Gestern feierte ich den Feiertag Sankt Brück, für den ich hauptsächlich ausgedehntes Couchsitzen vorgesehen hatte. Mein Freund dagegen wa...

Neulich am Brückentag: Ride im Brüsseler L’Orangerie du Botanique


Gestern feierte ich den Feiertag Sankt Brück, für den ich hauptsächlich ausgedehntes Couchsitzen vorgesehen hatte. Mein Freund dagegen war so wild darauf die Band Ride bei ihrer aktuellen Tour zu sehen, dass er sich auf nach Brüssel machte. Drei Stunden hin, drei Stunden zurück... hier berichtet er, was dazwischen passierte.


Wie oft hast du Ride jetzt schon live gesehen?

Gestern Abend zum vierten Mal. Jedoch nur einmal vor der Auflösung, und zwar 1994 beim Creation Records Festival in der Royal Albert Hall. Leider - wie alle Auftritte damals - ein sehr kurzes Vergnügen - aber „I Don’t Know Where It Comes From“ mit großem Kinderchor.
Und dann vor zwei Jahren mit dir beim Best Kept Secret Festival und A Summer’s Tale Festival.


Gab es denn kein Konzert, dass es mit weniger Fahrzeit erreichen ließ?

Leider nein. Tatsächlich sind für uns Konzerte in Luxemburg, Belgien und den Niederlanden schneller zu erreichen als die einzigen Deutschlandauftritte von Ride in Berlin und beim Rolling Stone Weekender in der Nähe von Fehmarn. Insgesamt hat die Europatournee auch nur 6 Stationen. Außerdem konnte ich durch diesen Ausflug mit Christoph einen neuen Ground machen, denn zuvor war ich in Brüssel nur bei Noel Gallagher im Ancienne Belgique  gewesen.


Wer war denn die Vorband?

Die Vorband war eine schöne Überraschung, denn bei Platten vor Gericht hatte ich letztes Jahr schon über die französische Shoegaze-Band Dead Horse One berichtet und mich über deren Album „Season Of Mist“ gefreut, das in meiner Jahresendauswertung auf Platz 27 meiner liebsten Platten kam.

Das Quintett spielte leider nur ca. 25 Minuten und insgesamt 6 Lieder aus seinen beiden Alben. Ihr Debüt wurde übrigens von Mark Gardener produziert - so sind Dead Horse One sicherlich zu ihrer Rolle als Support auf der Europatournee gekommen. Ich hätte mich über 25 weitere Minuten auch nicht beschwert.

Setliste:

He Goes Down
Hopper
I Love My Man
Mesmerise Me
Season Of Mist
By My Side


Gibt es eigentlich auch junge Ride Fans oder sind die jetzt alle in den 40ern?

Also zumindest einen jungen Fan gab es in der ersten Reihe, der zum Beispiel bei „Leave Them All Behind“ kräftig im Takt auf der Bühne trommelte. Andy Bell klatschte ihn auch begeistert vorm Zugabenblock ab und später gab es auch noch ein Plektrum als Geschenk. Ansonsten waren die Zuschauer im recht kleinen Konzertraum eher mit der Band gealtert.

Aber wenn wir schon über kleine Ride Fans sprechen, dann muss ich auch noch von einem großen, vielleicht dem größten, berichten: Mit uns stand Heike in der ersten Reihe, die wir bereits beim Konzert von Lush in London und beim A Summer’s Tale Festival, natürlich dem mit Ride, getroffen hatten. Ihre Antwort „Alle, bis auf eins“ auf Christophs Frage, wie viele Konzerte sie auf Rides Europatournee sehen würde, war nur die Spitze des Eisberges. Denn neben zahlreichen Konzerten in England hatte sie zuvor auch bereits die USA besucht, um dort Konzerte der Shoegazer zu sehen. Und weil die Ostküste im Juli und die Westküste im September anstanden, gleich zweifach. Im Februar geht es übrigens für zwei Konzerte nach Japan und bei dem Hinweise „More upcoming shows“ auf der Webseite von Ride hofft sie vermutlich auf sich anschließende Auftritte in Australien.

Und hier wird man schon mit ungläubigen Blicken bedacht, wenn man 3 Stunden für Ride fährt oder nur 3 Auftritte von Noel Gallagher im kommenden Frühjahr sehen möchte!


Und wie war das Verhältnis zwischen alten und neueren Liedern?

Im Verlauf der seit März laufenden Tournee wurden mehr und mehr Lieder von „Weather Diaries“ in die Setliste aufgenommen. Anfangs waren es zunächst vier, gestern Abend spielten Ride acht neue Lieder, bis auf „Home Is A feeling“ und „Rocket Silver Symphony“ wurde das komplette Album gespielt, das kurze und instrumentale „Integration Tape“ lief als Intro zum Konzertbeginn. „Impermanence“ feierte in der L’Orangerie du Botanique sogar seine Live-Premiere, weshalb Mark Gardener auch den Liedtext vor sich liegen hatte.


