Im Februar habe ich nur ein einziges Buch geschafft, und zwar The Widow von Fiona Barton - ich konsumierte die Hörbuch-Version, die von Cla...

Gelesen: Februar 2017

Im Februar habe ich nur ein einziges Buch geschafft, und zwar The Widow von Fiona Barton - ich konsumierte die Hörbuch-Version, die von Clare Corbett vorgelesen wird.

The Widow ist eines dieser Bücher, die in Kielwasser der Bestseller Gone Girl und The Girl on the Train sehr aggressiv als der nächste große Thriller-Hit vermarktet werden. Tatsächlich ist es momentan beim Betrachten des Krimistapels in den Buchhandlungen des Frankfurter Hauptbahnhofs so, dass gefühlt jedes zweite Buch ein "Girl" im Titel trägt. Zumindest für den Verzicht auf diese Titelangleichung dafür muss man The Widow also dankbar sein.


Die Autorin des Romans, Fiona Barton, war viele Jahre als Journalistin tätig und erklärt bereits im Vorwort, dass ihr Beruf sie zu diesem Roman inspiriert habe: Beim Berichten über bekannte Verbrechen oder Unglücke habe sie sich oft gefragt, wie es denen ergehe, die sich eher am Rande des Geschehens wiederfanden, etwa den Ehefrauen von vermeintlichen Mördern: Wussten sie Bescheid? Hatten sie keine Ahnung? Wie mochte es sein, sich in einer solchen Situation wieder zu finden?

Genau davon handelt dann auch der Roman: Auf mehreren Zeitebenen erfährt der Leser (oder auch Hörer) wie Jean Taylor, Ehefrau des potenziellen Kindesentführers und -mörders Glen Taylor, durchs Leben geht: Ein Erzählungsstrang beschäftigt sich mit der Entführung, der Verdächtigung und dem nachfolgenden Prozess, ein weiterer zeigt Jean Jahre später nach Glens plötzlichem Tod. Außerdem gibt es mehrere Erzählperspektiven: Die der Witwe selbst, die des Polizisten, der das Verbrechen untersucht und die einer Journalistin, die damals über das Verschwinden des Kindes berichtete und sich nun ein Interview mit Jean gesichert hat.

Spannend ist das Ganze schon, aber nach der Lektüre blieb ich mit dem Eindruck zurück, dass der Roman letztlich nicht viel zu enthüllen hatte. Sehr gut gefielen mir nur die Szenen, in denen es um die Journalistin ging: Hier merkt man, dass die Autorin sich mit dem auskennt, über das sie schreibt, und erhält interessante Einblicke in ein Berufsleben zwischen Sensationsgier und echtem Mitleid mit den Beteiligten.

Clare Corbett liest an und für sich gut vor, mit ihrer Darstellung der männlichen Charaktere hatte ich aber meine Probleme: Sie gab der Versuchung nach, ihre Stimme für diese zu senken, was ich stets als extrem albern empfinde.

Fazit: The Widow ist nicht wirklich schlecht und auch kein Plagiat seiner Vorbilder. Deren Qualität erreicht das Buch aber leider ebenfalls nicht.

0 Kommentare: