Ob es nun um Filme, Musik oder Startkapital für die eigene Firma geht, Crowdfunding ist längst im Mainstream angekommen, allerdings nicht...

Neulich als ich crowdfundete


Ob es nun um Filme, Musik oder Startkapital für die eigene Firma geht, Crowdfunding ist längst im Mainstream angekommen, allerdings nicht so recht in meinem Leben. Zumindest bis vor kurzem, denn mittlerweile habe ich gleich zwei Projekte unterstützt.

Zunächst waren da Pete Fij & Terry Bickers. Die beiden hatte ich vor mittlerweile mehr als zwei Jahren in Regensburg live gesehen und wartete seitdem gespannt auf das damals angekündigte Album. Diese ließ zunächst auf sich warten, dann kam im Herbst 2013 der Aufruf, sich an einer Kickstarter-Kampagne zu beteiligen, die die Finanzierung der Album-Aufnahmen ermöglichen sollte.


Die Auswahl an Gegenleistungen für unterschiedlich hohe finanzielle Beteiligung war dabei beträchtlich: Natürlich konnte man das noch aufzunehmende Album erwerben, mit oder ohne Unterschriften der Musiker, mp3-Download und eine bereits aufgenommene Vorgängerversion von Pete allein. Die anderen Angebot rangierten von günstig (ein Button für 2 Pfund) über mittel (mit Pete online oder in dessen Heimatort eine Runde Scrabble oder Schach spielen für 15 Pfund) bis recht teuer (ein von Pete nach Vorabgespräch über den Spender oder eine Person seiner Wahl geschriebener Song für 300 Pfund).

Die beiden hatten als Ziel der Kampagne 1000 Pfund angegeben, im Dankesschreiben nach erfolgreichem Abschluss gaben sie aber zu, eigentlich auf 3000 spekuliert zu haben - was egal war, denn letztlich hatten sie über 6000 eingenommen. Sieht man sich im Nachhinein die Angebote nochmals durch, zeigt sich, dass erstaunlicherweise kein Spender sich für einen Button oder Fotoautomatenbilder von Pete und Terry entscheiden konnte, dafür gab es (natürlich) reges Interesse an den Tonträgern. Immerhin drei Crowdfunder bekommen einen Song geschrieben, einer entschied sich für eine Gitarrenstunde mit Terry, und Pete hat auch je eine Runde Schach und Scrabble verkauft. Dagegen wollten siebzehn Personen eine handschriftliche Version eines Songtextes von Pete Fij besitzen.


Nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts wurde es recht still. Der ursprünglich als Veröffentlichungstermin des Albums anvisierte Valentinstag erwies sich als nicht haltbar. Immerhin hielt einen Pete aber mit regelmäßigen Updates auf dem Laufenden, zwischenzeitlich gab es als Trost für die Wartenden einen exklusiven mp3-Download eines auf dem Album nicht enthaltenen Songs. Am 17. Mai schließlich bekamen wir die Nachricht, dass nun alle erworbenen Artikel zu uns unterwegs seien, und tatsächlich kam einige Tage später Post.

Und was hatten wir nun gekauft? Das Doppelpaket mit beiden Alben (der Urversion von Pete allein und der neuen mit Terry Bickers) sowie eine Abschrift des Textes von Adorables "Homeboy". Das Album gefällt mir sehr gut, und ich bin sehr froh, dessen Aufnahme mit-ermöglicht zu haben. Wenn wir Pete und Terry nun nur noch zu einem Wohnzimmerkonzert überreden könnten!


Crowfunding-Beteiligung Nummer zwei waren die Krautreporter, ein Zusammenschluss einer Gruppe Journalisten, die als Alternativmodell zu den Onlineangeboten der Tageszeitungen eine eigene Seite gestalten wollen. Die Idee ist dabei, durch ein vorab sicher gestelltes Grundgehalt weitgehend unabhängig von Werbung und Klickzahlen zu sein, was einen neutraleren und intelligenteren Journalismus ermöglichen soll. Ich finde diese Ideen überzeugend, außerdem sind mit Stefan Niggemeier und Peer Schrader zwei Autoren beteiligt, die ich sehr gerne lese.

Die Kampagne von Krautreporter war ebenfalls erfolgreich, hier muss sich das Ergebnis aber erst zeigen, denn zu lesen gibt es bislang noch nichts, die Aktion ist ja auch erst wenige Wochen her. Ich bin gespannt.

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