Gab es wesentliche Unterschiede zum Auftritt beim A Summer’s Tale Festival, den ich zuletzt gesehen habe?

Eigentlich wenig. Da kommen immer noch vier ältere Männer auf die Bühne und spielen ohne großen Firlefanz und lange Reden tollen Shoegaze. Bezüglich der Songauswahl hat sich aber insgesamt einiges getan: Die neu aufgenommenen Lieder haben glücklicherweise keine alten Songs ersetzt, denn die Setliste wächst und wächst. Auf den Festivals haben Ride vor zwei Jahren 11 bzw. 12 Lieder gespielt, gestern Abend waren es insgesamt 20.

Klassiker wie „Leave Them All Behind“, „Twisterella“ oder „Vapour Trail“ sind natürlich immer noch im Programm und wurden mit großer Begeisterung aufgenommen. Bei „Drive Blind“ gab es am Ende wieder die gewohnte und immer noch tolle Lärmorgie. Ansonsten zeigten sich  Ride variabel bei der Auswahl der früheren Songs und spielten zum Beispiel „Chelsea Girl“ und „Unfamiliar“ von frühen EPs oder „From Time To Time“ aus dem bisher ignorierten Album „Carnival Of Light“.

Der größte Unterschied war, dass ich von den kürzeren Festivalauftritten deutlich begeisterter war. Denn nur wenige der neuen Lieder, etwa „Lannoy Point“, „Cali“ oder „All I Want“, können mit den früheren Sachen mithalten, so dass sich doch die ein oder andere Länge einschlich.


Damals beim den beiden Festival-Auftritten vor zwei Jahren deckte Mark Gardener seine schwindende Haarpracht mit einem Hut ab. Ist das jetzt Standard?

Vielleicht tun wir ihm mit dieser Unterstellung Unrecht und es war einfach ein Sommerhut, denn aktuell verzichtet er auf diesen.


Hatte Andy Bell wieder seine Beady Eye Kisten dabei?

Gut, dass du fragst! Denn schau einmal was mittlerweile mit Klebeband aus dem BE auf den Kisten gemacht wurde:


Wurde auch geredet?

Wenig. Und das Wenige war leider an unserem Standort auch kaum zu verstehen. Gelegentlich wurden Lieder angesagt oder sich auf französisch bedankt.


Wie lange hat der Spaß denn gedauert? Und gab es Zugaben?

Anfangs hatten wir etwas Angst, dass wir nur 16 Songs zu hören bekommen würden, denn bei Mark Gardener und dem Bassisten Steve Queralt lagen zunächst, was wir sehr gut sehen konnten, da wir in der ersten Reihe standen, unterschiedliche Setlisten. Einmal mit und einmal ohne Zugaben. Und dann wurde die längere Liste bei Mark auch noch gegen die kürzere ausgetauscht! Letztendlich bekamen wir aber nach dem Hauptteil noch vier weitere Songs zu hören, so dass der Auftritt rund 110 Minuten dauerte. Ein Ride-Konzert ohne „Leave Them All Behind“ wäre auch nur schwer vorstellbar gewesen, oder?


Hast du mir etwas mitgebracht?

Also nichts vom Merchandise-Stand, aber nur, weil ich vorher mein ganzes Geld in belgische Schokolade für dich investiert habe.


Hast du außer den schönen Fotos auch an die Setliste gedacht?

Klar.

Setliste:

Lannoy Point
Charm Assault
Weather Diaries
Taste
Unfamiliar
From Time To Time
Dreams Burn Down
Cali
Twisterella
Impermanence
Lateral Alice
All I Want
OX4
Vapour Trail
Drive Blind

White Sands
Like A Daydream
Leave Them All Behind
Chelsea Girl



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Assoziationen, die das neue "The War On Drugs"-Video bei mir auslöst: Oh, amerikanische Wüstenlandschaft. Wo das wohl aufgen...

Sendeschluss: The War On Drugs - Nothing To Find



Assoziationen, die das neue "The War On Drugs"-Video bei mir auslöst:
  • Oh, amerikanische Wüstenlandschaft. Wo das wohl aufgenommen wurde?
  • Groot aus Guardians of the Galaxy macht einen Road Trip!
  • Mit einer jungen Frau, die ich... Moment... neulich erst im Kino gesehen habe! Als Beverly Marsh in It!
  • Konsequent, dass man sich als Pflanze am meisten über Wasser freut...
  • ...aber, das hätte ich Beverly als erfolglose Gärtnerin sagen können, zu viel Wasser kann durchaus schaden!

