Im März passierte etwas aus meiner Sicht ziemlich Spannendes, ich gesellte mich nämlich unter die Brillenträgerinnen. Schon seit mehreren Ja...

Gekauft: März 2018

Im März passierte etwas aus meiner Sicht ziemlich Spannendes, ich gesellte mich nämlich unter die Brillenträgerinnen. Schon seit mehreren Jahren überlege ich hin und her, ob meine langsam nachlassende Sehkraft eine Brille erfordert. Ich habe in dieser Zeit an mehreren betriebsärztlichen Augenuntersuchungen teilgenommen (das Ergebnis war stets grenzwertig, so dass mir letztlich keine Arbeitsplatzbrille verordnet wurde) und war auch einmal beim Augenarzt, was hauptsächlich zu der Erkenntnis führte, dass man es als Kassenpatientin vermeiden sollte, offen zuzugeben, dass man nur gekommen ist, um zu erfahren, ob man eine Brille benötigt - ich wurde jedenfalls ziemlich lieblos abgefertigt und erfuhr hinterher von der Betriebsärztin, dass das die Regel sei.


Inzwischen beschloss ich dann doch, dass es ja nicht schaden könnte eine Lesebrille zu haben. Ich hatte einen Artikel über die schweizerische Brillenkette Viu gelesen, den ich recht spannend fand. Anscheinend ist ein erheblicher Preistreiber im Brillengeschäft, dass so gut wie alle beim regulären Optiker erhältlichen Gestelle aus derselben Fabrik in Italien stammen - egal, welcher Markenname letztlich auf dem Bügel steht. Viu stellt seine Brillengestelle selbst her und verlangt für eine Einstärkenbrille nur 165 Euro.

Allerdings hatte ich noch gar keinen Brillenpass, der Augenarzt hatte nur eine Dioptrinzahl aufgeschrieben, sich mit anderen Werten aber gar nicht erst befasst. Viu bietet in verschiedenen Städten Sehtests an, aber Frankfurt gehört leider nicht dazu. Nun könnte man natürlich einfach zu Fielmann, Apollo oder einem beliebigen anderen Optiker gehen, seine Augen testen lassen, dann Unentschlossenheit bezüglich der Brillenwahl vortäuschen und mit dem Brillenpass direkt zu Viu marschieren. Das erschien mir aber als unmoralisch - ich lasse mich relativ ungern in Geschäften beraten, aber wenn ich eine Beratungsleistung in Anspruch nehme, möchte ich das auch durch einen Kauf honorieren.


Also ging ich stattdessen zu Ace & Tate.  Das Konzept dieser Kette ist in etwa identisch, allerdings stammt sie aus den Niederlanden und eine Brille kostet sogar nur 98 Euro - und man bietet in Frankfurt Sehtests an. Ich vereinbarte online einen Termin für eine Mittagspause. Die Frankfurter Filiale befindet sich direkt gegenüber vom Frankfurter Hof, die in Köln in einer Seitenstraße der Ehrenstraße, beides erstklassige Lagen. Die Geschäfte selbst sind auch so edel gestaltet, dass ich von außen nie im Leben vermutet hätte, es mit einem Billigladen zu tun zu haben. Vermutlich hätte ich mich gar nicht hineingetraut.

Im Inneren des Geschäfts arbeiteten an diesem Tag ausschließlich junge Frauen unter 25 Jahren. Da ich auf den Sehtest noch ein paar Minuten warten musste, sah sich eine von ihnen schon einmal mit mir die vorhandenen Gestelle an. Die Auswahl war deutlich kleiner als bei Fielmann, insgesamt gibt es vielleicht 50 verschiedene Gestelle, häufig in mehreren Farben. Ich fand diese relativ eingeschränkte Auswahl aber sehr gut, denn da ich überhaupt nicht wusste, was ich möchte, wäre ich mir sonst schnell verloren vorgekommen. Die Kundenberatern ließ mich diverse Gestelle ausprobieren, lehnte einige gleich von sich aus ab (etwa, wenn das Gestell breiter war als mein Kopf) und fragte bei anderen nach meiner Meinung. Schnell waren wir uns einig, dass ich mich entweder für "Lily" oder für "Nina" entscheiden sollte.

Dann war es erst einmal Zeit für meinen Sehtest, bei dem generelle Weitsichtigkeit und auch eine Hornhautverkrümmung festgestellt wurde. Um die Ergebnisse festzuhalten, musste ich gleich vor Ort auf einem iPad ein Kundenkonto anlegen, in dem meine Werte festgehalten wurden. Dann ging ich wieder hinaus, verglich nochmals die beiden Lieblingsgestelle und entschied mich letztlich für "Nina" in der Farbe Alderwood.


An der Kasse wurde gleich wieder auf mein Kundenkonto zugegriffen, um die Bestellung festzuhalten. Zu meiner Beruhigung folgte nun nicht der Verkaufsprozess, den ich als Begleiterin schon bei Fielmann erlebt hatte - dass nämlich nach der Entscheidung für ein Gestell noch diverse Anschlussfragen zu den Gläsern hinsichtlich Dicke, Entspiegelung und so weiter folgten, was dann den endgültigen Kaufpreis enorm nach oben trieb. Nur zwei Zusatzleistungen bot man mir an: Für 20 Euro mehr empfahl man mir einen Blaulichtfilter, der diese Lichtkomponente aus dem Bildschirm- und Handylicht herausfiltert (das nahm ich an), außerdem bot man mir an, für weitere 20 Euro extra die fertige Brille noch am selben Tag abzuholen (das lehnte ich ab).

Die reguläre Lieferzeit einer Ace & Tate-Brille beträgt etwa 14 Tage, wobei man sie entweder nach Hause oder ins Ladengeschäft liefern lassen kann. Ich entschied mich fürs Geschäft, um die Brille gleich vor Ort anpassen lassen zu können. Nach etwa einer Woche erhielt ich eine E-Mail und konnte die Brille abholen.

Ich finde es tatsächlich angenehm, meine neue Brille beim Lesen und beim Arbeiten am Laptop zu tragen. Zwingend notwendig ist es allerdings nicht. Etwas irritierend ist die Korrektur der Hornhautverkrümmung, denn wann immer ich die Brille auf- oder absetze erscheinen mir Rechtecke zunächst "falsch" geformt. Ace & Tate würde ich allen, die eine schöne Brille ohne viel Drumherum zu einem sehr fairen Preis suchen, wärmstens empfehlen - ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass man als langjähriger Brillenträger gegebenenfalls lieber zum Optiker seines Vertrauens geht.

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