Sendeschluss: The Magnetic Fields - '81 - How To Play The Synthesizer

U.

Der Singer/Songwriter Sufjan Stevens startete einst das Projekt, ein Album über jeden Staat der USA zu machen (wie viele hat er dann eigentlich gemacht? Zwei?). Ganz so verrückt ist Stephin Merritt, Chef von The Magnetic Fields,  nicht, allerdings hat er beschlossen, anlässlich seines 50. Geburtstags für jedes seiner Lebensjahre einen Song aufzunehmen und das Ganze als Album zu veröffentlichen.

Bislang kann man sich fünf Songs anhören, die allesamt eher akustisch klingen. 1981 entdeckte Stephin aber offenbar die Synthiemusik, was zu diesem lustigen Retro-Song führte.

Neulich vor der Teepause: Teenage Fanclub im Kölner Luxor

U.

Verglichen mit den vorausgegangenen Jahrzehnten war ich in den letzten Jahren relativ häufig in meiner Kindheitsstadt Köln zu Besuch, doch bei den meisten Gelegenheiten war ich in Gegenden, in denen ich wenig bis nichts wiedererkannte. Anders ist das beim Luxor: In der Nähe des Clubs, der bereits in den 80er Jahren bestand, war ich als 13 bis 16jährige öfter unterwegs, ich wohnte auch in der Nähe. Folglich umweht das Lokal für mich stets ein Hauch Nostalgie, auch wenn ich es erst 2011 das erste Mal von innen sah. Mein Freund dagegen sah hier bereits vor 22 Jahren schon einmal Teenage Fanclub.

Mehr Positives gibt es aber ehrlich gesagt zum Thema Luxor nicht zu sagen: Der kleine, schlauchartige Raum ist bei ausverkauften Konzerten stets völlig überfüllt und hat zahlreiche Ecken, von denen aus man nicht einmal einen Blick auf die Bühne erhaschen kann. Ich war am Freitagabend aus Frankfurt angereist und hörte bei meinem Eintreffen gerade noch den letzten Song der Vorband Mando Fumatore. Ich blieb vor der Bar, die den ohnehin schmalen Raum weiter verengte, stecken und gab zunächst jede Hoffnung auf, noch irgendwie Bühnensicht zu erlangen oder meinen Freund zu finden. Glücklicherweise strömten aber in der Pause Menschengruppen nach hinten wie nach vorne, also musste ich mich nur einigen Dränglern anschließen und stellte fest, dass seitlich der Bühne die Sicht zwar auch nicht ideal war, ich nun aber sicherlich mehr vom Konzert sehen konnte als 75 % der anderen Konzertbesucher. Eingequetscht war ich natürlich trotzdem.


Teenage Fanclub: Das dritte Album der schottischen Band, "Bandwagonesque", habe ich 1991 rauf und runter gehört. Und auch die anderen, mehrheitlich männlichen Konzertbesucher sahen aus, als hätten sie in den frühen 90ern ihre besten Konzert- und Cluberfahrungen gemacht.

Nachdem ein passenderweise weißhaariger Roadie alles doppelt und dreifach geprüft hatte, war es dann auch schon Zeit für den Hauptact. Von meinem Standort konnte ich hauptsächlich Norman Blake und Gerard Love sehen, manchmal konnte ich auch einen Blick auf Raymond McGinley erhaschen - alle drei standen nebeneinander, spielten Gitarre beziehungsweise Bass und sangen abwechselnd die Hauptstimme des jeweiligen Songs. Wenn man links an einem Lautsprecherturm vorbei spähte, konnte man auch erahnen, dass sehr weit links noch jemand Keyboard spielte (Dave McGowan, kein Originalmitglied). Es gab natürlich auch einen Schlagzeuger, den habe ich aber tatsächlich überhaupt nicht gesehen.


Um mich herum beklagten sich viele über die schlechten Sichtverhältnisse und die Enge, dennoch war die eigentliche Konzertstimmung gut. Norman Blake erzählte gleich zu Beginn, Teenage Fanclub hätten vor 26 Jahren gegenüber im Rose Club ihr erstes Konzert in Deutschland gegeben. Folglich war auch die Band offensichtlich in bester Stimmung, wenn auch nicht sonderlich redselig.