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Liebes Internet, die Extrastunde, die uns die herbstliche Zeitumstellung zurückgegeben hat, wurde hier wieder zur Renovierung genutzt - ...

Neulich nach dem Tapezieren



Liebes Internet, die Extrastunde, die uns die herbstliche Zeitumstellung zurückgegeben hat, wurde hier wieder zur Renovierung genutzt - wobei mein technischer Support ehrlich gesagt immer etwas mehr als ein Stündchen investiert.

Wie jedes Jahr folgt eine Aufreihung sämtlicher Layouts, die der Blog bislang hatte. Mittlerweile gibt es eine lange Liste, wir sind nämlich nun bei Nummer 10. Da wären:

Fleur: 2008 bis 2009


Stitch: 2009 bis 2010


Silva: 2010 bis 2011



CS5 Texturizer: 2011 bis 2012



Insomnia: 2012 bis 2013



Folify: 2013 bis 2014



Scratch: 2014 bis 2015



Time Line: 2015 bis 2016


Milano: 2016 bis 2017







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Auf diesem Blog wurden wahrlich schon ausreichend vegetarische Würstchen vorgestellt, aber der Markt verändert sich immer wieder. Kürzlic...

Fleischeslust: Bratwürste von GrünGold


Auf diesem Blog wurden wahrlich schon ausreichend vegetarische Würstchen vorgestellt, aber der Markt verändert sich immer wieder. Kürzlich nahm eine der lokalen Rewe-Filialen eine Marke namens GrünGold ins Angebot, eine willkommene Abwechslung, nachdem der Großteil des vegetarischen Kühlregal-Platzes mittlerweile Rügenwalder und Valless gehört. GrünGold hat offenkundig keinen riesigen Konzern im Hintergrund, der die Veggie-Produkte als Nebenlinie betreibt. Zumindest auf der Website ist auch viel Überzeugung im Spiel:
Wir sind davon überzeugt, dass eine fleischlose oder fleischreduzierte Ernährung in Zukunft immer wichtiger wird und möchten, dass möglichst viele Menschen an ihr teilhaben können. Deshalb legen wir bei der Entwicklung und Herstellung unserer Produkte nicht nur Wert auf eine ausgezeichnete Qualität sondern auch auf ein besonders gutes Preis-/Leistungsverhältnis.
Die Produkte sind außerdem vegan und verzichten auf diverse Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker und Stabilisatoren.



Zum Testen kauften wir uns gleich drei verschiedene Bratwürste, allesamt verkauft in Dreierpacks á 240 Gramm für 2,99 Euro. Die Sorten hießen Seitan Salsiccia, Seitan Currywurst und Seitan Rostbratwurst. Für ein Abendessen hauten wir jeweils zwei der drei Würstchen in die Pfanne, so dass jeder jede Wurst probieren konnte.

Zuerst kam die Rostbratwurst auf den Teller. Sie schmeckte, nun, etwas langweilig, aber durchaus essbar. Die Konsistenz war ein wenig zäh, ansonsten war sie in Ordnung, aber nicht mit erstklassigen Veggie-Würsten vergleichbar. Egal, sowohl die Salsiccia als auch die Currywurst würden ja sicherlich stärker gewürzt sein.


Weiter ging es dann mit der Salsiccia, aber was war das? Statt des erwarteten scharfen Geschmacks, die Verpackung spricht von "mediterran pikant" mussten wir vor allem an einen Weihnachtsmarktbesuch denken - die Wurst schien Nelken, Anis oder beides zu enthalten. Als hätte man, um Zeit zu sparen, seine Wurst gleich in den Glühwein gerührt. Nicht schön. Aber es blieb ja noch die Currywurst.

Curry ist ja nun wirklich eine verlässliche Geschmacksnote, bei der man nicht viel falsch machen kann - dachten wir zumindest - wobei eine klassische Currywurst ja gar nicht besonders gewürzt ist, sondern die entsprechende Sauce mitbringt. Nichtsdestotrotz, Currygeschmack sollte machbar sein - dachten wir. Diese Currywurst hatte aber leider ebenfalls einen seltsamen Beigeschmack, der uns an Waschmittel erinnerte.


Tatsächlich fiel es uns letztlich schwer, die Würste komplett aufzuessen, und ich muss gestehen, dass die jeweils in den Packungen vorhandenen Restwürste es in den folgenden Tagen nicht mehr auf unsere Teller geschafft haben.

Ein paar Tage vorher hatten wir bereits zwei Aufschnitte von GrünGold getestet, diese gefielen uns durchaus besser, konnten sich aber auch nicht an den besten ihrer Konkurrenten messen.

