Neulich beim Familienfestival: A Summer's Tale 2017, Tag 3

U.

Zwei Tage Festival hatten uns bereits so geschwächt, dass wir das Programm am Freitag ein wenig später begannen, als wir das ursprünglich geplant hatten: Sowohl die Lesung von Heinz Strunk als auch der "Sweet Honey" Workshop, für den wir eigentlich sogar angemeldet gewesen waren, wurden kurzerhand gestrichen. Auch so war der Freitag unser "beschäftigtster" Festivaltag, mein Freund hatte uns nämlich acht Bands ausgesucht, von denen wir uns letztlich sieben ansahen.


Um 15 Uhr fanden wir uns stattdessen gerade rechtzeitig für "Unter meinem Bett" ein, einem Programmpunkt für Familien. Nachdem meinem Freund vor zwei Jahren "Eule findet den Beat" und mir letztes Jahr "Deine Freunde" durchaus Freude bereitet hatten und bei diesem bereits zweiteiligen Kinderliedersampler ohnehin "Erwachsenenkünstler" wie Enno Bunger, Bela B. und Erdmöbel beteiligt sind, begaben wir uns auch ohne begleitende Kleinkinder in die Zeltbühne - offenbar rechneten die Veranstalter mit mehr Andrang als die eigentlich fürs Kinderprogramm genutzte Waldbühne hätte bewältigen können.


Stimmungstechnisch war das ein wenig schade, denn die entspannte Waldbühnenatmosphäre konnte das dunkle Zelt nicht bieten. Dennoch waren viele Familien (hinter uns erklärte eine Mutter ihrem Nachwuchs "Das ist die CD, die wir immer im Auto hören!") erschienen und sahen zu, wie sich Bernd Begemann in einem Showmaster-Anzug als Conferencier versuchte. Neben ihm waren auch Die höchste Eisenbahn, Locas in Love und Albrecht Schrader anwesend. Die Künstler spielten in der Regel zwei Lieder, unterstützen einander aber auch kräftig. Besonders viel musste Martha, die Tochter von Francesco Wilking arbeiten, denn sie vertrat nicht nur Bernd Begemanns abwesende Tochter, sondern übernahm sonst auch alle weiblichen Gesangsparts.


Aus Erwachsenensicht rechtfertigte vor allem das Miniset von Locas in Love unsere Anwesenheit. "Von hier oben" war ein Kinderlied, als Zugabe gab es dann einen regulären Song der Band namens "An den falschen Orten". Zuletzt versammelten sich alle Künstler auf der Bühne und sangen (mit Textblattunterstützung) das Titellied der Compilation.

Setliste:

Eine Cola soll es sein 
Der Tee von Eugenia 
Gib nich' so an
Ich und die anderen
Leben in der Großstadt 
Mein Powertier ist ein Gnu
Den ganzen Sommer lang
Fahrradfahren
Von hier oben
An den falschen Orten
Unter meinem Bett


Für uns ging es anschließend in die Sonne zur Konzertbühne, wo mit Get Well Soon die zweite Wiederholungsbuchung des Festivals auftreten sollte. Die Band um Konstantin Gropper hatte den gleichen Slot wie Cigarettes After Sex am Vortag erwischt und folglich nicht gerade viel Bühnenzeit. Gropper nutzte sie für eine Entschuldigung, denn der Get Well Soon-Auftritt beim A Summer's Tale 2015 sei einer der chaotischsten aller Zeiten gewesen. Komisch, ich kann mich nicht erinnern, dass das aus Publikumssicht ein Thema gewesen wäre.


Verena Gropper fehlte bei diesem Auftritt unentschuldigt, sie wurde, wie auch vor zwei Jahren, von Alex Meier ersetzt - an ihr kann das Chaos damals also schon einmal nicht gelegen haben. Das Set von Get Well Soon, die ich nun gefühlt 50 Mal live gesehen habe, fiel wie gewohnt schön aus, nur eben ein wenig kurz. Über das Ambiente des Festivals frotzelte Gropper, "zu seiner Zeit" seien Festivals ja noch anstrengend gewesen, aber dieses sei ja mit seinem Katalog von Angeboten quasi wie ein Club Med-Aufenthalt, nach dem man geradezu erholt nach Hause fahren können. Diesen Kommentar nutzte er auch gleich als Ankündigung für "It's a Catalogue".


