Schon vor einigen Jahren nutzte ich einen meiner Monatsrückblicke, um begeistert über den Podcast "Serial" zu berichten : Da...

Podcasts erzählen Geschichten (1): Von Serial zu S-Town


Schon vor einigen Jahren nutzte ich einen meiner Monatsrückblicke, um begeistert über den Podcast "Serial" zu berichten: Darin erzählt die Jounalistin Sarah Koenig über zwölf Folgen hinweg die wahre Geschichte eines Mordes in Baltimore. Die Ereignisse selbst sind höchst spannend und der exzellente Bericht darüber löste eine Welle ähnlicher Podcasts aus, die wie "Serial" das Medium nutzen, um einen durchaus spannenden Sachverhalt darzustellen, der sonst vermutlich keine öffentliche Plattform erhalten würde. Die Hörer können von Folge zu Folge mitfiebern, und nicht selten steht bei der Veröffentlichung der ersten Folgen noch gar nicht fest, worauf genau die "Handlung", es handelt sich ja immerhin um die Realität, hinausläuft.

Während die erste Staffel von "Serial" relativ ratlos endete - die Journalistin fasst die Erkenntnisse der früheren Folgen zum Ablauf des Mordes zusammen und kam zu der Erkenntnis, dass die Geschichte überaus rätselhaft, aber nach wie vor ziemlich unklar sei - gab es im Februar 2016 noch drei Zusatzfolgen, in denen berichtet wurde, wie der mutmaßliche und verurteilte Mörder Adnan Syed erneut vor Gericht befragt wurde - basierend auf den Erkenntissen des Podcasts. Mittlerweile wurde ein neue Prozess aufgesetzt, Syed ist aktuell auf Kaution frei.


"Serial" selbst befasste sich in einer zweiten Staffel letztes Jahr mit einem völlig anderen Thema, nämlich der Geschichte des in Afghanistan desertierten US-Soldaten Bowe Bergdahl, der fünf Jahre von den Taliban gefangen gehalten und schließlich von der US-Regierung über einen Gefangenenaustausch frei gekauft wurde - um dann zuhause als Deserteur angeklagt zu werden. Zugegebenermaßen hätte ich diesen Podcast vermutlich niemals angehört, wenn er nicht die zweite Staffel von "Serial" gewesen wäre, denn die Thematik interessierte mich ursprünglich weniger. Tatsächlich konnte ich mich dann aber doch für das Thema "US-Militär in Afghanistan" erwärmen - vielleicht gerade, weil ich praktisch nichts darüber wusste.

Für Bergdahl schaffte es der Podcasts allerdings nicht, seine Situation maßgeblich zu verbessern. In den USA gab es eine erbitterte öffentliche Debatte zu der Frage, ob es richtig gewesen war, den Deserteur, der an seiner Entführung ja quasi selbst schuld gewesen war, frei zu kaufen - und einer, der zu diesem Thema besonders viel Kritik auf Lager hatte, war Donald Trump, der Bergdahl im Rahmen seines Wahlkampfes Dutzende Male als "dirty rotten traitor" diffamierte. Tatsächlich argumentieren Bergdahls Anwälte mittlerweile, dass ein fairer Prozess unter Präsident Trump für ihren Mandanten unmöglich sei - bislang aber vergebens.


Vor einigen Wochen wurde nun der dritte Streich des "Serial"-Teams veröffentlicht, allerdings nicht als offizielle dritte Staffel. Es handelt sich um "S Town", die Geschichte der Bekanntschaft des Redakteurs Brian Reed mit einem hochintelligenten, depressiven Uhrenfanatiker aus Alabama namens John. Anders als bei "Serial" entfaltet sich die eigentliche Geschichte erst nach und nach. Reed reist zunächst nach Alabama, um der Behauptung Johns nachzugehen, in seiner Heimatstadt sei ein Mord geschehen, an dem die Polizei kein Interesse habe. Die Behauptung erweist sich als falsch, dafür ist Reed vom skurrilen, widersprüchlichen John und dessen Umfeld fasziniert - insbesondere, als dieser sich das Leben nimmt und einen Berg Rätsel hinterlässt.

Auch "S Town" habe ich mittlerweile komplett angehört und verstehe mittlerweile, dass es nicht als dritte Staffel von "Serial" veröffentlicht wurde: Das Tempo der Geschichte ist doch ein sehr anderes. "S Town" ist eine Art Sittengemälde mit philosophischen Anwandlungen. Johns Geschichte weist zwar ebenfalls Rätsel auf, und ebenso wie in der ersten Staffel von "Serial" kann man als Zuhörer auch nicht anders, als mit zu spekulieren, was nun beispielsweise mit Johns angeblichem Goldschatz passiert sein könnte... aber letztlich gibt es hier eine völlig andere, viel langsamere Art von Spannung.

Ich muss sagen, dass mich "S Town" weniger packen konnte als die beiden anderen Podcasts, weil es sich letztlich um eine sehr viel privatere Geschichte handelt - und weil ich so gar keinen Bezug zum amerikanischen Süden habe, was sicherlich hilfreich gewesen wäre, auch beim Verstehen mancher O-Töne. Dennoch erhält auch dieser Podcast begeisterte Kritiken, er ist also möglicherweise nur einfach nicht das, was ich erwartet hatte. Ich freue mich jedenfalls auf eine neue "Serial"-Staffel.

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