Schade, wie gesagt erfreut es mich durchaus, wenn es auch wieder eine "Indie-Marke" ins Supermarktregal schafft. Nur sollte sie geschmacklich eben auch etwas zu bieten haben.

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Passender kann man  an einem regnerischen Sonntag kaum ein Lied betiteln. Auch, wenn ich persönlich den heutigen Tag nicht im Bett verbra...

Sendeschluss: Morrissey - Spent The Day In Bed


Passender kann man  an einem regnerischen Sonntag kaum ein Lied betiteln. Auch, wenn ich persönlich den heutigen Tag nicht im Bett verbracht, sondern unter anderem fleißig gebloggt habe...  ein schöner neuer Song von Morrissey, in dessen Video er sich als Rollstuhlfahrer versucht. Wir werden eben alle nicht jünger...

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Während ich einen Besuch beim gestrigen Sigur Rós-Konzert in der Jahrhunderthalle Höchst angesichts der Tatsache, dass ich die Band im ...

Warum in die Ferne schweifen: Sigur Rós in der Frankfurter Jahrhunderthalle


Während ich einen Besuch beim gestrigen Sigur Rós-Konzert in der Jahrhunderthalle Höchst angesichts der Tatsache, dass ich die Band im Dezember gleich zweimal sehen werde, ablehnte, ließ sich mein Freund von solchen Details nicht zurückhalten: Also machte er sich gestern ohne mich auf den Weg nach Frankfurt und beantwortete heute meine Fragen:

Wir werden zusammen Ende des Jahres nach Reykjavik reisen, wo Sigur Rós in der Konzerthalle Harpa eine Reihe Konzerte geben werden. Wir haben sogar Tickets für zwei davon. Warum wolltest Du die Band zusätzlich noch zwei Monate früher in der Frankfurter Jahrhunderthalle sehen?

Ich verstehe die Frage gar nicht. Natürlich würde ich Sigur Rós am liebsten an allen vier Abenden in Reykjavik sehen und wenn ich für die Band nach Island reise, dann ist es doch selbstverständlich, dass, wenn sie im Grunde vor unserer Haustüre spielen, ich auch anwesend bin. Außerdem gab es bei ebay zwei Karten zum Preis von einer.


War es ähnlich voll wie letzte Woche bei Nick Cave?

Ja, es war erneut ausverkauft, aber es gab erfreulich weniger Drängler als letzte Woche bei Nick Cave. Eigentlich gar keine. Bis auf zwei kleine Kinder, die mit ihren Eltern da waren und kurz vor Beginn in die erste Reihe vorgelassen wurden. Voll nett, die Sigur Rós-Fans. Es hat sich aber herausgestellt, dass man mit kleineren Kindern nicht zu Konzerten gehen sollte, vor allem, wenn die Eltern keine richtigen Ohrenschützer für ihre kleinen dabei haben, denn nach dem ersten Lied hatten sie schon genug und im zweiten mussten die Eltern mit ihnen nach hinten und sicherlich frühzeitig wieder nach Hause gehen. 


Und der zeitliche Ablauf?

Der zeitliche Rahmen war ähnlich wie bei Nick Cave: 18:30 Einlass, keine Vorband, geplanter Beginn: 20 Uhr, tatsächlicher Beginn gegen 20:30 Uhr, Konzertdauer ca. 2 Stunden.


Ob seitens der Band viel gesprochen wurde, muss ich nicht fragen, oder?

Du meinst, mehr als "Takk"? Tatsächlich wurden auf der Bühne zwischen Jónsi und Schlagzeuger Orri einige Worte gewechselt, da mit dem Drum Kit etwas nicht stimmt und mehrmals daran herum geschraubt werden musste. Ach, und auch zum Publikum hat Jónsi vor dem letzten Lied "Popplagið" (und nach dem traditionellen "Takk") noch zwei Sätze gesagt - auf isländisch.


Vorletztes Jahr am selben Ort gab es recht aufwändige visuelle Unterstützung. War das dieses Mal auch so, und kamen dieselben Bilder / Elemente zum Einsatz?

Tatsächlich hast du Sigur Rós schon vier Mal als Trio live gesehen: 2013 in Rom und Frankfurt mit Unterstützung von Streichern und Bläsern und 2016 in Stockholm und beim A Summer's Tale Festival zu dritt. Der Bühnenaufbau mit diesen zahlreichen Gerüsten, die Lichtröhren trugen, der LED-Wand hinter der Band und einer weiteren Projektionsfläche im Hintergrund war identisch mit den 2016 Konzerten. Die meisten der tollen visuellen Effekte kamen mir ebenfalls sehr bekannt vor.


Haben sie wieder "Óveður" und den zweiten Song nahezu unsichtbar hinter der LED-Wand gespielt?