Zu "You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)" erklärte Gropper, es sei für ihn ungewohnt, wie ein Dieter Thomas Heck nur mir Mikrophon dazustehen (sonst trägt er ja meist Gitarre), aus dem Publikum rief prompt jemand "Lass es!".

Am Ende des Sets wurden wir ins Zelt zu Dear Reader geschickt, mit der Get Well Soon eine Bandfreundschaft verbindet. Wir waren brav und machten uns auf den Weg.

Setliste:

It's Love
The Last Days Of Rome
It's A Catalogue 
Roland, I Feel You
You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)
Too Much Love 
Marienbad 
It's A Mess




Dear Reader hatten wir ebenfalls schon mehrfach, häufig eben im Dunstkreis von Get Well Soon, live gesehen, zuletzt aber einige Jahre nicht mehr. Aktuell wird Cherilyn MacNeil, die aus Südafrika stammt, aber schon länger in Berlin lebt, von drei Musikern begleitet: Die Keyboarderin stammte aus New York, der Bassist aus Sardinien und die Schlagzeugerin aus Russland. Man stellte sich aber auf deutsch als Berliner Band vor.

Alle Mitmusiker unterstützten MacNeil zusätzlich beim häufig mehrstimmigen Gesang, der bei „Victory" sogar a Capella war. Der Beifall nahm im Rahmen des musikalisch auch immer besser werdenden Sets stetig zu, was MacNeil mit "gut fürs Ego" kommentierte.



Leider wurden die beiden letzten Songs ihrer „regulären" Setliste, nämlich „Great White Bear" und „Dancing in the Dark", ein Cover vom Bruce Springsteen Song, ausgespart. Dennoch hatten Dear Reader 15 Minuten mehr Zeit als Get Well Soon, in deren Vorprogramm sie häufig aufgetreten sind. Schön, das Projekt einmal wieder live gesehen zu haben. Ob sie auch Wohnzimmerkonzerte spielen?

Setliste:

If Only Is 
Then, Not Now 
Mean Well 
So Pretty So Pathetic 
Down Under, Mining  
Tie Me to the Ground 
Placate Her 
I Know You Can Hear It 
Oh, the Sky! 
Victory 
Nothing Melodious 
Took Them Away 
Heavy



Ohne Pause ging es nun wieder nach draußen, wo nun Conor Oberst quasi bereits auf der Konzertbühne stand. Ich schwächelte allerdings und beschloss, mir das Ganze nicht im Stehen, sondern weiter von der Bühne entfernt im Sitzen anzusehen und -hören - was dazu führte, dass ich vom Bühnengeschehen wenig mitbekam, außer, dass alle Sonnenbrillen trugen - "alle" deshalb, weil Conor Oberst nämlich The Felice Brothers, seine Lieblingsband, als Begleitmusiker mit dabei hatte.



Die Sache mit der Brille war offenbar, obwohl sie vom Sonnenstand her eigentlich unnötig sein musste, sehr wichtig, Conor kann sich sogar mit einem Handtuch den Schweiß vom Gesicht wischen,  ohne sie abzunehmen. Nur einmal verrutschte sie kurz als er den Mundharmonikahalter abzog und einmal, als ein wenig gerockt wurde, flog sie quer über die Bühne.

Von den 11 gespielten Songs stammten 7 aus Conors Solo-Werken und 4 aus Bright Eyes-Zeiten, wobei das Album „I'm Wide Awake, It's Morning" gleich mit 3 Liedern berücksichtigt wurde. Fast jeder Song wurde dabei mit einer Ansage oder kurzen Einleitung versehen, "Get-Well-Cards" wurde etwa mit "The next song is about forgiveness if you still believe in that kind of thing" vorgestellt, "Train Under Water" als Lied über den öffentlichen Personennahverkehr, von dem es in Oberst Heimatstadt sehr wenig gebe.


Die Lieder hatten insgesamt einen starken Country-Touch, was vor allem am starken Einsatz von Fiddle und Akkordeon lag. Zwei Lieder begleitete Oberst auch am Klavier.

