Das Franzis in Wetzlar ist, rein entfernungstechnisch gesehen, vermutlich die Konzert-Location, die unserem Wohnzimmer am nächsten liegt....

Neulich beim vierten Besuch: Loch Lomond im Wetzlarer Franzis


Das Franzis in Wetzlar ist, rein entfernungstechnisch gesehen, vermutlich die Konzert-Location, die unserem Wohnzimmer am nächsten liegt. Loch Lomond waren für den Samstag als Wohnzimmergäste bei uns Zuhause gebucht, aber es ist schon beinahe Tradition, dass wir, soweit es eben möglich ist, die erwartete Band auch beim Konzert des Vorabends aufsuchen - so kann man sich schon einmal kennen lernen und auch kurz nachfragen, ob die Band tatsächlich weiß, dass sie zugesagt hat, am folgenden Tag nach Montabaur zu fahren.


Das Franzis hatten wir vorher bereits dreimal besucht, bei Konzerten von And The Golden Choir, Gemma Ray und The Hidden Cameras. Bei allen drei Konzerten war die Zahl der Zuschauer überschaubar gewesen, und auch an diesem Freitagabend füllte sich der Saal nur spärlich. Man merkt dem Franzis an, dass es mit Engagement geführt wird - die meisten eingeladenen Künstler liegen den Betreibern sicherlich am Herzen - aber mit der Gästezahl klappt es meistens nicht. Am Freitagabend belief sich die Gesamtzahl der Besucher auf knapp 20, so dass wir uns insgeheim schon triumphierend ausmalten, in unserem eigenen Wohnzimmer ein erfolgreicheres Konzert zu veranstalten.


Erfolgreicher vielleicht hinsichtlich der Besucherzahl, aber nicht finanziell. Am nächsten Tag erfuhren wir nämlich von den Musikern, dass der Veranstalter für den Auftritt in etwa doppelt so viel bezahlt haben muss, wie letztlich bei uns zusammen kam. Tatsächlich macht man sich als "Miniveranstalter" natürlich seine Gedanken, wenn es darum geht, was vier Musiker letztlich mit den paar Euro pro Gast, die wir einnehmen, eigentlich so anfangen können, wenn gleichzeitig Flüge und Mietwagen bezahlt werden müssen - wobei sich die Band uns gegenüber vorab auch gar nicht nach der Bezahlung erkundigt hatte. Insofern ist es dann tröstlich, zu wissen, dass anderenorts etwas mehr bezahlt wird:


Die Band, die anders, als der Name vermuten lässt, aus Portland in den USA stammt, war, wie es uns bereits angekündigt worden war, zu viert: Neben dem Sänger und Band-Oberhaupt Ritchie Young waren auch Brooke Parrott, Anna Hoone und Pete Bosack dabei. Ritchie selbst hatte eine zu seinem komplett weißen Outfit passende neue, weiße Gitarre, die extrem häufiges Stimmen erforderte, und wechselte manchmal an die Ukulele. Die anderen Musiker, alle in schwarz gekleidet, wechselten zwischen Keyboard, Xylophon und Gitarre hin und her. Die Zahl der Instrumente trieb mir einige Schweißperlen auf die Stirn: Wie würde all das nur in unser Wohnzimmer passen? Und wo würden dann die Gäste sitzen?


Überraschend (für uns) stellte sich heraus, dass auch Loch Lomond bereits zum vierten Mal in Wetzlar zu Gast waren. Die Betreiber haben sogar schon einen Gegenbesuch bei der Band in Oregon unternommen. Man kennt sich also gut.

Trotz der geringen Zuschauerzahl war der Mini-Moshpit, den wir bereits beim Hidden Cameras-Konzert gesehen hatten, wieder im Dienst, und auch sonst waren die wenigen Besucher aufmerksam und interessiert. Die Band spielte neben eigenen Songs - überraschenderweise erklärte man, die Tournee sei zur Promotion für das "neue" Album "Pens from Spain" - die Platte ist aus dem Herbst 2016. Das neueste Lied der Band, "Legs and Antlers" fand dagegen keinen Platz in der Setliste - ebensowenig wie der Favorit meines Freundes, "Your Eyes". Aber von "Pens From Spain" wurden mit "Violins And Tea" und "Seattle Denver Arms" auch nur zwei Lieder gespielt. Uns konnten die verwirrenden Promotion-Intentionen natürlich völlig egal sein, und wir genossen ein abwechslungsreiches Set, bei dem beide Frauen häufig und viel mitsangen - "The Way" sangen sie abwechselnd ganz allein, während Ritchie dazu an die Ukulele wechselte und erst am Ende mit einstimmte.


Im Januar hatte Ritchie Young in seiner Heimatstadt Portland ein Konzert gegeben, bei dem ausschließlich Lieder des The Magnetic Fields Albums "69 Love Songs" vorgetragen wurden. Aus diesem hatten sich auch zwei in die Setliste der aktuellem Tournee geschlichen, nämlich "No Matter When We’re Dancing" und "The Book Of Love". Als Zugabe gab es eine weitere Coverversion, "Yuma, AZ" von Damien Jurado, den Richie als einen seiner Lieblingskünstler anpries. Als allerletztes bat Ritchie Anna Hoone, allein eines ihrer eigenen Lieder zu spielen - was diese wohl nur unter Zwang tut, denn sie kommentierte diese Ankündigung mit "Goddamnit Ritchie!", spielte dann aber sehr schön allein an der Gitarre "Montana".


Anschließend überwanden wir unsere Schüchternheit und sprachen die Band an, die sich vollzählig an den kleinen Merchandise-Tisch begeben hatte. In der Tat war man sich bewusst, dass man am nächsten Tag zu uns fahren würde und begeistert über die Erkenntnis, dass nur eine kurze Fahrt bevorstand (anders als die vorausgehende von Wien nach Wetzlar). Man bedankte sich auch überschwänglich dafür, dass wir extra gekommen waren. Einer ungetrübten Vorfreude auf den kommenden Konzertabend stand also nichts mehr im Wege.

Setliste:

Trumpet Song
Blood Bank
Nelson Family
Violins And Tea
Seattle Denver Arms
Stripe
The Way
No Matter When We’re Dancing (The Magnetic Fields Cover)
Elephants & Little Girls
A Fields Report

All Your Friends Are Smiling
Tic
The Book Of Love (The Magnetic Fields Cover)
Wax & Wire
Tiny Steps
Northern, Knees, Trees, And Lights
Witchy
Egg Song

Yuma, AZ (Damien Jurado Cover)

Montana (Anna Hoone Song)


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