Liebe Editors, wisst ihr noch? Nein, wisst ihr unter Garantie nicht. Es muss 2005 gewesen sein, da gabt ihr als junge, aufstrebende New...

Wir müssen reden: Editors im Wiesbadener Schlachthof


Liebe Editors, wisst ihr noch? Nein, wisst ihr unter Garantie nicht. Es muss 2005 gewesen sein, da gabt ihr als junge, aufstrebende Newcomer ein Konzert im vergleichsweise winzigen Mousonturm in Frankfurt. Ich hatte gerade erst Euer erstes Album "The Back Room" gehört, war bezaubert von "Munich" und all den anderen tollen Liedern... und erlebte ein Konzert, das in meiner Erinnerung seinesgleichen sucht. Ich kaufte mir sogar hinterher ein T-Shirt - vermutlich das letzte Bandshirt, das ich bislang gekauft habe.


Es folgten mit den Jahren diverse weitere Konzertbesuche - wenn ich richtig gezählt habe, waren es insgesamt acht. Zwischenzeitlich sind auch fünf weitere Alben erschienen, zuletzt Euer neues Werk "Violence". Ehrlich gesagt mag ich nach "The Back Room" aber am liebsten das darauf folgende "An End has a Start", Eure Ausflüge in Synthie-Gefilde haben mich weniger überzeugt - und U2 gibt es schon, da muss man kein Imitationslied wie "A Ton of Love" veröffentlichen. Und Euer neues Werk "Violence" ist, nun ja, gewöhnungsbedürftig.

Dennoch freute ich mich auf Euer Konzert im Wiesbadener Schlachthof: Es würden ja nicht nur neue Songs gespielt werden, und "Smokers Outside the Hospital Doors" ist auf jeder Setliste gesetzt. Tom Smiths Gestik und Mimik ist mit den Jahren ein wenig vorhersehbar geworden, aber irgendwie hat ja jeder seinen persönlichen Stil.


Zunächst sahen wir aber Eure Vorband Public Service Broadcasting, die ich bereits vor vier Jahren als Vorband der Manic Street Preachers gesehen hatte. Aus dem Duo ist mittlerweile ein Trio (mit Schlagzeuger) geworden, und die Videoleinwand war im Wiesbadener Schlachthof deutlich größer als auf der kleinen Bühne des Gibson-Clubs. Beibehalten hat man das grundsätzliche Konzept, elektronische Musik zwischen Kraftwerk und Mogwai zu machen und dazu thematisch passende, ältere Bildungsfilme zu zeigen, etwa zur Raumfahrt, dem Bergbau oder dem Eisenbahnverkehr.


Mir gefiel das Ganze besser als vor den Manics, vielleicht auch, weil die Band etwas "normaler" geworden ist. Zwar tippt man seine Zwischenansagen immer noch gerne in ein Tablet, sagte aber auch einige Sätze ganz normal ins Mikrophon.

Setliste:

People Will Always Need Coal
Progress
?
Night Mail
Spitfire
All Out
Go!
Gagarin
Everest


Hinter Public Service Broadcasting verbarg ein Vorhang die restliche Bühne, so dass man gespannt sein konnte, was sich dahinter verbarg. Um Punkt 9 lüftete er sich und gab preis, dass die Bühnendekoration aus metallisch wirkenden, aber sicherlich extrem leichten Skulpturen bestand. Das sah sehr schön aus. Und da wart auch schon Ihr Editors auf der Bühne. Los ging es gleich einmal mit einem neuen Song - "Hallelujah (So Low)", gefolgt von der U2-Imitation "A Ton of Love" - beides keine meiner Favoriten, und es ging dann auch weiter mit Songs vom neuen Album, was einerseits verständlich war, man will sein neues Material ja live präsentieren - aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.


Du, Tom Smith, trugst ein sehr großes schwarzes Hemd und darüber zunächst eine Jeansjacke, die restliche Band war ebenfalls schwarz gekleidet. Bei den vielen "Ohohos" und "Aahahas" der neuen Platte hatten auch deine Kollegen an Bass und Keyboard viel mitzusingen, außerdem animierten sie das Publikum zum Mitklatschen - taten das aber weniger penetrant als ich bei den jüngsten Konzerten erlebt hatte.