Setliste:

Barbary Coast (Later)
Four Winds (Bright Eyes Song)
Get-Well-Cards 
Too Late To Fixate 
Till St. Dymphna Kicks Us Out
Well Whiskey (Bright Eyes Song)
Train Under Water (Bright Eyes Song)
Artifact #1
Salutations
Poison Oak (Bright Eyes Song)
Napalm


Nach nun vier Konzerten ohne Unterbrechung verweigerte ich den Besuch von Nummer fünf (Von Brücken) und bestand stattdessen auf Nahrungsaufnahme. Halbwegs gestärkt mit Raclette und Fruchtquark ging es dann zurück. Mittlerweile hatte Birdy die Konzertbühne erklommen, wo die junge Sängerin am Keyboard sitzend sang und dabei von erstaunlich vielen weiteren Musikern begleitet wurde. In ihrem Trägerkleid war ihr vermutlich etwas kalt.

Birdy wurde vor einigen Jahren mit einem Coveralbum, auf dem sie Hits von beispielsweise The National und Bon Iver coverte, berühmt - was sicherlich auch damit zu tun hatte, dass sie die Lieder damit Radiohörern erschloss, die die Originale vorher gar nicht kannten. Nichtsdestotrotz gefielen auch mir ihre Versionen, allerdings konnte mich die Sängerin mit ihrer seitdem veröffentlichten eigenen Musik dann weniger packen - insofern gut, dass unter den 14 gespielten Titeln 6 Cover waren, aber für Kreativität spricht das natürlich nicht unbedingt.



Und so musste ich auch beim Festivalkonzert unwillkürlich an die letzte Dame denken, die ich mit an einem Tasteninstrument singend zentral auf dieser Bühne gesehen hatte, nämlich Tori Amos im letzten Jahr. Deren Set hatte eine Authentizität, bei der Birdy einfach nicht mithalten konnte - aber vielleicht ist der Vergleich auch etwas gemein, Birdy ist immerhin erst 21 - wer weiß, was sie in den nächsten 30 Jahren noch Tolles veröffentlicht.

Birdy sieht wohl "Skinny Love" als ihren größten Hit, diesen spielte sie allein am Klavier - beim Publikum kam "Running up that hill", das in ihr Lied "Silhouette" eingeflochten wurde, möglicherweise noch einen Tick besser an. Uns ließ der ganze Auftritt aber ziemlich kalt, mein Freund ging so weit, zu sagen, es sei ein Fehler gewesen, auf Von Brücken zu verzichten und hätte die Essenspause im Nachhinein lieber auf Birdys Slot gelegt.



Setliste:

Growing Pains
People Help The People (Cherry Ghost Cover) 
What You Want (The John Butler Trio Cover)
Young Blood (The Naked And Famous Cover)
Wild Horses
Silhouette / Running Up That Hill (Kate Bush Cover)
Not About Angels 
Words Are Weapons
Take My Heart
Skinny Love (Bon Iver Cover) 
Wings
Terrible Love (The National Cover)
Keeping Your Heads Up


Ohnehin waren wir schon ein wenig abgelenkt, denn als nächstes standen The Notwist auf dem Programm. Auch diese Band habe ich mittlerweile etliche Male live gesehen, insofern wäre ich unter normalen Umständen erfreut, aber sicherlich nicht nervös gewesen. In diesem Fall kam aber hinzu, dass mein Freund Gewinner einer Verlosung war, die ihm (und mir) ermöglichte, das Notwist-Konzert "von der Bühne aus" zu sehen. Die Formulierung hatte uns ein wenig Kopfzerbrechen bereitet: Man sieht ja durchaus öfter bei Konzerten, dass Menschen mit Backstage-Zugang am Rande der Bühne stehen und zusehen, aber auf der Bühne wollten wir natürlich auf keinen Fall stehen - am besten noch in Kostümen, als wären wir bei den Flaming Lips!



Natürlich sind The Notwist selbst nicht gerade eine extrovertierte Band, insofern beruhigten wir uns mit der Vermutung, dass wir sicher nur am Rand stehen würden - und genau so kam es dann auch, als die nette Marketingdame uns sowie ein anderes Gewinnerpaar zu unseren Beobachtungsplätzen führte. Vom linken Bühnenrand aus waren wir aus Publikumssicht beinahe verborgen und konnten selbst die Band gut von der Seite sehen.

