrumentalsong und enthielt anschließend viel Gitarrenpop mit Einflüssen aus den 60ern, teils auch mit Shoegaze-Anklängen.


The Spectors spielten mit „Like Sand“ nur einen Song von ihrem 2015 erschienenen Album „Light Stays Close“. Ihre neueste Veröffentlichung ist eine zum Record Store Day im April erscheinende Doppelsingle mit den Liedern „Clyde & Bonnie“ und „Sharknado“, diese wurde selbstverständlich ebenfalls performt – wobei sich „Sharknado“ als ein sehr rockiges Beinahe-Instrumentalstück mit viel Geschrei entpuppte.

Vor dem letzten Song „Nico“ wurden wir offenbar völlig unironisch gefragt, ob wir schon einmal von der deutschen Velvet Underground-Sängerin gehört hätten, diese sei sehr cool gewesen. Eine Zugabe hatte das Quintett, das mir musikalisch gut gefiel, leider nicht mehr parat.

Setliste:

Laura Palmer's Theme
Going Down
Dorothy
Shitday
Only You
Dig
Sleep Like A Rose
October Song
Sharknado
Clyde & Bonnie
Like Sand
Nico


Nun war es Zeit für den „Hauptact“ Spotlight Kid, eine Band aus Nottingham, die sich aktuell eigentlich in einer Schaffenspause befindet, aber im April eine Handvoll Konzerte spielt. Das erklärt vielleicht auch den Umstand, dass auf Wikipedia und Facebook von einem Quintett die Rede ist, in Regensburg aber vier Personen auftraten. Ein Bandmitglied pausiert anscheinend noch ein bisschen länger...

Sieben der gespielten Lieder stammten vom bislang letzten Album der Band, „Ten Thousand Hours“ von 2014, der Rest war älter, „Forget Yourself In Me“ und „Seefeel“ sogar von 2011.


Die Musik von Spotlight Kid, die an Spaceman 3, Lush und Swervedriver erinnert, passt genau ins Sublime-Konzept und gefiel mir sehr gut – dabei kannte ich die Band vorab überhaupt nicht. Einen Beitrag zum guten Gesamteindruck leistete sicherlich auch die bei allen Bandmitgliedern vorhandene gute Laune und offen gezeigte Dankbarkeit gegenüber Sublime. Nur dass Gitarrist Rob McCleary meinte, beim 20jährigen Sublime-Jubiläum werde er sicher nicht mehr leben, klang ein wenig besorgniserregend. Zumindest aktuell scheint die Band aber noch topfit zu sein, denn während wir uns zum Ende des Sets angesichts eines sich auf Zwei zubewegenden Uhrzeigers schon auf unsere Betten freuten, kündigten Spotlight Kid an, noch ausgehen zu wollen. Deshalb war wohl auch leider keine Zeit für eine Zugabe.


Setliste:

Intro
Sugar Pills
I'll Do Anything
Budge Up
Seefeel
A Minor Character
Can't Let Go (This Feeling)
Forget Yourself In Me
Plan Comes Apart
Haunting Me
Disaster Tourist


Der erste Abend des Sublime-Jubiläums wies also sowohl Band-Quartette als auch ein Quartett von Bands auf. Unser „Top Trump“ des Abends waren ganz klar Spotlight Kid. Das recht breite Musikspektrum brachte unter anderem auch einen der Regensburger Bürgermeister zum Tanzen, was hoffen lässt, dass die nun anstehende Pause der Veranstalter eine zeitlich begrenzte ist.


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