Jein. Denn sie haben ihr Set gar nicht wie zuletzt immer mit "Óveður" begonnen. Auch war ungewöhnlich - und wir hatten neulich bei Suede schon festgestellt, dass es gar nicht so sinnvoll ist, seinen Auftritt in zwei Teile zu gliedern - dass sie das Konzert in zwei Sets unterteilt hatten, die jeweils ungefähr eine Stunde dauerten. Dazwischen gab es eine viel zu lange Umbaupause, bestimmt 20 Minuten, in denen aber nicht viel mehr gemacht wurde, als einige "Netze" zu entfernen. Als Sigur Rós nach dem ersten Set wiederkamen, begannen sie mit "Óveður" hinter der LED-Wand, die sich dann im Verlauf des Liedes anhob. Neu waren in diesem Song Schlagezugeffekte, die nach Krieg der Sterne und Lasergewehren klangen, was durch die Leuchtröhren toll visuell unterstützt wurde.


Was hat sich seitdem auf der Setliste getan?

Einiges. Neben "Óveður", welches sie letztes Jahr erstmals live präsentierten, haben sie mit "Á", "Niður" und "Varða" drei weitere neue Lieder in die Setliste aufgenommen. Alle wurden im ersten Teil des Konzertes dargeboten, das deutlich ruhiger war und häufiger Richtung Ambient als Post-Rock tendierte. Orri Páll Dýrason und Georg Hólm waren daher auch manchmal an den Keyboards und nicht an Schlagzeug und Bass zu sehen.
Während "Varða", dem letzten Song des ersten Abschnitts, tauschten die beiden auch ihre Instrumente und verließ die Band nach und nach die Bühne, bis letztendlich noch Georg Hólm am Keyboard saß, einige Zeit weiter spielte, das Lied ausklingen ließ und dann abging, was für einige überraschte bis entsetzte Reaktionen im Zuschauerraum sorgte, da die Sache mit den zwei Sets wohl nicht allgemein bekannt war.     

Außer dem neuen Album, das 2018 veröffentlicht werden soll, wurde auch "( )", das 2002 erschienen war, mit vier ausgewählten Songs besonders berücksichtigt.


Erst im zweiten Set, das mehr mit bekannten Fan-Lieblingen wie "Sæglópur" oder "Ný Batterí" bestückt war, erlebten wir die lauteren, rockigeren Sigur Rós. Zum Ende, als "Festival" und das düstere "Kveikur" gespielt wurden, brach es wieder deutlicher aus Jónsi heraus, der schrie, mit dem Geigenbogen die Gitarre malträtierte und diesen durch die Gegend warf. Beim traditionellen Schluss-Song "Popplagið" stieß er dann wieder den Mikrofonständer von der Bühne, kickte einen Verstärker um und Orri, der sich längst seines schweißnassen T-Shirts entledigt hatte, riss Teile seines Schlagzeuges um.

Nach Zugaben brauchst du aber wirklich nicht zu fragen, denn nach "Popplagið" kommt nichts mehr. Was sollte danach auch noch folgen? Sigur Rós wurden noch zweimal unter tosendem Applaus auf die Bühne gebeten und gewürdigt.   


Welche Lieder würdest du dir denn für die Konzerte in Island wünschen?

Es wäre auf jeden Fall wünschenswert, wenn die beiden Konzerte nicht absolut identisch wären. Lieder, die sie in den letzten Jahren gespielt haben, die ich aber diesmal sehr vermisst habe, wären "Olsen Olsen", "Svefn-g-englar" oder auch "Hafsól".


Hast du außer den schönen Fotos auch an die Setliste gedacht?

Klar:

Á
Ekki Múkk
Glósóli
E-Bow
Dauðalagið
Fljótavík
Niður
Varða

Óveður
Sæglópur
Ný Batterí
Vaka
Festival
Kveikur
Popplagið


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Ich lebe mit dem vermutlich größten Gallagher-Fan außerhalb der Familie Gallagher zusammen. Als er mir gestern aufgeregt diese neue Singl...

Sendeschluss: Noel Gallagher's High Flying Birds - Holy Mountain


Ich lebe mit dem vermutlich größten Gallagher-Fan außerhalb der Familie Gallagher zusammen. Als er mir gestern aufgeregt diese neue Single vorspielte, erkannte ich den Künstler zunächst gar nicht: Irgendwie klang der Anfang nach "Let's stick together" und die Mitte nach "Ça plane pour moi", das Gesamtwerk sehr retro und nicht zwingend nach Noel. Was ich selbst nun davon halte, weiß ich noch gar nicht. Gut, da eingängig? Allzu eingängig und somit zu erfolgsversessen? Schwierig. Aber ich bin zuversichtlich, dass mir das Lied in nächster Zeit noch einige Male vorgespielt wird, ich kann mir mit meinem Urteil also Zeit lassen.