Natürlich ist der Klang eines Konzertes darauf ausgerichtet, vor allem vor der Bühne gut zu klingen, folglich war die nächste Frage, nachdem The Notwist mittlerweile die Bühne betreten hatten, was wir wie hören können würden. Tatsächlich hörten wir von unserer Position aus das in unserer Nähe stehende Schlagzeug dominanter, auch die Glöckchen von Christoph „Coco“ Beck waren besser wahrzunehmen als sonst. Dennoch stand einem Hörgenuss von unserem Standort nichts im Weg.


Aus seitlicher Sicht wurde deutlich, wie sehr The Notwist sich beim Spielen aufeinander konzentrieren, dem Publikum dagegen wendet man sich eher selten zu. Dieses aufeinander Fokussiertsein führte auch dazu, dass sich das Set nicht so einfach beenden ließ, als die Spielzeit eigentlich vorbei war: Einer Person im Umfeld der Band fiel irgendwann auf, dass die Endzeit, die eigentlich zehn Minuten Übergangsfrist zum Hauptact Franz Ferdinand ermöglichen sollte, längst überschritten war, doch weder ließen sich The Notwist durch Gesten vom Bühnenrand beeindrucken, noch half es, als man schließlich Micha Acher etwas ins Ohr sagte: "Pilot" wurde genauso lange zu Ende gespielt (was ziemlich lang war), wie es gedacht war.


Markus Acher war gewohnt wortkang, sagte lediglich "Hallo" und "Danke", verwies am Ende aber noch auf die auf dem Gelänge erhältlichen The Notwist-Siebdrucke, die ihm offenbar gut gefielen. Die Setliste setzte sich gleichberechtigt aus den letzten drei Alben "The Neon Golden", The Devil, You + Me" und "Close To The Glass" zusammen, und wurde durch den älteren Song "One Dark Love Poem" sowie die Single "Come In" ergänzt.

Ein interessantes Konzerterlebnis, bei dem man sich eher als Beobachter denn als Publikumsmitglied fühlte, aber das machte als Abwechslung durchaus Spaß.


Setliste:

They Follow Me
Come In 
Kong 
Boneless 
Into Another Tune 
Pick Up The Phone 
One With The Freaks 
This Room 
One Dark Love Poem 
The Devil, You + Me
Good Lies
Run Run Run
Pilot


Nun wurden wir wieder aus dem Backstage-Bereich gebracht und bemühten uns sofort um zumindest erträglich gute Stehplätze bei Franz Ferdinand, was auch relativ gut gelang - allzu überlaufen war der Festival-Freitag nämlich offenbar auch nicht.

Wenn ich meinem eigenen Blog glauben kann, sah ich die Band zuletzt 2014. Seitdem hat Nick McCarthy die Band verlassen, die in Wiesbaden gespielte Liveversion von "Erdbeermund", einer abgedrehten, von Nick gesungenen B-Seite, würde uns heute also schon einmal nicht erwarten.


Nick musste offenbar gleich durch zwei neue Bandmitglieder ersetzt werden, nämlich Dino Bardot an der Gitarre und Julian Corrie an Keyboard und Synthesizer. Als weitere Veränderung wäre noch Alex Kapranos' Haarschnitt zu nennen: 2004 erwiesen sich Franz Ferdinand mit ihren damals ungewöhnlichen "klassischen Herrenhaarschnitten" (die sie angeblich nur trugen, weil sie einen möglichst billigen Friseur bevorzugten) als Trendsetter. Ob Kapranos denkt, das er mit seiner neuen, halblangen Matte in türkis nun ebenfalls Modegeschichte schreibt?


Festival-typisch servierten uns Franz Ferdinand an diesem Abend ein Best Of-Set, in das sie aber auch vier neue Lieder ("Huck & Jim", "Always Ascending", ""Lazy Boy" und "Paper Cages") eingebaut hatten, die (was für ihre Qualität, allerdings auch nicht für einen innovativen Stilwechsel spricht) nicht sonderlich auffielen. "Darts of Pleasure" hatte das Liveprogramm der Band allerdings an diesem Abend verlassen.