"Violence", der Titelsong von, genau, "Violence" bot leider den Tiefpunkt des Sets, ging aber zumindest sehr schön und nahtlos in "No Harm" über, mit dem bei der letzten Tour Eure Konzerte häufig eröffnet wurden. Auf der aktuellen Setliste leitet der Song zumindest den Programmteil mit den besten Liedern ein. Justin Lockey bearbeitete dazu seine Gitarre mit einem Drumstick. Es folgten "Lights", "Blood", "An End has a Start", dann sogar "Munich"... plötzlich machte alles viel mehr Spaß, selbst wenn zu meinem Entsetzen "Smokers Outside the Hospital Door" in der neuen Setliste keinen Platz gefunden hatte. Was habt Ihr Euch dabei denn gedacht, Editors? Vor allem, wenn Ihr parallel darauf besteht, das wirklich sehr nervige "Eat Raw Meat = Blood Drool" seit mehreren Jahren bei jedem Konzert zu spielen!


Kurz vor dem Ende des Hauptteil wurde es mit "Racing Rats" nochmals nostalgisch (und gut), zum Finale spieltet ihr "Ocean of Night", das Tom allein an der Gitarre begann. Die Zugabe folgte quasi sofort und begann mit "No Sound but the Wind" - in Belgien schon lange ein Hit und wohl auch für immer im Liveset. Aktuell trägt Tom Smith es allein vor.  Auch die wirklich nicht sehr gute Stampfnummer "Papillon" war weiterhin auf der Setliste, wurde aber in Wiesbaden zugegebenermaßen vom Publikum so abgefeiert, dass ich anerkennen muss: Das müsst ihr wohl immer spielen, auch wenn weder meine Begleiter noch ich den Erfolg des Songs nachvollziehen konnten.


Mit "Marching Orders" endete dann dieses Konzert, und ich muss Euch, den Editors sagen: Ihr habt doch so viele tolle Songs, aber wo waren die meisten davon auf der Setliste? Gut, das neue Album müsst ihr wohl spielen (nur ein Lied daraus fehlte), aber es gibt eben auch diverse Setlisten-Nieten, die ihr seit Jahren von Tour zu Tour mitschleift. Lasst die doch alle einmal weg!


Im Sommer sehen wir uns schon wieder, denn dann sind wir alle zusammen in London und feiern das Jubiläum von The Cure. Ihr werdet dann als Vorband einen viel kleineren Slot für Euer Konzert im Hyde Park haben, also wäre das wirklich einmal ein guter Anlass "Eat Raw Meat" und ein paar andere mit Schwung aus der Setliste zu schmeißen. "Ocean of Night" könnt ihr drin lassen, ruft dann aber bitte Rachel von Slowdive dazu auf die Bühne, sie wird nämlich ebenfalls vor Ort sein. Und wenn Ihr mich nicht ärgern wollt, findet Ihr auch fünf Minuten für "Smokers".

So, wie sehen uns im Juli. Bis dann!

Setliste:

Hallelujah (So Low)
A Ton of Love
Darkness at the Door
Formaldehyde
Violence
No Harm
Lights
Blood
Munich
An End Has A Start
In This Light and on This Evening
Eat Raw Meat = Blood Drool
Nothingness
Belong
Sugar
The Racing Rats
Ocean of Night

No Sound but the Wind
Cold
Magazine
Papillon
Marching Orders


Kommentare:

  1. Ich war bei der neuen Tour in Münster (war gut) und in Köln (supermegamödergeil). Ich mag die neuen Stücke zwar nicht alle auf CD (die ich irgendwie sehr durchwachsen finde), aber live sind sie großartig.... Ich glaube, es ist ein Unterschied, ob man die Band vor oder mit Papillon für sich entdeckt hat. Denn alle, die die erste CD sehr lieben, sind mit dem Wandel der Band irgendwie nicht glücklich. Ich bin mit Papillon eingestiegen und liebe die Band seit diesem Moment. Allerdings liebe ich sowieso Gitarren- wie auch Synthiemusik.... wem das nicht gegeben ist, für den wird es wohl schwieriger...

    Was ich noch sagen wollte..... DAS KONZERT GESTERN IN KÖLN WAR GIGANTISCH!!!!

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    1. Is ja gut. :)
      Ich habe grundsätzlich auch keine Probleme mit Synthiemusik - nur die der Editors gefällt mir nicht besonders. Ja, vielleicht liegt es wirklich daran, wann man die Band kennen gelernt hat, wie gut man mit dem neueren Material zurecht kommt.

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