Auf den letzten Teenage Fanclub-Alben wird recht penibel darauf geachtet, dass alle drei Sänger gleich viele Songs beisteuern und eben auch darbieten. Bei der aktuellen Tournee liegt der Schwerpunkt aber klar auf Norman Blake, gefolgt von Raymond McGinley. Gerard Love durfte - oder wollte - am wenigsten singen. Mit sieben Songs war das aktuelle Album "Here" verständlicherweise am besten repräsentiert, zu meinem Leidwesen "Bandwagonesque" nur mit zwei. Mein Freund bedauerte hingegen, das sein eigener Teenage-Fanclub Favorit, "Thirteen", nur durch "Radio" vertreten wurde. Immerhin bekam er eine Entschädigung: Als eine der wenigen Nicht-Singles hatte "Verisimilitude", eines seiner Lieblingslieder, einen Platz in der Setliste ergattert und wurde auch enthusiastisch beklatscht.


Bei der Zusammenstellung der Songs waren Alben und Jahre wild durcheinander gewürfelt worden, lediglich mit "First Sight" und "I'm In Love" folgten zwei Lieder vom selben Album hintereinander.

Wie erwähnt, viel gesprochen wurde nicht. Es gab einen etwas kryptischen Dank an die Waschsalons dieser Welt, den einen oder anderen Verweis aufs neue Album, ein artiges Dankeschön an die Vorband und gegen Ende den Hinweis, man sei immer gerne in Köln gewesen und plane, hier noch Spaß zu haben, bis der Bandbus um 3 Uhr morgens aufbrechen werde.


Die Spielweise des gesamten Konzertes ist wohl am ehesten als "gemütlich" zu bezeichnen, es gab wenig Bewegung auf der Bühne, dafür aber um so mehr Harmoniegesang. Nur die die letzten drei Lieder, darunter mein Favorit "The Concept" in einer sehr langen Version, wurden recht rockig dargeboten und erinnerten an die jüngeren Teenage Fanclub. Der Zugabenteil begann dann überraschenderweise mit dem ruhigen "I Was Beautiful When I Was Alive", zum Glück passten die folgenden "Star Sign" und "Everything Flows" (wiederum sehr in die Länge gezogen) besser zu einem ausgelassenen Konzertende. Für den letzten Song drehte Blake auch noch persönlich den Verstärker ein bisschen weiter auf - wenn auch sicherlich nicht bis Stufe 11.


Schön, die älteren Herren mit so viel Spielfreude zu sehen, gerade über Norman Blakes Gesicht huschte häufig ein Lächeln - beispielsweise, als er am Ende von "Your Love Is the Place Where I Come From" zum Glockenspiel griff - nur hätten sie ruhig etwas mehr rocken dürfen. Am Merchandisestand konnte man übrigens Band-Tassen mit Teebeutel erwerben, was ganz gut zum vorherrschenden Gefühl passte, dass alle Beteiligten ein wenig in die Jahre gekommen waren. Vielleicht hat sich die Band ja später im Bus einen schönen Tee aufgegossen. Wobei wir, die wir nach einem Limonadenkauf die Heimfahrt antraten, nicht wirklich cooler waren.



Setliste:

Start Again
Radio
Hold On
I Don't Want Control of You
Thin Air
Verisimilitude
It's All in My Mind
Don't Look Back
My Uptight Life
I Have Nothing More To Say
Dumb Dumb Dumb
About You
I Need Direction
The Darkest Part of the Night
Your Love Is the Place Where I Come From
The First Sight
I'm in Love
Sparky's Dream
The Concept

I Was Beautiful When I Was Alive
Star Sign
Everything Flows


Sendeschluss: Depeche Mode - Where's the Revolution

U.

Nanu, ist das letzte Depeche Mode-Album schon so lange her, dass den drei Bandmitgliedern in der Zwischenzeit lange Rauschebärte gewachsen sind? "Where's the Revolution" wurde letzte Woche als Vorab-Single des Albums "Spirit" mit viel Tamtam veröffentlicht, nun gibt es auch ein Video, das natürlich Anton Corbijn gedreht hat.

Vieles ist - abgesehen von der Bärten - wie gewohnt: Dave darf irgendwann seine Weste anziehen, Martin mit der Gitarre posieren und Andy unbeteiligt an der Wand lehnen... dazwischen geht es unkonkret um Politik. Ich muss sagen, dass mir Musik und Video besser gefallen als vieles, das die Band in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Ob "Spirit" etwa endlich wieder ein Depeche Mode Album wird, das mir gefällt?