Alex Kapranos erwies sich ein weiteres Mal als extreme Rampensau: Er sprach uns permanent als "Summer's Tale" an, gestikulierte dramatisch, sprang herum, stellte Prediger-artig (der Mann hat Theologie studiert) die Bandkollegen vor... schwer zu sagen, ob der Herr seine Frontmannrolle ein wenig ironisiert, oder das alles doch ernst gemeint ist.


Fest steht: Franz Ferdinand sind eine tolle Live- und Festivalband. Selbst einige Soundcheckschnipsel, die wir nachmittags gehört hatten, hatten Lust auf das komplette Set gemacht.

Setliste:

The Dark Of The Matinée
No You Girls
Paper Cages
Do You Want To
Huck & Jim
Walk Away
Love Illumination
Jacqueline
Stand On The Horizon
Lazy Boy
Outsiders
The Fallen
Michael
Take Me Out
Ulysses

Always Ascending
This Fire 

Neulich beim Familienfestival: A Summer's Tale 2017, Tag 2

U.

Der Summer's Tale-Donnerstag begann relativ ausgeschlafen, nachdem Die Sterne am Vorabend bereits vor 23 Uhr fertig gewesen waren. Unser erster "Termin" des Tages war wiederum die Waldbühne, wo am frühen Nachmittag die Nürnberger Band A Tale of Golden Keys auftrat.
Das Trio war sicherlich weniger ausgeruht als wir, sie waren nämlich um 6 Uhr morgens von Zuhause losgefahren und hatten somit morgens einen Großteil Deutschlands durchquert. Nicht mit dabei war der der eigentliche Bassist, der sich verletzt hatte, aber der "Ersatzmann" machte seine Sache gut. Für uns spielten sie nun fünf Lieder ihres Debütalbums "Everything Went Down As Planned" sowie vier neue, der Nachfolger erscheint aber wohl erst 2018.


Die ruhige Musik, die mich ein wenig an The Bronze Medal erinnerte, führte die angenehme Stimmung an der Waldbühne, die wir bereits am Vorabend genossen hatten, fort: Menschen hörten zu und picknickten, überall spielten Kinder. Die Band griff die Ausflugs-Atmosphäre auf, indem sie für das letzte Lied die Bühne verließ und auf die Wiese kam, um in Mitten der Zuschauer zu spielen - mit einer scherzhaft betitelten "Choreographie", die darin bestand, dass man sich immer wieder ein wenig drehte, damit jeder, der drumherum stand, die Band auch einmal von vorne sehen konnte.
Geradezu putzig war der "Merchandise-Stand" der Band, der aus einigen T-Shirts bestand, die man zwischen Bühne und Absperrung ausgehängt hatte.



Setliste:

Writings On The Wall 
White
Another chapter 
Punk Rock Hit
Everything Went Down As Planned
In The Far Distance
All Of This
Exhale
Disappearing 
Three Weeks

Anschließend wanderten wir erstmalig zur Konzertbühne herüber, und legten zuvor einen kurzen Zwischenstopp im Zeltraum ein, wo eine 22-jährige das Publikum allein unterhielt. Tash Sultana loopte, beatboxte, sang, spielte Gitarre und Trompete, bediente eine Phalanx von Synthesizern und sicherte sich vermutlich viele Zuschauer für ihre nächsten Konzerte.



Die Hauptbühne wurde nun von Cigarettes After Sex in Betrieb genommen. Einerseits natürlich schön, dass das Festival nun komplett eröffnet hatte, andererseits hätte man sicherlich eine passendere Band finden können, um am hellichten Tag diese Riesenbühne zu bespielen. Cigarettes After Sex wären im Zelt sicherlich viel besser aufgehoben gewesen, denn Gerg Gonzalez' Musik suggeriert Schummerigkeit statt gleißender Sonne.



