Neulich als Kanada Luxemburg besuchte: Arcade Fire in der Esch-sur-Alzetter Rockhal

U.

Anders als mein Freund bin ich selten dafür zu haben, Bands in kurzen Abständen mehrmals hintereinander zu sehen. Deshalb war ich auch nicht gewillt, ihn bei einem Luxemburg-Ausflug zu einem weiteren Konzert von Arcade Fire zu begleiten, die wir erst im Juni beim Best Kept Secret Festival in den Niederlanden sahen. Er fuhr dann ohne mich, und hier ist sein Bericht in Interviewform.

Du hast Arcade Fire doch gerade erst live gesehen. (Warum) war da ein weiterer Konzertbesuch notwendig?

Wir haben Arcade Fire zwar erst neulich beim Best Kept Secret Festival gesehen, standen aber doch ziemlich weit vom Geschehen weg, auch wenn sich 20.000 Leute hinter uns sicherlich unsere Plätze gewünscht hätten.


Lohnt sich dafür die Reise nach Luxemburg?

Auf jeden Fall, denn im Gegensatz zu dir konnte ich einen neuen Ground machen und ich wusste beim frühzeitigen Ticketkauf auch noch nicht, dass wir am nächsten Morgen nach Rom reisen würden. Die Rockhal in Esch-sur-Alzette fasst ungefähr 6.000 Zuschauer - selbst in der letzten Reihe hätte ich Arcade Fire vermutlich besser gesehen als neulich in den Niederlanden.


War das Publikum luxemburgisch oder gab es viele Konzertreisende?

Man hörte wieder ein munteres Sprachengemisch, was nicht verwundert, da Arcade Fire aktuell neben ihren Festivalauftritten nur ganz wenig eigene Konzerte spielen. Es waren sicherlich auch ein paar Luxemburger vor Ort, aber viel zu wenige, denn das Konzert war bei Weitem nicht ausverkauft. Wir waren rechtzeitig angereist, so dass wir in der zweiten Reihe stehen konnte, aber eine Dreiviertelstunde vor Konzertbeginn war dies immer noch die vorletzte Reihe. Erst danach füllte sich die Rockhal noch ausreichend. Aber von Gedränge und Gedrängel keine Spur, du hättest noch locker zwischen Christoph und mir Platz gefunden.


Gab es eine Vorband?

Nein, vermutlich wussten die Konzertplaner um unsere lange Anfahrt und meine frühes Aufstehen am nächsten Morgen. Da die kleine quadratische Bühne mitten im Konzertsaal stand und bereits komplett mit den Instrumenten von Arcade Fire bestückt war, wäre ein Support Act auch schwer umzusetzen gewesen.


Wie wurde die 360 Grad Bühne genutzt, mit der für das Konzert geworben wurde?

Ich hatte zuvor Fotos von einem Auftritt von Arcade Fire auf einer solchen Bühne in England gesehen und das sah ganz großartig aus. Näher können Zuschauer kaum einer Band solchen Bekanntheitsgrades kommen. Wir hatten zuvor schon überlegt, wo wir uns hinstellen sollten, und uns letztendlich für die Seite mit Win Butlers Stammplatz entschieden, den wir anhand zweier kleiner Metallpodeste, auf die er so gern steigt, gut identifizieren konnten. Da wir uns an einer Ecke der Bühne positionierten, hatten wir zwei Seiten im Blick. Letztendlich war dies die richtige Entscheidung, da sich der Sänger hauptsächlich entweder auf unserer Seite oder auf einer Erhöhung in der Mitte der Bühne zwischen den beiden Schlagzeugen aufhielt. Rund um die Bühne waren zahlreiche Mikrofone aufgestellt, die das muntere Durchwechseln der Bandmitglieder ermöglichten. Fast so wie beim Stationenlernen in der Schule. Regine konnte auf ihrem Laufzettel am meisten Stationen abhaken.  

    
Bei unserer jüngsten Begegnung mit der Band vor wenigen Wochen gab es ja regelrechte Fangesänge, zu denen Arcade Fires Mitglieder auch animierten. War das in Luxemburg auch so?

Ganz so wie im Fußballstadion oder bei einem Auftritt der Hermes Hose Band war es diesmal nicht, auch wenn die Band ihr Set erneut mit den Mitsing-Songs "Wake Up", "Everything Now", "Haïti" und "Here Comes The Night Time" eröffnete.
Die tollste Zuschauer-Animation gab es, als bei "Creature Comfort" das Publikum rund um die Bühne im Takt die Arme schwenkte. Das war schon sehr sehenswert und hatte etwas von Bühne/Schiff im wogenden Arme-/Wellenmeer. 