Gekauft: Januar 2017

U.


Der Januar war bei mir ein recht konsumarmer Monat. In den letzten Tagen bestellte ich mir die rote Version dieser Schuhe, da sie quasi wegreduziert war, aber man kann hier ja nicht ständig die gleichen Schuhe vorzeigen...

Konsumiert habe ich im Januar allerdings nicht weniger als 31 kostenlose Youtube-Yoga-Videos. Die texanische Schauspielerin und Yogalehrerin Adriene Mishler veröffentlicht schon seit mehreren Jahren im Januar eine Yogaserie, bei der von den Abonnenten jeden Tag ein neues Video nachgeturnt werden soll. Dieses Mal bekam ich es zufällig am 31. Dezember mit und beschloss spontan, mitzumachen.

Tatsächlich besteht kein echter Zwang, sämtliche Videos genau am Veröffentlichungstag umzusetzen - sie bleiben ohne Verfallsdatum online verfügbar und auch die Serien der Vorjahre könnte man aktuell noch jederzeit abonnieren und bekäme dann täglich eine automatische E-Mail mit dem Link zum Video des Tages. Dennoch ist es aber sehr motivierend, zu wissen, dass man gerade das Video "von heute" sieht. Obwohl ich so manches Mal im Januar unter Zeitdruck stand oder keine rechte Lust hatte, habe ich den Yogamonat durchgehalten. Nur an einem Tag hatte ich Migräne, was Bewegung jeder Art ausschloss, an einem anderen kam ich nach Büro und Konzert erst nach Mitternacht nach Hause. Beide versäumte Tage holte ich dann jeweils an einem Wochenende nach, indem ich an einem Tag zweimal Yoga praktizierte.

Die meisten Videos dauerten etwa eine halbe Stunde - das längste war 43 Minuten lang, etwa drei waren wesentlich kürzer. Jeder Yogatag hatte einen vorab angekündigten Schwerpunkt (etwa Authentizität), wobei sich die Serie eher mit den "innerlichen" Vorgängen beim Yoga beschäftigt als damit, besonders komplexe Übungen zu vermitteln. Tatsächlich versucht Adriene ihren Schülern nahe zubringen, dass die tollsten Yogaposen wenig bringen, wenn das Innere nicht mitmacht - einer ihrer Lieblingssprüche lautet "No Yoga Robots!"


Mit dem seelischen und meditativen Aspekt von Yoga habe ich durchaus meine Probleme, tatsächlich geht es mir für mich selbst beim Üben hauptsächlich darum, ein wenig Kraft aufzubauen, Rückenschmerzen zu vermeiden und erfolgreich zu entspannen, mehr erwarte ich gar nicht. Insofern konnte ich mich mit den begeisterten Video-Kommentatoren, die an mehreren Tagen schrieben, sie hätten beim Lesen der Tages-E-Mail oder dem Ausführen der Übungen vor emotionaler Überwältigung weinen müssen, nur bedingt identifizieren. Dennoch ist Adriene an sich sehr sympathisch und auch aus der Ferne eine gute Lehrerin. Ich denke, ich habe im Januar tatsächlich viel Neues zum Thema Yoga gelernt und erwäge bereits, eine der vorausgegangenen Serien zu abonnieren. Vielleicht muss ich dann ja nicht jeden Tag mitmachen...

Gesehen: Januar 2017

U.

Ich war im Kino! Im Januar! Wenn das so weitergeht, wird es Ende des Jahres dieses Mal vielleicht kein so schwieriges Projekt, aus den paar Filmen, die ich überhaupt gesehen habe, meine Lieblinge des Jahres auszuwählen!

Allerdings war ich alles andere als ein First Mover, denn ich sah den Star Wars-Ableger Rogue One, der bereits seit Mitte Dezember läuft... genauer gesagt war es gar nicht so einfach, ein Kino zu finden, das den Film überhaupt noch zeigte.