Ich war froh, dass wir dieses Mal die Möglichkeit hatten, das komplette Set zu sehen (auch wenn es nur für 45 Minuten angesetzt war) - beim Best Kept Secret hatten wir ja nach einigen Liedern Richtung Arcade Fire abwandern "müssen". Allerdings stellte sich bei mir im Gegenzug auch prozentual weniger Begeisterung ein als bei dem unsererseits abgebrochenen Auftritt. Lag es daran, dass Greg Gonzalez in Luhmühlen auf Lederjacke und Sonnenbrille verzichtete und somit dieses Mal optisch nicht ganz so stark mit seiner Musik in Widerspruch lag? Daran, dass seine Bandmitglieder an Schlagzeug und Keyboard so wirkten, als würden sie jeden Moment wegen Unterforderung kündigen, da ihre musikalischen Aufgaben derart leicht zu bewältigen waren? Oder einfach am bereits erwähnten, wenig mit der Band harmonierenden Ambiente? 


Die Musik von Cigarettes After Sex gefällt mir weiterhin gut, ich würde Gonzalez aber vorschlagen, wenn er in sechzehn Jahren das nächste Album vorbereitet (so viel Zeit verging nämlich zwischen Bandgründung und dem ersten Album), vielleicht doch noch ein paar andere Melodie- und Rhythmusarten auszuprobieren. Immerhin konnten wir uns darüber freuen, dass unter den neun gespielten Liedern dieses mal auch „Affection" und „Apocalypse" waren.

Setliste:

Sweet 
Each Time You Fall In Love 
K. 
Sunsetz 
Nothing's Gonna Hurt You Baby 
Keep On Loving You (REO Speedwagon Cover) 
Affection 
Apocalypse 
Dreaming Of You 

Weiter ging es mit einer Lesung im dieses Jahr neu gestalteten Grünen Salon, der nun deutlich grüner - also bewachsener - wirkt und außerdem einen Kamin nebst Sesseln aufwies - schließlich finden hier auch sonst hauptsächlich Lesungen statt: Arno Frank kannte ich vorab nur als einen Namen, der gelegentlich unter Spiegel Online-Artikeln steht, beim A Summer's Tale las er aber keine Kolumnen, sondern aus seinem ersten Roman So, und jetzt kommst du vor. Die offensichtlich autobiographische Geschichte erzählt, wie der kindliche Erzähler gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern mit vom Vater veruntreuten Geld nach Südfrankreich flieht. Der Erzähler ist das älteste Kind und als einziges in der Lage, ansatzweise zu verstehen, was vor sich geht, und dass viele Aussagen der Eltern gegenüber den Kindern, etwa, als die Familie gemeinsam aus einem Hotel flieht, das sie nicht bezahlen kann, extrem beschönigt sind.


Die gelesenen Passagen waren interessant und teils auch lustig, parallel vermittelten sie auch einen Blick in die kindliche Welt der 80er Jahre (etwa, als der Erzähler zum Geburtstag ein Keyboard bekommt, was von der Band Trio und ihrem Hit "Da Da Da" inspiriert wurde). Vielleicht nicht ganz so geschäftstüchtig war, dass man als Zuhörer anhand der gewählten Erzählpassagen die Geschichte des Romans nun größtenteils kennt. Überraschend war auch, dass dieser nicht vor Ort verkauft wurde.

Anschließend trennten sich wieder unsere Wege, mein Freund begab sich zu Dan Croll im Zeltraum, während ich Richtung Luhedeck aufbrach, denn dort war eine Japanische Teezeremonie im Programm.


Das Luhedeck ist ein vom Gelände etwas abgelegenes Zelt, das hauptsächlich für Yoga- und Tanzkurse genutzt wird. Dieses Jahr wurde zudem die umliegende Wiese als "Sommerwiese" genutzt, hier wurde unter anderem Kindertanzen angeboten. Dass die Teezeremonie hier stattfand, überraschte zunächst, war aber durchaus sinnvoll: Hier war es zumindest etwas ruhiger als direkt auf dem Gelände, dass man in diesem Zelt die Schuhe ausziehen musste, passte gut zu Japan und der Blick in die Natur harmonierte ebenfalls gut mit der entschleunigenden Zeremonie.

Organisatorin der Veranstaltung war wieder die Betreiberin des Onlineshops Aji Tee - sie hatte im Vorjahr bereits ein Matcha-Tasting angeboten. Die Zeremonie an sich wurde von Sabine Jansen durchgeführt. Ein richtiger Workshop war das streng genommen nicht, eher eine Demonstration: Sabine hatte zwei der Besucherinnen zu sich auf ein Podest geholt und bereitete für diese, eine offensichtlich streng festgelegten Reihenfolge von Gesten ausführend, je eine Schale Tee zu. Das achtsame Ausführen alltäglicher Bewegungen soll hierbei, ähnlich der Meditation, der geistigen Erholung und Zentrierung dienen.