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Gelateria del Teatro Die auf Trip Advisor hoch gelobte Eisdiele liegt in Laufnähe der Piazza Navona, in einer etwas ruhigeren Seitenst...

Der große römische Eistest kehrt zurück: Gelateria del Teatro und Gelateria La Romana



Gelateria del Teatro

Die auf Trip Advisor hoch gelobte Eisdiele liegt in Laufnähe der Piazza Navona, in einer etwas ruhigeren Seitenstraße. Der Verkaufsraum ist relativ groß, und neben Eis und diversen gefrorenen Süßspeisen wird in einem Lokal nebenan auch Pizza angeboten. Es standen um die 40 Sorten Eis zur Auswahl, die preislich etwas höher lagen: Die Portionen kosteten 3, 4 und 6 Euro. Durch ein Schaufenster seitlich des Eingangs konnte man bei der Eiszubereitung zusehen. Alles wirkte sehr edel.


Ich war abenteuerlustig gestimmt und wählte die Kombination Weiße Schokolade / Basilikum sowie Ricotta / Feige / Mandel. Mein Freund orientierte sich konservativer und nahm Pistazie und Tiramisu. So richtig glücklich wurden wir mit unseren Bechern beide nicht: Mein Basilikumeis schmeckte durchaus authentisch, aber es zeigte sich, dass ich auf die Kombination des Krauts mit weißer Schokolade verzichten kann. Meine andere Eissorte mundete mir allerdings gut. Mein Freund dagegen fand sein Pistazieneis zu körnig und das Tiramisu-Eis zu geschmacksarm. Angesichts der Preislage des Eises und der durch das schöne Ambiente geweckten Erwartungen mussten wir diese Gelateria ziemlich weit hinten in unsere persönliche Rangliste einsortieren.


Adresse:Via dei Coronari, 65-66

Gelateria La Romana

Erst beim Schreiben dieses Beitrags bemerkte ich, dass diese Eisdiele nicht nur mehrere Filialen in Rom hat, sondern auch eine richtig große Kette betreibt - mit Filialen in ganz Italien, Madrid, Wien und demnächst Düsseldorf! Das Stammhaus befindet sich, was man beim Namen nicht unbedingt vermuten würde, in Rimini.


Die von uns besuchte Filiale am Tiberufer ist recht groß und verfügt drinnen über lange Sitzbänke, auf denen man sein gekauftes Eis verspeisen kann, es gibt auch einen Nebenraum mit Cafétischen. Direkt am Eingang bezahlt man sein Eis, dann wartet man an der sehr langen Theke darauf, es auszusuchen. Bei den Waffelhörnchen wird angeboten, diese mit flüssiger Schokolade zu füllen, bevor die Eiskugeln hinein kommen. Die ganze Filiale wirkte auf schicke Art nostalgisch. Die Eissorten konnte man auch über der Theke lesen, allerdings waren die Sortennamen eher ungewöhnlich und für Ausländer manchmal schwer zu verstehen.

Überraschend waren die Preise: Das mittlere Eis mit drei Sorten kostete nur 2,70 Euro und fiel nicht kleiner aus als die 4-Euro-Portion der Gelateria del Teatro. Mein Freund wählte Pesto di Pistachio, Banane und Pesto di Nocciola, ich entschied mich für Stracciatella, Croccante di Amarena und Ciocolate latte, obendrauf gab es noch Sahne.


Mein Freund fand alle seine Sorten sehr cremig und geschmacksintensiv. Die hellgrüne Farbe des Pistazieneises fand er vertrauenserweckend. Auch ich fand meine Eissorten gut, bereute aber im Nachhinein, etwas unspannende Sorten gewählt zu haben. Wie aßen unsere Eisbecher im Laden und genossen es, nicht direkt zurück in die Hitze draußen zu müssen. Als wir dann doch aufbrachen, nahmen wir uns noch eine gemeinsame Waffel für den Weg mit - mit den Sorten Bacio und (ohne zu wissen, was genau wir bestellten) "1947", die nach dem vollen Name der Eisdiele (La Romana del 1947) benannte Haussorte.


Letztere Geschmacksrichtung entpuppte sich als leicht zitronig - wie Limoncello vielleicht. Das Bacio-Eis überzeugte uns deutlich mehr.

Eine schöne Eisdiele mit leckeren Eissorten und einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis. Interessanterweise handelte es sich um die Lieblingseisdiele des Tripadvisor-Bewerters "Axel aus Neuss", der zudem genau wie wir die Gelateria del Teatro als überbewertet einstufte. Hoffentlich freut er sich über die angekündigte Filiale in Düsseldorf...


Adresse: via Cola Di Rienzo, 2 (und anderswo)

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Ich würde behaupten, dass ich Nick Cave schon sehr lange sehr gerne mag. Allerdings gibt es seit meinem "Einstiegsalbum" ...