Rogue One schildert Ereignisse, die der Handlung des "vierten" Star Wars Films (also des Teils, der als erster ins Kino kam) vorausgehen. Es geht um den Bau des ersten Todessterns, den Mann, der ihn konstruierte und seine Tochter, die erfährt, wie man ihn zerstören kann. Als Verbindung zu den Ursprungsfilmen dient zum einen Darth Vader - die Macher waren sicher sehr erleichtert, dass diese Rolle dank Maske und Stimmverfremdung so gut wie jeder Schauspieler übernehmen kann - und die Figur Grand Moff Tarkin, die in Teil 4 von Peter Cushing gespielt wurde. Dieser ist seit 1994 tot, und so wurde die Figur für den neuen Film kompliziert aus alten Aufnahmen und per CGI wiederbelebt - was erschreckend gut funktioniert.

Gut gefiel mir, dass die Geschichte von Rogue One tatsächlich eigenständig funktioniert. Star Wars-Ignorante wie ich, die zwar jeden Film irgendwie kennen, sich die Details aber partout nicht merken können (oder wollen), kommen hier auch mit. Die Figuren fand ich ebenfalls sympathisch, ein wenig eindimensional vielleicht, aber das ist in den Originalfilmen ehrlich gesagt nicht anders. Die Handlung mag vielleicht ein bisschen sehr konventionell sein - die Presse kritisierte einen Mangel an Originalität, was ich durchaus unterschreiben würde. Aber als kurzweiliger Gut-gegen-böse-Film ist Rogue One durchaus gut geeignet und enthält allemal mehr neue Ideen als Star Wars - Das Erwachen der Macht.

Gelesen: Januar 2017

U.


Im Januar konsumierte ich nicht weniger als drei Krimis, zwei als Hörbücher und einen via Kindle.

Krimi Nummer 1, ein Hörbuch, war Eisenberg von Andreas Föhr. Föhr ist bereits recht bekannt für seine Regionalkrimiserie um Kommissar Wallner aus Miesbach im bayerischen Voralpenland - deren ersten Teil ich sehr empfehlen kann, die mir aber mit der Zeit etwas zu repetitiv wurde. Herrn Föhr vielleicht auch, und so begann er etwas Neues, denn auch Eisenberg scheint der Beginn einer Reihe zu sein. Deren Hauptfigur Rachel Eisenberg ist eine erfolgreiche Anwältin aus München.

Eher aus Prestigegründen als aus echtem Mitleid bemüht sie sich als Pflichtverteidigerin um einen medienbekannten Fall, in dem ein Obdachloser eine Studentin ermordet haben soll. Erstaunt muss sie feststellen, dass sie den Tatverdächtigen von früher kennt - er war früher Physikprofessor und mehrere Jahre lang ihr Freund. Trotz erdrückender Beweislage inklusive DNA-Spuren bemüht sich Rachel um einen Freispruch, erkennt Zusammenhänge zum längst vergessenen Verschwinden einer Albanerin in Rosenheim und wird beinahe selbst ermordet.

Eisenberg ließ mich gespalten zurück, denn mir gefiel das Geschehen um die teils mehr, teils weniger sympathische Anwältin sowie die - soweit ich das beurteilen kann - realistisch und auch interessant geschilderten Alltagsereignisse in der Kanzlei und vor Gericht eigentlich sehr gut. Der Fall wies allerdings größere Löcher auf, sowohl was die (Un-)Wahrscheinlichkeit einiger Zufälle betraf als auch manche technische Details, die so einfach schlicht nicht funktionieren können. Dennoch würde ich einem zweiten Teil definitiv eine Chance geben. Gelesen wurde das Ganze wie immer sehr gut von Michael Schwarzmaier.


Parallel las ich einen weiteren Krimi, nämlich The Likeness (deutsch: Totengleich) von Tana French. Nachdem mir ihr Debütkrimi In The Woods im Oktober so gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt wissen, wie es mit der Reihe um das Dublin Murder Squad weiter geht. Das Konzept scheint hier zu sein, dass die Hauptfiguren von Teil zu Teil variieren - so war die Protagonistin und Erzählerin von Teil 2, Cassie Maddox, im ersten Band nicht die Hauptfigur, kam aber vor.

Auch The Likeness kann ich nur mit Einschränkungen empfehlen, da die Prämisse der Geschichte einfach unmöglich erscheint: Im ländlichen Umland von Dublin wird eine tote Studentin gefunden, die Cassie bis aufs Haar gleicht. Die Tote starb offenbar allein, an den Folgen einer Stichwunde, weshalb der Leiter der Undercover-Abteilung vorschlägt, man könne so tun, als sei die Wunde nicht tödlich gewesen, und Cassie in die Rolle der Toten schlüpfen lassen, um den Mord aufzuklären.