Nach diesem durchaus interessanten Schauspiel durften die, die Interesse daran hatten, dann noch auf der Terrasse ein Schnapsgläschen Matcha probieren, das uns dabei helfen sollte, den restlichen Festivaltag besonders agil zu überstehen.


Mein Freund besuchte parallel ein Konzert: Dan Croll gehörte gemeinsam mit Thomas Dybdahl am Donnerstag - bei vier gesetzten Konzerten - zu unseren Wackelkandidaten. Den norwegischen Singer/Songwriter hatten wir beim Best Kept Secret Festival bereits aufgrund der vier vorhandenen Bühnen und der sich überschneidenden Auftritte einmal verpasst, diesmal ließen wir ihn sausen, um den kulinarischen Angeboten nachzugehen. Der 27-jährige Engländer musste sich gegen den Workshop „Japanische Teezeremonie“ behaupten, was nur teilweise gelang. Auch andere Festivalbesucher hatten wohl andere Termine, denn das Zelt war nur spärlich gefüllt.

Dan Croll ließ sich davon wenig beeindrucken und spielte sich gemeinsam mit seinen vier Mitstreitern durch ein Set, das sehr ausgeglichen aus seinen beiden Alben „Sweet Disarray“ und „Emerging Adulthood“ zusammengestellt war. Dabei gelang die Live-Umsetzung seiner eingängigen Popsongs etwas rockiger als auf Platte. Apropos: Vinyl und CD scheinen Dan Croll nicht so wichtig zu sein, denn er verwies häufig darauf, dass seine Musik im Internet zu finden sei. Wer dort nun nach Liedern von Dan Croll sucht, sollte es mit „Bad Boy“ und „Tokyo" (neu) und „From Nowhere“ (alt) versuchen, die beim Publikum am besten ankamen. Nach dem letzten Song verabschiedete er sich damit, dass er nun auch noch etwas auf dem Festival abhängen würde.


Setliste:

Compliment Your Soul
Away From Today
One Of Us
Can You Hear Me
Sometimes When I'm Lonely
Bad Boy
Be Alone
Thinkin Aboutchou
Wanna Know
January
Swim 
Tokyo
From Nowhere


Anschließend ging es - wieder vereint - zurück zur Hauptbühne, wo nun die Zeit für PJ Harvey gekommen war. Diese spielte im Grunde dasselbe Konzert, wie wir es bereits vergangenes Jahr beim Down the Rabbit Hole Festival gesehen hatten. Statt damals 17 Liedern hatte sie dieses Mal aufgrund eines kürzeren Slots als Co-Headliner nur Zeit für 14, die Auswahl war leicht verändert: insgesamt fünf Lieder von 2016 waren aus der Setliste gestrichen worden, zwei ("Dear Darkness" und "In The Dark Places") waren neu dazu gekommen, die Reihenfolge der verbliebenen Titel aber weitgehend gleich geblieben.


Insofern war vieles, das beim ersten Mal beeindruckend gewesen war, nun quasi normal: Der gemeinsame Einzug der Band als Bläser- und Trommelzug zu "Chain Of Keys", Polly Harvey dabei mit ihrem Saxophon mittendrin, die große Zahl von Musikern inklusive Mick Harvey, John Parish und Terry Edwards, auch das Aufstellen aller Bandmitglieder am Bühnenrand zum Chorgesang beim letzten Lied "River Anacostia" sowie Pollys lange schwarze Ärmel, nackten Beine und Federkopfschmuck: Kannten wir schon alles.


Dennoch musste ich, die ich eigentlich wenig Interesse an PJ Harveys Musik habe, eingestehen, dass ich langsam mehr Gefallen an dieser sehr theatralischen und einstudierten Form des Konzertes fand, das viel mehr Oper als Rockkonzert zu sein schien.