Neulich bei der zweiten Chance: Nick Cave in der Frankfurter Jahrhunderthalle


Ich würde behaupten, dass ich Nick Cave schon sehr lange sehr gerne mag. Allerdings gibt es seit meinem "Einstiegsalbum" "The Good Son" dann doch so manche Veröffentlichung, der ich nicht allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt habe - es sind auch insgesamt zehn Stück, eines davon ein Doppelalbum. Vielleicht erklärt dieser Umstand, dass ich trotz großer Vorfreude bei meinem ersten Cave-Konzertbesuch im November 2006 eher enttäuscht wurde. Ich erinnere mich an eine große Halle mit festgelegten Sitzplätzen, ich war ziemlich weit weg von der Bühne. Außerdem hatte ich damit gerechnet, die meisten der gespielten Songs zu kennen, was aber nicht der Fall war. Die online vorhandene Setliste widerspricht dieser Erinnerung etwas, denn viel Bekanntes war definitiv dabei - allerdings sah es für mich ab Lied 15 vermutlich düster aus. Gegen Ende - das verrät setlist.fm nicht - bekamen wir als besonderes Schmankerl noch ein Lied von Caves damals neuer Band Grinderman vorgespielt - auch nicht mein Fall.


Nichtsdestotrotz: Ich, die sich sonst zu Konzerten eher überreden lässt, war sofort Feuer und Flamme als Anfang dieses Jahres eine weitere Tournee - die erste seit dem tragischen Unfalltod von Caves Sohn - angekündigt wurde. Eine zweite Chance wollte ich dem Künstler definitiv geben, also wurden Tickets gekauft. Erst später beschlossen wir, am Freitagabend davor auch Slowdive in Amsterdam zu besuchen - was bedeutete, dass wir uns selbst um ein gemütliches Wochenende in der niederländischen Hauptstadt brachten, denn wir mussten ja Samstagabend in Frankfurt sein. Die Zugrückfahrt, die eigentlich sehr großzügig geplant gewesen war, um auf jeden Fall genug Zeit für eine Pause daheim und dann die Weiterfahrt nach Frankfurt zu lassen, schrumpfte dann wegen gewaltiger Verspätung zu einem Nichts zusammen, der Tag wurde hektisch. Schlechte Erinnerung an ein früheres Konzert, Verzicht auf ein Wochenende in Amsterdam, stressige Anreise: Letztlich lag die Latte für Nick Cave an diesem Abend ganz schön hoch. Die Versuchung, das Konzert als Fehlentscheidung zu verbuchen, war groß.


Hinzu kommt noch die Jahrhunderthalle: Diese ist zwar leicht zu erreichen und sieht von außen toll aus. Wenn man aber nicht direkt vor der Bühne steht, hat man von den Stehplätzen aus häufig eine schlechte Sicht - damals bei Lana del Rey erspähte ich beispielsweise nur gelegentlich kurz ihren Blumenkranz. Wir standen dann auch in der etwa siebten Reihe vor der Bühne recht gut, mussten uns aber noch lange gedulden (Einlass 18:30, angeblicher Beginn 20:00, tatsächlicher Beginn dann eher 20:30), während zum Teil recht unverschämte andere Konzertbesucher drängelten und schoben. Wie erwartet lag der Altersdurchschnitt hoch, aber es gab auch jüngere Gäste - und zu meiner Überraschung nur sehr vereinzelt Gothics.

Schließlich war es endlich so weit, die sechsköpfige Band mit ihrem "Chef" Warren Ellis betrat die Bühne, während man Cave schon vom Band hörte - mit "Three Seasone in Wyoming". Dann betrat er endlich zu großem Jubel die Bühne. Dass auch ältere Menschen im Publikum waren, erkannte man spätestens am genervten Ausruf "Scheiß Handys runter, Mann!" - die Emotion kann ich ja nachvollziehen, aber da war wohl jemand in den letzten sieben Jahren bei keinem Konzert gewesen.


Caves Setliste bei der aktuellen Tour - ironischerweise war auch er am Freitagabend in Amsterdam gewesen und hätte uns am besten gleich mitgenommen - ist stets gleich, und wir hatten beim Vorab-Anhören den Eindruck gewonnen, dass die ersten paar Lieder eher die schwächeren des Sets sein würden. Nick Cave dagegen mag die Songs offensichtlich, was die Livedarbietung unendlich spannender machte als die Albumversionen.