Nun erscheint es mir im Grunde schon unmöglich, dass ein Mensch einem Nichtverwandten so sehr ähneln kann, dass engen Freunden wirklich kein Unterschied auffällt. Dann noch dessen Leben zu übernehmen, ohne bereits in den ersten Stunden durch einen Fehler aufzufliegen, erscheint beinahe noch absurder. Ein bisschen thematisiert der Roman dieses Problem auch, aber basiert letztlich darauf, dass es eben doch möglich ist. Was mir die Geschichte ein wenig verdirbt.

Die Handlung an sich darum, wie Cassie mit vier Freunden der Studentin ein Haus teilt, diesen vieles vorspielen muss, sie aber mehr mag als sie möchte, und langsam und unauffällig herausbekommen muss, was ihrer Doppelgängerin passiert ist, fand ich dann inklusive der Figuren durchaus spannend und wie schon Teil 1 sehr gut erzählt.


Krimi Nummer 3 des Monats war wieder ein Hörbuch, und zwar Die Chemie des Todes (englisch: The Chemistry of Death) von Simon Beckett. Irgendwann hatte ich den zweiten Teil der Reihe bei Spotify gehört und anschließend noch den dritten sowie ein anderes, nicht sonderlich gutes, Hörbuch, das ebenfalls von Johannes Steck gelesen worden war. Danach hatte ich von Steck und auch von Beckett gründlich die Nase voll, weshalb ich den ersten Teil der Reihe mehrere Jahre nach den anderen hörte.

Insofern war ich schon fast gespannt, ob ich nach gebührender Pause auch Die Chemie des Todes ablehnen würde, immerhin handelt es sich bei Becketts Krimis ja um Bestseller, die so gut wie jedem gefallen. Um es kurz zu machen: Auch dieses Buch ging mir gewaltig auf die Nerven. Der Protagonist David Hunter hat einen spannenden Beruf und ein interessantes Leben - aber so, wie Beckett ihn beschreibt und agieren lässt, erscheint er dennoch als der langweiligste Mensch der Welt. Er ist durch und durch moralisch untadelig und hat keinen einzigen originellen oder gar humorvollen Gedanken, nicht einmal die Trauer um seine verstorbene Frau und Tochter konnte ich ernst nehmen. Die anderen Figuren des Romans sind noch dünner angelegt, und so war mir auch völlig egal, was mit ihnen passiert.

Die Handlung, nämlich die Suche nach einem Frauenmörder in einem beschaulichen englischen Ort, war, das muss ich zugeben, spannend. Allerdings werden als faules Stilmittel zum einen Hunters platte Träume eingesetzt, in denen ihm (und dem Leser/Hörer) entweder klar wird, dass er etwas übersieht, oder ihm aber die verstorbene Frau praktischerweise mitteilt, dass sie ihm die neue Freundin verzeiht. Zum anderen wird in einer Penetranz auf bevorstehende grausige Ereignisse verwiesen (in Stil von "Hätte ich an diesem Abend schon gewusst, was mir bevor stand, wäre ich verzweifelt."), dass es auf mich ziemlich albern wirkt.

Also, Simon Beckett und ich werden wohl keine Freunde mehr, auch wenn ich mit meiner Abneigung anscheinend ziemlich allein dastehe.


Sendeschluss: Slowdive - Star Roving

U.


"New Slowdive song, new Trainspotting movie in a few days, feels like I've woken up in 1995." schreibt ein Kommentator auf Youtube und brachte mich damit zum Schmunzeln. Nach den Slowdive-Reunion-Konzerten im vorletzten Jahr (bei meinem verabschiedete sich Rachel mit "See you next year!") war man ja durchaus hoffnungsvoll, was neues Material betrifft, nur hat es dann noch ein bisschen länger gedauert als erwartet (die Stone Roses versprachen 2012 auch neues Material und veröffentlichten nach vier Jahren Wartezeit zwei nicht überzeugende Songs, da will ich über einen Monat Verspätung bei Slowdive gar nicht meckern).

Das neue Slowdive Lied dagegen gefällt mir nämlich durchaus gut, lediglich das Video wirkt, als wäre hier nicht viel Herzblut investiert worden. Na ja, besser als umgekehrt...

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