Beim Publikum kamen am besten die alten Songs "50 ft Queenie" und "Down by the Water" an, ich kann mit den thematisch seltsamen neuen Liedern über Ministerien und Supermärkte mittlerweile eigentlich mehr anfangen. Ebenfalls wie gehabt sagte Polly kein unnötiges Wort (letztes Jahr in Holland hatte sie anlässlich der am Vorabend entschiedenen Brexit-Abstimmung zumindest ein Gedicht vorgelesen), lediglich die Band stellte sie vor.



Setliste:

Chain Of Keys 
The Ministry Of Defence 
The Community Of Hope 
Let England Shake 
The Words That Maketh Murder 
The Glorious Land 
Dear Darkness 
In The Dark Places 
The Wheel 
The Ministry Of Social Affairs 
50ft Queenie 
Down By The Water 
To bring You My Love 
River Anacostia 


Den Abschluss dieses Festivaltages lieferten die Pixies. Obwohl es in den letzten Jahren nicht gerade an Gelegenheiten mangelte, diese Band live zu sehen, handelte es sich für mich um eine Live-Premiere, für meinen Freund zumindest um seinen ersten Konzertbesuch bei den Pixies seit deren Wiedervereinigung. Es lag eher am Zufall sowie der Tatsache, dass der Festival-Donnerstag nicht allzu gut besucht war, dass wir es für diesen Auftritt in die erste Reihe schafften und dort eine perfekte Bühnensicht genossen.


Viel zu sehen gab es dort aber nicht, außer natürlich der Tatsache, dass Black Francis mittlerweile allein recht viel ist... die Bühne an sich war recht aufgeräumt, und es befanden sich neben kleinen Verstärkern nur wenige Musiker darauf. Während Francis zwischen einer E-Gitarre und einer akustischen hin- und herwechselte, beließen es seine Kollegen weitgehend bei denselben Instrumenten. Die mittlerweile dritte Bassistin der Band, Paz Lenchantin, hatte ihren Bass mit Blumen geschmückt.


Mit "Debaser" startete das Set gleich im vollen Tempo, vorne vor der Bühne bildete sich ein kleiner Moshpit - aber, wie beim Festival üblich, waren auch manche Kinder ganz vorne mit dabei.

Die Band spielte insgesamt neun Lieder aus ihrem Album „Doolittle" (davon drei der ersten vier), zur allgemeinen Freude folgte sehr früh „Monkey Gone to Heaven" (letztes Jahr in Köln war dieser Hit ausgelassen wollen ). Die laut meinem Freund fest vorgeschriebenen Handgesten zum Lied beherrschten im Publikum nur wenige.



Alle freuten sich wieder besonders, als später„All I think about now" anfing, weil es wegen seiner ähnlichen Melodie vielfach für „Where is my Mind" gehalten wurde, tatsächlich ist es aber ein Lied, das von Kim Deal handelt und das ganz logisch von ihrer Nachfolgerin Paz gesungen wird und bewusst dem bekanntesten Pixies-Song ähnelt. Auch Schlagzeuger David Lovering bekam etwas zu singen, nämlich "La la Love you".

Das Set endete, nachdem sich die Dixies Schlag auf Schlag durch 25 Songs gespielt hatten, mit dem Song "Into the White", der B-Seite von "Here comes your Man". Passend wurde auf der Bühne und davor unglaublich schnell unglaublich viel Nebel verteilt, so dass das Set tatsächlich im "Weißen" endete und die Band verschwunden war.


Ob es nun am Nebel lag, am Matcha-Tee oder dem Glas Festivalwein, das ich am frühen Abend getrunken hatte: Ich konnte mich plötzlich nicht mehr auf den Beinen halten und besah den Nebel in der Hocke - wo ich mir ziemlich doof vorkam, denn neben uns stand eine etwa Zehnjährige, die den Konzertabend mühelos durchgehalten hatte.

Setliste:

Debaser 
Crackity Jones 
Isla de Encata 
Monkey Gone To Heaven 
Caribou 
Hey 
Mr. Grieves 
Bel Esprit
U-Mass
Subbacultcha 
Um Chagga Lagga 
Cactus
Gouge Away 
Wave Of Mutilation 
I’ve been tired
Tame 
All I Think About Now  
Classic Masher
All The Saints 
Ana
La La Love You 
Here Comes Your Man 
Where's My Mind 
Nimrod's son
Vamos 
Into The White

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