Auf dem Absperrgitter zwischen Publikum und Fotograben war an diesem Abend, sicherlich extra für Cave, ein etwa 30 Zentimeter breiter Laufsteg angebracht, was dazu führte, dass der Künstler hier einen Großteil des Konzerts verbrachte, Zuschauer direkt ansang oder sich auch immer wieder singend nach vorne und auf erhobene Hände fallen ließ. Bei "Higgs Boson Blues" ließ er sich zur Textzeile "Ah, can you feel my heartbeat? Can you feel my heartbeat?" tatsächlich eine Hand aufs Herz legen. Ein besonders großer Mann vor uns wirkte offensichtlich besonders stabil und wurde von Cave immer wieder als Stütze genutzt - ihm widmete er die Worte "my fucking hero".


Nach "From Her to Eternity", das sich zum Ende hin in eine rockige Jam-Session verwandelte, bis Nick schließlich mit "Warren, shut it down" das Ende einleitete, und "Tupelo" bekam auch das eigentlich eher ruhige "Jubilee Street" ein erstaunlich rockiges Finale. Zu dessen Ende drängelte sich wieder einmal jemand an uns vorbei ganz nach vorne und ich erkannte zunächst nicht, dass er eine Zuschauerin, die zusammengebrochen war, aus der Menge ziehen lassen wollte. Ebenso ging es der Security, die erst nach vielfachem Schreien und Winken verstand, dass hier Handlungsbedarf bestand. Auch Nick Cave bekam davon nichts mit, setzte sich nun an den Flügel und spielte hier "The Ship Song" und "Into My Arms". Im Vorfeld hatte ich erwartet, dass dies meine Lieblingsstelle des Konzerts sein würde, tatsächlich gefielen mir die Lieder mit dem wilden Künstler auf der Absperrung aber noch besser. Dennoch waren natürlich auch die Balladen toll, zu "Into My Arms" wurde auch viel mitgesungen.

Zum ebenfalls ruhigen "Girl in Amber" vom aktuellen Album "Skeleton Tree", auf dem Cave den Tod seines Sohnes Arthur verarbeitet, wurde im Hintergrund der Bühne, der immer wieder als Leinwand für verschiedene Projektionen diente, ein Bild der Ruine des West Piers in Brighton eingeblendet. Nach "I Need You" wurde es mit "Red Right Hand" wieder rockiger, bevor mein Highlight des Abends "The Mercy Seat" folgte. Hier sang Cave mehr als in der aufgenommenen Version, die bekanntlich viel gesprochenen Text enthält, und es war einfach unglaublich gut.


Das nun folgende "Distant Sky" wird auf "Skeleton Tree" zum Großteil von der Sopranistin Else Torp gesungen. Statt den Song allein darzubieten oder eine andere Sängerin einzusetzen, ließ Cave Torp riesig und das Lied singend hinter der Bühne einblenden - so funktionierte das Duett mit abwesender Partnerin auch deutlich besser, als wenn ihre Stimme nur aus dem Nichts gekommen wäre.

Nach "Distant Sky" und "Skeleton Tree" war erst einmal Schluss, doch Band und Sänger kehrten nach kurzer Pause und in Caves Fall mit frischem Hemd zurück. Nun hörten wir "The Weeping Song", das Cave in Ermangelung seines Duettpartners Blixa Bargeld allein sang. Den charakteristischen Rhythmus des Songs klatschte das Publikum (so gut es eben konnte), während Cave kurz darin untertauchte und dann ziemlich weit hinten wieder zu sehen war.


Von diesem Ausflug nahm er etliche Zuschauer mit zurück auf die Bühne, die hier zum nächsten Lied "Stagger Lee", das sehr in die Länge gezogen und nach seinem scheinbaren Ende nochmals aufgenommen wurde, tanzten und wippten. Zur ruhigen Schlussnummer "Push the Sky Away" setzten sich die Zuschauer dann auf die Bühne, während Cave sich zwischen den beiden Zuschauermassen wieder einmal auf der Absperrung einfand und hier eine junge Frau, die er aus dem Publikum herauf gezogen hatte (und die darüber nicht zu hundert Prozent begeistert zu sein schien) ansang und schließlich mit Rosen, die er selbst von einem Fan bekommen hatte, beschenkte.

Man kann wohl sagen, dass mein zweites Nick Cave Konzert es trotz schwieriger Vorzeichen geschafft hat, den mäßigen Live-Eindruck von 2006 mehr als wettzumachen und mich auch die beschwerliche Anreise vergessen ließ. Das war wirklich eine brillante Konzerterfahrung.


Setliste:

Intro: Three Seasons in Wyoming

Anthrocene
Jesus Alone
Magneto
Higgs Boson Blues
From Her to Eternity
Tupelo
Jubilee Street
The Ship Song
Into My Arms
Girl in Amber
I Need You
Red Right Hand
The Mercy Seat
Distant Sky
Skeleton Tree

The Weeping Song
Stagger Lee
Push the Sky Away

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