Sonst kann ich noch erzählen, dass Régine zu "Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)" mal wieder ihre Bänder auspackte, die sie wohl noch von einem Kurs in der Rhythmischen Sportgymnastik übrig hat und dass William Butler, der bei "Rebellion (Lies)" auf dem Best Kept Secret Festival mit einer großen Trommel das Bühnengerüst empor geklettert war, plötzlich mit dem Kopf in dieser Trommel da stand. Wie das passiert war, konnte ich nicht sehen, aber "Nichts sehen" war für den ständig umtriebigen Butler auch kein Hindernis weiter über die Bühne zu torkeln und später Schlagzeug zu spielen.


Hatten The Arcade Fire wieder ihre Merchandise-Outfits an? Waren es die gleichen, oder hat da jedes Bandmitglied eine Auswahl?

Alle Männer waren wieder in ihre Everything Now-Phantasieuniformen gekleidet, auch wenn sich diese nicht nur untereinander sondern auch zum Auftritt beim Best Kept Secret Festival unterschieden. Die Damen machten dabei nicht mit: Während Sarah Neufeld (Geige, Keyboards) im kurzen schwarzen Kleid kam, schien Régine Chassagne in ihrem blauen Kunstleder-Einteiler direkt aus den 80er Jahren zu kommen. Ihre neonfarbenen Handschuhe hat sie offensichtlich auch in mehreren Farben.


Wurden andere Lieder vom neuen Album vorgestellt als wir bereits in Holland gehört hatten?

Tatsächlich hat einige Tage vor dem Auftritt in Luxemburg mit "Chemistry" ein weiterer neuer Song seine Live-Premiere gefeiert. Leider ist dieses sehr monotone Lied das schwächste der vier und bildete zusammen mit den danach gespielten "Signs Of Life" auch den schwächsten (= einzigen nicht überragenden) Teil des Konzertes. "Creature Comfort" gefällt mir mittlerweile sogar besser als "Everything Now".


Wie lange hat der Spaß denn gedauert? Und gab es Zugaben?

Vielleicht das einzige Manko des Konzertes: es war zu kurz. Beim Festivalauftritt boten Arcade Fire gleich 20 Lieder in ihrem Set, bei ihrem eigenen Auftritt in Köln waren es zwei Tage zuvor nur 17 gewesen. In Luxemburg waren es im Hauptteil 15 gewesen, denen sich aber nur ein Song als Zugabe anschloss. Während es beim beim Best Kept Secret Festival mit "Windowsill", "Neon Bible" und "The Suburbs" einen im Tempo sehr gemäßigten Teil gab, bei dem alle Beteiligten etwas verschnaufen konnten, jagte in Luxemburg ein temporeiches Lied das nächste.
Zu "Neon Bible" kamen Arcade Fire zurück auf die Bühne und Win gab wieder ein Statement zur politischen Lage in den USA ab, was annähernd die einzige Kommunikation mit dem Publikum war. Es scheint auch Usus zu sein, dass das Publikum bei diesem Song seine Mobilgeräte einschalten und leuchten soll. Als Arcade Fire danach die Bühne wieder verließen, stimmte der Sänger noch einmal den Mitsingpart von "Wake Up" an, was vom Publikum natürlich aufgegriffen und wiederholt und wiederholt wurde. Auch wenn danach die Saallichter angingen und die Band nicht mehr zurückkehrte, endete so ein wirklich tolles Konzerterlebnis. Wann wird man Arcade Fire noch einmal so hautnah erleben dürfen?  


Hast du mir etwas mitgebracht?

Christoph konnte mich gerade noch zurückhalten, sonst hätte ich dir diese Jeansjacke mitgebracht, aber 100 € waren mir dann doch zu viel. Da bestelle ich dir doch lieber noch den Strickpullunder von The Divine Comedy.


Hast du außer den schönen Fotos auch an die Setliste gedacht?

Klar:

Wake Up
Everything Now
Haïti
Here Comes the Night Time
Chemistry
Signs Of Life
No Cars Go
Ready to Start
Neighborhood #1 (Tunnels)
Reflektor
Afterlife
Creature Comfort
Neighborhood #3 (Power Out)
Rebellion (Lies)
Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)

Neon Bible

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Coprights @ 2016, Blogger Templates Designed By Templateism | Templatelib